Einzelhandelsamt des Mein Mainischen Industrie- und Handelstages, feierliche Konstituierung in Anwesenheit des I^eichsstatthalters.
WSR. F r a n k f u r t a. Ti., 22. Oki. In Forssüh- rung des großen wirtschaftlichen Einigungswerkes unter der Leitung des Reichsstatthalters und Gauleiters Sprenger in Hessen und Hessen-Rassau ist gestern abend in Frankfurt o. M di« Gründung eines „Ein-elhandelsamtes des Rhein- Mainischen Industrie- und Handels- tag es" erfolgt.
In einer Kundgebung im Frankfurter Hippodrom wurde die Konstituierung durch den Handes- kammerpräsidenten, Treuhänder der Arbeit, Dr. Lüer, vollzogen. Rach der Begrüßung durchs den Vorsitzenden der Einzelhandelsgemeinschaft, Fel» ck « rt, führte
der Treuhänder der Arbeit Or. Lüer u. a. aus: In zielbewußter Fortführung der Gründung des Rhein-Mainischen Industrie- und Han- delstages werde ein entscheidender Schritt dadurch getan, daß der Einzelhandel in breiter Front in die Rhein-Mainischc Wirtschaftsfront ein gereiht werde. Er verkünde zu diesem Zweck« die Einsetzung eines Einzelhandelsamtes des Rhein- Maimlchen Industrie- und Handelstages. Das neue Organ sei dazu berufen, in Gemeinschaftsarbeit mit dem Interessenoerband für eine einheitliche Vollstreckung des Willens der Reichsregierung Sorge zu tragen. Reben dem Einzelhandelsamt stehe der freie Einzelhandelsoerband. Die Führer beider Institutionen werden sich gegen- seitig vertreten, so daß die Gewähr für eine har- manische und fruchtbare Zusammenarbeit gegeben sei. Zu Führern des Einzelhandels wurden berufen Franz Stadel und Kart Feickert. Mit feierlichem Handschlag gelobten die beiden neu ernannten Führer getreue Mitarbeit als Vollstrecker des Willens des Reichskanzlers.
Auf die Ansprache des Treuhänders der Arbeit erwiderte zunächst der erste Führer des Einzelhandelsamtes
franz Stabel:
Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, daß der Rdein-Mainische Industrie- und Handelstag nicht vollständig sei, wenn nicht auch der Einzelhandel organisch in die einheitliche Form eingegliedert werde. Aber nicht nur aus organisatorischen Grün- den, sondern auch, um das Reben- und Gegeneinander verschiedener Stellen auszuschalten, sei diese Gründung geboten gewesen. Das Einzelhandelsamt werde aus einem Führerrat und 17 Mitgliedern bestehen. Das neue Amt habe zu allen grundsätz- lichen Fragen des Einzelhandels Stellung zu neh- men und die einheitliche Durchführung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen. Der Führer des Gesamt- verbandes des Rhein-Mainischen Einzelhandels
Karl Feickert
bekannte sich dann zur Idee des Führers: „Äir sind nicht die Konservatoren, sondern wir sind die Liquidatoren der Länder". Die Verschmelzung der Einzelhandelsgemeinschast Hessen-Rassau - Süd mit dem Hessischen Einzelhandelsverband gipfele in dem Einzelhandelsamt, einer Stelle, die in Zusammenarbeit mit dem neuen Gesamtverband eine einheitliche Durchführung von Gesetzen und den Schutz der wirtschaftlichen Belange des Einzelhandels sicher- stelle
Während der Kundgebung erschienen, lebhaft begrüßt, Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger und der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. K r e b s.
Reichsstatthalter (Sprenger
erblickt in dem Zusammenschluß des Einzelhandels ein Zeichen dafür, daß auch für den Handel die Zeit des „Ich" vorbei sei. Der deutsche Handel werde den Weg zurückfinden zum Dienst an der Allgemeinheit, wo der Tüchtige im Mittelpunkte Itehe. Seit dem 5. März seien die inner deut- chen Grenzen ausgelöscht. Die Wirtschaft chließe sich der politischen Entwicklung an, zuerst
der Rhein-Mainisch« Industrie- und Handelstag, heute der Einzelhandel, morgen das Handwerk, übermorgen die Bauern.
Reichsstallhalter Sprenger ging sodann auf die außenpolitischen Verhältnisse ein. Er betonte mit allem Nachdruck,
da» deutsch« Volk wolle Friede und Arbeit, e» bleibe da» Volk der organisierten Arbeit und wolle mit seiner Arbeit allen Völkern voran.
schreiten.
Arn 12. November gelte es zu bekunden, daß Deutschland sich nicht länger als Ausgestoßener behandeln lasse. Deutschland sei zu jeder Der- Handlung bereit, aber es verlange Gleichberechtigung. Das Ausland werde auch anerkennen müssen, daß der Nationalsozialismus die Welt vor dem Abgrund des Bolschewismus gerettet habe. Der neue Reichstag müsse der Ausdruck der Verbundenheit von Volk und Regierung sein und so der Welt beweisen, daß die autoritäre Regierung in Deutschland zwar nicht mit Worten, sondern dem Inhalt nach die einzige „Demokratie der Tat" sei. Don der Ent- scheiduna des 12. November könne dann auch die innere Kraft zu einer neuen Gestaltung des Lebens der Völker ausgehen.
Das Hauptreferat hielt das geschästsfuhrende Vorstandsmitglied der Hauptgemeinschaft des Deut- schen Einzelhandels
Or. Hilland-Berlin.
Der Redner begrüßte es, daß in dem Rhein-Main- gebiet der erste Zusammenschluß über die inner- deutschen Grenzen hinweg vollzogen worden, und so ein weiterer Schritt auf dem Wege des Führers zum Aufbau eines einheitlichen, nach feinen natürlichen Gliederungen aufgebauten Staatsgefüges getan fei.
Heule mehr als je müsse die gesamte wirtschaft hinter dem Führer und Kanzler stehen, um der well ein Beispiel von der Linheil des deutschen Volke» zu geben.
Nach fast neun Monaten nationalsozialistischer Aufbauarbeit dürfe und könne auch eine Zwischenbilanz gezogen werden. Allerdings dürfe der Mittelstand nicht nur auf sich allein sehen, nicht nur an seine Gesundung denken, sondern immer im Auge behalten, daß nur eine Gesamtgesundung der Wirtschaft eine dauernde Besserung bringen könne. Aus dieser Erkenntnis heraus habe die Regierung ihre Hauptkraft darauf gerichtet, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Im Frühjahr sei mit einer völlig neuen Steuerordnung zu rechnen, die nur wenige und gerechte Steuern kennen werde. Für den mittelständischen Einzelhandel sei das Zugabeverbot und das gerade jetzt verlängerte Sperr- g e s e tz von besonderer Bedeutung. Durch das Sperrgesetz werde eine Säuberung des Handels vorbereitet, die später durch die Einfiihrmrg der Händlerkarte ihren Abschluß finden werde. Diele Wünsche des Einzelhandels feien allerdings noch nicht erfüllt, so vor allem bestehe das W a • renhausproblem weiter. Durch die Aufklärungsarbeit des Nationalsozialismus hätten sich schon weite Kreise von den Warenhäusern bereits abgewandt, so daß ihr Umsatz um 40 v. H. zurückgegan- gen sei. Die Entwicklung dürfe jedoch nicht allzusehr beschleunigt werden, da sonst eine große Anzahl Arbeitskräfte wieder brotlos würden, die der Einzel- handel nicht auf einmal aufnehmen könne. Auch hinsichtlich der Konsumgenossenschaften seien rigorose Maßnahmen nicht angängig; denn in diesen Unternehmungen steckten so viele Arbeiter- gelber, die nicht verloren gehen dürften. Dagegen sei die allmähliche Ueberführung der Konsum- genossenschaften in mittelständische Betriebe bereits eingeleitet.
So zeige sich, daß der Nationalsozialismus nicht die eigene Jnleressenpolitik in den wiilel-
jedermann.
23on Hans Riebau.
Federmann hat ein kleines Haus gcfauft. Feder- mann geht hin und kauft Tapeten für das kleine Haus.
„Sind die Zimmer niedrig?" fragt der Verkäufer.
„Ja", sagt Federmann. „Leider.
„Dann empfehle ich Ihnen", fährt der Verkäufer fort, „längsgestreifte Muster zu nehmen. Längs- geftrciftc Tapeten machen die Zimmer hoher."
„Ausgezeichnet", sagt Federmann, dann bekomme ich vielleicht den großen Kleiderschrank doch noch hinein."
Federmann fühlt sich nicht gut.
„Ich verordne Ihnen die einfachste Medizin, die es gibt", lächelt der Arzt: „Nicht rauchen, wenig trinken und vor allem: Abends mit den Hühnern zu Bett gehen."
„Schade, daß ich nicht früher zu Ihnen gekommen bin", Jagte Federmann. „Ausgerechnet vorgestern habe ich meine Hühner verkauft."
Dor der Tür steht ein Auto. Das Auto hat Stromlinienform, die Karossieri« ist schneeweiß, und nur die Kotflügel sind flammend rot. Kein Wunder, daß die Leute stehen bleiben und sich da» Auto an- gucken. Auch Federmann bleibt stehen. „Fabelhafter Wogen", sagt er.
„Jawohl , nickt der ältere Herr, der neben ihm steht. „Das ist ein Achtznlinder-Ueberkompresior." Dann steigt er, als ob das fo sein mühte, in den Führersitz, erklärt Jedermann die Instrument«, drückt hier auf einen Hebel, tritt da auf ein Pedal, dreht an einer Kurbel, und plötzlich gibt es einen Ruck: Der Motor springt an, und der Wagen setzt sich in Bewegung.
„Hilfe!" schreit der ältere Herr und hält sich am Steuerrad fest. »Hilfe, Hilfe! Ich kann ja gamicht Auto fahren!"
„Ich auch nicht", ruft Federmann, „aber deswegen fange ich doch nicht gleich ein solche» Geschrei an!"
Jedermann sitzt Im v-Zug Plötzlich flammen, am hellen Mittag, di« «lektrischen Glühbirnen auf. Draußen aber wird e« dunkel: Der Zug ist in einen Tunnel eingefahren.
Eine Minute vergeht, zwei Minuten vergehen, drei Minuten vergehen, und noch immer brennen die Campen.
„Donnerwetter", sagt b«r Herr, der Jedermann
gegenüber sitzt, „das ist ja ein ungewöhnlich langer Tunnel."
„Kein Wunder", zuckt Jedermann die Achsel, „wir sitzen ja auch im letzteniWagen."
e
Jedermann hat eine neue Stellung bekommen. Bei Teuerkauf & Co.
„Also bann sind wir uns ja einig", sagt der alte Teuerkauf, „morgen früh schon können Sie an- fangen."
Federmann zieht einen dicken Kalender aus der Tasche, schlägt nach, vergleicht und rechnet nach. „Das ist leider nicht möglich", sagt er dann. „Äönnte ich nicht übermorgen anfangen?"
Der alte Teuerkauf runzelt die Stirn. „Weshalb denn?" fragt er.
„Wenn ich morgen bei Ihnen antreten würde", fährt Jedermann fort, „bann hätte ich also morgen in fünfundzwanzig Jahren Jubiläum. Morgen in fünfundzwanzig Jahren aber ist Mittwoch."
„3a, und —?" schüttelt der alte Teuerkauf den Kops.
„Mittwochs", sagt Jedermann, „Mittwochs habe ich meinen Skatabend."
„Gestern habe ich auf der Straße ein Hufeisen gesunden", erzählt Jedermann.
„3a, und —?" fragt Mücke, ,chat es Dir Glück gebracht?"
„Und ob!" nickt Jedermann. „Äaum habe ich das Hufeisen in die Tasche gesteckt, da fällt mir ein, daß man e» ja über den Kops nach rückwärts werfen muß. Ich werfe es also über den Kops nach rückwärts, und es fliegt — ausgerechnet' — in die Schaufensterscheibe von Biermann 8- Co. Ich, wie ich die Scheide flirren höre, laufe, was ich laufen kann, und der alte Biermann hinter mir her."
„Aber erlaube mal! ruft Mücke, „und wo ist das Glück, da» Dir das Hufeisen gebracht haben soll?"
„Das Glück war", sagt Jedermann, ,chaß der alte Biermann Rheumatismus hat."
Am 1. September hat Jedermann (aus Versehen) zwanzig Mark zu viel Gehalt bekommen. Ader fein Wort sagt er, und niemand, fo fcheint es, hat etwas gemerft. Am 1. Oktober hingegen bekommt Jedermann — der Oberbuchhalter 'muß ja wohl geschlafen haben — fünfzig Mark zu wenig Geholt. Da Wägt Jedermann einen Mordskrach. Die Sache wird untersucht, und nunmehr findet man auch den Fehler vom 1. September."
„Hören Eie mal", runzest der Oberbuchhalter di«
panft stelle. Jeder, auch der wittelfiSnbsiche Einzelhandel muffe in diesem Dinier weitere Opfer tragen.
Zu Preiserhöhungen dürfe niemand feine Hand leihen, am allerwenigsten der Einzelhandel. Es gelte, der Opfer eingedenk zu fein, die die Vorkämpfer des Nationalsozialismus in den letzten Jahren gebracht hätten. An dem Opfermut der SA. und So. müsse sich jeder ein Beispiel nehmen und gleich ihnen be- weisen, was der Nationalsozialismus leisten kann.
Oie Organisation des Einzelhandelsamtes.
Zur Errichtung des Einzelhandelsamtes sind vom Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag Richtlinien ausgegeben worden, in denen die in den Ansprachen zum Ausdruck gekommenen Gedanken zufammengefaßt sind. Die seitherigen Der- bände (Hessen-Nassau-Süb und Hessen) werden aufgelöst. Die Führer des neuen Gesamtoerbandes ha- den einen Organisationsplan nach folgenden Richt-
llnien vorgelegt: Zusammensetzung des Vorstandes» Vereinheitlichung der Fachabteilungen, Erhaltung der bisherigen örtlichen Organisationen, Erhaltung der Geschäftsstellen der bisherigen regionalen Des» bänbe für das gleiche Gebiet wie früher.
Der Führerrat besteht aus folgenden Herren« Fran; Stabe! (Mainz), Karl Feickert (Frank« urt a. TI.), Dr. Alexander Mettenheimer (Frank, urt a. M >, Adolf elettner (Mainz), Handelkammcr» yndikus Dr. Schmalz (Frankfurt a. M.), Handels« kammersyndikus Diplomoolkswirt Ringel (Frank« furt a. M). Als Mitglieder gehören dem Ein« zelhandelsamt an die Herren: Georg Bahr (Wetz, lar), Start Kühn (Bingen), Ernst Stegmüller (Darm* ftabt), Friedrich von der Emde (Friedberg), Karl Horst (Gießen), Hugo Brink (Hanau), Max Lange (Fulda), Josef Wurm (Limburg), Willi Ger« Hardt (Wiesbadens, Otto Nicolai (Offenbach), Adolf Lied (Worms), Wilhelm Köhler (Frankfurt a. M.), Fritz Jakob (Frankfurt a. M ), Willy Bal.zar (Frank- furt a. TI.), Jean Bender (Mainz), Adolf Schneides (Darmstadt) und Otto Walter (Worms).
Der Ehrentag des Ahein-Minischen Handwerks Reichsstatthalter Sprenger verkündet den Hhein-Mainifchen Handwerkstag.
Frankfurt a. M., 22. Okt. (WSN.) Ein weiterer bedeutsamer Schritt ist getan zur Uebcrwin- düng der innerdeutschen Grenzen. Nach der Verkündung des Rhein-Mainischen Handelstages, nach dem Zusammenschluß der Derkehrsoerbände, der Presse und des Einzelhandels des Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebietes folgte heule einer der wichtigsten Stände, das Handwerk, dieser Entwicklung. Im Kaisersaal des Römers verkündete heute der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, den Zusammenschluß des Rhein-Matmschen Handwerks im Rhein-Mainischen Handwerk s t a g. Zu dem feierlichen Gründungsakt waren die höchsten Vertreter der Reichs-, Staats» und Kommunalbehörden, die Führer der NSDAP., der SA. und SS., sowie die Vertreter der Rhein- Mainischen Wirtschaft und des Kulturlebens.
Nach dem Einmarsch der altehrwürdigen Innungsfahnen und der neuen Sturmfahnen begrüßte
Oberbürgermeister Or. Krebs
die Vertreter der Behörden und Verbände, sowie die übrigen Ehrengäste im Namen der Stadt Frankfurt. Er bezeichnete die Gründung des Rhein-Maini- schen Handwerkstoges als einen bedeutsamen Schritt für das Handwerk und darüber hinaus für das gesamte Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet. Dieser Schritt sei ein Glied in der Kette der vielen Maßnahmen zur Verwirklichung der
Bereinigung der Rhcin-TNainischen Wirtschaft.
Es erfülle ihn mit besonderer Freude, daß gerade in Frankfurt an dieser historischen Stätte im Romer die Verkündung oorgenommen werde. Wenn das Handwerk wieder seine alte Stellung erringen solle, die ihm gebührt und die ihm Konzerne und Trusts streitig machen wollten, dann müßte ihm auch die Grundlage seiner wirtschaftlichen Existenz gesichert werden. Diele Ausgabe falle dem neugegründeten Rhein-Mainischen Handwerkstag zu, er müsse alle seine Kräfte darauf richten, das Handwerk in jeder Weise zu fordern.
Jieichsstatthalter in Hessen, Gauleiter (Sprenger begrüßte zuerst die Vertreter der Regierungs-, der Kommunal- und sonstigen Behörden und ging dann auf die Bedeutung und den Sinn dieser Gründungsfeier ein. Das Handwerk habe einen goldenen Boden, so habe es früher einmal geheißen, zu riner Zeit, als das Handwerk noch in Blüte stand. Wir erlebten diese Zeit nicht mehr. Zu unseren Leb- Zeiten ist das Handwerk bereits im Niedergang begriffen gewesen. Das Zeitalter der M a - s ch i n e hatte bereits begonnen, und je mehr die Maschine an Boden gewann, desto mehr wurde das Handwerk zurückgedrängt. Doch es fehlte auch in diesen Zeiten nicht an Versuchen, die Wiedergesundung des Handwerks herbeizuführen. Auf dem
denkwürdigen Handwerker-Kongreß im Jahre 1848 in der Paulskirche habe man einen solchen Versuch unternommen, der aber fehlfchlagen mußte, wett er schon von Anbeginn den Keim zum Bruch innerhalb des Handwerks in sich trug, denn damals habe man den Bruch mit dem Arbeiter vollzogen und so auch den Keim zum Niedergang des Handwerks gelegt. Wir aber, fo sagte der Reichsstatthalter, wollten die Lehren aus dieser Entwicklung ziehen und bestrebt sein,
die Brücken zu schlagen vom Handwerk zu den anderen Ständen.
Wie der Liberalismus die geistigen Grundlagen der völkischen Zusammenarbeit zerstört habe, so zerstörte der Liberalismus auch die Grundlagen unserer Wirtschaft und da» Zusammenwirken Der Stände. Auch am Handwerk fei diese Entwicklung nicht Dorübergegangen. Dem Nationalsozialismus blieb es Vorbehalten, dem deutschen Volk« neue Grundmauern in sich selbst zu geben. Durch den Führer wurde der Primat der Politik über die Wirtschaft wieder eingeführt und so die Entwicklung' gesichert, die allein dem deutschen Volke gemäß sei. Mit der Wiederherstellung des Nährstandes, des deutschen Bauernstandes, habe der Führer die Grundlage geschaffen für ein gesundes Volkstum, und damit habe er die Existenz aller Stände des deutschen Volke» sichergestellt.
Die Idee de» Führer» bringe wieder neue Impulse auch in da» deutsche Handwerk hinein und sichere damit die wiedergesundung diese» Bf- russstanDe».
Gauleiter Sprenger betonte bann weiter, daß gerade das deutsche Handwerk stark im Volk« verwurzelt sei; da ein beträchtlicher Teil unsere» Volkes direkt und indirekt vorn Handwerk lebte. Der Weg des Handwerks in die Zukunft sei klar gewiesen. Es werde wieder zurückkehren jju feinen ehernen Grundsätzen, daß feine Werke Leistungen fein müßten der einzelnen Persönlichkeit. Wenn diese Einzelleistungen nicht erreicht würden, wären wir auch niemals in der Lage, uns in der Welt zu behaupten. Deshalb fei auch gerade die beste Jugend gut genug als Nachwuchs de» Handwerk». Den heutigen Meistern müsse es stets vor Augen stehen, welches kostbare Gut sie mit dieser Jugend in Händen hielten. Nach den alten Grundsätzen de» Handwerks, Vorbild zu fein, müßten die jungen Handwerker erzogen werden, und später mühte jeder Handwerker einmal stolz daraus sein können, von einem beul- schen Meister erzogen worben zu sein. Nur so könne bie Grunblage geschaffen werben zu einem wirk- lief) bauernben ©ieberaufftieg be» Hanbwerk» Im Volke sei bereits bie Vorbebingung geschaffen.
Immer mehr werd« da» Verständnis für die Qualitätsarbeit des Handwerk, geweckt. Auch
Stirn, „warum haben Sie denn damals nichts gesagt, als Sie zwanzig Mark zu viel bekommen haben?"
,Lch kann verstehen", zuckt Jedermann die Achsel, „wenn man mal einen Fehler macht. Aber wenn so etwas gleich zweimal hintereinander vorkommt...!"
Verordnungen fürchinesischeLhauffeure
Die Kraftwagen-Unfälle haben in Kanton in letzter Zeit so zugenommen, daß sich die Behörden veranlagt gesehen haben, neue Verordnungen für die Wagenführer herauszugeben. Einige Proben seien hier mitgeteilt: Fahrer dürfen ihre Hände nicht von dem Steuerrad fortnehmen, fo lange der Wagen sich in Bewegung befindet; sie Dürfen auch während des Dienstes nicht rauchen und sich nicht mit Vorübergehenden unterhalten. Fahrer dürfen nicht in ihrer Unterkleidung, in Pantoffeln ober barfüßig am Steuer sitzen. Kein Wagen darf «ine Schnelligkeit einschlagcn, bie mehr al» 25 km in der Stunde beträgt, und kein Wagen darf einen anderen, der mit normaler Schnelligkeit fahrt, überholen.
6ocf)fd)ulnod)rid)tcn.
Der langjährige Ordinarius für Volkswirtschafts- lehre an der Universität Leipzig, Geh. Hofrat Professor Dr. Wilhelm Stieda, ist im Alter von 81 Jahren g e ft o r b c n. Stieda, am 1. April 1852 in Riga geboren, entstammte einer alten deutschen Gelehrtenfamilie. er wirkte an den Universitäten Straßburg, Dorpat und Rostock, fett 1893 bis au feiner (Emeritierung im Jahre 1923 an der Universi- tat Leipzig. Stiedas eigentliche» Arbeitsgebiet war die spezielle Nationalökonomie; hier ist vor allem zu nennen feine Neubearbeitung be» brüten Ban- bes von Rolchers „Softem der Volkswirtschaft". Heber Handwerksgeschichle, Gewerbe- und Sozialpolitik, Handels- und Hanse-Geschichte hat Stieda eine große Anzahl ausgezeichneter Arbeiten geliefert; auch mit der Entstehung bes deutschen Zunftwesens und der deutschen Hausindustrie hat er sich beschäftigt. Rach seiner (Emeritierung hat Geh. Rat Stieda zumeist auf feinem Lieblingsgebiet, der Ge- lebrtengelchichte. gearbeitet. An dem politischen Leben unterer Zeit nahm, er bis zuletzt mit erstaun« lieber Frisch« Anteil. Stieda war eine ausgesprochene Cehrbegabung. aus seinem Seminar sind eine ganze Reihe von Dolkswirtschaftlern hervorgegangen. die heute selbst im akademischen Lehrberuf stehen. — Unfern Lesern Dürfte Geheimrat Stieda
als Mitarbeiter an der „Heimat im Bild" nicht unbekannt fein.
Der Kölner Staatswiffenschaftler Professor Dr. Carl Schmi11 hat den Rus an Die Universität Berlin zum Beginn des Wintersemester» angenommen.
Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung de, Krankenhauses Bergmannsheil in Bochum, Tro» feflor Dr. Georg Magnus, erhielt einen Ruf an die Chirurgische Universitätsklinik Berlin al» Nachfolger von Geheimrat Bier. Magnus wurde 1883 in Berlin geboren; 1911 trat er in bie chirur- gische Universitätsklinik Marburg ein, an der er , sich 1913 für Chirurgie und Orthopädie habilitiert, j und 1918 den Profeffortitel erhielt; 1920 ging er • als Oberarzt an die chirurgische Universitätsklinik { Jena 1925 wurde er zum Ehefarzt Der chirurgi- • schen Abteilung be» Krankenhauses Bergmannsheil I in Bochum, des größten Unfallkrankenhauses von Europa, ernannt.
Der ao. Professor an her Universität Marburg Dr. Gustav Walz hat einen Ruf auf bas Ordinariat für öffentliches Recht an der Universität * Breslau angenommen. Prof. Walz ist Herausgeber des »Handbuches de» Völkerrechts". Sein Spezialgebiet ist Politik, Staatsrecht und Völkerrecht.
Der Rundfunkprediger und Gauleiter der Deutschen Christen in Baizern, Pfarrer Wolf Meyer, ist zum ordentlichen Professor der praktischen Theologie an der Universität Jena ernannt worden.
Professor Dr. Martin Kirschner, Direktor der chirurgischen Universitätsklinik In Tübingen, hat einen Ruf nach Heidelberg als Nachfolger von Professor E n o e r l e n erhalten.
«ui Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ist dem Privatdozenten an der Universität Heidelbera, Dr. phiL Rudolf Lemberg (Ehemie), die Lehrdefugni, ent- zogen worden. . „
Aui Grund de» Gesetze» zur Wiederherstellung de» Berufsbeamtentum» wurden folgende Dozenten an sächsischen Hochschulen in den Ruhestand versetzt: der em. Prof. Dr. Witkowski, Prof. Dr. Jacobi, beide Universität Leipzig. Die Üchrbefugm» wurde entzogen dem planmäßigen ao. Prof. Dr. Gulkowitsch, Universität Leipzig, dem Ho- norarprofeffor Dr. Goldberg, Technisch« Hoch« schule Dresden, dem Honorarprofessor Rechtsanwalt Dr. Breit Entlassen wurde Professor Dr. W i I b r a n b , Technische Hochschule Dresden. Die Lehrbefugnis wurde entzogen dem nicht plan« mäßigen ao. Prof. Dr. Friedmann, Universität Leipzig. Nach §6 in den Ruhestand versetzt Pros. Dr. Spelt, Universität Leipzig.
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