wirtschaftlichen Gründen sehr bedenklich sei. Außerdem sei im Interesse der Arbeitsvermittlung eine gleichmäßige Behandlung aller Arbeitslosen notig.
Es werden wieder mehr Kraftfahrzeuge gelaust.
Berlin, 23. Aug. (TU.) Die vom Statistischen Reichsamt angestellte Erhebung über den Kraft- fahrzeugbestand hat ergeben, daß die Zahl der Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich nach dem Rückgang im vergangenen Jahr wieder zugenommen hat. Am 1. Juli 1933 waren im Verkehr 852 776 Krafträder (gegenüber dem Vorjahre plus 4,1 v. $).), 522 209 Personenkraftroa- gen (plus 5 v. f).)t 155 219 Lastkraftwagen (plus 1,8 d. 3).); die Gesamtzahl der im Betrieb befindlichen Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich betrug 1562 823 (plus 4*2 v. H.). Damit ist bei den Personenkraftwagen und den Krafträdern der Stand des Jahres 1931 wieder er« reicht bzw. überschritten. Der Bestand an Lastkraftwagen bleibt allerdings noch hinter seinem Höchststände im Jahre 1931 um 3,6 o.H. zurück.
Schulen können zur Vereinfachung der Verwaltung abaebaut werden.
Berlin, 23. Aug. (VDZ. Funkspruch.) Auf die Anfrage des Deutschen Gemeindetagcs hat der Reichsinnenminister Dr. F r i ck erwidert, daß zu den Maßnahmen, die auf Grund des § 6 des Gesetz cs zur Wiederherstellung des Berufsdeamtentums zur Vereinfachung der Verwaltung getroffen werden können, auch die Einschränkung von Unter» richtsan st alten und demgemäß die Versetzung der Lehrpersonen in den dauernden Ruhestand g.'hören, auch wenn die Dienstunfähigkeit noch nicht gegeben ist.
Nachweisung arischerAbftammung beim Eintritt in das Gemeindebeamtcntum.
Berlin, 23. Aug. (WTD.) Der Reichsminister des Innern hat am 8. August Richtlinien für den Rachweis der arischen Ab - stammung der Ehefrau eines Beamten bei Eingehung einer Ehe erlassen. Diese Richtlinien gelten entsprechend für das Bcamtenrecht der Gemeinden und Ge - meindevcrbände. Rach den Richtlinien hat demgemäß, wer als Beamter der Gemeinden (Gemeindeverbände) berulen werden soll, nachzu- weiien, daß die Person, mit der er die Ehe ein« gehen will, arischer 2lbstammung ist. Der Rachweis ist durch Vorlegung von Urkunde n zu erbringen. Darüber hinaus sind Rach- weise, insbesondere auch hinsichtlich Rame, Konfession usw. der Großeltern nur beizubringen, wenn Zweifel an der arischen Abstammung bestehen. Der Rachweis der arischen Abstammung der Ehefrau ist ebenfalls grundsätzlich durch Vorlegung von Urkunden zu erbringen. 3n der gleichen Weise ist der Rachweis arischer Ab- ftamnufng des Beamten und der Ehefrau bei Chrcnbeamten der Gemeinden (Gemeindeverbände) zu führen.
Einheitsverband der Kapital- und Kleinrentner.
Berlin, 23. Aug. (TA.) 3m Auftrage des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hat Reichstagsabgeordneter Parteigenosse Rudolf Schmeer die Anordnung getroffen, daß alle im Deutschen Reich vorhandenen Kapital- und Kleinrentnerverbände oder -Vereine vom 15. August 1933 ab dem seitherigen „Deutschen Rentnerbund e. V.", jetzt „Reichsbund der deutschen Kapital- und Kleinrentner" unterstellt sind und diesem bis spätestens 1. September 1933 die hiernach erforderlichen Angaben einzureichen haben. Zum Dundesführcr wurde der seitherige Bundesvorsitzende des Deutschen Rentnerbundes, Parteigenosse Michael Wiesinger, Rürnberg, ernannt. Der „Reichsbund der deutschen Kapital- und Kleinrentner" ist korporativ der Reichsführung der RS. - Volkswohlfahrt angegliedert. Das Bundesamt befindet sich in Berlin W 30, Münchener Straße 33.
3m GemeinschaWager der Referendare.
Kürzlich stattete der preußische Justizminister Kerrl zum ersten Male dem Gemeinschaftslager der Referendare in I ü t e r b o a einen Besuch ab. Er richtete eine Ansprache an die Referendare, wobei er u. a. ausführte, es gelte ein Beispiel zu geben für das gesamte Volk, daß es sich über alle Unterschiede hinweg zusammenfinde. Dann würde die Zeit kommen, wo der Paragraph, den die Referendare im Lager von Jüterbog aufgehängt haben als Zeichen der neuen Gesinnung, nicht nur aufgehängt, sondern vollkommen verschwunden sein würde. Dann würde d e r „k ö n i g l i ch e Richter" erstehen, dessen Schaffung die neue Gemeinschafts- bildung der Referendare dienen solle. Durch diese Ausbildung solle der Standesdünkel ein für alle Mal beseitigt werden. Der Jurist solle sich klar darüber sein, daß es Volksgenossen gibt, die ein viel schwereres Leben hätten als er und für die er da fei. Auch das zwecklose „Büffeln" vor dem Examen werde durch die Gemeinschaftsausbildung verhindert, denn das, was die Referendare in den 6 Wochen des Gemeinschaftslagers nicht vergessen, sei das, was wirklich wichtig sei und was sie fürs Leben behalten müßten.
Anschließend gab der Lagerleiter Oberstaatsanwalt Spieler einige Erläuterungen über den Lagerbetriebs. Der Tag im Gemeinschaftslager verläuft streng geregelt. Um 6 Uhr ist Wecken, woran sich ein halbstündiger Waldlauf anschließt. Es folgt Stubendienst und Frühstück. Die Zeit von 8 bis 11.30 Uhr ist sportlichen Hebungen im Gelände gewidmet. Rach dem Essen ist Bettruhe, da viele der zum Teil sportlich nicht durchgebildeten Referendare sonst den starken körperlichen Anforderungen nicht gewachsen sein würden. Von 14.30 bis 18 Uhr folgt wiederum Sport sowie weltanschaulicher Unterricht, der von zwei Assessoren, die schon seit längerer Zeit in der nationalsozialistischen Bewegung stehen, erteilt wird. Außerdem gibt es gelegentlich Vorträge von Politikern oder Wissenschaftlern. Eine sehr beliebte Einrichtung sind die Kameradschaftsabende, die die Referendare mit den im neuen Jüterboger Lager liegenden Arbeitsfreiwilligen sowie mit Streckenarbeitern zusammenbringen. Eine Lagerbibliothek sorgt für Belehrung und Unterhaltung, jedoch sind aus dieser Bücherei sämtliche juristischen Werke strengstens ausgeschlossen.
Zum Schluß äußerte sich ein Mitglied der Prüfungskommission, Oberjustizrat Richter, über die
Erfahrungen, die man bisher mit den Prüflingen, die durch das Gemeinschaftslager gegangen sind, gemacht hat. Es fei bemerkenswert, daß die Ergebnisse jetzt viel besser feien,„ da die Prüflinge nicht mehr nervös und überarbeitet, sondern in gehobener Stimmung in die Prüfung kämen
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Der preußische Justizminister Kerrl besichtigt das erste Gemeinschaftslager, das bei Jüterbog für Referendare errichtet wurde. — Ein Paragraphzeichen, das an einem Galgen hangt, weist symbolisch darauf hin, daß hier nicht „gefachsimpell" wird, sondern daß vielmehr die künftigen Richter hier zu wahrem Gemeinschaftssinn erzogen werden sollen.
Stahlhelmtag abgesagt.— Neichöführertaaung des Stahlhelm erft am 23 September.
Berlin, 23. Aug. Die die Telegraphen-Union erfähri, Hal der Bundesführer des Stahlhelm auf Mansch des Reichskanzlers Adolf Hitler, die für den 9. September anberaumte Reichsführertagung des Stahlhelm in Hannover auf den 2 3. und 2 4. September verlegt. Degen der durch diese Verlegung bedingten organisatorischen Schwierigkeiten wird die Durchführung des ursprünglich in Zusammenhang mit der Führertagung vorgesehenen Stahlhelmtages abgesagt. lieber den Umfang und Verlauf der Reichsführertagung sollen in den nächsten Tagen die Befehle erlassen werden.
Oer ReichSsportführer zum Tode der Schwimmerin Hutt) Ohiq.
Wie der „Völkische Beobachter" zum Tode der erst 19jährigen Schwimmerin Ruth L i tz i g aus Herne meldet, ergab eine Anfrage beim Büro des Reichssportführers eine absolute Ablehnung und schärf st e Geißelung einer derartigen Auffassung von sportlichem Ehrgeiz. Vor allem-gab der Reichssportführer von Tschammer- O st e n seiner Entrüstung Ausdruck über den u n - verantwortlichen Leichtsinn und die Unsinnigkeit der sensationsmachenden und geschäftstüchtigen Veranstalter, die durch ihre mit
sportlichem Geist nichts gemein habenden Methoden ein junges Menschenleben brutal vernichtet haben. Der Reichssportführer ließ keinen Zweifel darüber, daß derartige Rekordwahnsinnsoeranstaltungen mit diesem traurigen, zugleich aber auch von sportlichem Ungeist zeugenden Fall für alle Zeiten ein Ende gefunden haben. Im übrigen überläßt es der Reichsfportführer den Gerichten, die Der- anftalter zur Rechenschaft zu ziehen.
Kamps gegen i>en Kommunismus in Diiffeldml und Köln.
Zahlreiche Funktionäre verhaftet.
Düsseldorf, 22. Aug. (TU.) Die Polizei- Pressestelle teilt mit: Der unermüdlichen Arbeit der Düsseldorfer Politischen Polizei in Verbindung mit dem Rachrichtendienst der SA. und SS. gelang es, in der Zeit von Anfang 3uni bis Mitte 3uli 5.3. insgesamt 94 kommun i ft i s ch e Funkt ionäre in Düsseldorf feftzunehmen, die sich an dem illegalen Wiederaufbau der KPD. betätigt hatten. Die Festgenommenen hatten bereits einen regen Kurierdienst eingerichtet, kommunistisches Zersetzungsmateri a'l in Foym von Flugblättern und Zeitungen verbreitet und um der am Boden liegenden KPD. wieder auf die Deine zu helfen, neue Kassierer eingesetzt. Bei der illegalen Tätigkeit wurde saft nur mit Decknamen und Deckadressen operiert. Trotzdem konnte noch zahlreiches schriftliches Zersetzungs
material ersaßt und sichergestellt werden. Der größte Teil dieses Schriftenmaterials genügte zur Ueberführung der festgenommenen Personen wegen hochverräterischer Umtriebe. Angesichts des erdrückenden Beweismaterials blieb den 3n- haftierten nichts and?res übrig, als umfassende Geständnisse abzulegen, so daß 29 Personen, darunter vier bekannte kommunistische Reichs- und Landtagsabgeordnete, dem Richter vorgeführt wurden, der gegen alle Dorgeführten Haftbefehl erlassen hat. Die übrigen Beteiligten sind in Schutzhaft genommen worden. Die Geheime Staatspolizeistelle Köln hatte festgestellt, daß versucht wurde, wieder eine Organisation des „Kampfbundes gegen den Faschismus" ins Leben zu rufen. Flugblätter wurden in großem Umfange hergestellt. 17 Funktionäre, die an dem Aufbau des Kampfbundes tätig waren, darunter der Leiter, konnten l e st - genommen werden. Der Hauptkassierer des Bezirks Mittelrhein, der Kassierer von Groß-Köln sowie 25 Dezirkskassierer, Instrukteure und Kuriere wurden hinter Schloß und Riegel gebracht. Weiter wurden noch 6 Funktionäre in Haft genommen, die versuchten, die kommunistische Reben- organisation „Revolutionäre Gewerkschaftsopposition" wieder aufzubauen.
Keine Zerstörung der kirchlichen Iugendverbände.
Kassel, 22. Aug. (WSR.) Der Bevollmächtigte des Reichskanzlers für die Arrgelegenheiten der Evangelischen Kirche Ludwig Müller, der erst vor wenigen Tagen durch die Vermittlung von Reichswart D. Stange ein herzliches Wort des Grußes und der Ermutigung an das Evangelische 3ugendwerk Deutschlands richtete, hat an die ihm unterstellten kirchlichen Dehörk^n die Anordnung ergehen lassen, daß sich die gesamte evangelische Geistlichkeit der Erhaltung der bestehenden evangelischen 3ugendvrganisatio- nen widmen soll, wobei es den Pfarrern oder Vereinsvorständen ausdrücklich verboten wird, eigenmächtig Vereine aufzulösen oder in andere nicht kirchliche Vereine überzuführen. Alle Gerüchte, als ob eine Zerstörung der kirchlichen 3ugendverbände beabsichtigt sei, ist durch dieses Wort aus dem Munde des Bevollmächtigten des Kanzlers die Spitze abgebrochen.
Kleine politische Nachrichten.
Die nationalsozialistische Münchener Stadtratsfraktion hat beschlossen, von dem herkömmlichen Festessen, das anläßlich der Eröffnung des Münchener Oktvberfestes dieses 3ahr A b st a n d zu nehmen und den hierfür ausgesetzten Betrag von 600 Mark zur Speisung von 100 bedürftigen arbeitslos en Volksgenossen auf dem Oktoberfest zu verwenden. x
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Der Verbandsbeirat des Verbandes der Kommunalbeamten und Angestellte n in Preußen hat beschlossen, der Sammlung des Deutschen Beamtenbundes für nationale Arbeit den Betrag von 50 000 Mark zur Verfügung zu stellen.
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Der frühere Präsident Hoover hat die Aufforderung des Untersuchungsausschusses über den Detroiter Bankkrach als Zeuge aus- z u s a g e n , telegraphisch abgelehnt. Er habe die Berichte über die Detroiter Vorgänge selbst nur aus zweiter Hand, nämlich von den Federal Reserve Board und vom Schatzamt erhalten und müsse daher den Untersuchungsausschuß an diese Behörden verweisen.
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Die konservative Regierung von Reufundland hat eine schwere Riederlage bei den Wahlen erlitten. Die Liberalen erhielten 21 Sitze, 7 die Konservativen, 2 Sitze stehen noch aus. Sämtliche bisherigen Kgbinettsminister, mit Ausnahme von zwei, unter ihnen der bisherige Premierminister Harrington, sind nicht wiedergewählt worden. Der neue Premierminister wird Rechtsanwalt Angus Mac- d o n a l d sein.
Die Leipziger Herbstmesse und ihre Geschichte.
Don Otto Mühlenhoff.
Entstehung.
Die Leipziger Herb st messe beginnt seit alten Zeiten jedesmal am letzten Sonntag im August. Diesmal ist ihr auch noch eine Braune Messe angegliedert. Wechselvoll wie die Geschichte Sachsens und Deutschlands ist auch die Geschichte der Leipziger Messe. 3hre Geschichte kann in vielen Beziehungen beinahe als ein Spiegelbild der deutschen Geschichte angesehen werden. Zeiten, in denen es schien, als ob die Messe in Leipzig zu einem lokalen Jahrmarkt werden sollte, wechselten ab mit Zeiten, in denen rasch wieder ein großer Aufschwung eintrat.
Die Anfänge der Messen in Leipzig lassen sich auf das Jahr 1170 zurückführen. 3n diesem 3ahre wird in den Leipziger Chroniken zum ersten Male ein Leipziger 3ahrmarkt erwähnt, aus dem dann die Messen entstanden. Möglicherweise wurden schon vor dem Jahre 1170 Märkte in Leipzig abgehallen, doch ist dies nicht mehr nachzuweisen. Das Wort Messe für den Leipziger 3ahrmarkt tauchte erst im Jahre 1507 auf. Das erste Privilegium geht zurück aus den sächsischen Kurfürsten Friedrich II. oder den Sanftmütigen, und stammt aus dem 3ahre 1458; diesem Privilegium für die Leipziger Messe folgten dann im 15. und im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts noch kaiserliche Privilegien. Mit feinen Messen hatte Leipzig bis in das 18. Jahrhundert hinein starke Mitbewerber, Io Frankfurt a. M., Halle a. S., Raumburg, Magdeburg, Braunschweig, Erfurt, Breslau. Die gefährlichsten Wettbewerber waren zunächst Halle und Frankfurt a. M. Halle hatte gewisse Vorteile, weil es der alte Mittelpunkt für den Salzhandel war und auch, weil es an einem schiffbaren Flußweg lag, Frankfurt war besonders begünstigt durch seine Verkehrslage. Der Wettbewerb Halles wurde ausgeschaltet, nachdem diese Stadt ihre Handelsprivilegien wieder verloren hatte, dagegen blühten die Messen in Frankfurt in einer Weise auf, daß die Leipziger Messe dagegen nicht aufkommen konnte. Das blieb so bis 8um Beginn des 18. 3ahrhunderts. Erst von diesem Zeitpunkt an mußte die Frankfurter Messe hinter der Leipziger Mc^se an Wichtigkeit zurück- treten.
Leipziger Messe und Tauchaer Jahrmarkt.
Roch einer Stadt ist zu gedenken, die als Mitbewerber gegen die Leipziger Messe auftreten wollte, deren Bewohner aber dafür jahrhundertelang viel Spott einstecken muhten. Das ist das Städtchen Laucha, unweit von Leipzig. Als um das 3ahr 1200 Leipzig als Lehen an den Markgrafen von Meißen gekommen war, spürten die Bewohner Leipzigs nicht die geringste Zuneigung für ihren neuen Landesherrn; und zwischen dem Leipziger Rat und dem Markgrafen entstanden immer wieder Streitigkeiten. Aus Qlerger darüber und um die Leipziger zu züchtigen, überfiel der Meißener Markgraf die Stadt, ließ die Mauern schleifen und verlegte den Leipziger 3ahrmarkt in das benachbarte Taucha. Die Bürger dieser Stadt waren darob sehr stolz und gedachten ihr winziges Städtchen zu einem großen Mittelpunkt des Handels zu machen. Damit ging es indessen nicht recht vorwärts. Als dann in Leipzig wieder Markt abgehalten werden durfte, rächten sich die Bewohner Leipzigs aus die Weise, daß sie jedesmal zum Jahrmarkt nach Taucha zogen und dort zur Verspottung des Tauchaer Jahrmarktes allerlei Unfug anstellten und Spottlieder fangen. Die Bürger von Taucha mußten dabei noch gute Miene zum bösen Spiel machen, weil die spottlustigen Leipziger manchen Groschen in das arme Städtchen brachten. Roch heute wird der Tauchaer Jahrmarkt von den Leipzigern viel besucht, und noch jetzt müssen sich Die guten Tauchaer Bürger wegen der Großmannssucht ihrer Vorfahren foppen lassen.
Krieg und Messe.
Kriege und andere Wirren in Deutschland hatten in den einzelnen Zeiten einen sehr verschiedenen Einfluß auf die Leipziger Messen. Manchmal wirkten Kriege und politische Wirren sehr abträglich auf die Messen in Leipzig ein, oft aber wurde das Geschäftsleben in Leipzig durch Kriege auch stark angeregt; die Soldaten mußten eingekleidet und verpflegt werden. Besonders, wenn Leipzig und seine nächste Umgebung nicht unmittelbar in der Kriegszone lagen, hatte die Leipziger Messe oft große Vorteile aus kriegerischen Begebnissen. In solchen Zeiten erhielten die Kaufleute auch oft aus feindlichen Ländern freies Geleit für die Leipziger Messe zugesichert. Rachteile hatte die Leipziger Messe um die Mitte des 16. Jahrhunderts zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges und dann toiebet, als Kurfürst Moritz von Sachsen mit seinen Ver
bündeten Krieg gegen Kaiser Karl V. führte. Sehr unterschiedlich war der Einfluß des Dreihig- jäh-ingen Krieges auf die Messe in Leipzig. 3n der ersten Hälfte diefes Krieges überwogen wohl sogar die Vorteile, zumal während dieser Zeit in anderen Städten die Messen ganz oder teilweise ausfielen. Erst in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges, vom Jahre 1631 an, begannen die Kriegswirren auch verheerend auf Leipzig und seine Messen einzuwirken. Rachdem Leipzig in die Kricgszone gekommen war und besonders, während der acht Jahre dauernden Besetzung durch die Schweden, hatte Leipzig sehr zu leiden. Hauptsächlich der schwedische General W r a n g e l bürdete Leipzig schwere Lasten auf. Die große Verarmung, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in Deutschland eingetreten war, muhte zwar ihre Wirkungen auch auf die Leipziger Messe geltend machen, trotzdem folgte bald ein neues Aufblühen. Eine schlimme Zeit kam dann von neuem mit dem Einzug der Franzosen im Jahre 1806 und mit der Beschlagnahme sämtlicher englischer Waren. Sehr günstig war dagegen der Geschäftsgang in den Jahren 1810 bis 1812. Erst das Jahr 1813 brachte wieder einen Rückschlag. Zuvor jedoch, im 18. Jahrhundert, hatte die Leipziger Messe einen harten Schlag erhalten. Er kam von König Friedrich von Preußen.
Friedrich der Große und die Messe.
Nicht allein aus militärisch-politischen Gründen suchte Friedrich der Leipziger Messe Schaden zuzufügen, mehr noch war ihm darum zu tun, den Messe- oerkehr von Leipzig in Städte feines eigenen Landes abzuleiten. Besonders Breslau wollte er zum stärksten Wettbewerber Leipzigs machen Auch, um die vielfach abgerissenen Handelsbeziehungen nach Oesterreich wieder zu knüpfen, richtete Friedrich im Jahre 1742 in Breslau zwei Messen ein, eine Frühjahrsmesse im März und eine Herbstmesse im September. Um die Kaufleute aufzumuntern und um selbst nach dem Rechten zu sehen, war der König zu den beiden ersten Messen, im September 1742 und im März 1743, selbst nach Breslau gekommen. Aber Breslau lag wohl doch etwas zu entlegen, als daß dort hätte ein großes Mefsezentrum entstehen können. Vielleicht fehlte es den damaligen Breslauer Kaufleuten auch an Erfahrung und Unternehmungsgeist. Der Siebenjährige Krieg vernichtete bann auch noch die letzten Ansätze zu einer großen Breslauer Messe, aus der wieder ein Jahrmarkt wurde. Immerhin waren diese Zeiten für die Leipziger Messe sehr kritisch.
Neue Zeit.
Ein neues bedeutendes Aufblühen brachte dann der Messe im Jahre 1834 der Anschluß Sachsens an den deutschen Zollverein und der wachsende Ausbau der Eisenbahnen. Dieser günstigen Entwicklung stan- den allerdings auch ungünstige Auswirkungen "gegenüber. Je.mehr sich das Eisenbahnnetz verdichtete, desto mehr konnten die Handlungsreisenden bis in die entferntesten Ortschaften Vordringen. Dies tat auch der Leipziger Meße Abbruch. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es sogar in Leipzig Schwarzseher, die die Messe für eine überlebte Einrichtung hielten. Doch immer wieder paßten sich die Leipziger den veränderten Verhältnissen an, und die Messegeschäfte blieben auf der Höhe. Im Weltkrieg begann im feindlichen Ausland überall eine große Agitation gegen die Leipziger Messe. Daß man sie dauernd boykottieren werde, stand überall fest. Auch Daraus wurde nichts. Dann fernen Inflation und Weltkrise. Besonders die Weltkrise hat auch'in Leipzig tiefe Spuren hnterlassen. Die Zahl der Aussteller sank von 10171 bei der Frühjahrsmesse im Jahre 1929 auf 6292 bei der Frühjahrsmesse im Vorjahre. Doch die Leipziger haben Den Mut nicht verloren unD hoffen stark, daß mit einem Wiederaufstieg im deutschen Wirtschaftsleben auch die Messe in Leipzig wieder eine neue Blüte zeigen wird.
Das Kolleg.
Das Kolleg bei dem berühmten Professor R ö n t • gen in Wurzburg war immer sehr besucht und fand in einem großen Hörsaal statt. Leider hatte Röntgen Die Angewohnheit, sehr leise zu sprechen, so daß er kaum auf Den ersten Bänken zu verstehen war. Eine AborDnung der Studenten, Die ihn um lauteres Sprechen bitten sollte, hatte keinen Erfolg. Da saß eines Tages in Den vorDeren Reihen ein Student aus Schwaben, Der wieder vergeblich versuchte, den Vortrag nachzuschreiben. Nachdem er eine Weile vor sich hingebrummt hatte: „Zahlt mei Vater Dös teure Kolleggeld unD ich lern' nix", und ähnliches, klappte er hörbar sein Kollegheft zu und schritt langsam Die Stufen zum Ausgang hinauf. Als er fast oben angelangt war, bemerkte ihn Röntgen unD rief mit Stentorstimme: „Was fällt Ihnen Denn ein? Sie stören meinen Vortrag!" Der bieDere Schwabe dreht sich auf Der obersten Stufe um und fugt nur: „Schau, Männle, jetzt kannfch kreische, jetzt isch's z'spät", und entschwand.


