Ausgabe 
26.1.1933 Frühausgabe
 
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preisgekrönte Entwürfe für das Reichsehrenmal.

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Oben: Modellskizze von Professor Kreis (Dresden). Unten: Der Entwurf der Münchener Professoren D i e b e r l e und W a ck e r l e, dem Schöpfer des Kriegerdenkmals vor dem Münchener Armeemuseum.

Was wir Deutschen auch anfassen immer wird die Sache ungeheuer gründlich durchgeführt. Lind vor lauter Gründlichkeit kann es sich dann ruhig ereignen, daß wir erheblich hinter der Zeit her hinken. Nach der Beendigung der Frei­heitskriege vor mehr als hundert Jahren hatten deutsche Männer die Absicht, demunbekannten Soldaten" ein Denkmal zu errichten; diese schöne Idee blieb solange unausgeführt, bis sie nach dem Weltkriege von unseren Gegnern ausgenommen und verwirklicht wurde. Seit Kriegsende be­schäftigen wir uns nun mit der Schaffung eines Ehrenmals für unsere teuren Toten. Cs hat un­endlich viel Kämpfe gekostet, ehe der rechte Ort für die Errichtung des Heiligtums der Ration gefunden wurde, und erst ein Machtwort des Reichspräsidenten beendigte den Dauerstreit. Dann kam die Ausschreibung für das Ehrenmal, eine Aufgabe, der sich mehr als 1800 deutscher Künstler mit großer Liebe und brennendem Ehrgeiz unterzogen. Die engere Auswahl der eingereichten Entwürfe bekam die Oeffentlichkeit nach der ersten Preisverteilung vor etwa dreiviertel Iahren zu sehen. Ieht end­lich konnte sich das Preisgericht entschließen, von der immer noch reichhaltigen Zahl der Entwürfe sich das Beste zur Ausführung heraus­zusuchen. Mit Erstaunen nimmt das deutsche Volk zur Kenntnis, daß es den Preisrichtern nicht ge­lungen ist, sich auf einen Entwurf festzulegen, ihn und nur ihn allein zur Ausführung zu empfehlen. Bein, drei Entwürfe werden als ein­ander gleichwertig herausgenommen und emp­fohlen, ein vierter, mit geringerer Geldauszeich­nung bedacht, enthält nach Ansicht des Preis­gerichts noch so Bedeutsames, daß er vielleicht

im entscheidenden Teile mit dem Hauptentwurf verkoppelt werden könnte.

Es ist interessant, mit welcher verschiedenen Art der Phantasie die Preisträger ihre Architekturen in das waldige Thüringer Hügelgelände hinein­komponiert haben, wo das Reichsehrenmal be­kanntlich zur Aufstellung gelangen soll. Der in erster Linie preisgekrönte Entwurf der Mün­chener Herren zeichnet sich vor allem dadurch aus, dah der Landschaft nicht Gewalt angetan wird. Ein Glockentucm, schlicht in der Art der Frührenaissance, ist bei ihnen verbunden mit einer Gedächtnishalle und einer ..Kriegerpfalz", deren vornehm stilisierte Linien sich fast unmerk­lich der Umgebung anpassen. Aehntich. sogar fast noch bescheidener wirkt der Stuttgarter Entwurf, der sich gleichfalls mit einem Glockenturm, sonst aber nur noch mit einer Ter­rasse und einer Quellenanlage begnügt. Durch seine Wucht, seinen ungeheuer monumentalen Charakter fällt die Skizze von Kreis auf. Eine Riesenhalle soll nach ihm auf einem Derges- gipfel erstehen, eine Halle aus großen Quadern, ohne Dach, mächtig und düster, in dem eine Statue aufgestellt werden soll, einetrauernde Mutter Deutschlands". Es würde allerdings zur Ausführung dieses Planes notwendig sein, zu roden, damit dieses Gebäude auch von weitem zur besseren Geltung kommt. Dieser Umstand wird sich wahrscheinlich der Ausführung dieses Projektes entgegensetzen.

Reben diesen drei mit dem ersten Preis aus­gezeichneten Ideen hat die Prüfungskommission noch d.ei weitere Borschläge mit einem Preis von je 1000 Mark ausgezeichnet. Es muß aber dar­auf hingewiesen werden, dah der Mann, der über

das Reichsehrenmal dos letzte Wort zu sprechen hat. Deichskunstwart Dr. Redslob, vorläufig mit der gesamten Ausbeute der Entwürfe noch nicht recht zufrieden ist. Er hat seinerseits betont, unter den eingereichten Werken habe er ein b e st i m m t e s M o t i v für die zukünftige Schöp­fung vermißt, ein Symbol, in demder aufrich­tende Gedanke der Kameradschaft" stärker

zum Ausdruck kommen würde. Das letzte Wort über daS Reichsehrenmal ist also auch mit dieser Preisvertcilung noch nicht gefallen. Bis man sich endgültig zu der einen oder der anderen Lö­sung entschlossen hat, werden voraussichtlich die in Frage kommenden Modelle in einer Ausstel­lung dem Publikum zugänglich gemacht werden.

Frankreichs plane in Syrien.

Oie Libanonküste sollunter französischem Schuhs bleiben.

Berlin, 25. Jan. (CNB.) Die Aussprache im Lölkerbundsrat über Mandatsfragen hat, ohne zu konkreten Ergebnissen zu gelängen, die Aufmerksam- keit auf gewisse französische Pläne hinsichtlich des Mandatsgebiets in Syrien gerichtet, die unter der Maske einerBefreiung" offensichtlich den Ein- fluh Frankreichs in diesem seit den Kreuzzügen von ihm als Interessengebiet betrachteten Gebiet ver­stärken sollen. Nachdem verschiedene Aufstände wäh­rend des nunmehr zwölfjährigen Bestehens des französischen Herrschaft bewiesen und ihre blutige der einheimischen Bevölkerung mit der fron zösischen Herrschaft bewiesen und ihre blutige Unterdrückung die Beliebtheit der Franzosen nicht erhöht hat, ist man seit längerer Zeit in Paris a u f der Suche nach einer Neuregelung, die die politischen Schwierigkeiten Frankreichs erleich­tern soll

Die jetzt auch der Mandatskommifflon vorliegen­den Pläne sind von dem französischen Oberkommissar Henri P o n s o t mit der Regierung vereinbart wor­den, und man gibt sich in Paris der Hoffnung hin, daß auch die Zustimmung der syrischen Nationalisten gewonnen werden kann. Danach soll Syrien, d. h. das Gebiet um Damaskus im Süden und um Aleppo im Norden, ein selbständiger Staat werden, der nach zwei Jahren auch in den Völkerbund eintreten soll. Dieser Staat wurde als autonome Bestandteile auch die besonders schwer zubefriedigenden" Gebiete der Alauiten und den Dschebel Drus, den Herd des letzten Aufstandes, umfassen. Die zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des syrischen Staates eingekeilte jetzige Republik Libanon mit den wichtigen Hafenstädten Beirut und Tripolis soll dagegen noch für 20 Jahre unter französi­schem Schuh selbständig bleiben und bann erst durch eine Volksabstimmung entscheiden, ob es anSyrien angeschlossen oder weiterhin unabhänaia" Mythen will.

Die offiziellen Völkerbundsinstanzen haben es bisher vermieden, die Hintergründe dieser fran­zösischen Pläne aufzudecten, es ist aber ein offenes Geheimnis, dah Frankreich die Flotten- st ü tz p u n k t e an der Libanonküste behalten und ausbauen will und darüber die wirt­schaftlichen und politischen Interessen der Be­völkerung vernachlässigt. Dem ersten P r o t e st Italiens und Deutschlands werden sich daher wahrscheinlich über kurz oder lang auch andere in jenem Teil des Miltelmeers inter­essierte Mächte anschließen.

Frankreichs Finanzkrisis.

Paul-Boncour kämpft um das Lanierungsprogramm.

Paris, 25. Ian. (CAD.) Die Diskussion in der Kammer, die am Donnerstag über das Finanzsanierungsgesetz beginnt, ist von größter Bedeutung für die Existenz des Kabinetts Paul-Doncour. Was der Finanzausschuß dem Plenum Vorschlägen kann, ist ein Torso, welcher der Regierung anstatt der an» geforderten 5,5 Milliarden Franken neuer Ein­nahmen nur etwa 3.5 Milliarden Fran­ken bringen würde. Die Regierung hat während der Beratungen des Finanzausschusses bisher nichts von ihrem Entwurf preisgegeben. Das Pleirum hat also freie Hand. Die sogenannten Regierungsparteien werden auf eine harte Probe gestellt. Es wird sich zeigen müssen, in welchem Maße Radikale und Sozialisten pro­duktiv zusammenarbeiten können. Allerdings schei­nen Paul-Boncour und Finanzminister Cheron sehr vorsichtig vorgehen zu wollen. Sie beabsichtigen, nur bei den Punkten die Ver­trauensfrage zu stellen, über die eine grund­sätzliche Einigung innerhalb der Regierungsmehrheit erziel? worden ist.

Aus aller Welt.

Todesopfer des Schneeslurms in Ungarn.

Der seit einigen Tagen in Transdanubien an- babernbe heftige Schnee sturm forberte zwei Tobesopjer. Ein Kutscher, ber unterwegs einen Dorfjungen auf seinem Wagen mitgenommen hatte, konnte (ein Dorf im Sturm nicht erreichen. Der Wagen würbe vollstanbig eingeschneit an einem Ackerfelb gefunben. Der Kutscher, ber Junge unb ein Pferb waren erfroren. Das zweite Pferd hatte sich von ber Deichsel losgerissen und war in bas Dorf zurückgelaufen

Lishilssdienst durch Flugzeuge in Jlorb- und Ostsee.

Wie im Iahre 1929 wird auch in diesem Win­ter ein großzügiger Eishilfsdienst durch Flugzeuge für die vom Festland abgeschnit- tenen Rordseeinseln organisiert. Seit Montag werden schon zwischen Husum und der Insel Pellworm Lebers.niMel, Medikamente, Postsachen und auch Passagiere mit einem von der Luft­hansa zur Derfügung gestel ten Flugzeug beför­dert. Zwischen Wilhelmshaven und Wangeroog ist, wie gemeldet, der Cishilfsdienst gleichfalls bereits aufgenommen worden und wird bedarfs» mäßig auf alle anderen Inseln erstreckt werden. Außerdem werdey Flugzeuge eingesetzt, um die

Bewegung der Eismassen in ber Ost- und Rord- see zu beobachten und freie Wege für die Schiff­fahrt seftzustellen. Schließlich stehen noch Flug­zeuge bereit für den Fall, dah Schiffe im Cis der Ostsee einfrieren. Die Dampfer würden dann durch Flugzeuge mit allem Rotwendigen versorgt werden.

Kälteopfer in Frankreich.

Die Kälte hat in Frankreich weiter zugenom­men, unb ber Wetterbienst sagt für die nächsten Tage noch einen Fall ber Temperaturen voraus. Bei Moullins würbe eine 78jährige Frau von ein.'m Vorübergehenden im erfrorenen Zustanb auf bem Felde gefunben In berfelben Ortschaft ist eine 82jährige Frau in ihrem Hause erfroren. Bei Bar-le-Duc finb zwei Knechte an ben Folgen ber Kälte geftorben. Bei Chalon-sur Saone, wo außerbem noch ein scharfer Winb weht, hat man zahlreiche erfrorene Spatzen gefunben.

Deutschlands ältester Photograph gestorben.

In Zschopau im Erzgebirge ft a r b der Photo­graph ubr.ftian Heinrich Wagn er. Mit seinen 95 Iah-.en dürfte er der älteste Photo­graph Deutschlands gewesen sein. Mr» jp.ünglich war er Leineweber und nebenberuflich auch Zeichenlehrer.

Liebeserklärung an den Esel.

Gute Worte für einen Viekgeschmähten.

Don Paul Eipper

(Nachdruck verboten.)

Eigentlich müßte man einmal eine Monographie über ben Esel schreiben, eine ganz richtige Streit­schrift zur Bekämpfung ber vielen Vorurteile, bie sich um biefe vier Buchstaben ranken Was ist denn ein Esel? im Umgangston eine Beleidi­gung, ein Schimpfwort , zoologisch ein dummes, häß­liches, störrisches, auf jeden Fall ein faules Tier. Der Esel hat vier Beine, graues Fell, einen aus- gefransten Strick als S chwanz unb riesengroße Eselsohren"

Man kann nicht oft auf fo wenigen Zeilen soviel Ungerechtigkeiten nieber|d)reiben, aber ber Esel Hal ja einen breiten Buckel, unb an Hiebe ist er gewöhnt. Hören wir endlich damit auf, im Esel ben häßlichen Bruder des Pferdes zu sehen. Ich bekenne, daß mir ber Esel ganz besonders lieb ist, unb ich möchte von Herzen gern überall Freunde werben für dieses mißverstandene Tier

Schon die Stammesgejchichte des Esels ist inter­essant. Man könnte berichten, daß im Tertiärzeit­alter, also vor etwa drei Millionen Jahren, zwölf fossile Gattungen der pferdeartigen Unpaar Hufer gelebt haben; heute dagegen nur noch eine Gattung, bie in brei Gruppen zerjällt: bie echten Pferbe, bie Zebras unb bie einfarbigen Efel.

Ich könnte auch erzählen, baß bie Pharaonen schon im Ähre 4000 o. Ehr. Esel gezähmt und als Last­träger benutzt hoben, zum Dreschen des Korns ver­wendeten und zum Reiten; denn die Wissenschaft hat Abbildungen aus dieser Zeit gefunden, wo zwischen Schafen und Rindern auch domestizierte Esel stehen.

Aber dies ist noch nicht der richtige Zusammen­hang mit dem Gegenwartsbild. Stumpfsinnig, ohne Temperament und Lebensmut, mit übergroßen Ohren unb einer kümmerlichen Mähne steht ber Esel da, bie personifizierte Dummheit, ein Tier, besten Leibspeise bie Distel ist. Der Esel hat Mucken unb Tücken, er beißt, bockt, schlägt, wirft sich zu Boben unb oerbient immerzu Prügel.

Meine gescheiten Mitmenschen, biefe Jammerge­stalt ist ein Probukt ber Verpflanzung in unser feuchtes, kaltes Klima, ist ein Opfer verkehrter Hal­tung, schlechter Pflege, roher Behandlung, über­mäßiger Beanspruchung. In Wirklichkeit, von Haufe aus, hat ber Esel zumindest bie gleichen geistigen Fähigkeiten wie bas Pferd, darüber hinaus sogar noch Vorzüge. Der Esel geht viel seltener durchs er

scheut nicht so leicht wie bas Pferd, unb er ist weit- I aus widerstandsfähiger, in ber Ernährung viel an- | spruchsloser Nur seine Stimme rann auch ich nicht loben. Wenn in ber Liebeszeit ber Eselhengst ein butzenbmal Ia schreit, gewalttätig laut, dann noch viele gurgelnde, schnaubende Seufzer ausstößt, bann hilft nur flucht nor irfimmhcnfem Ohrengellen

Un|er U|tl m uut zu... ujdUaiier gemacyre Nach­komme bes nubischen Steppenesels, ber in ber Frei­heit wohl ausgestorben fein wird. Die andere Wild­form des Esels, der Somalt-Wildefel, ist noch ziem­lich verbreitet, ich habe verfchiebens Exemplare da­von beobachten können. Man vermag sich nicht leicht einen Begriff von ber Schönheit biefes stolzen Tieres zu machen, wenn man eben nur ben Haus- ejel kennt Das graue Fell hat einen rötlichen Schim­mer, bie Schulterhohe beträgt etwa anderthalb Meter. Zwar ist auch ber Somali Efelskopf groß unb schwer; aber bie Augen blitzen temveramentvoll, und ber muskulöse Leib wird von seynig-schlanken Beinen getragen, bie in ber Nähe der zarten Fesseln schöne dunkle Querstreifen hoben.

Oft sprach ich mit bem alten Somalineger-Häupt­ling Egga über bie roilben Esel seiner Heimat. Und der Mann fand kein Ende, diese Tiere zu preisen. Mut und Feuer stecke in ihnen, sagte er; sie gingen in leichtem Trab unermüdlich über Saab unb Steine, galoppierten erstaunlich temperamentvoll unb seien tolle Kletterer, bazu mit ihren stahlharten Hufen recht wehrhaft Obwohl ber Somali Wildesel keine Delikatessen finbet, am Dornbüsche äst, bestenfalls an Mimosen, häufig aber nur harte, holzige Gräser finbet, machen alle Tiere solch einer wilben Herbe einen burchaus wohlgenährten Einbruck. Sie finb sehr umsichtig und autzerordentlich wachsam

Schwer, von dieser Schilderung ber Wilbesel au unserem Grautier zurückzufinden. Ich glaube, unser Hausesel entbehrt am meisten die Sonne des Südens, schon in Italien nimmt er an äußerer Schönheit zu. Ich erinnere mich mit großer Freude an die zierlichen lichten, oft isabell-getönten Esel­chen des Tessins, die geduldig ihr hartes Tagwerk tun, so besonders dankbar eine Liebkosung, ein zärt­liches Streicheln hinnehmen unb wenn sie am Abenb ihrer Losten lebig finb, eine Weile verbutzt stehen bleiben, um sich bann plötzlich mit Vehemenz zu Boben zu werfen, alle Biere himmelwärts strecken und sich vor Freude unb Lebenslust im Gras wälzen, ein Sanbbab nehmen.

Zum beglückenbsten aber auf ber ganzen Welt gehört ein neugeborenes Eselfohlen. Ich woge zu behaupten, boh bei ihm bie Fröhlichkeit bes Herzens für jeden Beschauer ohne weiteres offenbar wird. -

Man kann nicht anders, man muß solch ein gelieb­tes Wesen umarmen muh den Samtpelz zausen und eine Weile wenigstens die Blutwärme seines Körperchens spüren. Schon jagt der Kobold wieder in geradezu verrückten Sprüngen querfeldein, atta- tiert bie Eselmutter unb nützt ihre Liebe, ihre Ge- bulb aus bis zum äußersten Die Eselin läßt sich ben Unfug gern gefallen, beim sie liebt ihr Kind mit restloser Hingabe, fürchtet roeber Feuer noch Wasser, wenn es gilt, bem Jungen zu helfen

Em letztes Wort noch, eine Mahnung. Der Esel ist befonbers in südlichen Ländern, in Italien und Aegypten, aber auch in Deutschland, eines der geplagtesten Tiergeichöpfe Seine Genügsamkeit, seine Geduld und seine Ausdauer werden übermäßig ausgenützt. Oft begegnet man in ben Bergen des Appenin einem kleinen schmalen Eseltier, das fast unsichtbar ist unter ber Last bes oufgepackten Hol­zes, ber Gemüsekörbe, ber Steine. Und oft sitzt drauf gar noch ein Bouernburfch, ber mit vielem Geschrei pausenlos bas Lasttier prügelt, zuweilen absteigt, ben Esel am Schwanz reifet, einen Holzprügel zu­spitzt unb Wunbe um Wunbe in bie Hinterschenkel, in ben Leib bes Esels stößt. Jeber Tiersreunb muß ben Mut haben, in solchen Fällen einzuschreiten, unb um Verstänbnis unb Rücksicht für bas bulbfame Tier- gefchöpf bitten.

Lauer als Hamlet.

Infolge einer Erkrankung von Herrn Bruck wurde in derHarnlet"-Aufführung im Stadt- thcater eine eilige älmbesetzung notwendig: in der gestrigen Vorstellung spielte Herr Hauer die Titelrolle Wir konnten infolge ander­weitiger Verpflichtung am gleichen Abend nur einige Szenen sehen und sind daher nicht in der Lege vorn Gesamtrindruck her zu urteilen. Doch muß man von vornherein eine starke Leistung rück­haltlos anerkennens innerhalb von zwei Tagen die enorme Rolle rein stofflich zu bewältigen und einzuspringen. Wir wissen nicht, ob Hauer studiert" ist, aber wir wissen, daß der Hamlet nicht mit Routine zu machen ist. Aach dem. was wir sahen, schien un3 die Gesamtanlage in grofeen Zügen der Auffassung von Bruck zu ent» sp.echcn Hauer hat wohl manches In Ton und Haltung von seinem Horatio mit herübergenom­men. Sein Hamlet gibt sich ganz männlich, nicht träumerisch; gefährlich, mühsam verhallen; be­drohlich für seine Umgebung; immer auf dem Sp.ung; fein Humor ist trocken, ohne Schärfe; und die Kirchhofsszene wirkt eher nachdenklich als melancholisch. hth.

Verlagswesen und Literaiurwirischast.

Auf Einladung des Deutschen Seminars der Uni­versität hielt gestern abenb Herr Verlag-direktor Abolf Neumann aus Frankfurt einen Vortrag über bas ThemaVerlagswesen unb Lite­raturwirtschaf t". Der Direktor bes Seminars, Pros. Dr. 23 i e t o r , wies in einer kurzen Einfüh­rung darauf hin, wie förderlich es sei, einmal von der Literaturwissenschaft her ben wechselseitigen Ein­fluß von Dichtung unb Buch auseinander, die ver- legerische Praxis und den Buchwerdungsprozefe bes näheren zu untersuchen. Der 23ortragenoe, Lener bes bekannten Verlags Rütten & Loening unb feit kurzem Inhaber eines Lehrauftrags für Verlags­wesen und Literaturwirtschaft an der Frankfurter Universität, ging davon aus, daß die Begriffe seiner Themenstellung der Praxis entnommen jeien, von der die Wissenschaft unb die am Buch zunächst Be­teiligten kaum etwas wüßten. Die Bestrebungen des Iungbuchhandels, sich der Wissenschast zu nähern, sollten sich mit einer umgekehrten Bewegung von ber wissenschaftlichen Theorie zur Praxis hin be­gegnen. Direktor Neumann, nachdenklich unb nicht ohne Humor aus feinem Arbeitsgebiet berich­tend, wollte weniger eine systematische Material- Übersicht als vielmehr eine Reihe von Anregungen unb Hinweisen geben, bie von der Wissenschaft auf­genommen werden sollten. Er sprach über die Ent­stehung des Buches als Ware, von seiner Wirkung auf das Publikum, vom Einflufe der Tageskritik und von der Persönlichkeit bes Verlegers, über besten Wesen und Tätigkeit vielfach groteske Vorstellungen im Schwange seien, von dem aber doch eigentlich das Schicksal ber mobernen Literatur abhänge. Es war ferner bie Rebe vom Werbegang eines Ma­nuskriptes vom Autor über das Lektorat bis zum fertigen Buch, von ber kaufmännischen Kalkulation, vom Risiko bes Verlegers und von der Unberechen­barkeit des Erfolges. (Beispiele: Frenssen, Re- marque.) Es gebe keine absoluten Maßstäbe für den Verleger, wohl aber Erfahrungen allgemeiner Art Rezepte für garantierten Bucherfolg seien weder vor­handen noch auch erwünscht. Die Literaturwissenschaft nüisse sich mit diesen Dingen befassen, mit ber Typologie bes Verlegers, mit feinem Verhältnis zum Autor, zum Sortimenter, zum Publikum; Buch- erfofg und Tageskritik müßten in ihren Beziehungen zueinander untersucht werden. Auch die Mißstände des ßiteratur-Setriebe# verdienten eingehende Be­achtung. In Frankfurt habe man mit dieser prak­tischen Arbeit einen ersten Anfang gemacht; für die Literaturwissenschaft ergeben sich vielfältige An­regungen zur systemischen Untersuchung dieser Fra­gen, mit denen leber" Stubent sich einmal befaßt haben sollte. Ein stattliches Auditorium folgte dem interessanten Vortrag mit lebhaftem Interesse.