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26.6.1933 Erstes Blatt
 
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Dmrf vnd Verlag: vrühl'sche UntverfltStr-vuch, mrö Stetaörnderei K Lange in Gießen. S^rfftiettnng und SeschSstrftelle: Zchnlitraße 7.

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von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Sern|pred)anfd)lüfle onttr Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siebe».

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* Beilagen: Die Illustriert» Gießener Farnilienblätter Heimat im BUd Die Scholl»

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Mit 4 Beilagen RM.1.95

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Chefredakteur:

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Ttzyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfür denAn» zeigenteil t D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Heute wird mit dem Bau der ersten Autostraße begonnen.

Oie Strecke Frankfurt - Mannheim in Angriff genommen. Wie daö Auto- straßenneh vermutlich aussehen wird.

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Preise unterrichten. Die Preise sind nicht nur nicht gestiegen, sondern sie sind bei verschiedenen Dingen, so offenbar besonders bei Textilien, trotz der Entwertung des Pfundes, eher gefallen, wenn sie auch bei dem flüchtigen Vergleich immer noch über der deutschen Preishöhe zu liegen scheinen. Es sieht fast so aus, als ob eine etwas para­doxe Abwandlung eines deutschen Sprichwortes CE ährung währt a m läng st en" recht be­halten sollte, als ob das Vertrauen zum Pfund in der Innerwirtschaft Englands so stark ist, daß das ganze Volk mit einer beispiellosen Disziplin auch heute noch den gleichen Gegenwert für eine Rote der Bank von England zu geben gewillt ist, trotzdem in der Relation zum Gold die Abwertung von einem Viertel eingetreten ist. Auch die Arbeit wird nicht besser bezahlt, nicht die Lebensrnittel, nicht das Vergnügen.

_England ist es also gelungen, den inneren Stand seiner Währung durchaus zu halten, und wenn von Amerika Mitteilungen über ein sprunghaftes Ansteigen der Preiskurve herüberdringen, so ist hier jedenfalls bis in die letz- ten Tage nicht einmal etwas von einem Anziehen der Preise zu verspüren. Ob das England gegenüber Amerika einen festeren Stand gibt, oder ob das die Position Englands im internationalen Währungs­wettlauf erschwert, das mögen die Fachleute ent­scheiden, aber das eine ist gewiß, von allen den gefährlichen Nebenerscheinungen und Auswirkungen einer Inflation, wie wir sie in Deutschland schaudernd erlebten, ist England zur Stunde noch völlig unberührt. Es ist so unberührt da­von, daß die englischen Staatsmänner unbesorgt um die Stimmung der Bevölkerung in die Tiraden von der Notwendigkeit einer allgemeinen Preissteigerung auf der Weltwirtschaftskonserenz einstimmen kön­nen. Der englische Konsument läßt die hier ver- kündeten Theorien zu dem einen Ohr hinein- und zu dem anderen Ohr hinausgehen. Er hat noch nicht das Erlebnis der Praxis der Inflation und kann sich infolgedessen von dieser Praxis auch fei» nerlei Bild machen. Für ihn währt in der Tat die Währung am längsten".

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Nein, selbst dieser Begriff gehört der Vergangen- heit an, daß etwas so sicher wie die Bank von Eng­land sei. Die Bank von England ist nicht mehr sicher, der Gott Merkur und die Unterhändler auf dcr Weltwirtschaftskonferenz mögen wissen oder auch nicht wissen, welchen Umfang noch der durch das ßeid)tormathen des Pfundes den sparsamen Leuten angetane Vermögensoerlust in der Zukunft anzu­nehmen vermag und annehmen wird, wenn der Entwertungswettlauf so weiter geht, wie es den Anschein hat. Der Dermögensverlust ist eingetreten. Darüber läßt sich nickt mehr diskutieren, das ist eine Tatsache. Nun aber ist etwas Eigentümliches und fast Unbegreifbares geschehen; unbegreifbar auch dann, wenn man mit dem ganzen Rüstzeug der modernen Finanzwirtschaft an diese Erschei­nungen herangeht, und die langatmigsten Erklä­rungen gibt. Der Verlust ist da, aber trotzdem be­kommt man überall in London für fein Pfund genau den Sachwert, der der aufge­druckten Zahl entspricht, d. h. in verständ­liches Deutsch übersetzt, daß die Preise in kei­ner Weise gestiegen sind.

Oft der Platz, an dem die Bank von England liegt, der finanzielle Mittelpunkt der englischen Volkswirtschaft, so ist derPiccadilly- Eircus" das geschäftliche Zentrum, von dem die Hauptgeschäftsstraßen ausstrahlen. Es gibt kaum etwas interessanteres und lehrreicheres als ein Gang durch die Geschäftsstraßen oder, vielleicht noch besser, ein Bummel in der großen Rotunde der Tlntergrundbahn, die unter dem Piccadillh-Eircus liegt. Diese Rotunde ist so­zusagen der Zentralbahnhof derSubway". Hier entwickelt sich in den Mittagsstunden eine regel­rechtePromenade", wie man sie aus kleineren deutschen Städten her kennt. Dabei ist das weib­liche Element in beherrschender Lieberzahl. Es sind in der Hauptsache die Frauen, die aus den Vororten zumShopping", zum Einkauf, herein­gekommen sind, und die sich nun erst einmal an den Schaufenstern, die die großen Geschäfte in dieser Rotunde eingerichtet haben, über die

besonders die R h e i n st r a ß e n ausbauen und die bereits vorhandene Autostraße Köln Bonn nach den zum Gesetz erhobenen Richt­linien über Koblenz bisMainz ausbauen und so eine Rothilfsverbindung zwischen den bei­den Ost-Westverbindungen Herstellen. Die Auto­straße KölnBonn ist zwar außerordentlich breit und weist guten Strahenbelag auf, hat aber keine Richtungsfahrdämme. Die neuen Straßen werden aber durch Fahrdämme aufgeteilt und der dazwi­schenliegende Rasenstreifen mit Buschwerk be­pflanzt, um eine Blendung des Kraftfahrers durch entgegenkommende Autos zu verhindern.

Don Saarbrücken würde über Mann­heim S t u 11 g a 11il I m eine Reichsauto- bahn nach Augsburg führen und dort an die Straße Berli nM ü n ch e n anschließen. In Mannheim würden sich die Reichsautobahn H a m b u r gB asel bzw. K ö l nM a n n - h e i mB a f e I kreuzen. Ob eine Reichsauto­stratze nach dem Osten überKüstrinnach Schneidemühl gebaut wird, steht noch da­hin, da auf dieser Strecke die vorhandenen Stra­ßen bisher völlig ausreichen. Es handelt sich um r-in agrarische Gebiete, in denen der Kraft- verkeyr verhältnismätzig schwach ist. Eine der Hauptverkehrsstrahen ist die Strahe Rr. 5 Don Hamburg über Wittenberge, Reu - ruppi nF rankfurt a. d. Ode r® logau na chB reslau und B e u t h e n , also die Ver­bindung zwischen dem Welthafen Hamburg und Oberschlesien. Diese Strahe wird besonders von Lastautozügen in unverhältnismähig starker Weile befahren. Sie umgeht bewußt den Verkehrsknotenpunkt Berlin zur Beschleunigung des Verkehrs. Wie aus dem jetzt bekanntgewvr- denen, aber wvhl nicht als amtlich anzuseyenden Plan hervorgeht, würde die Reichsautobahn H a m b u r gD euthen künftig über Der - l i n führen. Da die Reichsbahn für den Umbau der Strecke BerlinHamburg zwecks Llmletzung von Schnelltriebwagen (Fliegender Hamburger) in letzter Zeit große Mittel aufgewendet hat, dürfte sie soweit uns bekannt ist an die Herstellung einer Autostraße HamburgBerlin erst verhältnismätzig spät Herangehen.

Schweres Erdbeben in Sumatra.

von einem schweren (Er b b e b e n wurde die nie. derländische Residenzstadt B e n f u l e n auf Sumatra heimgesucht. Zahlreiche Häuser wurden zerslörl. Unter den Trümmern wurden 67 Menschen be­graben und getötet. Die Bevölkerung ist in großer (Erregung.

Berlin, 25. Juni. (ERB.) Mit dem D a u des ersten Teilstücks der ersten großen Rcichsautostrahe Hamburg Bremen Hanno­ver-Frankfurt -MannheimBasel, der Strecke Frankfurt Mannheim, wird schon in dieser Woche begonnen werden, und zwar wer­den zunächst die Landmesser mit der Vermessung der Strecke und der Vorbereitung des An­kaufs bzw. der Enteignung des benötigten Gelän­des beginnen. Zur Durchführung des Baues ist in Frankfurt a. M. bei der Reichsbahndirektion eine oberste Bauleitung unter Deichs­bahnoberbaurat P ü ck e l eingesetzt worden, dem ein Stab von ausgezeichneten Fachleuten beige­ordnet wurde. Die K 0 st e n für das erste Teil­stück FrankfurtHeidelbergMannheim werden mit etwas über 20 Millionen Mark veranschlagt. Die bisherige Autostraße Frankfurt- Darmstadt Heidel­berg bzw. Mannheim wird man für die neue Straße nicht benutzen können, da sie sehr ungünstig verläuft und durch zu viel Ortschaften führt.

Im Zuge der bereits bekannten und nummerier­ten Fernverkehrsstraßen sind neben der schon ge­nannten Autostraße S) a m b u r gF r a n f f u rt Bafel, die noch eine kurze Verlängerung nach Lübeck erhalten soll, an Straßen noch geplant eine Verbindungsstraße B e r l in S t e 11 i n. Ferner wird bestimmt eine Reichsautostraße Ber­lin-Leipzig entstehen. Nach dem bisher be­kannt gewordenen Plan soll sich diese Strecke in Leipzig abzweigen und von dort einmal über Plauen Nürnberg Augsburg nach München und weiter nach Kufstein führen, wo Anschluß an die Straße nach Innsbruck und über den Brenner nach Italien gewährleistet wäre. Eine Abzweigung von München würde noch München mit dem Salzburger Gebiet verbin­den. Die zweite Abzweigung würde von Leipzig über Naumburg Weimar Eisena ch hersfeld Frankfurt a. M. Mainz nach Saarbrücken führen und dort an die Pariser Straße anschließen. Die dritte Abzweigung würde Leipzig mit Dresden Görlitz, dem Waldenburger Industriegebiet und Breslau verbinden.

Eine große Querstraße würde von Berlin über Magdeburg Braunschweig Hannover zum Ruhrgebiet unb von Osten über Düsseldorf nach Köln führen. In Köln würde die Straße nach Aachen an­zweigen und dort den Anschluß finden an die große Straße über Brüssel nach O st e n d e bzw. nach Calais. Selbstverständlich würde man auch

Reue Bildungswege für den deutschen Lehrer.

Kultusminister Rust fordert engste Verbindung mit Volk und Boden.

Lauenburg, 24. Juni. (TU.) In einer An­sprache aus Anlaß der feierlichen Eröffnung der neuen landgebundenen Hochschule für Leh­rerbildung in Lauenburg in Pommern um­ritz der preutzischc Kultusminister Rust die Auf­gaben der Erziehung im neuen Staat, wobei er besonders auf die Wichtigkeit der Volks - und Bodenverbundenheit der Lehrer­schaft hinwies. Der Minister erinnerte an die unzweckmäßige Verschiedenartigkeit der Ausbil­dungsformen, die Lehrern auf den bisherigen Pä­dagogischen Akademien geboten worden sei, und betonte, daß auch jetzt noch Vorstellungen über die Ausgaben der deutschen Schule bestünden, die nur aus der Vergangenheit zu erklären seien. Es sei selbstverständlich, datz für die weltanschauliche Bildung im neuen Staate d i e bisherigen Schul - und Hochschul form en nicht ge­eignet seien. Es bestehe die Absicht, in Deutich- land drei Universitäten ins Lebei zu ru­fen, auf denen in einem gewissen Hinblick auf die Hochschulbildung an den englischen Llnioersitäten Oxford und Cambridge die künftige Füh­rerschaft des jungen Staa.es heran* gebildet werden solle. Was wir aber zunächst zu bilden haben, so fuhr der Minister frrt, das sind jene Lehrer der breiten wertvollen Volksschich­ten. das ist der deutsche Volks schulleh- r e r der Gegenwart. Begreif n Sie, deut­sche Lehrer, welche großen Aufgabm Ihnen ge­stellt sind, wenn man Sie nun aul eigens dazu zu formenden Lehrerhochschulen au neuer Basis und mit neuen Lehrplänen Heranbidet

D i e Lehrer sind die SA. -Führer der deutschen Volksbildung. Bicken Sie nicht nach jenen lideralistischen Hochschulgeiilden der Ver­gangenheit. Man wollte unter dem Decknamen der Sozialwissenschaft, der Sozialpädagostk, der Indu­striepädagogik, der Gegenwartskunde ufro. den marxistischen Volkszerstärer der Zukckstst heran- ziehen. An deren Stelle werden neue Lehrfächer treten: Volkskunde, Wehrgeogrcphie, Grenzland- und Rasfenkunde. Es soll eint bisher nicht bekannte Beziehung zum Volke ge- schaffen werden. Zu dieser Volksverbundenheit soll die Bodenoerbunden he it kommen. Die ver­gangene Zeit wußte nichts Besseres zu tun, als die pädagogischen Akademien in die Großstädte zu legen und den Lehrer damit loszulösen von den Urkräften, auf denen ein völkischer Organismus sich aufbauen muß. Hinaus au f das Land, so rufen wir jetzt, wo die Menschen heimatoerwurzelt und in ihren Empfindungen inzerstort beieinander wohnen. Dort soll der junge Lehrer sich bilden in unmittelbarer Verbindung mit Volk und Boden.

Die Reugliederung der Zugendverbände.

Eine Programmatische Rede Baldur von LchirachS.

Hannover, 25. Juni. (WTB.) Vor der zur Sonn- wendseier auf der Pferderennbahn Hannover ver­sammelten Jugend hielt Reichsjt gendfährer Bal- dur von Schirach die Festi.de, in der er die Grundzüge seiner zukünftigen Arbeit entwickelte. Der Hitler-Jugend gehöre die alleinige Führerschaft innerhalb der deutschen Jugend- verbände. Niemals soll Deutschland vergessen, daß es die junge 21 r b e it e r und Bauernschaft gewesen sei, die das neue Deutle land zum Siege geführt habe. Der Kampf aegin die Reak­tion werde mit derselben Unerbittlichkeit vorge- tragen werden wie gegen den M 'rxismvs. Den Großdeutschen Bund habe er verboten, weil er der Ansicht sei, daß Elemente, die nicht die Kon­sequenzen aus ihrer nationalen Gesinnung zu ziehen vermögen, keine Daseinsberechtigung hätten. Gegen­über den konfessionellen Verbänden werde er seine Haltung von dem Verhalten dieser Vereinigungen abhängig machen,'und er werde lich energisch gegen solche Organisationen wenden, die Ge­biete, die der Hitlerjugend gehörten, als ihre Ein­flußzone betrachteten. Wer sich dem roolutionären Wollen der Hitlerjugend entqegcnfteUe, werde in Zu­kunft ausgeschaltek.

Baldur von Schirach gab bekannt, datz ihm der Reichskanzler außer den Iugendverbänden a u ch d i e Studentenschaften der Hoch- und Fachschulen unterstellt habe. Diese Maß­nahme stelle keinen Eingriff in das Eigenleben der akademischen Verbände, vielmehr handele es sich um eine Eingliederung der Studentenschaften in das große Werk der Iugenderziehung. Heute gelte die Parole der allgemeinen Verbundenheit zwischen Arbeiter- und akademischer Iugend. Der Reichsführer schloß seine Rede mit dem Ge­löbnis, im Damen der gesamten deutschen Iu­gend weiterzuwirken im Sinne der Entsagung und Opferfreudigkeit, die immer das Beste an einer Iugend gewesen seien. Nichts für uns. alles für Deutschlandl

Der Aufbau der Deutschen Arbeitsfront.

Tie Angestelltensäule umfaßt alle Angestellten.

Berlin, 24. Juni. (Ddz.) Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley unb der Führer des Gesamtverbandes der deutschen Angestellten Albert Forster haben eine Verordnung ver­öffentlicht, in der zur Behebung von Zweiselssällea

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, den 24. Juni 1933.

(Durch Flugpost.)

Will man als Fremder einen Querschnitt durch London gewinnen, so muß man den Omnibus Nr. 15 besteigen. Der führt einen in gemütlicher Fahrt alle Omnibusse und alle Automobile fahren für das Gefühl des an stärkeres Tempo gewohnten Berliners oder erst recht des Parisers äußerst langsam und gemütlich durch alle Stadtteile, die man in Lon­don sehen muß, bis hinaus ins Whitechapel und in das Elendsviertel der Docks. Der Omnibus Nr. 15 durchquert auch die berühmteCity", in deren Mit- telpunkt die Börse und das Gebäude der Bank von England liegen. In den Geschäftsstunden ist diese Gegend wohl die belebteste in ganz London. Da drängt sich ein geschlossener Menschenstrom Schritt für Schritt vorwärts, da sitzen Fahrzeuge aller Art buchstäblich aufeinander und kommen kaum weiter. Da sieht man überall die nervösen und van der Arbeit gespannten Gesichter der unzähligen Ange­stellten. Mit einem Schlag aber hört das alles auf. Noch einmal bei Gefchaftsschluß strömt alles auf die Straßen, und dieser Menschenstrom wird von den Eingangspforten der Untergrundbahn in unvorstell­bar kurzer Zeit abgeleitet. Dann liegt die City plötz­lich wie ausgestorben da. In den Abendstunden kann man straßauf, straßab wandern, und es wird einem auf weiten Strecken kaum ein Mensch begegnen.

Ganz besonders still, fast wie verwunschen ist es bann auf dem kleinen Platz, der vom Palast des Lordmayor, des Bürgermeisters von London, der Börse und der Bank von England begrenzt wird. Hier war einmal d er Finanzmittelpunkt der Welt. Wo ist er heute? Wäre diese Frage einfach zu beantworten, so brauchten im Geological- Museum an der Exhibition Road, dem Sitz der Weltwirtschaftskonferenz, nicht Kommis- [ionen und Unterkommissionen eingerichtet zu wer­den, dann konnte die ganze auf Monate und Monate au berechnende Arbeit der Weltwirtschaftskonferenz sehr wahrscheinlich innerhalb von wenigen Tagen, vielleicht innerhalb einer Woche, von ganz wenigen Leuten befriedigend erledigt werden. Aber die Frage ist nicht zu beantworten. Es gibt feinen finan­ziellen Mittelpunkt der Welt mehr, und wenn Die Finanzmächte Amerika, England und natürlich Frankreich sich darum bemühen, durch Uebercin- künfte die Wirkung eines solchen finanziellen Mittel­punktes, nämlich die Stabilität der Währungen, wieder herzustellen, so erscheint dies Bemühen von vornherein aussichtslos. Jeder will ja doch sein eigenes Rezept durchbringen, jeder will selbst der Führer und die entscheidende Macht sein, und jeder wirst dem anderen vor, daß er die Schuld daran trage, wenn nichts zustandekommt. Solche Einigungs- bemühungen wirken sich auch hier genau wie in Genf letzten Endes doch nur dahin aus, daß der Streit verschärft wird und auf allen Seiten Verbitterung aufsteigt.

Darüber ist man sich selbstverständlich einig, daß der Wettlauf zwischen Pfund und Do l- I a r in der Entwertung auf die Dauer so nicht mei- tergehen kann, daß irgendwo eine Grenze liegen muß, und daß alle Arbeiten, alle Vorschläge, die xur Behebung der Weltwirtschaftskrise gemacht wer­den, einfach in der Luft hängen, wenn nicht die Wertbeständigkeit des Geldes wiederhergestellt und gesichert ist. Aber jeder sagt dem anderen.Hann e- mann, geh du ooran!" Die Amerikaner, die

daß Stabilisierungsmaßnahmen gegenwärtig nicht Aweckmäßig wären, und wenn es nach .hnen ginge, so dürste sozusagen vom Dollar überhaup.nicht mehr gesprochen werden. Dabei acer oerlan­gen sie, daß die anderen Länder der Welt alle Zoll­mauern abbauen und der mit dem entwerteten Dol­lar hergestellten Produktion der Vereinigten Staa­ten überall ungehinderten Eingang gewähren, wo­hingegen die USA. ihrer Volkswirtichast mit dem entwerteten Dollar geradezu einen Schutzpanzer um­legen.

Der Laie wird triefe finanziellen Dinge bis zum Letzten nie begreifen. Das ist ihm ein Buch mit sieben Siegeln, und er kommt schließlich, wie jenes wackere Bäuerlein, zu dem radikalen Schluß, datz man das böse Weib, dieValuta", totschlagen solle, damit die Welt endlich Ruhe habe. Dieses radikale Rezept läßt sich nun leider nicht durch - führen. Das Schlimmste dabei ist, daß der Laie ob er nun mehr oder weniger Verständnis für die verwickelten Dinge der Finanzwirtschaft hat, unmittelbar unter ihnen in seiner Existenz und sogar an seinem Leben leidet. Mit welch melancho­lischen Blicken der Engländer, der sich ein kleines Vermögen zusammengespart hat, heute die Bank von England betrachtet, kann man sich denken. Don ihr hieh es einmalsicher wie die Bank vonEngland", womit man ausdrücken wollte, daß diese Dank sicherer sei, als aUes andere in der Welt, als jeder andere Wertmesser, sei es nun Gold, Silber oder sonst einSachwert". Aber die Bant von England hat das Pfund u m ein rundes Viertel herabgesetzt, das bedeutet, daß jeder, der seinen Besitz in einstmals vollgültigen Pfundscheinen bei sich trägt oder im Strumpf verwahrt oder im Safe einer Bant lie-

Währung währi am längsten., In London während der Weltwirtschafiskonferenz Don unserem 8-Sonderkorrespondenten.

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nr. 146 Erstes Blaff 183. Jahrgang Montag, 26. Ml 1935

»^Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen