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24.10.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 249 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Dienstag, 24. Oktober 1953

Erfcheini lügllch. autza Sonntags und Feiertag». Betlagen; Die Illustrierte Gtehener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis:

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Eichener Anzeiger

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gietzen.

Zwischen Moskau und Washington.

Von Otto Corbach.

Ein Notenwechsel zwischen dem Präsidenten Roosevelt und dem Präsidenten des zentralen Vollzugsausschusses der Sowjetunion Kalinin hat plötzlich die seit Monaten erwartete offizielle Anerkennung desbolfchewistischen Re­gimes durch die Vereinigten Staaten angebahnt. Daß der russische Außenminister Ljt- w i n 0 w sich nach Washington begibt, beweist, welche Bedeutung man in Moskau den bevorstehen­den Verhandlungen beimißt. Aber auch außerhalb Rußlands und Amerikas glaubt man die Wichtig­keit des sich ankündenden Ereignisses nicht hoch genug einschätzen zu können. Was solange als un- übersteigliches Hindernis für eine Verständigung

Heute Kanzlerrede im Rundfunk.

Am heutigen Dienstag, zwischen 20.15 und 22 Uhr. wird Reichskanzler Adolf Hitler über alle deut­schen Sender sprechen.

zwischen den Sowjets und den maßgebenden Krei­sen des größten hochkapitalistischen Staates der Erde galt: die weltrevolutionäre Pro­paganda der Dritten Internationale, erscheint heute als eine Angelegenheit von neben­sächlicher Bedeutung. Der russische Bolschewismus wie der amerikanische Imperialismus haben sich in­zwischen in ihrem Drange, die Welt zu erobern, die Hörner abgelaufen, und während die Sowjetunion eher von einer durchgängigen Amerikanisierung als die nordamerikanische Union, nach der Schutz­impfung durch dieNIRA, von einer Bolschewisie- rung bedroht erscheint, würden die beiden großen kontinentalen Mächte froh sein, wenn sie durch ge­meinsame Anstrengungen gegenüber dem welter- schütternden Eroberungsdrang der ycl- den Rasse die bloße Existenz innerhalb ihres herkömmlichen Betätigungskreises behaupten könn­ten. Der Gegensatz zwischen der gelben und der weißen Rasse beginnt sich als stärker zu erweisen, als alle revolutionären Gegensätze innerhalb des abendländischen Kulturkreises. Darin beruht die weltgeschichtliche Tragweite der Wendung, die sich in dem Verhältnis zwischen Washington und Mos­kau zu vollziehen beginnt.

Nicht umsonst sind dem entscheidenden Noten­wechsel zwischen dem Meißen Hause und dem Kreml jahrelange Anstrengungen amerikanischer Staats­männer und Wirtschaftssührer vorausgegangen, sich mit den Völkern des Fernen Ostens unmittelbar ins Gleichgewicht zu fetzen. Alle internationalen Abmachungen, die unter angelsächsischer Regie seit lern großen Kriege auf internationalen Konferen­zen zustandekamen, bedeuteten in Wirklichkeit nur Kulissen, hinter denen England und Amerika eine gemeinsame endgültige Regelung ihrer Bezie­hungen zu Japan und China vorzuberei- len suchten. Während England den Völker­bund zu einem Werkzeug zu machen suchte, sich Len Rücken für eine überseeische Machtentfaltung j)\i decken, war Amerika unablässig bemüht, der ja­panischen Machtentfaltung Schwierigkeiten zu be- aeiten oder sie durch Steigerung chinesischer Wider- itandskräfte lahmzulegen. Tatsächlich scheiterten je- och sowohl die Bemühungen, die englische See- lacht aus den Verstrickungen in die kontinental- europäische Nachkriegswirrnis zu lösen, wie die­jenigen, aus den Trümmern des alten chinesischen Kaiserreiches eine moderne Macht hervorzuzaubern. And erst recht diejenigen, den japanischen Impe­rialismus zu hindern, sich schließlich von allen inter­nationalen Bindungen loszureißen und seinen fest­ländischen Eroberungszielen ungehemmt nachzu­jagen.

Die Niederhaltung Deutschlands und die Zähmung des japanischen Imperialismus bildeten gleicher­maßen Voraussetzungen der angelsächsischen Stra­tegie seit Beendigung desWeltkrieges". Was Wunder, daß dem Austritt Japans aus dem Völker­bünde der Austritt Deutschlands gefolgt ist, nach­dem dieses vermöge einer nationalen Revolution aus der Hypnose derErfüllungspolitik" endgültig erwachte. Damit endet freilich die Aehnlichkeit beider Fälle. Ostasiatische Probleme heischen und vertragen eine Lösung durchBlut und Eisen". Ein neuer europäischer Krieg wäre für den gesamten Organismus der abendlän ischen Kulturwelt lebens­gefährlich. Dem entspricht das Vertrauen der Füh- lung im neuen Deutschland, die wiedergewonnene Liplomatische Handlungsfreiheit mit friedlichen Mit­teln behaupten zu können. Eine nüchterne Beur- ) Teilung der fernöstlichen Machtverhältnisse lehrt, daß Angelsachsen wie Franzosen früher oder später dem Zwange einer friedlichen Verständigung mit einem freien Deutschland nachgeben müssen, wenn sie die Grundlagen abendländischer Kultur nicht mit eige­ner Hand zerstören wollen.

Gewiß spielt sowohl bei der französischen wie bei der amerikanischen Fühlungnahme mit Moskau auch der Wunsch eine Rolle, sich den Luxus einer Nichtanerkennung deutscher Gleichberechtigung, die­ser unbedingten Voraussetzung für jeden deutschen Kräfteeinsatz für internationale Probleme, noch länger leisten zu können. Es wird sich aber bald genug Herausstellen, daß sich keinerlei Welt- Politik zugunsten irgendeines Zweiges der weißen Rasse mehr ohne Teilnahme eines

Sturz des französischen Kabinetts.

Die Sozialisten bringen Daladier zu Kall.Keine Mehrheit für die Krifensteuervorlage. Spaltung der sozialistischen Kammerfraktion.

Paris, 24. Off. (WTB. Funkspruch.) Das Ka­binett Daladier ist heule früh. 3.25 Uhr deutscher Zeit, von der Kammer mit 3 2 9 gegen 241 Stimmen gestür; t worden.

Die Regierung hatte einem von den Linkspar­teien einschließlich der Delegierten der Reusozialisten ausgearbeiteten Kompromißvorschlag in der K r i s e n st e u e r zugestimmt. Er sah eine von 3 bis 9 v. h. ansteigende Krisensteuer für alle Beamtengehälter über 10 000 Francs vor unter Belassung eines steuerfreien Betrages für die in diese Kategorie fallenden niedrigen Bezüge, ferner eine einheitliche öprozentige Ab­gabe auf alle fonftigen feffen Ein­künfte sowie einen besonderen Zuschlag von 2 bis 5 v. h. für alle Einkommen über 125 000 Francs. IHan erwartete von diesem Kompromiß einen Gesamtertrag von 1 010 Millionen Franken.

Ministerpräsident D a l a d i er Haffe einen letzten Appell an die Kammer gerichtet und das Parla­ment vor die Wahl zwischen der Annahme der Opfer erheischenden Regierungsvorlage oder den Stur; der Regierung gestellt. Was heute nicht ge­währt werde, werde morgen in verstärktem Maße notwendig fein. Die übrigen Länder hätten ihre Beamten viel stärker belastet. Ohne Budgetausgleich gäbe es keine Garantien mehr. Dann seien die bis­herigen Anstrengungen vergeblich, und Frankreich treibe dem Abgrund zu. Rach der Rede des Minister­präsidenten wurde die Sitzung unterbrochen, um den S 0 zialisten Gelegenheit zu geben, über den von der Regierung gebilligten Kompromißvor­schlag zu beraten. Dieser wurde von den So- ; i a l i sf e n mit 55 gegen 45 Stimmen bei 8 Ent­haltungen abgelehnf.

Rach Wiederaufnahme der Sitzung kündigte der Sprecher der radikalen Fraktion die vorbe­haltlose Unter sfühung der Regierung durch feine Partei an und warnte die Sozialisten vor dem im Lande umgehenden Gespenst des Faschismus. Der Sozialistenführer Leon Blum erklärte, daß feine Fraktion trotz des Ernstes der Lage dem Appell der Regierung nicht folgen könne. Die finanzielle Maßnahmen der Regierung bereiteten ein neues Defizit vor. Auch die Sozialisten feien entschloßene Gegner einer Inflation, aber sie wünschten ein festes Verhältnis zwischen Löhnen und Preisen zu erhalten. Wenn man von der Gefahr des Faschismus spreche, bann dürfe man wohl aus eine andere Gefahr Hinweisen, die der Republik gerade seitens derjenigen drohe, die die Republik zu unterstützen behaupteten. Die Repu­blik aber sei auf den Barrikaden entstanden und führe genau wie die Sozialisten die Rote Fahne, hierauf erklärte für die Reusozialisten der Abgeordnete R e n a u b e l, angesichts ber inner- unb außenpolitischen Schwierigkeiten trete bie neue Gruppe für bie Regierung unb gegen bie Rückkehr ber Reaktion ein. Dann kam es noch zu einem gereizten Wortgefecht zwischen Data bi er unb Leon Blum, ber ben Ministerpräsibenten fragte, ob er morgen etwa eine Konzentra- flonsregierung bilben wolle. Darauf würbe bie enischeibenbe Abstimmung vorgenommen, bei ber bie Regierung unterlag.

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Als noch dem Sturz der kurzlebigen Linksreg:e- rung Paul-Boncour Ende Januar d. I. Edward Daladier ein neues Kabinett des Linkskartells bildete, gab es niemand, der diese Kombination nicht als eine Verlegenheits- und Uebergangs- lösung aufgefaßt hätte. Die Sozialisten, Die im Dezember Herriot wegen der Schuldenfrage und

im Januar Paul-Boncour wegen der angekündigten Kürzung der Beamtengehälter gestürzt hatten, und die ohne eine Linksregierung im Parlament keine Mehrheit erhalten konnten, standen auch Daladier mißtrauisch gegenüber. Diese Partei hatte anderseits ein Interesse daran, die linksgerichteten Kabinette nicht allzu rasch hintereinander zu Fall zu bringen, weil bereits der Gedanke einer republika­nischen Konzentration unter Führung Tardieus als Alternative für die Herrschaft der Linksparteien im Hintergründe stand unb außerdem eine Häufung der Ministerkrisen zur Diskreditierung des parlamentarischen Systems überhaupt beitragen konnte.

Trotzdem hat Daladier es ganz besonderen Um­ständen zu verdanken, wenn er bis Ende Oktober, also genau drei Vierteljahre, im Amte bleiben konnte. Als neues Moment trat im Frühjahre zu­nächst die Zersetzung innerhalb der S 0 -

zialistischen Partei auf, die deren Aktions­fähigkeit monatelang lähmte. Dazu kam die a u ß e n- politische Situation, die in Frankreich als sehr gespannt empfunden wurde unb ber Regierung Unterstützungen sicyerte, auf die sie sonst nicht hätte rechnen können. Insbesondere verstand es Daladier auch, sich das Vertrauen der maßgeben­den militärischen und industriellen K r e i s e zu sichern, mit denen er aus seiner früheren Tätigkeit als Minister für öffentliche Arbeiten Füh­lung hatte, unb die trotz des antimilitaristischen Pro- gramms seiner Partei in ihm den loyalen Voll­strecker ihrer Wünsche fanden. Diese Einstellung hat Daladier auch daran gehindert, vorurteilslos und konsequent die Politik zu verfolgen und die Anre­gungen aufzunehmen, die sich aus der verän­derten Lage in Europa im Interesse einer gedeihlichen Zusammenarbeit der verschiedenen Län­der ergab.

Kommt eine Konzentration der Ritte?

Paris, 24. Okt. (WDB. Funkspruch.) Der Grund des Auseinanderfallens ber Regierungsmehrheit liegt diesmal weder in budgetären und finanziellen Fragen als vielmehr in dem Zwist, der seit langem bei den Sozialisten besteht. Es yandelt sich um einen, jetzt zum Austrag gekommenen Kampf der Anhänger und Gegner L6on Blums. Daß die sogenannten Neusozialisten um Renaudel unb Marquet ihre Drohung, für eine autoritäre Regierung einzutreten, die sie um Da­ladier erblicken wollen, diesmal wahrgemacht haben und sich nicht der von L6on Blum geforderten Par­teidisziplin weiter zu unterwerfen bereit waren, kann letzten Endes als der Grund angesehen wer­den, warum L6on Blum heute früh der Regierung eine scharfe Absage erteilt hat. Daher auch die kurz vor der Abstimmung an den Ministerpräsi­denten gerichtete Frage, ob er jetzt etwa eine Kon­zentrationsregierung zu bilden beabsich­tige. In der Tat scheint etwas derartiges in der Luft zu liegen. Ob Daladier sie bilden wird, ober ein anderer, ist eine andere Frage. Durch den Bruch zwischen den beiden sozialistischen Richtungen ist nunmehr der Weg frei geworden für die seit Jah­ren von den verschiedenen volitischen Persönlich­keiten gewünschte, bisher aber nie durchführbar gewesene Konzentration der Mitte. Diese

Konzentration der Mitte hat nach links jetzt eine Verstärkung durch die abgesplitterten Neusozia­listen erfahren. Ginge die Abgrenzung nach rechts eben so weit, bann könnte eine Konzentration un­ter den jetzigen Umständen eine feste Mehrheit im Parlament bekommen und arbeiten. Die Konzentrationsregierung ist übrigens auch der Wunsch des Senates und des Präsidenten der Re­publik Lebrun.

Erste Pressestimmen.

Paris, 24. Okt. (WTB.-Funkspruch.) Zum Sturz der Regierung Daladier schreibt derExcel- fior", möglicherweise werde Daladier selb st das neue Ministerium bilden. Aber man nenne auch die Namen des Senators Albert Sar - raut, des Abgeordneten George Bonnet und des Abgeordneten Chautemps, die dem ge­stürzten Ministerium Daladier angehörten.Homme Libre" erklärt, das Vertrauen in das Regime sei schon gefährlich erschüttert. Die radikale V 0 l 0 n t ä schreibt, Daladier selbst gehe aus ber Krise ver­größert hervor. Nur eine weit ausgreifende Kon­zentration könne die Lage retten. Um sie heraus- zusckälen, müßten Flandin und Tardieu Mithelfern

Mcdonald verteidigt Englands Politik in Sens.

London, 23. Okt. Ministerpräsident M a c donald hielt eine große Rede in Crawley in der Nähe oon London, in der er nach Erörterung von innenpolitischen Fragen auch auf die außenpolitische Lage und die Beziehungen zu Deutschland zu spre­chen kam. Hinsichtlich der Innenpolitik sagte Mac- donald, daß die Vereinigung von 3 poli­tischen Parteien in einer nationalen Regierung andauern werde, bis die Krise über­wunden sei und bis England sich gegen die Wieder­kehr der Gefahren, wie sie 1931 das Land bedroh­ten, geschützt habe, soweit dies in der Macht von Menschenhand läge.

Uebergehend auf bie außenpolitische Lage sagte Macbonald u. a.: Als einer ber den Frieden liebt, bedauere ich auf das Tiefste die Wendung, die die Ereignisse auf der Abrüstungskonferenz genommen haben. Ich habe gesagt, daß wir abgerüstet haben. Haben wir das etwa nicht getan? (Hört, hört!) Man wirst uns sogar vor, Daß wir zu weit gegangen sind. Wir haben unser Heer immer wieder vermindert und wir haben unsere Luftflotte auf einem niedrigen Stande gehalten. England war immer und immer wieder der größte

Freund, den Deutschland bei den Bemühungen ge­habt hat, es wieder auf den Stand gegenseitiger Gleichheit zu bringen. Es kann keinen Frieden in Europa geben, bis alle europäischen Nationen un­ter der Voraussetzung der Gleichberechtigung an ein und demselben Tische sitzen können. Großbritan­nien kann Deutschland ins Gesicht sehen, ohne er­röten unb ohne sich entschuldigen zu müssen. Deutsch­land muß den Völkern ermöglichen, sich zu ver­ständigen, ohne bei ihnen Furcht und Mißtrauen zu erwecken. Ich nehme die zugunsten des Friedens vom deutschen Kanzler gesprochenen Worte gerne an. Aber war bie Handlung Deutschlands, das die ganze übrige Welt ihren Schwierigkeiten allein überließ, eine Methode, den Frieden herbeizufüh­ren und Europa das Vertrauen wiederzugeben? Nein. Ich hoffe, daß die erste beste Gelegenheit von Deutschland ergriffen wird, um durch feine Taten zu beweisen, daß es eine Politik des Friedens ver­folgt und lebhaft wünscht, mit den übrigen Völkern zu einer Zusammenarbeit wieder zu gelangen, die ihm weder einen Verzicht auf seine Ehre noch auf seine Selbstachtung notwendig macht.

Es wird viel von gebrochenen Versprechen ge-

gleichberechtigten Deutschlands treiben läßt.

Litwinow hat auf der Londoner Weltwirt­schaftskonferenz den Amerikanern erklärt, daß Sow­jetrußland ohne weiteres durch Herstellung nor­maler Beziehungen zu Washington instandgesetzt werden könne, n-eue Aufträge für eine Milliarde Dollar zu vergeben. Die amerikanische ZeitschriftForum" träumt sogar da­von, daß die Vereinigten Staaten der Sowjetunion einen Warenkredit von mehr als 5 Milliarden Dol­lar einräumen könnten, da das Land durchaus in der Lage fei, diesen Kredit im Laufe oon 25 Jahren mit angemessener Verzinsung zurückzuzahlen. Natur­gemäß würde es sich dabei vor allem um die Ent­faltung wirtschaftlicher und politischer Kräfte in den für Amerika oerkehrsnahen fernöstlichen Ge­bieten ber Sowjetunion hanbeln, wie ja die Jnbustrialisierung Ostsibiriens im zweiten Fünf­jahresplan Moskaus eine Hauptrolle spielt. Jede amerikanische Kapitalanlage auf ber asiatischen Seite bes Pazifik erhöht dort indessen die Ver­letzlichkeit amerikanischer Interessen durch Störungen aus der japanischen Ma ch t - sphäre. Mit andern Worten: Amerika und Ruß­land können sich im Fernen Osten nicht gegenseitig fördern, ohne entweder den japanischen Machtfaktor zu vernichten ober gebührend zu beteiligen. Ein entscheidender Schlag gegen Japan läßt sich nur

zur See führen. Dazu reicht nach allgemeiner An­schauung aller Sachverständigen die amerikanische Flotte allein nicht aus. England müßte sich mit seinen hauptsächlichen Seestreitkräften beteiligen. Wird aber Frankreich England erlauben, feine heimischen Küsten zu entblößen, ohne daß England neue Verantwortlichkeiten für die Fortführung einer deutschfeindlichen französischen Sicherheits-Politik übernimmt? Man weiß jedoch in London, daß man nicht einmal zur Verteidigung des Locarnopaktes sich an festländischen kriegerischen Unternehmungen mehr beteiligen könnte, ohne daß das britische Weltreich darüber auseinanderfiele. Die Domi­nions, allen voran Kanada, fordern kategorisch eine bedingungslose Fernhaltung des Mutterlandes von jeglichen konti­nentaleuropäischen Wirren. Das seht eine dauerhafte Befriedung Kontinentaleuropas vor­aus, die wiederum nicht ohne eine friedliche Ent­wirrung aller Knoten der Friedensverträge und da­mit nicht ohne deutsche Gleichberechtigung denkbar ist.

In Wirklichkeit ist man in Washington weit davon entfernt, um sowjetrussischer Freund­schaft willen eine ausgesprochen japanfeinb« 1 i cf) e Politik treiben zu wollen. Auch diejenigen Kreise in der Union, die Japans Anspruch auf eine ostasiatische Monroe-Doktrin" anerkannt wissen wollen, empfehlen eine Anerkennung Rußlands, um Japan leichter für eine stärkere Berück­

sichtigung amerikanischer Interessen in China verhandlungsreif zu machen. Die Er­folge der japanischen Exportpolitik' haben die gelbe Großmacht instandgesetzt, in der ungehemmten Auf­rüstung ein Tempo einzuschlagen, daß beide angel- sächsischen Mächte aufatmen würden, wenn sie sich auch nur eine genügende Atempause für die Der» teibigung ber pazifischen Küstenstriche ganz 2lmeri- kas, Australiens, Neuseelands, sowie Indiens gegen ein früher ober später drohendes angriffsweises Vorgehen der japanischen See- unb Luftmacht sichern könnten. Da es sich babei großenteils um menschenarme Gebiete hanbelt, bie bei einem Uebergreifen japanischer Seeherrschaft auf ben östlichen unb südlichen Pazifik rasch m i t a s i a - tischen Einwanderern überschwemmt werden könnten, so bedarf man dabei der kontinen­taleuropäischen Menschenreseroen. Tatsächlich trifft ja England auch bereits umfassende Vorbereitungen, unter Aufwand von mehreren Milliarden Pfund Sterling Nordaustralien aufnahmefähig für viele Millionen europäischer Siedler zu machen. Auch daraus ergeben sich für das Streben des neuen Deutschland nach Gleichberechtigung hoffnungsvolle Ausblicke im Sinne eines immer stärker wirksam werdenden weltpolitischen Zwanges und zur Bil­dung einer Einheitsfront für die Rettung des Abendlandes.

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