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23.10.1933 Erstes Blatt
 
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26. Oktober.

t Anschließend Frühton. Möge für Küche und 16: Bunter Nachmittag.

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Srunbe der Nation, Rom stapelle. 20: Trist ins a v. Weber, Hörbild von hl wissen... 22.45 Unter- Funken in 60 Sekunden! -Werken. 2330: Nachikon-

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25. Oktober.

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Nr. 248 Erster Matt

183. Jahrgang

Montag, 25. Oktober 1953

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/ mehr.

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für denAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

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Ericheini lagttch. autzei Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die Illustrierte Gießener Familienblättet Heimat im Bild Die Scholl» monats:Bc3ug$preis:

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Hernfprechanschlüffe onterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siesten.

Randnoten.

Das Gedenken an die Abwehr der sepa­ratistischen Banden im Rheinlande knüpft an die Ereignisse an, die am 21. Oktober 1923 mit schärfstem Nachdruck einfetzten und in den Kämpfen auf dem Aegidienberg bei Honeff ihren Höhepunkt fanden. Dort schlug der Selbstschutz deut­scher Bauern, Bürger und Arbeiter die separatisti­schen Södlinge fremder Interessen blutig nieder. In der Pfalz dauerte die Bewegung länger. Hier fand sie vorübergehend eine Stütze in der Erklärung sozialdemokratischer Politiker, die in Anbetracht der Verhältnisse in Bayern einen selbständigen Staat im Rahmen des Reiches proklamieren wollten. Dieserkalte Putsch" blieb aber völlig wirkungslos. Dafür erfreuten sich die bewaffneten Banden der

Reichskanzler Adolf Hitler wird, wie von zuständiger Seile mitgeteilt wird, im Rahmen einer Kundgebung der NSDAP. im Sportpalast am morgigen Dienstag, 24. Oktober, von 20.15 bis 22 Uhr sprechen. Die Rede wird von allen deutschen Sendern übertragen werden.

Landesverräter in diesem Teile des besetzten Ge­bietes noch lange des Wohlwollens des Generals de Metz, so daß die Bedrückungen der deutsch­bewußten Bevölkerung in der Pfalz noch lange andauerten.

Der geschichtliche Hergang war folgender: Seit dem 21. Oktober 1923 unternahmen die Separatisten im ganzen Rheingebiet in großem Maßstabe Ver­suche, eine unabhängigeRheinische Republik" mit rot-weiß-grüner Fahne auszu­rufen. So in Aachen, Düren, Trier, Koblenz, Bonn, Düsseldorf, Krefeld, Wiesbaden, in Rheinhessen und der Rheinpfalz. Vielfach besetzten schwerbewaffnete Trupps, zum Teil aus Zuchthäuslern und Polen bestehend, die Rathäuser und suchten die Bevölke­rung zur Anerkennung ihrerprovisorischen Regie­rung" zu zwingen, trieben Requisitionen ein, ver­hafteten und wiesen Beamte und angesehene Bür­ger aus, druckten Notgeld, beschlagnahmten Zei­tungen, verurteilten zu Geld- und Gefängnisstrafen und verübten andere Terrorakte. Die französischen und belgischen Besatzungsbehörden nahmen überall für die Separatisten Partei; z. B. verboten sie in Bonn, auf die Separatisten zu schießen und entwaffneten die Polizei, die das Rathaus besetzt hatte, so daß die Separatisten es besetzen konnten. In derselben Weise wurde in säst allen Orten ver­fahren, wo Separatisten auftraten, so daß zeitweilig die Separatisten in den Besitz der Macht gelangten. Die Bevölkerung setzte sich durchweg zur Wehr; nach der Entwaffnung durch die Franzosen lehnte sie das Paktieren mit den Separatisten ab und griff sogleich zur gewaltsamen Gegenwehr, sobald der französisch-belgische Schutz nachließ. Bei Requi­sitionen außerhalb des unmittelbaren Machtgebietes der Besatzungsmächte wurden die Separatisten ver- prügelt. Im Siebengebirge wurden Mitte Novem­ber separatistische Stoßtrupps vom Selbstschutz der Bevölkerung in blutigen Kämpfen vernichtet. Diese Begebenheit ist durch die Feier am 15. d. M. und die Rede . des Reichsministers Dr. Goebbels ge­würdigt worden. Ab Ende November begann der französische Schutz nachzulassen; dieprovisorische Regierung" in Koblenz unter Matthes löste sich am 28. November auf, am längsten dauerte der separa­tistische Terror in der Pfalz, da hier die französische Unterstützung bis zum Jahresende an­hält. Die englische Besatzungsbehörde verweigerte derprovisorischen Regierung" die Anerkennung und gestattete in ihrem Bereiche separatistische Unternehmungen nicht. Die englische Presse nahm scharf gegen die Separatisten, die sie als bezahlte Abenteurerbanden charakterisierte, Partei; auch in der französischen Presse wurde am Jahresschluß zu­gegeben, daß die Separatisten nicht die Anschauung der rheinischen Bevölkerung vertraten.

Mit dem Beginn des Jahres 1924 war der Spuk derunabhängigen Rheinischen Republik" oder desPufferstaates" zerstört, damit die Hoff­nungen Frankreichs auf einen Zerfall des Reiches und des preußischen Staatsgebietes. Diese Politik hatte mit dem Gerede von derAutonomie" des Rheinlandes Ende 1918 begonnen und war Ende 1923 mit dem bewaffneten Aufstande der Separa­tisten niedergebrochen. Die Einführung der festen Währung entzog ben Söldlingen Frankreichs nun immer stärker den Nährboden wirtschaftlicher Ver­zweiflung. Damit stand allerdings noch ein gefähr­licher Plan rheinischer Interessenten im Zusammen­hang, der für das besetzte Gebiet eine besondere Währung forderte. Die Reichsregierung verwarf diesen Vorschlag. Immer stärker stieg die Hoffnung auf die Befreiung des besetzten Gebietes in der jahrelang unterdrückten Bevölkerung. Als dann nach langem politischen Ringen die Räumung be­gann, konnte des tapferen Widerstandes der Be­völkerung, der sich nicht nur gegen Besatzungsdruck, sondern auch gegen Separatisten-Terror bewährt hatte, dankbar gedacht werden. Am Rheine war Deutschland erfolgreich verteidigt worden.

Der Vertreter der BerlinerGermania" in Tokio hatte eine Unterredung mit dem Führer der letzten japanischen Völkerbundsabordnung Mat- suoka. Japan ist bekanntlich nach dem Urteil des Genfer Rates in der japanisch-chinesischen Streit­frage aus dem Völkerbund ausgetreten. Der Be­richterstatter schreibt, Matsuokas Groll über den Genfer Ratspruch reiche tiefer als eine bloße Ent­täuschung reichen könne. Er wurzele in dem uner­träglichen Bewußtsein, ein falsches Urteil ertragen zu sollen. Wie Matsuoka erklärt, war der Urteils-

Am die Zukunst der Abrüstungskonferenz.

Geringe Aussichten für eine Fortführung der sachlichen Arbeit in Gens.

Berlin, 23. Okt. (CNB. - Funkspruch.) Eine Woche nach der Abreise der deutschen Vertreter aus Genf ist die Lage auf der Abrüstungskonferenz noch völlig ungeklärt. Die maßgebenden Mächte, die schon am Sonntag vor acht Tagen sich in Genf nur müh­sam über das Programm der damals bevorstehen­den Sitzung des Hauptausschusses einigen konnten, sind sich bei den inzwischen aufgenommenen diplo­matischen Besprechungen zwischen den einzelnen Hauptstädten nicht näher gekommen. Am vergangenen Montag hatte Henderson in sei­nem Antworttelegramm an den deutschen Außen­minister erklärt, daß in der Simon-Erklä- rung eine brauchbare Arbeitsgrund­lage der Abrüstungskonferenz gefunden sei und er hatte in der Ausschußsitzung mit erhobener Stimme gefordert, daß die Ausarbeitung einer Konvention auf dieser Grundlage in Angriff ge­nommen werde.

Aber nicht einmal in England halten die maßgebenden Kreise dieses Verfahren, das den Nebenzweck hätte, Deutschland ins Unrecht zu setzen, für zweckmäßig, wenn überhaupt für möglich. Der englische Außenminister selbst war bei den Genfer Verhandlungen bekanntlich der Vertreter der schär­feren Tonart und des demonstrativen Vorgehens gegenüber Deutschland, scheint aber im englischen Kabinett, dessen Beratungen noch zu keinem Er­gebnis gelangt sind, nicht durchzudringen.

In Frankreich würde man am liebsten die Wiederher st ellung der Einheitsfront mit England, Amerika, Italien und Polen sehen, die nach dem Austritt völlig auseinandergefallen ist. Zum mindesten will Frankreich, wie heute das Blatt Daladiers,Republique", zum Ausdruck bringt, auf der Abrüstungskonferenz die Maß­nahmen, die es zu unterschreiben bereit ist, bekanntgeben, um, wenn sie von den anbe- ren nicht angenommen werben, bem Vorwurf zu entgehen, daß es bie Herabsetzung ber Rüstungen, bie Gleichberechtigung unb bie Einrichtung einer internationalen Kontrolle verweigert habe. Auf alle Fälle ist nicht zu erwarten, baß bie Sitzung bes Hauptausschusses am fommenben Donnerstag etwas anberes als unverdinbliche Erklärungen unb eine neue Vertagung ber Konferenz bringen wirb.

England für Vertagung.

London, 23. Okt. (MTV. Funkspruch.) Die für heute in Aussicht genommene Sitzung des britischen Kabinetts wird die Aufgabe haben, die Berichte Sir John Simons über feine Verhandlungen mit den Vertretern der anderen Machte über die Ab­rüstungsfrage entgegenzunehmen und sich über die Zukunft der Abrüstungskonferenz schlüssig zu werden. Die Blätter sind der Aufsassung, daß das Kabinett sich für eine Vertagung ber Abrüstungsverhandlungen aussprechen werde, da in Abwesenheit Deutschlands eine A b- rüftungsfonoention nicht ; ustande kommen könnte. Sollten die übrigen Mächte trotzdem andererMeinung sein, so werde dem britischerseits nicht widersprochen werden.

Sir John Simon hat einer Filmgesellschaft ein Interview gegeben, in dem er erklärte, ber plötzliche Rückzug Deutschlanbs von Genf habe für ben Augenblick zwar bie Arbeit ber Abrüstungskonferenz erschüttert, man bürfe aber nicht glauben, baß hier-

spruch über Japan fertig, ehe ber japanische Ver­treter überhaupt zur Verteibigung kam. Der Ur­teilsspruch war sachlich falsch unb ber Rat war absolut ahnungslos über bie Verhältnisse im Osten. Sein Vorschlag, bie Manbschurei unter eine inter­nationale Kontrolle zu stellen, zeige bie völlige Verkennung ber asiatischen Wirk-

l i cf) t e i t unb auch ber asiatischen Mentalität.Der Vorschlag war verrückt, der Traum einiger ehr­geiziger Völkerbunbssekretäre unb etwa eines Trebitsch-Lincoln. Man sieht oft auf uns Japaner herab. Man traut uns nichts zu wir feien noch nicht zivilisiert genug Asiaten! Die Welt aber soll mit unserem völkischen Stolz rechnen, mit unse­rem nationalen Bewußtsein, mit unserer Ehre.

Matsuoka glaubt, baß bie Anerkennung Manb- schukuos trotz bes Genfer Spruchs burch Verhanb- lungen mit ben Mächten erreicht werben würbe. Der Lölkcrbunb habe keine Macht, bas zu verhm- bern, keine politische, feine juriftijefje ferne mora» lifdie Tatsächlich seien blese Dinge be re 11 s im F l u ß. Matsuokas Absage an benWestlens- unb unverrückbarer Wille ebenso beteiligt wie Hoffen unb herzhafte Sehnsucht. Dieter neue doI fische Realismus gewinnt m Japan Tag für Tag, unb baf, er fld) mehr unb mehr m einer M M turautonomie vollenbet, ist für Matsuoka eine P« »nb erklärte Matsuoka Glauben Sie mir, ich bewunbere Ihr Volk wie keines sonst. Es ist etwas Wunberban-s wie Deutschlanb sich aus bem Elenb unö। bei Schmach unb ber Not emporarbeitet, 3roe,iJ.c; ob unser Volk dazu fähig gewesen, wäre . W,r wären unter ähnlichen Verhältnissen m der N cy kriegszeit zusammengebrochen. Man hat gesagt,

burch bie Arbeit für bie Abrüstung selbst abgebro­chen werbe. Aus brei wichtigen Grünben müsse Englanb ein tiefes Interesse an biefer Angelegen­heit nehmen:

1. Hätten sich alle Mitglieber bes *13 öl- ferbunbes verpflichtet, ihr Aeußerstes zu tun, um burch allgemeine Vereinbarungen bie Be­grenzung unb Herabsetzung ber Rüstungen her­beizuführen.

2. Habe Englanb s e l b st ein Bespiel gegeben unb sei führenb oorangegangen, seine Flotte unb Luftstreitkräfte bis zu einem Gefahrenpunkt herab­zusetzen.

3. Stänbe man, wenn tatsächlich bie Hoffnung auf eine Abrüstungsvereinbarung enbgültig auf- gegeben werben müßte, vor einem neuen Rüstungswettrennen, einem unterschiebs- losen Aufhäufen von Waffen zu ungeheuren Kosten, was einerseits keine Garantie für ben Weltfrieben wäre unb anberfeits allen schwere Lasten aufer­legen würbe. Die englische Regierung verfolge baher biefe Aufgabe mit ihrer ganzen Kraft unb im Ver­trauen barauf, baß sie hierbei bie Unterstützung ihrer ßanbsleute haben werbe.

In ber Presse ist eine so merkliche Beruhigung eingetreten, baß selbst ein so beutschseinbliches Blatt wie ber Sunbay Referee zugeben muß, baß im großen unb ganzen bie Hitlerregierung in Englanb eine gute Presse hat. Lorb S n o w b e n schreibt z. B. im Sunbay Chronicle: Der Austritt

Deutschlanbs könne niemanb überraschen, ber ein» gehenb bie Verhanblungen ber Konferenz unb ben Lauf ber europäischen Diplomatie seit Enbe bes Krieges verfolgt habe. Der beutsche Anspruch könne gerechterweise nicht abgelehnt werben. Es sei voll­kommen klar, baß zwischen Frankreich, Italien, Amerika unb Großbritannien Besprechungen ftatt- gefunben hätten unb Vereinbarungen geschlossen worben seien hinter bem Rücken Deutsch­lanbs, bem sie in Gestalt eines Ultimatums un­terbreitet worben seien. Das konservative Unter- hausmitglieb Oberst Moore hebt im Sunbay Dispatch aus persönlicher Bekanntschaft mit bem Kanzler hervor, baß Trieben unb Gerech- t i g f e i t bie Schlüsselworte berPolitik Hitlers seien, unb baß Hitler mit ber Unterstützung bes beutschen Volkes unb ber Mitwirkung seiner Kollegen biefe Politik zum Erfolg führen werbe. Moore befür­wortete als verspätete Geste gegenüber bem ent­waffneten Deutschlanb ben Abschluß einer Konvention, bie eine wirkliche unb rasche Abrüstung ber übrigen Natio­nen vorsehe. Wenn man Hitler vertrauen könne, unb bies könne man, werbe eine solche Aktion nicht nur eine bereitwillige unb ehrliche Erwiberung aus­lösen, sonbern eine Atmospähre ber Ver­so hn u n g unb bes Vertrauens entwickeln, Die eine Brücke für bie Rückkehr Deutschlanbs zur Gemeinschaft ber Nationen schaffen werbe.

Das Kabinett Saladier kämpft um fein Leben.

Oie Entscheidung liegt bei den Sozialisten.

Paris, 22. Okt. (WTB.) Vor bem Plenum ber Kammer begann am Sonntagnachmittag bie Dis­kussion über bie Finanzsanierungsgesetze ber Regie­rung Dafabier. Die Lage für bas Kabinett ist keines­wegs gesichert. Dalabier hat sich selbst wiederholt als ben Ministerpräsibenten bezeichnet, ber nicht bie Inflation machen wirb. Er hat auf bie Spekulationsgefahr hingewiefen unb barauf, baß ein Golbabfluß aus ber Bank von Frankreich feft- zustellen sei. Aber ber rechte Flügel ber Re­gierungsmehrheit, bie rabitale Linke, hat mit Stim­menmehrheit beschlossen, gegen bie Finanz- gesetze z u stimmen aus bem Wunsch heraus, baß möglichst balb eine von ben Sozialisten befreite Konzentrationsregierung gebildet werbe. Auf bem linken Flügel kann Dalabier bie Unter­stützung ber Sozialisten mit feinem gegenwär­tigen Entwurf nicht erwarten. Die Sozia­listen, von ben Beamtengewerkschaften beeinflußt, wollen keine Kürzung ber Beamtenge­hälter, sonbern nur eine gestaffelte Krisensteuer ber oberen Beamten ohne Belastung ber kleinen Gehälter. Nun ist aber bie Haltung ber Sozialisten auch wieberum nicht einheitlich, benn bie sogenann­ten N e u s o z i a l i st e n würben Dalabier bie Treue halten. Aber ihre Stimmen bürsten nicht genügen, um bie Stellung ber Kabinetts Dalabier unantast­bar zu machen.

In ber Samstagssitzung ber Kammer kritisierte ber Rebner ber Minderheit bes Hauptausschusses, Abgeordneter R e y naub, an bem Regierungsge­setzentwurf, baß er nicht bas Budget al eich- gewicht ganz wieber her st eile. Der Re­

gierungsentwurf fei ein Eisenbahnzug, bessen Wagen aus einer Lotterie, Falschgelb unb Monopolen be­stünden. Ministervräsident Dalabier warf barauf ben politischen Freunden Reynaubs vor, sie hätten, als sie cum Ruber waren, burch kalenbermäßige Ver­schiebung bes Budgetjahres sich um bie Beseitigung < bes Fehlbetrages herum ged rückt und hätten die deutschen Zahlungen nach bem Hoooerplan mit 11OO OOO OOO Franken in das Budget eingestellt. Sie haben, fuhr Dalabier fort, das Hoover-Mora­torium angenommen und Sie wissen, daß es den Reparationen einen tödlichen Schlag versetzte. Sie kritisieren als Falschgeld bas Nickelgeld, aber Sie müßten sich doch eigentlich freuen, daß in Frank- reich Nickelgelb im Umlauf ist, denn ohne Nickel kann man keine Granaten Herstellen.

Bald nach 19 Uhr französischer Zeit vertagte sich bie Kammer auf Montag morgen. Die Vertagung ist darauf zurückzuführen, daß noch einmal versucht werden soll, eine Einigung zwischen ben Radikalen unb den Sozialisten über die Krisen st euer herbeizuführen. Die Aus­sichten werden allerdings nicht als besonders groß bezeichnet und deshalb sagen verschiedene Blätter für Montag abend ben Sturz bes Kabinetts voraus. Alles kommt auf die Haltung ber Sozia­listen an. Aus mehreren Provinzstäbten finb B e - nmtenprotefte gegen bie neuen Steuern eingegangen, so vor allem aus Straß­burg, wo bie Beamten bie Einführung ber 40-Stun- denwoche ohne Kürzung ber Gehälter unb Beibe- Haltung ihrer Sonderzulagen forbern, wibrigenfalls sie mit bem Streik brohen.

Weltkrieg hatte ben Sinn, bas Deutschtum zu zer­schmettern. Ich glaube, sein Sinn war, bas Deutsch­tum zu einer Neugeburt zu führen. Es ist klar, daß hier bie Vorsehung im Spiel war. Sie hat Euch geschlagen, um Euch für eine größere Zeit zu prüfen unb reif zu machen. Das war ber Sinn bes Weltkrieges. In zwanzig Jahren wirb bie Welt bas glauben." Matsuoka sagt, baß er biefe Gebauten seinen Söhnen vermittelt, um ihnen an biesem bebeutfamften Beispiel bie wahren unb letz­ten Hintergrünbe weltpolitischen Geschehens klarzu­machen.

Var kurzem hat ber anglikanische Bischof von Tokio bei ben japanischen Behörden um bie Ge­nehmigung nachgesucht, bie Bonin-Jnseln aufzusuchen, um einen Hirtenbesuch bei ben Ein­wohnern zu machen, bie zu seinem Seelsorgebereich gehören. Die Einreisegenehmigung würbe bem Bischof verweigert. Eine Begründung für bas Verbot bes Besuches ber Inseln wurde nicht ge­geben. Kurz darauf erging von den japanischen Militärbehörden ein allgemeines Verbot für sämtliche Ausländer, die Bonin-Jnseln, die etwa 560 Seemeilen südöstlich vom japanischen Festland liegen, zu betreten. Dadurch wurde die Aufmerksam­keit der Welt auf diese Inselgruppe gelenkt, die von den großen Schiffahrtslinien nicht berührt wird. Nunmehr verlautet, daß Japan die Bonin-Jnseln in oller Stille zu einer mächtigen Flo11en - und Flugzeugbasis ausgebaut unb gigantische Befestigungen angelegt hat, bie fremden Augen ver­borgen bleiben sollen. Die strategische Bedeutung ber Bonin-Jnseln ist ohne weiteres einleuchtend. Zieht man eine gerade Linie von den Bonin-Jnseln zu den Marianen, die seit langem Hauptstütz- punkte Japans im Pazifik sind, so entsteht eine Sperrzone, die angesichts der Stärke der japanischen See- unb Luftflotte von keinem feinblichen Kriegs­fahrzeug durchbrochen werden kann.

Die Bonin-Jnseln wurden im 16. Jahrhundert burch Portugiesen entbeckt. Im Jahre 1827 würben

sie burch bas englische KriegsschiffBlossom" für Englanb in Besitz genommen. Englanb legte aber auf biefe abgelegene Besitzung keinen großen Wert unb trat sie 1875 an Japan ab. Die strategische Be­beutung ber Bonin-Jnseln als Vorposten Japans darf heute nicht unterschätzt werden. Das Tempo, in dem sich der Aufmarsch der Weltmächte rund um den Stillen Ozean vollzieht, läßt keine Miß­deutung zu. Der japanische Kriegsminister Araki machte vor kurzem Ausführungen, die an Deutlich­keit nichts zu wünschen übrig ließen. Auf ber Konferenz ber Anliegermächte bes Pazifik in bem kanabischen Babeort Bansf roanbte sich ber Dele­gierte Japans, Graf Michimsa, in scharfen Worten gegen bie Anwesenheit ber Atlantikflotte ber Ver­einigten Staaten im Pazifik unb forberte energisch bie Freigabe ber amerikanischen Weststaaten für bie japanische Emigration.

Die angelsächsischen Mächte treffen ebenfalls alle Vorbereitungen, bie sie für notwenbig halten. Port Darwin ist ein Gibraltar bes Sübpazisik gewor­ben. Mit bem Kriegshafen Singapore unb ber amerikanischen Marinebasis auf Correggibor auf ben Philippinen bilbet Port Darwin ein strate­gisches Dreieck, in bem ber japanischen Flotte scharf zugesetzt werben kann. Hawai unb Singapore sind gleichzeitig die Hauptstützpunkte gewaltiger Luft­streitkräfte. In der Luft ist Japan jedoch bei weitem überlegen. Es verfügt zur Zeit über 15 Flugzeugkaders, ganz abgesehen von seinen Flug- zeugmutterschiffen an Bord seiner Schlachtkreu- 3er. Brasilien, Peru und andere südamerikanische Staaten lassen zur Zeit Panzerkreuzer, Untersee­boote und andere Kriegsfahrzeuge auf japanischen Werften bauen. Im Falle eines Krieges würde Japan diese Fahrzeuge natürlich für sich selbst in Dienst stellen. Zweifellos verspüren weder Sowjet- rußland noch die angelsächsischen Mächte die ge­ringste Kriegslust. Auch Japan würde gern eine Entscheidung durch die Gewalt der Waffen vermei- ben. Aber wie bie Dinge am Pazifik sich entwickeln werben, kann niemanb sagen.