Ausgabe 
26.1.1933 Frühausgabe
 
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Aus -er Provinzialhauptstadt.

AeichSzuschüffe für Znstandsetzungsarbeiten.

HeueEeftimmungen.

Der Reichsarbeitsminister wendet sich in einem Runderiah an die Landerregierungen, in dem die Bestimmungen für die Vergebung des Zu­schusses von 50 Milt. Mk. für die Instandsetzung von Wohnungen usw. wie folgt festgelegt werdens Ein Reichszuschuh für die Instandsetzung von Wohnungen kann bereits gewährt werden bei Kosten für das einzelne Grundstück von we­nigstens 100 Mk. (statt bisher 250 Mk.). Die Arbeiten müssen spätestens am 1. 7. 33 vollendet sein. Für die Bewilligung eines Zu­schusses bart nicht der Tag des Antragseingangs maßgebend sein, sondern der Tag, an dem mit den Arbeiten begonnen werden soll. Unverzüg­lich soll für alle die Arbeiten ein Zuschuß zu­gesagt werden, die sofort begonnen werden sollen.

Taten für Donnerstag, 26 Januar.

1781: der Dichter Ludwig Achim von Arnim in Berlin geboren; 1881: der Schriftsteller Alfons Paquet in Wiesbaden geboren; 1920: der Maler Fritz August von Kaulbach in Ohlstadt bei Murnau gestorben.

Vornotizen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Als 16. Borstellung im Freitag- Abonnement morgen zu gewöhnlichen Preisen Erstausführung des Lustspiels2:2 unentschieden von Wilhelm Lichtenberger unter Karl Hey- s e r s Spielführung. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Die Solotänzer des Hessischen Landes- theaters, Aenne und Milly Reih und Gustav Blank veranstalten am Samstag, 28. Januar, einen .Tanzabend" und führen an Hand eines abwechslungsreichen Programms Tänze aus drei Jahrhunderten vor. Kostüme: Elli Büttner vom Landesthcater Darmstadt. Die Begleitung liegt in Händen von Kapellmeister Erwin Palm. Die Intendanz hat für diesen Tanzabend kleine Preise angesetzt. Dauer von 20.15 bis 22.15 Uhr. Für Sonntag, 29. Januar, hat die Intendanz

Veranstaltet vom Kreisamt Gießen und durch- geführt von der Reichszentrale für Heimatdienst fand gestern im Cafs Leib eine staatspoli­tische V o r t r o g s v e r a n st a l t u n g statt.

Oberregierungsrat Ritzel begrüßte in -Bcr- tretung des Provinzialdireltors die sehr zahlreich erschienenen Bürgermeister, Lehrer und Gendar­merie-Beamten des Kreises Gießen. Der Leiter der Reichszentrole für Heimatd'enst (Landesver­band Hessen), Herr OI l m e r t, wies kurz aus die Ausgaben der Reichszentrale für Heimat- dienst (einer amtlichen Ausklärungsorganisation der Rcichsregierung) hin, die in unabhängiger Form zu wirken habe und deren Redner in keiner Richtung beeinflußt werden dürsten.

?Zs erster Redner sprach Dr.W. Schulz- Kreuztal (Westfalen) über das Thema

Da» französische und das deutsche wchrsystem".

Der Redner gab zunächst einen Rückblick aus die Entwicklung der deutschen und der franzö­sischen Heeresmacht und kam dann auf die Lage nach dem Weltkrieg zu sprechen. Frankreich habe tiefgreifende Reformen in seinem Heer­wesen durchgeführt, insbesondere die Jugend zur militärischen Ertüchtigung herangezogen. Die Er­ziehung solle in drei Stufen erfolgen und dem jungen Menschen die De.rutenzeit ersetzen, ihn sogar zum Teil befähigen, den Rang eines Unter- Offiziers zu bekleiden. Dann erst beginne die aktive Militärzeit. Jeder zweite Mann könne auf diese Weise militärisch ausgebildet werden, in Deutschland aber nur jeder 200. junge Mann. Jeder weiße Franzos sei, ohne Rücksicht auf seine körperliche Konstitution, dienstpflichtig, sei es im Armeedienst, oder im Hilfsdienst. In drei Jahr­gängen könnten 650 020 Mann ausgebildet wer­den. Durch besondere Gesetzgebung habe Frank­reich außerdem die Möglichkeit der raschesten Mobilmachung. Das Berufsheer sei ve st.-rkl wor­den. Das französische Wehrsystem bestehe aus einer Dreiheit: dem Berufsheer, der Heercspflicht und der Möglichkeit des Freiwilligenaufgebots. Die ganze Bollslraft sei dergestalt in den Dienst der Landesverteidigung gestellt. In Deuts ch - land seien die Verhältnisse grundlegend anders. Im Diktat von Versailles habe man Deutschland nur dos 100 7>--Monn-Heer zugestanden. Die Militärdienstpflicht einzuführen, wurde Deutsch­land nicht gestattet, die militärische Iugendaus- bildung wurde ihm verboten, durch die zwölf­jährige Dienstzeit die^Heranbildung von Reserven unmöglich gemacht. Die Jugend sei dadurch dem Staat entfremdet worden. Geländesport bedeute noch lange nicht militärische Ausbildung. Deutsch­land habe also (einzig dastehend in Europa) nur sein Berufsheer. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Wehrshstem seien ungeheuer. Frankreich könne in wenigen Tagen 65 bis 70 Divisionen Infanterie an die Grenze werfen, Deutschland nur sieben. Demgegenüber mache die Abrüstung und die Glcichberechtigungs- forderung nur langsame Fortschritte. Die Si­tuation sei aber nicht hoffnungslos. Deutschland habe noch Trümpfe in der Hand. Die Bevölke­rung solle die Verhandlungen in Genf aufmerk­sam verfolgen, im übrigen aber der Regierung die Arbeit nicht erschweren. (Lebhafter Beifall!)

Sodann sprach Dr. Rissen (Frankfurt a. M.) über das Thema:

Das tut der deutschen Landwirtschaft not?".

Die Landwirtschaft sei von der Krise mehr als andere Terufsgruppen betroffen. Durch den Krieg habe sie ungeheure Verluste erlitten; Dezimierung der Viehbestände, Auszehrung des Doyens, '3er» tust an besten Arbeitskräften. Man habe versucyt, wieder aufzübauen, vorübergehend auch Koniunk- tur gehabt, aber bann wieder (besonders nach der Inflation) Rückschläge erleiden müssen. Die deutsche Landwirtschaft sei stark verschuldet. An­sätze zu einer Besserung seien durch das Sinken der Kaufkraft weiter Kreise verloren gegangen. Trotzdem habe die Landwirtschaft Großes ge­leistet und die Ernährung des Volkes aus eige­ner Erzeugung nahezu völlig sichergestellt. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte seien aber

eine Wiederholung der Operetten-Revue3m weihen Röhl" als Fremdenvorstellung zu er­mäßigten Opereltenpreisen angesetzt. Vorzugs- karten haben Gültigkeit. Spieldauer von 18.30 bis nach 21.30 Uhr.

Vortrag über Alt - Giehen. Morgen (Freitag) spricht Oberkriegsgerichtsrat Koch im M a t t h ä u s s a a l. Kirchstrahe 9. erneut über das interessante ThemaAlk-Gießen". Der erste Vortrag fand solchen Beifall, daß der Vor­tragende auf Wunsch der Hörer sich bereit er­klärte, in einem weiteren Vortrag Bilder aus Alt-Gießen zu zeichnen. Die Veranstaltung geht von der Männer- und Frauen-Vereinigung der Matthäusgemeinde aus. Gäste sind herzlich will­kommen. (Siehe gestrige Anzeige.)

*

LU. Von der Landesuniversität. Der Oberbiblicthelar der hiesigen Landes-Universität, Prof. Dr. Robert Fritzsche wurde auf sein Rachsuchen mit Wirkung vom 16. April 1933 in den Ruhestand verseht.

* Vorbestellte Theaterkarten. Aus dem Stabtthcalerbureau wird uns geschrieben: Die Kasse des Stadttheaters hat leider über den Miß­stand Klage zu führen, daß das Nichtabholen vor- beftellter Harten fast ein ständiges Vorkommnis ge­worden ist. Durch dieses Verhalten erleidet das Theater, zumal bei Zugstücken (wieWeihes Rußl" undEndlose Straße") und bei Gastspielen finan­zielle Verluste, die bei der heutigen wirtschaftlichen Lage nicht verantwortet werden können. Die In­tendanz bringt daher dem Publikum zur Kenntnis, daß alle für dasWeiße Roßl" vorbestellten Karten am Tage zuvor bis 13 Uhr abgeholt sein müssen Diese Bestimmung gilt auch für die auswärtigen Theaterbesucher, da bei diesen dieselben bedauer- lichen Vorkommnisse zu verzeichnen waren.

Verband kaufmännischer Berufs kranken kassen. Bei der Neuwahl des Vor- stand's des Gießener Ortsausschusses des Verbandes kaufmännischer Berufskrankenkassen wurden die Herren Jensen (Barmer Ersatzkasse) als Vor­sitzender Emrich (Deutsche Angestellten-Kranken- kässe) als stellvertretender Vorsitzender und o n t g i (Kaufmännische Krankenkasse Halle) als Schriftführer I gewählt.

katastrophal gesunken. Es müsse gesagt werden: Die Kontingentierungspolitik gehe am Kern des Problems vorbei. Für die Preisgestaltung sei nicht die ausländische Einfuhr, sondern die inlän­dische Kaufkraft maßgebend. Kontingentierungs- Politik bedeute Schädigung der Exportindustrie, Arbeitslosigkeit, weiteres Sinken der Kaufkraft. Wie sei der Landwirtschaft zu h-lfen? Forcierte Getreidewirtschaft nütze nichts. Die Leistungen der Milchwirtschaft müßten erhöht, mehr Milch zu Käse verarbeitet werden, die Butter bedürfe der Verbesserung, die Geflügelzucht sei zu intensi­vieren (jedes Huhn müsse jährlich durchschnittlich 150 Eier legen, wenn man vom Ausland unab­hängig sein wolle), durch genossenschaftlichen Ab­satz sei die Handelsspanne zu verringern. Selbst­hilfe biete zwar Ansatzpunkte, könne aber keine generelle Besserung bewirken. Die Krise in der Gefarntwirtschast müsse behoben werden, wenn auch dem Landwirt geholfen sein solle. Trotz­dem werde sich der Landwirt eng den Bedürf­nissen anpassen und der Entwicklung in mancher­lei Richtung folgen müssen.

De^Vo.tcag löste eine lebhafte Aussprache aus, in der man sich u. a. auch mit dem Siedlungs­problem beschäftigte.

Als dritter Redner sprach Studienrat Dr. König, Gießen, über das Thema:

wir Deutsche im mitteleuropäischen Kaum".

Cc n n Au fahrung.n sei folgendes entnommen: Man habe viel von Paneuropa gehört I Der Weltkrieg habe viele Staaten geschaffen,. die sich gegenseitig im Wege standen und e.ne größere Organisation zu fordern schienen: Paneuropa! Cs sei in letzter Zeit aber sehr still davon ge­worden. Man frage sich: Was ist Europa? Wo beginne es? Gehöre Englands Empire und Front.eich dazu? I.n Osten liege das euraftfd)e Rußland. Zwischen USSR. und Frankreich liege Europa, dec Herd der Unordnung, ein ballani- siertes ' Wirtschaftsgebiet. Man müsse diesen Wirtschaftsraum in Ordnung bringen, da er die Waage zwischen Ost und West halten müsse. Man frage sich, ob der Raum unter sich ver­bunden sei? Die Geschichte lehre Interessantes. Das Mittelalter habe schon einen mitteleuropäi­schen Grohraum gedacht und gehabt. Damals fer die deutsche Ration Träger der Orgcnifation und Träger der abendländischen Kultur gewesen. Dcc eu.o^äische Kulturgrenze falle zusammen mit der @.e:i;e des Protestantismus und byzantinischer Orthodoxie. Zwischen Deutschland und dem ost- slawischen Gebiet habe neben der politischen nie eine kulturelle Spannung bestanden. V'elmcor dienten die Deutschen den Ländern des Ost ns als Städtebauer. Erst Peter der Große sei in den europäischen Raum vorgestohen und hatte die Greirze verschoben, wenn sich nicht Deutsch- land und Oesterreich e ngemischt und durch die D eite lung Polens an Einfluß gewonnen hatten. Es sei-fraglich, ob bei der Gemengelage der Völker im Osten eine nationalstaatliche Lösung möglich sei. Fest stehe nur, daß zunächst Oester- reich-Ungarn. dem Volke und der Sprache nach, zum mitteleuropäisch-deutschen Raum gehöre. Cs sei ein großer Unterschied, ob man den Staat von der Set.' fce3 Startes h:r, cder von der Seite der Vol sgemein chaft her betrachte. Vottsgemem- schast sei etwas anbe eS, als Staatsgememfcholt. Volk- gemein chaftcn mühten allerdings Realitäten fein, wenn die Ration daraus gebildet werden solle. Eine Ration aus den im Kulturkreis ge- bunöenen Menschen unterscheide sich wesentlich von der Staatsnation. Interessant fei es. fest- zu stellen, daß in überstaattichem Sinne in 20 von 35 europäischen Ländern Deutsche boden­ständig sind. Staatsverwaltendes Voll seien die Deutschen in der Eidgenossenschaft der Schweiz. In der Schweiz lebten, ohne sich gegenseitig totzuschlagen, vier Völler in staat­licher Gemeinschaft beisammen. Das sei einzig­artig in Europa. In Rußland anerkenne man auch die Bedeutung der Rationalitäten und handele danach: USSR. spreche in der Mutte^prache zu den einzelnen Völkern. Deutsche Minderheiten

gebe es auch in Frankreich (von Elsaß-Lothringen ganz abgesehen) und in Belgien. Dort aber seien die Völker geschieden, desgleichen in Italien (Südtirol-- Italien). Im Osten aber seien die Grenzen nicht klar zu erkennen. Millionen von Menschen müßten dort umgesiedelt werden, wenn man Rationalstaaten schaffen wolle. Im östlichen Raume von Polen und Rußland seien von 140 Millionen Menschen 80 Millionen Deutsche. Ucberall stoße man auf deutsche Dörser. Die mitteleuropäische Frage sei im Südosten leichter zu lösen. Der Schlüssel sei Deutsch-Oesterreich, sei Wien als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Wien könne im Südosten das fein, was Ham­burg im Westen ist: das Ausfallstor deutschen Wesens nach dem Schwarzen Meer. Weshalb aber sei die Vereinigung im mitteleuropäischen Raume nicht möglich? Das liege an dem Hege­monialgedanken Frankreichs. Mit Paneuropa habe Mitteleuropa totgeschlagen werden sollen. Zu diesem Zwecke habe sich Frankreich mit dem Osten verbunden. Ohne das Hindernis Frankreich könne die Ordnung iin mitteleuropäischen Raum leicht hergestellt werden. Die Ordnung des mitteleuro­päischen Raumes bedeute aber die Ordnung in der Welt! (Lebhafter Beifall).

Mit kurzen Dankesworten für die den Dor- träger erwiesene Aufmerksamkeit schloß Oberregie­rungsrat Ritzel die anregende Tagung.

Buntes Allerlei.

Hoffnung für abgelehnte Schriftsteller.

Zwei französische Autoren, Stephane Manier und Jean Maxence, haben den wohltätigen Plan gefaßt, solchen schriftstellern zu helfen, deren Romane von den Verlegern abgelehnt worden sind. Sie erklären sich bereit, zwei solcher Arbeiten jedes Jahr zum

Dieser Winter scheint sich ja noch lebhaft ent­wickeln zu wollen I Kein Zweifel: nach seinem warmen Vorgänger des letzten Jahres macht er seinem Hamen alle Ehre. Das Kältezentrum über Sowjetrußland, in dem man b i s zu35Grad Kälte messen konnte, scheint langsam aber sicher zu uns hinüber zu wollen. Temperaturen um 20 Grad unter Rull sind heute schon in verschiede- denen Stellen Deutschlands an der Tagesordnung.

Run fragt es sich: läßt sich durch den Vergleich der letzten Jahreszahlen, in denen man einen kalten Winter feststellen konnte, so etwas toie eine Reihe, eine Gesetzmäßigkeit finden, die schließlich dazu führen könnte, eine feststehende Periode der kalten sowohl als auch der warmen Winter anzunehmen? Wir erinnern uns, daß der letzte Winter von ungeheurer Härte uns im Se­hr u a t 1 9 2 9 überfiel. Das gäbe einen Zwischen­raum von vier Jahren.

Was sagen wir aber nun dazu, daß einmal festgestellt worden ist, es gäbe periodische Klima­schwankungen, die sich durch Jahrhunderte zurück­verfolgen lassen -- und zwar in den Intervallen von 3, 11, 16, 35. 89. 108, 150, 242 Jahren? Und wie soll man sich dazu stellen, daß schon in frü­heren Jahrhunderten Beobachtungen gemacht worden find, denen zufolge anormal kalte Winter sich in regelmäßigen Abständen wiederholten, in Abständen, die sehr häufig 35 Jahre auseinander­lagen, die aber gelegentlich auch vier Jahre be­trugen?

Schließlich ist vor nicht allzu langer Zeit in Rordamerika an 500jähr!gen Bäumen mit Hilfe ihrer Jahresringe festgestellt worden, daß alle Jahre gewisse klimatische Schwankungen das Wachstum dieses Baumes anders gestalteten, daß

Wenn man heute eine Umfrage an alle Bevölke­rungsschichten richten würde, ob man glaube, daß die Eheschließungen heute häufiger als vor dem Kriege seien, so würde diese Frage wohl aller­seits verneint werden. Ein flüchtiger Einblick in die Zahlen der Statistik aber beweist uns zu unserem Erstaunen das Gegenteil. Wirtschaftskrise, Arbeits­losigkeit und Geldlosigkeit haben die Zahl der Ehe­schließungen nicht senken können, ja sie ist sogar im Vergleich zu den Jahren vor dem Kriege g e ° stiegen!

Die Heiratslust ist im Verhältnis zum Jahre 1910 sogar um ein ganz Beträchtliches gestiegen, denn wenn heute rund 40 Prozent der Bevölkerung des Deutschen Reiches verheiratet sind, so waren es im Jahre 1910 nur 36 Prozent. Dom Jahre 1910 an zeigt die statistische Kurve der Ehe­schließungen einen ständigen Aufstieg, der sich erst 1929 wieder senkt. Dabei hat sich gerade in den letzten Jahren der Altersunterschied zwi­schen den Geschlechtern znm Günstigen ge­wandelt, so daß, wenn man die Altersstufen betrach­tet, für die Frau heute viel bessere Heiratsaussichten bestehen als eben in den Jahren 1928 1929.

Aber die Eheschließungen werden eben nicht nur vom Alter der Bevölkerung bestimmt, es gibt viel­mehr auch hier eineKonjunktur" und eineDe­pression", und natürlich wird das Hoch und lief der Heiratslust doch hauptsächlich von den Schwan­kungen der allgemeinen Wirtschafts­lage bestimmt. So zeigt zum Beispiel das Jahr 1931 allein 30 000 Eheschließungen weniger auf als das vorhergehende Jahr und man tut sicher nicht Unrecht, die zunehmende Arbeitslosigkeit dafür ver­antwortlich zu machen. Wer also auch in diesem Jahr sitzen bliebe, kann ruhig die Krise anklagen. Aber es gibt, wie überall, auch hier einen Trost: Richt überall sind die Heirats-Ehoncen gleich schlecht.

In den meisten großen Städten sind die Aus­sichten wenig günftig. Die Ursache hierfür liegt teils an der stärkeren Arbeitslosigkeit, teils auch darin, daß die bisherige starke Zuwanderung feit 1930 einer Abwanderung der jungen Män - ncr von den Städten Platz gemacht hat. Licht ge­ben uns auch hier wieder einmal die Zahlen, die uns zeigen, daß während von taufend Berliner Ein­wohnern 1929 nur 9,8 einen Ehepartner fanden, von tausend Oldenburgern 10,2 dieses Glück hatten und von tausend Bewohnern aus Schaumburg- Lippe sogar 11,5 heiraten konnten.

Druck und zur Veröffentlichung zu bringen. Ass Grundbedingung wird der Beweis verlangt, daß dir; Handschriften menigftens zwei Verlegern ohne Er­folg vorher cingcreicht morden sind. Die Notwendig­keit der Durchführung dieses Gedankens wird damit begründet, daß in den gegenmärtigen schwierigen Zeiten Verleger Romane, die ihnen kein sofortiges gutes Geschäft bei den großen Lesermassen bringen, zurückweisen, auch wenn die Werke hohe künstle rische Vorzüge besitzen. Ein so genialer Dichter wie Proust war z. B. gezwungen, seine ersten Werke auf eigene Kosten brü ten zu lassen. diese Situation hat sich nach dem Kriege verschärft. So wird be richtet, dßa ein bereit - bekannter zeitgenössischer Autor sein letztes Manuskript dreizchnmal von ver l.tiebencn Verlegern zurückerhalten bat. Die beiden Werke, die aus den Kreis der Abgelehnten jährlich veröffentlicht werden, sollen non einer Kommission ausgewählt werden, für die bereits hervorragende Kritiker gewonnen sind.

Heitere Tafelrunde.

Zu der Tafelrunde von Sanssouci gehörte auch der Professor laubmann. Friedrich der Groh, schätzte ihn sehr, konnte es aber nicht unterlassen, ihn ab und zu zu necken und in Verlegenheit zu bringen. Aber nicht immer zog Taubmann den kür­zeren. Eines läge-.- war Taubmann vom König zu Tüch gebeten, fand aber sein Besteck ohne Suppen löffel vor. Als inan den ersten Gang reichte, ries der üönig über die Tafel:Wer seine Suppe nNht ihr ist ein Schlingel." laubmann aber ließ sich nicht verblüffen, nahm ein Weißbrot, höhlte es auf- und löffelte damit seine Suppe. Als er aker mit feinem Teller fertig war, sah er sich vergnüg' im- Kreise um und ries zum König hinüber:Wer seinen Lössel nicht», ist ein Schelm", sein Weißbrot hinterher und hatte die Lacher auf seiner Seite.

vor allem gewisse periodische Schwankungen in regelmäßiger 35jähriger Wiederkehr bis zum Jahre 1392 zurückversolgt werden konnten...

Diese Untersuchungen über die Regelmäßigkeit des Wetters stecken noch arg in den Kinder schuhen. Die paar Daten, über die man heute ver­fügt, gaben aber schon jetzt Ausschluß darüber, daß man einem der dunkelsten Probleme der Ra- tur auf die Spur gekommen ist, dessen Lösung wohl bei zäher Verfolgung des Zieles nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Dieses Pro­blem besteht darin, daß die Witterungsverhält nisse so lange aus den Menschen und sein Werl blind wirken, als er die Periodizität des Wet kers noch nicht klar zu berechnen in der Lage ist. Auch in der Witterung herrschen merkwür­dige Seriengesetze vor, von deren Er­kenntnis erst der erfolgreiche Kamps gegen zer­störenden Frost, ungesunde Wärme, gegen a(lr anormalen Erscheinungen der Meteorologie ab hängt.

Es wird gewiß einen Tag geben, an dem re­de r Menschheit gelingen wird, mit Hilse dieser W'tterungsperioden einen kalten ober warmen Winter vorauszusehen und dementsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Cs erübrigt sich, die ungeheure wirtschaftliche Dedeutung diefer wahrhaft .langfristigen Wettervor­hersage" zu betonen. So lange die Ratur gemalten unwiderlegliche Mächte bleiben, so (anq>- werden sich weder periodische Krisen noch die Lei den einer Hungersnot völlig vermeiden lassen. Erst wenn der Mensch in seiner Abwehr Herr über die Ratur geworden ist, wird er endgültig aus dem Reich der Barbarei in eine Periode der Kul­tur getreten sein.

Daß der Mut, eine Familie zu gründen, in dem wirtschaftlich so hart geplagten Deutschland beson ders stark vorhanden ist, zeigt die statistische Fest- stcllung, nach der in Deutschland auf 1000 Einwoh »er durchschnittlich in den letzten Jahren 9 Ehe schließungen kamen, in Groß-Britannien, Holland und Frankreich dagegen nur 8, in Italien 7 und in Norwegen nur 6. Allerdings scheint die Heirats tust in Polen und der Tschechoslowakei noch stärker zu sein als in unserer Heimat.

Noch eine Frage, die uns interessiert: Wann heiratet Er, wann heiratet Sie? Auch hier hat sich das Bild seit den Jahren vor dem Krieg sehr gewandelt. Wenn sich früher am häufig sten die Männer zwischen 25 und 28 Jahren zur Ehe entschlossen, so zeigen heute gerade diese Jahr gänge eine heftige Abneigung gegen den Ehestand mit seiner Verantwortung, und gerade die Männer zwischen 29 und 35 Jahren scheinen sie nicht zu 'ürchlen. Seltjamerweise aber findet man häufiger als vor dem Kriege jetzt die sogenannten Schul jungen-Ehen, das heißt Heiraten von Bur­schen zwischen 18 und 22 Jahren. Wenn sich also schon diese ganz Jungen nach einem Zuhause seh­nen vielleicht weil sie in den schweren Kriegs­und Nachkriegsjahren ihrer Kindheit dieses Zuhauic entbehren mußten so scheinen die Aussichten der Frau auch in anderer Beziehung keineswegs ungünstig zu flehen: denn auch die sogenannten eingefleischten Junggesellen sind weni­ger geworden! Vor dem Kriege landeten von 1000 Junggesellen zwischen 45 und 50 nur 15 im Hafen der Ehe. 1929 entschlossen sich schon 30 zu diesem Schritt. Und selbst die noch älteren Jahrgänge schei­nen sich bekehren zu wollen, denn wenn vor dem I Krieg von 1000 Herren zwischen 50 und 55 nur noch 9 die Eheschließung wagten, so sind es jetzt doch immerhin 15 geworden.

Zum Schluß ein Trost für die Mütter, die sich um die Eheaussichten ihrer kleinen Töchter Sorge machen: Diese Töchter werden e» voraussichtlich weit besser haben, als die Generation der jungen Frauen und Mädchen von heute! Denn in 20 Iah ren soll sich der jetzt und in den letzten Jahren bestehende Frauenüberschuß in einen Männer- Überschuß verwandelt haben, und in aUes Altersklassen werden die Frauen verhältnismäßig in der Minderheit, die Herren aber in der Mehr­heit fein.

Staatspolitische Vortragsveranstaltung der Äerchszentrale für ßermaidiensi.

Kann man kalte Winter im voraus bestimmen?

Don Günter Kretschmer.

mterkWe - und das Gesetz der Serie.

Statistik der Heiratslustigen.

Eheschließungen einst und jetzt in Zahlen.

Don Henriette Heßner.