Neubau von jährlich 15 bis 18 Zerstörern; ein großes ll - vool - vauprogramm; beträchtliche Vermehrung der Marineflugzeuge; Erhöhung der Mannfchaftssiärke um mindestens 10 000 Mann; beträchtliche größere Aufwen- düngen für Schiff-Treibstoff. Uebungsmunition und Flottenmanöver.
Widerstände gegen Roosevelts Wirtschafisplan.
Preiserhöhungen. — Arbeiterstreiks.
Neuyork, 21. Aug. (WTB.) Bei seinen Plänen und Maßnahmen für eine Neugestaltung der amerikanischen Wirtschaft hat Präsident Roosevelt immer erneute Schwierigkeiten zu überwinden. Besondere Sorge macht der Regierung das st a r k e Anziehen der Preise, denen die Löhne nicht nachkommen. Um eine genaue Uebersicht und dadurch eine Möglichkeit zur Kontrolle der Preissteigerungen zu haben, hat die Regierung angeordnet, daß alle Industrien, die die Vereinbarungen über die Arbeitsverfassung unterzeichnet haben, über den Umfang der Preiserhöhungen Bericht erstatten, dadurch soll die Tätigkeit der reinen Gewinnmacher im Interesse des kaufenden Publikums Unterbunden und den bereits gemeldeten Preissteigerungen wirksam entgegengetreten werden.
Auch die Hoffnung, daß die Wider st ände innerhalb der Arbeiterschaft aufhören würden, bestätigte sich nicht. Nachdem erst vor wenigen Tagen erneut die Bergarbeiter des pennsylvanischen Kohlenbezirks und die Textilarbeiter Neuyorks in den Ausstand getreten sind, hat sich die Streikbewegung nun auch nach Chikago ausgedehnt. Hier haben etwa 10-000 Textilarbeiter die Arbeit niedergelegt. Zur Rechtfertigung ihres Verhaltens weisen die Arbeitnehmer darauf hin, daß die Arbeitgeber sich nicht an das durch den „Blauen Adler" symbolisierte Prinzip der Zusammenarbeit im Interesse des Gemeinwohls gehalten hätten. In Horton (Virginia) sind über 2000 Bergleute im Zusammenhang mit Meinungsverschiedenheiten über die neue Gewerkschaftsbewegung in den Aus - ftand getreten.
Das Kreuz an der Hfer.
Seit Charles de Coster mit seinem französisch geschriebenen Till Uylenspiegel dem Flamentum seine nationale Bibel gegen das zersetzende Wallo- nentum gab, dessen politische Uebermacht in Belgien heute noch nicht gebrochen ist, hat die Flamenbewegung sich auf zwei Ziele konzentriert und immer größere Macht gewonnen: Wahrung des katholischen Charakters des Volkes gegenüber dem freidenkerisch-liberalistischen Geist der Brüsseler Franscillons (Franzosenanhänger) und Neubelebung der flämischen Volkssprache und Volksbildung. Seit dem Kriege, in dem die deutschen Soldaten die Flamen als ihre Stammesbrüder achten lernten, hat das Flamentum jedes Jahr in einem Gebetszug zum Flamenkreuz bei Dixmuiden diesem Wollen Ausdruck gegeben, und trotz aller Anfeindungen konnte das Flamenvolk in federn Jahr einen neuen Erfolg verzeichnen. So ist es gelungen, gegen den Widerstand der Regierung die 23er« flamung der Genter Universität fast erreicht zu haben und die Volksbewegung, die auf eine Trennung des seit hundert Jahren unnatürlichen Verhältnisses mit dem Wallonentum und auf die Bildung der Groß-Niederlande hinzielt, ist von einem Geist getragen, den Charles de Coster erträumte, aber nicht mehr erlebte.
Allgemeine Einführung des Hitler- Grußes in der deutschen Industrie.
Berlin, 22. Aug. (CNB.) Der Reichsstand der Deutschen Industrie, gezeichnet Dr. Krupp von Bohlen-und Halbach, gibt bekannt: Wie aus der Presse bekannt ist, hat der Herr Neichsminister des Innern in einer Anordnung an die Reichsbehörden darauf hingewiesen, daß es angebracht sei, „nachdem der Parteienstaat in Deutschland überwunden ist und die gesamte Verwaltung im Deutschen Reich unter der Leitung des Reichskanzlers Adolf Hitler steht, denvonihmeingeführ-
Dietrich Eckart.
Eine Erinnerung von Dr. Erich Janke.
Als ich im Frühjahr aus Italien zurückkehrte und in München dem Braunen Haus einen Besuch abstattete, hatte ich eine seltsame Begegnung mit einem Toten. Nicht unten vor den Ehrentafeln beim andachtsvollen ßefen der Namen der Gefallenen von der Feldherrnhalle, von denen einer mir besonders wert war — es war im Arbeitszimmer des Führers, als mich der Anblick eines erzgegossenen Kopfes erschütterte. Nicht das Cäsarenhaupt zur Linken des großen Schreibtisches, das gehörte einem Lebenden an, die Stimme dieser trotzigen Lippen klang mir noch frisch im Ohr: „Libro e mosquetto fascista per- felto!“, aber zur Rechten diese mächtige gedankenschwere Stirn eines Toten erkannte ich tief er- . griffen wieder. Don diesen Lippen war zuerst der gewaltige Schlachtruf erklungen: „Deutschland erwache!" „Dietrich Eckart!" sagte mein schlanker Begleiter in der Stabsuniform der SA. und dann schwiegen wir einige Augenblicke wie in Andacht. Ist es ein Zufall, daß mir dieser Tage ein Blatt auf den Schreibtisch flattert und die Erinnerung an den toten Dichter wachrufen will, um feine Lebensbeschreibung zu gestalten? Wieviele werden es noch sein, die jene Nächte mit Dietrich Eckart mit« erlebten?
Steile Stufen führten wie in ein Verließ hinunter in das Lokal, das bei uns jungen Leuten von der literarischen Zunft den merkwürdigen Namen „Malaria-Keller" führte und stets nur in vorgerückter Nachtstunde ausgesucht wurde. Mehr als 25 Jahre müssen vergangen sein, aber noch lebhaft steht mir das Treiben von damals vor Augen. In der Ecke vor einem Tisch saß Dietrich Eckart, jeden Neuankömmling kritisch musternd und gegebenenfalls — er konnte vollendet grob fein — mit entsprechenden Worten begrüßend. Der Lärm von der Potsdamer Straße drang in die hitzigen Wortgefechte, die sich oft entwickelten, aber selten nur war es möglich, einen Blick in das verschlossene Innere dieses seltsamen Menschen mit der rauhen Schale und dem weichen Gemüt zu tun. Am Tage schlug er sich mit mißgünstigen Intendanten herum und wußte Ergötzliches darüber zu berichten. Doch wenn er nachts in Stimmung war, dann griff er in die Tasche und las formvollendete gebanlentiefe Verse vor, für die wenigen Zuhörer, die bis zum Morgengrauen mit ihm beim Becher ausharrten. Er war uns an Alter
tenGrußalsdeutschenGrußan z uwen- de n. Damit wird die Verbundenheit des ganzen deutschen Volkes mit feinem F ü h r er auch nach außen hin klar in Erscheinung treten." Der deutsche Gruß, der in allen B e - Hörden und Schulen des Deutschen Reichs angewendet wird, ist auch in den Betrieben der deutschen Jndu st rie weitgehend eingeführt. Seine Anwendung in allen Verbänden und Betrieben wird nicht nur dem Grußgedanken des Herrn Reichsministers des Innern, sondern auch derinnerenZusammen- gehörigkeit aller Betriebsangehörigen einheitlichen Ausdruck geben.
Oer deutsche Gruß kann von Ausländern nicht erwartet werden. Berlin, 22. Aug. (TU.) Der Stellvertreter des
Führers, Pg. Heß, gibt bekannt:
„Es ist in allen Ländern Brauch, daß beim Absingen der Nationalhymne, Grüßen von Fahnen und ähnlichen Anlässen Ausländer ihr Gastland dadurch ehren, daß sie sich mit den Angehörigen des betreffenden Landes von ihren Plätzen erheben, bzw. den Hut abnehmen. Dies ist selbstverständliche Pflicht internationaler Höflichkeit, deren Erfüllung gleicher Weise von jedem im Ausland weilenden Deutschen erwartet wird, wie von jedem Ausländer, der sich in Deutschland aufhält.
Nicht erwartet werden kann jedoch von einem Ausländer eine in feinem Heimatland nicht geübte ihm also fremde Form der Ehren- bezeugung, wie sie z. B. der „deutsche Gruß" durch Erheben des rechten Armes darstellt. Dieses ebenso wenig, wie auch beispielsweise von einem Protestanten nicht verlangt wird, daß er sich beim Betreten einer katholischen Kirche bekreuzigt. Deutschland-Lied und Horst-Weffel-Lied in Vergnügungsstätten verboten.
Berlin, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Amtlich. Der preußische Minister des Innern hat auf Anregung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda für das Land Preußen durch Polizeiverordnung bestimmt, daß das Singen und Spielen des Deutschland- und des Horst-Weffel-Lie- des in Vergnügungs- und Gaststätten aller 21 r t verboten ist. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung der Ortspolizeibehörde. Die Polizei- oerordnuna soll verhindern, daß das Deutschlandlied und das Horst-Weffel-Lied in ihrem Charakter als vaterländische Weihelieder durch x u häufiges Absingen auch bei unpassenden Gelegenheiten Einbuße erleiden. Der Würde dieser Lieder entspricht es, daß sie nur bei solchen Gelegenheit en gefungen werden, bei denen der Rahmen, der Ernst und die Größe der Veranstaltung zum Singen und Spielen der genannten Lieder d i e Möalichkeit bieten. Die Ortspolizeibehörden haben sich, bevor sie von der Ausnahmemöglichkeit Gebrauch machen, ausdrücklich zu vergewissern, daß diese Voraussetzungen erfüllt sind.
Hochschulreform in Baden.
Die Hochschulrektoren vom Kultusminister ernannt.
Karlsruhe, 22. Aug. (TU.) Der badische Kultusminister erläßt soeben eine Verordnung, die einen völligen Umbau der Hochschuloerfas- sung in Baden bringt und auf dem Wege der Hochschulreform des Reiches bahnbrechend fein wird. Im Gleichschritt der Entwicklung wird in ihr das Führerprinzip verwirklicht. Dem Rektor stehen demnach alle Befugnisse des seitherigen (engeren und großen) Senats zu. Er wird vom Kultusminister aus der Zahl der ordentlichen Professoren ernannt und von ihm vereidigt. Der Rektor hat das Recht, für eine von ihm zu bestimmende Zeit aus dem Lehrkörper der Hochschule einen Kanzler zu ernennen, der ihn vertritt. Das Amt des nach diesem Erlaß erstmalig zu ernennenden Rektors be« ainnt am 1. Oktober 1933. Das Ende seiner Amtszeit wird vom Ministerium be- st i m m t. Die Amtsdauer der Dekane und Senatoren bestimmt der Rektor. Er ist befugt, diese jederzeit abzuberufen. Gegen eine die Abberufung aussprechende Entscheidung steht die Beschwerde an das Ministerium zu.
und Erfahrung weit überlegen vielleicht kam es daher, daß wir oft den Ton der Bitterkeit, den er aufklingen ließ, nicht ganz so gut verstanden wie die Empörung über gewisse Zeitumstände, die seine Sorge für Deutschland wachriefen.
Nun ruht er aus, getreu bis in den Tod, und die Krone des Lebens ist ihm auch gegeben worden, denn welchen Raum gäbe es, der würdiger wäre, mit seiner Büste geschmückt zu werden, als das stille Zimmer in München?
Gommer aus dem Gee.
Don Joachim Lange.
Die blauen Sommertage, da wir, minbüberflaggt, hinausfuhren auf den See! Das Boot schaukelte an der Brücke, die Wellen klatschten gegen das Ufer, schattig und kühl war es hier unter den Bäumen, und dann der See, silbern überglitzert von Sonne! Knatternd sprang der Wind in bas Segel, und wir glitten schräg über bie kleinen grünen Wasserberge, die uns in einförmigem Rhythmus entgegenliefen. Irgendwo draußen auf der weiten Fläche, jeden schönen Tag, den uns diese Wochen bescherten, lag ein Ruderboot und ein stiller Mann saß da Stunde um Stunde, „sah nach dem Angel ruhevoll" —. Zischend rauschten wir vorüber, daß unser Segel sich bedrohlich schief gegen die grüne Gerade des Ufers neigte, jeden Tag war das so, ein kecker Rus von uns Lärmenden flog zu dem Besinnlichen, der nur leicht den Kopf senkte.
Denn am Bug unseres Schiffes stand „Sturmvogel" und wir waren Seeräuber, bie zu schlimmen Dingen auszogen. Wir waren auch ber Prinz von Wales, ber elegant unb reich an ber Seine faß und nachlässige Befehle in den Wind näselte. Wir waren besessenes Torpedoboot, das mit schäumendem Bug- wasser gegen die feindliche Flotte vorstieß. Wir waren alles. Stichwort war alles. Und jeder Tag brachte ein neues Stichwort.
Die Pumpe in der kleinen Kajüte, in ber zwei junge Menschen unb bas riesige „Logbuch" knapp Platz fanben, eine erstaunliche Pumpe, bie ihren eigentlichen Zweck nie erfüllte, bie aber munberbar echtes Motorenaeräusch hervorbringen konnte, war die Maschine. Wer von uns gerade Kapitän spielte, hantierte mit feebärbeifeiger Miene an imaginären Telegraphen, vielfältige Glockensignale regelten den ®an9 der Pumpe, daß sie stampfend dröhnte wie die Maschinen eines Ozeansteamers, daß sie rasselnd
Aus aller Well.
Oie „Rekordschwimmenn" Ruth Lchig gestorben.
Die 19jährige Hemer Schwimmerin Ruth Lihig, die am Sonntagabend nach fast 79stün- digern Aufenthalt im Wasser des Essener Bal- deneh-Sees völlig erschöpft als Schwerkranke ins Krankenhaus gebracht werden mußte, ist dort am Dienstagnachmittag gestorben. Seit ihrer Einlieferung war die „Rekordschwimmerin" ohne Bewußtsein; das Herz konnte nur durch ständige Kampfersprihen in Tätigkeit gehalten werden. — Beim Krankenhaus Huissen-Stift in Essen hatte sich auf die Nachricht vom Tode des jungen Mädchens hin eine große Menschenmenge angesammelt, die ihrem Anmut Ausdruck gab über den sträflichen Leichtsinn und vor allem über die Torheit und Ansinnigkeit der geschäftstüchtigen und sensationslüsternen Veranstalter dieser Menschenquä- lerei, die man „Aekordschwimmen" nannte. Man darf annehmen, daß der Tod des jungen Mädchens, das ein Opfer des Rekordwahnsinns und der Sensationslust geworden ist, noch ein Nachspiel für die Veranstalter haben wird.
„Graf Zeppelin" in pernambuco.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" befand sich am Dienstag um 6 Ahr Greenwicher Zeit ungefähr zwischen den Kap Bardischen Inseln und dem südamerikanischen Kontinent. Am 22.10 Ahr ist das Luftschiff wohlbehalten in Per- na mbuc o an gekommen.
Der Lahusen-Prozeß beginnt.
Vor der Großen Strafkammer in Bremen beginnt, wie wir hören, endgültig am 29. August nach mehrfachen Vertagungen der Prozeß gegen G. Karl L a h u s e n , das frühere Vorstandsmitglied der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, deren Konkurs im 3uli 1931 weit über Deutschlands Grenzen hinaus erhebliches Aufsehen erregte.
Feuer in ber Mindener Pionierkaserne.
In einem Schuppen ber Pionierkaserne in Minden brach ein Feuer aus, bas mit rafenber Geschwin- bigteit um sich griff. Im Nu ftartb ber ganze 200 Meter lange Schuppen, in bem ber Fuhrpark unb sonstiges Material des Minbener Pionierbataillons untergebracht waren, in Hellen Flammen. Trotz ber ofortigen Löschmaßnahmen unb Bergungsversuche >er Feuerwehr, ber Mindener Garnison, der ge- amten SA. unb SS. war es nur möglich, einige Wagen aus bem Flammenmeer zu retten. Das ganze Gebäube war in etwa zwei Stunden nieder- gebrannt. Vermutlich ist das Feuer durch Brandstiftung entstanden. Man nimmt an, daß es sich um ein kommunistisches Attentat handelt. Der Sachschaden soll etwa 1 Million Mark betragen.
Doppelhinrichtung in Weimar.
3m Hofe des Weimarer Gerichtsgebäuves wurden die Mörder Hahn und Leffler hingerichtet. Die beiden hatten im vorigenn 3ahre eine Frau Weißenborn aus 3ena unter der Vorspiegelung, eine Autofahrt mit ihr zu machen, in 3ena in die Nähe eines toten Armes der Saale gelockt, sie dort ermordet und die Leiche in das Wasser versenkt.
Gnadenerweife des preußischen Ministerpräsidenten.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, hat der preußische Ministerpräsident im Gnadenwege die gegen die landwirtschaftlichen Arbeiter Fritz D e h n e r t und Adolf Brüning und gegen die Witwe Margarete Müller geb. Brüning vom Schwurgericht in Stendal am 24. Februar d. 3. verhängten Todesstrafen in je zehnjährige Zuchthausstrafen umgewandelt.
Zuchthaus
wegen verbrechens gegen das löpionagegeseß.
Von dem Oberlandesgericht in Königsberg wurden zwei in Deutschland sich aufhaltendo Ausländer wegen Verbrechens oder Vergehens gegen das Spionagegesetz zu je acht Jahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrverlust verurteilt. Ein Deutscher, der aus Leichtfertigkeit in das Garn der Ausländer geraten war, erhielt
rückwärts lief unb ritardando erstarb. Es gehörte eine große Kunst dazu, bie Pumpe zu bebienen.
Draußen auf der Hohe bes Sees, zogen wir uns aus unb sprangen in bie Wellen, bie herrlich kalt waren. Weiß glitten unsere Körper im durchsichtigen Grün bahin und wir lachten uns an burch die silberne Gischt der Sprüher unb Spritzer. Blaue Sommertage!
Am anbern Ufer machten wir halt, erstürmten bas Gasthaus unb füllten uns, ganz unfeeräuberhaft, mit Kaffee unb Schlagsahne. Wer gerade Gelb hatte, bezahlte. Sonst ließen wir anschreiben. Wir ließen fast immer anschreiben. Aber ber Wirt hatte ein gutes Herz unb vertraute uns.
Die Heimfahrten waren geruhsamer. Der Winb legte sich gegen Abenb, unb bis wir in ben Bootshafen eingelaufen waren, mußten wir lange kreuzen. Was tat's? Wir hatten Zeit, unermeßlich viel Zeit, unb wünschten, es wäre ewig so. Später, auf bem Heimweg am Ufer, entfleibeten wir uns noch einmal. Die Nacht hing warm unb bunte! um uns, unb warm unb bunfel lockte bas Wasser. Von ben Dörfern brüben leuchteten bie Lichter, bie Bäume rauschten, eine Glocke schwang sich von weither über ben See — wir waren jung und schnellten lachenb über bie Tiefe, bie unergründlich unter uns war. Wir waren neue Menschen, unerschöpflich in ber Seligkeit, die uns erfüllte, einen kurzen Sommer lang.
Berühmte Leute in Serien.
Der König des Irak, Feisal, dec zu einem Ferienausenthalt nach England gelommen ist, hat in der 3lut der Feste und Gesellschaften, die zu seinen Esren veranstaltet wurden, nicht die Erholung gefunden, die er suchte. „Ich kam nach England, um mich auszuruhen", tagte er kürzlich, „aber seitdem ich gelandet bin, bin ich noch nicht zur Ruhe gekommen, und ich werde nach meinem Reich zurücklehren müssen, um mich von den Strapazen dieser Serienreife zu stärken. Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es für berühmte und hochstehende Persönlichkeiten ist, die geeignete Gelegenheit für die ihnen so notwendige Ausspannung zu finden. Man weiß von Filmstars, die die besondere Aufmerksamkeit des Publikums erregen, daß sie die größten Vorsichtsmaßregeln treffen müssen, um sich den unerwünschten Huldigungen der Menge zu entziehen, und Greta Garbo hatte für ihren Ferienaufenthalt in Schweden geradezu ein System der Verkleidungen ausgedacht, das jedem Detektiv Ehre gemacht hätte. Staatsoberhäupter ha-
drei 3ahre Gefängnis. 3n Verbindung mit der Geheimen Staatspolizei war es den zuständigen Rcichswehrstellen gelungen, die Täter zu fassen, ehe das von diesen beschaffte Material über die Wehrmacht, politische und andere Verbände und Vereine in ausländische Hände fiel.
Fünf Scheunen mit Lrnievorräken niebergebrannt
3n Winden (Südpfalz) brach in einer Scheune Feuer aus, das sehr schnell um sich griff. 3m ganzen fielen fünf Scheunen, die mit Erntevorräten angefüllt waren, den Flammen zum Opfer.
Bisher 1350 Nennungen zur Osilanb-Treuefahrl.
Beim Meldeschluß für bie Ostlanb-Treue- fahrt beutfdjer Kraftfahrer laaen 1350 Nennungen vor. Es laufen aber noch fortgesetzt weitere Nennungen ein, so baß mit einer Gesamtteilnehmerzahl von 1500 Fahrzeugen gerechnet wirb. Unter ihnen befinben sich 340 Sendbotenmannschaf- ten aus allen Teilen bes Reiches. Die Oberleitung ber Fahrt hat Staatssekretär Funk vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Reichsminister Dr. Goebbels wird an der Fahrt teilnehmen. Für den Grenzübergang und die Durchfahrt durch den Weichselkorridor hat Polen bekanntlich auf Erteilung des Visums verzichtet. Reichsangehörige Teilnehmer, die in der Zeit vom 25. bis 27. August an der deutsch-polnischen Grenze auf den Straßen Lauenburg—Danzig—Elbing und Schlochau —Dirschau—Marienburg eintreffen, bedürfen zur Ausreise keines Ausreisesichtvermerks, wenn sie einen deutschen Reisepaß bei sich führen und wenn sich aus den Umständen ergibt, daß sie Teilnehmer der Ost« landtreuefahrt sind. Das gleiche gilt für die Rückfahrt in der Zeit vom 29. bis 31. August, soweit die vorerwähnten Straßen in umgekehrter Richtung benutzt werden.
Der Tob in den Bergen.
Seit dem 16. August wurden im Wettersteingebirge der Obervegierungsrat Dr. Deinhardt vom Oberversicherungsamt Nürnberg und sein 19 3ahre alter Sohn vermißt. Die beiden Bergsteiger wurden nunmehr in Schüsselkar tot auf* gesunden. Die Leichen wurden zur Aeberraintal- Hütte und dann zu Tal gebracht.
Der an der Nordwand des Matterhorns zu Tode gekommene Münchener Tourist Krö - n e r konnte nunmehr geborgen werden. Die Rettungsmannschaft entging dabei wie durch einen Zufall dem gleichen Tode, nämlich durch einen mächtigen Steinschlag, der kurz nachdem sie sich entfernt hatte, niederging. Kröners Leiche wird nach Traunstein überführt.
3m Lotschental wurde, einer Meldung aus Basel zufolge, auf dem Langgletscher die Leiche eines 40—45jährigen Touristen gefunden, die ungefähr 10 bis 15 Jahre dort im Eise gelegen haben muß. Heber die Person des Toten ist man sich im Anklaren.
Ein Sachverständigenbeirat für Volks- gesnndheit bei der NSDAP.
München, 22. Aug. (TA.) Der Stellvertreter des Führers Pg. Heß veröffentlicht eine Anordnung, wonach die Abteilung „Volksgesundheit" der PO. der NSDAP, aufgelöst wird. 3hre organisatorischen Aufgaben sind an den Staat über gegangen, ihre Aufgaben auf dem Gebiet der Fürsorge gehen an die Abteilunng „N S. - Vvlkswohl- f a h r t“. Bei der Reichsleitung der NSDAP, wird ein Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit errichtet, mit dessen Bildung und Führung Dr. Gerh. Wagner (München) beauftragt ist. Diesem Sachverständigenbeirat haben sämtliche Parteidienststellen alle in diesem Bereich fallende Fragen zu unterbreiten und alle Eingaben an behördliche Stellen vor ihrer Einreichung zuzuleiten. Die Regierungen des Reiches und der Länder sind ersucht worden, sich in allen einschlägigen Angelegenheiten vor endgültigen Regelungen rechtzeitig mit dem Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit in Verbindung zu sehen.
ben es oft noch schwerer, sich ihren dringenden Pflichten zu entziehen und einmal vollständige Ruhe zu finden. Der König von Dänemak flüchtete einmal nach Bagdad, um in dieser seiner nordischen Heimat so entgeg ges tzten Stimmung völlig von allen Regierungen ige i zu befreien. Andere Herrscher suchen die la., .iche Stille auf unb widmen sich der beruhigenden Tätigkeit des Ackerbaus. So zieht sich König Boris von Bulgarien während ferner Serien auf ein kleines Landgut bei Philippopel zurück. Auch der Präsident der Türkei, Mustapha Kemal, der ein längeres Ausspannen nicht kennt, verbringt kurze Mußestunden auf seiner Musterfarm in der Nähe der Haupstadt Angora unb erfreut sich daran, mit ben modernsten landwirtschaftlichen Maschinen sein Land zu bestellen. Die englische Sorschungsreisende Rosika Sorbes erzählt in einem Aufsatz, ber Präsident von Peru, Sanchez Cerro, der kürzlich ermordet wurde, habe ihr einmal gestanden, sein Ideal eines geruhsamen Lebens bestehe in der Landwirtschaft, aber er komme nur selten zum Aufenthalt auf seinem Gut. „Gewöhnlich verbringe, ich meine Serien damit, daß ich ange* schossen werde!" fügte er bitter hinzu. Er hatte schon damals 16 Mordversuche überstanden und war neunmal verwundet worden. Als die Reisende ihn dazu beglückwünschte, daß er so vielen Gefahren glücklich entgangen sei, meinte er: „Ich habe noch einige Leben zu leben. Ich glaube, daß 21 meine Anglückszahl ist". Aber er täuschte sich, denn der 17. Schuh, der ihn traf, endete seine Laufbahn. So mancher, der immer im Trubel der Gesellichaft sich befindet, kennt für seine Sreizeit keinen höheren Wunsch als den, allein zu sein. „Ich kannte einen Mann", schreibt Stau Sorbes, „der sich zu seiner Erholung auf einen langen Ritt begab. Er brauchte zwei Jahre, bevor er von Buenos Aires auf dieser seltsamen Serienreife bis nach Neuyork gekommen war. In der Zwischenzeit wurde er in den tropischen Ar- wäldern fast von Insekten aufgefreffen, verhungerte fast auf den wilden Gebirgspässen und starb fast vor Durst in ber Wüste. Er wäre beinahe von Auf- ständigen getötet und von Kopfjägern skalpiert worden. Aber zum Schluß sagte er: „Es war eine wirkliche Serienzeit, denn wochenlang hatte ich niemanden, mit dem ich sprechen konnte, außer mit meinen beiden Pferden". Diel Weisheit enthält das Wort eines arabischen Emirs: „Bequemlichkeit ist notwendig in der Sreizeit und Schnelligkeit ist zu vermeiden. Laß deinen Kraftwagen zu Hause und nimm einen Esel. Laß deine Ahr zurück, denn wenn es keine Arbeit gibt, gibt es auch keine Stunden".
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Die Volks, folgen!
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