Ausgabe 
23.8.1933 Frühausgabe
 
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Neubau von jährlich 15 bis 18 Zer­störern; ein großes ll - vool - vauprogramm; beträchtliche Vermehrung der Marineflug­zeuge; Erhöhung der Mannfchaftssiärke um min­destens 10 000 Mann; beträchtliche größere Aufwen- düngen für Schiff-Treibstoff. Uebungsmunition und Flottenmanöver.

Widerstände gegen Roosevelts Wirtschafisplan.

Preiserhöhungen. Arbeiterstreiks.

Neuyork, 21. Aug. (WTB.) Bei seinen Plänen und Maßnahmen für eine Neugestaltung der ameri­kanischen Wirtschaft hat Präsident Roosevelt immer erneute Schwierigkeiten zu überwinden. Besondere Sorge macht der Regierung das st a r k e Anziehen der Preise, denen die Löhne nicht nachkommen. Um eine genaue Uebersicht und dadurch eine Möglichkeit zur Kontrolle der Preissteigerungen zu haben, hat die Regierung angeordnet, daß alle Industrien, die die Vereinbarungen über die Ar­beitsverfassung unterzeichnet haben, über den Um­fang der Preiserhöhungen Bericht erstatten, dadurch soll die Tätigkeit der reinen Gewinnmacher im Interesse des kaufenden Publikums Unterbunden und den bereits gemeldeten Preissteigerungen wirk­sam entgegengetreten werden.

Auch die Hoffnung, daß die Wider st ände innerhalb der Arbeiterschaft aufhören würden, bestätigte sich nicht. Nachdem erst vor we­nigen Tagen erneut die Bergarbeiter des pennsylvanischen Kohlenbezirks und die Textilarbeiter Neuyorks in den Aus­stand getreten sind, hat sich die Streikbewegung nun auch nach Chikago ausgedehnt. Hier haben etwa 10-000 Textilarbeiter die Arbeit nie­dergelegt. Zur Rechtfertigung ihres Verhaltens wei­sen die Arbeitnehmer darauf hin, daß die Arbeit­geber sich nicht an das durch denBlauen Adler" symbolisierte Prinzip der Zusammenarbeit im Inter­esse des Gemeinwohls gehalten hätten. In Hor­ton (Virginia) sind über 2000 Bergleute im Zusammenhang mit Meinungsverschiedenheiten über die neue Gewerkschaftsbewegung in den Aus - ftand getreten.

Das Kreuz an der Hfer.

Seit Charles de Coster mit seinem französisch ge­schriebenen Till Uylenspiegel dem Flamentum seine nationale Bibel gegen das zersetzende Wallo- nentum gab, dessen politische Uebermacht in Bel­gien heute noch nicht gebrochen ist, hat die Fla­menbewegung sich auf zwei Ziele konzentriert und immer größere Macht gewonnen: Wahrung des katholischen Charakters des Volkes gegenüber dem freidenkerisch-liberalistischen Geist der Brüsseler Franscillons (Franzosenanhänger) und Neubelebung der flämischen Volkssprache und Volksbildung. Seit dem Kriege, in dem die deutschen Soldaten die Fla­men als ihre Stammesbrüder achten lernten, hat das Flamentum jedes Jahr in einem Gebetszug zum Flamenkreuz bei Dixmuiden die­sem Wollen Ausdruck gegeben, und trotz aller An­feindungen konnte das Flamenvolk in federn Jahr einen neuen Erfolg verzeichnen. So ist es gelun­gen, gegen den Widerstand der Regierung die 23er« flamung der Genter Universität fast erreicht zu haben und die Volksbewegung, die auf eine Tren­nung des seit hundert Jahren unnatürlichen Ver­hältnisses mit dem Wallonentum und auf die Bil­dung der Groß-Niederlande hinzielt, ist von einem Geist getragen, den Charles de Coster erträumte, aber nicht mehr erlebte.

Allgemeine Einführung des Hitler- Grußes in der deutschen Industrie.

Berlin, 22. Aug. (CNB.) Der Reichsstand der Deutschen Industrie, gezeichnet Dr. Krupp von Bohlen-und Halbach, gibt bekannt: Wie aus der Presse bekannt ist, hat der Herr Neichsminister des Innern in einer Anordnung an die Reichsbe­hörden darauf hingewiesen, daß es angebracht sei, nachdem der Parteienstaat in Deutschland über­wunden ist und die gesamte Verwaltung im Deut­schen Reich unter der Leitung des Reichskanzlers Adolf Hitler steht, denvonihmeingeführ-

Dietrich Eckart.

Eine Erinnerung von Dr. Erich Janke.

Als ich im Frühjahr aus Italien zurückkehrte und in München dem Braunen Haus einen Besuch ab­stattete, hatte ich eine seltsame Begegnung mit einem Toten. Nicht unten vor den Ehrentafeln beim an­dachtsvollen ßefen der Namen der Gefallenen von der Feldherrnhalle, von denen einer mir besonders wert war es war im Arbeitszimmer des Füh­rers, als mich der Anblick eines erzgegossenen Kopfes erschütterte. Nicht das Cäsarenhaupt zur Linken des großen Schreibtisches, das gehörte einem Lebenden an, die Stimme dieser trotzigen Lippen klang mir noch frisch im Ohr:Libro e mosquetto fascista per- felto!, aber zur Rechten diese mächtige gedanken­schwere Stirn eines Toten erkannte ich tief er- . griffen wieder. Don diesen Lippen war zuerst der gewaltige Schlachtruf erklungen:Deutschland er­wache!"Dietrich Eckart!" sagte mein schlan­ker Begleiter in der Stabsuniform der SA. und dann schwiegen wir einige Augenblicke wie in An­dacht. Ist es ein Zufall, daß mir dieser Tage ein Blatt auf den Schreibtisch flattert und die Erinne­rung an den toten Dichter wachrufen will, um feine Lebensbeschreibung zu gestalten? Wieviele werden es noch sein, die jene Nächte mit Dietrich Eckart mit« erlebten?

Steile Stufen führten wie in ein Verließ hinunter in das Lokal, das bei uns jungen Leuten von der literarischen Zunft den merkwürdigen NamenMa­laria-Keller" führte und stets nur in vorgerückter Nachtstunde ausgesucht wurde. Mehr als 25 Jahre müssen vergangen sein, aber noch lebhaft steht mir das Treiben von damals vor Augen. In der Ecke vor einem Tisch saß Dietrich Eckart, jeden Neu­ankömmling kritisch musternd und gegebenenfalls er konnte vollendet grob fein mit entsprechenden Worten begrüßend. Der Lärm von der Potsdamer Straße drang in die hitzigen Wortgefechte, die sich oft entwickelten, aber selten nur war es möglich, einen Blick in das verschlossene Innere dieses selt­samen Menschen mit der rauhen Schale und dem weichen Gemüt zu tun. Am Tage schlug er sich mit mißgünstigen Intendanten herum und wußte Er­götzliches darüber zu berichten. Doch wenn er nachts in Stimmung war, dann griff er in die Tasche und las formvollendete gebanlentiefe Verse vor, für die wenigen Zuhörer, die bis zum Morgengrauen mit ihm beim Becher ausharrten. Er war uns an Alter

tenGrußalsdeutschenGrußan z uwen- de n. Damit wird die Verbundenheit des ganzen deutschen Volkes mit feinem F ü h r er auch nach außen hin klar in Erscheinung treten." Der deutsche Gruß, der in allen B e - Hörden und Schulen des Deutschen Reichs angewendet wird, ist auch in den Be­trieben der deutschen Jndu st rie weit­gehend eingeführt. Seine Anwendung in allen Verbänden und Betrieben wird nicht nur dem Grußgedanken des Herrn Reichsministers des Innern, sondern auch derinnerenZusammen- gehörigkeit aller Betriebsangehöri­gen einheitlichen Ausdruck geben.

Oer deutsche Gruß kann von Ausländern nicht erwartet werden. Berlin, 22. Aug. (TU.) Der Stellvertreter des

Führers, Pg. Heß, gibt bekannt:

Es ist in allen Ländern Brauch, daß beim Absingen der Nationalhymne, Grü­ßen von Fahnen und ähnlichen Anlässen Ausländer ihr Gastland dadurch ehren, daß sie sich mit den Angehörigen des betreffenden Landes von ihren Plätzen erheben, bzw. den Hut abnehmen. Dies ist selbstverständliche Pflicht internationaler Höflichkeit, deren Erfüllung gleicher Weise von jedem im Ausland weilenden Deutschen erwartet wird, wie von jedem Ausländer, der sich in Deutschland aufhält.

Nicht erwartet werden kann jedoch von einem Ausländer eine in feinem Heimatland nicht geübte ihm also fremde Form der Ehren- bezeugung, wie sie z. B. derdeutsche Gruß" durch Erheben des rechten Armes darstellt. Dieses ebenso wenig, wie auch beispielsweise von einem Protestanten nicht verlangt wird, daß er sich beim Betreten einer katholischen Kirche bekreuzigt. Deutschland-Lied und Horst-Weffel-Lied in Vergnügungsstätten verboten.

Berlin, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Amtlich. Der preußische Minister des Innern hat auf An­regung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda für das Land Preußen durch Polizeiverordnung bestimmt, daß das Singen und Spielen des Deutschland- und des Horst-Weffel-Lie- des in Vergnügungs- und Gaststätten aller 21 r t verboten ist. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung der Ortspolizeibehörde. Die Polizei- oerordnuna soll verhindern, daß das Deutschlandlied und das Horst-Weffel-Lied in ihrem Charakter als vaterländische Weihelieder durch x u häufiges Absingen auch bei unpassenden Ge­legenheiten Einbuße erleiden. Der Würde dieser Lieder entspricht es, daß sie nur bei solchen Gelegenheit en gefungen werden, bei denen der Rahmen, der Ernst und die Größe der Veran­staltung zum Singen und Spielen der genannten Lieder d i e Möalichkeit bieten. Die Ortspolizei­behörden haben sich, bevor sie von der Ausnahme­möglichkeit Gebrauch machen, ausdrücklich zu ver­gewissern, daß diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Hochschulreform in Baden.

Die Hochschulrektoren vom Kultusminister ernannt.

Karlsruhe, 22. Aug. (TU.) Der badische Kul­tusminister erläßt soeben eine Verordnung, die einen völligen Umbau der Hochschuloerfas- sung in Baden bringt und auf dem Wege der Hochschulreform des Reiches bahnbrechend fein wird. Im Gleichschritt der Entwicklung wird in ihr das Führerprinzip verwirklicht. Dem Rektor stehen demnach alle Befugnisse des seit­herigen (engeren und großen) Senats zu. Er wird vom Kultusminister aus der Zahl der ordentlichen Professoren ernannt und von ihm vereidigt. Der Rektor hat das Recht, für eine von ihm zu bestimmende Zeit aus dem Lehrkörper der Hochschule einen Kanzler zu ernennen, der ihn vertritt. Das Amt des nach die­sem Erlaß erstmalig zu ernennenden Rektors be« ainnt am 1. Oktober 1933. Das Ende seiner Amtszeit wird vom Ministerium be- st i m m t. Die Amtsdauer der Dekane und Sena­toren bestimmt der Rektor. Er ist befugt, diese jederzeit abzuberufen. Gegen eine die Ab­berufung aussprechende Entscheidung steht die Be­schwerde an das Ministerium zu.

und Erfahrung weit überlegen vielleicht kam es da­her, daß wir oft den Ton der Bitterkeit, den er auf­klingen ließ, nicht ganz so gut verstanden wie die Em­pörung über gewisse Zeitumstände, die seine Sorge für Deutschland wachriefen.

Nun ruht er aus, getreu bis in den Tod, und die Krone des Lebens ist ihm auch gegeben worden, denn welchen Raum gäbe es, der würdiger wäre, mit sei­ner Büste geschmückt zu werden, als das stille Zim­mer in München?

Gommer aus dem Gee.

Don Joachim Lange.

Die blauen Sommertage, da wir, minbüberflaggt, hinausfuhren auf den See! Das Boot schaukelte an der Brücke, die Wellen klatschten gegen das Ufer, schattig und kühl war es hier unter den Bäumen, und dann der See, silbern überglitzert von Sonne! Knatternd sprang der Wind in bas Segel, und wir glitten schräg über bie kleinen grünen Wasserberge, die uns in einförmigem Rhythmus entgegenliefen. Irgendwo draußen auf der weiten Fläche, jeden schönen Tag, den uns diese Wochen bescherten, lag ein Ruderboot und ein stiller Mann saß da Stunde um Stunde,sah nach dem Angel ruhevoll". Zischend rauschten wir vorüber, daß unser Segel sich bedrohlich schief gegen die grüne Gerade des Ufers neigte, jeden Tag war das so, ein kecker Rus von uns Lärmenden flog zu dem Besinnlichen, der nur leicht den Kopf senkte.

Denn am Bug unseres Schiffes standSturm­vogel" und wir waren Seeräuber, bie zu schlimmen Dingen auszogen. Wir waren auch ber Prinz von Wales, ber elegant unb reich an ber Seine faß und nachlässige Befehle in den Wind näselte. Wir waren besessenes Torpedoboot, das mit schäumendem Bug- wasser gegen die feindliche Flotte vorstieß. Wir waren alles. Stichwort war alles. Und jeder Tag brachte ein neues Stichwort.

Die Pumpe in der kleinen Kajüte, in ber zwei junge Menschen unb bas riesigeLogbuch" knapp Platz fanben, eine erstaunliche Pumpe, bie ihren eigentlichen Zweck nie erfüllte, bie aber munberbar echtes Motorenaeräusch hervorbringen konnte, war die Maschine. Wer von uns gerade Kapitän spielte, hantierte mit feebärbeifeiger Miene an imaginären Telegraphen, vielfältige Glockensignale regelten den ®an9 der Pumpe, daß sie stampfend dröhnte wie die Maschinen eines Ozeansteamers, daß sie rasselnd

Aus aller Well.

OieRekordschwimmenn" Ruth Lchig gestorben.

Die 19jährige Hemer Schwimmerin Ruth Lihig, die am Sonntagabend nach fast 79stün- digern Aufenthalt im Wasser des Essener Bal- deneh-Sees völlig erschöpft als Schwerkranke ins Krankenhaus gebracht werden mußte, ist dort am Dienstagnachmittag gestorben. Seit ihrer Einlieferung war dieRekordschwimmerin" ohne Bewußtsein; das Herz konnte nur durch ständige Kampfersprihen in Tätigkeit gehalten werden. Beim Krankenhaus Huissen-Stift in Essen hatte sich auf die Nachricht vom Tode des jungen Mäd­chens hin eine große Menschenmenge angesammelt, die ihrem Anmut Ausdruck gab über den sträf­lichen Leichtsinn und vor allem über die Torheit und Ansinnigkeit der geschäftstüchtigen und sen­sationslüsternen Veranstalter dieser Menschenquä- lerei, die manAekordschwimmen" nannte. Man darf annehmen, daß der Tod des jungen Mäd­chens, das ein Opfer des Rekordwahnsinns und der Sensationslust geworden ist, noch ein Nach­spiel für die Veranstalter haben wird.

Graf Zeppelin" in pernambuco.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" befand sich am Dienstag um 6 Ahr Greenwicher Zeit ungefähr zwischen den Kap Bardischen Inseln und dem südamerikanischen Kontinent. Am 22.10 Ahr ist das Luftschiff wohlbehalten in Per- na mbuc o an gekommen.

Der Lahusen-Prozeß beginnt.

Vor der Großen Strafkammer in Bremen be­ginnt, wie wir hören, endgültig am 29. August nach mehrfachen Vertagungen der Prozeß gegen G. Karl L a h u s e n , das frühere Vorstands­mitglied der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, deren Konkurs im 3uli 1931 weit über Deutschlands Grenzen hinaus erheb­liches Aufsehen erregte.

Feuer in ber Mindener Pionierkaserne.

In einem Schuppen ber Pionierkaserne in Minden brach ein Feuer aus, bas mit rafenber Geschwin- bigteit um sich griff. Im Nu ftartb ber ganze 200 Meter lange Schuppen, in bem ber Fuhrpark unb sonstiges Material des Minbener Pionierbataillons untergebracht waren, in Hellen Flammen. Trotz ber ofortigen Löschmaßnahmen unb Bergungsversuche >er Feuerwehr, ber Mindener Garnison, der ge- amten SA. unb SS. war es nur möglich, einige Wagen aus bem Flammenmeer zu retten. Das ganze Gebäube war in etwa zwei Stunden nieder- gebrannt. Vermutlich ist das Feuer durch Brand­stiftung entstanden. Man nimmt an, daß es sich um ein kommunistisches Attentat handelt. Der Sachschaden soll etwa 1 Million Mark betragen.

Doppelhinrichtung in Weimar.

3m Hofe des Weimarer Gerichtsgebäuves wur­den die Mörder Hahn und Leffler hinge­richtet. Die beiden hatten im vorigenn 3ahre eine Frau Weißenborn aus 3ena unter der Vorspiegelung, eine Autofahrt mit ihr zu machen, in 3ena in die Nähe eines toten Armes der Saale gelockt, sie dort ermordet und die Leiche in das Wasser versenkt.

Gnadenerweife des preußischen Ministerpräsidenten.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, hat der preußische Ministerpräsident im Gnadenwege die gegen die landwirtschaftlichen Arbeiter Fritz D e h n e r t und Adolf Brüning und gegen die Witwe Margarete Müller geb. Brüning vom Schwurgericht in Stendal am 24. Februar d. 3. verhängten Todesstrafen in je zehnjährige Zuchthausstrafen umgewandelt.

Zuchthaus

wegen verbrechens gegen das löpionagegeseß.

Von dem Oberlandesgericht in Königsberg wurden zwei in Deutschland sich aufhaltendo Ausländer wegen Verbrechens oder Vergehens gegen das Spionagegesetz zu je acht Jahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrverlust ver­urteilt. Ein Deutscher, der aus Leichtfertigkeit in das Garn der Ausländer geraten war, erhielt

rückwärts lief unb ritardando erstarb. Es gehörte eine große Kunst dazu, bie Pumpe zu bebienen.

Draußen auf der Hohe bes Sees, zogen wir uns aus unb sprangen in bie Wellen, bie herrlich kalt waren. Weiß glitten unsere Körper im durchsichtigen Grün bahin und wir lachten uns an burch die sil­berne Gischt der Sprüher unb Spritzer. Blaue Som­mertage!

Am anbern Ufer machten wir halt, erstürmten bas Gasthaus unb füllten uns, ganz unfeeräuberhaft, mit Kaffee unb Schlagsahne. Wer gerade Gelb hatte, bezahlte. Sonst ließen wir anschreiben. Wir ließen fast immer anschreiben. Aber ber Wirt hatte ein gutes Herz unb vertraute uns.

Die Heimfahrten waren geruhsamer. Der Winb legte sich gegen Abenb, unb bis wir in ben Boots­hafen eingelaufen waren, mußten wir lange kreuzen. Was tat's? Wir hatten Zeit, unermeßlich viel Zeit, unb wünschten, es wäre ewig so. Später, auf bem Heimweg am Ufer, entfleibeten wir uns noch ein­mal. Die Nacht hing warm unb bunte! um uns, unb warm unb bunfel lockte bas Wasser. Von ben Dör­fern brüben leuchteten bie Lichter, bie Bäume rauschten, eine Glocke schwang sich von weither über ben See wir waren jung und schnellten lachenb über bie Tiefe, bie unergründlich unter uns war. Wir waren neue Menschen, unerschöpflich in ber Seligkeit, die uns erfüllte, einen kurzen Sommer lang.

Berühmte Leute in Serien.

Der König des Irak, Feisal, dec zu einem Ferienausenthalt nach England gelommen ist, hat in der 3lut der Feste und Gesellschaften, die zu sei­nen Esren veranstaltet wurden, nicht die Erholung gefunden, die er suchte.Ich kam nach England, um mich auszuruhen", tagte er kürzlich,aber seitdem ich gelandet bin, bin ich noch nicht zur Ruhe gekommen, und ich werde nach meinem Reich zurücklehren müssen, um mich von den Strapazen dieser Serienreife zu stärken. Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es für berühmte und hochstehende Persönlichkeiten ist, die geeignete Gelegenheit für die ihnen so notwendige Ausspannung zu finden. Man weiß von Filmstars, die die besondere Aufmerksamkeit des Publikums er­regen, daß sie die größten Vorsichtsmaßregeln treffen müssen, um sich den unerwünschten Huldigungen der Menge zu entziehen, und Greta Garbo hatte für ihren Ferienaufenthalt in Schweden geradezu ein System der Verkleidungen ausgedacht, das jedem Detektiv Ehre gemacht hätte. Staatsoberhäupter ha-

drei 3ahre Gefängnis. 3n Verbindung mit der Geheimen Staatspolizei war es den zu­ständigen Rcichswehrstellen gelungen, die Täter zu fassen, ehe das von diesen beschaffte Material über die Wehrmacht, politische und andere Ver­bände und Vereine in ausländische Hände fiel.

Fünf Scheunen mit Lrnievorräken niebergebrannt

3n Winden (Südpfalz) brach in einer Scheune Feuer aus, das sehr schnell um sich griff. 3m ganzen fielen fünf Scheunen, die mit Ernte­vorräten angefüllt waren, den Flammen zum Opfer.

Bisher 1350 Nennungen zur Osilanb-Treuefahrl.

Beim Meldeschluß für bie Ostlanb-Treue- fahrt beutfdjer Kraftfahrer laaen 1350 Nennungen vor. Es laufen aber noch fortgesetzt weitere Nennungen ein, so baß mit einer Gesamt­teilnehmerzahl von 1500 Fahrzeugen gerechnet wirb. Unter ihnen befinben sich 340 Sendbotenmannschaf- ten aus allen Teilen bes Reiches. Die Oberleitung ber Fahrt hat Staatssekretär Funk vom Reichs­ministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Reichsminister Dr. Goebbels wird an der Fahrt teilnehmen. Für den Grenzübergang und die Durch­fahrt durch den Weichselkorridor hat Polen bekannt­lich auf Erteilung des Visums verzichtet. Reichs­angehörige Teilnehmer, die in der Zeit vom 25. bis 27. August an der deutsch-polnischen Grenze auf den Straßen LauenburgDanzigElbing und Schlochau DirschauMarienburg eintreffen, bedürfen zur Ausreise keines Ausreisesichtvermerks, wenn sie einen deutschen Reisepaß bei sich führen und wenn sich aus den Umständen ergibt, daß sie Teilnehmer der Ost« landtreuefahrt sind. Das gleiche gilt für die Rück­fahrt in der Zeit vom 29. bis 31. August, soweit die vorerwähnten Straßen in umgekehrter Richtung be­nutzt werden.

Der Tob in den Bergen.

Seit dem 16. August wurden im Wetterstein­gebirge der Obervegierungsrat Dr. Deinhardt vom Oberversicherungsamt Nürnberg und sein 19 3ahre alter Sohn vermißt. Die beiden Berg­steiger wurden nunmehr in Schüsselkar tot auf* gesunden. Die Leichen wurden zur Aeberraintal- Hütte und dann zu Tal gebracht.

Der an der Nordwand des Matterhorns zu Tode gekommene Münchener Tourist Krö - n e r konnte nunmehr geborgen werden. Die Ret­tungsmannschaft entging dabei wie durch einen Zufall dem gleichen Tode, nämlich durch einen mächtigen Steinschlag, der kurz nachdem sie sich entfernt hatte, niederging. Kröners Leiche wird nach Traunstein überführt.

3m Lotschental wurde, einer Meldung aus Basel zufolge, auf dem Langgletscher die Leiche eines 4045jährigen Touristen gefunden, die un­gefähr 10 bis 15 Jahre dort im Eise gelegen haben muß. Heber die Person des Toten ist man sich im Anklaren.

Ein Sachverständigenbeirat für Volks- gesnndheit bei der NSDAP.

München, 22. Aug. (TA.) Der Stellvertreter des Führers Pg. Heß veröffentlicht eine Anord­nung, wonach die AbteilungVolksge­sundheit" der PO. der NSDAP, aufgelöst wird. 3hre organisatorischen Aufgaben sind an den Staat über gegangen, ihre Aufgaben auf dem Gebiet der Fürsorge gehen an die AbteilunngN S. - Vvlkswohl- f a h r t. Bei der Reichsleitung der NSDAP, wird ein Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit errichtet, mit dessen Bil­dung und Führung Dr. Gerh. Wagner (Mün­chen) beauftragt ist. Diesem Sachverständigenbei­rat haben sämtliche Parteidienststellen alle in die­sem Bereich fallende Fragen zu unterbreiten und alle Eingaben an behördliche Stellen vor ihrer Einreichung zuzuleiten. Die Regierungen des Reiches und der Länder sind ersucht worden, sich in allen einschlägigen Angelegenheiten vor endgül­tigen Regelungen rechtzeitig mit dem Sachverstän­digenbeirat für Volksgesundheit in Verbindung zu sehen.

ben es oft noch schwerer, sich ihren dringenden Pflich­ten zu entziehen und einmal vollständige Ruhe zu finden. Der König von Dänemak flüchtete einmal nach Bagdad, um in dieser seiner nordischen Heimat so entgeg ges tzten Stimmung völlig von allen Regierungen ige i zu befreien. Andere Herr­scher suchen die la., .iche Stille auf unb widmen sich der beruhigenden Tätigkeit des Ackerbaus. So zieht sich König Boris von Bulgarien während fer­ner Serien auf ein kleines Landgut bei Philippopel zurück. Auch der Präsident der Türkei, Mustapha Kemal, der ein längeres Ausspannen nicht kennt, verbringt kurze Mußestunden auf seiner Musterfarm in der Nähe der Haupstadt Angora unb erfreut sich daran, mit ben modernsten landwirtschaftlichen Maschinen sein Land zu bestellen. Die englische Sorschungsreisende Rosika Sorbes erzählt in einem Aufsatz, ber Präsident von Peru, Sanchez Cerro, der kürzlich ermordet wurde, habe ihr einmal ge­standen, sein Ideal eines geruhsamen Lebens be­stehe in der Landwirtschaft, aber er komme nur sel­ten zum Aufenthalt auf seinem Gut.Gewöhnlich verbringe, ich meine Serien damit, daß ich ange* schossen werde!" fügte er bitter hinzu. Er hatte schon damals 16 Mordversuche überstanden und war neun­mal verwundet worden. Als die Reisende ihn dazu beglückwünschte, daß er so vielen Gefahren glücklich entgangen sei, meinte er:Ich habe noch einige Leben zu leben. Ich glaube, daß 21 meine Anglücks­zahl ist". Aber er täuschte sich, denn der 17. Schuh, der ihn traf, endete seine Laufbahn. So mancher, der immer im Trubel der Gesellichaft sich befindet, kennt für seine Sreizeit keinen höheren Wunsch als den, allein zu sein.Ich kannte einen Mann", schreibt Stau Sorbes,der sich zu seiner Erholung auf ei­nen langen Ritt begab. Er brauchte zwei Jahre, bevor er von Buenos Aires auf dieser seltsamen Serienreife bis nach Neuyork gekommen war. In der Zwischenzeit wurde er in den tropischen Ar- wäldern fast von Insekten aufgefreffen, verhungerte fast auf den wilden Gebirgspässen und starb fast vor Durst in ber Wüste. Er wäre beinahe von Auf- ständigen getötet und von Kopfjägern skalpiert wor­den. Aber zum Schluß sagte er:Es war eine wirk­liche Serienzeit, denn wochenlang hatte ich niemanden, mit dem ich sprechen konnte, außer mit meinen beiden Pferden". Diel Weisheit enthält das Wort eines arabischen Emirs:Bequemlichkeit ist notwendig in der Sreizeit und Schnelligkeit ist zu vermeiden. Laß deinen Kraftwagen zu Hause und nimm einen Esel. Laß deine Ahr zurück, denn wenn es keine Arbeit gibt, gibt es auch keine Stunden".

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