Groß en-Lind en, 22. August 1933.
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Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. August, nachmittags
4 Uhr statt
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auf dem Neuen Friedhof statt.
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In tiefer Trauer: Familie Heinrich Lieh Familie Heinrich Hartert
Gießen (Steinstraße 17), Cleeberg, 22. August 1933.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 24. August, nachmittags
Gott dem Herrn hat es gefallen, heute morgen unsere treubesorgte, unvergeßliche Tante und Großtante
Frau Marie Walter Wwe.
im Alter von nahezu 78 Jahren durch einen sanften Tod zu sich zu nehmen.
Danksagung
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen Frau Katharine Schmitt, geb, Moos sagen wir auf diesem Wege allen herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen
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Am Montagabend 9% Uhr entschlief santt nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Friedrich Müller
Rottenautseher i. R.
im 55. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Anna Müller, geb. Peter Familie Friedrich Müller Minna Müller.
Gießen (Wißmarer Weg 2, Irüher Rodberg 9), Marburg,
22. August 1933.
Die Beerdigung findet Freitag, den 25. August, nachmittags 3%Uhr,
Wenn Eduard Weiftr geglaubt, daß sich Ma- gussi von nun an ein wenig Beschränkung in ihrem Musizieren auferlegen würde, jo sah er sich darin getäuscht. Doch das Bewußtsein, daß Magussi ihn liebte, wog das leise Unbehagen auf. Sie liebte ihn, er fühlte es jeden Tag — sie heuchelte nicht! Und in seinem grenzenlosen Glück darüber und in seiner grenzenlosen Dankbarkeit gönnte er ihr, was nicht jeder Mann in dem Maße erlaubt hätte! —
Das Tagesgespräch der Stadt war die bevorstehende Uraufführung der Oper „Des Meeres und der Liebe Wellen" von Kapellmeister Bruno Halling.
Die Zeitungen brachten allerlei Mitteilungen, und die Spannung auf dieses Ereignis wuchs.
Wie vereinbart, war Magussi bei jeder Probe zugegen, ohne daß es bemerkt wurde. Sie saß im Hintergrund einer Loge des dunklen Zuschauerraums, und ganz Ohr und ganz Auge war [ie; alles nahm sie in sich auf, als ob sie mit auf der Bühne stände. Sie erfaßte mit ihrem geübten Ohr und Gefühl, daß sie die Hero gesanglich viel besser beherrschte als die dazu bestimmte Sängerin Asta Grellberg. Auf die Bühne hätte sie stürzen mögen und ihre Rolle singen; alles in ihr zitterte danach.
Wie schön Bruno Hollings Musik klang! — Glücklich die, die dieses herrliche Werk zum Erfola führen durften. Aber die Gewissensunruhe, die sich Magussi wegen ihres Geheimnisses vor dem Gatten machte, wurde stärker — ob sie sich ihm nicht doch anvertraute?
Aber nein — nie hätte er ihr ja gestattet, auf der Bühne zu stehen — und sie, sie fieberte förmlich danach. Alles hätte sie darum gegeben. Und es war gar wohl zu vereinen: ausübende Künstlerin und liebende Gattin zu sein! Wenn sie die Erfüllung ihres Seins und dadurch restlose Befriedigung gefunden, so trug der Gatte nur Vorteil davon, so strahlte ihre Zufriedenheit auf ihn über, und doppelt groß war beider Glück. So tröstete sich Magussi über ihre Bedenken hinweg. Sie wußte gar wohl, daß das, was sie plante, noch nie dagewesen war.
Aber: Heimlichkeit und Mangel an Vertrauen ist das Schlimmste und Kränkendste, was ein Ehegatte dem andern zufügen kann! Und das bedachte Magussi nicht.
Die Fürstin Waldenau war von ihrem Sommer- sitz wieder in die Stadt zurückgekehrt. Zweimal in der Woche mußte Magussi den Tee bei ihr trinken und musizieren. Die Dame hatte die anmutige Frau, deren Gegenwart ihrem Alter Labsal war, wie sie sagte, ganz in ihr Herz geschlossen.
Einem dunklen Drange horchend, aleichsam Rechtfertigung heischend, erzählte Magussi der Fürstin, daß sie die Partie der „Hero" in Bruno Hallings Oper studiert habe, um einspringen zu können, falls Asta Grellberg versagte, der er bei ihrer Nervosität allerlei zutraute.
„Kind!" Die Fürstin war wirklich erschrocken, „was wagen Sie!"
„Siehst du den interessanten Kapellmeister noch öfter?"
„Wir musizieren viel miteinander!"
Silo dachte sich ihr Teil; diese Bekanntschaft hotte trotz der Unterbrechung durch die Reise also kein Ende gefunden! Das war höchst merkwürdig!
Lilo war von ihrer Reise sehr enttäuscht; denn sie hatte gehofft, daß Kurt von Langen sich ihr doch erklären würde. Sie beide gehörten nach allem zusammen, — aber wie geschickt sie es auch angefangen, er verstand, ihr auszuweichen! Und aus ihrer gereizten, enttäuschten Stimmung heraus, von ihrer bisherigen Klugheit verlassen, hatte sie ihm aus nichtigen Anlässen Szenen gemacht, so daß er oor- zog, sich für den Rest der Reise, die sie beide so vorsichtig und schlau eingeleitet, von der launenhaften Freundin zu trennen, was sie sehr geärgert.
Nach ihrer Rückkehr hatte sie ihn noch nicht gesehen. Augenblicklich war er bei seinem Bruder auf dem Gut; es schien beinahe, als wollte er sich dort ernsthafter betätigen. Nur einen kurzen Kortengruß hatte er ihr gesandt, um nicht unartig zu wirken.
Lilo konnte in der Stimmung, in der sie sich befand, das Alleinsein zu Hause schwer ertragen — was war natürlicher, als daß sie da Magussi, die alte Freundin, wieder öfter aufsuchte!
Merkwürdigerweise traf sie sie aber häufig nicht daheim an; entgegen ihrer früheren Gewohnheit schien Magussi jetzt mehr auszugehen. Sie war auch verändert, zerstreut, mit ihren Gedanken ganz wo anders. Ob das wohl nicht mit dem interessanten Kapellmeister zusammenhing? Dieser Gedanke hakte sich fest in Lilo, und sie begann, Magussi heimlich und unauffällig nachzuspüren. Und mit Erfolg!
Was tat die Freundin schon vormittags im Stadttheater? Sehr schlicht und unauffällig angezogen, mit einfachem, langem Mantel und tief in den Kopf gedrücktem Hut, benutzte sie die Künstlerpforte als (Sin- gang, und lange, sehr lange blieb sie im Theater.
Mehrere Tage hintereinander hatte sie das beobachtet; ebenfalls war ihr nicht entgangen, daß der Kapellmeister Magussi öfter begleitete und beide sich dann sehr, sehr angelegentlich unterhielten.
Lilo hatte überlegt, ob sie der Freundin nicht einmal „zufällig" begegnen und sie in Verlegenheit bringen solle — doch sie verwarf den Gedanken wieder. Das hatte noch immer Zeit. Vorläufig war es vorteilhafter, noch im Hintergrund zu bleiben und die Augen offen zu halten; ein geschickter Privat- defektiv konnte vielleicht auch noch allerlei Stoff liefern. Wer hätte solche heimlichen Abenteuer von der blonden, zurückhaltenden Magussi vermutet — ja, ja, stille Wasser sind tief!
Von dem, was sie da alles beobachtet und sich zusammengereimt hatte, war sie zum Zerspringen angefüllt, wußte aber niemanden, dem sie sich Mitteilen konnte. Denn so klug war sie doch, sich nicht einem Erstbesten anzuvertrauen.
(Fortsetzung folgt.)
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„Alles, Durchlaucht!" — Magussis Augen leuchteten schwärmerisch, als sie der Dame von der Oper erzählte, wie geschickt der Text gedichtet sei, natürlich zusammengezogen, bei markanten Stellen die wundervollen Verse Grillparzers wörtlich genommen zum Teil. — „Darf ich Durchlaucht die große Arie Heros Vorsingen, als sie allein in ihrem Turmgemach ist?"
Und ob die Fürstin damit einverstanden war! Hingerissen lauschte sie Magussis Stimme, die m wunderbarer Weichheit und Süße durch den Raum schwebte. — „Und reichte meine Stimme bis zu dir, ich rief grüßend gute Nacht!" schloß sie in zitternder Sehnsucht.
„Ja, Kind, Sie können das Höchste wagen!" sagte die Fürstin nach einer Weile, „Sie sind auserwählt unter vielen Hunderten! Sie sind begnadet! Doch eins, meine liebe, junge Freundin, will mir nicht in den Sinn: Warum vertrauen Sie sich dem Gatten nicht an? Bei Ihrer hohen Künstlerschaft muß er Außergewöhnliches auch gutheißen!"
Ja, warum tat sie es nicht? Weil sie wußte, er würde es ihr verbieten — und das wäre so gewesen, als würde er ihr die Luft zum Atmen nehmen! — Lieber ihn vor die vollendete Tatsache stellen und ihn dann mit ihrer größten Liebe umgeben — denn verlieren wollte sie den Mann nicht, dem sie jetzt mit Seele und Leib angehörte. Sie hoffte, wenn er gesehen, welche Fähigkeiten in ihr steckten, daß er doch dann von seinem starren Standpunkt abgehen wurde.
Die Fürstin schüttelte den Kopf, als Magussi ihr ihre Ansichten darlegte. „Sie sind em großes Kind, Frau Magussi. Von Herzen wünsche ich, daß Ihnen der Frieden Ihrer Ehe erhalten bleibe! Ich fürchte aber, daß es nicht so glatt abgehen wird, wie Sie denken! Täuschung eines Vertrauens rächt sich .oft bitter!" — t ... m
Lilo von Konsilius war auch wieder zurück. Natürlich suchte sie die Freundin, auf deren Angelegenheiten sie sehr neugierig war, sofort auf. Mit stürmischer Freude, die viel zu laut war, um echt zu sein, begrüßte sie Magussi, die mit ihrer feingestimmten Seele schmerzhaft den falschen Ton empfand. Ohne daß sie es wollte oder wußte, war in ihrer Art eine leise kühle Abwehr, über die Lilo sich ärgerte. War Magussi die fürstliche Huld so in den Kopf gestiegen, daß alte Freundschaft ihr nichts mehr galt?
Lilos scharfen, mißgünstigen Augen entging nicht, wie reizvoll Magussi in der Zeit, in der sie sich nicht gesehen, entwickelt hatte — wie von innen durchleuchtet war das aparte anmutige Gesicht — eine Schönheit war sie, die überall Aufsehen erregte.
„Singst du noch immer so viel?" fragte Lilo.
„Du kennst ja meine Leidenschaft; sie hat sich nicht geändert." ,
„Und dein Mann, Magussi? Ist er damit noch immer einverstanden?"
„Wie ich dir schon gesagt, ich störe damit nicht und nehme ihm nichts."
Das Wunder der Magussi Weiser
Roman von Fr. Lehne.
Urheberschutz durch E. Ackermann, Stuttgart.
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
12. Kapitel.
Immer mußte Bruno Halling die junge Frau ansehen — Wunder hatte ihre Reise gewirkt. Noch schöner war sie geworden. Sie war wie von einem heimlichen Leben durchglüht; aus ihrem jubelnden Gesang hörte er es; nie hatte sie so gesungen wie jetzt — nun war auch das Letzte da, das er noch vermißt.
Und eines Tages sagte er es ihr, kurz, barsch, um Eifersucht zu verdecken: ob einer in ihr Leben getreten? w
Das durfte nicht sein; diese süße Frau gehörte doch ihm schon längst in Gedanken.
Ein schwaches Rot glitt über die von der Seeluft leise getönten Wangen Magussis, — „ich habe mich so in meine Rolle vertieft!" entgegnete sie, „immer und immer wieder — ich will das Beste geben!" .. ,
Scharf sah er sie an; ihre Antwort genügte ihm nicht.
„Ist Ihnen ein Leander begegnet, der das geweckt, was noch in Ihnen geschlafen?"
In eisiger Abwehr erstarrte ihr liebliches Gesicht; das durfte selbst ein Bruno Halling nicht sagen. Sofort merkte er, daß er eine Ungeschicklichkeit begangen, die wieder gutzumachen er sich beeilen mußte. Schnell, ehe sie auf seine Bemerkung etwas erwidern konnte, nahm er ihre Hand und zog sie an seine Lippen.
„Verzeihung, gnädige Frau, doch ich dulde nichts, was Sie meinem Werk entfernt! Dem allein nur dürfen Ihre Gedanken gehören."
Da war sie wieder versöhnt. War es nur das? — Seine Künstlerselbstsucht war groß.
„Sie wissen doch, Kapellmeister, daß ich an nichts anderes denke als an Ihre Oper, die auch die meine geworden ist. Sie wissen doch, daß ich verheiratet bin! — Und nie würde ein Leander Einfluß auf mich haben, da ich bereits meinen Leander habe", schloß sie scherzend.
Tief blickte er in ihre Augen.
„Wirklich?"
„Ja!"
Groß erwiderte sie seinen Blick.
Er war so klug wie zuvor; denn er wußte doch nicht anders, als daß sie mit dem Gatten in einer gleichgültigen Vernunftehe lebte, zu diesem Bunde von ihrem Vater nur gezwungen! Und doch diese spürbare Aenderung in ihrem Wesen? —________
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