Ausgabe 
24.2.1933 Erstes Blatt
 
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dagiert auf dem Diwan des Eßzimmers und ver­abschiedete sich von Stephanie.

Vielleicht begleitest du meine Braut noch an den Wagen", bat er Oehme. Er sah, wie es diesen Herum­riß und lachte. Die Arme nach ihr hochhebend, zog er sie zu sich herab.Sobald es geht, bin ich in Jettenbach. Empfiehl mich inzwischen den Deinen!" Er fühlte ihr Zusammenschauern und frug leise an ihrem Oyr:Hast du Angst vor mir?" Und als sie schwieg, gab er sie unverzüglich frei:Schade. Viel­te -bt rufst du an, ob du gut nach Hause gekommen bist."

Gute Nacht!" sagte sie noch und war im nächsten Moment aus der Tür, die Oehme hinter ihr schloß. Es hatte ganz den Eindruck gemacht, als fet ihr Ab­schied eine Flucht gewesen.

Als der Doktor zurückkam. lag Merlin ganz still und suchte mit den Augen nach der Decke, an der das Licht oerästelle Schallen warf.Warum sagst du nichts?" frug er, als Oehme nach einer langen Weile noch immer schweigsam auf ihn niedersah.

,Lch muß mich erst zurcchtfinben, Jörg. Warum hast du dich eigentlich verlobt?"

Goll, diese Frage", brauste der Boron auf.Ich kann sie doch nicht heiraten, wenn ich mich nicht zu- erst mit ihr verlobe. Das ist doch einleuchtend, nicht?"

Und warum heiratest du sie?"

Jörg fuhr auf, stieß einen mühsam unterdrückten Schrei aus und glitt wieder zurück.Verflucht!--

Fang nur mit Weibern an. Dann trifft dich das Un­glück scheffelweise."

Oehme schob ihm behutsam ein zwelles Kissen unter den Fuß.Ist es lo gut?"

Merlins Antwort war ein Knurren.

Du kannst doch sagen, ob es gut ist!" drängte Oehme und zog sich einen Stuhl ans Lager.

Herrgott, quäl mich doch nicht so. Ruf an, ob sie schon zu Hause ist. Und sag ihr, wenn sie fragt, es ginge mir scheußlich. Ich hätte Fieber und Schüttel­frost, und--"

-Hörg!--"

Der Doktor sprang auf und ging ins Nebenzimmer, wo das Telephon schrillte. Merlin stützte sich in die Ellenbogen und horchte, was er sprach.Es ist den Umständen nach zufriedenstellend, ja es ist unnütz, gnädiges Fräulein, wenn Sie sich Sorge machen. Jörg wird in Bälde wieder laufen--

gewiß, er wird rasch wieder hergestellt (ein.--

Ich werde es bestellen, ja.--Danke--Gute

Nacht."

Sie Unterhaltung war wirklich klassisch", spolletö Jörg, als Oehme wieder zu ihm zurückkam.Es gibt nichts Komischeres, als so ein Sologespräch am Tele­phon mitanzuhören. Blödsinnig, sag ich dir--"

innehaltend nickte er dem alten Merlin zu, der eben über die Schwelle trat.

Nette Geschichten, die du da machst!" mit diesen Worten neigte der Baron sich über seinen Einzigen

und suchte dann mit fragendem Blick nach dem Doktor hinüber.Wie lange wird es dauern?"

Zwei Wochen--womöglich sechs, wenn er

nicht stille hält. So ein Urlaub ist doch auch was wert."

Das will ich meinen", lachte der beruhigte Vater. Wie tröstlich wär's, wenn du jetzt eine Frau zur Pflege hättest. So mußt du dich mit uns Männern behelfen. Die Lisawech hat keine Zeit."

Jörg blinzelle ironisch zu chm auf.Die Geschichte ist sehr fatal. Ich muß dir jetzt die Mühe aufhalsen, für mich den Brautwerber auf Jettenbach au machen. Die Küsse habe ich schon weg. Nur das Ja Der Mama Brentano steht noch aus."

Der alle Baron sah darein, als habe er etwas Un­verdauliches geschluckt. , Du verulkst mich", sagte er unsicher.Mit so etwas treibt man keinen Spaß."

Wer sagt denn, daß ich Spaß mache?" Und die Hände des Vaters ergreifend, legte er feine etwas heißen darüber.Sie hat tatsächlich noch nicht geküßt, die kleine Steffie. Ich bin der erste gewesen."

Merlin drückte dem Sohn die Hand und umarmte dann noch den Doktor.

Merkwürdig", sagte Jörg in diesem stummen Ausbruch der Freude hinein.Niemand gratuliert mir. Georg hat es vergessen, und du nun auch, Vater."

Wenn man so überrumpelt wird", verteidigte firfj der Alle.Wo nimmt man da noch Worte her? 3d) weiß gar nicht, wie ich anfangen soll."

Vielleicht weiß es Die Lisawech!" lachte Hans Jörg.

Merlln läutete Sturm. Sie kam vom Herde weg­gelaufen und streifte noch rasch die Aermel ihrer weißen Kleiderschürze herab:Herr Baron?"

Mein Sohn hat sich verlobt! Lisaweth!" Drei Augenpaare blinzellen nach ihr hinüber, die, an der Tür stehend, die Hände unter dem Busen verschränkt hielt.

Wirklich?" meinte sie seelenruhig.Es ist auch wahrhaftig Zeit, Herr Baron. Lange genug hat's gedauert. Gratulieren tu ich aber erst wenn ich die Braut zu Gesicht krieg", sprach's, wandte sich auf den Absätzen herum und klappte die Tür kräftig hinter sich ins Schloß.

Dem allen Merlin rannen die Tränen über Die Wangen. Hans Jörg brummeüe etwas, aber er lachte trotz Der Schmerzen, während Oehme ans Fenster trat das Zucken feiner Schultern zu verheimlichen

Aber die Lisaweth mochte doch gläubiger fein als sie halle merken lassen, denn beim Abendessen prangte ein Strauß dunkler Rosen in der Mitte des ovalen Tisches, und Hans Jörg bekam ein blühendes Myrthenzweiglein in die Serviette gesteckt.

Keiner auf Ichenhausen ahnte, wie schwer Der Kampf war, den Steffie mittlerweile auf Jettenbach auszufechten Halle.

(Fortsetzung folgt)

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Nr. 47 Zweiter Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessens 8reitag, 24. Februar 1955

An der Brück"

Sehnsucht und Wille.

Don unserem dr.-Derichterftatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Saarbrücken, Witte Februar. An Der Drück' an der Saar, 3n Gedanken Dein, Stand ich und hört allda Singen ein Dögelein.

Das sang so traurig gar ... O armes Dögelein, An der Drück' an Der Saar!" Friedrich Rückert, von den Idealen des Kampfes und der Freiheit durchzlüht, einer Der Geistesheroen. Der seinem Dolle mehr gegeben hat als vergängliche Werte, schrieb einst mit ficbernden Pulsen diese Zeilen, für uns in glei­ch.r Wese Inbegriff saardeutschen Werdens der (Vergangenheit und der Gegenwart. Jahrzehnte sind seit dem Tode des (Verfassers DerGe­harnischten Sonette" vergangen, aber Friedrich Rückerts melancholisches, mit Der Feder des Pro- pheten niedcrgeschriebenes einzigartiges Gedicht vomarmen Saarvögelein" hat seine Aktualität nicht eingebüht. Es kennzeichnet wie nie zuvor lebendiges Zeitgeschehen.

An der Drück' an der Saar, stehen seit 1918 mehr als 14 bittere Jahre hindurch 800 000 deutsche Menschen, in ihrem nationalen deutschen Empfinden und Wollen stahlhart geworden durch die Schule ständigen Opferns und Leides, so stahlhart, wie das Produkt der Walzstraßen der Hochosenwerke auf saarländischer Erde, und schauen sehnsüchtig nach Osten, wo ihr trotz aller Erniedrigung, trotz aller Inneren Zerklüftung gro­ßes und geliebtes Daterland liegt.

An der Drück' an der Saar erinnert sich täg­lich eine ganze Nation schmerzlich, denn sie mußte unter dem Zwang der Derhältnisse ohne eigene Schuld dasarme Dögelein" aus treuer Obhut geben. Die Drück' an der Saar! Was schließt sie nicht alles in sich ein! Sie ist mehr als ein blasser dichterischer Ausdruck, als eine worttänzerische Drehung. Sie ist höchstes und be- ziehüngsreichstes Symbol für alle, die im ab- gekapselten Saargau wohnen, fast noch mehr aber für Die, Die jenseits der gewaltsam aufgerichteten Genzzollinie die Derpflichtung des mit Scholle und Heimat verwachsenen Deutschen ersaßt haben.

Sell Jahrtausenden ist um diese Drücke ehr­lich. oft aber auch mit einem Höchstmaß von H nterlistigkell und Derschlagenheit gerungen wor­den. Schon das mächtige römische Kaiserreich kannte die saarländischen Gefilde. Die Stämme, die an der Völkerwanderung teilnahmen, wußten bereits um den Zauber, Den Reiz und den De.chtum, den diese Landschaft verborgen hielt. Unter Karl Dem Großen und Ludwig dem Frommen kennt man schon Die strategische Straße, Die zur (Burgundischen Pforte führt. Die Teilung des Reiches hatte auch das Saar- Scbiet erfaßt. Seine Fürsten wechselten im Laufe er Jahrhunderte, niemals aber verleugneten die Eingesessenen ihr deutsches (Volkstum. Eisern halten sie daran fest. Während der viel­gestaltigen Wirren, die Die Reformationszeit im Gefolge hatte, ersteht eine der schönsten Darock­kirchen diesseits der Alpen. Die heutige pro­testantische Ludwigskirche im ©taDtteil Alt-Saar­brücken. Auf Der anderen Seite der Saar, im Viertel von St. Johann, erheben sich zur glei­chen Zeit die Mauern der katholischen Pfarr­kirche. Wahrzeichen des wiedererwachenden Ge­meinschaftsgeistes, der sich einst so vorbildlich be- Wahrheiten sollte. Dann wirft derSonnen-

an -er Saar...

könig", der französische Ludwig, sein Auge auf die Saar. Die erste große Probe im Kampfe um die Erhaltung deutscher Kultur und deutscher Sprache. An her Drück' sitzen trauernd die Döge- lein. Sch er endlose Jahre der Ungewißheit, des Hin uni) Her folgen. Doch dann schmettert das Döglein seine frohen Lieder wieder: Die De- sreiungskriege bringen auch dem Saarland die Rückkehr zur Heimat wieder, den Anschluß an die preußisch-deutsche Familie. Dann folgt eine Pause bis zum Jahre 1870. Schlachtenlärm um­tost von neuem das Saarland. Dor den Toren der Haichtstadt Saarbrücken kämpft die Elite des zur Einigung der Ration ausholenden Preußen gegen die Truppen Rapoleons III. An Der Peri­pherie Der Stadt, am Rande des Heinen Exerzier­platzes, von dessen Höhe aus man in phan­tastischem Rundblick das Saartal mit seinen Dutzenden rauchender Essen übersehen kann, steht heute noch der Gedenkstein, der den Platz be­zeichn,et, auf dem der kleine Lulu Rapoleon eine Mitrailleuse auf die deutsche Stadt abgefeuert hat. Es kommt das Kriegsende, die Krönung des Werks Der deutschen ®inf>eit.

Die Glanztage im Spiegelsaal des Schlosses zu Dersailles gehen vorüber. Deutschlands Herr­scher und Dolk gehen an die Arbeit. Die Saar­bevölkerung toill nicht zurückstehen. Mit gestei­gerter Energie wirft sie sich in die Speichen des Rades der Geschichte, das sich weiter dreht. Die Kohle im Schoße her Erde ist längst ent- heckt. Jetzt gilt es, die Produktion einheitlich zu organisieren, sie nutzbar zu machen für andere Zwecke. Schächte werden geteuft, Jahr um Jahr erheben sich neue Fördertürme, riesige Werk­anlagen, C.sengießereien. Hochöfen, Maschinen­fabriken, Glashütten entstehen. Aus dem Ruhr­gebiet und aus anderen Teilen des Reiches wandern Tausende ins Saargebiet, gewinnen auf vorgeschobenem Posten eine neue Heimat in wirk­lichem deutschen Sinne. Zwar werden auch dem Saargebiet in her Dorkriegszeit mannigfache in­nere Känrpfe nicht erspart. Trotzdem ist das Zu­gehörigkeitsgefühl unbemerkt in allen (Bürgern gewachsen, im Arbeiter wie im Industriellen, im Kaufmann wie im (Beamten, und die Idee der Dolksgemeinschaft erweist sich stärker als alle sozialen und religiösen Gegensätze.

Des Kapitals das sich annefammelt hat, werden sich die Saarländer aber eigentlich erst bei Dem unglücklichen Ausgang Des Weltkrieges bewußt. Jetzt beginnen sie mit Dem PfunD der Dolkstums- ibee Der nationalen DerbunDenheit aller Deut­schen zu wuchern, als die Franzosen ungestüm einhringen. als roher zynischer Siegerübermut sein Mütchen kühlen, vor allem aber auch pvli- tische Dorteile ergattern will. Hier ist Dem llsurpatorenwahn des republikanischen Frankreich in der eisernen deutschen Heimatfront ein wür­diger und diesmal unbesiegbarer Gegner ent­standen. Weder Zuckerbrot noch Peitsche lösen Wirkungen aus, Die sich Frankreich lange Jahre hinDurch erträumt hat Der französische Wolf kann auch in Der Verkleidung als Dölkerbunds- schas nichts ausrichten. Wo immer auch fein gieriges Maul hinschnappt, es beißt auf Granit Richts verfängt im Saargebiet: Weder das aphroditische Antlitz Der Pariser Hebe noch das grimmige Sathrgesicht der französischen Gene­räle und Offiziere, die man in Die verbindlichere Klukt des salonfähigen Zivilisten geworfen hat!

Wie wäre es auch anders bei Menschen, die so tief im Herzen der Landschaft, diesem selt­samen Garten an der begnadeten Saar, in dem sie leben, verhaftet sind! Mitten im Hochwald erheben sich die Förderschächte der Gruben, toeit-

hinleuchtende Fanale unveräußerlicher Schaffens­kraft. 500, 6-00 und noch mehr Meter unter der Erde gräbt der (Bergmann dem schwarzen Dia­manten nach, indessen oben Der Dauer Die Pflug­schar Durch die ertragreiche Erde zieht. Ge- spensterisch das Dlld bei Rächt! Ins schwarze Ungewisse flammen die Hochösen feurige Lohen. Zur Unendlichkeit wird hier die Arbeit, während ringsherum sich andächtig die Kronen der (Bäume neigen und von dem flüstern, was vor hundert Jahren war... In seltsamer Weise mischen sich hier die gigantischen Qluibauten der Menschen­hand mit den zur Andacht stimmenden Schöpfun­gen der Ratur. Gewiß, auch den Saarländer muß man zu verstehen suchen. Jeder Stamm hat seine Eigenarten, sein Charakter Licht- und Schattenseiten. Aber dort unten, im Südwesten des Reiches hat es bis zum Aufbrausen der un­heimlichen Wirtschaftskrise kein Proletariat im Sinne her Begründer des mob'rnen Sozialismus geg.ben. Die übergroße M.hrieit der Devölle- rung war deshalb nicht mit irdischem Hab und Gut, mit Desih gesegnet. Aber diese Menschen haben sich selbst in her Armut einen Reichtum des Herzens bewahrt, der sie allen Anfechtungen gegenüber immun machte.

Cs gibt keinen besseren (Beweis dafür, als das (Verhalten bei dem furchtbaren Unglück, das jetzt über das Saarland hereingebrochen ist. Es hat sie alle getroffen, jeder trägt mit an des anderen Schmerz.. Es gibt kein hilfloses und hemmungsloses Scheeien, kein selbstzerftörerisches Toben, keine nutzlosen verzweifelten Klagen. Es gibt nur ein einiges Zusammenstehen. Seht, das ist Art der Saarleute. Desscr als tausend Worte es vermöchten, kann man hier die Seele unserer deutschen (Brüder und Schwestern erkennen. Ge­meinsam das Leid, gemeinsam der Kampf gegen den fremden Unterdrücker wie gegen Die entfesselten Raturgewalten, gemeinsam ihre Sehnsucht, Die Den Willen diktiert. Laßt uns wieder zurückkehren! Das ist Die Stimme,

die ins Reich hinüberschallt, die auch Die Kata- strophe von Reunkirchcn übertönt. Das Saarland will wieder ein Teil des Reiches werden. Je eher die Scheinsouveränität von Dersallles wieder zurückgegeben werden kann, desto besser. Ser Wille Dieses deutschen Menschenschlages aber soll und muß die 'Aktivität der ganzen Ration wecken. An Der Drück' an Der Saar müssen sich täglich im Geiste die Millionen des deutschen Dolles einfinDen. Dort auf nationalpolltisch heiß umstrittenem Doden muß Dem welschen Westen in Den zwei Jahren bis zum Zeitpunkt des Ple­biszits mehr denn je fühlbarer und wuchtiger gezeigt werden, zu welcher Leistung auch ein ent- wassnetes Doll fähig ist. Dis wir endlich soweit sind, daß das Saarvögelein seine vom unerbitt­lich Durchgeführten Selbstbehauptunaskampf zer- rupften Federn mit dem Schnabel wieder zu einem Feie.tagskleid zurechtlegen, jubilierend m die Lüfte steigen und - sein saardeutsches Auf­erstehungslied schmettern kann.

Guttempler-Tagung in $ronffurt

Die in Hessen und Hessen-Rassau zusammen geschlossenen Guttempler-Logen hielten Diele Tage wie man uns berichtet ihre Jahres Versammlung in Frankfurt a. M. ab. Hausvake Ziesche von der Heilstätte .Haus Durgwald hielt in einer öffentlichen (Versammlung, Die seh gut besucht war, einen Dortrag über die De Handlung der Alkoholkranken in der Heilstätte Am Rachmittag fand die Geschäftssihung ftati Man konnte den Derichten entnehmen, daß di Guttemplerbewegung auch in Hessen und Hessen Rassau Fortschritte macht. Zum Schluß tourt* noch eine Entschließung für ein nach Dem Er messen Der (Regierung weitgehendes Alkoholverbv am Wahltage gefaßt und an die maßgebende, Stellen toeitergeleitet

AeuürM feiert fein 2v0Mrtaes SlabMubiläum

Neustrelitz, die Hauptstadt von Mecklenburg-Strelitz, feiert in diesem Jahr ihr 200jähriges Jubiläum. Die Stadt stellt in ihrer äußerst planvollen Anlage ein Musterbeispiel der Städte-Baukunst des Spätbarock bar. Unser Bild zeigt das Stadtschloß von Neustrelitz, einem Dau aus dem 18. Jahrhundert, Der große Ähnlichkeit mit dem Charlottenburger Schloß aufweift.

Wie sie ihn bezwang

Driginolroman von 3 Gchneiber-Zoerstl llrheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S. 7. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Als sie aufsah, begegnete sie seinem Blick. Sie Ichnellte auf und suchte mit verängstigten Augen <>en Weg entlang. Der Wald lag ganz in. stillem Frieden des Feierabends. Eine Eidechse lag man« lerfaul auf einem bemoosten Stein und sonnte sich im letzten Strahl, der durch die Wipfel fiel. Ein Kuckuck rief, und eine Drossel flötete hoch oben ihr schönstes Lied. Dann schwieg auch das.

oie riß sich zusammen und wandte Merlin den Blick zu:Können Sie jetzt zum Wagen kommen, Baron?"

Können wohl---aber ich will nicht!"

Was bann?" frug sie verwundert.

Hierbleiben! Mit Ihnen hierbleiben, Stephanie!"

oie trat einen Schritt zurück, als er, sich aufrich­tend, beide Arme nach ihr ausstreckte. Ihr war, als ginge eine übernatürliche Kraft von chm aus, die ihren Willen völlig ausschaltete und dem seinen hörig machte. Ihre Knie brachen langsam nach vorne. Sie verspürte Moos unter den Händen. Uno bann lag sie an seiner Brust wie damals, als er sie aus dem Wald nach Hause trug.

Sie verspürte bas heftige Pochen feines Herzens und den Druck feiner Finger, die ihr Gesicht fester an sich preßten.Bist du mir gut?" frug feine 1 Glimme über ihr.

Sie sah nicht auf, hielt die Lider krampfhaft ge­schlossen und suchte vergeblich das Zucken der Lip­pen zu meistern.

Sag, Stephanie!"

Sein Atem fuhr keuchend über ihr Haar, bann bog eine unwiderstehliche Kraft ihr den Kopf zurück unb ein ßippenpaar suchte heiß und begehrend nach dem ihren. Sie fürchtete seinem verwundeten Fuß Schaden zu bringen und wollte sich aufrichten, aber leine Arme hielten ihn zurück.Du bist so leicht! k)ch spüre dich kaum!--Kannst du dich nicht

fester gegen mich drücken, daß ich fühle, daß du bei mir bist?--Sag Stephanie--" Und als

sie nur das Gesicht an seiner Schulter versteckte, strich er ihr das Haar herab und ließ die Hand auf ihrer Wange liegen.Hast du vor mir einem an­deren gehört?"

(Es war unmöglich, sich loszureißen. Seine Arme umspannten sie gebieterisch.Warum bekomme ich keine Antwort?"

Ich mujj beim!" sagte sie und schob chn mit Ge­walt zurück.

Nicht doch, Stephanie, du mußt bei mir bleiben. ----Wer ist her andere?---"

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Es gibt keinen anderen! Ich habe noch nie ge­liebt."

Dann bin ich also der erste. Ich danke dir, Stephanie.--" Jetzt er lockerte sich sein Griff.

Er erinnerte sich, daß er dem Vater versprochen hatte, behutsam zu sein unb streichelte ihre Hände. Küß mich noch einmal Du willst nicht? Ich hätte so gerne zur Nacht geträumt von dir." Und als sie scheu, von inneren Fiebern geschüttelt, die jungen Lippen darbot, vergaß er sich und zer­brach sie fast unter her Leidenschaft, die wie ein Brand in sein Blut gefallen war.

Ein Schuß, der in her Nähe fiel, ließ ihn ernüch­tert auf schrecken:Nun mußt du wirklich heim. Ich fühle, daß es mir nicht gelingt, auch nur bis zum Wagen zu kommen. Aber vielleicht hast du die Gute, nach Ichenhausen hinüberzusagen, ober sagen zu lassen, wo ich zu finben bin. Oehme soll etwas Ver­bandzeug mitbringen. Mein Vater erfährt am besten vorläufig nichts davon."

Stephanie stand jetzt im Moose unb hielt den Blick von ihm abgeroanbt. ,Hch lasse Sie nicht allein, Baron. Vielleicht geht es hoch, wenn Sie sich fest auf mich stützen."

Daran zerbrichst hu!" Er sah lächelnd an ihrer schlanken Gestalt hinauf.Was sorgst du dich? Es liegt sich doch ganz gut hier. Und bis Oehme kommt, hab' ich ja nun etwas zu denken und zu träumen. Geh also, Kind!"

Sie schüllelle den Kopf und schien nach einem Aus­weg zu suchen.Wenn ich den Wagen bis dicht hier­her sichre, werden Sie's bann fertig bringen, über das Trittbrett zu kommen?"

Sicher" Er. blickte ihr nach wie sie den Weg hinauflief, nach der Stelle, wo der Mercedes stand. Zwei Minuten später schob er sich hoch und sich auf ihre Achseln stützend, saß er endlich im Fond. Aber es war ein schwieriges Stück Arbeit gewesen.

Der Waldweg war nicht glatt, aber Stephanie fühlte befriedigt, daß der Wagen fo herrlich federte, daß Hans Jörg unmöglich Schmerzen bereitet wur­den. Ab und zu sah sie nach ihm zurück. Er hiell die Lider geschlossen und war etwas bleich im Gesicht. Einmal sah er auf und nickte ihr zu.Wie geht es?" frug sie besorgt.

Ganz gut, kleine Steffie."

Dann glitten sie wieder dahin, unb beide atmeten auf als die Chaussee erreicht war, die ein rascheres Tem*- erlaubte. Oehme kam ihnen ein Stückchen entgegen, denn er hatte sich bereits um den Freund gesorgt. Neben ihm im Fond sitzend, nahm er die erste flüchtige Untersuchung vor.Luxation, mein Alter. Bruch wäre mir lieber gewesen. Es ist auch unverantwortlich, von einem fahrenden Auto zu ' springen. Wie hast bu denn bas wieher gemacht?"

Hans Jörg würbe her Antwort überhoben, benn her Wagen bog eben an her Rampe von Ichenhausen ein. Zehn Minuten später lag Merlin sorglich ban-

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