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24.10.1933 Erstes Blatt
 
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20 Minuten bis ll/t Stunden eine Selbstentzün­dung eintreten, ohne baß ein Mensch einen Finger krümmt. Für biefe Zündungsart spreche bas fort­schreitende Feuer von einer höheren Stufe nach einer tieferen. Die anderen Brandstellen in den Umgängen usw. seien ganz anderer Natur.

Die Vorbereitung des Brandes im Plenarsaal könne nicht von einer Person in der oon oan der Lubbe angegebenen Zeit vorgenommen wer­

tränkte Unterlage, etwa abgerissene Vorhänge, ge­legt habe. Auf diese Weise würde innerhalb

Ms sagen die Sachverständigen zur Vrandstistung im Reichstag?

Die Sachverständigen halten die Angaben van der Lübbes, der die Tat allein ohne Vor, bereitung ausgeführt haben will, für ausgeschloffen, sondern nehmen mehrere sachkundige Brandstifier und sorgfältige Vorbereitung an.

panamerikanischen Konferenz in Montevideo grobe Südamerika-Fahrt antreten, Dabei Panama, Lima, Santiago de Chile Buenos Aires besuchen. Der Zweck der Reise . politische, wirtschaftliche und finanzielle Besprechun­gen über eine engere panamerikanische Zusammen­arbeit. Die Verhandlungen mit Litwi-

Die Münchener Feier des 9. Rovemder

Weihe des Mahnmals in der Feldherrnhalle durch den Führer.

Hausse beantwortet. Es rouri w in denjenigen Papieren vorgenommen, die bereits in der letzten Zeit das Haupttätigkettsfelb für die Spekulation abgegeben hatten, wobei Rohstoff- werte in den Vordergrund traten. Mitbestimmend für die erneute Unternehmungslust der Haussiers war auch die weitere int emotionale A b -

now bleiben daher Roosevelt allein Vor­behalten. Roosevelt wird lediglich unterstützt durch Direktoren des Aubcnhandeis- und Schatzamtes, die ihm die notwendigen fachlichen Unterlagen bei­bringen für die Klärung zur Liquidierung der Nachkriegsansprüche Amerikas an Rußland sowie zur Gewährung von Krediten an amerikanische Exporteure für das Ruhlandgeschäft.

Tokio laßt sich Bericht erstatten.

London, 23. Okt. (WTB.) Reuter meldet aus Washington: Der japanische Botschafter D e b u ch i hat Befehl erhalten, sich möglichst umgehend nach Japan zur Berichterstattung über die japanisch amerikanischen Beuchungen zu begeben. Man hält e» für unwahrscheinlich, daß Debuchi nach Washington zurückkehrr. Er wird Voraussicht- sich Mitte November die Vereinigten Staaten ver­lassen.

schwäcyung des Dollarkurses. Bereits bald nach Beginn des Verkehrs ergaben sich Ge­ro i n n e ungewöhnlich großen Aus­maßes.

Der Führer der Streikbewegung unter den Farmern bezeichnete die gestrigen Ausfüh­rungen Roosevelts über die Landwirtschaft alsrei­nen Sophismus" und erklärte, der Streik werde dadurch nicht beeinflußt werden. Die Farmer ro ü r b e.n vom Kamo-fe nicht ablassen, ehe sie nicht mindestens solche Preise für ihre Er­zeugnisse erlangt hätten, die d i e Produktions­kosten deckten. Diese Notwendigkeit habe Roose­velt überhaupt nicht erwähnt.

Roosevelt wird allein mit Litwinow verhandeln.

Washington, 23. Okt. (TU.) Auf Anord- nung Roosevelts wird der Staatssekretär des Aeuße-

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les der Zentrumsmitglieder in das Hospitantenver­hältnis bei den Nationalsozialisten waren zum Zeit­punkt der Parlamentsauflösung nahezu abgeschlos­sen. Als sehr wahrscheinlich wird schon jetzt bezeich­net, daß unter den auf der Liste erscheinenden Kandidatennamen sich auch die Namen b« Vizekanzlers o. Paven und de» Reichs- arbeitsminister Franz Se ldte befinden. Eine Ent­scheidung über die endgültige Gestaltung der Kandi­datenliste wird noch Mitte dieser Woche erfolgen, weil nach den besteyendn Bestimmungen die Kreis- wahloorfchlage bis zum 26. Oktober und der Reichs- wahloorfchlag bis zum 29. Oktober eingereicht sein müssen.

Das Tragen von Partei- und Gtahl- Helmabzeichen in der SA.

München, 23. Okt. (WTB.) Wie einer Be- konntrnachung des Chefs des Stabes der NSDAP, zu entnehmen ist, ist den SA. -Anwärtern bas Tragen bes Parteiabzeichens der NSDA P., sofern sie nicht bereits Mitglieder der NSDAP, sind, weder zum Dienstanzug, noch in Zivil gestattet. Den in die SA. übergefübrten Stahlhelmangehörigen wird das Tragen des Stahlhelmabzeichens zum Dienstanzug aus dem linken Unterarm g e - ft a 11 e t. Das Abzeichen ist auf einem auf der Spitze stehenden schwarzen Tucheck (4X4 cm) an­zubringen. Das Stahlhelmabzeichen kann a m Zivilanzug unter dem SA.-Abzei- chen getragen werden.

Eine deutsche Gewerkschastsfront im Saargebiet.

Saarbrücken, 23. Okt. (TU.) Zwischen den saarländischen Gewerkschaften unb Berussoerbanden, die für i ine bedingungslose Rückglie - berung bes Saargebtetes eintreten, haben in ber letzten Zeit Besprechungen über einen Zu- sarnrnenschluh stattgefunden. Das Ergebnis ist, daß die christlich-nationalen Arbeiteraewekt^f- tcn, der DHD. mit den übrigen Verbänden w Gesamtoerbanbes der Deutschen Angestellten, die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und Staats­bediensteter und die Hirsch-Dunckerschen Gewerk- Schäften sich zu einer Deutschen Gewerk« djaftsfront vereinigt Haven. Den Vorsitz iat Peter Kiefer vom Gewerksoerein christlicher Bergarbeiter. Stellvertreter ist ber Geschäftsführer des DHD. In diesem Zusammenschluß der deutschen nationalen Berufsverbände ist auf gewerkschaft­lichem Boden das Kampforgan geschaffen worden, das sein Gegenstück auf dem politischen Feld in der Deutschen Front hat. In der Deut­schen Gewerkschaftsfront sollen alle Arbeiter und Angestellten Ausnahme finden, die eine Rückk ehr zum deutschen Vaterland erstreben. Die Deutsche Gewerkschastsftont wird ihre Tätigkeit am 29. Oktober mit einer Kundgebung eröffnen.

Durchführungsverordnung zum Reichserbhofgefetz.

«Berlin, 21. Okt. (TU.) Der Reichsjustuminister und ber Reichsernährungsminister haben jetzt eint erste Durchführungsverordnung zum Reichserbhofgeiey, insbesondere über die Einrich­tung unb das Verfahren der Anerbenbehörden er­lassen. Danach führen die bäuerlichen Beisitzer bei den Anerbengerichten die Amtsbezeichnung Anerbenrichter, bei den Lrbhofgerichten dis Amtsbezeichnung Erbhoftichter. Die Anerbenrichtek werden auf Vorschlag des Landesbauernführer» vorn Oberlandesgerichtspräsidenten auf die Dauer von drei Jahren ernannt. Anerbenrichter können nutz

hältniffe fei entweder eine längere Zell erforderlich oder eine Unter st ühnng oon mehreren Personen, wahrschein­lich aber beides. Die Verwendung leicht brennbarer Stoffe, wie Zelluloid oder Benzin in größerem Umfange hält der Zeuge nicht für wahrscheinlich, weil dann das Brandbild hätte anders fein müssen. Ueberdies würde ein Aus- gießen größerer Mengen von Benzin oder Ben­zol den Raum in kürzester Frist mit einem ex­plosiven Gemisch ungefüllt haben. Ein Anzün­den wäre dem Brandstifter lebensgefährlich ge­worden.

Gerichtschemiker Dr. Schatz-Halle erklärt: Ich bin der festen Ueberzeugung, daß im Plenarsaal mit einer selb st entzündlichen Flüssig­keit gearbeitet worden ist und daß zur Ausbrei­tung des Feuers eine Lösungsflüssigkeit gedient hat. Der Sachverständige bittet bas Gericht, im Inter­esse ber allgemeinen Sicherheit, bie Oeffentlichkeit auf kurze Zeit auszusHliehen, in der er bie Brandflüssigkeit betanntgeben werde. Der Vorsitzende schlägt vor, ohne nähere Bezeich­nung oon derFlüssigkeit" zu sprechen. Der Sach­verständige ist damit einverstanden und betont, daß die starke N e b e I b i I b u n a, bie bei bem Branbe beobachtet worden sei, besonders charakteristisch für die Anwendung derFlüssigkeit" wäre. Vier bis fünf Liter dieserFlüssigkeit* hätten durchaus ge­nügt, die starke Brandentwicklung hervorzurufen. Er sei überzeugt, daß man bei der Brandlegung im Plenarsaal Kohlenanzünder mit felbft- entzündlicherFlüssigkeit" getränkt und sie auf eine mit Petroleum ober Schmierbenzin ge­

redet. Niemand, ber die Tatsachen kennt, kann wahrheitsgemäß sagen, daß England nichts getan hat, um seine Versprechungen zu erfüüen. Ebenso wie bei der Räumung der Ruhr, wie bei ber Be­handlung ber finanziellen Lage in Lausanne hat England dem Glauben Ausdruck verliehen, daß es keinen Frieden in Europa geben kann, daß es keine Regelung in Europa geben kann, solange nicht jede europäische Nation an demselben Tisch unter gleichen Bedingunaen mit anderen sitzen kann. Bereits in Gens, als ich den ftonoentionsentrourf unserer Regierung oor- brachte, habe ich erklärt, daß beide Parteien zur Abrüstung beitragen müssen, ihre Rüstungen herab­zusetzen: Die nicht gerüsteten Parteien müssen die Besorgnisse ihrer Nachbarn verringern und dafür sorgen, daß Europa sich mehr beruhigt. Nutzlos wäre ber Versuch, in freundschaftlichen Beziehun­gen mit anderen Ländern zu leben, ohne sorgfältig zu studieren, wodurch in der Regel Nachbarnationen gereizt werden könnten. Ich kann behaupten, datz Deutschland niemals große Hindernisse bei der An­erkennung der Gleichheit gefunden hat oder ge­sunden haben würde, wenn es bereit gewesen wäre, den Teil zu tun, den ich angedeutet habe. Es gab keinen Vertreter auf der Fünfmachtekon- ferenz im vorigen Dezember, der ge­ringsten Zweifel darüber hegte, daß die Grundsätze der Gleichberechtigung unter einer Bedin- g u n g angenommen wurden, über die die deut­schen Vertreter keinerlei Zweifel haben konnten: daß Deutschland in der Zwischenzeit beitrage zu dem Gefühl der Sicherheit der Ratio- nen, die der Abrüstung zustimmen wurden. Ich werfe diese Frage nicht auf um des Streites willen. Ich führe diese Tatsachen an, damit sie weiterhelfen. Eden wird England in Genf

vertreten.

Tie Lage gänzlich ungeklärt.

London, 23. Okt. (TU.) Das englische Kabinett hielt am Montagnachmittag eine anderthalbstündige Sitzung ab, in der es sich mit der Abrüstungslage befaßte. Sir John Simon erstattete einen Be- richt über die Verhandlungen und Besprechungen, die mit den anderen Mächten ftattgefunben haben.

Es wurde beschlossen, daß Unterstaatssekretär (Eben bie englische Regierung auf ber Sitzung des Büros unb des Ausschusses ber Abrüstungskonfe­renz am fommenben Mittwoch unb Donnerstag vertreten soll. Der Außenminister ist nicht in ber Lage, nach Gens zu gehen, ba auf ber Kabinetts- fitzung am Mittwoch bas parlamentarische Pro- gramm besprochen wird und Sir John Simon als Führer der nationalen liberalen Gruppe hierbei anwesend sein muß.

Die Kabinettsverhandlungen standen unter ber Gewitterwolke bes inzwischen erfolgten Regie- runasfturjes In Frankreich, so baß eine gewisse Unsicherheit bemerkbar war. Auch würbe anerkannt, daß man die Meinungen unb Absichten des Präsidenten der Abrüstungskonferenz Hender- fon. nicht außer Acht lassen könne. Infolgedessen hat ber Unterstaatssekretär Eben ziemlich freie Hand für Genf erhalten. Englanb will anschei- nenb abwarten, welche Vorschläge die anderen Staaten zu machen haben. Während man am Montagmorgen für ziemlich sicher hielt, daß bie englische Regierung sich lebhaft für eine Vertagung ber Konferenz einsetzen werbe, herrscht nun bas Gefühl vor, baß Englanb anbere Vorschläge nicht unbebingt ablehnen würbe. Das Echo der Roofevelt-Rede

Hausse an der Neusiorker Börse.

den. Nach seiner Ueberzeugung mühte eine Person im Plenarsaal mindesten, 20 bi, 25 Minuten Zeit gehabt haben, vorausgesetzt, daß das Brandmaterial bereit stand. Die oon ihm erwähnte Zündslüssigkeit sei verhältnismäßig leicht zu beschufsen und in den Reichstag zu bringen gewesen. Es hätte genügt, wenn man die lm Reichstag vorhandenen Handtücher mit der Flüssigkeit begossen hätte oder die zer­schnittenen Vorhänge dazu verwandte. DieFlüssigkeit" habe einen kardolähu- lichen Geruch, den man schwer los­werden könne. Die Angabe oan der Lubbe» über die Inbrandsetzung halte er für ganz aus- geschlossen. 3n dem Umgang habe er wahr­scheinlich gar keinen Brand beabsichtigt, sondern zufällig die Zündung-mittel verloren. Van der Lubbe müsse beim Linsleigen schon gewußt haben, daß bereit, andere Vorgänge in den Räumen sich abspielten, und et nur die Schuld durch sein eigenartige, Verhallen auf sich zu ziehen halte.

Oberreichsanwalt: Der Angeklagte Torgler tft bis zu einer gewissen Zelt, mindestens bl» 20.20 Uhr, wahrscheinlich aber bis 20.40 Uhr, lm Reichs­tag gewesen. Kann nach der Art der Vorbereitung Torgler als Täter in Frage kommen?

Der Sachverständige erwidert, daß der Zeit nach die Möglichkeit bestehe. Darüber, ob man, wenn Torgler mit dem Brandstoff besaßt war, am Portal 5 beim Verlassen de» Hause» den Geruch wahrnehmen muhte, läht der Sach­verständige verschiedene Möglichkeiten offen. Wenn er von der Flüssigkeit nicht direkt etwas an die Hände oder Kleidung bekam, brauchte der Ge- ruch nicht auf ihn überzugehen.

Dr. Seuffert: Wenn oan ber Lubbe diese getränkten Lappen vorfand auf den Plätzen und anzündete, mußte er doch selbst den Geruch an sich haben, als er festgenommen wurde. Sachverständiger: Jawohl, deshalb bin ich der Meinung, daß van der Lubbe im Vlenarsaal nichts getan hat. Die Verhandlung wird dann auf Dienstag vertagt.

Berlin, 23. Okt. (Wolff.) Im Reichstagsbrand- stifterprozeß haben heute die Sachverständigen das Wort, die beurteilen sollen, ob van der Lubbe allein die Brandstiftung durchgeführl haben kann, ober ob er Mithelfer gehabt haben muß.

Sachverständiger Gey.Reg.-Rat Profesior Josse (Berlin) führt die rasche Ausdehnung des Brandes darauf zurück, daß Zünd - und Brennstoffe, wahrscheinlich Petroleum ober Benzol, in größe­ren Mengen verwenbet worden finb. Der Sachverständige lenkte die Aufmerksamkeit auf den Stenographenraum, von dem aus die Vor­bereitung des Brandes im Saal höchstwahrscheinlich erfolgt fei, denn zum Stenographenraum sei je­derzeit ein unauffälliger Zugang möglich gewesen. Mindestens 20KiloBrenn- st o s s m a s s e sei in den Plenarsaal geschafft wor­den. Die Entzündung der an verschiedenen Stellen verteilten Brennstoffe brauchte nur an einer einzig en Stelle zu erfolgen, wenn man Zündschnüre, Zündstreifen ober auch eine entzünd­liche Hilfsflüfsigkelt verwandte. Infolge des Luft- mangels sind nicht alle Telle des flüssigen Brenn­stoffes verbrannt, sondern ein Teil ist verdampft. Wir haben deswegen eine Mischung in bem Saal von Luft, Kohlenoryb, schwerem Kohlenwasserstoft unb Dampf bes flüssigen Brennstoffes. Das plötz­liche Aufgehen des Plenarsaales in ein Flammen- meer ist ein Beweis dafür, daß im Saal in den unteren Schichten noch Luft gewesen war, und daß in den oberen Schichten em brennbares aber nicht explosives Gasgemisch vorhanden war.

Die Vorbereitung der Brandlegung müsse eine gewisse Zeit erfordert haben unb von einer ober mehreren anbeten Personen ausgeführt fein. Er hält es aber für ganz ausgeschlos­sen, daß diese Vorbereitungen oon oan bet Lubbe kurz vor dem Brande ge­troffen worden feien. Die Anlegung des Bran­des fei mit Sachkenntnis erfolgt, dafür spreche die Wahl des Brennstoffes und feine Verteilung auf eine große Anzahl von Stellen. Ohne die Verpuffung hätten die Brandstellen schnell gelöscht werden können, wie es lm Re­staurant usw. geschehen sei.

Rechtsanwalt Dr. Teichert weist darauf hin, daß man nach dem Brande, wenn der flüssige Brennstoff in Kanistern oder Flaschen hineinge­bracht worden wäre, Reste der Behälter hätte finden müssen. Dazu erklärt der Sachverständige Oberingenieur Werner, daß der Schutt sehr genau mit einem Löffel durchsucht worden fei, und daß man weder Flaschenböden noch Kani- fterrefte gefunden habe. Es bleibe freilich Die Möglichkeit, daß der Brennstoff in Gummi- blasen hineingebracht worden sei, was allerdings außerordentlich ungewöhnlich wäre.

Der Oberreichsanwalt erklärt, er wolle einmal zu Ungunften des Angeklagten Torgler anneh­men, daß dieser sich von 20.20 bis 20.45 Uhr mit dem Brandmaterial besaßt hat. Hätte der Angeklagte Torgler dann beim Verlassen des Reichstages nicht irgendeinen Geruch aus strömen müssen?

Der Sachverständige Josse meint, diese Frage könne er nicht ganz präzise beantworten, worauf Rechtsanwalt Dr. Sack betont, daß er, wenn er als Autofahrer einmal nur für einen M o - ment an feinen Benzinbehälter herangehe, nach­her einen ganz erheblich wahrzuneh- menben Geruch nicht nur an feinen Fingern, onbern auch an feiner Kleidung habe.

Der Sachverständige wirft ein, daß der Bettes- sende ja seinen Rock wechseln und sich habe waschen können: dann wäre von dem Geruch nicht viel übrig geblieben. Der Geruch wäre übri­gens viel geringer, wenn nicht Benzol, sondern Petroleum verwandt worden wäre.

Der Angeklagte Torgler erklärt mit Nachdruck, daß er 20.45 Uhr längst nicht mehr im Reichstag war, sondern im Restaurant Aschinger. Nach seiner (Erinnerung habe er schon um 20.20 Uhr den Reichs­tag verlassen. Er habe nie in seinem Leben mit Benzin ober irgend wie gearteten Brandmaterial etwas zu tun gehabt.

Der Angeklagte Dlmi troff fragt den Sach­verständigen, ob er es für möglich halte, daß ein Brand ft Ifter In einer viertel- stunde diesen Brand entfachen könnte. Der Sachverständige Joffe antwortet, er fei eine zeltlang der Meinung gewesen, daß das nicht möglich fei, al» er aber bei der Besichtigung sah, mit welcher Fixigkeit van der Lubbe arbeitete, möchte er doch glau­ben, daß bei entsprechender Vorbereitung die Entzündung so möglich war.

Der Hausinspektor Scranowitz bekundet, daß er am 27. Februar zwischen 11 und 12 Uhr durch den Plenarsaal und auch durch den Stenographen­raum gegangen sei und nichts Auffälliges bemerkt habe. Beim Stcnographenraum befinde sich die sogenannte S e i f e n k a m m e r, in der auch Spiritus zum Fensterreinigen und eine Flüssig- keit zum Verdünnen von Bohnerwachs ausbewahrt wird. Der Schlüssel zu diesem Raum fei aber stets unter Verschluß.

Der Angeklagte Torgler weist darauf bin, daß am 14. Februar in Gegenwart von Scranowitz alle Räume, die den Kommunisten zur Verfügung standen, polizeilich gründ­lich durchsucht worden sind. 'Er fragt den Zeugen, ob er gesehen habe, daß irgendwelche Kanister, Denzinflaschen usw. gefunden worden seien. Scranowitz verneint die Frage.

Als nächster Sachverständiger schildert bann Branddirektor Dr Wagner Derbrennungsver- suche an dem Eichcngcftühl des Plenarsaales. Es fei mit einem Kohlenanzünder in 18 Minuten nicht gelungen, die Stühle in Brand zu bringen. Einen Teppich, auf dem Tlfch und Stuhl standen, mit Hilfe einer brennbaren Flüssigkeit zu entzünden, gelang erst, als Reste eines Kleidungsstückes dazu geworfen wurden. In dem Plenarsaal, beffen Luft­raum etwa 11000 Kubikmeter beträgt, konnte ein Ueberbrurf burch Brand nicht auftreten, wohl aber ein Ueberbrurf burch Verpuffung ober Explosion.

Da» Feuer hätte bcn oom Zeugen geschilberten Umfang ohne venderuug der gewöhnlichen Verhältnisse im Plenarsaal nicht annehmen I können. Zu einer solchen Veränderung ber Der-

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München, 23. Okt. (TU.) In einer Presse- Besprechung gaben ber stellv. Gauleiter Nip­pold und ©aupropaganbaleitcr Wenzel nähere Aufschlüsse über bie Feier bes 9. November, die der Erinnerung an den Marsch der National­sozialisten vom Bürgerbräukeller zum Odeonolatz gelten soll. Schon seit Wochen wird an ber Vor­bereitung bes Programms gearbeitet, bas in großen Zügen nunmehr feststeht. Die Straßen, auf benen bie Kämpfer der deutschen Freiheitsbewegung im Jahre 1923 vorn Bürgcrbräukeller zur Feld- herrnhalle zogen, werden einheitliche Aus­schmückung erhalten. Den fDlittelpunft der Ver­anstaltungen bildet die Einweihung des Mahnmals in der Feldherrnhalle. Es werden die meisten alten Kämpfer ber Bewe­gung nach München kommen. Am 8. November findet im Sterneckerbräu, dem ersten Ber- fammlungslokal ber NSDAP., eine Zusammen­kunft Der älteften Kämpfer ber Se­ro e g u n g statt. Ferner treffen sich im Bürger- bräufeller bie Kämpfer von 1923. In beiben Lokalen wirb ber Führer Abolf Hiller sprechen. Um 23.30 Uhr flnbet ein Fackelzug der gesamten Münchener SA. statt. Ferner veranstaltet am Abend bes 8. November bie Lanbespolizei auf dem Königsplatz einen großen Zapfenstreich, bei bem Staatsminister Adolf Wagner eine Ansprache an die Versammelten halten wird. Um 24 Uhr wer- den Salutschüsse den Anbruch des 9. No­vembers einleiten. Vormittags werden sich die alten Kämpfer der Bewegung beim Bürgerbräu auffteüen und unter klingendem Spiel nach der Feldherrnhalle ziehen. An der Spitze wird Reichs­kanzler Adolf Hitler genau denselben Weg marschieren, wie am 9. November 1923. In der Feldherrnhalle werden die 186 Standarten A u f ft e 11 u n g nehmen. Im Anschluß hieran fin­det die Weihe des Mahnmals durch den Führer statt, der eine Rede über sämtliche deut­schen Sender halten wird. Schließlich erfolgt ein Vorbeimarsch der SA. vor dem Reichskanzler. Nachmittags erfolgt die Vereidigung der gefamten bayerischen Bürge rme i st e r durch Staatsminister Wagner auf dem Königsplag, nachdem am Vormittag bereits die Vereidigung der gesamten bayerischen Landespolizei statt- gesunden hat. Um 12 Uhr nachts wird vor der ocldherrnhallc durch den Führer selbst d i e S t a n - barte Abolf Hitler vereibigt. Bei der Feldherrnhalle werden für Zuschauer Tribünen er­richtet werden. In den alten Sturmlokalen Mün­chens werden die alten Kämpfer Wiederfehens- feiern abhalten. Die Lokale werden festlichen «chmuck erhalten.

Der Reichskanzler wird die Wahlliste führen.

vermutlich auch Papcn und Leldte auf der Einheitsliste.

Berlin, 23. Okt. (DDZ.) Die Vorbereitungen für die Aufstellung der Wahlliste für die kommende Reichstagswahl sind bisher noch nicht abgeschlosien. Jedoch dürste bisher bereits feststehen, daß In sämtlichen 35 Wahlkreisen eine Ein- he it s liste ausgestellt werden wird, ge s uhrt von 10 Persönlichkeiten mit dem Äany ler an d e r Spitze. Diese 10 Namen werden die einzigen sein, die auf dem Stimmzettel abgedruckt sind. (Es ist auch ein einziger Reichswahl- Vorschlag beabsichttgt. von besonderem Jnteresie wird sein, inwieweit Vertreter früher selbständiger Parteien von den Nationalsozialisten in den Reichs­lag wieder hineingelassen werden. Insbesondere gilt das hinsichtlich der früheren Z e n t r u m s p a r t e L Die Verhandlungen wegen Uederleitung eine» Tei-

Die jugoslawische Regierung gibt in London bekannt, daß sie durch die ungünstige Wirt- schaftslage unb Devisenknappheit zur Su » pen - dierung der vollen Zahlung ihrer aus- ländischen Schulden gezwungen ist. Sie er­klärt sich bereit, das im März 1933 mit bem Aus- jchuh zum Schutz ttanzöfi'chei Inhaber öcr serbi­schen und jugoslawischen Anleihen gehoffenr drei- jährige Abkommen auf englische Inhaber auszu- dehnen.

N e ro y o r k, 23. Okt. (CNB. Eig. Meld.) Roose­velts Rundfunkrede wurde von der Neroyorker * ästigen Aktien- urben größere Käufe