Das Saarland bekennt sich zn Deutschland nnd seinem Führer.
Eine Grflärung -er ^Deutschen $ronP im saarländischen Landesrat.
Saarbrücken, 24. Okt. (TU.) Der Landes- rat des Saargebtetes trat am Dienstag zu einer Vollversammlung zusammen. Der Sprecher der Deutschen Front Aba. Levacher gab eine Erklärung ab, in der er yeißt: Im Namen der Mitglieder der NSDAP, und der ehemaligen Fraktion de» Zentrums, der Deutschen Saarländischen Dolkspar- tei und der Bürgerlichen Mitte habe ich die Erklärung abzugeben, daß wir uns zur Fraktion der „Deutschen Front" zusammengeschlossen haben.
Die Deutsche Jronl hat den einzigen Zweck, unter Hintanstellung aller parteimäßigen Gesichtspunkte da» große Ziel zu erreichen, alle Deutschgesinnten im Saargebiet zusammenzuschließen, um dadurch die Heimkehr unserer Heimat zum heißgeliebten deutschen Vaterlande sicherzuslellen.
Wie es bereits die Presse getan hat, so fordern auch wir alle ehrlich Deutschgesinnten des Saargebiete» auf, sich in dieser Front zusammenzufinden. Unsere Einstellung zum deutschen Vaterland auch in seiner Neugestaltung liegt eindeutig fest. Auch durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund hat sich diese Lage nicht verändert. Der Landesrat hat lange und schwere Jahre hindurch für die Rückkehr zur Heimat gekämpft, ohne daß Deutschland Mit- t glied des Völkerbundes war. Er wird diesen Kampf mit derselben Straft und Leidenschaft weiter- 1
führen, nachdem Deutschland den Austritt au» dem Völkerbund angekündigt hat.
wir erklären heute au»drücklich, die deutsche Bevölkerung im Saargebiet fleht mit dem Führer aller Deutschen, dem Volkskanzler Adolf Hitler auf dem Standpunkt der Ehre und Gleichberech tigung. Es muß endlich aufhören, daß die Saarfrage immer wieder al» eine wirtschaft»frage angesehen wird. Sie ist für da» deutsche Volk eine Ehren- frage, au» deren Lösung sich allerding» wirtschaftliche Fragen ergeben, die wiederum gelöst werden müssen.
Tanz abgesehen davon, daß diese Wirtschaftsfragen ebenso wie die Ehrenfrage selber auch nur durch d i e Rückgliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich gelöst werden könne, muß es das Saaroolk in seinem nationalen Ehrgefühl fortgesetzt beleidigen, daß trotz seiner bisherigen treudeutschen Haltung 14 Jahre nach dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages die Regierungs- kommission des Saargebiets ebenso wie Die westeuropäische Welt den Wert der Saarkohle höher stellt al» die Ehre de» Saar- volles/
Als nach Ausführungen des kommunistischen Sprechers der Vorsitzende der Saarländischen so- zialdemokraten, Braun, das Wort ergriff, verließen die Landesratsmitglieder der Deutschen Front den Sitzungssaal, so daß Braun seine Tiraden vor leeren Bänken halten mußte.
Daladiers Sturz und seine Hintergründe.
Die Spaltung bei den Sozialisten.-Eine Krisis des parlamentarischen Systems.
Drahtbericht unseres v. G.«Äerichtersiatters.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Pari», 24. Oktober 1933.
Eine Regierungskrise — schon ganze neun Monate haben wir hier keine mehr erlebt — hat nun wieder einmal am Dienstag früh um drei Uhr das nächtliche Parlamentsgetriebe im Palais Bourbon beschlossen. Die Herrschaft der Zahl war auch Diesmal stärker als die zielbewußte Haltung. D a - l a ö i e r s. Man muß erkennen, daß der französische Ministerpräsident bis zum letzten A u - aenblick fest und konsequent geblieben ist. Aber die Vertreter des „souveränen Volkes", das nebenbei bemerkt durch über 2000 Polizisten mit einem förmlichen Belagerungszustand am aktiven Auftreten in den geheiligten hallen der Kammer verhindert werden mußte, zeigten keine Neigung, ihr Verhältnis zu den Wählern zugunsten Daladiers zu belasten.
Daladier hat den Bestand feiner Regierung für die notwendige Gesundung des Staatshaushalts aufs Spiel gefetzt. Der Einsatz war hoch. Die Entscheidung ist nach langem hin und her gegen ihn ausgefallen, weil die Bindungen der Sozial! st en um Lson Blum stärker waren als seine igenen Trümpfe. Mit 55 gegen 45 Stimmen bei acht Enthaltungen beschloß die sozialistische Fraktion in der Nacht zum Dienstag, jede Kürzung der Beamtengehälter — die nebenbei bemerkt vielfach das Doppelte der Vorkriegsgehälter betragen — abzulehnen, und Damit war Das Schicksal der Regierung Daladier besiegelt. Der Ministerpräsident versuchte noch in letzter Stunde die Opfer, Die er Der Kammer und Der Nation abverlangte, mit Der vom neuen DeutschlanD entlehnten Parole „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" Durchzudrücken. Aber bezeichnenderweise reagierte das heute noch in Frankreich herrschende parlamentarische System bar- auf so gut wie gar nicht. Die Sozialisten schwankten lange zwischen lauer Gefolgschaft zur Regierung und ihren marxistischen Leitsätzen, erlagen aber dann schließlich doch dem Druck Der Gewerkschaften und ihren inneren Zwistigkeiten.
So ist nun freilich die Regierung Daladier ge- stürzt, gleichzeitig aber rft eine unüberbrückbare Spaltung im sozialistischen La- g e r eingetreten. Einige Dutzend sozialistischer Abgeordnete haben es gewagt, für Daladier zu stimmen, obwohl ihnen von der marxistischen Mehr- l)eit der Partei mit Ausschluß gedroht war. Ihr Geschick ist nun auf Gedeih und Verderb mit dem aller künftigen Regierungen verknüpft, minbe- sten» Ws zu Kammerneuwahlen. Denn es ist nicht anzunehmen, baß irgend eins der etwa denkbaren Kabinette in Der nächsten Zeit noch Neigung zeigen wird, auf Die angeblich wohlwollenDe Unterstützung Der sozialistischen Fraktion 24on Blums zu bauen, mit Der Drei vorangegangene Regierungen sehr schlechte Erfahrungen machen mußten.
Der äußere Anlaß zum Sturz Dalabies hatte rein innerpolitisches Gepräge. Man Darf Darüber aber Die außenpolitischenMo- mente. Die zu Diefer Regierungskrise mitführten, nicht überleben. Möglicherweise wäre es Daladier, Der noch vor knapp zwei Wochen in der gesamten französischen veffentlichkenit als der ft a r f e Mann ber Mitte galt, gelungen, sich am Ruder zu Halten, wenn bic unbestreitbare Notwendigkeit einer Sanierung des Haushalts und der öffentlichen Finanzen von ihm nicht mit einem Hinweis auf die aiißenpolitfiche Lage begründet worben wäre. Der Franzose ijt an sich von Haus aus steuer- frfjeu. Er verträgt es aber schon gar nicht, wenn ihm notroenblge Opfer mit außenpolitischen Argumenten abgenötigt werden sollen.
Wie wirb nun bas künftige französische Kabinett aussehen? Seit langer Zeit zum erftenmale ergibt sich burch bte Spaltung im sozia- listischen Lager bic Möglichkeit, bie Regierungs- grunblagen weiter rechts als bisher zu suchen. Es ist hiernach benkbar, baß bie N e u s o z i a l i ft e n künftig bie Mitverantwortung an der Politik durch einen förmlichen Eintritt in bie R e - g i e r u n g übernehmen, wenn baburch eine aus* reithenbe parlamentarische Orunblagc sichergestellt wirb. Allerbings wirb ihnen bas für alle Dauer bie erbitterte Gegnerschaft L4on Blums unb seiner Ge- nossen eintragen. Unb bamit würbe bann auch bas Gebilbe, bas man zu Unrecht als Kartell bezeichnet hat, weil bic Bindung Der Sozialisten an bie Rabikalsozialisten nur sehr lose war, e n b g u l - tig erlebt gt sein. Zwar blieben auch bei einem sogenannten „Kabinett Der Konzentration" Die Radikal sozia listen der Kern der neuen Regierungsfront. Man hofft aber, bie wirksame
Unterstützung ber Kammergruppe Flandin au finben unb bamit stabilere Regierungsoerhältnisse herbeiführen zu können. Es ist bezeichnen!», baß D a ( a b i e r auch in bissen ersten Kombinationen wieber auftaucht, zwar nicht als Ministerpräsibent, aber boch als Außenminister, so baß ihm einer ber wichtigsten Posten auch in einem solchen Kabinett verbliebe.
Der Ausgang ber Bemühungen Lebruns bleibt abzuwarten. Dem gestürzten Kabinett hat es an Mut unb Zähigkeit nicht gefehlt. Die 92. Regierung ber Dritten Reoudlik, bie heute vom Staatspräsidenten Abschnieo nimmt, hat auch immerhin b e n Lebensburchschnitt, ber sich feit 1870 für bic wechselnben französischen Kabinette errechnen läßt, um einiges überschritten, unb bas ist in einer Zeit vielfältiger Krisen schon etwas. Im Zeichen einer schwierigen Finanzlage mußte Dalabier bie Zügel übernehmen, unb biefe Last ist er bis zu seinem Sturz nicht losgeworben. Mit Energie unb Mut hat er versucht, bie erschütterte Staatsautorität zu festigen. Die Systemkrise aber konnte auch er nicht bannen. Stier- schiebene Streiks, offene Auflehnung einzelner Interessengruppen gegen bie staatliche Exekutive unb die fteiaenbe Zahl ber oerfaffungsänbernben Vorschläge währenb Der letzten Monate reDen eine deutliche Sprache. Auch in Frankreich fängt man allmählich an, des ewigen Parlamentsgetriebes müde zu wer- den, unb bie Stimmen mehren sich, bie für eine ft raffe, pon ber Kammer unabhängige autoritäre Staatsgewalt pläbieren. Sicherlich war Dalabier noch nicht bas letzte Opfer bes ewigen parlamentarischen Krisenspiels. Sein Sturz wird aber — das ist ganz sicher — zu einer weiteren Diskreditierung des parlamentarischen Systems und zu einer Stärkung des staatlichen Autoritätsprinzips beitragen, namentlich, wenn es nicht gelingt, die Regierungskrise rasch und wirksam zu beheben.
Lebrun nimmt Fühlung.
Paris, 24.Okt. (TU.) Der Präsident ber Re- publik hat am Dienstagnachmittag bie Vorsitzenben ber Senats- und Kammerausschüsse sowie der Frak- tionen empfangen. Die Möglichkeit einer Regierung des Kartells der Linken wird von sämtlichen Par- lamentariern ohne Unterschied der Parteien für aus- geschlossen erklärt. In den Voraussagen politischer Kreise halten sich der bisherige Innenminister Ehautemps und Kriegsmarineminister S a r ■ raut bie Waage. Als Außenseiter wird auch der ehemalige Staatspräsident Doumergue genannt, den man im Augenblick als die einzige Persönlichkeit bezeichnet, der die sogenannte nationale Einigung herbeiführen könne. Während die Einen behaupten, daß Präsident Lebrun sich bis spätestens Mittwochabend entscheiden werde, glauben die Anderen an eine verhältnismäßig lange Dauer der Krise.
Paul Reynaud mies daraufhin daß es sich weniger um eine parlamentarische Krise als um eine Systemkrise handele. Die Frage sei heute, ob bic Rabikalsozialisten Den Mut ausbräch- ten, cnDgültig mit ben Sozial! st en zu brechen. Er befürchte aber, daß einige Zwi - schenversuche notwendig seien, ehe 'diese psychologische Entwicklung in den Reihen der Radikalsozialisten sich vollziehen könne. — larbieu erklärte, ber springende Punkt der gegenwärtigen Krise liege 'i\ dem Zerfall der Einheit der sozialistischen Par- tei. Parlamentarisch betrachtet, bleibe Löon Blum Herr de» Sozialismus. Die bisherige Mehrheit, bie bereits ben Sturz Herriots unb Paul-Boncours ge- forbert habe, sei endgültig tot. — Der sozialistische Abgeorbnete Deat, ber Der Gruppe Renaubel an- gehört, erklärt im „Appel", baß er und seine Freunde nicht für ober gegen ben Artikel 37 gestimmt hätten, sonbern für bie allgemeine Politik ber Regierung in außen- unb innerpolitischer Hinsicht.
Der „lemps* schreibt: Das aus Den Maiwah- len von 1932 siegreich hervorgegangene Kartell ber Linken hat fein brittes Ministerium verschlungen. Wieber einmal zeigt sich, wie unvereinbar Die Doktrin Der RaDikalen unD Des Sozialismus sinD, deren Bündnis Die Nationale Union Poincarö» erschlagen hatte. WieDer einmal hat sich bie Union ber Linken ul» regierungs- unfähig erwiesen. Der „lemp»" hält bie Ruck- kehr zur nationalen (Einigung für bie einzig mögliche Cölung. Auch das „Journal bes
4 b a t •“ vertritt Diese Auflistung, weil im Vor- Dergrunb aller Erwägungen Die Rettung Der
Finanzen unb bte Sanierung ber nationalen Berte ibigung stehen müßte unb bie» nur durch bie nationale Einigung nach Dem Muster Poincars» erzielt werden konnte. Der ehemalige Finanzminister Tardieus, Flandin, hat * in einer Bankettrebe Die Radikalen aufgeforbert, sich endgültig von ben Sozialisten loszusagen und den Anschluß nach recht» zu juchen und o eine weitgehende Konzentration ber Mitte zu ermöglichen.
Was sagt man in Berlin?
Berlin, 24. Okt. (END.) Der Sturz bes Kabinetts Dalabier wirb in Berliner politischen Kreisen burchaus ruhig unb adwartenb beurteilt Man rechnet Damit, baß bie Neubildung der französischen Regierung nicht ohne Schwierigkeiten vor sich gehen wirb. Da es wegen ber oppositionellen Haltung ber sozialistischen Opposition kaum möglich sein wirb, auf ber Basis ber bisherigen Kabinettsbeschlüsse bie Finanzreform zu schaffen. Auch hinsichtlich ber Besetzung bes Außen- Ministeriums ist es noch burchaus unklar, ob Dalabier, wenn ihm überhaupt biefes Ministerium angeboten wirb, es annehmen würbe.
Das Kabinett Dalabier ist, vom beutschen Standpunkt aus gesehen, in erster Linie unter dem Gesichtspunkt ber Abrüstungsfrage in Erscheinung getreten. Im allgemeinen hat Dalabier bei aller Betonung bes französischen Stanbpunftes sich immer al» Gentleman gezeigt unb noch in seiner letzten außenpolitischen Rebe aerobe unter Betonung seines Stanbpunttes als Frontkämpfer seine Achtung vor ben beutschen Front- lameraben unterstrichen. Dalabiers Selbstsicher- beit bürste nicht zuletzt auf bem Einbruck beruhen, ben er bei feiner Besichtigungsreise burch bie französischen O st d e f e st i g u n - gen erworben hatte. Sympathisch berührt gerabe unter biesen Einbrücken bie Tatsache, baß sich Dalabier von ben gewollten Minberwertigkcitskomplexen anberer französischer Staatsmänner frei hielt unb mit Stolz Die machtvollen Befestigungen unb Rüstungen Frankreichs an feiner Ostfront Immer betonte.
Öen Düsseldorfer Separa- tistenkampfern als Dank und
Anerkennung.
Berlin, 24. Okt. (ERB.) Wie ber Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat ber preußische Ministerpräsibent unb Minister bes Inneren (Boring als äußeres Zeichen bes Dankes unb ber Anerkennung für bie Düffelborfer Separatistenkämpfer folgenbe Bekanntmachung erlassen:
Als im Jahre 1923 bas Deutsche Reich ohnmächtig nach außen unb zerrissen im Inneren oarnieberlaq, bereiteten Hochverräter am beutschen Rhein bie AbtrennungbcsRheinlanbes vom Reiche vor. Mit ben Siegermächten würbe über Anerkennung bes Rheinlanbes als felbftänbiger Staat verhanbelt. Der Tag ber Ausrufung ber „Rheinischen Republik" war festgesetzt, fianb- frembes Volk unb vaterlanbslose G e - seilen würben als Heercsmacht ber „Rheinischen
Republik" angeworben unb betoaUnti Am 30. September 1923 würben sie nach Düsseldorf Aulammengcrufen, um — unter bem Schutze bet fremden Besatzung — ben beutschen Behörden Dil vollziehende Gewalt zu entreißen.
An jenem denkwürdigen Tage waren e» dis tapferen und pflichttreuen Offiziere unb Ma n n f d) a f t c n der Düsseldorfer Schutzpolizei und der städtischen Polizei, Du sich ben Verrätern entgegenroarien unb sie nach erbittertem Kampfe aus ber Stabt vertrieben Mißhandlung durch bie Besatzung, Ausweisung unb schwere Kerkerstrafen waren Die Folgen. Fünf Kameraden, die Polizeiwachtmeister Koehnen, Meg. ftaenbeler, Merten» und Der Polizeibetriebsassistent Eschen ftarben Den Hel- Den t o D.
Diese Abwehr Der separatistischen Verräter war er sie Aufbauarbeit am neuen Deutlet)- l a n D. Die Toten Diese» Kampfe» fielen als Vorkämpfer für Da» Dritte Reich. In lebenDiger (Erinnerung an Die Ereignisse vor zehn Jahren geDenks ich in Dankbarkeit unb Anerkennung ber tapferen Kämpfer gegen ben Separatismus. Die am 30. September 1933 ber Schutzpolizei Düsseldorf verliehene Fahne soll der sichtbare Ausdruck dieses Gedenken» sein.
Marxistische öeulschenhehe im Genfer Arbeitsamt.
Genf, 24. Okt (TU.) Im Verwaltungsrat Des Internationalen Arbeitsamtes, in Dem DeutschlanD seit Dem AusschciDen aus Dem Völkerbund nicht mehr vertreten ist, kam es bei einer Interpellation bes französischen Gewerkschaftlers Iouhaux zu einer lebhaften Aussprache über bas Ausscheiben bes früheren beutschen sozialistischen Vertreter» Leuschner, bes ehemaligen hessischen Innenministers, ber im Laufe bes Sommers verhaftet worben war. Der Direktor bes Internationalen Arbeitsamtes, Buttler, gab eine Mitteilung bes Reichsarbeitsministers bekannt, nach ber bie Verhaftung Leufchners in keiner- lei Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit al» Ä r b e i t e r o e r t r e t e r im Verwaltungsrat stehe. Iouhaux benutzt« bie Gelegenheit, um sich in groben Beschimpfungen unb Angriffen gegen bte beutsche Regierung zu ergehen. Mit ber üblichen Demagogie unb mit größtem Stimmcnaufroanb glaubte er, bie amtlich« beutsche Mitteilung in Zweifel ziehen zu müssen, behauptete sogar. Die Deutsche Regierung habe sich eines Bruches Des Teiles 13 bes Versailler Vertrages schulbig gemacht unb verlangte einen offi- 3 teilen Protest bes Verwaltungsrates. Zur allgemeinen Ueberraschung brachte bann ber französische ’Regierungsoertreter Piquenarb einen Antrag ein, nach bem ber Verwaltungsrat sich barauf beschränkt, von ber Mitteilung bes Rcichsardeits- Ministers Kenntnis zu nehmen unb zur lagesorbnung überzugehen. Der französische Antraa würbe von ben Regierungsoertretern Englands, Italiens, Belgiens, Dänemarks, Australiens, Brasiliens unb Kanabas unterstützt unb mit 16 Stimmen bei Stimmenthaltung Der Marxistengruppe angenommen.
Weitere Zeugenvernehmungen im Reichstagsbrandsiisterprozeß.
Ein Brandexperiment mit der „Flüssigkeit"
Berlin, 24. Okt. Zu Beginn Der heutigen 23er- hanDlung wirD bas Branb-Experiment mit ber selbstentzünblichen Flüssigkeit gemacht. Der Sachoerstänbige Dr. Schatz gibt an, baß er nach bem Branbe im Plenarsaal unb im Erbreich unter bem Präsibentensitz Rückstände gesunden habe, bie nur von ber Zünbflüssigkeit herrühren konnten. Er habe nach bem Brandexperiment bic selbstentzünbliche Flüssigkeit unb Petroleum auf seine Hänbe gerieben unb zwei Schupobeamte gefragt, ob sie an ihm einen bestimmten Geruch wahrnehmen. Beibe Beamten hätten bas verneint. Zwei Reichstagsbeamte, bie er nicht vorher aufmerksam gemacht habe, hätten an ihm keinen Geruch wahrgenommen, obwohl er seine Hänbe nahe an bas Gesicht ber Beamten herangebracht habe. Die Branbspuren an bem weggeworfenen Mante l st ü ck van ber Lübbes feien fo eigenartig, baß sich bie Vermutung aufbränge, van ber ßubbe habe ein mit ber Zünbflüssigkeit getränktes Stück Kohlcnanzünbcr in ber Tasche gehabt. Dieser Kohlenanzünber habe sich bann selbst entzündet und im Mantel gebrannt. Van ber ßubbe habe bann ben Mantel abgeworfen.
Torglers Aktentasche.
Frau P r e tz s ch aus Karlshorst, beren Wohnung ber Torglers gegenüberliegt, betunbet, sie habe am 27. Februar vormittags in ber 11. Stunde zusammen mit ihrem Sohn ben Abgcorbneten lorgler getroffen, ber zwei schwere Taschen trug. Er habe sie etwas scheu ange- ehen, als er haarscharf an ihnen oorüberging. Als ie am nächsten Morgen vom Rcichstagsbranb er- uhren, habe ihr Sayn gesagt, nun wisse er auch, warum Torgier bic schweren Taschen getragen habe. Der Zeugin wirb dann die mit Leitungen gefüllte Aktentasche Torglers vorgelegt. Sie erklärt jedoch, daß die oorgezcigte Mappe damals nicht dabei gewesen sei.
Der Verkäufer Möller, der Sohn der Zeugin Prctzsch bestätigt die Angaben seiner Mutter. Dem Zeugen wird dann die Tasche Torglers gezeigt. (Er erklärt, daß dies die eine gewesen sein könne, wäh- renb die andere größer gewesen sei. Rechtsanwalt Dr. Pelkmann fragt, ob der Zeuge Möller es für möglich halte, baß bie schwcrenTaschen Torg- lers mit Zeitungen gefüllt waren. Der Zeuge erwidert, baß da» sein könne. Der Vorsitzende hält bem Zeugen vor, baß er bei seiner ersten Vernehmung gesagt habe, Zeitungen hätten nicht in der Tasche fein können, dazu seien die Taschen zu schwer gewesen.
Rechtsanwalt Dr. Pelkmann bittet bann ben Vorsitzenben, Dorgier zu gestatten, seine Aktentasche so mit Zeitungen zu füllen, wie er bas gewohnt war. Torgier erhält die Genehmigung unb geht dann, in jeder Hand eine ber vollgepfropften Taschen tragend, im Derhanblungsraum an dem Zeugen Moller vorüber. Dieser erklärt, daß Torgier damals ungefähr dieselbe Haltung gezeigt habe, wie jetzt Dann nimmt ber Zeuge selbst eine ber Taschen in bie Hand und erklärt, daß Die Tasche sehr schwer sei.
öie Sekretärin
der Kommunistischen Reichs- tagssraktion sagt aus.
Die frühere Sekretärin ber kommunistischen Reichstagsfraktion Frau Rehme bekundet, daß sie am 27. Februar gegen 11.30 Uhr in den Reichstag gekommen fei, wo Torglcr schon anwesend war. Koenen sei erst etwa um 18.30 Uhr in den Reichstag gekommen. Ein gewisser Bruno aus Dem Karl-Liebknecht-Haus habe mit Torgier, Koenen unD anDeren gesprochen unD sei etwa um 18.30 Uhr wieder gegangen. Torgier, Koenen und sie selber hätten kurz vor 20.30 Uhr, keinesfalls aber später als 2035 Uhr Den Reichstag verlassen. Von einem fluchtartigen Verlassen de» Reichstage» könne keine ReDe sein, weil sie selbst wegen eines Dicken Verbandes um Den Fuß nur langsam habe gehen können.
Dr. EoenDers: Ist Ihnen Dirn! troff bekannt? — Zeugin: Nein. — Dr. EoenDers: Auch Popoff unb die anderen nicht? — Zeugin: Nein.
Dr. Eoenders: Sind mal irgendwelche Sachen auf Zimmer 9 abgegeben worden, Pakete oder sonstige Gegenstände?
Zeugin: Daran kann ich mich nicht erinnern. CE» war manchmal etwas bestellt oder angemeldet, Schreibmaterial usw. Da» wurde Dann geholt ober abaeliefert.
Dr. Eoenbers: Ich frage Sie jetzt birekt — Sie können bie Antwort verweigern —: S i n D 6 i e in irgendeiner Weise an Der Brand st if- tung beteiligt ober haben Sie Kenntnis davon gehabt? Da» geht auf Ihren Eid.
Zeugin: Nein.
Em Pförtner will Oimitrvff wiedererkennen.
Dem nächsten Zeugen, Kanzleiafsistent Hörne- mann, ber den Dienst bes Tagespförtners am Dortal 5 versieht, ist bas Verhalten be» Adgcorb- neten Koenen an diesem Tage ausgefallen, ber schnell unb ohne Gruß an ber Loge oorbeigegan- gen lei. Einige Herren machten ihn barauf aufmerksam, baß sie Benzin im Reichstag ge- rochen hätten. Einer ber Herren habe gesagt: Der Reichstag kann ja in bie Lust fliegen. Der Zeuge weist auf Dimi troff unb glaubt in ihm ben Mann wieberzuerkennen, Der Das gesagt hat.
Angeklagter Dimttroff: Wann hat mich Der Zeuge im Reichstage gesehen?
Zeuge: Am Vranbtage nach 15 Uhr.
Simitroff: Haben Sie nach Dem Brande mein Bild in der Zeitung gesehen?
Zeuge: Jawohl, ich hatte gleich da» innere Gefühl, da» könnte ber gewesen sein.
Dimitroff: Haben Sie bas bem Untersuchungsrichter mitgeteilt?
Zeuge: Nein.
Dimitroff laut und energisch: Warum nicht?
Zeuge: Weil ich nicht ganz sicher war. Jetzt febe ich aber ben Herrn besser unb natürlich. Das Bild tauscht manchmal.
Vorsitzender: Können Sie sich auch irren?
Zeuge: Ganz genau kann ich es nicht jagttk y


