Nr. 120 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mittwoch, 2^. Mai (953
Liieraturgesch chie.
— Johann Friedrich Cotta. Zur hun. dertsten Wiederkehr seines Todestages, 29. Dezember 1832. Mit 4 Abbildungen, 2 Brieffaksimilis, 12 bisher nicht veröffentlichten Briefen Goethes an Cotta und anderen ungedruckten Dokumenten. Berlaa I. G. Cotta, Stuttgart. Geb. 3 Mk. — (533) — Hundert Jahre find verflossen, seit Johann Friedrich Cotta, der große Verleger, der Freund Schillers und Goethes, seine Augen für immer schloß. Sein taten- reiches und sruchtbares Wirken der Welt wieder vor die Augen zu rufen, ihr zu zeigen, mit welchem universalen Bestreben diese starke schöpferische Per- iönlichkeit ihre Kräfte nicht nur als Buchhändler, sondern auch als Politiker und Staatsmann, als Industrieller und Landwirt, als Mäzen der Künste und warmherzig hilfsbereiter Menschenfreund ein» setzte — das ist der Zweck dieser Schrift, mit der die Cattasche Buchhandlung ihres genialen, für die Geschicke des Verlags so entscheidenden Vorgängers dankbar gedenkt.
— Richard Wagner In München. (1864 bis 1870.) Legende und Wirklichkeit. Don Eduard Stemplinger. 160 Seiten. Verlag Knorr & Hirth, München. Geh. 2,90 Mk., Leinen 3,90 Mk. — (46) — Hier wird ein wichtiger Abschnitt von Wagners Leben, die Jahre in München unter Kö* nig Ludwig II., aus Grund genauer Quellenforschung beleuchtet. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, daß dieses Kapitel bisher reine Legende gewesen sei und in allen Biographien Wagners völlig neu geschrieben werden müsse. So sucht das Buch in die bisher vielfach tendenziös vernebelte Münchener Zeit im Leben Wagners endlich Klarheit au bringen. Damit ist es rein dokumentarisch eine Der bemer- kenswertesten Bucherscheinungen des Wagnerjahres. Verehrung eines Genies soll stets verbunden sein mit wahrhaftem Streben nach Erfassung der Ge- samtpersönlichkeit. Der Standpunkt des entschiedenen Wagneroerehrers L. Schemann hat dem Verfasser die Richtung gewiesen: „Wagner selbst hatte mit seiner großartigen Wahrheitsliebe ein Beispiel gegeben, das in dem Sinne zu befolgen war, daß der Wahrheit auch da die Ehre zu geben sei, wo sie im Verfolg der Dinge einmal gegen ihn führen mußte. Die Pietät braucht darunter nicht zu leiben, im Gegenteil, sie konnte dadurch nur sich vertiefen."
— Max Dauthendey: Ein Herz im Lärm der Welt Br.eso an .rr-nbe. Cbcrlag Albert Langen und Georg Müller, München. Geb. 5,50 Mark. — (52) — Dauthendeys Briefsamm- hing „Mich ruft dein Bild" vom Jahre 1930 erfährt mit diesem Band eine wertvolle Erweiterung. Die frühere Sammlung enthält Briefe an seine Frau: die neue Sammlung dagegen bringt Briefe an seine Freunde. In diesem neuen Werk erscheint Dauthendey als Dichterpersönlichkeit, die im geistigen Leben ihres Volkes und ihrer Zeit tätig ist, die mit bedeutenden Dichtern der Zeit in Verbindung tritt und mit ihnen gemeinsam nach neuem seelischen Ausdruck sucht. Nicht nur der liebenswerte Freund spiegelt sich in diesen Briefen wider, sondern besonders der lebendige deutsche Dichter, der in ganz Europa Freundschaften findet, durch die er leben- d.ge Anregungen für seine Dichtung und sein Menschentum empfängt. Aus allen Briefen spricht die gleiche Intensität des Herzens, das sich im Lärm der 3cit rein erhält, und das seine gesammelte Kraft an die Freunde in der Nähe und Ferne abgeben kann.
Deutsche Erzähler.
— Hanns Iohst. „Mutter ohne Tod". Zwei neue Erzählungen. (Die klein; Bücherei Nr. 17.) In farbigem Geschenkband 80 Pf. Albert Langen / Georg Müller, München 1933. — (95.) — Dank ist der innerste Gehalt dieses Bändchens, in dem Hanns Iohst, der neue künstlerische Leiter des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin, zwei in schlichter Schönheit ergreifende Geschichten vereinigt: Dank über den Tod hinaus an die eigene Mutter und Dank an einen frommen Ordensbruder, der den Dichter bei einer flüchtigen Begegnung auf den richtigen Weg gewiesen hat. — Lautere Tiefe einfachen Menschentums und wahre Volkstümlichkeit beglücken in ihrer selbstverständlichen Darstellung. Daneben wird dem echten Gemüt des sonst immer nur als Karikatur gezeichneten sächsischen Bürgers einmal aufrichtig und überzeugend Ehre angetan. Mit Rührung wird beim Lesen der Titelnovelle jeder seiner eigenen Mutter gedenken.
— Das fressende Feuer. Roman von Heinrich L i l i e n f e i n. CBcrlag der 3 G. Cotta- scheu Buchhandlung, Stuttgart und ‘Serlin. Gebd. 4,80 Mk.) — 358. — Politik und Liebe, zwischen diesen beiden Polen bewegt sich LUienfeins neuester Roman. Anvermerkt kührt der Dichter die Menschen seines Buches aus ihrem Alltag mitten hinein in das Getriebe der politischen Gegenwartsströmungen. All seine Kraft der Darstellung schenkt er der derbkantigen, geistvoll- feurigen Gestalt des Schwaben Bantlin und dessen mit feinfühlender Innerlichkeit gezeichneten tapferen Lebensgefährtin. Schnell fesselt das Los der beiden eigenwüchsigen und eigenwilligen Menschen, die in Berlin ihrem Beruf nachgehen, sich ein kurzes, ungetrübtes Glück erkämpfen, bis die Politik, dieses „fressende Feuer", mtt ihrem persönlichen Leben auch ihre Liebe ergreift und zerstört. Dantlins Leben verzehrt sich in der schrankenlosen Hingabe an sein Volk: das Leben der Frau im Verzicht auf den Geliebten. Beide reifen in opfervollem Ringen zu der Erkenntnis, daß jedes allverschlingende Feuer zugleich das hl. Feuer einer gärenden Zeit und eines überpersön- l ch .n Schicksals war. Idyllische Bilder schwäbischer Landschaft, die Schönheiten einer italienischen Reise geben das besänftigende Gegenspiel zu so aufwühlendem Geschehen. Der leidenschaftliche Glaube an eine bessere deutsche Zukunft, in der die von Theodor Bantlin erträumte Front des guten Willens doch noch ersteht und die Kräfte volk- hafter Einigkeit über jeden Zwiespalt den Sieg behalten, trägt dieses bekenntnisstarke Buch und schafft ihm einen befreienden Ausklang.
— Hans von Hülsen: „ Die Bucht von S a n t' A g a t a ". Ganzleinen RM. 3,45. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig. — (553.) — Hans von Hülfen führt uns in eine kleine italienische Hafenstadt am Mittelmeer und in das geheimnisvolle Getriebe einer Gesellschaft, die aus allen Ländern
Für -en Bücheriisch.
Europas sich hier zusammengefunden hat. An der Oberfläche spielt sich das idpllifche Badeleben ab, das Leben der Gäste, der Bevölkerung und der Bewohner des gräflichen Schlosses. Aber untergründig wühlen heimliche Strömungen, spinnen sich unsichtbare Fäden. Mit faszinierendem Geist und Temperament ist der Roman geschrieben, die zahlreichen Figuren aus allen Ländern beleben das interessante Zeitbild, das einen Blick in die geheimsten gesellschaftlichen und politischen Strömungen des heutigen Europa gewährt.
— Schreiner, Ernst, Wilhelm von Oranien. Historische Erzählung. (Brunnen-Verlag, Gießen.) In Leinen gebunden 4,80 Mk. — (68) — Einer der größten Männer des stürmischen 16. Jahrhunderts ist es, dessen Lebens- und Charakterbild uns E. Schreiner lebendig vor Augen führt. Wilhelmus von Naffau-Oranien, der dem von spanischer Zwingherrfchaft gequälten Volke Der Nie- bcrlänber in zähem, opferfreudigem, ebenso tapferem wie staatsmännisch klugem Ringen die politische und religiöse Frecheit erkämpf hat, verdient es, daß
fein Gedächtnis gerade dem Geschlecht unserer Tage erneut wird.
— Fritz Douchholz: lies miner Ade» deekerzit. 127 Seiten. Preis 1,50 Mk. Selbstverlag des Elfaß-Lottzringen Instituts an der Uni- Dcrfität Frankfurt a. M., 1932. — (77) — Das vor- liegende Büchlein erscheint als Band 21 der Elsaß* Lothringifchen Hausbücherei. Der Verfasser, Fach- studiendirektor Bouchholz, wirkt seit 1928 als Trup pcnunterridjtsleiter der Heeresfachschule für Der- waltung und Wirtschaft in Gießen. Die neuen Dialektgeschichten von Bouchholz sind ebenso leben* dig und humorvoll geschrieben wie die früheren, seinerzeit hier angezeigten Erinnerungen. Auch den aus der „Abedeekerzit" gesammelten Geschichten steht das Gewand der Mundart wohl an. Die Kind- heitserlebnisse, die Lausbubenstreiche, die Familien- erinnerungen sind alle vom landschaftlichen Zauber des deutschen Elsaß und der charaktervollen Eigenart seiner Bewohner erfüllt Dielen Lesern wird die Erklärung der mundartlichen Ausdrücke willkom- men sein.
Reue Kriegsbücher.
Das Gesicht der We st front. Ein Kriegs- bofument unb Erinnerungsbuch. Von Ernst Voll» behr, Kriegsmaler im Großen Hauptquartier. Herausgegeben von Dr. Otto Korfes, Archiorat im Reichsarchio unter Mitwirkung von Kronprinz Wilhelm u. a. Mit 26 Tafeln in Vierfarbendruck und 80 Abbildungen im Text. Gebunden RM. 32.—, Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H., Potsdam. Mit dem Abschluß dieses großen Bildwerkes liegt eins der eindrucksstärksten Erinnerungsbücher vom großen Kriege vor. Was das untrügliche Auge des Künstlers in vier Kriegsjahren sah und was dann der Pinsel des Malers zu Papier brachte, das ist die tatsächliche Westfront, wie sie der Krieger selbst tagaus, tagein erlebte. Die gesamte Westfront, Stück für Stück, zum erstenmal in naturgetreuen Farben im Bilde festgehalten, und zwar während der Kampfercignifse vom Flugzeug, Fesselballon und Schützengraben aus aemalt, bas ist ber Inhalt dieses Striegsbofumenles. Die letzten beiben Lieferungen bringen bie Frontabschnitte von Flanbern bis zur Küste, als Text bie Geschichte bieser Frontabschnitte in der Darstellung bes Generals Sixt von Armin unb bes Admirals v. Schröder.
Hermann Thimmermann, Der Sturm auf Langemarck. Don einem ber babei war. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. Kartoniert RM. 1.90. (2) In ben Spätherdfttagen 1914 versuchten bie Divisionen ber neugebilbeten vierten beutschen Armee zwischen Ppern unb bem Kanal durch bie englisch-französische Front zu brechen. Diese Divisionen beftanben zum größten Teil aus Kriegsfreiwilligen. Das 26. Reservekorps war auf bas Stäbtchen Langemarck angefetzt unb geriet hier vor
bie mächtige englische Kernstellung. Es ist bekannt, baß ber Sturm unter unsäglichen Verlusten mißlang. Jetzt legt ein Mitkämpfer einen Bericht vor. Aus seinen eigenen Erlebnissen, aus Tagebüchern unb Dokumenten, auch aus französischen unb englischen Berichten, zeichnet er eine Darstellung jener flanbri- schen Wochen. Hinreißenb unb erschütternd ist dieser lebendige, realistische Tatsachenbericht. Wir beginnen zu ahnen, daß damals etwas geschehen sein muß, was in der Geschichte unsterblich bleibt, was sich inmitten des grandiosen Schlachtgesanges beim Opfer» kampf eines ganzen Volkes heraushebt als eine besondere, einmalige Melodie. Und diese Melodie weht auch aus diesem ersten Tatsachenbericht von einem, der babei war.
— Minen unb Menschen. Don Peter Cornelissen (Korv-Kapt. a. D. Fritz Otto Busch). Mit 33 Silbern unb 1 Minenkarte ber Nordsee. (Brunnen-Verlag / Willi Bischoff / Berlin SW. 68. Gebb. 4,50 Mk.). — 374. — Der Durchschnittsbeutsche weiß etwas von ber Seeschlacht vor bem Skagerrak, von ben U.-Booten, von ber Heizermeuterei. Aber von Minensuchbooten? Als wir so gut wie gar keine Kriegsmarine mehr hatten? In Peter Cornelissens „Minen unb Menschen" wird das ganze so fremde Milieu uns lieb unb vertraut. Iebe Mine, bie ba erleb igt wirb, Ist ein lebenblges Tier, unb jeber Mann ber Besatzung ein Deutscher, in besten Seele wir sehen. Das Buch ist manchmal erschütternb, manchmal schalkhaft, {ebenfalls aber ist jebe Seite eine Premiere. Diele Männer werben es voll Staunen lesen: unb zukunftsfroh viele Jungens, bie Männer werben wollen.
Politik und
— Deutschland zwischen West und Ost. Generaloberst von Seeckt. (Hanseatische Berlagsanstalt Hamburg, Kart. 1,50 Mk.) (65) Diese Broschüre spricht eine höchst brin- gende Warnung aus. Der Schöpfer der Reichswehr war einer der ersten, der schon vor Jahren die hohe außen- unb wehrpolitische Bedeutung einer russisch-deutschen Freundschaft ungeachtet aller weltanschaulichen und wirtschaftstheoretischen Verschiedenheiten erkannt und daraus die Konsequenzen zu ziehen gesucht hat. In klarer Weise gibt er einen Abriß unserer außenpolitischen Situation, die dazu führen muß, daß wir die Hoffnung auf neue Macht Preisgeben müssen, wenn wir uns nicht die Tür nach dem Osten offenhalten. Wir werden unsere sorgfältigste Aufmerksamkeit darauf richten müssen, daß in diesen Wochen der aufgewühlten innerpolitischen Leidenschaft jene große außenpolitische Rotwendigkeit nicht außer acht gelassen wird, Rußland auf unserer Seite zu halten und einen engeren Anschluß der Sowjetunion an Frankreich zu verhindere
— „Wege und Irrwege deutscher Außenpolitik." 1 9 l 8 b i s 1 9 3 2. Von Albrecht Graf zu Stolberg-Wernigerode. Komm.-Verlag G. Reuenhahn, G. m. b. H., Jena. (493) Der Verfasser führt den Leser im Geiste noch einmal auf den Dornenweg, den die. deutsche Außenpolitik vom Versailler Diktat über Locarno, Völkerbund, Dawes- und Boungplan zum Hooverjahr geführt hat, zur Befreiung des Rheins und zu der jetzigen Lage, die eine grundsätzliche Aendcrung gegen früher aufweist. Es wird vielen politisch interessierten Deutschen willkommen sein, in der vorliegenden Schrift eine gedrängte, kritische Aebersicht zu erhalten über eines Voltes unvergleichlichen Leidensweg.
— „Schriften an die Ration" (neue Bände der Stalling-Bücherei), Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Jeder Band gebunden t Mk. (438, 440, 443.) — Oswald Spengler bezeichnet in seinem Band „Die Revolution ist nicht zu Ende" den Beginn der nationalen Revolution. 1918 aber ist für ihn keine deutsche Revolution. Die echte deutsche Revolution ist die eines deutschen, eines preußischen Sozialismus. — Werner Deumelburgs Schrift „W i l - Helm II. und Bülow" ist eine einzige bittere Anklage gegen den vierten deutschen Kanzler, der im Schatten des Altkanzlers Bismarck alle Größe verliert- Am Ende dieser verhängnisvollen Kanzlerschaft ist Bismarcks Werk zertrümmert, weil sein Rachfolger die organischen Rotwendigkeiten der deutschen Politik weder sah noch instinktiv beachtete. — In dem von Fritz Büchner herausgegebenen Bande „W a s ist das Reich? Eine Aussprache unter Deutschen" bemühen sich um diesen Gedanken u. a. Rudolf Borchardt, Eugen Diesel, Hans Grimm, Tim Klein, Wilhelm Schäfer, Franz Schauweckcr und H- Ritter v. Srbik. Es entstehen Widersprüche: viele Gestalten hat ja das Reich. Aber das Bekenntnis zu ihm, eint sie alle.
— Professor Hans Freyer: Herrschaft und Planung. Hanseatische Verlagsanstalt, Hainburg. (Preis 1,20 Mk. (70) Der 5-Iahresplan der Bolschewisten beschäftigt seit geraumer Zeit die politische Öffentlichkeit der
Geschichte.
deutsche 4-Iahrcsplan soll eine neue Parole der erwachten Ration werden, von Gedanken der Planwirtschaft sind die Erörterungen über unsere wirtschaftliche Zukunft voll. Wie die Grundlage des russischen 5-Iahresplanes durch eine Erweiterung der technischen Möglichkeiten der Sowjetunion bestimmt ist, so geht auch Freyer von der Technik und ihrer Rolle in unserer Zeit aus. Technik, Planung und Herrschaft bestimmen Antlitz und Willen der modernen Welt.
— Major a. D. D r. Kurt Hesse: Miliz. Preis kart. 1,20 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. — (121.) — Ein Miliz, system, den deutschen Verhältnissen und Interessen angepaßt, ist ein Ausweg aus der Unmöglichkeit, daß ein 60-Millionenvolk nut eine Armee von 100 000 Mann zur Verfügung hat. Wichtig aber ist, daß die Miliz unseren gegenwärtigen Verhältnissen und nationalen Erfordernissen mehr entspricht, als eine allgemeine Dienstpflicht nach Vorkriegsmuster. Vorausgesetzt, daß neben der Miliz ein Berufsheer von so hoher Qualität der Auslese und Schulung bestehen bleibt, wie die gegenwärtige Reichswehr. Das ist auch der Grundgedanke dieser Schrift eines der ersten Sachkenner moderner Heetesftagen, der bis vor kurzem noch in der Armee aktiv tätig war, heute zu ihren Lehrkräften gehört und auch zu den Jugendorganisationen und Bünden im wehrpoli- tifchen Interesse die engsten Beziehungen hat.
— Die nationalsozialistische Revolution. Tatsachen, Urkunden, Reden unb Schilderungen 1. August 1914 bis 1. Mai 1933. Herausge- geben von Dr. Walther Gehl. Mit 24 Silbern unb Kartenskizzen. (Hirts Deutsche Sammlung, Gruppe G II: Sanb 6.) Geheftet 65 Pf. Serlag Fer- binanb Hirt, Sreslau. (170)— Die ersten Wochen ber nationalsozialistischen Revolution sind wie im Sturm an uns oorübergebrauft. Das Sebürfnis nach einem Ueberblitf über bas unvergleichliche Geschehen bieser Tage stellt sich ein. Dr. Gehl schenkt uns bie erste knappe Quellensammlung von Kriegsbeginn an bis zur unmittelbaren Gegenwart, ber erhebenben Feier ber nationalen Arbeit. Nichts Wichtiges fehlt in dieser Auswahl. Ein Such für jeben Deutschen, nicht zuletzt für jeben beutschen Jungen unb jedes beut- sche Mäbchen. Die Silber bes Reichspräsidenten, bes Reichskanzlers unb vieler großer Männer ber Gegenwart, bes Potsdamer Staatsaktes unb bes Fackelzuges vom 21. März schmücken bas Buch.
— D r. Joseph Papesch: Fesseln um Oesterreich. Preis kart. 1,20 Mark. Hanseatische Berlagsanstalt, Hamburg. — (122.) — Diese Schrift reißt die Hintergründe auf, die hinter scheinbar nationalistischen Bewegungen in Oesterreich, hinter monarchistisch-habsburgischen (Bestrebungen, hinter sogenannten wirtschaftlichen Erwägungen verborgen hegen. Hier werden mit schonungsloser Offenheit Männer und Mächte angeprangert, die im Dienste Frankreichs oder der kleinen Entente siir eine Politik werben, die aus Oesterreich eine französische Kolonie machen will Aber auch dem gleichgültigen Deutschen im Reiche wird ehrlich die Meinung gesagt. Das neue Deutschland wird es mit ernster Freude begrüßen, daß in der Anschlußfrage ein ehrliches offenes deutsches Wort gesprochen wird.
Rechisliieratur.
— Liberales oder autoritäres Strafrecht? Georg Dahm und Friedrich Schaff st ein. (Hansea:isä>e Derlagsanstalt Hamburg, kart. 1.50 Mark). — 17 — Die Schrift zeigt die Unmöglichkeit, das Strafrecht lediglich oder zuerst nach individualistisch humani ären Ce- sichtspunkten auszurichten, da bie Konsequenzen eines solchen Versuches nie gezogen werden können, und auch von Derfachtern des humanitärenpädagogischen Strafvollzuges nie gezogen worden sind. Die Integrität der Staatsautorität muß die Grundlage jeder Rechts- und Strafordnung sein, der erste Gesichtspunkt der Strafe muß nicht der des persönlichen Besserungsversuches sein, sondern der der Sühne für verleyes Ansehen und Recht des Staates. Das sind die Leitgedanken dieser Veröffentlichung, die das moderne Strafrecht der geistesgeschichtlichen und staatsrechtlichen Wandlung anpassen will, die auf fast allen anderen Gebieten des Volkslebens den Einfluß der liberalistischen Haltung zurückgedrängt hat.
— Gotthold Lehnerdt: .Der Fall Meußdoerffer". 159 Seiten. 3,50 Mark. Verlag Die Klinge, Berlin 1933. — (71) — Der Verfasser ist ein bekannter Kriminalist, langjähriger Leiter des Raubdezernates der Berliner Kriminalpolizei. Er schildert hier in einer spannenden Reportage ausführlich den Prozeß gegen den Kommerzienrat Meußdoerffer in Kulmbach wegen Gattenmordes: ein Strafverfahren, das seinerzeit viel Aufse^n gemacht hat. Lehnerdt nimmt den Fall zum Anlaß, die seiner Ansicht nach veralteten Bestimmungen der Strafprozeß- ordnung aufzuzeigen und gegen eine verhängnisvolle Mechanisierung der Justiz leidenschaftliche Anklage zu erheben.
Reisen und Abenteuer.
— Große Forschungsreisende. Gin Buch von Abenteurern, Entdeckern und Gelehrten. Von Ewald Banse, Professor für Geographie an der Technischen Hochschule in Braunschweig. I. F. Lehmanns Verlag, München. Mit 62 Abbildungen. Geheftet 7,50 Mark, Leinwand 9,40 Mark. — (119.) — Dieses Buch handelt von Tatmenschen, die Großes gewagt und für die Menschheit — selten für sich — Großes gewonnen haben. Ein Mann hat eS geschrieben, dessen Forschungstrieb ihn selbst in die fremden Länder und Erdteile geführt hat. Banse bringt tief in baä Wesen der von ihm bargestellten Forscher ein, mit großer Freude läßt er die Lichtseiten strahlen, bie er an seinen Selben entdeckt, andererseits denkt er nicht daran, zu beschönigen oder Schattenseiten zu verschweigen. Darum weichen seine Ergebnisse auch hie und da von den Vorstellungen ab, die als landläufig gelten; mancher, z. B. Kolumbus, verliert erheblich von seinem Glorienschein, in dem ihn wohl bie meisten bisher gesehen haben. Dagegen wird mancher in das rechte Licht gesetzt, ber bisher unber bi entennahen im Schatten stand. Jedes der vielen Lebensbilder ist ein Kabinettstück für sich. Das mit prächtigen Bildern geschmückte Buch ist farbenreich und schöpferisch in der Sprache, neu und eigenartig in der Behandlung des Stoffes, ein begeistertes Lied auf Wagemut und Tatkraft, Forschergröße und Mannes« tum.
— „Sechs Jungens tippeln zum Himalaja." Erzählt von Hans Queling. Mit 32 Abbildungen. Gebunden 3,80 Mark. Societäts-Verlag, Frankfurt a.M. 1922. — (23.) — Wir haben bereits in der Anter haltungsbeilags eine Probe aus diesem frischen, in modernem und wirklich jugendlichem Geist geschriebenen Reise- und Abentcuerbuch gegeben, das auf eine spannende, unterhaltsame und unbefangene Art die Wunder der Welt aus ursprünglichem Erlebnis und persönlicher Anschauung erschließt. Richt nur junge, sondern auch sogenannte reife Leser werden mit Vergnügen und mancherlei Anregungen bie Erlebnisse und Eindrücke von ber weiten Reise bieser sechs jungen Welteroberer in sich aufnehmen. Cs ist keine Kleinigkeit, ein halbes Jahr durch Dschungel, Arwald, Wüste, Gebirge, über riesige Ströme, durch phantastische Städte, zu entlegenen Völkern, Heiligtümern und Wundern zu ziehen. Das Leben packt sie härter an, ihr leichter Mut wird ernstlich auf bie Probe gestellt, ihre Freubigkeit und ihre Schläue muh sich in Situationen bewähren, die großen Leuten mit vielfach besserer Ausrüstung zu schaffen machen. Eine Rächt im Affentempel, ein harmlos gemeinter Einbruch in ein unterirdisches Grabverlies, in bem seit Generationen nur Flebermäuse hausen, der Marsch nach dem Gaurisankar, den die Lama-Mönche mit Zauber, Beschwörungen und Sämonentäiuen begleiten, sind kitzlige Angelegenheiten. Aber die Jungens haben Glück. Die Elefantenjagd überstehen sie auf schwankenden und krachenden Bäumen, während die vor ben Treibern fliehenbe Herbe unten vorüberbraust, bem Bären im Ar- Wald entrinnen sie mit knapper Rot, der Sandsturm in ber Wüste verschüttet sie nicht allzu weit von einem Dorf, die Tigerjagd ist mehr komisch als wild. Die Ratur bringt in solchen Momenten mit bezwingender Intensität auf sie ein. — Eine Reihe guter Photos begleiten den Text lebendig unb anschaulich.
— Alma M. Karlin: Erlebte Welt. Das Schicksal einer Frau. Durch Insulinde unb das Reich des weißen Elefanten, durch Indiens Wunderwelt und durch das Tor ber Tränen. Wilhelm Köhler Verlag, Minden t W. 216 Seiten. Preis 2,85 Mark. — (125.) — Durch das Malaiische Inselreich unb Hollänbisch-Indien reift biefe Frau nach Singapore. Birma, Siam und Indien, bie Länber ber taufenb Wunder, warten auf sie, in langen Etappen quer durch Indien kommt sie schließlich nach Karachi. Auf einem italienischen Dampfer tritt sie die Heimfahrt an, so wie acht Jahre vorher bie Ausfahrt und wie ein Symbol erscheint es ihr, daß sie durch CB ab el Mandeb, das Tor der Tränen, heimkehrt, krank und gebrochen, während sie am Löwen von (Gibraltar ausgefahren war, stolz und siegesbewußt.


