Stahlhelmführer Major a. D. Voigt wurde in Meiningen wegen Beschimpfung des Reichsministers Seldte verhaftet und im Zuchthaus Marsfeld untergebracht. Auch der frühere Stahlhelmgauführer Rechtsanwalt Schönheit in Rudolstadt sowie der Ortsgruppenführer Beth- m a n n und der Ortsgruppengeschäftsführer Grünberg wurden in Schutzhaft genommen.
Baldur von Schirach an Admiral von Trotha.
Berlin, 24.2uni. (LU.) Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach hat an den Führer des aufgelösten Großdeutschcn Bundes, Admiral von Trotha, folgendes Schreiben gerichtet: Cw. Exzellenz! Anläßlich der Auflösung des Großdeutschen Bundes drängt es mich, Ew. Exzellenz zu versichern, wie sehr ich es bedauere, daß diese Maßnahme als ein Schritt gegen die Person Ew. Exzellenz mißverstanden werden konnte. 2m Rahmen des Planes der Zusammenfassung und Vereinheitlichung der Jugendarbeit in Deutschland mußte ich zwar die von Cw. Exzellenz geführte Organisation auflösen, aber niemals beabsichtigte ich damit einen persönlichen Eingriff oder auch nur einen persönlichen Borwurf auszusprechen. Den unschätzbaren Leistungen Ew. Exzellenz während des großen Krieges für unser Vaterland bringen besonders meine Kameraden innerhalb der nationalsozialistischen 2ugend eine solche Dankbarkeit und Bewunderung entgegen, daß ich mich verpflichtet fühle, Ew. Exzellenz zugleich im Ramen meiner Kameraden zum Ausdruck zu bringen, daß unsere Tätigkeit niemals gegen die Person Cw. Exzellenz gerichtet war und daß wir es sehr bedauern, wenn vielleicht an irgendeiner Stelle der E i n d r u ck e n t st a n d, als sei die Aktion der Jugend etwas anderes als eine A k - 11 o n der sachlichen Rotwendigkeit.
Arbeitsbeschaffung durch die Reichspost.
Berlin, 24.2unL (WTD.) Alm das Bestreben der Regierung der nationalen Erhebung, die Arbeitslosigkeit mit allen Mitteln zu bekämpfen, weitestgehend zu unterstützen, betreibt die Deutsche Reichspost seit Wochen die Durchführung eines neuen und erheblich erweiterten Arbeitsprogramms. Dieses sieht Aufträge in Höhe von 50 Millionen Mark vor, so daß einschließlich der vom Vorjahresprogramm noch ausstehenden restlichen Aufträge im ganzen 76 Millionen Mark zur Linderung der Arbeitslosigkeit zur Verfügung gestellt werden sollen. Ob aus -den Geldmitteln für das große Arbeitsbeschaf- fungsprogramm der Reichsregierung auch ein gewisser Teil auf die Reichspost entfallen wird, steht noch nicht fest. Die Reichspost sieht sich daher zur Zeit ganz auf sich selbst gestellt. Die nötigen Schritte zur Finanzierung des Programms sind durch Verhandlungen mit den zuständigen Reichsstellen bereits eingeleitet und werden mit Rachdruck gefördert. -Gelingt es der Deutschen Reichspost, die Mittel aufzubritrgen, so werden durch die Aufträge der Deutschen Reichspost etwa 1 7 000 Arbeitnehmer f ü r ein 2ahr Beschäftigung finden können.
Oie christlichen Gewerkschaften durch Sonderbeauftragte der NSBO. übernommen.
Berlin, 24. Juni. (CNB.) Wie der Zeitungsdienst meldet, wurde der Gesamtoerband der christlichen Gewerkschaften durch den Sonderbeauftragten der NSBO. Klapper übernommen. Den einzig anwesenden Vorstandsmitgliedern der christlichen Gewerkschaften Otte und K a i s e r wurde erklärt, daß sie sofort das Haus zu verlassen hättet. Beide haben ohne ein Wort der Gegenrede dem Befehl Folge geleistet. Sämtliche Geschäfts-
Die kieme Freude.
Don Ilse Fahrenholtz.
Ich habe lange nicht in meine Sparbüchse aus gehämmertem Silber geschaut, weil sie seit Wochen leer ist. Unb nun finde ich zu meiner Heber» raschung heute ein vergessenes Zehnpsennigstück darin.
;0 Pfennig, die mir als Geschenk des Himmels in bie’ Hänbe fallen, bie außeretatsmäßig sinb unb mit benen ich machen kann, was ich will. Wie schön! 2ch werbe mir für diese 10 Pfennig ein bißchen Freude kaufen. 10 Pfennig — das ist der Gegenwert von vier russischen Zigaretten, einem Bleistift oder einer Postkarte nach Ungarn. Ober —, es gibt so viele Möglichkeiten.
2ch könnte mir dafür ein ganz großes Brötchen kaufen und die Tauben auf dem Luisenplatz füttern. Mit klatschendem Flügelschlag, in steiler Kurve, ein schimmernder grau-weißer Absturz würden sie aus den Türmen der Donifatiuskirche herabflattern und mir die Brocken fast aus der Hand picken. Beinahe wie vor San Marco: aber eben nur „beinahe"! Es fehlt der Geruch der Lagune, der tiefblaue Himmel. Wiesbaden ist nicht Venedig. Aber Tauben sind Tauben!
Ein bunter Luftballon wäre auch nett. Aber mir fällt dabei mein allererster Luftballon ein — ich war vier 2ahre alt —, der mir davonflog. Ich sehe ihn noch über den Bäumen von Heringsdorf immer kleiner und kleiner werden. 2ch weinte ganz fassungslos, weil ich zum ersten- mal den Sinn des Wortes „niemals wieder" begriff. Also lieber keinen Luftballon!
Da gibt es in der Stadt einen kleinen Dücher- laden, der etwas lädierte Inselbücher für 10 Pfennig abgibt. Vielleicht sind die Briefe der Marianne Alcoforado darunter ober die Portugiesischen Sonette. Aber — muß man das Schöne denn sicher im Schrank haben, um es zu besitzen? Gehören mir diese Dinge nicht viel mehr, wenn ich sie nur gefühlsmäßig mein eigen nenne? Die Lieder von Brahms oder den Kopf der Rofretete im Alten Museum kann ich mir ja auch nicht kaufen, und doch gehören sie mir ganz. —
Ich könnte mir vielleicht in bet Bücherstube eins der neuen Bücher dieses Jahres leihen, das ich schon lange gern lesen wollte. Ich mache mir einen festlichen Abend daraus, tauche tief unter in einer fremden Atmosphäre und kehre, wenn ich es schließlich aus der Hand lege, mit dem Bewußtsein eines inneren Erlebnisses langsam zu mir selbst zurück.
Der rote Lustüberfall auf Berlin.
Ausreichender Luftschutz
Berlin, 24. Juni. (ERB. Funkspruch.) Zu dem Erscheinen kommunistischer Propagandaflugzeuge über Berlin wird amtlich erklärt, daß die Reichsregierung selbstverständlich diesem Vorfall die allerernsteste Bedeutung beimißt und die entsprechenden Maßnahmen ergriffen hat. Infolge der Wetterlage war es nicht möglich, genaueres über Typ, Herkunft und Ziel der Maschinen festzustellen. Man konnte lediglich sehen, daß es sich um Doppeldecker mit verschieden gestellten Tragflächen handelte. Bemerkenswert ist, daß etwa 30 Minuten vor Eintreffen der Flieger in Berlin in Cottbus ebenfalls unbekannte Flugzeuge gesichtet wurden. Zeitlich würde es möglich sein, daß es sich um dieselben Maschinen handelt. Ebenso kann es sich bei den in späteren Abendstunden in Mannheim und der Pfalz gesichteten in Ost-West-Richtung fliegenden Maschinen um die gleichen Flugzeuge handeln. Selbstverständlich ist es aber auch schwer zu sagen, ob wirklich ein Zusammenhang zwischen diesen Apparaten und der AleberfHegung Berlins besteht. Sicher ist, daß dieser Luftanschlag auf Berlin wohl vorbereitet war unb Beziehungen z u irgendwelchen Kreisen in der Reichshaupt stabt selbst hat. Das geht schon baraus hervor, daß zur gleichen Zeit, als bie Flieger über ber Stadt erschienen, von dem B e r o l i n a - H o ch h a u s am A l exanberplah Flugblätter anderen Inhaltes abgeworfen wurden
Wenn nun in der Oeffxntlichkeit eindringlich die Frage aufgeworfen wirb, wie derartige Vorfälle zu verhindern find, da man ja auch damit rechnen muß, daß einmal nicht nur Flugblätter, sondern auch Spreng- und Gasbomben abgeworsen werden können, so muß dem leider, wie in unterrichteten Kreisen erklärt wird, geantwortet werden, bah die Möglichkeit irgendeines Schuhes in der Lust für uns nicht vorhanden ist. Deutschland ist das einzige Land, das angesichts seiner boHigen Entwaffnung in ber Luft nicht in ber Lage ist, den Luftraum über sich zu schützen. Wenn wir in diesem Falle mit Maschinengewehren ausgerüstete Polizeiflugzeuge zur Verfügung gehabt hätten, dann wäre es wahrscheinlich ein leichtes gewesen, die geheimnisvollen Flieger zur Landung zu zwingen. Die deutschen Vertreter auf der Abrüstungskon
eiu dringendes Erfordernis.
ferenz in Genf haben immer wieder bei ihren Forderungen nach Herstellung der Gleichberechtigung auch darauf hingewiesen, daß die a n - deren Mächte in der Luft abrüsten mühten, wenn man überhaupt von einer Gleichberechtigung sprechen soll. Das Attentat kann für die deutsche Regierung nur der unmittelbar letzte Anlah sein, bei den nächste Woche wieder beginnenden Verhandlungen in Gens mit a l - lern Nachdruck die Gleichberechtigung zu fordern.
Die Reichshauptftadt fordert Lustschuh.
Berlin, 24. Juni. (CNB.) Oberbürgermeister Dr. S a h m hat an den Reichskanzler und an den preußischen Ministerpräsidenten das nachstehende Telegramm gesandt: „Der gestrige Vor- sall, daß ausländische Flugzeuge über der Reichshaupt st adt Flugblätter abwerfen und unerkannt Wied er ent- kommen konnten, hat in der Berliner Bevölkerung größte Beunruhigung hervorgerufen und eindeutig klar gegeigt, in welch bedrohlicher Lage sich Die Reichshaupt- stadt jedem Luftangriff gegenüber befindet. Ra- mens der Reichshauptstadt spreche ich die dringende Bitte aus, alle Möglichkeiten zu erschöpfen, um diesem unmöglichen Zustande a bz u h el f en“ — Weitere Ersuchen um Luftschutz sprachen aus die Städte Breslau und Essen und der Regierungspräsident von Düsseldorf.
Oie roten Flugzeuge auch über Thüringen.
Weimar, 24. Juni. (CNB.) 6er Referent für das Luftschiffwesen teilt mit, baß die roten Flieger auch über Thüringen geflogen sind unb, wie bie Abgabe von Zetteln auf dem Polizeipräsidium in Weimar beweist, auch hierFlugzettel abgeworfen haben. Reichsstatthalter Saude! hat sofort in zwei Telegrammen nach Berlin an die zuständigen Stellen schärf st en Protest gegen bie Ueberfliegung Thüringens durch ausländische Flieger eingelegt und Schutzmaßnahmen g e - fordert. Die Bevölkerung ist durch bie lieber- sliegung in ft arte Erregung versetzt worden.
stellen im Reich wurden gleichfalls von der NSBO. besetzt. Die Eingliederung der christlichen Gewerkschaften in die deutsche Arbeitsfront wird nunmehr in kürzester Zeit erfolgt sein. Die Belange der bisher christlich organisierten Arbeiter werden durch die kräftige Hand der Nationalsozialisten besser gewahrt sein als durch Leute, die jahrelang Arm in Arm durch dick und dünn mit den Marxisten marschiert sind.
Kleine politische Nachrichten.
Auf Grund der Vereinbarung zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und dem Bundesführer des Stahlhelms, Seldte, haben im Einverständnis mit dem Gauleiter der NSDAP, die dem Stahlhelm angehörigen Senatoren v. P r e f s e n t i n und K l e p p ihren Eintritt in die NSDAP, vollzogen.
In einer Rede in Bad Ailbing erklärte Staats- Minister Wagner am Sonntagabend, daß nicht nur alle Führer der Sozialdemokratie, sondern auch alle prominenten Mitglieder der Bayerischen Volkspartei verhaftet seien. Wie das„Bamberger Tageblatt" meldet, wurden in Bamberg Reichstagsabgeordneter Prälat Leicht, Landtagsabgeordneter Meixner, sowie sämtliche
Ja, bas wäre wohl bas Schönste. Aber es ist Sommer. Lieber noch kaufe ich mir eine tief- bunkelrote Rosenknospe für meinen Schreibtisch, lasse mich von ihren Duft berücken unb sehe nach- benklich zu, wie sie langsam aufblüht, sich entfaltet uno bann allmählich hinwelkt unb vergeht.
Gerabe will ich einen Laben betreten, um sie au kaufen, ba sehe ich ein fast verhungertes Kätzchen, bas sich an ben Häuserreihen entlang brückt. Cs ist ganz heiser, bie kleine Schnauze geht auf unb zu, aber bas Miauen bleibt unhörbar. Kläglich, erbarmungswürbig sieht es zu mir auf.
„Warte, mein armes Tier!" Nebenan ist ein Fleischerlaben. Für 10 Pfennig (meine zehn Pfennig) gehacktes Fleisch ist schnell eingepackt.
„Da, nun friß!" Cs schlingt unb schluckt, mit Heißhunger zuerst unb bann langsamer. Ich beschütze es, bis es ganz fertig ist. Dann trennen wir uns toieber.
ilnb ich bin glücklich — es ist keine Selbstverleugnung, fonbern ehrliche Freube. Ich hätte, beim Anblick ber Rose boch immer an bie Augen bes verhungerten Kätzchens benten müssen ...
Ein Geschäft wird getätigt.
Lon Ernst Berg.
Von weitem habe ich sie schon gesehen. Sie stehen im Eingang meines Hauses und machen ernste Gesichter. Zwei Buben und ein Mädel. So um die Zehn. Anscheinend haben sie sehr Wichtiges zu besprechen. Als ich näher komme, merke ich: jeder hat ein Päckchen Bilder in der Hand.
„Aha!" denke ich, „Bilderbörse! So etwas hat man doch auch einmal gemacht."
Ich bemühe mich, so unauffällig wie möglich vorbeizukommen: nicht stören in Geschäften! 2)as mag kein Mensch gern. Nur so ein Seitenblick: ich sehe, ich habe mich nicht getäuscht. Sie haben Zigarettenbilder und tauschen. Die Backen glühen, die Augen leuchten, die kleinen Fäuste umklammern fest die Bildchen. ' 1
Mensch, Kerl, man kann nie wissen! Da kommt so ein großer Junge, und ehe du einen linken Geraden landest, sind sie futsch, deine Bilder. Außer- dem mußt du aufpassen, daß du nicht betrogen wirst. Es gibt gemeine Menschen. Deshalb die Bilder fest in die Hand. Sie sind zwar schon ein wenig schwarz, die Bilder, und werden dauernd schwärzer, aber das schadet nichts. Erster Grundsatz kindlicher National- öfonomie: „Der Wert der Ware bleibt von dem Schmutz, der ihr anhaftet, völlig unabhängig."
Ich denke: „Jetzt machst du die Tür leise zu und verschwindest." Da höre ich die Stimme bes Kleinsten:
Stadträte ber Bayerischen Dolksparteifraktionen in Schutzhaft genommen.
Die nationalsozialistischen Funkwarte besetzten Samstag nacht die Geschäftsstellen bes in Liquidation befindlichen sozialdemokratischen A r - beiter-Radio-Bundes e. V. Dabei wurde festgestellt, daß der Auflösungsbeschluh vom 26. Mai als Täuschungsmanöver anzusehen ist unb der organisatorische Zusammenhalt der Bundesmitglieder weiterhin aufrechterhalten wurde. Die Auflösung dieser marxistischen Klassenkampforganisation wird nunmehr erfolgen.
In Karlsruhe fand die Wahl und Amts- einfübrung des ersten Landesbischoses der Evanglischen Kirche Badens, des Prälaten Dr. K ü h l e w e i n, statt.
Kunft und Wiffenschaft.
Auszeichnung von Regina Ullmann.
Die Schweizerische Schillerstiftung hat soeben die Novellensammlung „Vom Brot der Stillen", von Regina Üllmann, die vor Weihnachten im Eugen-Rentsch-Verlag, Erlenbach- Zürich und Leipzig, erschienen ist, mit einer Ehrengabe von 1000 Fr. ausgezeichnet.
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„Willst du ein schönes Weib haben?"
Nein, bas ist denn doch zu schlimm. Da muß ich zuhören. Hat er wirklich „Schönes Weib" gesagt?
Ja, er hat „Schönes Weib" gefugt. An die Tür gelehnt, höre ich, wie der Größere ziemlich verächtlich erwidert: „Was willst du denn dafür haben, Erwin?"
„Du könntest mir", lagt Erwin, „einen .Junkers Doppeldecker' dafür geben. Den hast du doch zweimal, Günter!"
„Was", schreit Günter auf, „einen ,Junkers Doppeldecker mit drei Motoren' für dein .Schönes Weid!' Du bist wohl . . .!"
Ich kann nicht sehen, was er macht, aber ich wette, er bohrt sich ben Zeigefinger tief in die Stirn.
„Dann gib mir ein .Wunderliches Affengesicht', sagt Erwin ziemlich kleinlaut, „ein .Wunderliches Affengesicht' kannst du mir doch geben!"
Günter besinnt sich einen Augenblick. „Nein", sagt er, „ich kann dir auch kein .Wunderliches Affengesicht' geben. Manche wollen gern ein .Wunderliches Asfengesicht.' Die gehen immer in ben Zoo. Das .Schöne Weib' tauscht mir kein Mensch."
Ich höre unb staune. Merkwürdig, wie verschieden bie Ansichten sind. Mir wäre bas .Schöne Weib' lieber als bas ,Wunderliche Asfengesicht'. Aber da kann man nichts machen.
Jetzt mischt sich das kleine Mädchen ein. Ich höre ihre Helles Stimmchen. „Günter", sagt sie eifrig, „du hast doch ein .Ungeheuer der Vorzeit' doppelt ... ja, bas ba . . . (sie buchstabiert): ein P ... t... „lusqsb (poq Jiui nq stuuvj svq 'uoqou - va
„So", jagt Günter, „und was gibst du mir dafür?"
Ich ahne schon, was kommt: sie wird ihm nichts geben. Sie macht das anders.
Und richtig. „Ach", mault sie, „du kannst es mir doch s o geben. Du hast es dock) doppelt."
„Nein", sagt Günter sehr bestimmt, „nur wenn dir Erwin auch eins schenkt, Eva."
Einen Augenblick tiefe Stille. Dann spricht Erwin, unb es klingt wie ein männlicher Entschluß: „Ich will dir bas .Schöne Weib' schenken, Eva."
Er will anscheinend bas .Schöne Weib' unter allen Umftänben loswerden.
Aber auch Eva will nichts von dem .Schönen Weib' wissen. „Ach", bettelt sie, „gib mir doch den .Soldaten aus ber Zeit Friedrichs des Großen'!"
„Na, gib ihn ihr", sagt Günter. „Dann kriegt sie auch mein .Ungeheuer'.
Wieder ist es einen Augenblick still. Dann höre ich wie Eva „Danke" sagt. Sie hat zwei Bilder bekommen unb keines dafür gegeben.
Ich beschließe einzugreifen. „Zeig mir mal das .Schöne Weib'," sage ich zu Erwin und erscheine
Aus aller Wett.
Neuer großer Erfolg der Lufthansa im planmäßigen Flugverkehr über den Sübatlantif.
Im Rahmen der Vorarbeiten für einen planmäßigen Flugverlehr über den Süd- atlantif wurde von der Deutschen Lufthansa erneut ein großer Erfolg erzielt. In Fortsetzung der Erprobungen wurde jetzt ein Flug unter verkehrsmäßigen Bedingungen von Natal (Südamerika) nach Bathurst (an ber afrikanischen Westküste) durchgeführt. Der Dornier-Wal D. 2068 „Passat". mit zwei BMW.-6-Motoren der Bayerischen Motorenwerke ausgerüstet, startete am 23. Juni um 9.20 Uhr MEZ. von Natal unb lanbete um 17 Uhr MEZ. bei dem von der Deutschen Lufthansa und vom Nordlloyd gecharterten Dampfer „Westfalen" inmitten des Ozeans. Nachdem bie „Westfalen" mit Hilfe des Schleppsegels und des großen Krans auf hoher See bas Flugboot an Bord genommen hatte, setzte sie über Nacht die Reise in ber Flugrichtung fort. Am 24. Juni, 10 Uhr MEZ., wurde ber Wal alsdann mit dem Heinkel-Großkatapult erneut abgeschleudert und flog nach Bathurst weiter, wo er um 16.50 Uhr MEZ. landete. Die Besatzung des Flugbootes bestand aus dem bekannten Flugkapitän der Deutschen Lufthansa, Blankenburg, Flugzeugführer Pohl, Flugmaschinist W i e n t e und Bordfunker Schiller. Der Flug über den Südatlantik wurde somit unter verkehrsmäßigen Bedingungen in 33% Stunden durchgeführt. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß vorläufig im Stadium der Versuche noch keine Nachtflüge unternommen werden und daß nach ben verschiedenen Einzelfliegen von der Küste zum Schiff und von der „Westfalen" zur Küste dies der erste planmäßig angesetzte und durchgeführ'te Flug von Küste zu Küste unter Benutzung bes schwimmenden Stützpunktes war.
Schwere Zuchthausstrafen für politische Verbrecher.
Die zweitägige , Verhandlung vor dem Kasseler Schwurgericht gegen die Angeklagten Christ und H i ck m a n n wegen Tötung des nationalsozialistischen Stadtverordneten Messerschmidt am 18. Juni 1930 endete mit der Verurteilung der bei- . den Angeklagten wegen schweren Landfriedensbruches in Tateinheit mit Totschlag. Christ wurde zu 15 Jahren unb Hickmann zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt, beide außerdem zu fünf Jahren Ehrenrechtsverlust. In der Begründung wird ausgeführt, daß bas Gericht sich auf das erste Geständnis Christs vor dem Geheimdienst der Standarte 83 stütze, und zwar besonders deshalb, weil die einzelnen Angaben des Christ ausnahmslos von unbeteiligten Zeugen betätigt worden seien. Daß Christ das Geständnis später widerrufen habe, komme für das Gericht nicht in Betracht. Christ war nach seinem eigenen Geständnis derjenige, der dem Stadtverordneten Messerschmidt den todbringenden Stich versetzte. Hickmann war vom Gericht als Rädelsführer bei der Zusammenrottung angesehen worden.
Hochwasser
im Fulda., Werra-, Lahn- unb Ebergebiel.
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fünf Pfennig, unb ich bekomme Miß Deutschland.
Infolge des feit einer Woche ununterbrochen niedergegangenen Regens führen Fulda, Werra, Lahn und Eder und die Nebenflüsse Hochwasser. Die Fulda ist bei Niederjossa—Niederaula bereits über die Afer getreten. Auch die Lahn hat stellenweise die niedrig gelegenen Wiesen überflutet. Startes Hochwasier wird aus dem t Wohra-Tal gemeldet, wo die Ohm das Flußbett ' verlassen hat. Klein-Seelheim und Groß-Seelheim-' stehen völlig luntcr Wasser. Die ganze Heuernte muß als vernichtet angesehen werden, dvch ist zu hoffen, daß mit dem Aufhören des Re-' gens das Wasser wieder zurückgeht.
Auto rast in eine Marschkolonne.
Ein Privatkraftwagen fuhr auf ber Chaussee zwischen Sagarb unb Lietzow (Rügen) in eine Kolonne Des Freiwilligen Arbeitsbienstes aus Lietzow, bie an ber Sonnwendfeier auf Stubbenkammer teilgenommen, hatte unb sich auf dem Heimwege befand. Dabei wurden 10 Mann der Kolonne so schwer verletzt, daß sie in das Krankenhaus nach Bergen geschafft werden mußten, zehn Mann kamen mit leichteren Verletzungen davon.
Oie „totgeborene" Brant.
Eine sehr unliebsame Wahrnehmung mußte eine 22jährige Dame Pia Cavalazzi in Ravenna machen, als sie sich auf das Standesamt begab, um hier die nötigen Papiere ju bekommen, die das italienische Gesetz für ein Aufgebot vor- schreibt. Sie erfuhr hier zu ihrem größten Erstaunen, daß sie überhaupt keinen Platz als lebendes Wesen in dieser Welt hat, da sie von ihrem eigenen Vater als totgeboren angemeldet und mit diesem Vermerk in das Standesamtsregister eingetragen war. Da sie in stattlicher Leiblichkeit und voller Gesundheit vor dem Beamten stand, so konnte sie sich die Sache nicht erklären, aber das Geheimnis löste sich, als sich die Eltern daran erinnerten, daß sie ohne Lebenszeichen zur Welt gekommen war und ber Arzt infolgedessen einen Schein für ein tot- geborenes Kind ausgestellt hatte. Infolge sorgfältiger Behandlung zeigte das Neugeborene aber bald Lebenszeichen und entwickelte sich zu einem gesunden Baby und zu' einer kräftigen Jungfrau. Der Vater vergaß in feiner Freude über das ihm so unerwartet geschenkte Töchterchen die Anmeldung auf dem Standesamt und verabsäumte, die erste Eintragung streichen und die Geburt eines lebenden Kindes eintragen zu lassen. Die arme Pia hat jetzt den Schaden von der Vergeßlichkeit ihres Erzeugers: denn ihre ersehnte Hochzeit wird dadurch recht lange herausgeschoben werden. Sie muß erst Zeugen beibringen, die bekräftigen, daß sie dieselbe Perlon ist wie das Neugeborene, dessen Leben 24 Stunden, nach dem sein Tod gemeldet war, gerettet wurde. Dieses Zeugnis muß vom Gericht in Ravenna geprüft und anerkannt werden, und dakann Monate dauern.
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Der neue kundcs, Dr. Volkstum ur richtete eine Dll/ÄH in Gängers zur CU3: : -Unsere gi richtet sein, ;
allererst e j erleben. Er die Gmeins und innerm aller Eigens: erziehliche A L 2Wig ges ta Musik j
Mit frohen Mienen gehen wir auseinander.
plötzlich in meiner ganzen Größe vor der kleinen Gesellschaft.
Drei glühende Gesichter. Drei offene Münder.
Erwin reicht mir langsam das Bild. Ich lese: „Gruppe 5, Serie 2, Bild 16: Die schönsten Frauen der Welt. Miß Deutschland 1931." Schönes Mädchen, ohne Zweifel. Nur ein bißchen schmutzig im Gesicht. Erwin hat seinen Firmenstempel hinterlassen.
„Ich gebe bir fünf Pfennig für das Bild", sage ich todernst. „Einverstanden?^
Erwin hat noch immer den Mund offen. Er weiß kein Wort zu sagen.
„Nimm sie", flüstert Günter stürmisch. „Ich geb dir meinen ,Junkers Doppeldecker mit drei Motoren' dafür."
Das Geschäft wird getätigt. Erwin erhält seine
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