Ausgabe 
26.6.1933 Frühausgabe
 
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Warum Lustfahrt-Werbewoche?

Aus der Provinzialhauptstadt

AVx. Die gar.« angesehen werden, i Aushören des Ae>

und Ldergebiel.

che ununterbrochen ccn Fulda, 'Berta, Nebenflüsse Hoch« . Aikderjossa-Ae- getreten. Auch die :ig gelegenen Die- fier toiri) aus dein. )hm das giußbett ni> Trch-Leelhem

3<n neuen Geist.

Der neue Vorsitzende des Hessischen Sänger­bundes, Dr. Werner Kulz, Sachbearbeiter für DolkStum und Kunst in der Hessischen Regierung, richtete einen Aufruf an die Mitglieder des Dündes, in dem er über die Einstellung des Gängers zur neuen Zeit spricht. Er führt u. a. aus.

** Nehmt Rücksicht auf Laich-Schon- reviere! Das Polizeiamt Liehen teilt mit: In letzter Zeit wurde wiederholt die Wahrnehmung ge­macht. daß meist jugendliche Personen in der freien Lahn baden und dabei die Strecke zwischen dem Wehr in der Nähe des Elektrizitätswerks und dem Zufluß der Wieseck in die Lahn benützen. Diese Strecke ist Laichschonrevier und bedarf im Interesse der Fischzucht eines besonderen Schutzes. Wir machen die Bevölkerung darauf aufmertfam, daß das Baden in der Lahn und ihren Nebenflüssen innerhalb der Gemarkung Gießen nur in den Bade- anflalten und den städtischen Freibadeplätzen ge­stattet ist. Unsere Polizeibeamten find angewiesen, gegen alle Personen, die beim Baden in der offenen Lahn und insbesondere im Laichschonrevier be­troffen werden, Anzeige zu erstatten.

" Sonderzüge zum Gauturnfest in Alsfeld. Anläßlich des Gauturnfestes in Alsfeld vom 1. bis 3. Juli werden die nachstehend genannten Sonderzüge gefahren: Am Samstag, 1. Juli: Bor- zug 557 Gießen ab 15.32 Uhr, Alsfeld an 16.57 Uhr. (Der Zug hält auf allen Unterwegsbahnhöfen und wird besonders den Turnern zur Benutzung empfoh­len.) Am Sonntag, 2. Juli: Sonderzug Alsfeld- Gießen: Alsfeld ab 23.00 Uhr, Gießen an 0.21 Uhr. (Der Zug hält auf allen Unterwegsbahnhofen.) Ferner ist die Ausgabe von Sonntagsrückfahrkarten in erweitertem Umfange in Aussicht genommen.

* Billige Fahrgelegenheit nach der Edertalsperre! Am Sonntag, 2. IuU, läßt die Reichsbahnoerwaltung einen Sonderzug mit Schnellzugsgeschwindigkeit und 60-v. H.-Fahrpreis­ermäßigung von Lauterbach über Burg- und Nie- dergemündenKirchhain mit Flügelsonderzug von Gießen über Marburg (Bereinigung beider Züge in Kirchhain) nach der Edertalsperre verkehren. Der

Die Sangesbewegung hat heute eine ganz große Ausgabe. Wie die Turnbewegung der Körper­bildung und äußeren Wehrhaftmachung. so hat sie der Seelenbewegung und inneren Wehrhaft- nadjung der Volksgenossen zu dienen. Die San- lesbewegung wird damit und wir wollen in

iße vor der lstim l i offene Münder, te 5» ** Die

Schones MadM schmutzig im W- el hinterlaßen, jür das Bild.

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Pornotizcn.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:SA.-Mann Brandt".

Der FilmSA-Mann Brand", der vor einigen Tagen in Berlin in Gegenwart des Führers, Reichskanzler Adolf Hitler, des Reichs- Ministers Dr. Goebbels und anderer hervor­ragender Männer der nationalsozialistischen Be­wegung seine erfolgreiche Uraufführung erlebte, wird vom Heutigen Montag ab im Lichtspielhaus Gießen zur Ausführung kommen. Die heutige erste Vorführung wird als Festoorstellung gegeben, bei der die SA.-Kapelle mitwirken wird. Zu der Auf­führung dieses ersten deutschen SA.-Films sind paf­fende Bühneneinlatzen vorgesehen. Wie in Berlin und den anderen Städten der bisherigen Vorfüh­rung wird der Film zweifellos auch in unserer «ladt mit starkem Interesse aufgenommen werden.

eigenen Kreis bei den regelmäßigen Zusammen­künften. Tätigkeit ganz besonderer Art forderte die Kriegszcit von ihnen. Es ist selbstverständ- lich, daß die Frauenvereine den Jubiläumstag nicht ganz achtlos vorübergehen lassen, sondern dankbar Rückschau halten und im Gedenken an die Vergangenheit sich neu rüsten für die Arbeit der kommenden Tage. Das soll geschehen am Sonn­tag, 2. 3uli mit einem Festgottesdienstum 9.30 Uhr, in der Stadtkirche und einer Rachmit­tag s f e i e r um 3 Uhr im Saale derLiebigs- höhe".

Taten für Montag, 26. Juni.

1583: der schwedische Staatsmann Axel Oxenstierna auf Fanö geboren; 1824: der englische Physiker Lord William Thomson in Belfast geboren, 1831: der Dichter Julius Rodenberg zu Rodenberg in Hessen geboren; 1841: der Architekt Paul Wallot in Oppenheim a. Rh. geboren; 1918: der österreichische Dichter Peter Rosegger in Krieglach gestorben.

wische Verbrech«. "°r dem flauet Hrn.Lhrisl unb ' nQhontifoyaü,tj, Ier'd)mibt a-n Jrurtetlung btr bei. ,rren Londiriedens. W Thrisl wurde 12 Jahren Zucht, m zu fünf Jahren unoimg wird au;, das erste Eksländ. il der Standarte R3 ilb, weil die einze!- ihmslos von unbe- n feien. Daß tyrift n habe, komme für 'ist war nach seinem r dem Stadlverord- igenden Stich vev. )t als Nädelssührer -sehen worden.

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Als bann in den Jahren 1904 und 1905 die ersten Nachrichten von den damals überraschenden Flugleistungen der Gebrüder Wright aus Amerika in Europa eintrafen, stießen sie auf allgemeinen Unglauben. Man glaubte es nicht, daß ein Doppeldecker mit einem 2.5-?8-Molor in ungefähr 38 Minuten eine Strecke von nahezu 40 Kilometern durchflogen haben sollte. In Deutsch- land war es namentlich der bekannte Frankfurter Erfinder Euler, der mit seinen Flugversuchen be­rechtigtes Aufsehen erregte.

Von dem Jahre 1909 ab entwickelte sich die Tech- nik auf dem Gebiete des Flugwesens »prunghaft. Sie hat bis zum heutigen Tage jedenfalls einen viel größeren Sprung gemacht, als die Erkenntnis und die Einsicht des mit der Luftfahrt unmittelbar nicht beteiligten Teiles des Volkes. Unsere Mitwelt hat, so wie sie heute noch zum großen Teile der Luft­fahrt gegenüber steht, unseren Urgroßvätern aus der Biedermeierzeit nichts vorzuwerfen, die seinerzeit in dem Durchfahren eines Tunnels mit der Eisenbahn ein lebensgefährliches Unternehmen zu erkennen glaubten.

Diesen Teil des Volkes davon ju überzeugen, daß Fliegen keine lebensgefährliche Betätigung, jum mindesten nicht gefährlicher ist, als manch andere Sportart, soll Zweck und Aufgabe der Luftfahrt-werdewoche sein.

Zugleich soll sie an die Taten der Männer erinnern, die in den Anfängen der Luftfahrt Geld und Gut und ihr Leben eingesetzt haben, um ihre Ideen zum Wohle des Vaterlandes zu verwirklichen, die keinen Kampf gescheut und durch diesen Kampf schließlich ihr hohes Ziel erreicht haben. Die Werbewoche soll aber auch die große Zahl derjenigen, die heute noch beiseite sichen und von der Lebenswichtigkeit beut- scher Luftfahrt noch nicht restlos überzeugt finb, auf- rütteln unb ihnen klarmachen, bas deutsch? Luft­fahrt not tut unb baß es eine oaterlänbische Aufgabe ist, sie in jeber Weise zu förbern. Sie sollen aus vaterländischem Pflichtgefühl heraus mit­helfen, der Heranwachsenden Jugend die Möglich­keit zu geben, Flugsport, der größere geldliche Opfer verlangt, als mancher andere Sport, zu treiben. Wer glaubt, sich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr aktiv der Fliegerei widmen zu können, der denke wenigstens an unsere deutsche Jugend, an die kommende Generation, die nach Betätigung im Flugsport drängt. Er helfe mit, für sie die Möglich- keit zum Fliegen zu schaffen und trete der Orts­gruppe Gießen im Deutschen Luftsportverband als förderndes Mitglied bei. Jeder vaterländisch Ge- finnte ist willkommen!

Uralt ist der Traum der Menschen, sich von der Erbenschwere zu lösen und sich den Vögeln gleich 11 die Lüste zu erheben Jahrhunderte mußten aber □ergeben, bis dieser schönste Traum der Menschheit Wirklichkeit werden konnte Aus diesem jahrhunderte- langen Wünschen ist die geschichtliche Tatsache zu erklären, daß keine Entdeckung das Volk so in Er­regung gebracht hat, wie die Erfindung des Lust- ballons.

Im Jahre 1782 stiegen die ersten, mit warmer Luft gefüllten Ballone auf, 17 85 wurde be­reits d e r Kanal überflogen. Die kühnsten Träume menschlicher Phantasie waren plötzlich Wirk­lichkeit geworden. Don der neuen Erfindung er­wartete man die größte Ausbeute für die Wissen- ichaft, die stärkste Umwälzung in den Derkehrsver- holtnissen der Erde. Nicht nur die Gelehrten, das ganze Volk nahm leidenschaftlichen Anteil an der neuen Erfindung menschlichen Geistes.

Das Problem der Luftfahrt. war an sich gelöst, der menschliche Geist strebte aber weiter. Von der ' Erde sich lösen konnte man, in der Lust jedoch war man den (Elementen preis-gegeben, die Luftströmung iriurnphierte über den Willen des Menschen. Sie trug ihn nach ihrem Willen in gastliche und ungast­liche Gegenden. Es galt, sich unabhängig von der Gewalt der Elemente zu machen, das Luftfahrzeug mußte lenkbar werden.

veulschem Lrfindungsgeist blieb es Vorbehalten, das Problem der Lenkbarkeit zu lösen. Graf Zeppelin zwang den Elementen seinen willen auf, seine Luftschiffe leisteten dem Vaterland in Krieg und Frieden hervorragende Dienste.

Dos Luftschiff, das heute, seinen Namen am Bug, am Heck die stolze Flagge Schwarzweißrot führt, zwingt die Welt und die Völker entferntester Erd­teile immer wieder zur Anerkennung deutschen Er- finöergeiftes und deutscher Werkmannsarbeit.

Aber auch nach einer anderen Seite hin hat sich der menschliche Geist mit der Erfindung des Luft­ballons, der leichter als die Luft ist, nicht zufrieden aegeben. Die Beobachtung des Vogelfluges wies ihn |d)on zu einer Zeit, als man an die Möglichkeit der Erfindung des Luftballons noch gar nicht dachte, ben Weg nach Schaffung von Flugmaschinen, die schwerer als die Luft, sich aber durch rein mecha­nische Kraft durch die Luft bewegten. Lionardo da find ((1452 bis 1509), Melchior Bauer (1765), Börflin (1850) beschäftigten sich mit diesem Problem, dem Ingenieur Otto Lilienthal blieb es Vor­behalten, mit dem Rüstzeug moderner Technik

das Problem des Gleiters praktisch zu lösen.

doctungsvotte Macht als ein Bund von Zehn- -Zausenden kunstliebender Menschen wir innehaben zir Pflege des deutschen Wesens.

Dir wollen in unseren Reihen alle Männer Deutschen Blutes und deutscher Seele willkommen leihen, die wissen, um was es uns geht, und bis aus ganzem Herzen Mitarbeiten wollen für <iie wahre deutsche Zukunft unseres Volkes und >i8 mit uns ringen wollen um eine tiefe Der- Tnetlid/ung des deutschen Wesens, dessen schön- ler Ausdruck das deutsche Lied ist. Dann wird eine unglückliche Zeit vergessen und unwirk- 'cm geworden sein, in der Männer und Frauen rnseres Volkes in Klassenkampfgedanken sich ab- dten konnten von Den Brüdern und Schwe- t-'m ihres Blutes, in der ein unvolkischer Geist :Iem Deutschen fremd und feind war."

25 Jahre evangelisch-kirchliche Frauenvereine in Gießen.

Dieerangelisch-kirchlichenFrauen- {'-'reine in Gießen können in diesem Jahre auf 5jährige Tätigkeit zurückschauen. Aus hn im Juli 1908 gegründeten vier Vereinen sind v't der'Bildung der neuen Gemeinden inzwischen 'chs geworden. Als Ausgabe der Vereine wurde t«. der Gründung in den Satzungen genannt Mitarbeit an den Ausgaben des beme in belebens." In mancherlei Weife faden die Gemeindefrauenvereine in dem abge- hu jenen Vierteljahrhundert dieser Aufgabe ge- ucwt, in Fürsorge für Einsame und Arme, für inder und Alte, in Veranstaltung von untertich- nnben und das Gewissen schärfenden Vorträgen, acht zuletzt in der Pflege der Gemeinschaft im

Hessen den Anfang machen! zur hauptsächlichen volkstümlichen Trägerin der schlichten inneren

Berte, die unserem Streben nach völkischer Voll- trlung innewohnen. Wir wollen also nicht nur , tfixgen, sondern uns bewußt sein, welche verant- e^rout -

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.Unsere gesamte Tätigkeit muß darauf ge­richtet sein, zu verinnerlichen. Der Sänger singt .. »zu allererst einmal für sich selbst, für sein inneres

I Erleben. Er fühlt sich im Chor eingefügt in it|d)lolonne. Ibie Gemeinschaft; er gibt sein Bestes an Ton uf der Chaussee zwi> »und innerem Dabeisein und begibt sich zugleich im) in eine Kolonne Boller Eigensucht um seiner selbst. Eine ungemein aus "ietzow, die an »erziehliche Arbeit in echt völkischem Sinne! nkammer'feilaenom-1 Dichtig geführt, tritt der Sänger dem Wesen SM Musik immer näher, ersaßt e- recht aus r Solenne soR "'Zener, wohlgeordneter Mitwirkung heraus, er- hns Srnnten r Geschmack, wo der nicht angeboren ist, und !rL nnmten Urteilskraft, und weih doch dann zugleich, toie- Tbnnnm^aDon. Bescheidenheit zu jeder Ausübung der Kunst 1eBun____ 5 kihört. Erst nach gründlicher innerer Gewinnung

ter Persönlichkeit des einzelnen Sängers für Ge- * lang, Musik und Vollstum überhaupt und nach kftcr Vereinigung im singenden und Volkstum ' pslcgenden Verein beginnt die Wirksamkeit auch trouhen. Es kommt dasKonzert". Richt das j Konzert, um damitSport" zu treiben, um den Verein zu zeigen und die hochgeschwellte Brust jedes Mitgliedes dazu, sondern um zu wirken - int Volke für das Volk, das heißt: für des Volkes Ewigkeit!

, Sondcrzug fährt um 6 00 Uhr in Lauterbach, unb der Flügclzug um 7.07 Uhr in Gießen ob und trifft um 9.51 Uhr in Waldeck ein. Bei der Rückfahrt ist in Bad Wildungen ein Aufenthalt von zwei 5tun den vorgesehen. Der Sondcrzug trifft um 21.05 Uhr wieder in Gießen unb um 22.07 Uhr in Lauterbach cm. Nähere Auskunft über Fahrpreise und Abfuhr- Zeiten auf den Einsteigebahnhöfen ufro. erteilen die Bahnhöfe und Fahrkartenausgaben.

Ein ungetreuer Stromzähler.

WSR. Wetzlar, 25. Juni. 3m benachbarten Waldgirmes hatte ein Stromgelderheber den Stromverbrauch der Einwohner fälschlich höher eingeschrieben und Die dadurch erhaltenen Mehr­beträge für sich bemalten. Insgesamt kassierte er auf diese Weise 1300 Mark für sich ein. Die Sache kam durch einen Rechenfehler heraus, und wegen Llrkundensälschung und Llnterschiagung wurde der ungetreue Erheber für 2'/, Monate insGe- sängnis geschickt.

Bücheriisch.

Kameraden der Arbeit. Deutsche Ar­beitslager: Stand, Ausgabe und Zukunft. Ginge- leitet durch Reichsarbeitsminister Seldle. Heraus­gegeben von Friedrich Wilhelm Heinz. Mit 97 Bil­dern auf Kunstdrucklafeln. Frundsberg Verlag ®. m. b. H., Berlin 1933. Ganzleinen 5,90 Mark. (203.) Das Buch gibt eine erschöpfende Dar­stellung des Arbeitsdienstes. Wir fahren in die Lager und gewinnen aus der Kameradschaft der Arbeit und aus der sachlichen Leistung den Ein­druck, daß sich hier ein Werk anbahnt, das von der gleichen innerlichen Haltung bestimmt wird, wie das

Soldatentum der Front. Die Unterschiede in den Arbeitsaufgaben unb in den Arbeitsmethoden wer­den uns bewußt. Soldatische Arbeitslager des Stahl« heim und der Wehrbünde, die der Bodenverbcsse- runq dienen, wechseln mit Siedlungslagern der deutschen Jugendbewegung, in denen eine bestimmt« nationalpolitische Aufgabe zu lösen versucht wird. Freiwilliger Arbeitsdienst oder Arbeitspslicht, di« Vorschläge der Bünde und Parteien, die Haltung der Gewerkschaften, das Problem des Wehrsports

Lustfahrt tut not!

und der Freizeit, die Zukunft der ganzen Arbeits­dienstbewegung, all dies ersteht in der scharf beob­achtenden und klaren Sprache des Verfassers, der nicht als Theoretiker, sondern als Mann der Praxis und Tat schildert.

Fichte und der Nationalsozialis­mus. Von Ernst Bergmann, Prosessor an der Universität Leipzig. 1933. 48 Seiten. (Hirts Deutsche Sammlung, Gruppe G VI, Band 1.) Gehes- tet 40 Pf., in Leinen 75 Ps Verlag Ferdinand Hirt, Breslau. (169) Der bekannte Leipziger Philo­soph darf als der beste Kenner Fichtes, insbesondere seiner Erziehungslehre, gelten. Sein Büchlein stellt die Niederschrift eines Vortrages im nationalsozia­listischen Lehrerbund in Meißen dar. Sic bringt den Kerngehalt der Fichteschen Freiheits-, Bestimmungs­und Erziehunaslehre in durchaus verständlicher Weise zur Darstellung Man staunt, wieviel Grund­gedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung in Fichtes Philosophie, insbesondere in seinem System der Nationalerziehung schon verankert sind.

Das neue unb das alte Berlin.

Unpoüfitoer Brief aus der Ireichöhauptfladt.

Berlins Autopark wächst.

Da sage einer: Berlin habe kein Tempo oder es lasse nach. 3m Gegenteil! Jeder Tag rollt neue Räder durch die Stadt, reiht neue Achsen in das Strahengetriebe, läßt mehr Speichen im Dcrkehrsrod spielen. 3a, da staunt man, aber an der Tatsache läßt sich nicht zweifeln. Zum Beweis seien die letzten vier Monate angerollt! Wir hatten am l März SO 152 Kraftfahrzeuge, am 1. April 95961, am l.Mai 105 905, am 1. Juni 112024! Das sind doch Zahlen. Diese Zunahme um 22 ODO Maschinen des Ver­kehrs ist die Folge der von der Reichsregieruirg geschaffenen großzügigen Erleichterungen für die Kraftfahrzeughalter. Von Monat zu Monat wächst Berlins Kraftwagcn- park. 3m Monat Mai kamen im ganzen 6119 Fahrzeuge, im einzelnen 3749 Personenkraft­wagen (davon 850 fabrikneu), 573 Lastkraftwagen, 31 Zugmaschinen und 3165 Krafträder (254 fabrik­neu) hinzu. Demgegenüber stehen 1837 Löschun­gen, und zwar 1168 Personenkraftwagen, 423 Lastkraftwagen, 14 Zugmaschinen und 232 Kraft­räder. Von diesen wurden insgesamt nur vor­übergehend gelöscht: £02 Fahrzeuge, so daß also ein tatsächlicher Reuzugang von 5681 Kraftfahr­zeugen im vergangenen Monat zu verzeichnen ist. Bei den Kleinkrafträdern sind im vergangenen Monat ebenfalls wieder 577 neu zugelassen wor­den; 189 Kleinkrafträder wurden gelöscht, so daß der tatsächliche Reuzugang 438 beträgt. Die Reichshauptstadt besaß somit am 1. Juni ins­gesamt 112 024 Kraftfahrzeuge, davon 50 795 Per­sonenkraftwagen (einschließlich 6656 Kraftdrosch­ken und 652 Omnibusse), 15 284 Lastkraftwagen, 1495 Zugmaschinen, 23 246 Krafträder und 21 204 Kleinkrafträder.

Tie e Zahlen, sehr viel Ziffern, aber man darf sie ruhig als Quittung für die großzügigen Rcuc- rungen niederschreiben, die die Regierung den Kraftfahrzeugbesitzern zur Erleichterung ihrer laufenden" Sorgen schenkte.

Don IA 1 bis 99000.

Das Stammbuch der Berliner Auto­nummern ist eine Sache für sich und inter­essiert jeden, der Blick für die weißen Schilder im Motorenlärm unseres Strahenbildes hat. Be­kannt sind die niedrigen Rummern der Minister, aber wußten Sie schon, wer Autonummer 1A 1 &at? Der Reichspräsident etwa? Ober unser Kanzler gar? Rein Rudolph H e r h 0 g hat sie. Das ist nicht der bekannte Romanschrift­steller, sondern ein Berliner Privatmann, dessen Wagen als erster um die Jahrhundertwende in Berlin zugelassen wurde. Eine Ausnahme, denn schon von IA 2 an beherrscht das amtliche Leben die Welt der Autonummer. IA 2. 3 und 4 führt die Reichskanzlei und das Auswärtige Amt, dem Reichspräsidenten dagegen gehört die Rümmer 2990. 2ll> IA 5 bis IA 90 kennzeichnen die Wa­gen der in Berlin akkreditierten Vertreter der auswärtigen Mächte. Zum Beispiel die Britische Botschaft schmückt ihre Rolls Royce mit IA 10, IA 37 und IA 6; IA 9 hat der französische Bot­schafter, IA 11 der italienische. Ab 90 beginnt das Gebiet der Reichsminister. Wenn z. B. am Wilhelrnplah vor dem Propagandaministerium ein Wagen mit IA 111 steht, weiß man, daß Dr. Goebbels eben ankam oder gleich ab- fahren wird. Der Reichswehrminister hat IA 95. Bei 125 beginnen die Dienstwagen der preußi­schen Minister, während in Den dreistelligen Zif­fern die Dienstautos des Magistrats erkannt wer- den. Oberbürgermeister Dr. S a h m fährt hier an der Spitze mit IA 560.

Run gibt es auch Privatleute, die für ihre Volkstümlichkeit etwas tun müssen. And wo kann man sich auffallender ausdrücken, ohne ein Wort zu sogen, als auf der Visitenkarte seines Wagens? Willy Fritsch läßt sich nicht lumpen und fährt stolz in seinem IA 1111 durch die Straßen. Mehr Ausrufezeichen konnte er kaum ergattern, aber er Hots geschafft, und jeder weiß: oho, das gibt's nur einmal, das ist Willy Fritsch! Die gute 4 sicherte sich Rudi Earacciola und lieh sich die Rümmer IA 4444 geben. Alt-Berlin vom Kremser aus.

Rach all diesen schönen unb vielen Zahlen könnte man glauben, baß in Berlin nur Maschinen liefen. O nein, es gibt auch noch Pferde- b r 0 s ch k e n... Diel sind es zwar nicht, aber am 1. Juni zählte man doch noch 67 dieser alten, volkstümlichen Gefährte. Wohin seid ihr ent­schwunden? Der Lauf Der Welt geht immer schneller, die Zeit ist grausam, sie geht hinweg über das, was ihr nicht paßt. Dorum sand auch Der Pferdedroschkenkutscher im Zeitalter des Ben­

zins und Der PS ein kümmerliches Dasein ilm so erfreulicher berührt dos Bemühen, unseren gu­ten Hafer-Motoren wieder etwas Auftrieb zu geben.

Also Droschken und Kremser herbei! Wir wollen Alt-Berlin entdecken. Diesem Ruf, der neu­lich laut wurde, wurde viel Gehör geschenkt. An einem schönen Abend versammelten sich etwa 50 mit Girlanden und Blumen aeschmückte Gefährte des fast schon vergessenen Berlin. Die alten Droschken­kutscher und ihre treuen Pferdchen hotten einen großen Tag. Cs war ein seltsamer Zug, lang unb langsam ging die gemächliche Runbfahrt vor sich. Kreuz unb quer, burch die engen eiten Gos­sen und weiten Plätze deS historischen Stobtlerns, ungezählte Fußgänger begleiteten das seltsame Unternehmen. Eine alte Zeit wurde wieder wach: Die Bauten des Köllnischen Gymnasiums, das Märkische Museum mit Dem Roland, der . Wüster- hansische Bär", dann die engen, nichtigen und gichtigen Alt-Berliner Häuschen im Geviert der Parochial-, Petri- und Ricolaikirche, dos Palai- Ephraim unb viele andere historische Köstlichkeiten erzählten von ihrer Zeit. Das Glockenspiel Der Parochialkirche ließ eine Kantate und andere stim­mungsvolle Weisen erklingen. Dann ging die Fahrt auf dem holprigen Pflaster weiter, vorbei , amTlnf? bäum, einem bekannten Altberliner Lokal, vorbei an Der ApothekeZum Weißen Schwan", wo der junge Fontane gelernt hatte. Eine herrliche Fahrt, ein Besuch vergessenen Ber­lins, eine Ehrung der Pferdedroschke!

Die Rippe an der Wand.

Auch ein Stück unbekannten Berlins, dos auf dieser Fahrt wieder bekannt wurde. Diese Rippe, die mit einem riesigen Schulterblatt an einem Haus hängt, ist ein Stück, ein seltener Schmuck aus dem Berliner Märchenbuch. In grauer Vorzeit lag hier die Hütte eines Fischers, der eine schöne Tochter hatte. Dieses Mädchen fand eines Ta­ges die Gelegenheit zu einem Spreebod sehr gün­stig. Aber da es in jener Zeit noch Riesen gab. echte märkische Riesen, wurde das Bad von einem solchen Anhold jäh unterbrochen. Der Fischer ging mit den Dorfjungen, da die babelustige Göre gar zu lange ausblieb, auf die Suche und muhte alsbald an unheimlichen Fußspuren entdecken, daß die Tochter von einem Riesen entführt worden fei. Was tun? Ein junger Fischer, der die Ge­raubte liebte, ließ sich nicht zurückhalten und ern­tete der Liebe Lohn. Er erschlug Den Riesen mit einem Zauberkraut unb führte Die leichtsinnige Fischerstochter wieder heim. Als Siegestrophäe nahm et bem Riesen eine Rippe sie ist beinahe einen Meter lang und fein Schulterblatt. Seit dieser Zeit hängt diese seltsame Siegesquittung allen bösen Geistern zur Warnung am Haus. In­zwischen sind viele Häuser über Diesen Platz ge­gangen, aber Der Rippe ward jeweils ihr Eh­renplatz eingeräumt.

Abenteuer eines Hauses.

Was man Doch so alles erfahren kann, wenn man mit echten Berlinern durch die Stadt fährt! Berlins größtes Theater, dasGroße Schauspielhaus" mit 3300 Plätzen spielt nicht mehr. Deshalb wird der Berliner diese seit al- tersher vertraute Stätte nicht verlieren, denn sie Hot von ihren Uranfängen an schon oft bewegte unb träge Perioden ihres Daseins überstanden und wird auch wieder aufleben trotz dem Kon­kurs, Der jetzt über ihm hängt. Die Theater- Periode dieses Hauses datiert feit 1918, als es in Reinhardts Besitz überging, der aus dem al­ten Zirkus ein Massentheater machte. Klassisches Schauspiel wurde von der Operette abgelöst, bann kamen Die RevuenSchöne Helena",Hoff­mannsErzählungen" und als SchlußsteinDer Studentenprinz". Danach folgte bie verhängnis­volle Aera der Brüder Rotter, bie schließlich mit demBoll im Sovoy" Fiosko mochte. Lange vor dieser Zeit aber hatte das Haus als Zirkus seine besten Tage. Die Manege unter Albert Schu­mann feierte ihre Triumphe. Unter bem alten Tenz war hier eine viel besuchte Vergnügungs­stätte Berlins. Die berühmtesten Schulreiter, wie Franz Renz, Hager, Loise und der Clown God­lewski waren hier zu Hause. Aber wer weih, daß dieses große Haus zuerst als M a r k t h a l l e gebaut wurde, der Markthollenbetrieb ober in Berlin noch wenig Verständnis fand und die glück­lichste Lösung erreicht wurde, als Renz in bie Hallen einzog? Immer ein schwankender Bo­den! Mußte doch damals zunächst ein Wold von Pfosten eingerammt werden, ehe mit dem Dau begonnen werden konnte. Ein teurer und schwan­kender Grund, Darauf dieses Haus seine Aberr- teuer erlebte, von Der Markthalle zum Zirkus, zum Theater, zum Konkurs.