Ausgabe 
24.10.1933 Drittes Blatt
 
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Gebmistag der Kaiserin Auguste Moria

Die Wallfahrt zum Antiken Tempel in Porsdam, wo die Kaiserin begraben liegt, rinz begibt sich zu dem Grabe, um an der letzten Ruhestätte seiner Mutter einer

Rechts: Der

utter einen Kranz nieder-

zulegen.

Kanzler (X) bei seiner Friedensrede an der Kehlheimer Befreiungshalle, die vor 70 Jahren zum Gedenken an die Feldzüge 1813 und 1815 errichtet wurde.

um dieses Wunderwerk der süßen Architektur zu bauen. Dieses Brandenburger Tor im Taschen­format wiegt 40 Pfund und ist auf der Bäckerei- Ausstellung zu sehen, die in den Hallen am Zoo veranstaltet wird. 4000 Backbetriebe und 50 Kon­ditoreien zeigen dort wahre Spitzenleistungen hand­werklichen Schaffens. Es gibt unter diesen Kon­ditoren hervorragende Virtuosen, denen es gelingen würde, die Gebäude der ganzen Welt in Marxipan herzustellen. Großes Aufsehen erregt z. B. der Funkturm, der aus lauter Gebäckstücken zusammen­gestellt und 5,50 Meter hoch ist. Jener wackere Mann, der dem Volkskanzler zu seinem Geburts­tag die riesige Torte gebacken hat, zeigt in Mar­zipan die Friedenskirche und das Stadtschloß in Potsdam sowie die Feldherrnhalle in München. Die Bedeutung, die solchen Monumenten aus Zucker zukommt, ist freilich eine mehr platonische. Es wird wenig Berliner geben, die Wert darauf legen, zu Haufe auf ihrer Kredenz die Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche aus Marzipan aufzustellen.

Die gute alteZeit im Schaufenster

Die glänzenden Spiegelscheiben Berlins verkünden den neuen Geist. Selbst die großen luxuriösen Ge­schäfte, die vielfach einen internationalen Stil auf­wiesen, geben sich Mühe, mit der Zeit Schritt zu halten. Motive nationaler Wertarbeit beherrschen sogar die glitzernden Schaufenster des Berliner Westens. Wer am Abend einen Spaziergang durch die Leipziger Straße und durch die belebtesten Nebenstraßen macht, wird überrascht stehen bleiben, um die zahlreichen Läden zu bewundern, in denen das deutsche Handwerk in einer ebenso vornehmen wie einfachen Weise seine kulturelle Sendung doku­mentiert. Mancher Berliner, der früher an solchen Geschäften gedankenlos oorübergegangen ist, wird erst heute erkennen, wie groß die Tradition ist, die

Nerlin im Spiegel -er Tradition

Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt.

w hcharbeiitt bes Deutschenholz» " hielt am Sonntag» 1 Tkverkfchaflzhaufes eine Liter K. Letz Men) Wesen der Deutschen ör» l a. folgendes aus: Der btmb siehe zur Seit wegen Kamps. Sana iVi Za-rt gewesen, augenblMch sei Larii in Kraft. Die Arbeit h die Verhältnisse In der und. Tie Icdeutung der marMschn Herrschaft fast

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den Namen mancher Werkstätten mit der ruhm­reichen Vergangenheit Preußens verknüpft. Die kleinen Läden der Handwerker in den Nebenstraßen des Berliner Zentrums stehen alle im Zeichen der Wiederweckung alten Kulturgutes. Viele Geschäfte sind bekränzt und mit bunten Girlanden bezogen. Wie ein mahnender Wegweiser in die Zukunft ragt überall das Bild des Führers hervor. Die Gold- und Silberschmiede zeigen ihre Kunst in einer Ausstellung am Potsdamer Platz. Der Laie, der gewohnt ist, mechanisch erzeugte Serienarbeiten als ein selbstverständliches Produkt moderner Zivilisa­tion hinzunehmen, macht sich keinen Begriff davon, wie groß die persönliche Begabung und Phantasie eines Menschen sein muß, um solche Werte zu schaffen, wie sie manche kunstgewerbliche Arbeiten darstellen.

Ende derGtuttenbörse".

Das Berliner Straßenbild hat sich auch in ande­rer Hinsicht in vielem geändert. Die Bettler, die sich früher in allen belebten Straßen breit gemacht hatten, scheinen sich allmählich zurückzuziehen. Die S t u l l e n b ö r s e", auf der die routinierten Ber­liner Bettler ihre Waren gegen Gewinn zu ver­kaufen oder auszutauschen pflegten, wird bald Pleite machen. Es hat gerade in der letzten Zeit in Berlin erschreckend viele Menschen geaeben, die nicht aus wirklicher Not bettelten, sondern aus Scheu vor redlicher Arbeit. Da der Berliner ein gutes Herz hat, konnten besonders die zahlreichen Charlatane unter den Bettlern, die ein Gebrechen vortäuschten, ein bequemes Leben führen. So wurde in derStullenbörse" mit allen möglichen Dingen ein schwunghafter Handel getrieben. Die Bettler, die tagsüber an beiden Seiten des Kurfürsten­dammes hockten, versammelten sich meist zu später Abendstunde in gemeinsamen Räumen. Da ist so mancher Blinde wieder sehend geworden, und man­cher Lahme konnte frisch wie ein Fisch im Wasser umherhüpfen. Es ist klar, daß die Nationalsozia­listen diesen Unfug nicht länger dulden konnten. Wer wirklich Not leidet, hat jederzeit die Möglich­keit, in den zahlreichen, glänzend organisierten Wohlfahrtseinrichtungen seinen Hunger zu stillen und braucht nicht durch ein ewiges Schütteln des Kopfes ein Nervenleiden zu markieren. Es gibt gewiß viele alte gebrechliche Männer und Frauen, denen nichts anderes übrig bleibt, als auf den Straßen Berlins Almosen zu heischen. Aber auch in diesen Fällen ist die Berliner Stadtverwaltung entschlossen, Abhilfe zu schaffen.

prima Silberrüstung zum ersten, zum zweiten, zum dritten!

Wenn etwa ein kleiner älterer Herr mit Schmer­bauch die Sehnsucht empfand, auf einem der näch­sten Maskenbälle als Lohengrin die Herzen junger Mädchen zu bezaubern, so hatte er in den letzten Tagen dazu die schönste Gelegenheit bei der V er- steigerung eines riesigen Kostüm - und R e q u i s i t e n f u n d u s. Diese verschwenderische Fülle der prachtvollsten Kostüme und Requisiten, die in den hervorragendsten Werkstätten hergestellt wurden, stammen aus einer Zeit, die längst über die deutsche Grenze geflohen ist. Der ehemalige Be­herrscher des Schauspielhauses, C h a r e l l, der weit über Berlin hinaus durch feine luxuriösen Inszenierungen seichter Revue-Erzeugnisse bekannt ist, gehört zu den prominentenToten" des ver­sunkenen Systems. Mehr als viertausend Kostüme warten darauf, wieder anqezogen zu werden. Ein Flitter im Werte von 700 000 Mark blendet die Augen der Beschauer. 60 000 Mark allein kostete die Ausstattung der berühmtenDrei Muske­tier e". 150 Rüstungen sehnen sich nach Operetten­helden. Es ist vielleicht die größte Kostümversteige­rung, die die Welt je gesehen hat.

Wiederholen und übertragen.

Der Deutsche Sprachverein schreibt: Manche Red­ner und Erzähler kommen auf eine ihnen wichtige erscheinende Tatsache oder Forderung im Verlauf der Rede zurück mit den Worten:Ich wieder­hole noch einma l". Noch einmal geschieht aber nicht die Wiederholung, sondern die Erklärung: im Wiederholen ist schon dasnoch einmal" enthalten. Das Zweifache bedeutet hier keine Verstärkung, sondern eine Veränderung des Sinnes. Denn aller­dings könnte jemand einen bedeutungsvollen Ge­genstand am Anfang, in der Mitte und am Schlüsse heroorheben. Dann wäre zu unterscheiden: 1. Ich erkläre, 2. ich erkläre noch einmal oder wiederhole, 3. ich erkläre zum drittenmal oder wieder­hole noch einmal. Bei der gewöhnlich zweimaligen Hervorhebung darf alsonoch einmal" nur dann stehen, wenn ein Ausdruck, wie erklären oder be­tonen, hinzutritt, der jenen Begriff nicht in sich schließt. Denn sonst würde das Nochmalige eben noch einmal wirksam werden.

In den Zeitungen liest man häufig eine gemein­same Anzeige des Geschäftsoerkäufers und des neuen Inhabers. Dieser bittet dann oft die verehr- liche Einwohnerschaft, das dem Vorgänger geschenkte Vertrauen auch auf ihn zu übertragen. Auch soll das Vertrauen aber nicht übertragen, sondern gewährt werden. Denn die einfache Uebertra- gung umfaßt auch schon den Uebernehmer. Ein ganz Findiger könnte vielleicht einwenden, die Be­deutung vonauch" liege darin, daß das Ver­trauen, wie es einst vom Vorvorgänger auf den Vorgänger übertragen sei, so a u ch von diesem auf den jetzigen Inhaber übertragen werden solle. Im Ernste wird jedoch daran nicht gedacht, und außer­dem hat oft der Vorgänger das Geschäft erst be­gründet. Das Wortauch" muß hier also wegblei­ben: oder wenn es beibehalten wird, muß ein Ausdruck hinzutreten, der jenen Begriff nicht in sich schließt. Mithin entweder: die Bitte, das Vertrauen auf ihn zu übertragen, oder: die Bitte, das Ver­trauen auch ihm entgegenzubringen. R. L.

Büchertisch.

Dr. iur. Hans Culemann : Kreditfchutz durch die Branche. Abwehr von Verlusten durch Erfahrungsaustausch. Preis 2,40 Mark. Verlag von Reimar Hobbing in Berlin SW. 61. (536) Der Verfasser will mit dieser zeitgemäßen Schrift dem Kreditgeber ein eigenes Urteil darüber ermög- lichen, ob die von den Fachverbänden geschaffenen Kreditkontrollen oder ein Erfahrungsaustausch zwi­schen Auskunfteien und Auskunftsempfängern prak­tisch eine größere Sicherheit gegen Kreditverluste gewähren. Seine kritische Untersuchung der heute vorhandenen Kreditkontrollen der Fachverbände gibt wertvolle Anhaltspunkte, um das Zweckmäßige auf dem Gebiete des Kreditschutzes zu erreichen und das Unzweckmäßige zu vermeiden. Culemanns Darstel- lung der bestehenden Kreditorganisationen ist um­fassend und lückenlos. Besonders wichtig ist auch die Aufzählung der Kreditkontrollen, die wieder einge­gangen sind.

Guter Rat ist Goldes wert", so lautet ein altes Sprichwort. Für die geplagte Hausfrau gibt es einen Ratgeber, der ihr im Laufe der Zeit viel Geld erspart und nur 120 wutsche Reichspfennige kostet. Es handelt sich um ein Buch im Umfang von 160 Seiten, das im Wilhelm Köhler Verlag, Min­den i. W., erschienen ist. Es heißt:1200 Antworten auf 1200 Fragen (1200 Hausfrauenkniffe). Ein nie versagender, praktischer Ratgeber für Haushalt und Küche", herausgegeben von der bekannten haus- wirtschaftlichen Schriftstellerin Frida Baumgarten, Berlin. Ratschläge zum Fleckenentfernen, zur Rein!» S und Instandhaltung aller Kleidungsstücke, zur itserleichterung bei der Wäsche und allen son­stigen Hausarbeiten, bewährte Küchenkniffe, Rat­schläge für die Gesundheit, für Kinderpflege und Hilfe bei kleinen häuslichn Unfällen, sowie Hunderte von erprobten Winken sind in dem Buche enthal­ten, wie sich eine Hausfrau in den verschiedensten Lagen des täglichen Ledens helfen kann. (336.),

Als Abschluß der Reichshandwerkerwoche wurde ein 12 km langer Umzug von 50000 Handwerkern durch die Straßen der Reichshauptstadt veranstaltet. Unsere Bilder zeigen oben links: Die Schorn­steinfeger in voller Tätigkeit. Daneben die Konditoren. Unten links: Die Fischhändler mit einer riesigen Karpfenattrappe. Daneben eine ernste Mahnung: Wer Schwarzarbeit unterstützt, gehört in den Schuldturm.

Handwerkserinnerungen.

3n Berlin gibt es jetzt eine Fülle von Ausstellun- >gn, die den Berlinern den Wert der Tradition und IDii Arbeit ihrer Urgroßväter vor Augen führen 11 Oien- Auf Schritt und Tritt erinnern Wahrzeichen Attest st> «m den unsterblichen Geist preußischer Vergangen-

> bt* hn beotW lpe! Allmählich beginnt sich jetzt jener solide, ein- £thaUtf'fl fluid) ;|i)e Lebensstil durchzusetzen, der dem innersten

hüt,! rotR. g-fleigerl l.Btorafter des Berliners entspricht. Eine Ber- s°Ndw°rk-w°ch°, wie sie in diesen e nelunP ^erbem lc JEcpen die öffentliche Atmosphäre Berlins beherrscht, , ÄutR; irOarttH. 3; inire noch vor kurzem kaum möglich gewesen. Die - Lei bcly »BHeUungBerliner Handwerkserinnerungen" im

idienbt ^''.Mürlilchen Museum hat nicht nur ein rein histori- / eine °ku , fiinbent ®°, Interesse, sondern sie zeigt in einer anschau- . , e ^Lrbe bet .un^ lehrreichen Weise, mit welchem Fleiß fl_.r|^c, Unfall aiit welcher Inbrunst die Handwerker der alten

h»uie M uniS81 an *^rer Arbeit hingen. Man findet in dieser ' -ine »lksiellung manch wertvolle Stücke. Besonders

:/ xiR. ew sichten. 1eM«ssant ist die Drechselbank Friedrich r n 51ü * :Jnt oMl", 13: l f) e Im 5 I., ein Geschenk des Zaren Peter des " S J jrbtüflJJ io Wielfrtn. Viele wertvolle Gegenstände, die in der m für Str0a''8IIwMung zu sehen sind, legen von der persön- ' ,r. >0 0 $ -n 90 ° Verbundenheit Zeugnis ab, die in den alten t*®a h,n übrlLr Arbeit'pkeie» zwischen dem Meister und seinem Werk be- ' " ri;i'Ä n 45 f. V. Es wäre heute z. B. kaum möglich, daß ein " Rk ttlE «xisall') uHrniacher die Geduld und die Ausdauer besitzt, ,jn flcul'bn eurer 21jährigen Arbeit eine astronomische Uhr r ig iRttlsleW-1 'orftruieren, wie sie in dieser Ausstellung gezeigt

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< AiH Die Wett aus Marzipan.

auch der Rekord dieses Uhrmachers unge-

Erna Rr R '»wgen blieb, so ist doch auch das Branden- '' r Tor aus Zucker, das ein Ber-

Konditor geschaffen hat, eine erstaunliche Lei- L fljirgtift v brauchte ungefähr 100 Arbeitsstunden,

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Nr. 249 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 24. Oktober 1955

9er Kanzler spricht an her Sesreiimgshale in Kehlheim.

Vom berliner Feflzug der Handwerker.