klar zum Ausdruck gebracht wird, daß der G e - sanitverband der Deutschen Ange st eilten, also die Angestelltensäule innerhalb der Deutschen Arbeitsfront, alle deutschen Volksgenossen zu umfassen hat, die angestelltenoersicherunds- p f licht i g sind, und zwar auch wenn die tatsach- liche Versicherungspflicht infolge der Einkommenhöhe nicht mehr gegeben ist. Insbesondere müssen auch leitende Angestellte der An- gestelltensäule angehören, die im übrigen bereits ab 1 Juli zu arbeiten beginnen wird. Weiter besagt die Anordnung, daß unter Aufhebung aller entgegenstehenden Anordnungen, Ermächtigungen, Sondervollmachten usw. das folgende verfügt werde:
1. Die Deutschs Arbeitsfront stellt die Gesamt- organisation der wirtschaftstätigen deutschen Volksgenossen dar,
2. die Deutsche Arbeitsfront gliedert sich in drei Gesamtoerbände,
a) für Arbeiter, b) für Angestellte, c) für Unternehmer.
Dazu verlautet noch, daß an der endgültigen Gestaltung des einheitlichen Arbeiter- und des einheitlichen LInternehmerverbandes zur Zeit noch gearbeitet wird. 3n den Arbeiterverband werden jetzt die christlichen Gewerkschaften eingegliedert, worauf diei r s ch - D u n ck e r s ch e n und die kleineren Organisationen folgen sollen. Wenn diese organisatorische Arbeit geleistet ist, dann wird voraussichtlich spätestens zum Herbst mit den gesetzgeberischen Maßnahmen zu rechnen seien, die bet Deutschen Ar- beitsfrom die gesetzgeberische Betätigungsgrundlage geben werden. Dabei kann angenommen werden, daß im Sinne des berufsständischen Gedankens Vorsorge getroffen wird, daß die drei Unterabteilungen der Deutschen Arbeitsfront jeweils wirklich alle in Frage kommenden Volksgenossen organisatorisch umfassen.
Entlassung in Schuhhast genommener Pfarrer in der Pfalz.
Neustadt a. d. H., 26. Juni. (WTB.-Funk- spruch.) Die ,n Schutzhaft genommenen pfälzischen Pfarrer wurden, wie der NSZ. „Rheinfront" mel- bet, nach i ner Aussprache zwischen dem Bischcs von Speyerund einem Vertreter der (Bauleitung der NSDAP, wieder aus der Schutzhaft entlassen. Die zur Entlassung gekommclen Geistlichen haben folgende von der Gauleitun' vorgelegte Erklärung unterzeichnet: „Der Un!e zeichnete verpflichtet sich hiermit, unter keinen Umbdnben den Versuch zu machen, das Gottesha. s zu politischen Zwecken zu m i ß b r a !. ch-n. Ausdrücklich erklärt und versichert er, daß ei a u ch nidjtben Versuch unternimmt, i n d er ft e cf t e r Weise die Regierung Adolf Hillers, rzw. ihre Maßnahmen einer Kritik zu unterziehen, die einer Verächtlichmachung gleich- kommt. Die Pcrteileitung ihrerseits übernimmt die Verantwortung,daß sie mit allen Mitteln den Priester schützen wird, wenn er sich nicht gleichzeitig herab äßt, seine Würde zu Parteizwecken zu mißbrauchen/
Lleberraschende Wendung in der Lsniersucheng der Bombenattentate in Oesterreich.
Wien, 26. Jini. (OB. Funkspruch.) Der „Kampfruf" erklär» daß die Untersuchungen der Bombenaltentate dw vergangenen Woche eine überraschende Dendung genommen hätten. Im Interesse der ge ührlen Ermittlungen könne heute jedoch nichts Näteres gesagt werden. Schon in den nächsten lagen Dürften die Behörden in der tage sein, der Oesfen lichtest das zutage geförderte Material zu Übergeber, das eine st a rke Entladung der Nationelsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bedeuten würde. Aus VZKZLT°
Vornan von Helma von Hellermann.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Direktor Vösling lehnte sich in seinem rotledernen Klubsessel zurück, blies aromatische Tabakwölkchen in die Luft und betrachtete zwischen zusammen- gekniffenen Aeugle,n, freundlich schmunzelnd, das blonde Mädchen, Lessen feingliebrige Vornehmheit ihm nun in einer, ganz anderen Licht erschien. „Können Sie gut echnen?" fragte er plötzlich aus seinen Gedanken h raus.
Wera lächelte Sie sah sehr reizend aus, wenn fie lächelte; die stillen, fast ein wenig streng wirkenden Züge wurden weich und jung. Ein Grübchen vertiefte sich in 1 r rechten Wange. „Ich habe es gelernt, Herr Direktor."
„Ich werde Ihre Versetzung in die Kartothek Der- anlassen", entsck eb Vösling. „Da bekommen Sie einen Raum fü> sich und bedeutend höheres Gehalt. Es wäre in jeder Weise günstiger und leichter für Sie." Wieder beugte er sich vor,streichelte den Arm, da die Hand nicht erreichbar. „Man muß doch was für so ’ne arme, kleine, verlaufene Gräfin tun — ich bin kein Leuteschinder, helfe gern, wo ich kann!" Sein Ton floß über von väterlichem Wohlwollen.
Wera erhob sich. ,Hch danke Ihnen von Herzen, Herr Direktor, Sie sind sehr gütig; aber ich arbeite gern in meiner Abteilung — wirklich!"
Vösling schüttelte den Kops. „Unsinn! Wozu flunkern? Man sieht doch, daß die Arbeit da unten Sie anstrengt. Sie sind viel zu zart dafür. Hier oben haben Sie Ruhe und bessere Luft. Melden Sie sich morgen früh um zehn Uhr bei mir, da ist alles schon erledigt. Na, bin ich nicht nett zu Ihnen? Verdiene ich nicht ein bißchen Dank?" Sein Lachen klang fettig.
Wera zwang sich ein Lächeln ab, streckte die Rechte aus, die sofort ergriffen und festgehalten wurde.
„Passen Sie mal auf, wir werden uns glänzend verstehen, kleine Gräfin — glänzend!"
Ganz nahe war sein Gesicht nun dem ihren, das sich steil zurückbog. Dieses vollwangige, gerötete Antlitz mit den lüsternen Augen, der hörbar gehende Atem, der heiß ihre Wange streifte, erfüllte sie plötzlich mit einem Ekel, dessen Heftigkeit alle Schranken der Vernunft zerbrach. Es war nicht das erste Mal, daß Mannesbegierde die Hand nach ihr ausstreckte, nicht das erste Mal, daß es nötig war, Frauenlist anzuwenden, bis em neues Asyl gefunden. Jedes Mädchen, das sich, ohne Rückhalt an Familie und Gesellschaftskaste, sein Brot unter Fremden verdienen mußte, geriet in derartige Lagen.
Aber heute vermochte Wera Wettern nicht, Komödie zu spielen. Jeder Tropfen ihres Blutes wehrte sich in sonst nie gekannter leidenschaftlicher Aufwal
weiteren Ausführungen geht hervor, daß die Provokateure im Lager der Legitim! st en zu suchen seien.
Aktion gegen de Atientatsseuche in Bulgarien.
Sofia, 25. Juni. (TU.) Line außerordentlich energische Aktion zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit in der bulgarischen Hauptstadt, die durch zahlreiche politische Worde in den letzten Wochen auf das schwerste erschüttert worden war, wurde auf Anordnung der Regierung von dem Sofioter Stadtpräfekten mit Unterstützung der Garnison durchgeführt. Die Aktion begann um Witternacht von Samstag auf Sonntag und dauerte bis Sonntag 20 Uhr an. In dieser Zeit durfte die Bevölkerung die Wohnungen nicht verlassen. Alle Straßen, wie auch die abgelegenen Vororte, waren von Truppen abgeriegelt. Im ganzen waren 6000 Wann aufgeboten worden. Die Polizeibeamten durchsuchten sämtliche Häuser nach Waffen und zweifelhaften Elementen. Der Straßenverkehr sowie die Telephon- und Telegraphenverbindungen waren voll ständig gesperrt. Die mit den Zügen aus der Provinz Ankommenden wurden auf den Bahnhöfen f e st g e h a l t e n. Ls soll eine Unmenge von Waffen sichergestellt und 1100 Personen, meist Wazedonier oder Kommunisten, verhaftet worden sein. Aehnliche Aktionen wurden auch in den größeren Provinz st ädten durchgeführt.
Litwinow in London.
Bor einer Aussöhnung mit England?
London, 24. Juni. (TLl.) Die englische Regierung hat den ersten Schnitt zur Lösung der englisch-russischen Spannung getan. Außenminister Simon hat den russischen Außenkomnässar Litwinow zu einer Zusammenkunft im Außenamt am Montag geladen, auf der ohne Zweifel das englische Einfuhrverbot und die Freilassung der in Moskau gefangenen englischen Ingenieure Macdonald und Thornton besprochen werden wird. „Daily Expreß" erklärt, die Hauptpunkte für die Einigung seien bereits aus^earbeitet worden. Es handele sich nur noch um eine formelle Vereinbarung. Beide Regierungen würden Roten austauschen, in denen u. a.
lung gegen die Nähe dieses laut atmenden Menschen, dessen Körper sich nun fest und fühlbar gegen den ihren drängte. Der letzte Rest von Vorsicht floh.
„Weg da! — Was erlauben Sie sich?I"
Mit einem kraftvollen Stoß vor die Brust befreite sie sich von dem Manne, der, zurücktaumelnd, über den Stuhl, auf dem Wera gesessen, stolperte und fiel.
Da saß er auf dem Boden, mit offenem Munde und hervorquellenden Augen, die kurzen Beine steif ausgestreckt, vor Schreck und Zorn unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen. Komisch sah das aus — sehr komisch sogar. Aber das Mädchen bemerkte es nicht.
„Ich bitte um meine sofortige Entlassung, Herr Direktor Bösling!"
Schneidende Schärfe war plötzlich in der weichen Stimme. Die Lippen zu schmaler Linie zusammen- gepreßt, mit bebenden Nasenflügeln stand sie vor dem keuchenden, glotzenden Menschen da zu ihren Füßen. Und so voller Haß und Zorn flammten die schwarzen Augen ihn an, daß er wie gebannt in seiner unfreiwilligen Stellung verharrte, bis sich die Tür hinter Wera Wettern geschlossen hatte.
Da erst richtete der Direktor sich auf, rieb fluchend und stöhnend seine schmerzende Sitzfläche und hinkte zum Schreibtisch.
Gleich darauf gellte auch schon seine Privatklingel durch das Haus.
Hocherhobenen Hauptes ging Wera durch Flure und Gänge des großen Warenhauses zurück'in ihre Abteilung und an ihren Platz. Das Blut der Em- pörung brannte noch in ihren Wangen. Als Anne Weber die Nahende betrachtete, den Blick in den nachtdunklen Augen sah, erstarb ihr die Frage nach dem Resultat der Unterredung auf den Lippen. Stumm reichte sie Wera die Kartons von der kleinen Trittleiter am hohen Regal herunter, deren Inhalt auf dem großen Verkaufstisch vorn aufzubauen war. Stumm nahm Wera sie in Empfang, trug die Last auf beiden Armen hinüber und begann, das bunte Durcheinander von Krawatten, Handschuhen und Taschentüchern zu ordnen. Bis in die Fingerspitzen hinein spürte sie ihren Herzschlag. Nun war sie fertig hier ...
Das harte Klappern schnell nahender Absätze wurde hörbar.
Die Abteilungsleiterin nahte wieder. Wera fuhr herum. Die Blicke der beiden Frauen kreuzten sich.
„Sie- sind entlassen! Packen Sie Ihre Sachen zusammen! An der Lohnkasse wird Ihnen Ihr Gehalt bis zum heutigen Tage ausgezahlt, weitere Ansprüche haben Sie nicht zu stellen. Und seien Sie froh, daß es der Chef bei der fristlosen Entlassung bewenden läßt!"
Merkwürdig klang die Stimme der Frau, hämisch triumphierend, aber mit einem seltsamen Unterton der Erleichterung.
„Er weiß wohl, warum, Fräulein Henner!" erwiderte Wera ruhig, die Rotblonde voll ansehend. „Uebrlgens habe ich um meine sofortige Entlassung
Rußlands Recht zum gerichtlichen Vorgehen gegen verdächtige Ausländer und die ordnungsgemäße Führung des Moskauer Prozesses anerkannt würden. Die konservative „Morningpost" ist sehr erregt über das englische Entgegenkommen gegenüber Rußland. Simons Einladung an Litwinow habe in konservativen Kreisen wie eine Bombe gewirkt. Diese seien der Ansicht, daß England kein Kompromiß eingehen und das Einfuhrverbot. auf russische Waren, das am 18. Juli abläuft, weiter verlängern solle.
Aus aller Welt.
..Graf Zeppelin" in Saarbrücken.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Sonntagfrüh 8.30 Ahr von Friedrichshafen kommend nach dreieinhalbstündiger Fahrt über Vaden und die Pfalz auf dem Flugplatzgelände der Deutschen Lufthansa in Saarbrücken gelandet. Eine riesige Menschenmenge, die in musterhafter Weise Ordnung hielt, hatte sich aus dem ganzen Saargebiet eingefunden. Ist es doch das erstemal, daß das Luftschiff dem abgetrennten Saargebiet einen Besuch abftattet. Sofort nach der Landung begaben sich Oberbürgermeister Dr. Reikes und das saarländische Mitglied der Regierungskommission, Koßmann, an Bord des Luftschiffes. Beide Herren begrüßten Dr. Ecke- ner im Ramen der Stadt Saarbrücken sowie im Ramen der deutschen Bevölkerung des Saargebietes. Dr. Eckener gab der Freude Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, mit dem „Gras Zeppelin" das deutsche Saargebiet besuchen zu können. Am 9 Ahr stieg das Luftschiff, unter dem Jubel der Bevölkerung, die das Deutschlandlied anstimmte, mit 35 Passagieren zu einer achtstündigen Rheinlandfahrt aus, die über Köln bis Aachen und zurück nach Saarbrücken führte, wo das Luftschiff um 18 Ahr wieder eintraf, um dann die Rückfahrt nach Friedrichshafen anzutreten. Der Jubel in Saarbrücken ist ungeheuer. Die Stadt ist außerordentlich reich beflaggt.
Drei Kinder bei Kowno von einer Granate zerrissen.
In einem Wäldchen bei Kowno sanden, wie das „Memeler Dampfboot" meldet, drei Kinder, ein Mädchen und zwei Knaben im Alter von 7 bis 12 Jahren, beim Tannenzapfensammeln eine anscheinend aus der Kriegszeit stammende Granate, an der sie ahnungslos herumhantierten. Plötzlich explodierte das Geschoß. Die drei Geschwister wurden buchstäblich in Stücke gerissen.
gebeten." Sie deutete auf den nur halb geordneten Verkaufstisch. „Das Weitere wird wohl Fräulein Weber nun besorgen müssen."
Ein höfliches Neigen des blonden Hauptes. „Guten Morgen, Fräulein Henner!"
Diese warf den Kopf zurück, schürzte die Lippen. Gottlob, daß diese hochmütige Person fortkam, die Galle konnte die einen anärgern! Wie, wenn sie Richard Bösling erhört hätte! Sie konnte sich schon denken, was da oben geschehen war, trotz aller Schwüre und Beteuerungen. Ach, man war so eines Mannes doch nie sicher ... Honigsüß lächelnd, trat sie vor, um ein Rudel Käufer zu begrüßen, die eben dem Lift entquollen.
„Fräulein Weber, bitte! Fräulein Sacher, hier fehlt noch jemand! Blau? Jawohl, gnä’ Frau — die allerneueste Nüance! Bette sehr, gnä’ Frau! — Fräulein Weber!"
Aber Anne Weber hörte nicht. Sie war der sich still entfernenden Wera nachgeeilt und erfaßte sie am Aermel. „Wera, warum gehst du denn fort? Was ist denn?"
Wera Wettern sah auf die kleine Brünette herab, deren Wuschelkopf just an ihre Schulter reichte. „Entlassen, kleine Anne!" sagte sie, leise lächelnd.
„Aber das ist doch einfach unerhört, bloß wegen dem bißchen Zuspätkommen! Das brauchst du dir nicht gefallen zu lassen — sei nur nicht so dumm! — Ja, ja, ich komme! — Wera, einen vollen Monat müssen sie dir bezahlen — hörst du? Einen vollen.. — Herrgott, ich komm ja schon! — Wera ..."
Aber die hatte sich gebückt, sie auf die Wange geküßt. Lebe wohl, liebe, kleine Anne! Hab' Dank für all deine Freundlichkeit!" Dann war sie zur Hintertür hinausgeeilt."
Und Anne Weber trabte verstört an ihren Der- kaufstisch zurück, ließ Fräulein Henners leises Schelten ungerührt über sich ergehen und legte dem nach Handschuhen fragenben jungen Mädchen gedankenversunken Herrenschlipse vor.
Der ganze große, lärmerfüllte Raum mit seinem grellen, künstlichen Licht erschien ihr plötzlich traurig und leer.
3. Kapitel.
Wera Wettern war in der Garderobe gewesen hatte an der Kasse den Lohn für drei Tage in Empfang genommen und schritt nun ziellos durch die verkehrsreichen Straßen der inneren Stadt.
Der furchtbare Druck, der seit dem Erwachen mit Zentnerschwere auf ihr gelastet, war gewichen. Es war, als habe sich all die aufgewühlte Erregung, all die seit Jahren anaehäufte Bitterkeit in jenem einen Stoß gegen den Mann entladen, dessen Hand sie frech angetastet. Sie mußte auf einmal leise auf- lachen in der Erinnerung an fein verdutztes Gesicht, als der kleine Dicke mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden saß wie eine Gliederpuppe. Nach war sie Herrin über Wollen und Versagen, noch war sie frei!
Aus der Provinzialhaupistadi.
Deutscher Abend der SA.-Zlieger.
In der völlig besetzten Gießener Dolkshalle, die von schätzungsweise etwa 4000 Menschen besucht war, veranstaltete gestern der SA.-Flieger-Ersatz- trupp Gießen und Oberhessen einen in allen Teilen wohlgelungenen Deutschen Abend. Die Veranstaltung war der Auftakt der Deutschen Luftfahrt» Werbewoche 1933, die im Rahmen des Deutschen Luftsportoerbandes, Untergruppe Hessen-Darmstadt, von der Ortsgruppe Gießen bis zum 2. Juli durch- geftihrt wird.
Flotte musikalische Darbietungen der Gießener Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauß e leiteten den Abend in stimmungs- voller und schöner Weife ein. Der Führer des Fliegerfturms Balser begrüßte sodann in einer kurzen Ansprache die Besucher, dabei besonders die Vertreter des Offiizerkorps, der Behörden, der Universität und des Deutschen Luftfahrtverbandes. Er wies darauf hin, daß der Fliegersturm Gießen sich aus kleinsten Anfängen emporgearbeitet und. den schönsten Erfolg feiner bisherigen Tätigkeit mit dem Bau des ersten, felbstgeschasfenen Segelflugzeugs
erreicht hat. Er bat die Besucher, dieser Arbeit des Fliegersturms allezeit in förderlicher Weise behilflich zu sein und dadurch einem Sßerfe zu helfen, das ganz im Sinne der von ihren Gegnern meuchlings ermordeten SA.-Männer in voller Hingabe an das Dritte Reich geleistet werden soll. Mit der Versicherung, daß der Fliegersturm jein Wirken nach den leuchteten Vorbildern von Jmmelmann, Richthofen, Boelcke und Göring gestalten werde und alle Arbeit nur dem deutschen Volk und Vaterland gelte, schloß der Sturmführer seine mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache.
Schauspieler Förderer vom hiesigen Stadt- theater und Schauspieler Luft erfreuten sodann mit Rezitationen bzw. Gesang verschiedenster Art, die sämtlich dem Charakter des Abends ausgezeichnet angepaßt waren. Eine Sängerin aus Marburg, die sich außer Programm für die künstlerische Bereicherung des Abends zur Verfügung gestellt hatte, bereitete dem Publikum durch ihre Gesangsvorträge, die am Flügel in feinsinniger Weise begleitet wurden, einen erlesenen Genuß. Dazwischen musizierte die Militärkapelle in unermüdlicher Weise.
Die Taufe des neuen Flugzeugs vollzog bann daZ Förderer - Mitglied des SA. - Fliegersturms Dr. Schliemann. Während des Taufaktes war das Segelflugzeug auf der Bühne aufgestellt, zu beiden Seiten flankiert von SA. mit Fahnen. Dr. Schliemann erinnerte in seiner kurzen Taufrede an die Unterdrückungsmaßnahmen des Versailler Diktats gegen die deutsche Luftfahrt, er versäumte aber auch nicht, darauf hinzuweisen, daß der Führer Adolf Hitler auch in dieser Hinsicht dem deutschen Freiheitswillen in jahrelanger Pionierarbeit einen mächtigen, aufwärtstreibenden Impuls gegeben hat. Unter Hinweis auf den jüngsten unerhörten Vorstoß der roten Fliegerpest vom Auslande her gegen Berlin betonte der Redner eindringlich die Notwendigkeit, Deutschland auch auf dem Gebiete der Luftfahrt unbedingt die Freiheit und wirksamen Schutz zu verschaffen, damit es nicht für immer wehrlos seinen Feinden preisgegeben ist. Der Redner feierte sodann den opferwilligen deutschen Geist, der in der Fliegerei lebendig ist und der auch in dem selbstgeschaffenen Segelflugzeug des SA.-Fliegersturins Gießen seinen erneuten sichtbaren Ausdruck findet. Mit dem Wunsche, daß nach dem politischen Erwachen Deutschlands auch der Gedanke der freien deutschen Luftfahrt überall erwachen und zum Durchbruch kommen möchte, schloß er seine Ansprache und taufte das Flugzeug auf den Namen „H o r st W e s - s e l". Anschließend wurde der erste Vers des Horst- Wessel-Liedes gesungen.
An Stelle des am Erscheinen verhinderten Reichs- statthalters in Hessen und Gauleiters Sprenger richtete der frühere Führer der Standarte 116, Graf BernhardzuSolms-Laubach, vom Publikum mit lebhaftem Beifall empfangen, eine kurze Ansprache an die Besucyer. Er zog dabei zunächst einen Vergleich zwischen der Erfüllung der tausendjährigen Sehnsucht der Menschen, fliegen zu können, und dem Befreiungskampf des deutschen Volkes durch die nationalsozialistische Bewegung. In diesem Zusammenhang feierte er das große Einigungswerk der NSDAP, unter der Führung Adolf Hitlers, sowie den opferbereiten, hingehenden Dienst der SA. für die Durchsetzung des Gedankengutes der nationalsozialistischen Bewegung. Er forderte die SA. auf, nicht etwa zu glauben, daß der Kampf zu Ende sei. sondern in Beharrlichkeit weiterhin zum Kampfe bereitzustehen, vor allem zum Kampf gegen den Spie- ßer und die Menschen, die den nationalsozialistischen Freiheitskampf zu verfälschen suchen würden. Er warnte weiterhin vor den Nutznießern des nationalsozialistischen Kampfes, die in den letzten Monaten sich in den Vordergrund zu drängen suchten, mit Nachdruck warnte er aber auch alle Widersacher, etwa eine Gegenrevolution anzuzetteln, oder die Arbeit der Führer des neue« Deutschlands zu hemmen und zu kritisieren. Unter Hinweis auf ein Wort des Reichsministers Dr. Goebbels auf der Führer- tagung in Berlin forderte der Redner auf, den Geist der alten nationalsozialistischen Kämpfer stets lebendig zu erhalten und in Beharrlichkeit und Treue im deutschen Aufbauwerk wirksam werden zu lassen. Man traue dem Spießer nicht, der heute „Heil Hitler" rufe, sondern man traue nur sich selbst und dem alten nationalsozialistischen Geist, der auch die im deutschen Freiheitskampfe gefallenen Kameraden beseelt habe. Mit der Aufforderung, den Nationalsozialismus als Höhenflug unseres deutschen Volkes immer zu fördern und opferfredig für ihn zu kämpfen und dabei in Beharrlichkeit und Treue zu dem Führer Adolf Hitler zu stehen, schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommene Ansprache. Anschließend wurde der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen.
Hierauf wurde ein Theaterstück „Schlagetec" in eindrucksvoller Weise aufgeführt, das den Zuschauern einen Ausschnitt aus den heroischen letzten Stunden des deutschen Freiheithelden Albert Leo Schlage- t e r gab. Mit einer Huldigung für das deutsche Vaterland, die der Zuschauer mit dem Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes Ausdruck gaben, fand die Aufführung ihren Abschluß.
Der weitere Verlauf des Abends brachte noch mancherlei schöne gesellige Darbietungen.
Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust. Wie wohl die kalte Luft tat! Der scharfe Ostwind, der sich frühmorgens erhoben, hatte die dicken Nebelschwaden zerteilt, die Straßen von Dunst reingefegt. Wera spürte auf einmal, daß sie hungrig war
Sie trat in das nächste Automatenrestaurant, nahm sich ein Krabben- und ein Schinkenbrötchen, nahm schnell den eben leer werdenden Platz an einem Seitentisch ein, bestellte eine Fleischbrühe und begann in aller Ruhe zu frühstücken. Wie lange war es her, seit sie so behaglich eine Mahlzeit zu sich nehmen konnte! Tagsüber aß man mit dem Blick auf die Uhr, in soundsoviel Minuten mußte man fertig fein. Und abends war sie zu müde, um mit Appetit den unterwegs gekauften und hastig zu- bereiteten Imbiß zu genießen. Da war sie oft derart erschöpft, daß der bleierne Schlaf keine Erfrischung brachte. Oder noch schlimmer: sie konnte keinen Schlaf finden, weil jeder Nero des überanstrengten, zarten Körpers zuckte und schmerzte und bas Blut hinter den Augenballen pochte.
Eine Woche werde ich mir Urlaub geben, beschloß Wera, ihre Frühstückssemmel verstohlen aus der Handtasche langend und mit bfanten Zähnen in das altbackene Gebäck beißend. Köstlich schmeckte es ihr heute. Sie lächelte dem jungen Mädchen zu, das sich mit hochbepacktem Teller an ihren Tisch setzte und genüßlich zu schmausen begann.
„Die Kälte macht hungrig — nicht wahr?"
Es war ihr ein Bedürfnis, mit irgendeinem Menschen zu reden.
Die Rotwangige nickte, mit vollen Backen kauend.
„Ich komm' vom Land 'rein", bemerkte sie, soweit dies möglich, „bin um fünf aufgestanden, um sechs ging der Zug und seit acht bin ich unterwegs. Ich hab' viel zu besorgen — ich bin verlobt, im März ist Hochzeit."
Verliebt drehte sie am goldenen Reif am vierten Finger der Linken, kicherte ein bißchen verlegen und ganz und gar glückselig. „Er" war Bürovor- stand, einunddreißig Jahre alt, hatte seine alte Mutter unterstützt. Aber die war gestorben. Sie bekamen eine Wohnung in einem der neuen Häuser in der Gartenkolonie draußen; zwei Stuben, Kammer und Küche. Die Einrichtung brachte er zur Hälfte mit; aber sie stellte „die Wäsche". „Ich freue mich aufs »Heiraten , sagte die Kleine und hatte strahlende Augen.
Wie wenig brauchte der Mensch, um glücklich zu sein, wenn Liebe das Ganze übersonnte! Jrn Herzen des lächelnd lauschenden Mädchens regte sich ein leises, wehes Gefühl des Neides. Ja, sie beneidete dieses robust aussehende junge Ding mit seinen glänzenden Augen und roten Arbeitshänden, das sich so „aufs Heiraten" freute. Schlicht und gerade lag vor ihm das Leben, das kannte feinen Zwiespalt zwischen einst und jetzt, keinen Gefühlszwang, keine seelischen Konflikte.
(Fortsetzung folgt.)


