Ausgabe 
24.8.1933 Frühausgabe
 
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Intensivierung

-er Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen.

Ein Aufruf des Reichs,iatthalterS und Gauleiters Sprenger.

Frankfurt a. M., 23.2lug. (WSM1 Die seitherigen beachtlichen Erfolge der großen Ar- beitsbeschaffungsaktion im Rhein-Main-Gebiet, zu denen die einschlägigen Dienststellen der Partei, der Wirtschafts- und Staatsbehörden in gemeinsamer Arbeit mit allen Kräften bei» getragen haben, dürfen erst als Anfang einer völligen Entlastung des Arbeitsmarites betrachtet werden. Zur Weitertreibung der Arbeitsbe- schafsungsoffensioe ordne ich nunmehr an:

1. Die Kreisleiter und die Ortsgruppenleiter fchen sich mit sofortiger Wirkung mit den in ihrem Bereich liegenden Gemeindevorständen, den Bürgermeistern bzw. den Landcäten ins Benehmen, um alle noch vorhandenen Mög­lichkeiten zur Beseitigung b:r Arbeitslosig­keit eingehend zu besprechen und zu einem klar umrissenen Abschluß zu bringen.

2. Tie Krcisl-.iter und Ortsgruppenlci.er wer­den angewiesen, mit den örtlich eingesetzten Mitarbeitern der Witab (Wirtschaftstech- nisch« Abteilung für Arbeitsbeschaffung) alle vorliegenden Anträge zur Wiederbelebung und Auffrischung wirtschaftlicher Belange der in ihrem Arbeitsgebiet liegenden Industrie­zweige zu prüfen und umgehend an die Kontrollstelle für Arbeitsbesä)a,fung. Frank­furt a. M., Vutleutstrohe 8 12, weiterzuleiten.

3. Die Kontrollstelle für Arbeitsbeschaffung hat nach Kenntnisnahme und Registrierung die eingehenden Anträge noch am selben Tage an die Witab (Wirtschaftstechnische Abtei­lung für Arbeitsbeschaffung) des Gaues weiterzureichen.

4. Alle Möglichkeiten zur raschen Belebung und Bearbeitung und zur Durchführung der Arbcitsbeschaffungsmaßnahmen in meinem Gaugebiet werden wirtschaftlich und sinanz- *

politisch durch die Behörden und Wirtschafts- Vertreter bzw. von dem Treuhänder der Arbeit, Präsident Dr. L u e r, sowie durch den Ausschuß zur Durchführung und Heber- wachung der Arbeitsbeschaffungsmahnahmen im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet er­ledigt.

5. Die Kreisleiter melden bis zum 10. Sep­tember d. 3. nach Bearbeitung mit den in ihrem Gebiet liegenden Arbeitsämtern, den Stand der erwerbslosen Dolksgenossen je­weils am 1. eines jeden Monats erstmalig am 1. Scptenrber d. 3. an meine Kontroll­stelle.

6. Die Kreisleiter melden umgehend spätestens bis zum 10. September 1933 das Resultat der nach Rücksprache mit den behördlichen Stellen der Gemeinden und Städte geplanten Arbcitsbeschaffungsmaßnahmen an die Kon­trollstelle für Arbeitsbeschaffung, Frankfurt a. M., Gutlcutstraße 8 12 II.

Alle bisher beauftragten Parteigenossen, Gliede­rungen der Parteiorganisation usw. setzen ihre Ar­beit in der bereits begonnenen Weise fort. Alle Be­hördenstellen werden hiermit ersucht, sich in dem­selben Maße wie bisher für die Beseitigung der Ar­beitsnot einzusetzen. Die freien Wirlschastsunter- nehmer, die Handwerk- und Gewerbetreibenden fetzen sich gleich nachdrücklich dafür ein. Alle Dolks- genoffen werden hiermit erneut aufgefordert, durch rege Anteilnahme an dem Aufbau mitzuwirken.

3d) stehe dafür ein, daß durch die organisatori­schen Maßnahmen der Partei das Rückgrat und die Sicherung im Gau Hcssen-Rassau geschaffen ist. jede Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung so rasch wie nur möglich durchzusühreu.

gez. Sprenger.

Aus der provinzialhaupistadi.

Arbeit! O.enst! Pflicht!

Schauspiel in 3 Akten von Pg. Bartholomäus, Gießen.

lieber die Uraufführung dieses Stuckes unseres Gießener Mitbürgers Bartholomäus lesen wir imDarmstädter Tagblatt" vom 23. August folgen­den Bericht:

Der DreiakterArbeit! Dienst! Pflicht!" von Pg. Bartholomäus erlebte gestern abend seine Uraufführung im Orpheum. Das Motto dieses Schauspiels lautet:Arbeite und diene deinem Bolre, dann tust du deine Pflicht!" Das mit außerordent­licher Liebe zu seinem Volke, mit heißem Herzen für den deutschen Bruder geschriebene Stück stellt ein wahres, echtes Bekenntnis zum deutschen National- lozialismus, zu dem Geiste dar, den unser Führer Adolf Hitler lebendig werden ließ. Die Erziehung von verblendeten, von marxistischen Irrlehren noch befangenen jungen deutschen Männern zur wahren Volksgemeinschaft, wird von dem Autor in einer lebendigen Handlung wahrheitsgetreu und in den Dialogen mit solch überzeugender Geistesschärfe ge­zeigt und durchgeführt, daß zu wünschen märe, daß alle, die guten Willens sind, sich dieses Stück an- sehen.

Der Autor hat bei allem Ernst der Handlung im Arbeitsdienstlager jede seiner Figuren nach dem Le­ben gezeichnet. Er hat den gesunden deutschen Le­bensmut in den jugendlichen Gestalten zum Durch­bruch kommen lassen und hat ihnen einen hübschen Schuß befreienden Humors beigefügt. Er hat diesen jungen Kämpfern den verstocktenEdellommunisten" Mengel gegenübergestellt, der irregeleitet wurde und endlich erkannte, wie sehr er getäuscht wurde und auf Abwegen war.

Das Gießener Ensemble verfügt über ausgezeich­nete Kräfte, die im Sinne des Autors den Figuren Leben und Wirklichkeit verleihen. Oswald Förde- r e r als Albert Menge! spielt seine schwierige Rolle in dem Ernst und der Geschlossenheit, die ihr zu­kommt, und in der allein am Schluffe die Wandlung und Erkenntnis zu verstehen ist. Ausgezeichnet die Arbeitsdienstpflicytigen von Karl Ludwig Lindt, Will). D i e t e n und Rainer E g g e in a n n , wobei besonders auch die hervorragende Leistung des Herrn Lindt anzuerkennen ist, der für den erkrankten Wolsg. Kühne in letzter Minute eingesprungen ist. Einen echten Feldmeister verkörpert Heinrich Hub. Auch alle kleineren Rollen, insbesondere die weib­lichen, hier namentlich Sybille-Eoelyne F l e m - m i n g als Lina Haller, sind außerordentlich glück­lich besetzt. Die straffe und in jeder Beziehung dem Ernst der Handlung angepaßte und zweckmäßige Spielleitung lag in Händen des Intendanten des Stadttheaters Gießen, Hanns König.

Das echt deutsche Schauspiel, das tief in die Ideen des Nationalsozialismus einführt und den GedankenGemeinnutz geht vor Eigennutz" hervor­hebt, hatte durch die hervorragenden Leistungen der mitwirkenden Künstler vollen Erfolg zu verzeichnen und fand bei den Zuschauern, unter denen man auch den Herrn Ministerpräsidenten Profesior Dr. Wer­ner bemerkte, lebhaften Beifall. Der Autor und die Künstler mußten sich dem dankbaren Publikum immer wieder zeiaen. Es ist zu hoffen, daß die Wiederholungen dieses Schauspiels einen recht gro­ßen Zuschauerkreis finden.

Nationaler Kitsch wird entschädigungs­los enteignet.

Die Staatspressestelle teilt folgende Bekanntmachung des Landespolizeipräsidenten Dr. B e st mit:

Rach meiner Feststellung werden im geschäft- liä-en Verkehr noch zahlreiche Fabrikate vertrie­ben, die als nationaler Kitsch im Sinne des Ge­setzes zum Schutze der nationalen Symbole anzu- schen find. Gegenstände dieser Art unterliegen der entschädigungsivsen Einziehung. Die Polizeibehörden sind angewiesen, die Ein- ziehungsbesuguis in all den Fällen zu handhaben, in denen ein Mißbrauch der nationalen Symbole offen zu Tage liegt. Ein solcher Mißbrauch wird überall da anzunehmen sein, wo Gegenstände des täglichen Bedarfs mit nationalen (Symbolen verbrämt werden oder wo schon die Minderwertigkeit der Ware in keinem Verhältnis zur Würde des Symbols steht. Die Gewerbetreibenden werden eindringlich ge­warnt, Gegenstände, die danach als nationaler Kitsch zu bewerten sind, in den Verkehr zu brin­gen, auf die finanzielle Auswirkung der Ein­

ziehung kann keine Rücksicht genommen wer­den. Bei Grenzsällen liegt vorherige Fühlung­nahme mit dem Kreisamt oder der Polizeidirel- tion im 3nteresse des Herstellers.

Mmifter.alrar Hmgshausen spricht in Harbach

In Harbach findet am kommenden Sonntag eine Kundgebung der NSDAP, stall, zu der mit starkem Besuch aus allen umliegenden Dörfern gerechnet wird. Es sprechen Ministerialrat Ringshausen, der ja in unserer Gegend kein Unbekannter ist, und Kreisschulungsleiter Dr. Schmidt in Darmstadt. Umrahmt wird die Kundgebung von Musikvorträgen der SA.-Kapelle der Standarte 116, die von 14.30 Uhr ab auf dem Sportplatz in Harbach konzertiert. Auch der BdM. hilft die Feier verschönern. An­schließend ist gemütliches Beisammensein und Deut­scher Tanz im Saale von Wilhelm Herzberger.

Genehmigung Tür bezahle Aebentät gkeit im öffentlichen Oienst zur. ckgenommen.

Die hessische Regierung hat in einem an sämt­liche hessischen Behörden gerichteten Rundschrei­ben mitgeteilt, daß die Beamten, Beamtenanwär­tern und Staatsangestellten von der früheren Re­gierung erteilte Genehmigung zur Versetzung eines bezahlten Nebenamts oder zur Ausübung einer Nebenbeschäftigung mit Wirkung vom 15. August 1933 ab allgemein zurückgenommen sei. Jeder Beamte ist verpflichtet, auf Anordnung feiner vorgesetzten Ministerialabteilung, jede Nebentätigkeit im öffentlichen Dienst ohne Pergütung zu überneh­men oder fortzuführen. Jede Vergütung, die einem Beamten für eine im Zusammenhang mit feinem Hauptamt außerhalb des Staatsdienstes geübten, genehmigungspflichtigen oder auf Vorschlag bzw. Veranlassung seiner Dienstbehörde übernommenen Tätigkeit zu'stießt, ist an die Hauptstaatskasse abzu­liefern.

Weitere Abnahme der Arbeits.'osigkeit in Hessen.

Die Pressestelle des Landesarbeits­amtes Hessen teilt mit:

Die Zahl der bei den Landesarbellsämtern ge­meldeten Arbeitslosen ging in der ersten August­hälfte um rund 2800 oder 1,1 Prozent des Standes von Ende Juli zurück. In Wirklichkeit war jedoch der Rückgang der Arbeitslosigkeit größer, da über 1600 Angehörige der nationalen Wehrverbände, die bisher nicht bei den Arbeitsämtern als arbeitslos gemeldet waren, in der gleichen Zeit neu in Zu­gang tarnen. Insgesamt wurden am 15. August 260 677 Arbeitslose (darunter 46 359 Frauen) ge­zahlt.

Die Zahl der Hauptunter st ützungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürsorge ging in der ersten August­hälfte um rund 3000 zurück. In beiden Unter­stützungszweigen zusammen wurden 84 068 Haupt- unterftütjungsempfänger gezählt.

Die Zahl deranerkanntenWohlfahrts- erwerbslosen betrug Ende Juli 114146 Sie hat sich also gegenüber dem Stand von Ende Juni um 6663 vermindert. Bei öffentlichen Not­standsarbeiten wurden am 31. Juli 8427 Notstands­arbeiter beschäftigt, das sind 1773 mehr als am 30. Juni. Die Zahl der beschäftigten Landhelfer stieg in der Zeit von Mitte Juli bis Mitte August um 1355 auf 12 575. Demgegenüber hat die Zahl der unterstützten Kurzarbeiter auch weiterhin abgenom­men, und zwar um rund 200. In der letzten Juli- woche wurden 3482 unterstützte Kurzarbeiter ge­zählt.

/ Polizeibencht.

Ein Schreiner aus Reuhof bei Fulda und ein Zimmermann aus Staufenberg wurden wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 21. 3. 1933 festgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt, die Haftbefehl beantragte, der auch vom Richter erfassen wurde. Beide haben die Regierung und nationalen Verbände schwer ver­ächtlich gemacht und beleidigt.

Bei einer Durchsuchung in einem Orte des Kreises Gießen wurde sestgestellt, daß sich ber Betroffene staatsfeindlich betätigt. Festnahme ist erfolgt. Wellere Angaben können zur Zeit nicht gemacht werden. Schriftliches Material m grö­ßerer Menge wurde beschlagnahmt.

Der Staatspolizeistelle war bekannt geworden.

daß sich in dem Garten eines ehemallgen Mit­glieds des Landtags und Angehörigen der SPD. Marxisten treffen. Der ehemalige 'Abgeordnete wurde festgenommen und in das Konzentrations­lager Osthofen verbracht. Ebenso wurden weitere beteiligte nach Osthosen überführt. Bei den vor­genommenen Durchsuchungen wurden 2 Karto­theken des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold be­schlagnahmt, die Aufschluß über die Zugehörigkeit zu dem aufgelösten Reichsbanner geben.

3n der Rächt vom 17. zum 18. August wurden in Wieseck dem Bürgermeister und einem dort wohnhaften Kaufmann mit der Hand geschriebene Zettel in den Hof geworfen, die Beleidigungen gegen die nationalen Verbände usw. enthielten und auch zu Gewalttätigkeiten aufforderten. Durch Vergleichung von Handschriften wurde ein Mann als dringend verdächtig festgenommen. Bei der Durchsuchung feiner Wohnung wurden gleiches Papier und die entsprechenden Farbstifte vorge­funden und beschlagnahmt. Gegen den dringend Verdächtigen ist Haftbefehl erlassen worden.

Am 23. August wurde eine Falzerin aus Gießen festgenommen, weil sie an ihrer Arbeitsstelle, einer hiesigen Druckerei, die Regierung verächtlich ge­macht hat. Auch gegen sie wurde Haftbefehl er­lassen. /

BornoNzen.

Tageskalender für Donners- ta g: Lichtspielhaus, Vahnhofstraße:Cs war einmal ein Musikus ..."

Erledigte Lehrer st eilen. Erledigt sind: die Schulstelle für einen evangelischen Leh­rer an der Volksschule in Bisses, Kreis Büdin­gen. Dienstwohnung ist vorhanden: eine Lehrer­stelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Büdingen. Dienstwohnung ist nicht vorhanden: eine Lehrerstelle für einen evange­lischen Lehrer an der Volksschule zu Lindheim, Kreis Büdingen. Dienstwohnung ist vorhanden: die Lehrcrstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lorbach, Kreis Büdingen. Dienstwohnung ist vorhanden: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Wenings, Kreis Büdingen. Dienstwohnung ist vorhanden.

Oer S^'impanse als durchgefallener Filmstar.

Eine kornische Geschichte, in der ein Schimpanse und eine falsche Kokosnuß-Palme die Hauptrolle spielen, erregte in Paris allgemeines Gelächter, als sie vor dem Arbeitsgericht verhandelt wurde. Vor einiger Zeit wünlchte eine Filmgesellschaft eine Schiff- bruchs-Szene auf einer tropischen 3nsel zu drehen. Ein Schauspieler und eine Schauspielerin, namens Raimu und Mary ©tot ), sollten durch die Wellen

unter den Palmen einer 3nfcl an Land gespült wer­den, um hier von einem Schimpansen von der Höhe einer Palme mit einem Regen von Kokosnüßen un­sanft begrüßt zu werden. Eine solche Situation bietet einem erfahrenen Regisseur keine Schwierigkeiten. Wan sand eine 3nsel an der Küste des Mittelländi­schen Meeres in der Rühe von Saint Trope;, und da es an natürlichen Kokospalmen fehlte, wurde eine gewöhnliche Palme dort ausgepflanzt, an der die Kokosnüsse künstlich befestigt waren. Run fehlte nur noch her Schimpanse, und dieser wurde gegen ein Honoar von 1800 Francs von einem Mann geliefert, der sich dafür verbürgte, die Rolle von einem .erstklassigem Exemplar", einem waren Schnn- pansen-Filmstar, spielen zu laßen. Raimu und Fräu­lein Glory nahmen in einem malerischen Schiffbruch- Kostüm. durch und durch durchnäßt, ihre Plätze unter der Patme ein. Der Kameramann siellic sich in Posi­tur. und nun sollte der Schimpanse sein Bombarde­ment beginnen. Er versuchte auch auf den Baum heraufjutletUrn. Aber er war noch keinen Meter hinangestiegen, da fiel er herunter, und das gleiche Mißgeschick passierte ihm, so oft er cs auch versuchte Hatten zu viele Fahre eines harn bien Lebens im Glashaus die Palme ihrer natürlichen Rauheit be­raubt oder hatte der Aste aus ähnlichen Gründen seine Kletteriünste verlernt? Wie dem auch sei, es muhte eine Leiter herbeigebracht werden, und aus dieser bestieg der Affenslar triumphierend die Krone des Baumes. Aber als die Leiter sortgezvgen war und der Schimpanse nun die Rüsse hei unterwerfen sollte. land er daran augenscheinlich keinen Spaß. Mochte man ihm die Bewegung auch nod) so oft vormachen, er streikte. Unterdessen waren die Toi­letten der Schiflbrüchigen ganz trocken geworden. Stunde auf Stunde der kostbaren Zeit verrann, und durch den Streik des Affen war alles umsonst: man mußte unverrichteter Sache von der 3nsel abziehen. Der Herr des Schimpansen hat nun die Gesellschaft auf Zahlung der b00 Francs verklagt: diese aber weigert sich zu zahlen, und es entspann sich vor Ge­richt ein grimmiger Kamps. Die beklagte Gesellschaft verweigert das Honorar, weil derKünstler" nicht gespielt hat. Der Herr des Affen aber will den Be­weis dafür autreten, daß die Schuld an der Richt­erfüllung der kontraltlichen Bedingungen bei der Gesellschaft und nicht bei dem Affen lag. Wie der Anwalt des Klägers ausführte, habe man dem in jeder Beziehung einwandfreien Schimpansen nicht die für seine Aufgabe notwendigen Bedingungen gewährt- Die falsche Kokospalme hatte verfaulte Zweige, ihre Krone war mit Stacheln bedeckt, die Kokvsnüffe seien mit rosa Bändern angebunden ge­wesen alles Dinge, die jeden anständigen Affen irritieren und an der Ausübung seiner natürlichen Tätigkeit hindern mußten- Die Verletzungen, die sich der Affe dabei zugezogen, konnten vor Gericht vorgewiefen werden. Die Sache geht -noch weiter, da die Richter sich über ihre Entscheidung noch nicht schlüssig werden konnten.

Ein Giern im Aufruhr.

Was der Berliner Astronom Or. Weber am Saturn beobachtete.

Don Hellmui Feist.

Der Berliner Privatastronom Dr. Anton Weber hat zufällig eine seltsame Er­scheinung auf dem Planeten beobachtet. Rach einer ilntcrreöung mit ihm schildert unser Mitarbeiter den Vorgang und die Möglichkeiten der Deutung.

Man schreibt den 3. August 1933. Die Sonne ist bereits seit einigen Stunden hinter dem Horizont verschwunden. Schon blitzen die ersten Sterne am woltenlofen Abendhimmel auf. Die Luft ist heute herrlich klar, kein Windchen regt sich, das ideale Wetter, um noch ein we­nig hinauszustreifen über die engen, irdischen Grenzen ins unendliche Reich ungezählter Son­nen und Welten ...

So dachte sich auch Herr Dr. Anton Weber, ein Berliner Liebhaberastronom, und stellte ein kleines Fernrohr ms Fenster, um möglichst kei­nen dieser kostbaren Augenblicke zu versäumen. Denn mancher Stern, vor allem aber der Sa­turn, ist jetzt nur kurze Zeit zu sehen. Um 22 Uhr etwa geht er im Osten auf, und nach vier Stunden schon hat er die kurze Bahn durchlaufen, so wie Die Wintersonne nur eine kleine Runde macht und schräg am Horizont vorüberwandelt. Die Sicht ist wirklich ausgezeichnet. Es ist jetzt 23 Uhr. Dr. Weber überlegt: Ein größeres Fernrohr würde sich wohl lohnen. Er baut es auf, stellt ein. Hier ist er wieder, der wan­dernde Planet, mit seinen merkwürdigen drei Rin­gen. Doch was ist das? Dr. Weber preßt vor Aufregung das Auge ans Glas.

Ein leuchtend heller, runder Fleck mit­ten auf der Saturnscheibe. Das war bestimmt vorhin noch nicht. Schnell ein Blick auf die Uhr: 23.25. Was mag in dieser halben Stunde dort oben vorgegangen sein? Doch zu Hypothesen ist jetzt keine Zeit. Jetzt heißt es nur beobachten. Die Größe des Flecks beträgt etwa ein Achtel des Planetendurchmessers, das heißt 15 000 Kilo­meter. Er ist also größer als die Erde. Und das will allerhand bedeuten. Merkwürdig, wie scharf die Konturen sich abzeichnen. Doch, kein Zweifel, allmählich verändert sich seine Ge­stalt. Er wird merklich länger. 3eyt dürfte er sich wohl schon über 50 000 Kilometer erstrecken. Dr. Weber schreibt unaufhörlich in fein Tage­buch. Die Größe, die Lage, das Aussehen, jede kleinste Bewegung werden sorgfältig notiert, um später der Wissenschaft Anhaltspunkte zu weite­ren Forschungen und Beobachtungen zu geben. Es sind aufregende und im wahrsten Sinne weltbe­wegende Ereignisse, die sich hier vor den Augen eines Menschen, inmitten einer schlafenden, ah­nungslosen Stadt abspielen, Augenblicke, wie sie noch niemand in dieser Unmittelbarkeit mit­erlebte, denn die wirkliche Beschaffenheit dieses Planeten kann man mit keinem Fernrohr je er­schauen.

Wir wissen zwar, die Temperatur beträgt dort oben etwa120 Grad, da der Saturn fast neunmal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, wir wissen von Ammoniak und Methangas in seiner Atmosphäre. Aber die Oberfläche dieses geheimnisvollen Sterns bleibt ewig von einer gewaltigen, undurchdringlichen Wolkendecke verhüllt, von deren Ausmaßen wir uns kaunr eine Vorstellung machen können. Sie würde, auf Erdverhältnisse übertragen, jeden Sonnenstrahl abhalten, es herrschte vollkommene Finsternis. Daraus aber, daß beim Saturn scheinbar ein kleiner, massiver Hauptkörper von einer mächtigen Atmosphäre umwogt wird, erklärt sich auch die Tatsache, daß dieser Planet nur ein Zehntel soviel wiegt wie eine gleich große Äu­get aus Erdmasse.

Und die Ursachen dieser merkwürdigen Er­scheinung? Die Wissenschaft ist in ihrem Urteil sehr vorsichtig. Sie sammelt erst Die Tatsachen und dann erst sucht sie den Zusammenhang zu finden. Auf jeden Fall jedoch fragt sie sich so­fort: Hat jemals schon ein ähnlicher Fall sich irgendwo ereignet. Die Wasserstoffexplosionen auf der Sonne vielleicht? Doch nein. Sie entstehen aus vollkommen andern Voraussetzungen. Aber werden nicht beim 3upiter von Zeit zu Zeit auco weiße Flecke beobachtet. Stimmt. Rur, sie sind nicht so deutlich, ihre Umrisse sind nicht so stark ausgeprägt. Außerdem entstehen sie nicht plötz­lich, eruptiv wie hier, sondern sie entwickeln sich langsam, werden größer und größer ...

Halt! Hier berichtet doch die Geschichte einen ganz ähnlichen Fall. Ohne Zweifel, es muh der gleiche Vorgang fein: ..... 3n Der Rächt

des 7. Dezember 1876 sah Professor Hall in Washington auf der Scheibe des Datums einen Fleck vonglänzender weißer Farbe". Was steht hier noch?Er zeigte eine rasche Bewegung im Sinne der Rotation und war bis zum 2. Januar zu verfolgen." Also eine Veränderung seiner Ge­stalt wurde in diesem Falle scheinbar nicht wahr­genommen. Und bann ist seine Entsteh ungs-rit ja auch recht unbestimmt. Es heißt nur: Prosißor Hallsah" ihn. In unserem Fall dagegen wissen wir genau, et kann mir in der Rächt des 3. August 1933 zwischen 23 und 23.25 Uhr ent­standen sein. Und die Ursache? Darüber sagt Professor Hall kein Wort. Aber irgend eine Ur­sache muß diese Erscheinung doch haben. Bisher spricht alles eigentlich für eine gewaltige Du 1 - kanerplosion. Eine Einstur-katair ph? kann es nicht gut gewesen sein. Denn die Gestalt i^s Planeten ist nach wie vor unverändert. Auch für einen Meteorfall sind keine Anhaltspunkte vorhanden. Diese gewaltige Raturerscheinung kann nur von innen heraus mit explosiver Ge­walt innerhalb weniger Augenblicke entstanden sein, wie wenn die Erde sich plötzlich öffnen würde und ein Strom seuerslässiger Lava sich über Land und Meer ergösse.

Für uns, den Zeitungsleser, den Alltags'- menschen, mag es also ein Vulkanausbruch fein. Für die Wissenschaft dagegen ist es nur möglicher­weise ein Vulkanausbruch. Ihre Aufgabe ist es nun, den Beweis für diese Hypothese zu er­bringen. Das heißt, der Fleck muh weiterhin genau beobachtet' werden. Er wird nochmals genau ausgemessen und spektographisch unter­sucht, um festzustellen, welche chemischen Vorgänge sich auf ihm abspielen, und ob er Eigenlicht ausstrahlt. So wird es am ehesten möglich sein, etwas über seine Ratur und zuletzt ü.?er seine Herkunft zu erfahren. Selbstverständlich ergeben sich für die wissenschaftliche Forschung auch rein rechnerische Wege. Stellt man nämlich fest und das läßt sich feststellen, wo der seiner­zeit von Professor Hall entdeckte Fleck sichtbar wurde, so müßte man, theoretisch wenigstens, darauf schließen Eonnen, ob der Ausbruch sich an einem bereits vorhandenen Vulkan oder un­mittelbar an der Saturniruste ereignete. Prak­tisch allerdings dürfte diese Rechnung infolge der Mngenauigteiten bei der Beobachtung einige Schwierigkeiten bereiten. Immerhin wird es aber doch vielleicht gelingen, auf irgendeine Weise die Erscheinung noch näher zu ergründen und damit auch den Geheimnissen des Planeten Sa­turn wieder ein Stück näher zu kommen. DcH jeder einzelne, auch ohne kostspielige Sternwarte, dabei der Wissenschaft von größtem Ruhen fein kann, beweist dieser Fall Saturn selbst am besten.