Aus der Provnzialhauptstadt.
OerTag der NationalnyArbeit in Gießen.
Die Kreisleitung Gießen der NSDAP, teilt mit. daß im Hinblick auf die bereits getroffenen Vorarbeiten die Aufstellung eines besonderen Aus- schusses unterbleiben kann. Die Vertreter der NSDAP., der übrigen in Betracht kommenden Der- bände foroie_ die behördlichen Stellen (Kreisarnt, Polizeiamt, Stadtverwaltung) werden am Mittwochabend eine kurze Besprechung der organisatorischen Fragen abhalten.
Beteiligung von Vereinen am Tag der Nationalen Arbeit.
Die geschlossene Beteiligung von Vereinen jeder Art (Turn- und Sportoekeine, Gesangvereine. Schüt- zenocreine und dergleichen) soll einer besonderen Besprechung mit Vertretern derselben vorbehalten bleiben, die wahrscheinlich am Donnerstag, 27. April, 18 Uhr, stattfinden wird. Der genaue Ort und die Z?it werden morgen an dieser Stelle bekanntgegeben werden.
Oie Geldzuftellung bleibt erhalten.
Anläßlich der mehrfachen Uebersälle auf Geldbrief- trägcr hatten sich Bestrebungen geltend gemacht, die Geldzustellung durch Beamte der Reichspost überhaupt auszuheben und dafür eine Abholungspflicht der Empfänger anzuordnen. Das Reichspoflministe- rium Hot über diese Frage die Meinung der Oberpostdirektionen eingeholt und wie das Nachrichtenbureau des 232)3- hört, auf Grund dieser Stellungnahme von einer Neuregelung abgesehen. In einer Bersügung des Reichspostministers wird fcslgestellt, daß die Geldzustellung durch Postbeamte wie bisher bestehen bleibt.
Taten für Mittwoch, 26 April.
1731: der Dichter des „Robinson" Daniel Defoe in London gestorben; — 1786: der Dichter Ludwig Uhland in Tübingen geboren. — 1812: der Indu strielle Alfred Krupp in Essen geboren; — 1910: der norwegische Dichter Bjornstjerne Bjürnson in Paris gestorben. — 1925: Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten.
Bornotizcn.
— Tage skatender für Mittwoch: Oberhess. Aunstoerein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, große Frühjahrs-Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,La, treu ist die Soldatenlieds".
— Aus dem Stgdtthcaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 19.30 Uhr, 27. Vorstellung
im Mittwoch - Abonnement. Opern-Gastspicl des Hessischen Landestheaters Darmstadt mit der ein maligen Aufführung der Oper: „Fidelio" von Beethoven. Die musikalische Leitung dieser in der alten Inszenierung Ernst Legats herausgebrach ten klassischen Oper, die das Hohelied der Gattcn- treue zum Inhalt hat, liegt in Händen von Kapellmeister Dr. S ch m i d t. I s s e r st e d t, der Beetho vens gewaltige Komposition großzügig gestaltend unmittelbar zum Herzen sprechen läßt Es gelten für dieses Gastspiel Opern-Preise; Vorzugs- und Rundfunk-Gutscheine haben Gültigkeit. Ende: nach 22 Uhr. — Die Erstaufführung der Operette: ,Lise- lott" von Künneke findet am Freitag, 28. April, unter der Spielleitung Paul W r e d e s als 28. Vorstellung im Freitag-Abonnement statt; Operetten» Preise. Spieldauer von 20 Uhr bis noch 22.30 Uhr.
•• Eine BittedesReichspropaganda- m i n i st e r i u m s. Der Reichsminisler für Volks aufklärung und Propaganda teilt mit: Die Bearbei tung der sehr zahlreich bereits vor der Errichtung des Ministeriums eingetroffenen Eingänge neben den täglich ankommenden vielen Hunderten von Postsachen erfordert geraume Zeit. Ich wiederhole daher meine Bitte an die Einsender, die Arbeit des Ministeriums nicht durch weitere Eingaben, wie Erinnerungsschreiben usw., noch weiter zu erhöhen, sondern Geduld zu üben. Da die Arbeitsplätze im Ministerium bereits besetzt sind und andere Verwendungsmöglichkeiten nicht bestehen, bitte ich ferner, von weiteren Bewerbungen obzusehen. Schließ lich bitte ich, Eingaben, die in den Aufgabenkreis des Propagandaministeriums nicht gehören, jiidjt hierher, sondern an die in jedem einzelnen Falle zuständige Stelle zu richten.
" Sonntags-Rückfahrkarten zum 1. Mai. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt mit: Zum 1. Mai werden Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Geltungsdauer zur Hinfahrt am Samstag, 29. April, ab 12 Uhr, am Sonntag, 30. April und Montag, l.Mai, und zur Rückfahrt am 29. und 30. April, sowie 1. und 2. Mai bis 12 Uhr. Auch die für die Deutsche Iagdausstellung in Köln ausgegebenen Sonntagsrückfahrkarten gelten bis 2. Mai 12 Uhr.
"DerMarinevereinGießen hielt vor einigen Tagen, wie man uns berichtet, in feinem „Heim der Kameradschaft" eine schlichte Gründungsgedenkfeier ab, denn der Verein wurde am 14. April 1892 gegründet. Aus diesem Anlaß wurde an die Kameraden Georg H e b st r e i t. Karl Braun, Peter Schmidt, Karl Ohr, Ludwig Bischoff, Wilhelm Krause, Arnold H a n d l o s e r und Gustav I r l e das 40jäh- rige Abzeichen für „Treue" verliehen.
Die neuen Gemeinderäie in Qberhessen.
Landkreis Gicken.
X Klein-Linden, 25 April. Der neue Gemeinderat besteht künftig aus 9 (bisher 12) Mitgliedern. Die SPD hatte keinen Wahlvorjchlag eingereid)t, so daß alle Sitze der NSDAP, zugewiesen wurden Es sind gewählt: Heinrich F i s ch e r, Kaufmann Friedrich Wilhelm Loh, Dautechniker, Philipp Klein V.. Landwirt, Heinrich Ufer, Bahnbeamter i. R., August Ruh Mr., Mechanikermeister, Konr. Lotz II., Landwirt; Wilh. Jung XL, Mechanikermeister, Heinrich Bechtold, Elektromeister, August Weller, Gastwirt.
' Grohen-Linden, 25. April. Der auf Grund "bed Gleichschaltungsgesehes neu gebildete Gemeinderat setzt sich aus 7 Ra- tionalsozialisten und 5 Sozialdemokraten zusammen. Die nationalsozialistischen Mitglieder des Gemcinderals sind: Wilhelm Becker, Heinrich Faber VI., Wilhelm Magnus II., August Rinn, Ludwig S t e i n m ü l l c r II., Wilhelm Schmidt III. und Georg T e f t o r. Bon der SPD. gehören dem neuen Gemeinderat an Georg Schneidmüller, Wilhelm Lu HIV., Otto Mengesl., Wilhelm Jung und Heinrich Falk. Der bisherigen Gemeindevertretung gehörten 5 Bürgerliche und 7 Mitglieder der SPD. an.
f. Orüningen, 25. April. Für die Neubildung des Gemeinderats wurden Wahl- vorschläge der NSDAP., der DNVP. und der SPD. eingereicht. Nach der Feststellung der Gemeindewahlkommission erhält die N S D A P. 7, die SPD. 2 Sitze, während der Wahlvorschlag der DNVP. nicht berücksichtigt werden konnte, da die nötige Stimmenzahl nicht erreicht worden war. Zu Gemeinderatsmitgliedern wurden bestimmt: vom Wahloorschlag der NSDAP.: La über, Adam Hch, Kaufmann. Euler, Adam Hch., Landwirt; I s h e i m, Wilhelm Hch., Schneidermeister und Landwirt; Marsteller II., Karl Hch., Landwirt; Hofmann III., Heinrich, Arbeiter; Bender II., Ludwig, Händler; Fey III., Heinrich Wilh., Landwirt. Vom Wahlvorschlag der SPD.: Schäfer, Adam, Weißbinder; Schäfer, Heinrich, Arbeiter.
z. CR ö b g c n , 25. April. Der n c ue QJcmeinöerat setzt sich wie folgt zusammen: Landwirt K. Klos, Wiesenarbeiter Ludwig Brück. Waldarbeiter K. 3o ft, Landw.rl Heinrich Bellof I., Landwirt Wilhelm Balser XVI., Arbeiter W. Aocker Landwirt Wilhelm Horn. Landwirt Peter Schlosser und Arbeiter Philipp Aöhrig, Sämtliche Manner gehören der Rationalsoztallsti- schen Arbeiterpartei an. Die Sozialdemokratische Partei hatte keinen Wahlvorschlag eingere cht.
Q Lollar, 25. April. Der neue Gemeinde- rat setzt sich wie folgt zusammen: 5 NSDAP., 1 Vereinigte nationale Rechte, 6 SPD. Es sind gewählt: von der N S D A P.: Martin Zaubert, Steuerinspektor, Ludwig Wilhelm Becker, Prokurist, Karl Hildesheim, Arbeiter, Ludwig Hofmann V., Landwirt, Konrad Norwig, Arbeiter. Von der Vereinigten nationalen Rechten: Ludwig Forbach II., Landwirt. Von der SPD.: Wilhelm Seipp II., Schreiner, Georg Wisse- mann, Schlosser, Fritz Rohrbach, Buchdrucker, Karl Klinke l IV., Schlosser, Wilhelm Deuf- f i n g II., Schlosser, Karl K l i n k e l II., Former.
sch. Saasen, 25. April. Der neue G e - meinderat unseres Ortes letzt sich aus, neun Mitgliedern zusammen. Die NSDA P. ist mit sechs Mitgliedern vertreten. Es sind dies die Herren: Wilhelm Schepp II., Arbeiter, Wilhelm Kutscher, Landwirt, Wilh. Start L, Landwirt, Heinrich Wagner, Landwirt, Ludwig S ch m id t V., Arbeiter, und Karl W i ß n e r, Fabrikarbeiter. Die SPD. entsendet drei Vertreter und zwar die Arbeiter Karl Pfeiffer, Heinrich Wickenhöfer und Wilhelm Müller. Zwei Mitglieder der NSDAP. (Wilhelm Stark 1. und Heinrich Wag
ner) gehörten bereits dem früheren Gemeinderat an.
+ Grünberg, 25. April. 3n der ersten Sitzung der Wahlkommission waren Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Wahtvorschlags der SPD., dem zwei Sitze zugefallen wären, entstanden und die Entscheidung vertagt worden. Das Kreisamt. dem die Angelegenheit zur Prüfung unterbreitet wurde, hatte die Rechtsgültigkeit des Wahlvorschlags bejaht. 3n der zweiten Sitzung beschloß jedoch die Wahlkommission mit Mehrheit, den Wahlvorschlag der SPD. abzulehnen und sämtliche 12 Eitze dem Wahlvorschlag der RSDAP. zuzuweisen. Die Zusammensetzung des neuen Gemeinderates ist folgende: Heinrich Spengler, Arbeiter; Hermann G e h-- ringer, Heizer; Georg Feichtenbeiner, Kaufmann; Otto Stein, Schneidermeister; Konrad Trinkaus, Landwirt; Jakob Q u e ck - börner, Landwirt; Georg Stein, Gefängnisaufseher; Wilhelm K reu der. kaufmännischer Angestellter; Karl Möller, Bankvorstand; Philipp Bender, Rektor; Heinrich Berk, Schmied; Karl Thom, Arbeiter.
*!* Weickartshain, 25. April. Bei der Bildung des neuen Gemeinderats fielen entsprechend dem Reichstagswahlergebnis vom 5. März alle Sitze der NSDAP. ,w. Die neuen Gemeinderatsmitglieder sind: Hans Melchior, Ernst I r ü (l e r, August Thraum, Karl Zimmer, Karl Kühn, Wilhelm Biedenkopf III. und Heinrich O p p e r.
< Queckborn, 25. April. Der neue G e - meinderat setzt sich nur aus Mitgliedern der N S D A P. zusammen. Die SPD. hatte keinen Wahloorschlag eingereicht. Die neuen Gemeinderäte sind: H. F r i tz i u s, Architekt, L. G ö r n e r t XIV , Landwirt, K. A s f II., Maurer, K. Schmidt II., Landwirt, K. Hör ft II., Landwirt, L. L i n k - mann I., Küfermeister, L. G ö r n e r t XV., Land wirt, W. Heßler IV., Maurer. W. Schorn- p e r t II., Landwirt.
)) Lich, 25. April. Die Gemeindewahlkommission trat gestern zu einer öffentlichen Sitzung im Rathaus zusammen. Der Vorsitzende gab davon Kenntnis, daß für die Neubildung des hiesigen Gemeinderats je ein Wahloorschlag der NSDAP, und der SPD. eingereicht sei und der Gemeinderat, wie seither, aus 12 Mitgliedern bestehe. Sodann wurde festgestellt, daß auf den Wahloorschlag der NSDAP. 8 Sitze und auf den Wahloorschlag der SPD. 4 Sitze entfallen. Als gewählt gelten: für die NSDAP.: Karl Kuhn, Kaufmann Ernst Wilhelm Drechsler II., Schlosser ; Ludwig Z i m- mcr, Landwirt; Hch. Wilhelm Schäfer, Postschaffner Ehristian L. Fischer, Landwirt; Ludwig Erb, Rektor. Ehristian Fey, Bauunternehmer und Heinrich Jakob Menges, Schreinermeister. Für die S P D.: Konrad Schöne, Baum- roart; Franz BaIcerski, Maurer, Johann Karl Schöne, Kranführer und Heinrich Kaspar Ranft, Lackierer.
n. Muschenheim, 25. April. Für den hiesigen Gemeinderat wurden zwei Wahlor- schläge eingereicht. Die N«DAP. steltt acht Mitglieder, und zwar: Obsthändler Eduard Schäfer, Maurer Heinrich Wagner, Landwirt Otto Weisel, Metzgermeister Wilh. Fischer, Landwirt Karl schwarz, Maurer Hugo Wagner, Schuhmachermeister Wilh. Krau sch und Landwirt Paul Becker. Alle acht waren im seitherigen Gemeinderat nicht vertreten. Die SPD. stellt ein Mitglied und zwar den Arbeiter Otto Naumann, der bisher dem Gemeinderat anaehörte.
- Rabertshausen, 25.April. Der neue Gemeinderat unseres^Ortes setzt sich aus sieben Abgeordneten der NsDAP. zusammen. Als gewähtt gelten die Herren: Landwirt Sang, Lehrer Roth, Landwirt Walther, Landwirt Konrad Hofmann, Landwirt Karl Hofmann,
Maurer Faber und Landwirt Heinrich Reich Hardt. Unser Dorf wählte am 5.März hundert- prozentig nationalsozialistisch.
Streik »vricdbcrg.
pb. Butzbach, 25. April. Der neugebildete S t a d t r at setzt sich wie folgt zusammen: NSDAP.: Angestellter Weickhardl, Heizer Em rich, Stud. Rat Dr. Röschen, Schreiner meister Emil Diehl, Kaufmann M atern, Landwirt Hrch Sauerbier, Strafanstalts-Haupt Wachtmeister Klee; SPD.: Parteisekretär Wittig, Gustav L i n f m a n n, Backer Schneider, Elektromonteur Bender, Schreiner Gambs; Zentrum: Werkställen-Vorfieher Schloßma d) e r; Gemeinschaftsliste DVP und Kampffront Schwarzweißrot. Kaufmann Karl Seippcl und Kaufmann Otto Gerhardt.
Mr eie Büdingen.
* Nidda, 25.April. Zur Gemeinderots- wähl waren bei der hiesigen Bürgermeisterei drei Wablvorschläge cingegangen Nach dielen gelten als gewählt die 8 Nationalsozialisten: Küfer meister Ernst Philippi, Landwirt Heinrich Q r k, Bahnmeister a. D. Gustav Kräh. Bäckermeister Adolf Ratschlag II., Bahnarbeuer Willi Sch e i g, Kaufmann Karl Singel, Kaufmann Hermann Reinhardt und Gastwirt Wilhelm Wagner; ein Mitglied der Kampffront Schmarzweißrol: Bau Unternehmer Hermann D r o ft und drei Sozial beniolrnlen: Dachdeckermeister Richard Orth, Weißbindermeister Gustav P s a n n ! a ch und Schreiner Willi, Luft. Von den Gewählten gehör ten nur die beiden Sozialdemokraten Orth und Pfannkoch auch dem seitherigen Gemeinderat an.
Entdeckungsfahrt durch menschenleeres Land.
Vögel und perlen in Nordwest-Australien.
Ein menschenleeres Land — das war der entscheidende Eindruck, den der Präsident des Ge setzgebenden Rates von Westaustralien, Sir John Kirwan, bei seiner mehr als 8000 Kilometer um spannenden Erkundungsfahrt durch die gewaltigen Gebiete von 'Nord- und Nordwestaustralien empfing. Eine Fläche, die mehr als fünfmal s o groß i st wie Großbritannien und Irland, beherbergt kaum 7000 Europäer neben einigen tausend nomadisch lebenden Eingeborenen. Und doch birgt dieses Land neben reichen Zukunftsmöglichkeiten auch manche Wunder, von denen Kirwon in zwei Aufsätzen der „Times" berichtet.
Da ist vor allem die leuchtende Farbenpracht seiner durchaus tropischen Vogelwelt, der Papageien, Edelsittiche, Kakadus, Ibisse, schwarzen Schwänen, die sich den Javanischen Sperlingen, Finken, Tauben, Gänsen und Wasserhühnern zugesellen. Wie zahm diese Tiere werden tonnen, beweist die innige Freundschaft, die eine weiße Köchin in einer der entlegenen Stationen mit ihnen geschlossen hat. In ihrer Küche und Wohnung fliegen die Gäste der Wildnis aus und ein; setzen sich auf ihren Ruf auf ihren Kopf und ihre Arme und lassen sich von ihr gern streicheln, während sie sich von jedem Fremden in respektvoller Entfernung halten. Eine der charakteristischsten Erscheinungen unter der Vogelwett dieser Gebiete ist der Emu. Das Automobil Äirwans hatte kaum einige Kilometer zurückgeleat, als eine stolze Emu-Mutter mit elf halberwachsenen Jungen dicht vor dem Wagen den Weg kreuzte. Bald sahen die Reisenden diese Tiere zu Hunderten. Gegen Ende des Vorjahres haben sie sich zu einer wahren Landplage in den weizen- reichen Gebieten Westaustraliens entwickelt, indem sie in Scharen auftraten und die Saaten nieder trampelten. Von dem Amt für Landesverteidigung wurden Truppen mit Maschinengewehren entsandt. Aber die klugen Vögel erkannten bald die ihnen drohende Gefahr und' zogen sich zurück, io daß den Angreifern kaum einige hundert von ihnen zum Opfer fielen.
Eine Wett für sich bildet d i e Perlen st adt B r o o m c mit ihrem in wundervollen, seltsam grau-blauen, bisweilen türkisblauen Tönen schimmernden See. Man sagt, daß die Perlen und Per- lenmuscheln von Broome der Färbung dieses Wassers ihren herrlichen Schimmer zu verdanken hätten. Viele Geschichten von berühmten Perlen sind in Broome in Umlauf. So erzählt man von dem
„Stern des Westen s", einer Perle von der Große eines Sperlings Eis, die im Jahre 1'117 hier gefunden und für mehr als 200 000 Mark verkauft wurde. Aber die merkwürdigste Perle, die jemals hier zutage gefördert wurde, ist wohl „d a s K r c u z des Südens", ein wunderliches Gebilde aus neun einzelnen Perlen, die sich zu einem Kreuz von saft vier Zentimeter Länge zusainmensetzten. Es wurde von einem Eingeborenen gefunden, der zur Zeit der Ebbe nach Muscheln suchte. Er verkaufte seinen Fund für ein Paket Tabak an einen jungen Mann; dessen Vater löste bann 200 Mark dafür, nach mancher Wertfteigerung soll das seltene Stück schließlich mehrere tausend Psund gebracht haben und sich heute unter den Kostbarkeilen des Vatikans besinden.
Eine andere in Broome gern erzählte Geschichte berichtet von einem Manne, der in seinem Boote stehend eine Muschel öffnete und in ihr eine wun verrolle tropfenförmige Perle fand. Als er seinen Fund hinein vorüberfahrenden Fischer zeigen wollte, entglitt er seinen Fingern und fiel in dos 36 Meter tiefe Wasser. Eine 'Boje wurde ausgeworjen und ein Taucher in die Tiefe geschickt, der io glücklich war, beim ersten Versuch die Perle zu finden. Sie wurde für 60 000 Mark verkauft. Viele Perlen werden bei Seite gebracht, und nur, wenn die Besitzer der Boote selbst die Muscheln offnen, sind sie sicher, alle Perlen zu erhalten. Andere Funde werden auch »er schwiegen, um der Steuer zu entgehen. Es ist nicht schwer, diese Ware an den Mann zu bringen, da Aufkäufer aus Europa mit gut gespickten Brieftaschen nach Broome kommen und nicht nach den« Ursprung der begehrten Perlen fragen. Bevor die Wirtschaftskrise eine Beschränkung der Forderung gebot, wurde nach Perlenmuscheln bis zu 45 Meter tief getaucht, während man heute selten tiefer als 21 bis 25 Meter geht. Dabei wandern die Taucher nicht auf dem Boden des Sees umher, sondern sie werden in einer Art Stuhl unter dem Boot durch das Walser gefahren. Wenn sie eine Muschel er blicken, dann senden sie ein Signal hinaus, das Schiss hält und sie lösen die Muschel ab. Auf das Zeichen „Aufwärts!" wird der Taucher mit seinem Stuhl langsam emporgezogen, wobei der Apparat mehrmals stillsteht, damit sich sein Insasse allmählich an den veränderten DhObrurf gewöhnen kann. Dieser Vorsicht ist eine merkliche Abnahme der Unglücksfälle unter den Perlentauchern zu verdanken. B. H.
Buntes Allerlei.
Sonderbare Geschichten aus Indien.
Indien ist auch heute noch das Land unzähliger Wunder. Das zeigen einige Geschichten, die R. 3. Minney in seinem soeben in London erschienenen Buch „Indien schreitet zurück" erzählt. Wenn man in den indischen Großstädten mit einem Mietsauto fährt, dann kann es einem oft begegnen, daß der Fahrer plötzlich anhält, hcrunterspringt, sein Lendentuch auf das Pflaster breitet und zum Gebet niederkniet. Wenn er fertig ist, steigt er wieder auf und fährt weiter. Jeder Mohammedaner muß nämlich fünfmal am Tage, ganz gleich, wo er sich befindet, t)en Blick nach Mekka richten und seine fromme Hebung vollziehen. Dieser alltägliche Borfall zeigt, wie wenig die abendländische Kultur noch in Indien vermag. Rach einem Jahrhundert der Erziehung können nur 8 Prozent der Gesamtbevölkerung lesen und schreiben, die übrigen Millionen leben noch in Unwissenheit. Wie der Aberglaube in Indien herrscht, geht aus der Geschichte eines Rajah hervor, dem von einem Propheten das nahe Ende vorausgesagt worden war. Sofort gab er seine Regierungsgeschäfte aus und zog sich in den Dschungel zurück, um feine Seele zu läutern. Sein Wesir folgte ihm und suchte ihn auf jede Weise zur Rückkehr zu überreden, aber vergeblich. War nicht der Tod aus den Sternen prophezeit? Die Sterne konnten nicht irren. Da schleppte der Wesir den Llnheils- propheten in die Wildnis vor den Herrscher. „Sagst du noch immer, daß S-ine Majestät sterben muß?" fragte er. „So ist es der Wille des Schicksals", nickte der Astrologe. „Kannst du auch die Stunde deines eigenen Todes Vorhersagen?" forschte der Wesir. „Ich werde in sieben Jahren und zwei Monaten sterben", verkündete der Wundermann. Im Ru hatte der Wesir fein Schwert gezogen und ihn getötet. „Sieh her, erhabener Herrlcher", sagte er, „kannst du an das Wort eines Menschen glauben, der nicht einmal seinen eigenen Tod richtig angeben konnte?" Die schier unglaublichen Taten der Pogis, die vermöge meisterhafter Beherrschung der Atemtechnik sich lebendig begraben lassen, sind bekannt. Indien, das Land der größten Gegensätze, besitzt die reichsten und ärmsten Men- schen der Welt. Während mehr als 300 Millionen Menschen dort von einem Einkommen leben, das nicht mehr als höchstens 50 Mark im Jahre beträgt, wohnen hier auch die Krösusse, die viel reicher sind als alle amerikanischen Dollar-Millionäre. Der Palast des Maharadscha von Patiala ist 400 Meter lang und hat eine Terrasse von verleiben Ausdehnung, die ganz aus Marmor besteht; in seiner Garage stehen zahlreiche Luxus-Autos.
Oie Köchin als Bildhauerin.
Unter den tausenden Malern und Bildhauern, die für die nächste Ausstellung der englischen Akademie Kunstwerke eingefanbt haben, befindet sich auch eine Frau, die jetzt cüs Köchin ihr
Brot verdient. Henriette D u n s o w stammt aus einer alten Wiener Künstlerfamilie; ihr Urgroßvater, Gottlieb Friedrich Lieder, und auch ihr Großvater waren Hofmaler. Sie selbst ist als Bildhauerin aufgetreten und hat früher häufig in deutschen Ausstellungen ihre Werte gezeigt. Dann zwangen sie die schlechten Verhältnisse die Heimat zu verlassen und statt der Wiener Kunst die Wiener. Küche in England zu verbreiten. Ihre Herrschaft, die mit ihr sehr zufrieden ist. hat ihr aber ein kleines Atelier eingerichtet, und so hat sie von dem Söhnchen der Familie, in der sie lebt, zwei Plastiken geschaffen, eine Porträt düste und eine Statue in ganzer Figur, die nun von der Jury der englischen Akademie beurteilt werden sollen.
Aus der Geschichte des Trauringes.
Aus der Geschichte des Trauringes erfährt man, daß sich in Deutschland der Ring schon frühzeitig eingebürgert hat „Bingerlin" nannten ihn die alten Germanen, und er galt ihnen als ein Zeichen der Liebe und Anhänglichkeit. Ohne Anfang und Ende ist ö'v’cr Reis, und ohne Anfang und Ende soll die Treue sein, die er symbolisiert. Wie bei uns. so findet man auch in der antiken Welt bereits die Sitte, daß Brauc und Bräutigam als Untcrbfanb ihres ®cLbnr. 6 Ringe tauschen. Richt nur die Römer und Griechen kannten dieses schöne Sinnbild, auch den alten Aegyptern war es nicht fremd- Ais das Kreuz die Welt besiegte, übernahm das Christentum den schönen Brauch, Ansprüche des Herzens durch Ringe zu verpstinden. Die ersten Anhänger des neuen Glaubens — so schreibt ein alter deutscher Kulturhistoriker — behielten den Ring nicht allein zum Llnterpsande der Verlobung bei, wozu er meist vordem diente, sondern sie flochten ihn auch noch in die Feierlichkeit des Altars ein, um die Berlobung nochmals vor den Augen der Gemeinde zu bestätigen. Die Brautringe wurden vor der Feier von dem Geistlichen eingefegnet und den Verlobten an die Finger gesteckt Zuerst brachte der Priester den geweihten Ring der Braut an den Finger des Bräutigams mit den Worten: „Jin Ramen Gottes des Vaters!". Hierauf zog er den Ring wieder ab und steckte ihn an den nächsten Finger unter den Worten: „Lind des Sohnes!". Dann steckte er ihn endlich an den dritten Finger mit dem Spruch „Lind des Heiligen Geistes!"- — An welcher Hand man den Ring trägt, war nicht bei allen Böllern gleich. Griechen und Römer trugen ihn z. B am vierten Finger der linken Hand. weil, nach ihrer Ansicht, dieser Finger eine Ader habe, die zum Herzen führe. Den Ring am Mittelfinger zu tragen, wurde für unsittlich gehalten. Heute schmückt der Trauring — wenigstens in Deutschland — den vierten Finger unserer rechten Hand; die Symbolik ist die gleiche geblieben. „Der Ring macht Ehen, und Ringe sind s, die eine Kette bilden", sagt Schiller.


