nr.249 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Dienstag, 24. Oktober M3
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Die Kapelle der SA-Reserve Gießen
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Aus der Provinzialhauptstadt
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Saarlouis betret sich in weiten, grünen Grund
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ein eigenes Häuschen mit Garten: Bodenständigkeit zeichnet den Saarländer aus.
Die Spicherer Höhen bei Saarbrücken bilden die Grenze gegen Frankreich. Hier, wo der erste siegreiche Wastengang im Feldzug 1870/71 stattfand, hat man einst schlichte Anlagen des Ehrentals mit dem Ehrenfriedhof der Gefallenen aus den damaligen Kämpfen angelegt. Wie früher, so wird das Ehrental bei den Spicherer Höhen auch heute noch viel aufgesucht.
Alle Wege münden in Saarbrücken, der Hauptstadt des fast 800 000 Einwohner zählenden Saarlandes. Auf der Felsenbastei des heutigen Schlosses erhob sich an der Kreuzung wichtiger Straßen des alten Saargaues die Hauptburg der Grafen von Saarbrücken: der Name entstand nach einer hier schon von den Römern erbauten Brücke über die Saar. Die Stadt stellt als alte Resibenz- stadt vielerlei Sehenswürdigkeiten zur Schau Den älteren Bauten drückte der große Barockmeister Stengel seinen künstlerischen Stempel auf. Die Ludwigskirche und die Bauten in ihrer Umgebung zeigen bemerkenswerte Züge dieses Baustiles. Sehenswert find vorab das alte Schloß, die Schloßkirche, die Stiftskirche St. Arnual mit ihren Grab-
St. Ingbert zeigt vollendet geschloffen die Eigenart des Saarlandes. Mitten in eine von Reizen strotzende Wald- und Fluhlandschaft ließ sich Industrie nieder; aber sie wirkt nirgends protzend: erst recht nicht abstoßend, sondern sie verstand sich zwischen Berge, Felsen, Wald und Wasser geschickt einzuschmiegen. St. Ingbert ist ein ehedem pfälzisches Städtchen. Der bayrische Anteil am Saar- qebiet umfaßt außer St. Ingbert das Bezirksamt Homburg mit insgesamt 440 Quadratkilometer; das ist etwa ein Fünftel des Landes.
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In der Mitte neben dem Kapellmeister (links) der Begründer und Förderer der SA.-Referve-Kapelle Gießen, SA.-Referve-Sturmbannführer Soldan, daneben (rechts) Kapellmeister, Bruno Hermann.
als Land- und Handelsstädtchen. Am Horizont lodern die Arbeitsfackeln de» wenige Kilometer entfernten Völklingen, Röchlings Residenz. Die Vereinigung von Bauerntum mit Industrie, wie sie
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geschrei auf den uneinnehmbaren Wällen der Betonfront Maginots wirke allmählich lächerlich, sei nichts als ein Vorwand, sei Verrücktheit.
Etwas weniger drastisch drückt sich der Leiter der „Tribun a" aus, meint aber dasselbe. Der Rückzug Deutschlands aus Genf sei nichts als logisch, nachdem der Einzug nur unter der Voraussetzung der Gleichberechtigung erfolgte. Das Hitlerdeutsch- land habe also weder etwas Unerwartetes, noch etwas Provokatorisches unternommen, habe vielmehr die Brüningpvlitik fortgesetzt. Alle Ehrlichen müßten sich sagen, daß von einer Verletzung der europäischen Interessen keine Rede sein könne, nachdem die Möglichkeit gegeben sei, auch außerhalb des Völkerbundes an der Abrüstung und der Befriedung Europas mitzuarbeiten. Unverschämt sei nur der Rücktritt Japans gewesen, denn es behalte sich vor, nach zwei Jahren, wenn es seine Kriegsziele erreicht habe, wieder einzutreten. Damit sei der Völkerbund zu einem Klub geworden, in den man als Mitglied nach Belieben ein- und austreten könne. Die Abrüstungskonferenz, schlecht eingeleitet, mußte schlecht enden. Dagegen schließe die Friedensrede Hitlers jede Katastrophe aus. Ohne Rechtsgleichheit fein Friede.
Sehr interessant, historisch anmutend ist dagegen die Stellungnahme des Giornale d'Jtalia, das gern als offiziös bezeichnet wird, obwohl es andere als offiziöse Blätter in Italien nicht gibt (ausgenommen das päpstliche Organ). Virginia Gay d a läßt zwar darin Deutschland auch Gerechtigkeit widerfahren, stellt aber mit strenger Miene fest, daß „Italien wie auch die anderen Großmächte durch die deutsche Entscheidung vor eine vollendete Tatsache g e st e l l t wurden und daß dieses Unterlassen einer vorherigen Mitteilung nicht mit jener politischen Linie harmoniere, die Italien bisher im Interesse aller, Deutschland inbegriffen, eingenommen habe". Damit harmoniert nun freilich das eingangs zitierte prophetische Ducewort auch wieder nur halb, aber es wäre denkbar, daß aus einer solchen Betrachtungsweise heraus sich Schwierigkeiten bei der Anwendung des Viererpaktes ergeben. Vielleicht hat Mussolinis schon damals an den feindlichen Ring um Deutschland gedacht, als er, es war Ende August in Cuneo, „auf dem Gebiet, das niemals von feindlichen Heeren verletzt werden dürfe", ausrief: „Nur starke Nationen haben Freunde nah und fern; schwache Völker stehen schon im Frieden allein und werden von allen vernachlässigt." Gehört also auch seine Sympathie nur einem starken und damit bündnisfähigen Deutschland? Wird er das schwache vernachlässigen?
Es wäre gut, es wäre dringend notwendig, wenn man die Dinge in Frankreich wie in Deutschland nicht nur mit größter Ruhe, sondern auch m i t kaltem, realpolitischem V e r st a n d betrachten würde. Die französische Propaganda arbeitet gegenwärtig mit einem Eifer, als gelte es wieder wie in der Jnterventionszeit, Italien „herüber- zuziehen", und in Deutschland möchten manche nach dem Ueberschwang der Frühlingsbegeisterung für das seelenverwandte faschistische Italien jetzt am liebsten ins andere Extrem fallen und sich wieder verlassen fühlen wie 1914/15. Dabei wird allzuleicht vergessen, daß die Politik, insbesondere die italienische, die Kun st des Möglichen ist. Ist es möglich, ist es denkbar, in diesem Augenblick England vor den Kopf zu stoßen? Man schaue doch nur einmal auf die Landkarte! Dann wird man gleich begreifen, warum der Wunsch, Deutschland gerecht zu werden, sich mit der Notwendigkeit, auch England und Frankreich nicht zu vrschnupfen, tm Kopfe des italienischen Politikers vertragen muß. Wäre der Viererpakt mussolinischer Fassung durchgedrungen, wir hätten den Krach in Genf mit Sicherheit vermieden; so aber bleibt uns, europäisch > genommen, nichts anderes übrig, als den Viererpakt auch noch in seiner abgeschwächten, elastischen | Form anzuwenden. Das wird Mussolini versuchen. Und der Erfolg wird auf seiner Seite fein, vorausgesetzt, daß man nicht in Paris damit rechnet und verlangt, er solle wie eine Wahlmaschine angewendet d. h. Deutschland damit niedergestimmt werden, 3:1!
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ist stark, solange er sich in den hundert Tagen nach seiner Rückkehr von Elba auf sich selbst und seinen Kontakt mit dem Volke, mit seinen Soldaten verläßt. Sein Untergang ist besiegelt, als er sich — seinem Sohn zuliebe — dem Parlament ausliefert und jenes Opfer bringt, das tragifthermeife weder dem Kinde noch dem Vaterland, sondern nur einer kleinen Clique von Intriganten zum Nutzen gereicht.
Heinrich George vollbrachte eine Glanzleistung, indem er der historisch getreu wiedergegebenen Persönlichkeit des kleinen dicken „Korporals^ jenen Heroismus des Führers verlieh, der auch für uns Deutsche mit dem Namen „Napoleon" verknüpft ist. Sein Gegenspieler war Robert Taube, der den geschmeidigen Polizeiminister Fouchö, „die Kanaille mit so viel Charm", als ausgezeichnete Leistung bot. — Das Publikum zeigte sein Verständnis für den Sinn der Aufführung und seine Dankbarkeit für die schauspielerischen Leistungen in lebhaftem Applaus, teilweise bei offener Szene, und in zahlreichen Hervorrufen. DrZ.
sich hier einprägsam zeigt, muß als kennzeichnen- oes Merkmal des Saarlandes gelten, wobei wichtig ist, daß die Industrie nicht erdrückend im Land- fchaftsbild ü»tw Arbeiter bewohnt
Kriegerkameradschaft „Hassia". In dieser Eigenschaft nahm er am 28. September 1883 an der Einweihung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald teil. Im Kriegerverein Gießen (feit 1899) und im Haffia-Bezirk ist er Ehrenvorsitzender. Am Herzen lagen ihm auch stets die Bestrebungen des Evangelischen Bundes; er ist lange Zeit Vorstandsmitglied des hiesigen Zweigvereins gewesen.
Der Neunzigjährige erfreut sich noch einer guten Gesundheit. Geistig steht er noch ganz auf der Höhe. 2ln den Ereignissen der Zeit nimmt er noch immer regsten Anteil, ein erstaunliches Gedächtnis ist ihm dabei auch heute noch beschieden. Seine ganze Liebe und Treue gehört stets seinem deutschen Volk und Vaterland.
Blumenschmuck-Wettbewerb.
Zu den erfreulichen Zeichen der Wiederbelebung unserer Wirtschaft zählt auch der diesjährige Blumenschmuck-Wettbewerb, der nach längerer Pause vom Verkehrsverein Gießen veranstaltet worden ist. Auf seinen im Juni veröffentlichten Aufruf waren etwas mehr als 120 Meldungen eingelaufen, eine Zahl, die für eine Stadt wie Gießen nicht allzu groß genannt werden kann. Da der Sommer im allgemeinen günstig war, der Verein eine größere Summe für Preise vorgesehen und die Gärtneroereinigung in bewährter Treue eine namhafte Spende an wertvollen Topfgewächsen bereitgestellt hat, dürfte der Gabentisch für die 113 preisgekrönten Bewerberinnen und Bewerber im Stadthaus Bergstraße (Zimmer 5) reich gedeckt fein, so daß jeder befriedigt und mit guten Vorsätzen für das nächste Blumenschmuckjahr etwas Schönes mit nach Haufe nehmen kann. Die Verteilung beginnt morgen, Mittwoch, von 9 bis 12 und am Nachmittage von 15 bis 17 Uhr.
Zuerkannt wurden 25 erste, 66 zweite und 23 dritte Preise. Bei der Bewertung ist Rücksicht darauf genommen, daß der zu prämiierende Vorgarten-, Balkon- oder Fensterschmuck dem Straßenbilde zugute kommt, denn die freundliche Gestaltung des Straßenbildes ist es, worauf es bei der ganzen Sache ankommt. Daneben wurde auch darauf geachtet, daß der Fleiß des weniger Bemittelten
Außerhalb der reinen Industriestädte erfreuen das Auge weite, fruchtbare Landstriche, so bei Ottweiler und St. Wendel. Diese geborgen in sattem Grün liegenden Städtchen stecken voll alter Kultur, mit vielen mittelalterlichen Zeugen: Mauerresten und Bergfried oder Wallfahrtsstätte des aus fremdem Königsgeschlecht stammenden Einsiedlers Wendelinus. In einem Seitentale der Blies ragen wohlerhaltene Teile der Abtei Tholey am Fuße Des Schaumberges, der höchsten Erhebung im Saarland. Das ganze Land läßt sich hier Überblicken, weithin über Täler und Hügel, Laubwälder und Tannendunkel, bis hin zur Saargroßstadt Saarbrücken.
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Zeitschriften.
Das Herbstheft vom „I n s e 1 s ch i s f" wird ein- geleitet durch die klassischen Worte des heute oft zitierten „Bekenntnisses" von Clausewitz aus dem Jahre 1812. In einem schönen und zu Herzen gehenden Beitrag („Mein Erlebnis mit Adalbert Stifter") erzählt Ina Seidel von der beglückenden ersten Begegnung mit deutscher Dichtung. Aus der Einleitung zur zweiten Auslage des ersten Bandes der „Kinder- und Hausmärchen" finden wir Wilhelm Grimms liebevoll eindringende Betrachtung über das Wesen der Märchen. Sehr lesenswert Carl Siebers Aufsatz über das von ihm herausgegebene Briefwerk Rainer Maria Rilkes, dessen zuletzt erschienenen Band (1907 bis 1914) wir kürzlich hier besprochen haben. Drei gute Proben junger Lyrik: von Eberhard Meckel, Fritz Diettrich und Peter Hüchel. Friedrich Schnack, dessen Werk neuerdings in den Insel-Verlag übergegangen ist, spricht über seine lyrischen Romane; auf fein neuestes Buch, „Klick aus dem Spielzeugladen", werden wir später noch zurückkommen. Nurn Numsen erstattet Bericht über einen Besuch bei Timmermans in Lier, was den zahlreichen Freunden des Dichters willkommen sein wird. Als Bildbeigaben: Dürers „Tanzendes Bauernpaar"; ein Blatt aus Schwinds Radierungen zur „Schönen Lau" von Mörike; ein photographisches Porträt des niederländischen Erzählers Anton Coolen, dessen Roman „Brabanter Volk" vor kurzem im Insel-Verlag erschienen ist. —.
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Was wird Italien tun?
Don unserem römischen E.-Korrespondenten.
Rom, 22. Oktober 1933.
Den Zusammenbruch der beiden großen Konferenzen, auf die sich die Hoffnungen dieses Jahres stützten, hat Italien van Anfang an gefürchtet. Mit dem IBiererpatt nahm Mussolini nur voraus was jetzt eingetreten ist: ohne ihn hätten wir das Vakuum. Mancher wird sich noch erinnern, daß der Schöpfer einer neuen Staatsidee auch das System der Konferenzen und Kon- greife für überlebt hielt und - es war erst >m Juli — auch in französischen Blättern einen Artikel veröffentlichte, in dem es hieß, es läge im Interesse des moralischen und politischen Prestiges der Nationen, keine Konferenzen mehr zu organisieren, denn diese Idee sei durch Mißbrauch in Mißkredit gekommen.
911(1)1 länger ist es her, daß derselbe Führer einer großen Nation erklärte, wenn man Deutsch- l a n d nicht endlich die Gleichberechtigung gewahre, könne es nicht länger im Völkerbund bleiben. Erstaunlich, daß heute, wo das Vorausgesagte eingetroffen ist, dieses Ducewort nicht hervorgeholt, sondern so getan wird, als ob in Genf etwas Unerhörtes vorgefallen fei. Daß Japan dem Völkerbund den Rücken kehrte, weil es aufrüsten und Krieg führen wollte, das ließ man hingehen; wenn hingegen Deutschland den Frieden will und zu diesem Zweck die Abrüstung fordert, so schreit man Ach und Weh. So sieht man in Italien die Dinge an und findet, daß sich „die Welt" nicht richtig verhält. Geht das so weiter, so ist es gar nicht ausgeschlossen, daß auch Italien den Völkerbund verläßt, der nach Bernard Shaw eine Oc- aanifation geworden ist, die eine ganz verzweifelte Aehnlichkeit mit einem Instrument zur Niederhaltung Deutschlands besitzt. Shaw, gewiß alles eher als ein Deutschenfreund, war es auch, der d>e Friedensdiktate, die man den Unterlegenen als Würgeisen um den Hals legte, nicht anders als „Raub- und Plünderungsverträge" nannte. Er befindet sich damit mit Lloyd George, Mussolini und sogar dessen Erzfeind Nitti in einer Gesellschaft. Mussolini erachtet es als eine sittliche Pflicht, als Menschenpflicht, die Sklavenmoral von Versailles zu beseitigen und die „heiligen" Halsbänder abzunehmen. Andere wollen sie nicht einmal gelockert wissen — und an diesem Gegensatz krankt die Welt, nicht an dem Trödelhandel um diese oder jene Waffenart. Wer bas nicht einsehen will, wird auch die Politik Italiens und Deutschlands nicht verstehen. Die Schweiz darf aufrüsten, keinem Menschen fällt es ein zu fragen, wie viel Kanonen Litauen besitzt, die Millionenheere Frankreichs werden als Selbstverständlichkeit hingenommen, über die Zerschlagung des Vertrages von Sevres durch die Türkei hat man sich mit einem naheliegenden Witz hinweggeholfen, nur Deutschland und Urfgarn sollen nicht dürfen, was alle anderen dürfen. Das soll Moral sein. Mussolini lehnt dies ab.
Wer freilich heute einen Blick in bie italienische Presse wirft, kann ben Einbruck gewinnen, als wolle Rom nicht recht Farbe bekennen. Und in ber Tat zeigt sich bie Einheitspreise, ber man vorzuwerfen liebt, sie sei ja nichts anberes als ein Sprachrohr der Regierung, durchaus uneinheitlich in ber Beurteilung oes großen politischen Ereignisses. Der „lener e" zum Beispiel wirft bie Frage auf, ob man nun vorwärtsschreiten ober in bie unselige Abenteuerpolitik Poincarss zurückfallen wolle. Ein Druck auf Deutschlanb, gar eine Besetzung beutschen Bobens würbe nichts anberes heißen als ein brennenbes Zünbholz in Benzin werfen. Der Friebe könne nur unter Gleichberechtigten zuftanbe kommen. Wenn bie französischen Kanonenherren fragen, ob Frankreich warten wolle, bis Deutschlanb mit seinen Rüstungen am Ziele sei, so müsse geantwortet werben, nein, es sei eben keine Zeit zu verlieren, man müsse dem Reich entgegenkommen, gleichfalls abrüsten unb auf biefer Basis einen'wahrhaften Friebenszustanb in Europa Herstellen. Das französische Sicherheits-
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Mussolinis „Hundert Tage"" im frankfurter Schauspielhaus.
In Anwesenheit von Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger ging bas Napoleonbrama „H u n - b e r t Tage" von Benito Mussolini unb ©io- vacchino Forzano in einer Festaufführung bes Frankfurter Schauspielhauses in Szene. Der Abenb brachte nicht nur ein künstlerisches, sonbern auch ein politisches Erlebnis. Stellte ooch bie Tatsache, baß unter starker Beteiligung offizieller Vertreter bes neuen Reiches ein Napoleondrama auf einer deutschen Bühne erschien, und mehr noch, daß die damaligen deutsch-französischen Verwicklungen in der ganzen historischen Treue und Unvoreingenommenheit der italienischen Fassung des Stückes wieder- gegeben wurden, ein lebendiges Zeugnis für die Ehrlichkeit der deutschen Bestrebungen dar, auch die kulturellen Beziehungen zu unseren Nachbarnationen von jeder Animosität zu entlasten. Das Drama ist eine leidenschaftliche Verteidigung des Führerprinzips gegen das demokratische Prinzip. Napoleon
denkmälern alter Fürsten von Nassau-Saarbrücken und das alte Saarbrücker Rathaus.
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Im ganzen betrachtet, ist Saarbrücken die Hauptstadt, eine Ueberraschung, dabei nicht einmal eine „spröde Schöne"; sie verbirgt die Schönheiten nicht. Reizende, fast badestadtmäßige Anlagen verlaufen längs der Saar, in beträchtlicher Ausdehnung; stolze Barockkirchen und Profanbauten, Hügelkranz, Fluß und rheinische Lebendigkeit der Bevölkerung sprechen mit eindringlicher Gebärde für diese Stadt.
Mit 135 000 Einwohnern wirkt Saarbrücken als ausgeprägt großstädtische Hauptstadt, mit hervorragenden Hotels, fünfen, gut ausgestatteten Straßenbahnen (Fenstertischchen) unb außerorbentlich lebhaftem Autoverkehr. Wiewohl bie Frankenwährung im Saarlanb seit 1925 eingeführt worben ist, kann man an manchen Stellen, mitunter selbst beim Trambahnschaffner, bas bem beutschen Saatlänber vertraute beutsche Gelb in Zahlung geben.
Das Saarlanb ist beutsch in allen seinen Äußerungen wie Thüringen ober Schwaben — ein Grenz- lanb, angrenzenb an ein Lanb, besten Grenzbeoölke- rung (Lothringen) ebenfalls noch beutsch spricht. Die saarlänbifche Munbart zählt zur rheinfränkischen Gruppe mit alemannischen Zusätzen. Sie klingt hübsch unb anheimelnb, unb man hört nichts anberes im Saarlanb — außer bei französischen Beamten irgenbeines ber bis 1935 noch bestehenben Aemter.
Deutsche (Saar.
Eine Handvoll Nersenotizen.
Von Karl Lütge.
Saarburg steht als Gingangstor zu ben lanb- schaftlichen Schönheiten bes Saarlanbes. Romantisch unb lieblich bietet sich biefes biesfeits ber Grenze liegenbe Stäbtchen bem Blick bar unb wirbt mit Fluß- unb Stabtbilb, Reben unb Burg für bie gehäuften Schönheiten bes Saarlanbes.
„Saarlanb" ist geographisch bas Saarbecken, politisch bas burch ben Friebensverirag aus bem von der Saar burchströmten süblichsten Teil bes Regierungsbezirkes Trier unb bem von ber Blies burch- slostenen sübwestlichen Zipfel ber bayrischen Pfalz gebilbete Grenzlanb gegen Lothringen. Die Bevölkerung war 1910 zu 99 Prozent deutsch, und sie ist es, wie wir bald seststellen können, heute noch.
Saarburg, im gesegneten Weingau der Saar, blieb mit seinem abenteuerlichen Gewinkel unb ber reizenben Altertümlichkeit bei ber Rhein- provinz. Aber aufwärts einiger verschnörkelter Winbungen ber roalbberggefäumten Saar folgt halb die Grenze ber Willkür bei Serrig, unb strenge unb Peinliche Zollrevision burch Franzosen erfolgt im Bahnhof Mettlach.
Bei Mettlach entftanb ein Saarkraftwerk. Es hat "dem lanbschaftlichen 9teix ber Gegenb feinen Abbruch tun können, ebenso wenig wie bie weltberühmte Keramische Fabrik, bie im ehemaligen weitläufigen Klosterschloß zu Mettlach ihren Hauptfitz lat unb beren Name w thin in bie Welt klingt. Die Benebiktiner-Abtei zu Mettlach war einst ber kirchliche Mittelpunkt bes Saarlanbes. Jetzt gilt als „Saardom" die neue doppeltürmige Kirche zu Dillingern Die Lutwinuskapelle bei Mettlach und ber laubumrankte „Alte Turm" deuten die Stelle an, wo Landschaft und Geschichte verschmelzen. Die Kapelle dient als Ruhestätte eines deutschen Königs; dicht hinter ihr wachsen die ersten Reben an ber Saar, hüben auf rheinpreußischem Gebiet.
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Ein Neunzigjähriger.
Am morgigen 25. Oktober feiert ber Postsekretär i. R. Karl Mayer seinen 90. Geburtstag. In Traben an ber Mosel geboren, besuchte er bas Gymnasium ber mit Traben oerbunbenen Stabt Trarbach. Am 6. November 1862 trat er zu Cochem in ben Postbienst ein. Seine amtliche Tätigkeit würbe burch ben Militärbienst unterbrochen. Am 1. Oktober 1865 trat Mayer als Einjährig-Freiwilliger in bas 8. (Rheinische) Felbartillerieregiment zu Koblenz ein unb rückte im Mai 1866 mit seinem Truppenteil ins Felb. Im Gefecht von München- grätz kam der morgen Neunzigjährige zum erstenmal ins Feuer. Sein Truppenteil gehörte zur Elb- armee, die tmter dem Befehl des Generals Her - warth von Bittenfeld stand und am 3.Juli in der Schlacht von Käniggrätz den rechten Flügel der preußischen Aufstellung bildete. Als Mitkämpfer erlebte Mayer dieses große geschichtliche Ereignis. Heute noch erinnert er sich deutlich der einzelnen Ereignisse, wie sein Regiment am Abend von preußischen Kürassieren, die bie Verfolgung bes Feindes aufnahmen, umringt war, unb wie er am nächsten Morgen seinen Jugenbfreunb Ernst Stuhl aus Wetzlar, ber bei bem 8. Jägerbataillon ftanb, suchte unb mit seinem Truppenteil auf einer Wiese fanb. Dann kam bas Regiment bis vor Wien, erlitt aber schwere Verluste burch bie immer mehr um sich greifenbe Cholera. Nach Friebensschluß traf Mayer roieber in ben Postbienst zurück unb war zunächst in Köln tätig.
Am 6. Januar 1868 kam er als Postbeamter an ber Köln-Minbener Bahn nach Gießen. Vor- übergehenb würbe er im Jahre 1878 auf ein halbes Jahr nach Mainz versetzt, im übrigen blieb Gießen, । wo er sich am 21. Juni 1873 mit Luise Lenz, ber Tochter bes Kirchenvorstehers Balthasar Lenz, ver- I heiratet hatte, sein bauernber Wohnsitz. Als im Jahre 1873 in Gießen ein Kriegerverein gegrünbet würbe, trat Mayer ihm sofort bei unb hat später lange Jahre hinburch ben Verein als Vorsitzenber geleitet, wie er sich überhaupt bes Kriegervereins- wesens in Stabt unb Lanb tatkräftig angenommen hat, besonbers .auch als Vorstanbsmitglieb ber
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