Ausgabe 
26.1.1933 Erstes Blatt
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

war alle

sich nur jetzt

sind, den Menschen noch nicht als ihren Feind zu betrachten. So vermochte der Kameramann schöne Bilder aufzunehmen von jenem munteren Vogelvolk. das in vielen Dingen menschliche Ge- pslogenheiten nachzuahmen scheint. Man beachte die gestrige Anzeige.

Manne ins Gesicht sehen, ober allmählich hat sie sich an die neue Freiheit gewöhnt und ist mit unbedecktem Antlitz in London eingetrofsen. Es ist eine schöne Frau von etwa 50 Jahren, die stets in dem indischen ..Sari" erscheint, einem lan-

Buntes Allerlei.

Nach 40 Jahren ohne Schleier.

Die Gattin eine- indischen Fürsten, die

AornoNzen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 16. Vorstellung im Frei­tag-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen. Crst- auf ührung des Lustsf-i [82 2 uncnt chieden", von -Wilhelm Li^tenb'.rger. Spielleitung K Heyfer. Die Solotänzer Aenne und Mitly Reih, Gu­stav Blank vom Hessischen Landesthcater Darm­stadt veianstolten am morgigen Samstag einen Tanz-Abend". Das Programm bringt »Tänze aus drei Jahrhunderten". Die für diesen Abend entworfenen Kostüme stammen von der Mode­architektin Clly Büttner. Dieses Tanzgastspiel ist außer Abonnement und zu kleinen Preisen. Dauer von 20.15 Uhr bis 22.15 Uhr. Die Intendanz hat für Sonntag. 29. Januar, 18.30 Uhr, eine Wiederholung der Operetten-Aevue:Im weihen Rößl" angcsetzt als Fremdenvorstellung zu er­mäßigten Operettenpreisen. Borzugskarten haben Gültigkeit. Ende nach 21.30 Uhr.

Roah - Roah - Der Schrei der Sehnsucht" betitelt sich der Kulturfilm, der am kommenden Sonntagvormittag im Lichtspiel­haus Bahnhofstraße gezeigt wird. Der Film führt in die Breiten des Südlichen Eismeeres. Mit Walfischfängern machten sich Dr. Ludwig Kohl-Lars en, seine Frau und der Kamera» mann Albert Benitz auf den Weg nach dem Süden, stießen vor bis an das ewige Cis. erfüll.en wifser.fhastl che Forschungsaufgaben und brachten dabei auch einen Film mit nach Hause, der die Tierwelt des antarktischen Gebietes vor Augen stellt. Man Wohnt vor der Leinwand der Walfischjagd bei. besucht die See-Elcsanten, jene Biesen, die über 5 Meter lang und un­geheuer schwer werden, belauscht sie bei ihren Gewohnheiten und in ihrem Familienleben. Der Film zeigt auch die Vogelwelt dieser Breiten. Man sieht die schwarzen Sturmsegler, die räube­rische Slua. den wundervollen Segler der süd­lichen Mee.e den großen Wanderalbakros und nicht zuletzt auch die Pinguine, die in sorgloser Einfalt ihren Tag verbringen und harmlos genug

40 Jahre hindurch in der Öffentlichkeit hinter einem dichten Schleier zeigte, hat . den großen Schritt getan, ihr Gesicht von dieser Bermummung zu befreien. Cs ist die Begum Sahiba von Khairpur, die zum erstenmal Indien verlassen hat. um ihren Sohn, den Thronerben des Staates, auf seiner Reise nach England zu begleiten. Die Fürstin reiste mit dem Prinzen, der auch von seiner jungen Frau begleitet wird, von Bombay dicht verschleiert ab und hielt sich in strenger Abgeschlossenheit in ihrer Kabine, bis das Schiss Aeapel erreichte. Als man hier an Land ging, lieh sie sich überreden, zum erstenmal in der Oessentlichkeit sich von dem Schleier zu trennen. Sie w^- erst sehr scheu und wollte keinem

Die beiden Wärmflaschen Trauriges Abenteuer einer winterlichen Nordlandfahrt.

Don Axel Nudolph.

und dadurch der Kochkunst der Feldküchenleutc ____ Ehre macht. Dos gleiche anerkennende Urteil hörten wir auch von einer Anzahl junger Leute, die wir mit bestem Appetit ihre Mahlzeit verzehren sahen. Anschließend an die Mittagspause folgte

gestellter Soldatenkoch tätig. Mehrere junge Mäd­chen sind im Freiwilligen Arbeitsdienst mit Kar­toffelschälen, Gemüseputzen und anderen Hilfs- arbeiten der Küche beschäftigt. Das Essen wird vom Koch in Behältern von etwa 10 Liter Inhalt nach dem Speiseraum gebracht und dort tijchweise an jedem Tisch sitzt immer eine Gemeinschaft von etwa 10 Monn von den Jugendlichen selbst ausgetei't. Obwohl die Speisung ycstem zum erstenmal durch­geführt wurde, funktionierte der Organisations­apparat bereits reibungslos. Ein Beamter des Städtischen Wohlfahrtsamts führt die Aufsicht.

Die Ausschußmitglieder nahmen Gelegenheit, gestern eine kleine Kostprobe des Essens zu ge­nießen, um sich auch über die Qualität der Speise ein Urteil bilden zu können. Ucbcreinftimmenb wurde fcstgestcllt, daß

da, Essen ausgezeichnet und schmackhaft zuber ei lei

DasIugend-Notwerk in Gießen

Eröffnung mit 270 Jugendlichen.

Das Aotwerk der deutschen Jugend im Arbeitsamtsmeldebezirk Gießen hat gestern seine Tätigkeit zur Betreuung junger arbeitsloser Menschen begonnen. Bis jetzt haben sich dazu 270 Jugendliche gemeldet, von denen 30 aus Gießen, die übrigen aus den benachbarten Landorten stammen.

Es handelt sich dabei, wie schon mehrfach be­riefet, um die berufliche, geistige und sportliche Betreuung in Verbindung mit täglicher kosten­loser Verabreichung eines kräftigen, warmen

Mittagesfens.

Das Hilsswerk bezweckt, die jungen Menschen über die schwerste Zeit des Winters hinüberzu- b.ingcn, bis ihnen im Freiwilligen Arbeitsdienst oder durch andere Aröeitöbeschafsungsmaßnah- men wieder eine wirtschaftliche Grundlage ge- bo en werden kann.

Zu der Crössnung. die in der Volkshalle als Ort der Speisung erfolgte, hatten sich der Werbe- und Sammelausschuß der Gießener Winternothilfe. Mitglieder der anderen Aus­schüsse dieses gemeinnützigen Werkes, Stadtrats­mitglieder, ein Vertret:r unseres Bataillons und eine Anzahl weiterer Damen und Herren des öf entliehen Lebens, insbesondere der Wohlfahrts- pi lege cingesunden. Die Schützlinge des Hilfs- werls waren gleichfalls in großer Zahl erschienen.

Bürgermeister Dr Se b-Gießen als Vorsitzender des Hilfsausschusses für den Arbritsamtsbezirk Gießen dankte in seiner Er­öffnungsansprache zunächst allen Spendern, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt und sie für die nächste Zeit ermöglicht haben, bc- sonderen Dank stattete er dem Gießener Ba- taillon ab, das eine Feldküche für die Bereitung des Mittagessens zur Verfügung gestellt und da­durch die Einrichtung sehr erleichtert hat. Dann sagte er u. a. weiter:

Stabt und Laub haben einmütig und bereit­willig sich zu umfangreichen Spenden bereit erklärt.

Wenn auch die bisherigen Spenden die Eröff­nung der Speisung ermöglichten, so sind doch tyoch weit mehr Spenden erforder­lich, um die Speisung in den vorgesehenen 8 bis 10 Wochen durcysühren zu tonnen. Ich hoffe aber daß die einmütige Opferbereitschaft von Stadt und Land das erleichtern wird.

Jeder, der geben kann, muh die innere Pflicht in sich fühlen, gerade unserer notleidenden Jugend als der kommenden Generation, als der Zukunft unseres Volkes, nach besten Kräften zu Helsen.

In diesem Sinne wünsche ich dem Jugcnd-Bot- werk einen vollen Erfolg.

Syndikus Münch-Gießen als Vorsitzender des gesamten oberhesf.schenBot- Werts der Jugend wandte sich dann m einer Ansprache an die jungen Leute, in der er u. a. sagte:

wir Weiteren, die wir uns in den Dienst des Bolwerkes gestellt haben, wollen Ihnen helfen.

Wir wollen Sie nicht bedauern und wollen Ihnen keine Hoffnungen machen, die sich nicht erfüllen las en. Mit beiden ist Ihnen nicht gedient. Sie wistm. daß unser Vaterland, finanziell ausgewogen, pol.tisch und wirtschaftlich gehemmt, einen schweren Kampf um seine Existenz kämpft. Immer großer ist der Kreis der Hilfsbedürftigen geworden, immer geringer die Zahl derjenigen die hetfen können. Wenn trotzdem das Botwerk der deut­schen Jugend durchgeführt werden kann, dann 'st das eine Tat. auf die wir stolz fern können.

wir haben von allen Seiten, von Stabt und Land Hilfe bekommen. (Ein Volk, das in einer solchen Notlage den willen zu helfen nicht ver­loren hat, hat berechtigte Hoffnung auf den

Wiederaufstieg.

Dis dahin müssen wir uns durchschlagen, so gut «s geht, und so ist das Botwerk auch nur em Behelf. Wir können unser Ziel nicht zu weit stecken. Aber es ist keine Svielerci. es ist eine

gen Stück Stofs, das um den Körper gewunden wird. ..Ich bin tief ergriffen von den neuen Ein­drücken. die mir die Welt ohne Schleier bietet" so erklärte sie. ..Ich bewundere die Sauberkeit der Londoner Straßen und kann lange vor den Schaufenstern stehen, in denen eine solche Fülle der wundervollsten Dinge vereinigt sind. Ich bin aber nicht der Ansicht, daß Frauen mit den Män­nern in jeder Tätigkeit wetteifern können, dazu sind ihre Anlagen und Eigenschaften nach meiner Meinung zu verschieden."

EinantikeöTheater-FoyerauSgegraben

Die Entdeckung einer großen Hinterbühne an der Stätte der altspanischen Stadt Merida be­deutet den Abschluß einer Reih« von Grabungen, die dort seit 1910 stattgefunden haben Die Heber- refte des hier freigelegten Theaters gehören zu den besterhaltenen der Welt. Die ncuauf- gefunbene Hinterbühne wird von einer 75 Meter langen bedeckten Kolonnade aus blauem und weißem Marmor umschlossen: sie wurde für Proben sowie als Aufenthaltsort für die Zu­schauer während der Pause benutzt, stellt also die älteste Form des Theater-Foyers dar. Innerhalb dieser Säulenhalle befinden sich die Beste eines Gartens, der mit Statuen und Marrnorsihen geschmückt war. Durch ein Betz­werk von Marmorröhren wurde der Garten be­wässert. Die Anlage erinnert an das Theater des Pompejus in Born. Merida, das als Sied­lung für Kriegsveteranen im Jahre 25 v. Ehr. von Kaiser Augustus gegründet worden war. wurde bann bie Hauptstadt von Lusitanien und die Vorgängerin der spanischen Hauptstadt Madrid. Ausonius spricht von ihr als -von der neuntgrößten Stabt ber Welt.

In Borwegen gibt es wunbervolle FjorbS unb kosende Wasserfälle, die in ihrer unberührte', Batur viel schöner sind als ber gepriesene Bia- gara. Außerdem gibt es in Borwegen einen wundervollen Aquavit. Mag es bahingestellt bleiben, ob ich hauptsächlich wegen ber ersteren oder wegen des letzteren das alte Sagaland be­suchte. Daß ich nicht nur wegen des Aquavits Borwegen bereiste, erhellt schon aus ber Tat­sache. daß ich von Daten am Hardangerfjord aus auch nach dem Bachbarland Schweden fuhr. Denn in Schweden gibt e3 bekanntlich infolge gewisser Gesche keinen Branntwein oder doch nur hintenherum zu wahnsinnigen Preisen.

Ich habe von je zur Opposition geneigt. Also machte ich meine Bordlandsahrt nicht im Sommer, sondern mitten im Winter. Wo steht auch ge- schriebcn, daß man nur im Somme* das nordische Land besuchen soll? Höchstens in den Pro­grammen der Dampferlinien, weil die im Winter keine Bordlandreisen veranstalten. Ich finde Bor­wegen im Winter schön, wenn der weiße Mantel um Dovrefjeld hängt unb ber Rauhreif in den Wäldern tausend bizarre Märchengestalten her­vorzaubert. Dann kann einem sogar die Freude widerfahren, daß man hier und da, außer Deutsch und Englisch auch ein paar Brocken der nor­wegischen Sprache zu hören bekommt.

Bcttürlich gibt es auch im Winter Eisenbahn­züge in Borwcgen, deren Maschinen mit riesigen Schneepflügen ausgerüstet sind und die sich einen Weg durch die weißen Massen bahnen. Aber immer stilvoll Zu einem Winker in Borwegen gehört eine Schlittenfahrt mit Pferdeschnauoen und Schelleng.läuk. So reifte ich denn von Sälen aus über Haukelisäter und zur schwedischen Grenze im Schlitten. Hm das Romantische nut dem Prosaischen, das Angenehme mit dem Rütz- lieben zu verbinden, versuchte ich mich als Ama­teur-Schmuggler und füllte in einem unbewachten Augenblick vor der Abfahrt die beiden Wärm­flaschen mit bestem norwegischen Aquavit.

Ein hastiger, mißtrauischer Blick. Bein, Jon Peerson, der biedere Kutscher, der eben die Pferde anschirrt, hat nichts gemerkt. Die Fla­schen liegen wohlverstaut unter der warmen Pelz­decke.

Los geht die Fahrt. Hnd was für eine! Diese nickenden, schnaubenden Pferdetöpfe, dieses me­lodische GellinAl, das ist doch was anderes als die ewige Autoraserei. Wie Selma Lagerlöfs Gösta Berling fühle ich mich. Gösta Berling, der im Schlitten die schöne Gräfin Dohna über ben Löfden entführt. Greif aus, Don Juan, mein Rappe! Ich habe zwar keine Gräfin im Schlitten, aber ich entführe immerhin einige Liter von Borwcgcns köstlichstem Bationalgetränk über die Grenze unb muß. wie nach heulenden Wölfen, nach beutegierigen Grenzbeamten Ausschau halten. Ob es gelingt?

Zwei Tage dauert bie Fahrt burch bie Wunder- volle Winterwelt. Dann ist die Grenze erreicht. Ein blau-gelber Schlagbaum, ein Holzhäuschen im Schuhe des Tannenwaldes. Aus verschneiten Fenstern flieht warmes, trauliches Lampenlicht. So gar nichts von Amtswürbe unb Strenge. Hier können keine bösen Menschen wohnen. Ich fühle bie Partie schon gewonnen. Hnb ich täusche mich auch nicht. Der Grenzbeamte, ber in seinem biden Pelz wie ein Bär aussieht, kommt bebacht- sam aus seiner Höhle gekrochen unb prüft beim Schein der Schlittenlaternen meinen Pah. Alle­in Ordnung.Wünscht der Herr etwas auszu­ruhen? Wir haben einen gut geheizten Warte­raum und ein sehr empfehlenswertes Smörgas» bord"

Allerdings, das lockt. Auch Jon Peerson wird

schöne Tat. die etwas wertvolles in sich birgt. Hnb so richte ich bie Qlufforberung an Sie, tun Sie Ihr Bestes, gehen Sic mit bem Willen an das Botwerk heran, aus bem wenigen und aus ber gemeinsamen Arbeit, bie Sie verrichten, einen möglichst hohen Gewinn bavonzutragen.

Heben Sie in körperlicher, geistiger unb hand­werklicher Beziehung, was Ihnen das Botwerk bietet. Heben Sie bie Kameradschaftlichkeit, ein- anber zu helfen in Selbstdisziplin unb Unfer- orbnung. Sie bienen barin sich selbst, Sie dienen anderen ,unb in der Arbeit an sich bienen Sie ber Gemeinsamkeit unb bem Vaterlanb.

In diesem Sinne fordere ich Sie auf, mit mir ein­zustimmen in den Ruf:Hnser deutsches Vater­land es lebe hoch!"

E.ne Beratung des Hilfsausschuffes schloß sich der Eröffnung des Notwerks an. Man­cherlei Fragen ber weiteren Sicherstellung ber Für­sorgearbeit waren Gegenstanb ber Aussprache. Ins­besondere trat allseitig bie Ueberzcugung zutage, baß weitere Lebensmittel- unb Gelbspenben bringenb notwenbig finb, wenn bas Rotwerk zum Besten ber hilfsbedürftigen Jugend aus Stabt unb Lanb für bie bisher vorgesehene Dauer sicher- gestellt werben soll.

Erfreulicherweise konnte Bürgermeister Dr. Seid bereits zahlreiche Spenden betanntgeben. Ohne bie Wichtigkeit ber einzelnen Beisteuern verkennen zu wollen, sei hier bie Spenbe ber Geineinben Wat­zenborn-Steinberg als besonbers hervor- ragenb unb bankenswert verzeichnet. In tiefen beiben Orten würben bank ber eifrigen Werbearbeit des dortigen Bürgermeisters Schäfer unb bank der sozialen unb jugendfreundlichen Aufgeschlossen­heit ber Ortsbevölkerung u. a. ein ganzes aus­geschlachtetes Schwein, 40 Zentner Kartoffeln, große Mengen Bohnen unb andere Lebensmittel kostenlos gegeben. Mit ber Metzgerinnung Gießen würbe vereinbart, baß sie bas fertige Fleisch zu bem außerorbentlich günstigen Preise von 48 Pf. für bas Pfund liefert; werben für bas Notwerk Schweine gestiftet, so werben diese von der Metzgerinnung gegen fertiges Fleisch eingctauscht. Zahlreiche wei­tere Spenden von Privaten unb Geschäftsinhabern haben weiter zur Versorgung ber Vorratskammer beigetragen. Damit ist's aber noch nicht genug, weitere Spenben sind dringend er­wünscht!

Der Speisezettel.

Man besprach weiterhin ben Küchenzett e st Am gestrigen Donnerstag gab es Linsensuppe mit Würst­chen und Brot. Am heutigen Freitag wirb Bohnen- suppe mit Schweinefleisch verabreicht. Für ben morgigen Samstag ist Graupensuppe mit 'Juno- unb Schweinefleisch vorgesehen. Der °Pe,fe3ct t e l für bie n ä ch st e Woche sieht vor: Montag: Erbsensuppe mit Schweinefleisch: Dienstag: Gemüse­suppe mit Rindfleisch, Mittwoch: Kartoffelmuse mit Bratwurst; Donnerstag: Reisbrei mit Dbftbei- laae; Freitag: Bohnensuppe mit Schweinefleisch; Samstag: Linsensuppe mit Würstchen unb Brot.

Die Arbeitsausschüsse.

Weiter würben b r e i A u s s ch ü s s e zur Bearbei- tunq von Spezialaufgaben eingesetzt: em 2B e r b e - unb Sammel ausschutz (Vorsitzender: Vermal- tunqsamtmann Seiner), ber sich um die Bcschas- funa von Lebensmitteln, insbesondere burch epen- ben, bemühen soll, mit bieser Tätigkeit würbe ber Werbe- unb Sammelausschuß ber Gießener Winter­nothilfe beauftragt; ein K ü ch e n a u s s ch u ß , dem außer bem Vorsitzenden, Verwaltungsamtmann Keiner nur Damen angehören; ein Finanz­ausschuß (Dorsitzenber: Bürgermeister Dr. S e i b).

Zum Schluß würben noch einige kleinere organi­satorische Fragen erörtert.

Öie erste Speisung.

Die Ausschußmitglieber wohnten nach ber Be­ratung ber e r ft e n Speisung ber jungen ßeuie als Beobachter bei. Man nahm ben Küchenbetrieb, wie auch ben im westlichen Teil ber Dolkshalle durch Bretterwänbe abgeteilten unb burch Ofen- Heizung erwärmten Speiseraum in Augenschein. An ber Felbküche sind ein Zivilkoch unb ein samt ber Feldküche vom Bataillon kostenlos zur Verfügung

ein Abendbrot willkommen fein. Aber erst die Zollrevision. Ich steh« neben ben dampfenden Pferden, während der Beamte gewissenhaft die Pelzdecken zurückschlägt und das Innere des Schlittens zu durchsuchen beginnt. Ein Tasten im matten Lichterschein, ein paar rasche Blicke. Dann ist's überstanden.

Danke", meint der Beamte, an die Pelzmütze greifend, und dann mit höflichem Bedauern. Der Herr kommt wohl weit her? Die Wärm­flaschen sind ja schon ganz kalt geworden."

Ja, wir kommen heute von Haukalisäter". gleite ich schnell über die verfängliche Anspielung hinweg und trage meinen Koffer in das Amts­zimmer. Auch hier nur eine kurze, oberflächliche Hntersuchung. Dann fitzen wir friedlich und ver­traut beisammen um den wohlgedeckten Smör- gaastisch im Wirtshauszimmer, von dessen Wand ein Bild aus Schwedens Großzeit herabschaut: Oerncn bares öfer Gränsen", die Leiche Karl XII., des Heldentönigs, wird auf einer Bahre über die Grenze getragen.

Liebe Menschen, diese schwedischen Zollbeamten. Zuvorkommend, höflich, heiter. Fast hatte ich Lust, ihnen einen guten, norwegischen Aquav't einzuschenken. Aber es sind immerhin Beamte. Man soll sie nicht in Versuchung führen.

Bach zwei gemütlichen Stunden brechen wir auf. Jon Peerson ist ein vorbildlicher Kutscher. Er hat inzwischen die Pferde gefüttert, die ver­schneiten Decken geschüttelt und angewärmt. Also der Mann kriegt von mir ein Ertra-Trmkgeld, wenn wir in S. ankommen.

Drei Stunden später, um elf Hhr abends, hal­ten wir glücklich vor dem Gasthof in dem schwe­dischen Städtchen, von wo aus ich morgen mit der Vahn weiter nach Stockholm will. Auch hier hat der Wirt noch einen guten Imbiß bereit. Aber jetzt erst mal hm, etwas kalt ist mir doch geworden, bei der abendlichen, schnellen Schlitten­fahrt. Also erst mal einen guten Schnaps. Jon Peersons blauer Base wird er auch gut tun. Ion bekommt den Auftrag, die Wärmflaschen aus dem Schlitten zu holen, sieht mich erstaunt an, aber geht ohne Widerrede oder Frage. Ich reibe mir im Vorgefühl des Genusses die Hände. So ein siegreich durch den Zoll geschmuggelter Aqua- vit schmeckt doppelt so gut. Hnd das verdutzte Ge­sicht des braven Peerson, wenn ich ihm einen aus der Wärmflasche einschenke, das gibt dem Spaß erst die richtige Würze.

Aha! Da ist der Gute ja mit den Flaschen. Be­hutsam nehme ich ihm die eine ab und ja, was ist denn ? Wieso sind denn die Flaschen warm? Wirklich und wahrhaftig warm? Rasch schenke ich ein Glas voll und führe es zum Munde? Aquavit? Keine Spur! Wasser ist das, lauwarmes Wasser und sonst nichts. Meine Augen suchen den Kutscher, der verwundert meinem Tun zusieht.

Peerson. haben Sie haben Sie irgend etwas mit den Wärmflaschen gemacht?" Verwundertes Kopfschütteln. Ich werde dringlicher.

Die Wahrheit, Peerson! Haben Sie wirklich nicht die Flaschen angerührt, seit wir von Hau- talifäler abgefahren sind?'

Run nickt er eifrig mit dem schweren Kopfe. Doch, Herr, das habe ich natürlich. Oben am Grenzhaus. Da waren die Wärmflaschen doch ganz kalt geworden und da habe ich natürlich..."

Was haben Sie da?!"

Ba, da habe ich das falte Wasser auSgegossen und frisches heißes Wasser aufgefüllt."

Treuherzig unb verständnislos sieht Jon Peer­son mir in die Augen. Ich aber sehe mich ge­brochen auf den nächsten Stuhl.

Farvell. du guter, norwegischer Aquavtt?

Studentische Abendandacht. Heute, 20 Hhr, findet in der Kapelle des Alten Fried- Hoses eine studentische Abendandacht statt. Auch Bichtangehörige der Hniberfität sind dazu ein­geladen.

Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zu der Hauptziehung hat planmäßig spätestens bis zum 1. Februar, 18 Hhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme zu geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Bachteilen dringend empfohlen.

* Postfcheckverkehr statt ® e l b b rief­träger. Von der Reichspost wird uns ge­schrieben: Der vorteilhafteste Weg der Geld- Übermittlung durch die Post ist der Postscheck- ve.kebr. Wer ein Postscheckkonto hat, kann völlig gebührenfrei auf ein anderes Postscheckkonto über­weisen und außerdem noch dem Empfänger ge­bührenfrei eine Mitteilung auf dem Abschnitt zu ommen lassen. Wer kein Postscheckkonto hat, bedient sich zur Zahlung an einen Postscheck­kunden der blauen Zahlkarte, die wesentlich bil­liger ist als eine Postanweisung und auch auf dem Abschnitt Gelegenheit zu gebührenfreien Mit­teilungen an den Empfänger bietet. Jeder In­haber eines Postschecktontos füllte diese Bummer seines Kontos und das Postscheckamt, das es führt, seinen Bekannten. Geschäftsfreunden und Kunden mitteilen, am zweckmäßigsten durch deut­lichen Aufdruck auf seinen Briefbogen und Rech­nungen. Durch ausgiebige Benutzung des Post- scheckverkehrs würden auch die tion_ den Geld- brieiträgern zuzustellenden Geldbeträge toefent- licy vermindert werden und demzufolge wird auch der Anreiz zu ihrer Beraubung sinken.

Die Grippe-Epidemie in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 26. Jan. (WSN.) Die Grippeepidemie hat hier eine weitere Verschärfung erfahren. In die Krankenhäuser werden fortgesetzt Grippekranke einqcüefert. Es ist bereits Vorsorge getroffen, Notkrankenhäuser ein zurichten. Die «trahenbahn hat wegen der starken .Krankmeldungen des Personals eine Bctriebsein schränkung vornehmen müssen. In einer Konferenz der städtischen Schulbehörden mit dem Stadtgesund­heitsamt ist beschlossen worden, sämtliche Frankfurter Schulen von Freitag, 27. Ja nuar, an zu schließen. Der Wiederbeginn der Schulen ist vorläufig auf Montag, 6. Februar, fest­gesetzt worden. Die Horte und Kindergärten sollen , vorläufig geöffnet bleiben. Auch die Kinderspeisung wird einstweilen aufrecht erhalten. Für besonders bedürftige Kinder werden Wärmehallen in den ein

1 zelnen Stadtteilen, errichtet.

gestern die erste Betreuungstätigkeit.

Von nun ab wird sich täglich das Notwerk für die Jugendlichen aus Gießen und Umgegend in der oben angedeuteten Weife abwickeln.

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