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23.8.1933 Frühausgabe
 
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Mittwoch, 23. August 1933

nr. 196 KvühauSsade

183. Jahrgang

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wiih. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den An« zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gienen

Spekulationskapital und produktivem Anleihe- kapital her. Wenn Deutschland wirklich gleich­berechtigt wäre, dann würde das Gespenst der Unruhe in Europa gebannt sein. Dann würden sich die Milliardenbeträge, die heute in den Ländern des Westens aus Furcht vor der all­gemeinen Unsicherheit gehortet werden, wieder in den Dien st der allgemeinen Pro­duktion stellen. Der alte weltwirtschaftliche Arbeitsheilungsprozeh sei gestorben an der rest­losen Unterordnung wirtschaftlicher Zweckmähig- keitsgesichtspunkte unter rüstungspvli-

Dem Prozeß gegen den Bukarester Ver­treter der tschechischen Skoda-Werke, Ze letz ki, hat man in Deutschland viel zu wenig Beachtung geschenkt. Denn der Prozeß, dessen wahre Hintergründe zwar nicht ganz geklärt worden sind, hat immerhin ein interessantes Schlaglicht auf die

tische Derteidigungsgesichtspunkte. Wie auch immer die Wiederausrichtung Deutsch­lands vor sich gehen werde, die Weltwirtschaft und die deutsche Wirtschaft können von diesem Vorgang nur gewinnen. Cs gebe nur einen Weg, die .Aation der Arbeitslosen" radikal zu liquidieren: Herstellung eines echten europäischen Friedens durch volle Gleichberechtigung für Deutschland. Insofern gehöre auch die gerechte Lösung der Ab­rüstungsfrage in den Aufgabenkreis der Arbeits­beschaffung.

Men und das österreichische Problem

Oie Unterredung von Hiccione. - Diplomatische Erklärungen (Saydas.

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- Konkurrenzmethoden der europäi- i schen Rüstungsindustrie geworfen und ge- zeigt, mit welchen Mitteln die Rüstungsindustriellen 3(3 a arbeiten, um 'ihren Platz auf dem Waffenmarkt zu - erhalten. Das ist auch deshalb für Deutschland sehr aufschlußreich, wenn man bedenkt, daß immer noch sehr viele Leute in der Welt vorhanden sind, die an

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Versailles -ie Wurzel der Wellwirtschastsnol

Ohne Gleichberechtigung Deutschlands keine Behebung der Krisis.

Rom, 22. Aua. (TU.) Unter dem TitelDie Le­bensfähigkeit Oesterreichs" geht Garda im halb­amtlichenG i o r n a l e d'F t a l i a" ausführlich auf die Bedeutung der Zusammenkunft in Riccione ein. Italien habe sich seit Beginn der Nachkriegszeit st e t s für die Lebensfähigkeit Oesterreichs und die sich daraus ergebende Kraft zu seiner Unabhängigkeit eingesetzt. Dieses Vertrauen sei niemals wankend geworden. Doch es sei die Auf­gabe der österreichischen Nation, diese Kraft durch geeignete Maßnahmen und einem festen nationalen Willen zu stärken. Dieser Wille fehle der Regierung Dollfuß keines­wegs. Er werde durch seine aktive Politik dokumen­tiert. In jedem Lande, so auch in Oesterreich, gebe es junge, gesunde und willens st arke Elemente, die für die nationale Idee kämpsen, ohne dabei den Sinn für die internationale Verantwortlichkeit einzubühen. Das Heil aller Ra­tionen liege in diesen neuen frischen Strömungen. Sie verbürgen die Einheit und Widerstandsfähigkeit eines jeden Staates. In anderen Ländern hätten die Ucberbleibfel der Parteien die Gesamtaufgaben der großen Mächte und ihre unmittelbare Hilfe für Oesterreich aufgegriffen. Es sei zu hoffen, daß keine weiteren Störungen in diesem für Oesterreich so delikaten Augenblick aufkämen, da es im Begriff sei, den nationalen Geist zusammenzufassen und die Staatsautorität zu festigen. Die Mitarbeit I t a l i e n s auf wirtschaftlichem und politischem Ge- biet sei in doppelter Hinsicht bedeutungs­voll, einmal als eine direkte am System interessierte und andererseits als eine Bürgschaf tfür d i e Unabhängigkeit und Gleichheit aller Staaten.

Der außenpolitische Berichterstatter desParis Soir", Jules S a u e r m e i n , versucht, die Schluß­folgerungen aus der Unterredung Dollfuß-Musso­lini zu ziehen und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die in der französischen Presse an die Zusam- menkunft geknüpften Betrachtungen unrichtig seien oder den Tatsachen vorauseilten. Italien, so urteilt Sauerwein, denke nicht daran, sich aus die ihm zugesprochenen Pläne für die politische Reu- Organisierung Mitteleuropas einzulassen. Die er-

geführt werde, um einen der ersten Staatsmänner Rumäniens, den früheren Ministerpräsidenten und Führer der heutigen Regierungspartei M a n i u zu erledigen. Man ließ dabei durchblicken, daß es Ma-

niu gewesen sei, der Zeletzki gegen phantastische Be- stcchungsgelder Die großen Rüstungsaufträge zuge­schoben habe. Die Vertreter der Reschitza-Werke sag­ten aus, daß sie sich bemüht hätten, nur den vierten Teil des Riesenrüstungsauftrags, der an die Skoda-Werke ging, für sich zu gewinnen, es sei ihnen aber nicht gelungen. Aber auch über die Rolle Manius brachte der Prozeß keine Klar­heit Es wurde lediglich ermittelt, daß mehrere höhere Offiziere Zeletzki im Gefängnis aufgesucht

und mit ihm über den Prozeß verhandelt hatten. Die allgemeine Annahme geht dahin, daß diese Offi­ziere Zeletzki mit dem Versprechen, er erleichtere (eine Situation, wenn er seine Hintermänner, in erster Linie also Maniu, verrate, zu lompromithe- renöen Aussagen zu bestimmen versucht hätten. Aber vor Gepicht sagten die Offiziere aus, sie hat­ten nur belanglose Dinge mit Zeletzki besprochen. Zeletzki selbst aber soll angeblich diesen Offizieren auf Ehrenwort erklärt haben, es gäbe keinen Schuldigen in dieser Affäre.

lieber das eigentliche Beweisthema, ob Zeletzki ein Recht darauf gehabt habe, Geheimakten des rumänischen 0 e n e r a l ft a b 5 m fei­nem Besitz zu haben, gingen auch die Aussagen der Generale auseinander. Ein General erklärte, Zeletzki habe ja ohnehin alle Geheimnisse der rumänischen Armee gekannt, er brauchte gar keine Geheimakten mehr. Andere erklärten wieder, Zeletzki habe kein Recht dazu gehabt. Und während ein Teil der hoch- sten militärischen Zeugen den Angeklagten als einen loyalen und für Rumänien sogar verdienstvollen Mann bezeichneten, erklärten andere das Gegenteil. Es fanden sich sogar hohe Offiziere, die glauben machen wollten, Zeletzki habe das Siegel, das von amtswegen an feinem Schranke mit den miutari- schen Geheimakten befestigt und das dann abgerilfen worden war, aus Versehen mit dem Rockarmei ab- gestreift. So blieben die Hintergründe dieses Sen- sationsprozesses, auf dem oon Anfang an der myste­riöse Selbstmord des Obersten P o p e s c u gespen»

nahmeausfall infolge der Dollarentwertuny auf bis zu zehn Millionen Mark beziffert. Das ist um so bedeutungsvoller, als nicht nur die deutsche Han- delsschifsahrt in den letzten Jahren unrentabel war, sondern auch das Schissahrtsgeschäjt erheblich zu- sammenschrumpfte. Der gesamte Seegüterverkehr liegt heute um mindestens ein Drittel unter dem Stand von 1928, während die internationale Ton­nage anwuchs. Die Engländer haben berechnet, daß infolge des Ueberangebotes von Frachtraum gegen­wärtig die Trampfrachten zumindest ein Fünftel niedriger sind als vor dem Kriege, wobei berück- sichtigt werden muß, daß schon in der Dorkriegs-' zeit die Frachten sehr gedrückt waren.

In einem eigentümlichen Kreislauf bewegt sich die Schiffahrtspolitik der meisten anderen Länder. Infolge des wirtschaftlichen Niederganges- fuboen- tionieren sie gerade die Reedereien, die überflüs­sigen Schiffsraum haben und ihn nicht abwracken wollen, wodurch selbstverständlich die Lage auf dem Frachtenmarkt weiter verschärft wird. Dagegen haben diedeutschenSchiffahrtsgesellschaften mit der Abwrackung begonnen. Die Prämien, die sie für diese vermehrte Beschäftigung der sonst stilliegenden Werften usw. erhalten, sind wenig­stens ein kleiner Ausgleich für die entstandenen Währungsverluste. Unsere Schüfahrtsgesellfchaften sind zudem außerordentlich vorbelastet. Die Wie­deraufbauarbeit erforderte eine Verstärkung des Aktienkapitals, das heute beim Lloyd und der Hapag zusammen 110 Millionen gegenüber 305 im Jahre 1914 beträgt. Die Reserven sind aber auf 10 Millionen gegen 94 der Vorkriegszeit geschmol­zen. Die Anleihen betragen gegenwärtig 100 Mil­lionen Mark gegenüber 135 Millionen der Vor­kriegszeit, während die Tonnage 1,66 Millionen Tonnen gegenüber 2,34 Millionen vor dem Kriege umfaßt.

Die deutsche Wirtschaftspolitik muß angesichts der ganzen Verhältnisse unverrückbar danach orien­tiert werden, daß eine eigene und gesunde deutsche Schiffahrt für die Handels- und Zahlungsbilanz des Reiches ein sehr einträglicher Faktor ist.

Randnoien.

In seiner Rede auf der ostdeutschen Tagung des Kampfbundes für deutsche Kultur in Danzig be­rührte Staatssekretär Feder vom Reichswirtschafts, minifterium unter anderem auch den Ausbau der Wasserstraßen im Rahmen der Arbeitsbeschaf­fung und des Neuausbaus der Wirtschaft im natio­nalsozialistischen Deutschland. Er sprach in diesem Zusammenhang auch von dem H a n s a k a n a l, der nun alsbaldals ein Rückgrat der Ostraumpolitik" in Angriff genommen werde. Damit ist ein altes Projekt wieder in den Scheinwerfer der Tagespolitik gerückt, bas vor Jahren schon einmal und dann immer wieder die interessierten Wirtschafte und Jn- dustriekreise stark beschäftigte. Es handelt sich bei dem Kanal um eine Abzweigung des Mit­tellandkanals, der die Verbindung der Nord­seehäfen Hamburg und Bremen mit dem rheinisch ° westfälischen Jndustriege- biet Herstellen soll. Richtunggebend für dieses Pro­jekt war das Bestreben, die Ruhrkohle durch eine Verbilligung der Frachten, die auf dem Wasserwege ja leichter zu erreichen ist als auf dem Schienenwege, mit der englischen Kohle wieder in einen gesunden Wettbewerb zu bringen. Es wurde in den Kreisen der Schwerindustrie, in erster Linie des Ruhrkohlen­bergbaues, immer wieder darauf hingewiesen, daß die Reichsbahn in ihrer Tarifpolitik gegenüber der Ruhrkohle dem Verhältnis zur englischen Kohle nicht genügend Rechnung getragen habe. Wie sehr aber die Lage der Reichsbahn in letzter Zeit gerade auch in der Güterbeförderung angespannt war, ist hinlänglich bekannt. Eine Besserung der Bedingungen für die Ruhrkohle ist vielleicht nur auf diesem Wege zu erlangen.

Der Hansakanalverein Ruhrgebiet hat in ein­gehenden Untersuchungen festgestellt, daß die Wirtschaftlichkeit des Kanals nach allen Seiten hin gesichert sei. Das Projekt hat seine Bedeu­tung nicht allein für das Ruhrgebiet selbst, son­dern auch für die beiden großen Seehäfen. Dar­über hinaus wird es ein wichtiges Moment i m Rahmen der Arbeitsbeschaffung aus­machen. Nach den angestellten Berechnungen wer­den bei dem Bau des Kanals etwa 27 000 Arbei­ter für die Dauer von 6 Fahren eine lohnende Beschäftigung finden. Zudem kann dabei in Rech­nung gestellt werden, daß bei den dann erreichten günstigeren Bedingungen für die Fracht auch die Förderung der Kohle einen entsprechenden Auf­schwung nehmen wird, und daß damit rund 16 000 Bergleute mehr und dauernd im Ruhrkohlenberg­bau beschäftigt werden können. Wenn es bislang zu einer Verwirklichung dieses Proiektes nicht kommen konnte, so lag das einzig und allein an der Frage der Beschaffung der Mittel. Mehrfache Versuche, privates Kapital im In- oder Ausland zu interessieren, sind gescheitert. Die Durchführung wird also nur dann zur Wirklich­keit, wenn öffentliche Mittel eingesetzt werden und im Zuge der Arbeitsbeschaffung für dieses Pro­jekt beschafft und bewilligt sind. Ist der Kanal einmal fcrtiggcftcllt, dann wird es auch gelingen, die englische Kohle aus dem deutschen Küstengebiet fernzuhalten und das Interesse des deutschen Bergbaus im Ruhrgebiet und der darin beschäf­tigten vielen zehntausend Arbeiter wahrzunehmen. Darüber hinaus wird eines unserer lebenswich­tigsten Industrie- und Wirtschaftsgebiete auf diesem Wege an das deutsche Wasserstraßenneh angeschlossen. Und damit ist auch der Ostraum mit seinen lebhaften Beziehungen zu dem rhei­nisch-westfälischen Wirtschaftsgebiet auf dem Wasserwege denkbar eng angeschlossen.

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sten Schritte Mussolinis seien sehr viel vorsich­tiger. Tatsache sei lediglich, daß Oesterreich in je­der Hinsicht gestärkt werden müsse. Mussolini habe deshalb vorgescylagen, man möge Oesterreich A U s - fuhrerleichterungen für den Fall gewäh­ren, daß die Beziehungen mit Deutschland ihm prob tisch das Absatzgebiet des Reiches verschlössen. Diese Erleichterungen müßten einmal in Handels- vertrügen und dann in der Errichtung von Freizonen in den Ausfuhrhäfen bestehen. Es sei unbestreitbar, daß Triest für diesen Zweck am ehesten in Betracht komme. Die Bitte, um (Er- Höhung der Streitmacht um 8000 Mann habe Mussolini im Einvernehmen mit London und Paris wohlwollend ausgenommen. Be­schlüsse könnten aber erst gefaßt werden, wenn die österreichische Regierung einen genauen Plan vor­gelegt habe. Es sei wohl möglich, daß Mussolini über die zukünftige Gestaltung Mitteleuropas be­stimmte Pläne habe. Diese Pläne hätten aber nicht die Form einer diplomatischen Ini­tiative angenommen.

Petit Parisien" glaubt die Befürchtung weiter französischer Kreise, Mussolini könnte im Donau­becken eine besondere Politik unter Ausschal­tung Frankreichs betreiben, mit der Ver- sicherung beschwichtigen zu können, man habe in Paris in den letzten 24 Stunden d i e be-ruhi- gende Erklärung erhalten, daß die italienische Regierung in enger Fühlungnahme mit London und Paris oorzugehen gedenke.

Englands Flottenbauprogramm.

London, 23. Aug. (IBIB. Funkfpruch.) Der THarinemitarbelter desDaily Telegraph" schreibt, daß Vorschläge, die die einzige Alternative zu demZusammenbruch Großbritan­niens als Grohflollönmachl" darstellten, in kürze oon der Admiralität gemacht werden dürf­ten. Rach Informationen des Marinemitarbeiters umfaffen die vorfchläge der Admiralität folgende Punkte: 2 5 neue Kreuzer, die an Tonnengehalt und Bestückung den besten aus­ländischen Schiffen gleich kommen sollen:

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Die wettwirtschastliche Bedeutung der Abrihlungssrage.

Berlin, 22. Aug. (TU.) Geheimrat I. P. G r ü s s e r hielt einen Rundfunkvortrag über die weltwirtschaftliche Bedeutung der Abrüstungsfrage. Der Vortragende warf die Frage aus, weshalb die Londoner Weltwirtschastskonserenz ohne sicht­bares Ergebnis auseinandergehen mußte. Die Grundursache der wirtschaftlichen Erkrankung der Welt liege klar und eindeutig in der politischen Un­gerechtigkeit beschlossen, die den Namen des Diktats von Versailles trage.

Nicht In derwirtschaft" liege die Wurzel des Weltelends, sondern in der Politik. Europa müsse erst einmal aus der modrigen Stickluft des erzwungenen Diktats von Versailles herausge­führt werden. Dann könnten die wirtschaftlichen Fachspezialisten das Ihre tun, vorher aber fei ihre Arbeit sinnlos.

Trotz des Scheiterns der Londoner Konferenz habe die geniale Staatskunst Adolf Hitlers es vermocht, in begrenztem Raume der na­tionalen Wirtschaft im Laufe von sechs Mo- naten d i e A r beitslosigkeitum g u t 25 v. H. herabzudrücken. Wenn die Politik der Welt­mächte genau so zielklar, so sachkundig und so konse- quent sein würde, wie es die deutsche Innenpolitik etzt wieder sei, dann wäre auch eine entsprechende öresche in die Weltarbeitslosigkeit zu legen.

Der Vortragende würdigte weiter die Zusammen- hänge zwischen der W o h l s a h r t der Nationen und der Gleichberechtigung der Nationen. Die Londoner Konferenz wäre nicht im Sande verlau­fen, wenn die Genfer Abrüstungskonfe- r e n 3 bereits einen sichtbaren Fortschritt aufzuwei- sen gehabt hätte. In Europa könne nicht Frieden werden, ehe nicht Deutschland volles Recht gewor- den sei. Die Weltwirtschaft könne nicht eher genesen, ehe nicht Deutschland gleichberechtigt fei und die übrigen Staaten abgerüstet hätten.

Geheimrat Grüsser gab bann eine kurze R ü stungsbilanz der europäischen Mächte und de- zeichnete es als den Gipfelpunkt gewissenloser Heu- chclei, wenn man noch den traurigen Mut aufbringe, die neueste innere Entwicklung in Deutschland als Vorwand für den Nichtabrüstungswillen der ande­ren zu mißbrauchen.

Das böse Gewissen, das aus der Verewigung des europäischen Unrechts wachse, lasse weder in Deutschland noch bei seinen früheren Gegnern, noch bei den neutralen Völkern ein vertrauen aufkommen. Der völlig ungesunde Zustand, daß die Banken der kleinen neutralen Lander sich mit Händen und Fußen gegen Mehreinlagen sträuben, daß aber Deutsch­land dreifach überhöhte Zinsen zahlen müsse, sei nichts anderes als die rein rechnerische Auswirkung der deutschen Ent­machtung.

Untere Kapitalsversorgungssorge leite sich in­ternational gesehen aus einem Mißverhältnis von

den Erfolg der Abrüstungskonferenz glauben und die Hoffnung hegen, daß die Rüftungsfabriken eines nicht zu fernen Tages ihre Tore schließen müßten, weil infolge der Abrüstung die Massenfabrikation von Waffen nicht mehr lohnt.

Zeletzki war im Krieg Offizier der österreichisch- ungarischen Armee und hat im Kriege einen Arm verloren. Nach dem Krieg übernahm er die Buka­rester Vertretung der Skoda-Werke und seine Chefs müssen wohl mit ihm zufrieden gewesen sein, denn die Konkurrenz, die rumänischen Reschitza-Werke und die englischen Vickers-Werke, konnte gegen ihn nicht aufkommen, Riesenaufträge gingen ihnen ver­loren und an die Skoda-Werke. Da tauchte die Be­hauptung auf, Zeletzki habe im Auftraa der Skoda- Werke rumänische Politiker und ausschlaggebende höchste Militärpersonen b e st o ch e n und dafür 300 bis 400 Millionen Lei aufgewandt. Auf diese Weise habe sich Zeletzki in den Besitz einer ganzen Reihe militärischer Geheimakten des Generalstabs gesetzt. Der Prozeß hat in dieser Hinsicht keine Aufklärung gebracht. Die Verteidiger bemühten sich, ihren Klien- ten als das Opfer politischer Intrigen hinzustellen. In der Tat scheint manches hinter den Kulissen dieses Prozesses vorgegangen zu sein, was das Licht zu scheuen hat. Die Verhandlung brachte ein un­gewöhnliches Durcheinander von Zeugen- und Tat- sachenmaterial, der einzige, der es in eine Ordnung hätte bringen können, war der Angeklagte Zeletzki, der aber schwieg.

Von der Verteidigung wurde immer wieder her­vorgehoben, daß der ganze Prozeß eigentlich nur

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Nachdem vor drei Jahren der Norddeutsche Lloyd in Bremen und die Hamburg-Amerika-Linie unter dem Drucke der Banken sich zur Gemeinschaftsarbeit zusammenfanden, ist unter der Weltwirtschaftskrise und der Zunahme des internationalen Wettbewer­bes durch die Subventionierung von ausländischen Schisfahrtslinien die Lage der deutschen Schiffahrt außerordentlich kritisch geworden. Eine gesunde deutsche Handelsflotte ist ein volkswirtschaftlicher Aktivposten von größter Bedeutung. Allein seit 1924, dem Jahre der Gold- markbilanzen, hat die deutsche Handelsschiffahrt dem Reiche einen Devisenüberschuß von über drei Milliarden eingebracht.

In zäher Aufbauarbeit war es den beiden gro­ßen Schiffahrtsgesellschaften gelungen, einen er­heblichen Teil der 1257 000 Tonnen betragenden Verluste wieder aufzuholen, die durch die fast völ­lige Auslieferung der deutschen Handelsflotte in­folge des Versailler Diktats entstanden waren. Die Entschädigung dafür war an und für sich außer­ordentlich gering. Gegenwärtig haben unsere beiden Groß-Reedereien noch 44,6 Millionen Dollar Frei­gabeguthaben einzuziehen, die durch den Dollar­rutsch bereits um 45 Millionen Mark entwertet find. Nachdem mit Mühe und Not die Wirkung des Pfundsturzes ausgeglichen wurde, hat der Dollarverfall den deutschen Reede- reien neue Verluste zugefügt, da in der in­ternationalen Handelsschiffahrt mit Dollars gerech­net wird. Für bas laufende Jahr wird der (Ein-

I ftisch lastet, unaufgeklärt. Festgestellt wurde nur, daß Hunderte von Millionen in Zeletzkis Buchfüh­rung auf Chiffrekonten verbucht waren, aber die Skoda-Werke waren anscheinend nicht zu bewegen gewesen, den Chiffreschlüssel, der sofort alle Geheim­nisse entschleiert hätte, dem Gericht zu überliefern, und Zeletzki deckte die wahrhaft Schuldigen mit sei­nem Schweigen. Er nahm das Opfer auf sich, der einzig Schuldige in der Affäre zu sein. Bei der 23er- kündung des Urteils, durch das Zeletzki zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wird, brach der Angeklagte ohnmächtig zusammen.

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