Am 12.3uni Zusammentritt der
eltwirtschastskonserenz.
Eine gemeinsame Erklärung Roosevelts und Macdonalds.
Washington. 26. April. (1BIB. Funkfpruch.) (Reutet.) Roosevelt und Macdonald erörterten Dienstag nachmittag die Kriegsschuldenfrage. 3n einer gemeinsamen Erklärung heißt es u. o.: Leide Staatsmänner glauben, daß d i e Grundlage eines klaren Verständnisses für die Situation gelegt worden ist, die die beiden Rationen berührt. Es würde völlig irreführend fein, anzunehmen, daß irgendein Plan oder irgend eine Regelung unterlegt wäre. Die einfache Wahrheit ist, daß bisher nur vorläufige Besprechungen begonnen haben und daß in freundschaftlicher weife Fortschritte gemacht worden find. Rad) der Abreise des Premierministers können diese Besprechungen sehr wohl in London und Washington fortgefeht werden. Roosevelt und wacdonald find übereingekommen, den 12. Juni zum Eröffnungstag der Weltwirtschaftskonferenz zu bestimmen. Man glaubt zu wissen, daß im Verlauf der englisch- amerikanischc.l Unterhaltungen eine allgemeine Basis für eine Stabilisierung der Währungen gefunden worden ist. IHacöo- nald und Roosevelt kamen weiter zu einer Verständigung über die Frage der Schulden zwischen beiden Ländern.
Oie Schweiz geht nicht von der Goldwährung ab.
Dem, 25. April. (WTD.) Der Schweizer Bundesrat hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Aufgabe der Goldwährung durch die Bereinigten Staaten befaßt. Die Beratungen haben ergeben, daß die amerikanischen Ereignisse die Wahrung der Schweiz in keiner Weise berühren und daß die Schweiz bei der Goldwährung bleiben werde.
Erörterungen über die Gicherheitsfrage.
Washington, 26. April- (Aeuter-Funkspr.) Die englischen und französischen Sachverständigen hatten gestern abend eine zweistündige Konferenz, auf Grund deren sie Roosevelt und Herriot Bericht erstatteten. Wie es heißt, ist Roosevelt dafür, die französische Sicherheit in der Weise zu gewährleisten, daß sich die Bereinigten Staaten verpflichten, mit den anderen Unterzeichnern des Kelloggpaktes in Beratungen ein^'dtreten, fal s der Pakt verletzt werden sollte. Rach dem Abendessen hatten Herriot, Wacdonald und Roosevelt eine mehrstündige vertrauliche Aussprache. Herriot gewann in dieser Aussprache den Eindruck, daß Roosevelt im allgemeinen dem Plan Macdonalds zu stimme und den Kelloggpakt im Sinne einer ausdrücklichen Garantie gegen Angriffe, die zum Kriege führen können, ergänzen wolle. Roosevelt suche aufrichtig nach Mitteln, um die Bereinigten Staaten in die internationalen Bestrebungen zur Berhinderung aggressiver Handlungen einzuschalten. Er soll auch den Wunsch haben, eine dauernde internationale Rüstungskontrolle zu schassen, als Bestandteil des vorgeschlagenen Abrüstungsvertrages. Die Kontrolle sollte nicht nur gelegentlich in die Erscheinung treten, sondern dauernd, beweglich und sachverständig sein. Sie
sollte ihre Untersuchungen dort vornehmen, wo die Umstände es erfordern. Die Auffassung Roosevelts ist aus französischer Seite mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen worden.
Wiederbeginn derAbrüstungs- konferenz.
Aussprache über den englischen Abkommcnsentwurs.
G e n f, 25. April. (TU.) Die Abrüstungskonferenz hat nach fast vierwöchiger Unterbrechung ihre Arbeiten wieder aufgenommen Unter dem Vorsitz des Präsidenten Henderson eröffnete der Haupt- ausfchuß heute nachmittag seine Verhandlungen über den Abkommensentwurf der englischen Regierung. Die heutige erste Sitzung hinterließ keinen vielversprechenden Gesarntcinbruck. Die Hoffnung, daß die Osterpause auf diplomatischem Wege zur Forderung der Abrüstung benutzt werden würde, hat sich nicht erfüllt. Die materiellen Verhandlungen begannen mit der a r - titelweisen Beratung des englischen Konventionsentwurfes. Zunächst begründeten verschiedene Delegierte, die Abänderungs- und Ergänzungsanträge zum Sicherheitskapitel des englischen Entwurfes eingereicht haben, ihre Anträge.
Der Vertreter Polens, Graf Rafchifki, verlangte, daß eine völlige Umgestaltung des englischen Planes im Sinne eines automatischen Einschreitens des Völkerbundes erfolgen müsse. Der sowjetrussische Botschafter Dowgalewski forderte eine bis ins Einzelne gehende Bestimmung derjenigen Maßnahmen, Die als einen Bruch des Kelloggpaktes aufzufassen sind. Der von Massigli vorgebrachte Abänderungsantrag der französischen Regierung sucht das Schwergewicht auf die europäischen Regionalsonderabkommen und die gegenseitigen Hilfsmaßnahmen zu lenken, obwohl bereits Deutschland und Italien grundsätzlich den gegenseitigen Hilfspakt a b g e l e h n t hatten. Zum Schluß der Aussprache wandte sich der englische Staatssekretär Eden gegen die allzuweitgehenden Abänderungsanträge und bezeichnete insbesondere den polnischen Antrag als unannehmbar. Die englische Regierung halte im wesentlichen an ihrem ursprünglichen Vertragsentwurf fest und wende sich gegen eine jede Verschiebung der Grundlagen ihres Entwurfes.
AnschiMageunMerinächtepalt
Die Kleine Entente und Deutschland.
Prag, 25. April. (WTB.) Außenminister Dr. B e n e s ch sprach vor beiden Kammern der Nationalversammlung über das Thema: „Der Kampf um die Demokratie in der europäischen und in der Wett- politit". Dr. Benesch kündigte Verhandlungen über einen polnisch - tschechoslowakischen Freundschaftsoertrag an. In Deutschland erblicke man in der Kleinen Entente ein Mittel der französischen Politik, auf Schaffung einer neuen politischen Konstellation in Mitteleuropa, die einen Anschluß Oesterreichs an Deutschland für absehbare Zeit u n - möglich machen würde. Immerhin gebe es politische Faktoren, die die Möglichkeit sehr guter Beziehungen zwischen der Kleinen Entente und Deutschland erhoffen ließen; um so mehr, als die Kleine Entente die Anschlußfraae als ein Problem ansehe, das durch eine Zusammenarbeit der vier Großmächte gelost werden könne. Eine definitive Lösung werde von der Kleinen Entente gerne akzeptiert werden, die von den Großmächten gemeinsam mit der
Oie stummen Gäste von Zweilinden
Roman vonAnny vonpanhuys.
Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold, 25 Fortsetzung. Rachdruck verboten!
Aber das war ein Schicksal, welches er mit vielen Standesgenosjen im Auslande teilte. Doch nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland gab es arme Adelsträger, die in ganz kleinen Verhältnissen lebten. Es war jedenfalls an Angelas Vater sehr zu loben, daß er seine Tochter selbst in vielem Wissenswerten unterrichtet hatte. Es kam ihr jetzt besonders zugute. Sie würde sich als Herrin von Zweilinden keine Bloßen zu geben brauchen, und das war |ehr viel wert. Man weiß nie, wie kleinlich die Menschen oft denken, wie Klatsch und Tratsch stets auf der Suche noch neuen Opfern sind. Es wäre immerhin nicht erfreulich gewesen, wenn seine Frau den Hima- laja für die Hauptstadt Hollands gehalten hätte und Peking für eine Speise.
Er sagte glücklich: „Der Himmel ist mit unserer Liebe einverstanden, deshalb räumt er uns sogar die geringsten Schwierigkeiten aus dem Wege, damit wir sorglos zueinanderkommen sollen."
Er blieb stehen. In ihrer nächsten Nähe befand sich kein Lebewesen, und Konrad van Zweilinden dürstete nach Angelas Lippen. Sie liebten sich, sie hatten schon ganz verständig über das Allerwichtigste gesprochen, nun wollte er endlich auch wissen, wie die roten Lippen schmeckten, die wie reife Früchte waren. Er umfaßte Angela blitzgeschwind und preßte seinen Mund auf den ihren mit langem, festem Druck.
Als er die schlanke Gestalt losließ, taumelte sie ein wenig, als hätte sie einen Rausch.
Er blickte das schone Mädchen voll Seligkeit an. Dann sagte er, und seine Augen strahlten: „Angela, landein, landaus gibt es jetzt keinen glücklicheren Menschen als mich!"
„Dach", lachte sie übermütig, „es gibt nach einen viel glücklicheren Menschen, und der bin ich. So toll glücklich, so glücklich wie ich kann niemand sein, auch du nicht."
Konrad von Zweilinden betrachtete sie, wie ein Sammler das wertvollste Stück seiner Sammlung betrachtet.
„Du bist eine Köstlichkeit, Angela, die eigentlich viel zu schade ist für einen Landmann, du gehörst in ein Fürstenschloß."
Sie erzählte wieder mit dem Stolz von vorhin, mit dem sie ihm den Namen ihres Vaters genannt: „Mein Vater hat früher in Deutschland ein Schloß besessen, aber mir nie besten Namen genannt."
In Konrad regte sich eine leicht begreifliche Neugier. Er dachte daran, daß er Angelas Vater ge
fragt, aus welcher Gegend Deutschlands er flamme, worauf ihm der alternde Mann geantwortet hatte: „Aus der Taunusgegend." Aber nachdem er ihm erklärt, auch er stamme dorther, war Angelas Vater plötzlich verschlossen geworden.
Graf Spcerau! Immer klarer wurde es Konrad von Zweilinden, er mußte den Namen schon gehört haben.
Angela bat zärlich: „Wir wollen umkehren, ich muß wieder in meinen Kiosk zurück."
Er fragte hastig: „Muß das sein? Laß doch die Blumen; meine Braut soll nicht bei Wind und Weiter, bei greller Sonne und Staub, halb auf der Straße sitzen, um ein paar Peseten zu verdienen. Geh nach Hause, Liebste, bereite deinen Vater vor, ich fahre zu meiner Mutter, um auch ihr die große Neuigkeit zu bringen."
Angela meinte ängstlich: „Deiner Mutter wird cs nicht recht fein, daß du so tief unter deinem Stand heiraten willst." Sie faßte seine Hände. „Ich bin schon so glücklich über deine Liebe, es wäre zuviel des Glücks, wenn ich deine Frau werden dürfte. Bitte, versprich mir wenigstens eins. Sollte deine Mutter Schwierigkeiten machen, sollte ihr der Gedanke, mich als deine Frau zu sehen, nicht angenehm (ein, bann füge bich. Laß es nicht auf Kämpfe ankommen! Ich mochte nicht ber Störenfrieb zwischen euch beiben sein. Versprich mir, um was ich bich bitte", brängte sie.
Konrad dachte, nichts auf der Well war leichter, als seine Mutter dazu zu bringen, Angela als Tochter willkommen zu heißen. Seine Mutter hatte wohl am meisten gefürchtet, die kleine Blumenoerkäuferin wäre ein armes, unwissendes Ding, mit der man sich über nichts unterhalten und über die man als Herrin von Zweilinden heimlich und offen spötteln und lachen könnte. Sie würde staunen, wenn sie hörte, Angela wußte genau soviel oder noch mehr wie viele deutsche Mädchen, die eine höhere Schule besucht, und sie durfte sich dazu noch mit dem klangvollen Namen einer Komtesse Speerau schmücken.
Er blickte der Geliebten voll Innigkeit in die Augen, in diese herrlichen, schwarzen Augen, die ihm die schönsten ber Welt schienen.
..Ich fahre jetzt sofort ins Hotel unb spreche mich mit meiner Muller aus, die meinem Glück nicht im Wege stehen wirb. Sie am wenigsten! Sie ist mein guter Karnerab: über alles kann ich mit ihr ganz offen sprechen. Unb morgen nachmittag, mein Lieb, komme ich bann mit ihr zu beinern Vater."
Angela nickte strahlenb: „9dj möchte laut auf- schreien vor Glück. O bu, wie sehnsüchtig habe ich mir immer gewünscht, einmal Deutschlanb kennenzu- lernen, unb nun werde ich dort wohnen als deine Frau. Ja, komm nur morgen, komm nur. Daker wird auch ein anderer fein, wenn er hört, wie lieb bu mich hast, daß bu mich heiraten willst, um aUs der armen Blumenverkäuferin eine vornehme Dame zu machen. Er wirb sich sicher freuen, wenn ich
Kleinen Entente und in vollem Einvernehmen mit Oesterreich vorbereitet werde.
Die Kleine Entente sehe den Diermächtepakt so. wie ihn Italien vorgeschlagen habe, als einen großen Schritt nach rückwärts in ber Entwicklung Europas an. Die Frage ber Grenz- reoifion, bie im Dierrnächtepakt angeschnitten werbe, sei nicht genügenb durchbacht. Wenn irgenbwo eine kleine Korrektur an den Grenzbestimmungen ber Friebensoerträge auf srieblichem Wege möglich sein bürste, bann nur unter ben Bebingunaen, bah bei einem berartigen Verfahren tei nerlei äußerer Druck ausgeübt werben bürfe, baß es nur nach einer Reihe von Jahren ruhiger Zusammenarbeit der daran interessierten Volker möglich sei, und daß eine Korrektur endlich nur gegen entsprechende Kompensationen möglich sei.
Rechtsruck in (Spanien.
Niederlage der Regierung bei den Gemcindewahlen.
Madrid, 25. April. (WTB.) Das Endresultat der spanischen Gemeindewahlen wird an der Tendenz nichts ändern, dah die Regierungsparteien eine klare Riederlage erlitten haben. Auf sie entfallen nur 5048 Sitze. Die Opposition erhielt 9717 Sitze; außerdem haben die Kommunisten bisher 26, die Syndikalisten 58 und parteilose 1159 Sitze erzielt.
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König Alfons, ber vor zwei Jahren feine Heimat verließ unb in England ein Asyl fand, hat bekanntlich auf seinen Thron nicht verzichtet. Daraus wurde damals allgemein der Schluß gezogen, daß er als guter Kenner seines Volkes wohl mit einem baldigen Stimmungs Umschwung unb mit seiner Rückkehr nach Madrid rechne. Zwei Jahre sind inzwischen ins Land gegangen, die jedoch keinerlei Ereignisse brachten, aus Denen König Alfons irgendwelche Hoffnungen hätten schöpfen können, vielmehr setzten die neuen Machthaber alles daran, um die republikanische Staatsform zu verankern, um den Adel zurückzudrücken, die Macht der Kirche und des Großgrundbesitzes zu brechen und Diejenigen mit allen möglichen Vorteilen und Vorrechten auszustatten, die sie nun einmal zur Stützung ihres Regiments brauchten.
Dennoch haben sie es nicht verstanden, sich auf der Hohe zu hatten, auf bie sie durch den Sieg bei den Gemeindewahlen vom 12. April 1931 hinaufge- hoben wurden. Ständige lokale Unruhen, Parteikämpfe, Aufstände, bolschewistische Zersetzungs-Erscheinungen. Ungerechtigkeiten und vieles andere riefen doch bei manchem Spanier, ber an ber Monarchie allerlei auszusetzen gehabt hatte, eine starke Ernüchterung hervor. Man merkte, baß man schlecht getauscht hatte und daß die Republikaner doch nicht die geeigneten Männer waren, um die nationalen Ausgaben läsen zu können. Diese Ernüchterung hat letzt in ben Gemeindewahlen vom 23. April 1933, deren genaues Ergebnis erst in einigen Tagen zu erwarten fein wird, ihren Ausdruck gefunden. Ein unverkennbarer Ruck nach rechts ist zu verzeichnen, der aber noch nicht ausreicht, um den König in London zu veranlassen, seine Koffer $u packen. Zwei Jahre hat er warten können, er wird auch noch weiter warten, bis seine Stunde gekommen ist.
Erlogene Mitteilungen über den Reichskanzler.
Berlin, 25. April. (ERD.) Auf dem Kirchentag des Landkreises Königsberg t P r. vom 24. April hat nach Zeitungs- melbungcn der Geschäftsführer der Deutschen Christen Klundt erklärt, daß Reichskanzler Adolf Hitler bereits vor acht Monaten zur evangelischen Kirche habe
wieder in Lebensverhältnisse zurückkehre, aus denen ihn bas Unglück hinausgebrängt."
Konrad von Zweilinden nickte lächelnd.
Zweilinden ist sehr, sehr groß. Dein Vater kann bei uns wohnen, bann brauchst bu bich nicht einmal von ihm zu trennen."
Sie jubelte laut auf unb dachte nicht baran, daß doch vielleicht jemand in der Nähe sein konnte. Ihr schönes Gesicht strahlte vor Freude und Glück, und in ihren Augen schimmerten Tränen.
So sah Konrad von Zweilinden Angela vor sich, während er ins Hotel fuhr, so sah er sie noch immer vor sich, als er das Zimmer seiner Mutter betrat.
18.
Frau Bettina saß an der offenen Balkontür als ihr Sohn zurückkehrte. Sie rief ihm entgegen: „Nun, wie ist es, Konrad, werden wir Fensterplätze bekommen können?"
Er war verdutzt über die Frage. Richtig, er war fortgegangen, um Eisenbahnfahrkarten zu bestellen, aber bas Verlangen, bie schöne Blumenverkäuferin noch ein einziges Mal zu sehen, Halle ihn Dann m ben Autobus B gedrängt.
Er trat näher, und ein Lächeln lag um seine Lippen.
„Mutter, wir dürfen morgen noch nicht abreifen, erst mußt Du mir noch helfen, mein Zukunftsgiück zu sichern."
Frau Bettina fah ihn verwundert an und fragte: „Diejer poetische Satz hängt doch nicht etwa mit Dem Mädchen aus Dem Blumenkiosk zusammen, die so schön aussieht und so grobe Briese schreibt, daß sie damit gleich ein halbes Dutzend Verliebter in die Flucht schlagen konnte?"
Konrad lächelte noch immer.
„Ach, mit dem Brief hat sie gar nichts zu tun, Mutter, den hat ihr Vater hinter ihrem Rücken geschrieben. Er hat ihr heimlich Das ArinbanD fort« genommen, Den Brief geschrieben und beides selbst dem Portier abgegeben. Er wollte zweifellos dadurch ein nochmaliges Zusammentreffen zwischen seiner Tochter unb mir verhindern. Ich habe mir meine Bewunderung für sie wohl zu beutlich anmerken lassen, und ber Himmel mag wissen, was er baraus alles folgert. Jedenfalls, Angela hat mit bem Briefe nichts zu tun. Ich war bei ihr, unb wir haben uns völlig ausgesprochen. Ich wollte sie nur noch einmal von weitem bewundern. Mutter, unb jetzt haben wir uns unsere Liebe geftanben."
Frau Bettina wollte reben, aber ihr Sohn war im Schwünge, er ließ ihr nicht Zeit, auch nur cin einziges Wort einzuwerfen. Er berichtete hastig mit leuchtenden Augen von seinem Spaziergang mit Angela am Bahndamm entlang, und erzählte, daß Angela über derlei Bildung unb Kenntnisse verfüge, bie man bei bem Mäbchen kaum vermutet hälle.
Enblich schob er boch eine Pause ein. Aber Das tat er mit voller Ueberlegung, Damit bas, was er
übertreten wollen. Klundt habe den Kanzler von diesem Schritt abraten müssen, da die Kirche vorerst noch einer gründlichen Rei- n i g u n g bedürfe. Hierzu wird festgestellt, daß diese Mitteilungen von A bis Z erlogen sind.
Ausschluß marxistischer und jüdischer Verbände aus dem Rerchsausfchuß deutscher Iugendverbände.
Berlin, 25. April. (CRD.) Auf Anordnung Baldur v. Schirachs, des Borsitzenden des Reichsausschusses der deutschen 3u- gendvcrbände, sind mit Wirkung vorn 24. April 1933 folgende Verbände aus dem Reichsausschuh ausgeschlossen worden: Bund freier sozialistischer Jugend, Deutscher Republikanischer Pfadfinderbund E. V.. Jugendabteilungen des Arbeiter-Samariterbundes E. V., Jugendgruppen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes E. V Jugendpflege-Organisation des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrbundes „Solidarität". Jungbanner Schwarz-Rot°Gold, Reichszentrale der Jugendgruppe im T. V. „Die Raturfreunde". Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Verband der Sozialistischen Arbeiter-Jugend Deutschlands. Ferner ist die F r e i s ch a r „Schi! l", deren Bundesführer Werner Lah zusammen mit anderen führenden Mitgliedern des Verbands wegen verschiedener Terrorakte, kommunistischer Propaganda und Vergehens gegen das Sprengstosfgeseh vor einiger Zeit verhaftet worden ist, mit sofortiger Wirkung aus dem Reichsausschuh der deutschen Jugendverbände ausgeschlossen worden.
Kleine politische Nachrichten.
Das preußische Staatsministerium hat unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Goring beschlossen: Auf Grund des § 3 der Verordnung vom 26. Februar 1919 werden unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes sofort 19 Landräte einstweilen in Den Ruhestand verseht, darunter der Landrat Delius in Gelnhausen, Regierungsbezirk Kassel.
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Die Reichspropaganbastelle ber Glaubens- bewegung Deutscher Christen melbet: Der Führer Abolf Hitler hat als Serbin- bungsmann zwischen sich unb ben amtlichen Stellen ber evangelischen Kirche ben Wehrkreispfarrer Müller aus Königsberg (Ostpr.) ernannt. Der Der Reichsleitung Der Glaubensbewegung angehört.
Anläßlich einer Führertagung des Deutschösterreichischen (bayerischen) Heimatschutzes in Linz a. d. Donau erklärten 32 Ortsgruppenführer des bisherzuStarhem- berg gehörenden oberösterre'.ch schen Heimatschuhes, geschlossen zum deutsch-österreichischen Heimatschutz übergehen zu wollen, d. h. sich Hitler zu unterstellen.
Die beiden früheren Dorstandsmitglieber ber Görreshaus-AG, Julius Stocky unb Generalkonsul Heinrich Maus, würben o e r h a f - t e t. Die Verhaftung ist auf Grund des Nachprüfungsergebnisses Der Vorgänge bei Der Orünoung der Gorreshaus-AG. erfolgt.
Kunst unS Wissenschaft.
Professor Spränget beantragt Amtsentlassung.
Professor Dr. Eduard Spränget hat den preußischen Kultusminister gebeten, ihn von Den Pflichten eines orDentlichen Professors Der Philosophie unD Pädagogik an Der Universität Berlin z u entbinden.
seiner Muller nun noch mitteilen wollte, auch recht wirken sollte.
Er hotte tief Atem: „Und jetzt, Mütterchen, kommt der Höhepunkt meiner gewiß aparten Siebes- geschichte. Eigentlich ist Angela eine Art Dornröschen. Du weißt aus bem Märchen, eine hohe Rosenhecke war um Dornröschen unb ihr Schloß gewachsen, und niemand ahnte, was hinter der hohen Hecke war, bis ber Prinz kam, sie zu erlösen, unb er erkannte, sie war eine echte Prinzessin."
Frau Bettina war wie betäubt von ber Lebhaftigkeit bes Sohnes. Seine Worte waren wie Sturzwellen gewesen, bie alles, was ihnen in ben Weg kam, Umrissen unb überspülten. Jetzt aber schob er eine zweite Pause ein.
Seine Mutter brängte: „Sprich deutlicher, Konrad, ich weiß nicht, wo du mit dem Dornröschenvergleich hinauswillst."
Er lachte: „Die hohe Hecke um Dornsröschen, Die alles, was mit ihr zusammenhängt, verbirgt, ist ein Gleichnis für Die armen Lebensverhältnisse Angelas unD ihres Vaters. Man vermutet hinter Den einfachen Leuten gar nichts BesonDeres. Aber nun kommt meine Ueberraschung, Mutter, unD jetzt staune auch gebührenD. Dieser Senor Esperao, wie man ihn hier nennt, weil man seinen Namen nicht aussprechen kann, heißt in Wirklichkeit Graf Wulf Speerau, unD Singelau ist eine waschechte Deutsche Komtesse."
Frau Bettina war totenblaß geworben. Nach langen, langen Jahren schlug ber Name Des Mannes wieDer an ihr Ohr, Den sie so tief verachtete, Daß es sich mit Worten gar nicht beschreiben ließ.
UnD in welchem Zusammenhänge war Der verhaßte Name wieDer aufgetaucht aus Dem Dunkel, Das ihn so viele, viele Jahre umgeben! Wulf Speerau war Der Vater Des Mädchens, das ihr Sohn liebte, das er zur Herrin von Zweilinden zu machen beabsichtigte. Es war ein boshafter Scherz des Schicksals, daß sich Konrad gerade in Die Tochter bes Mannes verliebt hatte, Der im Leben seiner Mutter bie Rolle eines ganz erbärmlichen Schuftes gefpieU hatte. Nie unb nimmer burfte ihr Sohn bas Mäd- chen heiraten! Es wäre ber furchtbarste Schlag, der sie treffen konnte.
Sie rang nach Worten, sie erstickte fast an ber Bergeslast, die ihr der Sohn aufs Herz gewälzt.
Konrad hatte das jähe Erblassen der Mutter beobachtet, als er den Namen von Angelas Vater genannt, und nun blickte sie ihn so entfeht an, als hätte er ihr soeben etwas ganz Furchtbares mü- geteilt.
Sie fuhr sich mit einem kleinen Spitzentuch Über die Stirn, hinter ber bie Gebanken schmerzhaft wühlten, bie Vergangenheit aufwühlten unb ferne, böse Tage heraufbeschworen.
Sie stöhnte: „Gib mir, bitte, ein ©las Wasser, ich bin einer Ohnmacht nahe."
(Fortsetzung folgt.)


