Ausgabe 
26.4.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Paul Warntfe t-

Der Hauptschriftleuer Des Jt I a b b e r a b a t f d)" Paul iöarncfe, ist In seiner Wohnung in Neu- Babelsberg bei Berlin einer Herzlohmung erlegen Warncke, ber kurz vor DoUenbung seines 67 Lebensjahres ftanb, litt bereits seit zwei Mo­naten an einem schweren Darmleiben, bas sich in ben letzten Tagen sehr verschlimmert hatte Paul Warncte hat als Nachfolger von Johannes Tro­ja n 26 Jahre benKladderadatsch" bas bekannte, von Albert Hofmann 1848 gcgrünbete. politi­sche Wochenblatt geleitet, an bem er schon vorher mitgearbcitet hatte

Der Konservator bee Goethe-Museum, In Sesenheim gestorben.

3n Sesenheim, unweit von Straßburg, ist ber Konservator des Goethe-Museums, Billig, im Alter von 87 Jahren gestorben Gillia hatte 1895 baS Museum aus Erinnerungsgegenständen an Goethe unb seine Jugendliebe Friederike D r i o n gegründet.

Aus afler Welt.

Vorubcrgchcnbe Sperre des Zugangs zur Apolhekerlausbahn in Preußen.

Um einer weiteren Ueberfüllung des Apothekerberuses oorzubeugen unb im Ein­blick barauf, baß in nächster Zeit die N e u f a s s u n g ber Prüsungsorbnung für Apotheker unb biejenige ber Apothekerbetriebsordnung zu erwarten ist, ble wesentliche Aenberungen ber lehigen B».- stimmungen über bie Annahme unb bie Ausbildung von Apothekerpraktikanten enthalten werben, hat ber preußische Minister bes Innern bestimmt, bah mit sofortiger Wirkung ausnahmslos jebem Gesuch um Einstellung eines Apothekerpraktikanten bie ® e- nehniigung zu versagen Ist.

Die Gleichschaltung des Deutschen Gultemplerorbens

Wie bie Reichsleitung bes Deutschen Gut- templcrorbens in Berlin mitteilt, ist bet Reichsvorstanb in einer eigens bazu einberufenen Versammlung, bie von Vertretern aller beutsch->n Gaue beschickt war, einmütig neugewählt worben, um bie notwenbige Gleichschaltung burchzu- führen. Der neugewählte zwölfgliedrige Vorstanb setzt sich nur aus Nationalsozialisten unb Angehöri­

gen ber Kampffront Schwarz-Weih-Not zusammen. Zum 1 Vorsitzenden würbe der Pg Dr. Kraut ge­wählt Ferner würbe beschlossen, bie Zugehörigkeii zur internationalen Ordenszentrale aufzugeben, aber mit ben Auslanbbeutschen unb mit ben Deutschen in ben abgetrennten Gebieten in engster Fühlung zu bleiben, im übrigen bie Arbeiten bes Ordens wie bisher auf bem Boden christlicher Grundlage durch­zuführen

Bemerkenswerte Leistung eines 87jährigeu Radrenn­fahrers.

In einer der letzten Rächt« übernachtete in 5kyrih (Brandenburg) ber älteste Renn­fahrer Deutschlands, der 87jährige Hch Werner aus Bonn. Der greife Fahrer hatte eine Fahrt mit dem Rad vom Rhein nach Berlin gemacht, um persönlich seine Glück­wünsche zum Geburtstage des Kanzlers in das in der Reichskanzlei ausgelegte Buch einzuschrei­ben. Run befindet sich Werner aus ber Fahrt von Berlin nach Hamburg, wo er bei einem großen Rennen eine Ehrenrunde fahren soll. Der 87jährige legt noch täglich 80 Kilometer auf seinem Fahrrade zurück

Die Erdbebenkatastrophe auf kos. 119 Tote, über 600 verletzte.

Die furchtbare Erdbebenkatastrophe auf Kos (Dodekanes) hat noch mehr Opfer gefordert, als bisher gemeldet worden find Nach den letzten Be­richten konnten bisher 119 Tote aus ben Drum­mern geborgen werben Die Zahl der Verletzten hat inzwischen 600 überschritten

Explosion einer Granate Lin Kind getötet, mehrere Kinder verletzt

In Rösberg bei Bonn ereignete sich ein schweres Unglück Eine spielende Kinderlchar hatte am Walbrande ein Feuer angejunbet. Aus bem Feuer heraus entftanb plötzlich eine weithin hörbare E r - plosion. Durch bas Feuer war eine Granate zur Entzündung gebracht worben, die'einen fünf­jährigen Jungen sofort tötete unb zwei weitere Kinber lebensgefährlich unb mehrere anbere Kinder leichter verletzte Beim Absuchen des Geländes fand man noch zwei weitere Granaten, die vermut- licb von durch,iehenben Truppen im November 1918 zurückgelasien worben sind.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oer Frühling in der Küche.

Wie In den Kleiderschrank, so sollte setzt auch In die Küche ber Frühling seinen Einzug halten Das ist um so notroenbiger, als unsere Ernährung im Winter zwangsläufig eine mehr ober minber un­zweckmäßige gewesen ist. Vor allem haben uns frisches Gemüse unb srisches Obst gefehlt Dieser Mangel, ber sich bei vielen Menschen in Gestalt ber |ogFrühjahrsmüdigkeit" mit all Ihren unan­genehmen Begleiterscheinungen bemerkbar macht, muß jetzt möglichst halb ausgeglichen werben. Vor allem gilt es, bie in bei Winterkost fehlenben Vita­mine unb Salze jetzt bem Körper zuzuführen

Da finb zunächst bie oerschiebenen Maikräuter, bie uns bie Natur für biefen Zweck zur Verfügung stellt. Zu ihnen gehören Schnittlauch, Peiersilie unb ähnliche, bie sich befonbers als Zutaten zu Suppen, zu Soßen, zu Käse unb Butter eignen. Das junge Gemüse, besten gesunbheitlicher Wert natürlich be- onbers hoch zu veranschlagen ist, wirb seines Prel- es wegen vielen Hausfrauen noch zu teuer er cheinen, wenngleich sich eine solche Ausgabe burch lic Verbesserung ber Gesunbheit wohl bezahlt macht. Es stehen aber auch für Minberzahlungskräftige genügend Wilbgemüse zur Verfügung, bie man zum Beispiel von einem Frühlingsspaziergang mit hcim- bringen kann Die ersten Triebe bes Löwenzahns können zu schmackhaftem Salat ober feinem Gemüse verarbeitet werben, aus Kresse, Sauerampfer unb Feldsalat lassen sich ebenfalls gut schmeckende unb ber Gesundheit dienliche Gerichte Herstellen Spinat unb Radieschen finb aufoerbem wohl für jeben (Selb- beutel erschwinglich

Von weiteren Gaben bes Frühlings sei besonders unb mit Nachbruck auf Milch unb Butter aufmerk­sam gemacht Die Maibutter erfreut sich nicht nur wegen ihres guten Geschmackes allgemeiner Beliebt­heit, fonbern sie ist ebenso wie bie Milch, um bie jetzige Jahreszeit vitaminreicher als sonst, da bas Vieh bereits auf bie Weibe kommt unb hier Frisch- futter genießt.

Sehr wichtig ist es noch, barauf hinzuweifen, baß man vom Markt ober aus bem Gemüselaben nur deutsches Gemüse, bas bem nuslänbischen in keiner Weise nachsteht, nach Hause bringt unb so nicht nur sich selbst unb seiner Familie, (onbern auch bem deutschen Volksvermogen einen wertvollen Dienst erweist

Brauereibesiher Heinrich Zhring'Lich t-

Nach kurzer Krankheit ist gestern ber Semorchef ber Brauerei Jhring-Melchio» tn Lich, Heinrich Ihring. im 73. Lebensjahre verstürbe «. Der Heimgegangene kam im 26 Lebensjahre nach bem Abschluß seiner fachlichen Ausbildung als technischer Leiter in die von seinem Vater gegründete Brauerei, bie damals noch kleinen Umfanges war, unter (einer Leitung mit Einsatz seines großen fachlichen Wissens unb Könnens im Laufe ber Jahre aber sich zu einem bebeutenben Wirtschaftsunternehmen unserer Pro­vinz entwickelte Die Brauerei Ihring-Melchior ist heute ber mobernste unb größte Brauereibetrieb in Oberhessen, ein Werk, bas insbesondere auf bie rast­lose unb weitblickende Tätigkeit des Verstorbenen zu buchen ist. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Heinrich I h r i n g mehr als drei Jahrzehnte lang ehrenamtlich im Stabtoorftanb von Lich tätig, ferner stellte er seine Kraft in uneigennütziger Arbest bem Kreis Gießen unb der Provinz Oberhessen zur Ver­fügung. lange Jahre war er auch Mitglied der In­dustrie- unb Hanbelskammer Gießen, bes großen Ausschußes bes Deutschen Brauerbundes unb Vor- sitzenber ber Brauereigruppe bes Dill- unb Lahn- gebiete unb ber Provinz Oberhessen Bei ben An­gestellten seiner Firma, aber auch bei ber Bürger­schaft von Lich unb in weiten Kreisen von Gießen unb Oberhessen genoß ber Heimgegangene hohe Wertschätzung bie u. a. auch dadurch zum Ausbruck kam, baß an feinem 70 Geburtstage im Juli 1930 die Licher Vereine ihrem geschätzten Mitbürger unb Gönner einen großen Fackelzug barbrachten Das Andenken an den jovialen Mann wird bei allen, die ihn kannten, in Ehren fortleben.

Bibelforschers-Versammlungen in Hessen verboten.

Der Staatskommissar für das Polizeiwesen hat folgende Verfügung erlassen:Die Propaganda der .Internationalen Bibelforscher-Bereinigung'

(auch .Bibelforscher Zeuge Jehova') hat wieder­holt zur Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung geführt. Die Bereinigung steht außer­dem im Verdacht, mit den marxistischen Parteien in Verbindung zu stehen. Aus Grund der Ver­ordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 ver­biete ich deswegen alle Versammlungen von An­gehörigen des Bundes und jede Propaganda desselben, insbesondere durch Verbreitung von Druckschriften."

Amtsenthebung oberhessischer Bürgermeister und Beigeordneten. Die Staatspressestelle teilt mit: Die Amtszeit folgender Bürgermeister wurden für beendet er­klärt: sie werden durch die nachstehend Benannten erseht: Reiskirchen: Bürgermeister Schomber durch Wilhelm Launsbach, Glasermeister. Lon­dorf: Beigeordneter Wilhelm Hasselbach durch Heinrich Andreas Becker. Kesselbach Beige­ordneter Dietz durch Wilhelm Faulstich. Lin- denstruth: Der zurückgetretene Beigeordnete ist durch Georg Krug ll. zu ersetzen. Allerts­hausen Bürgermeister Reinhardt durch Hein­rich Schubach.

Hassiakundgebung in Gießen.

Die Kriegerkameradjchaft Hassia, Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen. Darmstadt, Ahastraße 5, gibt bekannt, daß am Sonntag, 30. April, 10.30 Uhr eine grobe Kundgebung, reriunden m:t Provinzial­tagung der Kriegsb^ichädigten und Krieger­hinterbliebenen, im (Safe Leib in Dietzen, Wall- torstratze 36, stattfindet, zu welcher außer den Mitgliedern der Hassia, die Angehörigen der Regiments- und Marine-Verein«, sowie der Has­sia nahestehenden Kameraden und Kameradinnen herzlich eingeladen sind.

'-vornotizerr.

Tageskalender für Mittwoch. Etadtchcater: 1950 bis nach 22 Uhr,Fidelio". Lichtspielhaus Bahnhof strotze:3a treu ist die Soldatenliebe" (heute zum letztenmal).

* Aufgehobene Verordnung. Der Minister des Innern Dr. Müller hat durch Be­kanntmachung vom 24. April 1933 die Bekannt­machung zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutlchen Vol­kes vom 4. Februar 1933 vom 16. Februar 1933 aufgehoben. § 1 dieser Bekanntmachung besagte, das Sammlungen von Geld- und Sachspenden zu politischen Zwecken oder zur Verwendung durch politische Organ.sativnen ohne pol ze l che Erlaub­nis verboten bleiben. Ausgenommen sind, so hieß es weiter, Sammlungen, die in Versammlungen, oder im Zusammenhang mit ihnen am Versamm­lungsort ftattfinLen, sowie Samin.ungen von Haus zu Haus, die sich auf Mitglieder der sammelnden Organisationen beschränken.

* ' Beurlaubungen bei den Gießener UniD-ifilälsflinircn. Vom Ministerium st r Kultus und Bildu igswefen wurden mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres beurlaubt: Oberarzt Pri- oatdozent Dr. S t o r ch in ber Neroenklinit ber Lan- desunioersität Gießen, Assistenzarzt Dr. (S r ä n - berg an ber Neroenklinit ber Landesuniversität Gießen, Assistenzarzt Dr. Egon Winter an ber Universitäts-Frauenklinik Gießen und Vol.-Arzt Dr Ernst Adler an ber Unioersitäts-Frauenklinik Gießen.

Zur Auflösung ber Notarkammer. Im Anschluß an bie Mitteilung über bie Auslösung ber Notarkammer ist zu berichten, baß ber bisherige 2 Dorsitzenbe der Hessischen Notarkammer, Notar I o st (Alzey) von ber hessischen Regierung mit ber Wahrnehmung ber Geschäfte bes Vorsitzenden ber Kammer bis zur Neuwahl beauftragt wurde.

' Keine nachträgliche Verleihung militärischer Titel, Orden und 11 ni - formen. In der letzten Zeit mehren sich die Anträge von ehemaligen Angehörigen der alten Wehrmacht um n. chträgl ch: Beförderungen, Cha­rakter und ällnifvrmverleihungen und um Ver­leihung von früheren Kriegsauszeichnungen. Be­förderungen, Charaktererhöhungen und Uniform» Verleihungen für Angehörige der alten Wehr­macht sind mit dem 1. Januar 1923, die Der-

Sur Verlobung im Hause Hohenzollern.

Dorothea von Salvtati. Prinz Wilhelm von Preußen.

leihung von alten Kriegsauszeichnungen mit dem 31 Mai 1924 eingestellt worden. Eine Wieder­aufnahme solcher Verleihungen ist nicht möglich, da eine gerechte Prüfung der Verdienste des ein­zelnen Wehrmachtsangehörigen nicht mehr er­folgen kann.

* Dingfeft gemacht. Im Juni v.I. ging der 25 Jahre alte Stadtkassengehilse Fritz Jung von Lich flüchtig, nachdem er bei ber Stadtkasse Unterschlagungen in Hohe von etwa 2000 Mark be­gangen hatte, für beren Ersatz ber Stabtkassenrechner von Lich haftbar gemacht würbe. Die veruntreute Summe ist mittlerweile von ben Angehörigen bes Flüchtlings zum Teil ersetzt worben. Jung tauchte vor kurzem unter Vorlage falscher Papiere in einem Arbeitslager auf, wo er Unterschlupf suchte. Die von ihm abgelieferten Papiere mußten zu einer Fest- fteUung nach Gießen gefanbt werden, wo man an bem Bild ben ungetreuen Stabtkassengehllfen von Lich erkannte. Daraufhin erfolgte in Gifhorn bei Hannover bie Festnahme bes Flüchtlings, dessen Ueberführung nach bem Gießener Lanbgerichtege- fängnis zur gerichtlichen Aburteilung dieser Tage erfolgen wird.

Trierer Kriegsgräberfahrten. Der Vezirksverband Trier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltet, mit dem Monat Mai beginnend, eine Anzahl ein-, zwei- und dreitägiger Kriegsgräberfahrten an die ehemalige Westfront, die von Trier aus unter sachkundiger Leitung im Gesellschaftswagen un­mittelbar zu den einzelnen deutschen Friedhöfen führen. Der Fahrtenplan erfaßt nahezu sämtliche deutschen Kriegerfriedhöfe in Frankreich: von ihnen liegen etwa 50 Friedhöfe im Bereich der ein­tägigen Fahrten. Anfragen mit Angabe des Friedhofs, der besucht werden fotl, sind an das Städtische Verkehrsamt, Trier, zu richten, das die Durchführung der Fahrten übernommen hat.

" Warnung vor einemfalschenVor. tragsreisenden. In versch «denen Städten trat in der letzten Zeit ein Mann auf, der sich Hans ober Otto Steuer nannte und Vorträge hielt über angebliche Erlebnisse im Saargebiet. Später lietz er duichblicken, dah er eigentlich Hans von Mopelius heißt und vom Frank­furter Polizeipräsidium die Ermächtigung erhal­ten habe, den Ramen Steuer anzunehmen. Als Grund gibt er an, dah er von den Franzosen im Saargebiet aus politischen Gründen verfolgt würde. Diese Angaben sind Schwindel. Steuer will nur Mitleid erregen und sich dadurch geld­liche Vorteile verschaffen. Da der Schwindler nicht nur Personen schädigt, sondern sein Auf­treten auch geeignet ist, der Saarsache Abbruch zu tun, wird vor ihm gewarnt.

** Versammlung des Sparerbundes. In einer öffentlichen Versammlung bes Sparer- bunbes am Samstagabend im Katholischen Vereins- Haus sprach Bankprokurist König (Berlin) über das ThemaDer Sparer im neuen Deutschland". Der Redner begrüßte zu Beginn seiner Ausfüh­rungen die Säuberungsaktion der nationalen Regie­rung und die in Aussicht genommene Herabsetzung der Riesengehälter und Tantiemen ber Großbank­direktoren und Aufsichtsräte der großen Unterneh­mungen Während Parteibonzen sich 14 Jahre lang auf Kosten des deutschen Volkes bereicherten, seien Millionen deutscher Sparer und Rentner ihrer sauer verdienten Ersparnisse beraubt worden. Statt die neuen Spargelder an den kleinen Handwerker und mittlere Unternehmungen auszuleihen, hätten in den letzten Jahren viele Großbanken diese Gelder an zweifelhafte industrielle Großkapitalisten weiterge­geben. Der Zusammenbruch zahlreicher Banken sei die Folge gewesen und hunderttavsende neuer deut­scher Sparer seien wiederum nach ber schon im Jahre 1923 erfolgten Inflation um ihr Vermögen gebracht worden Zum Schutze des kleinen Sparers und des Mittelstandes habe der Sparerbund vor mehreren Jahren Sparerschutzkasien ins Leben ge­rufen, die sich von Monat zu Monat eines immer stärkeren Zuspruchs erfreuten. Die Hauptaufgabe der Sparcrfd)uRtaf|en fei es, die verborgenen Kapi­talien herausuholen, um sie der nationalen Wirt­schaft zu überlasten. Auch nehme sich z. Z. der Sparerbund besonders der Pfandbriefgläubiger und Anleihebesitzer an und fordere alle Besitzer dieser Wertpapiere auf, ihren Bestand bei der Sparerbund­zentrale in Berlin anzumelden. Der viel zu hoch an» gesetzte Derwaltungsbeitrag der Hypothekenbanken mäste verschwinden und zum größten Teil den Pfandbriefgläubigern gutgeschrieben werden. Auch die sog Neubesitzanleihe müsse endlich einer gerech­ten Regelung mit jährlicher Zinsvergütung unter­zogen werden Der Sparerbund brauche nicht die von jeher nationale Einstellung seiner Mitgliedschaft zu betonen, denn diese fei eine Selbstverständlich­keit, die sich schon aus dem HauptzielSchutz des Sparereigentums" ergebe Die Schicht der Sparer fei ein wichtiger Bestandteil der deutschen Volkswirt­schaft, der besonderer Berücksichtigung und besonde­ren Wohlwollens bedürfe. Dienst am Volke, Recht und Gerechtigkeit und sachliche Arbeit am deutschen Wiederaufbau seien die Ziele der deutschen Sparer- bundbewegung Der Sparerbund, der hinter der nationalen Regierung stehe, werde es auch an schrift­lich einzureichenden Vorschlägen und Verhandlungen mit den Regierungsvertretern nicht fehlen lasten. Mit der Aufforderung, ben Sparerbunb durch Bei­trittserklärungen zu stärken, schloß ber Reber seine Ausführungen.

Große Strafkammer Gießen.

e Gießen, 25. April. Angeklagt waren zwei Brüder aus Hannover wegen schwerer Sir - kundenf älschung. Es wurde ihnen zur Last

gelegt, einen Bestellzettel gefälscht zu haben. Sie hatten als Reisenbe bei einem Schmiedemeister Vorgesprächen, und dieser hatte «inen Bestell­zettel auf Stahl ausgefüllt. Später stand ein« größere Menge als bestellt auf dem Zettel ver­zeichnet. Der Schmied verweigerte die Zahlung, es kam zum Prozeß, in besten Verlauf die Firma di« Klage zurückzog. Heute war nur einer der Angeklagten zur Verhandlung erschienen: der andere hatte sein Ausbleiben mit Krankheit ent­schuldigt. Die Verhandlung ergab, daß der er- sch «nene Angeklagte sich an den Derhandluirgen mit dem Schmied nicht beteiligt hatte: er hatte nur das Auto gefahren und draußen gewartet. Dieser Angeklagte wurde mangels DewäseS frei- gesprochen. Die Verhandlung gegen den zweiten Angeklagten wurde abgetrennt.

Ebenfalls freigesprochen wurde ein junget Bursche, der im Dezember vorigen Jahres bei einem Demonstrationszug der Eisernen Front gerufen hatte:Rieder mit der Hitler-Regierung". Gr war deshalb wegen öffentlicher Aufforderung oder Anreizung zur Gewalt gegen Personen an- geklagt. Die Freisprechung erfolgte im Einklang mit der Rechtsprechung des Re.chsgericht, wo­nach ein derart allgemein gehaltener Ausdruck als Aufforderung oder Anreizung nicht genügt, ferner weil nicht anzunehmen war, daß der An­geklagte sich etwas Greifbares dabei gedacht hat,

Treugelöbniffe

aus dem Kreis Lauterbach.

* Lauterbach, 25. April. Die Bürger­meister - Versammlung des Kreises Lauterbach richtete an den Herrn Staatspräsi­denten folgendes Telegramm:Die versammelten Bürgermeister des Kreises Lauterbach geloben der neuen Regierung Gefolgschaft In altbe­währter Treue und stellen sich rückhalllos in den Dienst des großen nationalen Werkes der Er­neuerung. gez.: Dr. Michel, Kreisdirektor."

Der Herr Staatspräsident antwortete darauf telegraphisch wie folgt:Staatsregierung dankt der Bürgermeisterversammlung für Gelöbnis und grüßt den treuen Vogelsberg mit Hessengruß, gez.: Dr. Werne r."

Einstellung von 75 Anwärtern bet öer po'izei.

Darmstadt, 25. April. (WSN.) Die Staate- Pressestelle teilt mit: In der Hessischen Polizei sind 75 Anwärter eingefteUt worden, die ausjchließ - lich aus der SA., SS. unddemStahlhelin hervorgegangen sind. Damit ist der Regie­rung und auch bem hessischen Volk die Bürgschaft gegeben, daß auch in Zukunft der neue Geist der Polizei niemals verwässert ober verfälscht werden kann.

Oer neue Darmstädter Stadtrat.

Darmstadt, 25. April. (WSR.) Die Zahl der S t a d t r ä t e für Darmstadt ist auf Grund des Gleichschaltungsgesetzes auf 35 fest­gelegt worden. Die RSDAP. nimmt davon 20 Plätze ein, die SPD 9, das Zentrum 2, bie Kampffront Schwarz-Weih-Rot und Christlich- soziale-DVP. ebenfalls je 2 Eitze.

Drei frankfurter Polizeibeamte in Schuhhast.

WSN. Frankfurt a. M., 25. April. Gestern wurden ber Kriminalbezirkssekretär Len, ber Po­lizeihauptwachtmeister Schönbach unb ber Po­lizeimeister Wierschein in Schutzhaft genom­men. Die brei Beamten waren vor ber Umwälzung in führenber Stellung bes Polizeibeamtenverbanbes tätig, und man macht ihnen über ihre Tätigkeit schwere Vorwürfe. Eine Versammlung, die zu diesem Zweck abgehalten wurde, verlief außerordentlich erregt, so daß sich die Polizei veranlaßt sah, tm Interesse der persönlichen Sicherheit die drei Be­amten in Schutzhaft zu nehmen.

Slrcie Wctzlar.

* Krofdorf, 26. April. Bürgermeister Brock­meier, der in der Nacht zu gestern anläßlich des gestern berichteten Vorfalles zu seiner eignen Sicher- beii von ber Wetzlarer Polizei in Schutz hast ge­nommen unb nach Wetzlar verbracht worben war, hat gestern nach Aushebung ber Schutzhaft seinen ihm alljährlich zustehenben Ur­laub angetreten. Seine Vertretung im Amt erfolgt gesetzmäßig.

Wettervoraussage.

Allmählich bringt ozeanische Luft vor und bringt Bewölkung unb auch Niederschläge mit sich. Mit der weiteren Zufuhr maritimer Lust bürste sich mehr eine Westwetterlage entwickeln, wobei ber Witte­rungscharakter etwas wechselhaft wirb. Die Tem­peraturen gehen später leicht zurück, unb einzelne gewitterartige Schauer dürsten noch auftreten.

Aussichten für Donnerstag: Ausge­glichenere Temperaturen und mild, meist wolkiges Wetter mit etwas Regen.

Lufttemperaturen am 25. April: mittags 16,3 Grad Celsius, abends 10,4 Grad, am 26 April: morgens 8,2 Grad. Maximum 16,6 Grad, Minimum 1,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe um 25 April: abends 17,3 Grad, am 26. April: morgens 9,1 Grad. Sonnenscheindauer 12% Stunden.

ZAHNPASTA

- erhält die Zähne schön weiss v.gesund