Ausgabe 
23.8.1933 Erstes Blatt
 
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ben. Der Diktator hat sich unter den Schutz Eng­lands nach den Bahama-Jnseln geflüchtet und erläßt von dort aus Proklamationen an das kubanische Volk, die seine Regierungsführung rechtfertigen sollen. De Cespedes muß, er mag wollen oder nicht, zuerst einmal in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, sich eine Leibgarde schaffen und die Opposi­tion, die nur ihm droht, verfolgen. Aber er ist ein unbeschriebenes Blatt und mit ihm ist n e u e ch o f f- n u n g gekommen, auch wenn niemand sich eine Vorstellung davon machen kann, wie diese neue Hoffnung sich erfüllen soll. Der Hafenstreik ist bei­gelegt, die Leichen von den Straßen weggeschafft, die brennenden Häuser gelöscht. Was die glänzen­den Gebäude, die Machado in Havanna aufrichten ließ, nicht mehr an Werbung auszuüben vermoch­ten, werden vielleicht doch ihre Ruinen schaffen, denn yicht alle Tage ist dem snobistischen Amerika­ner Md den geschäftstüchtigen Reisebüros Floridas die Gelegenheit geboten, Besichtigungsfahrten zu einer Revolution zu unternehmen. Wallstreet aber hat eine Warnung erhalten. Und wenn sie den Zin- srndienst von rund zwei Milliarden Dollar ameri­kanischen Geldes in Kuba sichern will, so muß sie alles, was in ihren Kräften steht, tun, die Regie­rungsführung des neuen Präsidenten zu unter­stützen und damit Ruhe und Ordnung auf der Perle der Antillen zu gewährleisten.

Die Säuberung in Kuba

Ein letzter Versuch der Machadopartei.

Havanna, 22. 2lug. (WTD.) Die Maß­nahmen der Regierung Cespedes gegen Anhänger der gestürzten Regierung Machado nehmen ihren Fortgang. Einige hohe Funktionäre der frühe­ren Regierung, darunter der Gouverneur von Santiago, wurden fe st genommen. Bei der Verhaftung des letzteren kam es zu aufregenden Szenen, weil die Volksmenge gegen ihn eine drohende Haltung einnahm. Rur der Einsatz eines starken polizeilichen Schutzes konnte ver­hindern, daß Lynchjustiz geübt wurde. Ob­wohl die Revolution im allgemeinen Herr der Lage ist, vermögen doch hier und da kleinere Gruppen von Anhängern der vorigen Regierung sich zu halten. So haben gut bewaffnete Macha- disten das Fort Bahia Honda westlich Ha­vanna beseht, wo sie sich mit aller Zähigkeit ver­teidigen. Die Regierung Cespedes hat alle See- und Landstreitkräfte nach Bahia Honda beor­dert, um den Widerstand der Machadisten zu brechen.

Ende des Seine-Streiks.

Die streitenden Äahnschiffer nach einer Wasserschlacht" überwältigt.

Paris, 22.August. (TU.) Die Schleppkähne der st reitenden französischen Kahnjchif- f e r, die in der Höhe von ConflansSt. Honorine quer über die Flußrinne gelegt und mit Tauenden und Stahltrossen miteinander verbunden waren, um den Verkehr völlig zu unterbinden, sind jetzt nach einer kurzen Wasserschlacht von den Hütern der Ordnung erobert worden. Nach kurzem Kriegsrat des zuständigen Präfekten und der Ingenieure des Wasser- und Brückendienstes waren 200 Mann der Garde mobile zusammengezogen worden.

Der Präfekt des Departements forderte vor dem Angriff die Streikenden auf, sich zu erge­ben. Mit einer Abordnung der Streikenden wurde kurz verhandelt. Dann kehrte die Abordnung auf die Schleppkähne zurück, von wo nach kurzer Zeit ein vielstimmiges Rein zurückhallte. Daraufhin wurde der Angriff zunächst vom Fluh aus vor- getragen. Der erste Versuch, an Bord der Schlepp­kähne der Sperrkette zu entern, wurde jedoch von den Streikenden abgeschlagen. Daraus lieh man Schlepper mit Feuerspritzen nahe an die Kähne heransahren und nahm die Streikenden unter Kreuzwasser", während Abteilungen der Gendar­merie von der anderen Seite den Sturm auf die Kähne erfolgreich eröffneten. Den Streikenden blieb nun nichts mehr übrig, als sich zu ergeben, nachdem die Kähne restlos beseht worden waren. Etwa 50 Verhaftungen wurden vorgenom­men. Die Sperrkette wurde sodann auseinander­genommen und der Verkehr auf der Seine wieder- hergestellt.

Oie irischen Blauhemden für ungesetzlich erklärt.

Dublin, 22. Aug. (WTB.) Die Organisation der Blauhemden ist für ungesetzlich erklärt worden. Zn Dublin wurde ein Militärgericht eingesetzt.

Oie letzten Bismarck-Oenkmäler in Ostoberschlesien werden zerstört.

K a t t o w i tz, 22. Aug. (TU.) Ohne Befragen der Stadtverordnetenversammlung und lediglich auf Grund einer eigenmächtigen Anordnung des Katto- witzer Bürgermeisters wurde mit dem Abruchdes Bismarck-TurmesimKaltowitzerSüd- park begonnen. Der aus massiven Steinquadern bestehende etwa 25 Meter hohe Turm war 1903 als Aussichtsturm gebaut und dem Andenken des gro­ßen Kanzlers geweiht. Nach dem Uebergang von Kattowitz in polnische Hände wurde das an dem Denkmal angebrachte Bronzerelief Bis­marcks entfernt und durch ein Relief des pol- Nischen Freiheitshelden K o s cy i n s k i ersetzt. Die Zerstörung des Denkmals hat selbst unter der pol­nischen Bevölkerung große Entrüstung ausgelöst. Ebenfalls am Dienstag wurde auch mit der Abtra­

Jofeph von L a u f f, der bekannte niederrheinische Dichter, ist wie schon gemeldet im Alter von 78 Jahren gestorben.

gung des Dismarckdenkmals an der ehemaligen Drei-Kaiser-Reichs-Ecke in Myslowitz und in Olsau an der früheren deutsch-österreichischen, jetzt polnisch-tschechischen Grenze begonnen

Ein Amerikaner lobt den Arbeitsdienst.

Aus eigener Erfahrung.

Berlin, 22. Aug. (ERB.) Ein amerikanischer Student, der mehrere Arbeitsdienstlager besucht und in einem Lager einige Wochen Dien st mit den deutschen Arbeits­willigen getan hat, schildert in einem Brief seine Eindrücke darüber. So schreibt er:

Die Arbeit ist nie zu leicht, nie zu schwer; aber man muß schwer arbeiten, um in einem La­ger bleiben zu können. Der Gedanke, früh schla­fen zu können, früh aufzustehen, ist sehr gut, man konnte keine gesündere Gruppe von Männern sehen, als die Freiwilligen in den Lagern. Die Kleidung ist zweckmäßig und macht einen sehr

strecken dieser Dreieck-Fahrt EuropaSüdamerika NordamerikaEuropa werden Passagiere befördert.

Rundfunkübertragung vom Ireichsparteüag.

Berlin, 22. Aug. (CNB.) Damit eine möglichst weitgehende Erfassung der Bevölkerung durch Rund­funkübertragung derEreignisse des Reichsparteitages der NSDAP, sichergestellt wird, hat der stellvertre­tende Propagandaleiter angeordnet, daß alle Ortsgruppenleiter sofort dafür sorgen, daß im Bereich ihrer Ortsgruppe geeignete Räum, li ch k e i t e n in Schulen, Gaststätten, Schützenhallen usw. zu A b h ö r st e l l e n in der Zeit vom 30. August bis einschließlich 3. September ausgebaut werden. Die Inhaber von Gaststä ttenbetrieben sollen durch Plakataushang der Bevölke- rung Mitteilung machen, daß in ihrer Lokalität der Verlauf des Reichsparteitages übertragen wird

Dreihundert syrische Dörfer verlassen.

Vor kurzem ist eine Anzahl in das östlich von Aleppo gelegene Gebiet gesandter Steuerein-

Halle die Treue

deinem angestammten Heimatblatt!

3n Treue hat auch zu dir und zu deinen Vorfahren der Gießener Anzeiger gestanden durch beinahe zwei Jahrhunderte hindurch! Zu dieser Erinnerung fühlen wir uns gedrängt durch die Freigabe der Zeitungswerbung in parteiuniform für Parteiblätter in unserem Verbreitungsgebiet.

OerVölkische Beobachter" und derAngriff" hatten öffentlich bekanntgegeben, daß für sie die Tätigkeit der Werber ausschließlich nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten auszuüben sei.

Neichsstafthalter Növer« Oldenburg äußerte u.a.:Es wird nur danach gewertet, wieviel Arbeit geleistet wurde! Oie NSDAP, will den örtlichen Organen der Heimatpreffe keine Konkurrenz machen, der Führer würde das für ein Verbrechen halten."

Oer Neichsstatthalter für Hamburg wies u. a. darauf hin, daß der Nationalsozialismus kein Geschäft sei, und darum niemand Vorteile oder Nachteile habe durch den Bezug vcm Zeitungen, die er am liebsten lese.

ZmVertrauenaufdieseTatsachen istderGießenerAnzeigeringleichzeitigerErsükkungseinerAlbeits- beschaffungspsticht an die Vorbereitungen gegangenem seine Leistungen noch zu steigern, nament­lich auf vaterländisch, erzieherischen, heimatlichen und unterhaltenden Gebieten. Binnen kurzem werdensich diefeBestrebungen auswirken durch sehr gesieigertezeitungstechnischeSchlagkraftinWort und Bild. Es lohnt, die Treue zu halten dem angestammten Heimatblatt, dem Gießener Anzeiger.

guten Eindruck. Die Schlafquartiere sind bequem und sauber, die Verpflegung einfach, aber nahr­haft und reichlich. Die Arbeitsgemeinschaft war viel besser, als man es sich vorstellen kann, und der Geist der Kameradschaft war bewunderns­wert, vor allen Dingen die Entwicklung des Geistes unter den Leuten aller Stände, Stu­denten und Arbeiter, die alle zu einem Ganzen zusammengeschmiedet werden. Der Grundgedanke ist, zusammenarbeiten zu lernen. Wenn einer in einem Lager geweilt hat, dann weiß er, daß ihm keine politische Bedeutung beizumessen ist. Gewiß werden militärische Kommandos ge­geben, ohne die es nicht geht, wenn ordentlich marschiert, gehalten, nach links oder rechts ge­wendet werden soll, da die Freiwilligen mit dem Wortlaut der Kommandos vertraut sind, werden sie, weil sie unentbehrlich sind, gebraucht.

Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß es Deutschland gelingen möge, den Unterschied zwi­schen Kapitalismus und Arbeiterklasse zu besei­tigen und dadurch dazu beizutragen, das Land wieder aufzubauen, das so viel für die ganze Welt, wie für Deutschland selbst bedeutet.

Oa6 neue Deutschland und das Judentum.

Auf Anfragen aus unserem Leserkreis teilen wir mit, daß die BroschüreDas neue Deutschland und das Judentum", von der wir auf Veranlassung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Pro­paganda (Landesstelle Hessen-Nassau) eine Bespre­chung veröffentlichten, im Zentralverlag, G. m. b. H., Berlin W 35, Potsdamer Straße 41, zum Preise von 0,25 Mark das Stück erschienen ist.

Bewerber

für die preußische Schutzpolizei.

Berlin, 22. Aug. (VDZ.) Der preußische Innenminister hat ergänzende Bestimmungen Über die Untersuchung der Bewerber für die Schutzpolizei erlassen. Bei den Untersuchungen der Bewerber auf körperliche Tauglichkeit durch die Polizeiärzte sowie auf geistige Tauglichkeit durch die als Prüfer tätigen Polizeioffiziere ist bereits auf eine einwandfreie arische Abstammung das Augenmerk zu richten. Un­beschadet davon bleibt es die Pflicht der Ein­stellungsdienststellen, die arische Abstammung an Hand von Urkunden nachzuprüfen. Die lebenskundlichen Erhebungen bei den geistigen Eignungsuntersuchungen sollen sich auch auf Herkunft in eugenischer Hinsicht und auf die Aassenfrage erstrecken. Bewerber, die nichtarischer Abstammung sind oder die kein arisches Aeußere haben, sind allein schon aus diesem Grunde als nicht ge­eignet abzulehnen.

Graf Zeppelin" fährtznr Weltausstellung nach Chikago

Deutschland wird mit dem LuftschiffGraf Zep­pelin" einen feiner erfolgreichsten Repräsentanten zur Weltausstellung nach Chikago entsenden. Die am 14. Oktober von Friedrichshafen aus beginnende Fahrt des LuftschiffesGraf Zeppelin" nach Rio de Janeiro wird auf der Rückreise über Nordamerika führen. Das Luftschiff wird von Rio aus am 19. Oktober über Pernambuco nach Acron fahren, wo es in der großen Luftschiffhalle mit Gas gefüllt werden soll. Von Acron aus wird voraussichtlich am 26. Oktober eine Fahrt nach Chikago ausgeführt. Bei günstiger Wetterlage ist eine kurze Zwischenlandung auf dem Ge­lände der Weitaus st ellung in Aussicht ge­nommen. Voraussichtlich am 28. Oktober wird das Luftschiff von Acron aus feine Rückreise über Sevilla nach Friedrichsyafen antreten, wo es am 31. Oktober zurückerwartet wird. Auf allen Teil­

n e h m e r, die in den dortigen 300 syrischen Dörfern rückständige Steuern eintreiben wollten, unver­richteter Sache zurückgekehrt. Sie fanden die Dörfer vollkommen verlassen vor. Nur Wölfe streiften darin umher. Keinerlei Anzeichen deuteten darauf hin, wo die Bevölkerung geblieben sein könnte.

Kunst und Wissenschaft.

Dec Adlerschild

für Professor Eduard Schwartz in München.

Der Herr Reichspräsident hat dem Professor der klassischen Philologie der Universität München, Geheimrat Dr. Eduard Schwartz, zur Vollendung des 7 5. Lebensjahres seinen Glückwunsch aus­gesprochen und ihm in Anerkennung seiner Ver­dienste um die Förderung der deqtschen Wissenschaft den Adlerschild des Deutschen Reiches mit der WidmungDem großen Altertumsforscher" ver­liehen. Eduard Schwartz wurde 1858 in Kiel ge­boren; seine akademische Laufbahn begann er im Jahre 1884 in Bonn. Von 1887 bis 1893 lehrte er in Rostock, von 1893 bis 1897 an der Hessischen Landesuniversität in Gießen, von 1897 bis 1902 in Straßburg, von 1902 bis 1909 in Göttingen, von 1909 an in München. Von seinen Arbeiten seien an dieser Stelle nur genannt dieCharakterköpfe aus der antiken Literatur",Kaiser Konstantin und die Kirche" undDie Odyssee".

vom hessischen Landestheater.

Walter v. M o l o s neues Drama ,, Friedrich List, ein deutsches Prophetenleben" wurde soeben von Generalintendant Dr. Rolf P r a s ch für das Hessische Landestheater zur Uraufführung er­worben.

Wegen Schädigung der nationalen Bewegung verurteilt.

WSR. Darmstadt, 21. Aug. Vor der Großen Strafkammer hatten sich gestern zehn ehemalige SA.-Leute aus Dieburg zu ver­antworten, nachdem sie bereits aus der SA. aus- gestoßen worden sind. Unter Fälschung der Unter­schrift des Kreisleiters und unter Verwendung eines im Kreisamt gestohlenen Amtssiegels hat­ten sie sich ein Schreiben angefertigt, das sie angeblich ermächtigte, an dem Tage des jüdi­schen Boykotts jüdifche Autos anzuhal­ten und zu beschlagnahmen. Wie der Staatsanwalt ausführte, stände die Sache ja nicht so schlimm, denn es seien damals unruhige Zeiten gewesen und im Ueberschwang ihres na­tionalen Gefühles glaubten sich die Angeklagten berechtigt, so vorzugehen. Aus diesem Grunde wurde auch das Verfahren gegen vier der An­geklagten eingestellt. Weniger harmlos war aber das Vorgehen der anderen Angeklagten. Einer von ihnen rief zu nächtlicher Stunde eine jü­dische Kaufmannssrau aus dem Bett und ver­langte von ihr Geld zum Tanken von Benzin für das beschlagnahmte Auto. Die Frau gab ihm in ihrer Angst 5 Mark, für die er sich Zigaretten kaufte. Weiterhin verübten sie Garageein­brüche und stahlen ihrem eigenen Scharführer eine Pistole. Das Gericht war der Ansicht, daß diese Leute, die die Sauberkeit der nationalen Bewegung auf das schmählichste beschmutzt hätten, eine ganz empfindliche Strafe verdienten. Der Hauptangeklagte bekam daher 2 Jahre und 2 Monate Gefängnis, der zweite e i n 2 ahr und 5 Monate, die übrigen vier Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von 3 bis'8 Monaten.

Aus der provinzialhauptfiavt.

Jahresbericht

der öffentlichen Berufsberatung.

Vom Arbeitsamt Gießen, Abt. Berufsbera­tung, wird uns folgendes mitgeteilt:

3m 4. Berichtsjahr 1932/33 wurde die öffent­liche Berufsberatung beim Arbeitsamt Gießen von 1 3 9 6 Ratsuchenden (934 männlichen, 462 weiblichen) 2934 mal in Anspruch genommen. Das bedeutet gegenüber dem vorhergehenden Be­richtsjahr eine Zunahme von 261 Erstbesuchern. Die meisten Ratsuchenden hatten Volksschulbil- dung; 396 Erstbesucher kamen aus höheren Lehr­anstalten, darunter befanden sich 183 Abiturienten und 40 Abiturientinnen.

Die männlichen Ratsuchenden äußerten 115, die weiblichen 50 verschiedene Berufswünsche. 284 = 21 Prozent der männlichen wie weib­lichen Crstbesuchcr hatten keinen bestimm- ten Derufswunsch. Diese verhältnismäßig große Zahl derUnentschiedenen" setzt die Berufsnot der Schulabgänger noch nicht ein­mal ins rechte Licht, da sehr viele andere zwar mit bestimmtem, aber innerlich doch wenig ge­festigtem Berufswunsch zur Beratung kommen. Am meisten begehrt (von Knaben 124, von Mädchen 130 mal) waren die kaufmän­nischen und Bureauberufe. Alsdann folgten für Knaben die Berufe (die Zahl gibt die Häufigkeit des gleichen Berufswunsches an): Autoschlosser 51, Bäcker 45, Schuhmacher 38, Metzger 37, Maler und Weißbinder 31, Elektro­installateur 27, Schreiner 26, Bauschlosser 24, Arzt 17; und für Mädchen. Schneiderin 73,Haus­gehilfin 58, Friseurin 11, Säuglingspflegerin 6.

Zur Anmeldung kamen 308 offene Lehr- st e l l e n (257 für Knaben, 51 für Mädchen), von denen 255 = 82,8 Prozent durch unsere Vermitt­lung beseht werden konnten. Infolge der noch sehr unsicher geroefenen Arbeitsmarktlage, die auch den Lehrstellenmarkt ungünstig beeinflußte, wur­den manche angemeldete Lehrstellen wieder zurä k- aezogen. Rach unserer Erfahrung dürften im gro­ßen und ganzen die 1933 entlassenen und lehrstel­lensuchenden Volksschüler untergekommen sein.

In den Reben st ellen - Sprech st un- den in Friedberg, Büdingen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten wurden 592 männliche und weibliche Ratsuchende 981 mal beraten und 63 in Lehrstellen vermittelt, so daß mehr als ein Drittel der ge­samten Beratungstätigkeit aus den Außenbezirk entfällt. *

Um die voraussichtliche Derusseignung möglichst einwandfrei festzustellen, waren 64 besondere ärzt­liche, sowie 209 psychologische Eignungsuntersu­chungen notwendig. Für das Buchdruckgewerbe wurden sämtliche Berufsanwärter geprüft. Eine große Anzahl von Arbeitgebern ließ sich einzustel­lende Lehrlinge vorher auf ihre wahrscheinliche Eignung begutachten. In vielen Fällen mußte auch schriftliche Auskunft an Ratsuchende erteilt werden.

1933 kamen im Gießener Arbeitsamtsbezirk 2772 (1377 Knaben, 1395 Mädchen) Volksschüler zur Ent­lassung. Die höheren Lehranstalten verließen 572 Schüler und 238 Schülerinnen An Ostern 1934 wird der erste volle Nachkriegsgeburtenjahrgang entlassen. Die Zahl der o b e r h e s s i s ch e n Volks­schulabgänger erhöht sich von 27 72 auf rund 5 8 00. Es ist zu hoffen, daß die sich dauernd erholende Wirtschaft in der Lage fein wird, die mehr als verdoppelte Zahl jugendlicher Berufs­sucher ins werktätige Leben einzugliedern. Im Inter­esse eines tüchtigen Berufsnachwuchses wird der zu erwartende starke Andrang auf Lehrstellen in ge­regeltere Bahnen gelenkt werden müssen.

Zur allgemeinen Berufsaufklärung wurden, wie alljährlich, an sämtliche zur Entlassung gekommenen Volksschüler (-innen) einMerkblatt für die Berufs­wahl" verteilt, ein berufskundlicher Film zur Vor­führung gebracht, sowie von den Fachkräften der Berufsberatung an Volksschulen und höheren Lehr­anstalten 46 berufskundliche Klassenbesprechungen ab­gehalten. Verschiedentliche Artikel in der Presse dien­ten zur weiteren Aufklärung der Oeffentlichkeit über die Berufsberatung.

Wir möchten nicht versäumen, auch an dieser Stelle den bereitwilligen Helfern der öffent­lichen Berufsberatung für ihre unentbehrliche Mitarbeit unseren verbindlichsten Dank auszu­sprechen, so dem Universitätsinstitut für experi­mentelle Psychologie, den Universitätskliniken, den Herren Schulräten und nicht zuletzt auch den Herren Schulärzten, sowie der Lehrerschaft für die Ausfüllung der als Grundlage der Be­rufsberatung dienenden Schülerkarten. Die öffent­liche Berufsberatung hat gegen viele Vorurteile zu kämpfen, aber daß sie auf dem besten Wege ist, damit fertig zu werden, dürfte die von Jahr zu Jahr stetig zunehmende Zahl der Rat­suchenden zeigen. Auch die Zahl b<?r sie in Anspruch nehmenden Arbeitgeber nimmt stän­dig zu.

Vornotizen.

Xa'gesfalenber für Mittwoch. Licht» spielhaus (Bahnhofstraße):Die heilige Flamme" mit Gustav Fröhlich und Dita Parlo.

Daten für Mittwoch, 23. August.

1813: Schlacht bei Großbeeren. 1831: Feld­marschall Graf Reithardt v. Gneisenau in Posen gestorben (geboren 1769). 1836: der Anthro- polog Iohs. Ranke in Thurnau geboren (gestorben 1916). 1866: Friede zu Prag zwischen Oestev-

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Hermann Stehr, der schlesische Romandichter, erhielt, wie schon gemeldet, den diesjährigen Goethe- Preis der Stadt Frankfurt. Auch für den diesjährigen Literarischen Nobelpreis wird Stehr genannt.