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24.11.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 2Z6 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Sreitag, 24. November M3

Der Gedenkstein für den Rennfahrer Silo Mrz.

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Der Gedenkstein an der Avus, der aus einem 300 Zentner schweren Findlingsblock beftebt,., ist der Er­innerung an den Altmeister der deutschen Autorennfahrer Otto Merz gewidmet, der auf der Berliner Avus am 19. Mai d. I. bei einer Trcriningsfahrt tödlich verunglückte.

Wie vor tausend Jahren...

Besuch bei den letzten deutschen Köhlern.

Von Martin Oey.

... und schließlich fand die verirrte Prinzessin bei einem Köhler Unterkunft, dessen armselige Hütte im tiefen Walde versteckt lag." In wieviel Märchen und Sagen haben wir in unserer Kindheit nicht da­von gelesen, daß Kaiser und Könige, Fürsten und hohe Herren, Verirrte und Verfolgte in der Hütte eines Köhlers Schutz und Rettung fanden? Diese romantischen Erinnerungen sind das ein­zige, was man im allgemeinen heute noch von den Köhlern und ihrem Berufe weiß. Die 3eit in der Prinzessinnen und Kaiser sich nachts im Walde zu verirren pflegten, ist lange vorüber. Und von den Köhlern selbst hat man, wie von allen schwarzen, berußten Männern mit schwieligen Händen noch nie gern Geschichten erzählt.

So kommt es, daß man von den Köhlern, den Holzkohlenbrennern, recht wenig weiß, ob­wohl sie einen der ältesten deutschen Be­rufe darstellen und auch heute noch nicht ausgestor­ben sind, denn im Erzgebirge, in der Eifel und vor allen Dingen in den Bergen des Siegerlandes gibt es heute noch Köhler; Köhler, die genau wie vor tausend Jahren in qualmenden Meilern Holz zu Kohle brennen. Teures Holz zu Kohle brennen, ob­wohl die modernen Bergwerke mehr Kohle fördern als die Wirtschaft gegenwärtig überhaupt verbrau­chen kann? Allerdings, das ist erstaunlich, und zwar um so mehr, als die wenigen Holzkohlen, die gewisse Zweige der Industrie, der Stahlindustrie zum Bei­spiel auch heute benötigen, von den chemischen Holz­verkohlungsfabriken als billiges Nebenprodukt auf den Markt geworfen werden. Aber die Köhler sind bescheiden und genügsam, und so haben einige we­nige die Konkurrenz der chemischen Holzverkohlungs­industrie bis heute erfolgreich überstehen können.

In der Nähe des kleinen Oertchens Walpersdorf an der oberen Sieg betreiben noch einige Köhler­familien ihr uraltes Handwerk. Es ist nicht leicht, sie in der Einsamkeit ihrer Wälder aufzustöbern. Man muß viele Stunden durch unwegsame Berge und dichte Wälder wandern, ehe man sie in ihrer Weltabgeschiedenheit aufspürt.

Schon lange, ehe man sein Ziel erreicht, atmet man den würzigen Brandgeruch ein, der in weitem Umkreis um die Meiler in der Luft hängt. Ungedul­dig schlägt man ein schnelleres Tempo an; aber es dauert noch eine gute Weile bis man den ersten qualmenden Meiler plötzlich, als ein Windstoß den dichten Rauch für einen Augenblick verjagt, mitten im Gewirr hoher Buchenstämme erblickt. Von irgendwoher aus dem gespenstischen Halbdunkel des Waldes ertönen Axtschläge. Ich gehe dem Klang nach und sehe nun in einer kleinen Lichtung noch zwei weitere Meiler vor mir. Sie brennen aller­dings noch nicht. Ja, sie sind noch nicht einmal fertig ausgeschichtet.

Hier sind die Köhler noch mitten in ihrer Arbeit. Zunächst sind sie roorttarg und wollen, wenn man nach diesem oder jenem fragt, nicht recht mit der Sprache herausrücken. Schließlich stehen sie aber doch Rede und Antwort und man erfährt eine Reihe von interessanten Dingen.

Der romantische Schimmer der diesen Beruf zu­nächst noch in unserer Vorstellung umgibt, verfliegt, sobald man von den Sorgen und Nöten erfährt, die mit ihm Zusammenhängen. Es ist ein Gewerbe, bei dem genau so nüchtern gerechnet und kalkuliert wer­den muß, wie in jedem anderen gewerblichen Be­triebe auch.

Sehen Sie", sagt der Kohlmeister,wir müssen zu dreien vierzehn Tage lang ununterbrochen an einem Meiler arbeiten und haben schließlich doch nur hundert Mark daran verdient. Da fällt auf jeden ein Wochenoerdienst von kaum fünf­zehn Mark. Aber was will man machen, fünf­zehn Mark sind heute viel Geld."

Sie müssen an einem Meiler zu dreien vierzehn Tage lang arbeiten? Aber die Meiler brennen doch dort drüben friedlich und in Ruhe allein weiter, ohne daß sich eine Seele darum kümmert."

..Gewiß, sie brennen allein, aber man darf sie doch nicht unbeaufsichtigt lassen, sonst schlägt das Feuer durch und der Meiler brennt ab. Das Holz darf ja nicht mit offener Flamme brennen, sondern

Die feierliche parlaments-LköffMW in London.

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Die Prunkkarosse des Königs auf der Fahrt vom Buckingham-Palast zum Parlamentsgebäude.

nur in langsamer Glut verkohlen. Der Brand muß darum durch Luftkanäle reguliert und durch sorg­fältiges Nachheizen richtig geleitet werden."

Was, heizen müssen Sie Ihren brennenden Holzberg auch noch?"

Der Kohlmeister ist erstaunt über meine Frage. Aber da ich gern alle Vorgänge ganz genau wissen möchte, erklärt er mir in einem umständlichen Vor­trag alle Einzelheiten der verschiedenen Arbeitsgänge seines Berufes.

Zunächst muß der Meiler aufgeschichtet werden. Drei Schichten Holz von je einem Meter Höhe werden so übereinander gestapelt, daß der fertige Meiler einen Durchmesser von vier bis sechs Meter hat. Dann wird er mit dünnem Knüppelholz bedeckt und mit großen Rasenplacken und einer dicken Schicht Erde luftdicht abgeschlossen. Nun kann der Meiler ange- zündet werden. Von oben her wird ein Loch in den Holzberg geklaubt und mit brennendem, klein gehack­tem Holz gefüllt. Der Holzbrand schwelt unter der Rasendecke allmählich weiter und frißt sich langsam nach den Rändern des Meilers durch. In den ersten Tagen muß der Holzberg alle zwei bis drei Stunden mit frifchem Brand nachgefüllt werden. Den unsicht­baren Meilerbrand unter der Rasendecke durch das Rohren immer neuer Luftlöcher richtig und gleich­mäßig zu leiten, erfordert eine langjährige Erfah­rung. Trotzdem kommt es immer wieder vor daß der Brand an einer Stelle die Rasendecke durchbricht. Darum muß der Meiler Tag und Nacht un­ter Aufsicht stehen; und der Köhler muß nachts in einer primitiven Hütte neben seinem schwelenden Holzberg übernachten. Mit der fortschreitenden Ver­kohlung sackt der Meiler mehr und mehr in sich zu- sammen. Allein in der Höhe verliert er fast einen Meter, ebenso verringert sich fein Umfang. Die Erd­decke sackt nach und muß dauernd festgetreten und in den letzten Tagen des Brandes sogar feucht gc- halten werden. So wird der Meiler je nach der Witterung in acht bis zehn oder auch zwölf Tagen langsamgar" und kann endlich gelöscht werden. Er wird aufs Neue vollkommen luftdicht abgeschlos- sen und dann vorsichtig geöffnet. Unter den nach­fallenden Rasenplacken holt der Köhler ein glühend­heißes Holzscheit nach dem andern aus dem Bau. Schnell kühlt es sich ab und die schwarze, stahl­blau schimmernde Holzkohle, die metal- lisch klingt, wenn man sie aufstapelt, ist fertig.

Viele harte Arbeit in Ruß und Rauch ist notwendig gewesen, um aus weißem Buchenholz schwarze Kohle zu brennen. Manche Nacht bei Sturm und Regen mußte in der primitiven Köhler­hütte gewacht werden, um das Feuer in feinem

Bann zu halten.Aber schön", sagt der Kohlmeister, ist unser Beruf doch und gesund. Wenn man Köh­ler wird, hat man die beste Gewähr, lange zu leben. Nur mehr verdienen müßte man, dann wäre alles gut. Aber warten wir ab. Vielleicht werden die Zei­ten auch für uns wieder besser. Wir Köhler haben so viele Jahrhunderte überstanden, da werden wir doch auch mit diesen Zeiten fertig werden.

Hitler schasst Arbeit!

Weitere bewilligte Maßnahmen im Arbells- beschaffungsprogramm:

Maßnahme Tagewerk«

auf der

Baustelle

Instandsetzung des Krankenhauses der Franziskanerschute und der Sophien- brücke in Wetzlar 1600

Bauliche und sanitäre Umgestaltung von hospiziengebäudenInvalidenhaus und Knebelscher Hof", Altersheim für In­validen und Sozialrentner in M a i n; 13908

Stahlhelm-Bundes-Hauptmann von Stephani wurde anläßlich der Organisation des Stahlhelms als SA.-Reserve I zum Oberstlandesführer dieser SA.-Reserve ernannt.

Deutsches Werden, Deutsche Bühne.

Von Or. Karl Nuckelshausen, Gießen.

Nach knapp zwei Monaten der werbenden und organisatorischen Arbeit hat die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Bühne e. V. vor wenigen Tagen die Mitgliederzahl 1000 überschritten. Wenn dies auch kein Anlaß ist, die Werbetätigkeit erlahmen zu las­sen, so darf doch nunmehr gesagt werden, daß unsre Ortsgruppe lebensfähig und der organisatorische Ausbau gelungen ist.

Daher ist es an der Zeit, die rein kulturellen Ausgaben, welche der Deutschen Bühne für Gegen­wart und Zukunft zufallen, zu erörtern.

Es hat seine besondere Bedeutung, daß aus dem ^Kampfbund für beutscke Kultur" derReichsoer- band Deutsche Bühne" hervorgegangen ist, der nach dem Willen unsres Führers Adolf Hitler die ein­zige Organisation der Theaterbesucher ist und sein wirb. Solche straffe Zusammenfassung aller auf­bauwilligen Deutschen soll das starke Fundament schassen, auf dem das deutsche National- t h e a t e r als Verkünder echter deutscher Kultur errichtet werden kann. Der schon eineinhalb Jahr­hunderte zurückliegende bittere Irrtum Lessings, solch Nationaltheater könne ohne die Einheit einer Nation erstehen, hat unseren Führer den einzig siche­ren Weg gezeigt: die kulturellen Ausgaben der Deutschen Bühne müssen im völkisch-politischen Aus­bau verankert fei .. Denn erst wenn sich die Deut- chen zu artgemäßer Lebensbejahunq zusammen- jefunben haben, ist bie grunblegenbe Voraussetzung ür ben Erfolg geschaffen. Die Ereignisse bes Jah­res 1933 unb vor allem bas Ergebnis ber letzten Wahl haben erwiesen, baß wir Deutschen eine Nation, ein Volk im Sinne ber nationalsozialistischen Weltanschauung fein wollen unb zu einem guten Stück auch schon geworben finb. Das beutsche Natio­naltheater wirb also fest gegrünbet fein.

Wann aber wirb ber Bau in feiner stolzen, langersehnten Große fertig bastehen? Erst bann, wenn Dramatiker, Bühnenkünstler unb Theaterbe- sucher sich burch innerlichste Erneuerung ihres We­sens zusammengesuNben haben. Der W i l l e zu Er­neuerung unb Läuterung ist nur Weg; tiefes, gro­ßes Erlebnis ber Erneuerung ist bagegen Ziel.

Nur ein gegenseitiges Sichbeschenken unb Färbern von Künstler unb Volk führt zu biefem Ziel. Drum

soll bem Künstler, ber aus seiner Begeisterung her­aus helbische Werke schafft, bas Leben unsres Volks­tums Vorbilber weisen. Ebensowohl wie Helben bes Schlachtfelbes gibt es im Wiberstreit menschlicher Konflikte auch Helden der Arbeit, Helden der Pflicht­erfüllung und des Opfersinnes. Und die Freude deutschvölkischer Verbundenheit wird wieder den kerndeutschen Humor emporsprudeln lassen, den der Künstler in dem Gesäße edler Kunst auffangen soll.

Dem vorwärtsstrebenden Volksgenossen fei aber auch umgekehrt wieder der Künstler ein Wegwei­ser, indem er durch seine schöpferische Kraft und durch sein Sehertum die Zeichen unsrer Zeit deutet.

Deutsches Werden und deutsche Kunst müssen ein­ander stützen, sie müssen in fester Geschlossenheit und in opferfreudiger Hilfe ihren Weg zu deutscher Große suchen. Dieser Aufgabe dient die Deutsche Bühne.

Erneuerung des deutschen Theaters fordere die Erneuerung der deutschen Volksgenossen, und erst das Vorbild kerndeutschen Volkslebens wird dem Künstler die Kraft leihen, ein wahrhaft gestaltetes Bekenntnis in einem Kunstwerk stark pulsierenden Lebens auf die Bühne zu bringen. Das Leben im Kunstwerk und das Leben im Volkstum gehören zu­sammen.

Unsre Klassiker haben uns in den vergangenen Jahrhunderten ein Füllhorn edelster deutscher Büh­nendichtung geschenkt. Danach aber setzte unaufhalt­sam der Verfall der deutschen Kunst durch ihre un­deutschen Handlanger ein. Heute erleben wir die ersten starken Zeichen ber Neuerstehunq: lassen wir UNS ergreifen durch den heroisch-tiefgeistigenSchla- geter" von Hanns Jo Hst; freuen wir uns des volkstümlich-humorvollenWenn der Hahn kräht" von August Hinrichs; erkennen wir in dem mit dramatischem Fluß geschriebenen ZeitstückArbeit! Dienst! Pflicht!" von Heinrich Bartholomäus die tiefe, menschlich-sittliche Bedeutung des Arbeits­dienstes für die Auferstehung unsrer Nation; erleben wir das Letzte soldatischer Sterbebereitschaft im U-Boot 116" von Karl Lerbs; und schauen wir inAlle gegen einen, einer gegen Alle" von Fried­rich F o r ft e r das dichterische Gleichnis eines Füh­rers, der trotz Aechtung und Verfolgung die Er­hebung seines Volkes erzwingt. Verdichteten Zeit­geist, zeitgemäße Dichtung, das suchen wir! Solche Kunst, zu fordern, wirb bie Deutsche Bühne treue Helserin sein

Sie englischepulververschivörung

Eine distorische parallele zum deutschen Reichstagsbrand.

Von Or. 3 vorn, Gießen.

Als Jakob I., ber Sohn ber unglückseligen katho­lischen Schottenkönigin Maria Stuart, im Jahre 1603 in England zur Regierung kam, hofften die Katholiken auf bessere Behandlung, als sie ihnen unter Elisabeth zuteil geworden war. Aber sie sahen sich bitter enttäuscht, denn Jakob unterdrückte zwar die Protestanten, ließ aber auch die Katholiken seine Macht nicht minder empfindlich fühlen.

Und sie gerieten in eine solche Wut der ge­täuschten Hoffnung, daß einige verwegene Männer den teuflischen Plan faßten, den König und die angesehensten Protestanten des Landes während der Parlamentseröffnung in die Luft zu sprengen. Auch dem jungen Prinz Karl, dem späteren König Karl I., und selbst seiner Schwester Elisabeth, ber späteren Gemahlin des unglücklichen Winterkönigs von der Pfalz, war der Tod zugedacht. Auf den gelungenen Anschlag sollten eine katholische Erhe­bung und der spanische Einmarsch folgen.

Da damals die geräumigen Kelleraewölbe unter dem Parlamentsgebäude oft an Kaufleute als Warenlager vermietet waren, fiel es den Ver­schworenen nicht schwer, einen solchen Keller zu mieten und 36 Fässer voll Schießpulver hinein- schassen zu lassen. Mit seinen wildgedrehten Schnurr­bart und dem breitrandigen Schlapphut über der gerunzelten Stirn schien Guy Fawkes das Urbild fanatischer Verwegenheit zu sein; er hatte in Flan­dern im spanischen Heer gedient und sollte am 5. November 1605 bei der Eröffnung des neuen Parlamentes das ganze Gebäude in Brand stecken.

Aber einer der Verschwörer, der um das Leben eines befreundeten Abgeordneten bangte, schrieb die­sem mit verstellter Handschrift einen warnenden Brief, den der geängstigte Freund dem König vor­legen ließ. Sofort ahnte Jakobs argwöhnischer Sinn bie richtige Bebeutung bes terrible blow, von bem ber Brief geheimnisvoll schrieb, benn sein eige­ner Vater, Darnlei), war einst burch solch ein ter­rible blow in ber Kirche zu Fielb ins Jenseits be- förbert worben. In ber Nacht zum 5. November würben also sämtliche Keller unb Gewölbe von star­

ken Männern burchsucht, benen plötzlich neben einer schwach brennenben Kerze bas blasse Gesicht unseres Guy Fawkes sichtbar würbe. Grausame Marterun­gen im Tower folgten, unb schließlich würben er unb seine Hauptmitschulbigen hingerichtet.

Das einzige Ergebnis ber Puloerverschwörung war, baß bas Los ber Katholiken noch härter mürbe; bas Tor der politischen Gnade blieb ihnen noch lange verschlossen.

Große Freude herrschte in England über die Vereitelung des furchtbaren Planes, und noch jetzt, nach Hunderten von Jahren, ist der Tag nicht ver­gessen. Am Morgen des 5. November lärmen die englischen Knaben durch die Straßen, sie sammeln ein paar Pfennige in den Häusern unb erwerben bafür Brennstoff jeglicher Art. Am Abend bren­nen sie ein Freudenfeuer ab, wobei eine seltsame Gestalt aus Stroh und Lumpen, die den Guy Faw­kes darstellen soll, unter sieghaftem Getöse ver­brannt wird. Die ehemals drohende grauenhafte Gefahr wird so immer wieder bildlich überwunden. Und jeder Knabe behauptet, daß keine Kartoffeln oder Kastanien so gut schmecken wie die, die in dem G.-F.-Feuer geröstet worden sind.

So tief hat sich das Entsetzen über ben höllischen Plan ber Verschwörer in das englische Gemüt ein­gegraben, daß die Tradition bie Erinnerung an jene Tage wachhält. Seit Jahrhunberten durchsucht nun vor jeder Parlamentseröffnung eine besonders Kommission die Gewölbe und Keller nach etwa drohender Gefahr. Bedeutenden Schrittes und mit Tradition schwer beloben, steigt man hinunter, um in ben Kellerräumen, bie burch elektrisches Licht tag­hell erleuchtet finb, beim kümmerlichen Schein von bejahrten Laternen nach unljeilbrütenben Schuften Umschau zu halten. Erfrischung bei Kuchen unb Wein lohnt bie patriotische Tat; dem König wird telegraphisch oder telephonisch Botschaft, und Eng­lands Volksvertreter können beruhigt ihrer parla­mentarischen Arbeit obliegen.

Ganz gewiß würde das heutige England mit bem mobernen Guy Fawkes, bem stoischen Herrn van ber Lübbe, ebenso rasch unb nachbrücklich verfahren, wie Dlb Englanb im Jahre 1605. Ich glaube, Her­mann Goring hätte seine helle Freube an bem einbeutigen englischen Entscheib gegen hirnver- brannte Menschen, bie an ihrem Haus ber Nation blöben Frevel treiben wollen