Ausgabe 
23.6.1933 Frühausgabe
 
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in den letzten Tagen beob-

bienft zu ver

Aus aller Welt

Ack

S)airfe!

Der Hund.

der um

leitung der ASDAP.. dah das Rotopfer nicht von der Stadt Kassel, sondern von der Partei zur Erhebung gebracht werden solle, habe die Entscheidung des Reichssinanzministeriums nicht beeinflussen können. Da die maßgebenden Stellen der Kasseler RSD21P. und ihre Vertreter m der Stadtverwaltung aber daran festhalten, die zum Ausgleich des städtischen Haushalts erforderlich gewordene Senkung der Wohlfahrtsunterstützungs- richtsätze durch freiwillige Hilfsmah- nahmen unter allen Umständen wettzumachen, wird das Rotopfer in wesentlich verän­derter Form und unter weitgehender B e - tonung seiner Freiwilligkeit doch noch zur Erhebung gebracht werden.

flochten: beide Motive geben dem Film seinen dra­matischen Antrieb. Die Regie von Erich Wasch- neck hat sich des Schauplatzes mit großen, ein­drucksvollen Aufnahmen bemächtigt; auch die eigent­liche Handlung erfaßt er in knappen, plastischen Szenen, die zum Teil in schwindelnder Berghöhe spielen und an Aufnahmeleitung und Darsteller er­hebliche Anforderungen gestellt haben müssen. Aus der Besetzung hebt sich vor allem Eduard von W i n- terstein als Gemeindepräsident mit einer massi­ven, charakteristisch umrissenen bäuerlich-patriarcha­lischen Erscheinung stark heraus. Eine tüchtige Lei­stung bietet das jugendliche Liebespaar: Karin Hardt, die hier in letzter Zeit mehrfach gezeigt wurde, und der begabte Carl B a l h a u s, der dem eifrigen Filmbesucher ebenfalls schon häufiger be­gegnet sein dürfte. In einer knappen Szene vor­nehm wie immer: Theodor Loos als Landrat; ferner Adalbert von S ch l e t t o w und Reinhold B e r n t, dessen Dialekt allerdings nicht recht in die Umgebung paßt. Der Film läuft seit gestern mit einem hübschen Beiprogramm im Lichtspiel­haus.

Schwere Gewitter und Wolkenbrüche über Berlin.

Die Reichshauptstadt wurde am Donnerstag von heftigen Gewittern und Wolken­brüchen heimgesucht, die auch noch in später Rachtstunde anhielten. Dem Tlnwetter ging eine säst unerträgliche Schwüle voraus. Dann zogen tiefdunkle Gewitterwolken auf, die sich direkt über der Stadt entluden. Gewaltige Regen­massen bis 23 Uhr betrug die Regenmenge schätzungsweise 20 bis 25 Millimeter führten an vielen Stellen zu Ueberschwemmungen. Eine große Zahl von Kellern lief voll Wasser. Fortgesetzt trafen Alarmrufe bei der Feuerwehr ein. Zeitweise waren fast sämtliche verfügbaren Züge unterwegs, um Ueberschwemmungsschäden zu beseitigen. Dazu kamen vielfach Blitz­schläge, die aber bis auf einen Fall keinen Schaden anr^hteten. Rur in Spandau zündete ein Blitz im Keller der Garnisonkirche. Der Brand konnte jedoch schnell gelöscht werden. Die Regenflut behinderte auch den Straßenverkehr außerordentlich. An den Eisenbahnunterführun- gcn in der Vorkstraße bildete sich ein großer See, in dem Kraftwagen und Pferdefuhrwerke einfach stecken blieben. Besonders heftig tobte das Unwetter in den westlichen Vororten.

Unwetterkatastrophe in der Schweiz.

Im Kanton Uri hat ein furchtbares Un­wetter, verbunden mit Schneefall, an den Bahnen und Kulturen schweren Schaden angerichtet. Im Dorfe Flüelen ist die Gotthardstrecke an drei Stellen durch große Schlamm- und Schuttmassen bis zwei Meter hoch überdeckt und der Verkehr un­terbrochen. Frauen und Kinder flüchteten in der Morgenfrühe durch die Fenster aus den Häusern. An verschiedenen Orten mußten Bergheime wegen schwerer Gefahr .fluchtartig verlassen werden. In Altdorf und Erstfeld stehen große Waldgebiete, Gär­ten und Wiesen hoch unter Wasser. Auch aus anderen Teilen der Schweiz kommen ernste Unwet-

Tapferkeit.

Die Mutter ist oben im Schlafzimmer.

Als sie herunter kommt, sitzt da Peterle in Küche und ist dabei, sich einen dicken Verband

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ferenten. der sich vor derartigen Heber» ras<chungen bewahrt, und dessen Auffas­sung vom nationalen Staat sich mit der von mir vertretenen vollständig deckt. Ich beur­laube Sie daher mit dem heutigen Tage von Ihrem Amt. (gez.) Rust."

Kultusminister Rust hat gleichzeitig den Herrn Landgerichtsrat Iägcr mit derLeitungder Kirchenabteilung im Kultusministe- rtum beauftragt.

Rücktritt des Landeskirchenrats der frankfurter Landeskirche.

WSR. Frankfurt a. M., 22. Iuni. Der Evangelische Pressedienst teilt mit: DieDeut­schen C h r i st e n" haben an den Landeskirchen­rat den Antrag gestellt, er möge durch ein Er­mächtigungsgesetz die Führung der Lan­deskirche vier Männern übertragen, von denen drei zu denDeutschen Christen" gehören und einer ihnen nahe­steht. Das hätte bedeutet, dah der Landeskirchen­rat und die Landeskirchenversammlung ihre Tä­tigkeit einstellen und daß die gesamte landeskirch­liche Gesetzgebung und Verwaltung an dieDeut­schen Christen" übergehen. Der Landeskirchenrat war nicht in der Lage, diesem Antrag zu entsprechen; er ist hierzu nicht zuständig, vor allem aber betrachtet er die Auslieferung der gesamten landeskirchlichen Gewalt an eine einzelne Gruppe für durchaus unbegründet und untragbar. Er hält es aber für dringend erwünscht, daß die Deutschen Christen" zur Leitung bet Kirche beigezogen werden. Um hierfür Platz zu schaffen, stellt er seine Aemter der Landeskirchenversammlung zur Verfügung. Die Landeskirchenversammlung wird dann zu entscheiden haben, wieweit sie bei der Reubildung des Landeskirchenrats die Wünsche der «Deutschen Christen" erfüllen kann.

Auch in Hessen der Oeutschnattonale Kampfring ausgelöst.

Darmstadl. 23. Ium. (IDSJL) Die Staats- Pressestelle teilt mit: Die Polizeiaktion gegen den Deutschnationalen Kampfring erfolgte in Hessen gleichzeitig mit der Aktion in den anderen Ländern. Ls stellte sich heraus, was im wesentlichen der politischen Polizei bekannt war. daß der Deutschnationale Kampfring in Hessen n u r aus einer Ortsgruppe mit sechs Mit- gliedern bestand, wozu noch einzelne Mitglieder kommen. Nunmehr hat der Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen durch Verfügung vom 22. Iuni den Deutschnationalen Kampfring für Hessen förmlich verboten und aufgelöst. Verbot des Oeutschnationalen Kamps- bundeS des Gewerblichen Mittelstandes

B e r l i n, 22. Juni. (ERB.) Amtlich wird mit- geteilt, daß, nachdem der Deutschnationale Kampf­bund des Gewerblichen Mittelstandes bereits im Zuge des Verbots der Deutschnationalen Kampfringe und des Bismarckbundes aufgelöst worden ist, heute dem Deutschnationalen Kampfbund des Ge­werblichen Mittelstandes die offizielle Verbots- Verfügung des Herrn preußischen Ministerpräsi­denten zugeleitet worden ist. Die Geschäftsräume des Verbandes sind polizeilich geschlossen und be­setzt worden.

Das Kasseler Hofopfer abgeänderf.

Berlin, 22. Iuni. (ERB.) Wie aus Kassel berichtet wird, liegt jetzt in der Angelegenheit des Kasseler Stadtnotopfers die Stellung­nahme des Reichsfinanzministeriums vor, durch die die Erhebung des Rotopfers wegen seines steuerähnlichen Charakters unter­sagt wird. Auch die Erklärung der Stadtkreis-

Große und kleine Kinder.

Don Hans Riebau.

..Wilhelm Teil!"

Professor Holl ist Germanist und'ein begeisterter Schillerfreund.

Lisa ist seine Tochter, 16^ Jahre alt erst, und doch schon eine abgefeimte Diplomatin.

Geht sie da mit ihrem Vater an einem Hut­geschäft vorüber, und im Schaufenster hängt ein grün-graues Etwas, das jedes Mädchenherz höher schlagen lassen muß.

Lisa stößt den alten Herrn ein wenig in die Seite. E i Vater", lächelt sie,sieh den Hut dort auf der Stang ej"

Aber Professor Holl, der Vater, ist auch nicht von Pappe. Er wirft einen vorsichtig abschätzenden Blick in das Schaufenster, auf den Hut und auf das Preisschild, das daneben liegt, und dann sagt er: Was kümmert uns der Hut? Komm, laß uns gehen!"

Exakte Definition.

Der Lehrer hat bei den Kindern eine Begriffs- lücfe entdeckt. Frau, Fräulein, Witwe, Junggeselle, Schwager, Onkel, darüber weiß so recht nie­mand Bescheid. Nur Peterle meldet sich.Was also", fragt der Lehrer,was also ist eine Frau?"

Eine Frau ist ein Fräulein, das schon einen Mann hat", sagt Peterle.

Na, ja", lächelt der Lehrer,meinetwegen. Und was ist eine Braut?"

Eine Braut ist ein Fräulein", schmettert Peterle, das noch keinen Mann hat,aber schoneinen weiß!"

Kultusminister Rust zur Kirchensrage.

Wechsel in der Leitung der Kirchenabteiluug des preußischen Kultusministeriums.

Berlin. 22. Iuni. (WTB.) Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbil- hung Rust hat an den Leiter der Kirchenabtei­lung des preußischen Kultusministeriums Herrn Ministerialdirektor Dr. Trendelenburg fol­genden Brief gerichtet:

Sehr geehrter Herr Dr. Trendelenburg! Die Bestellung eines kommissarischen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates ohne Unterrich­tung und Befragung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bedeutet einen Schritt der Altpreußischen Landeskirche, der für das Verhältnis des Staates zur Kirche nich t ohne ernste Folgen bleiben kann. Zur Lösung der dadurch auftauchenden Fragen bedarf es eines Re­

den Finger zu wickeln.

Aber was ist denn los?" fragt die Mutter,hast du dir weh getan?"

Ich habe mich", murmelt Peterle und zeigt auf die Blutstropfen, die auf dem Boden verspritzt sind, ich habe mich in den Finger geschnitten."

Armes Peterle", lächelt die Mutter.Und so tapfer bist du gewesen? Und hast gar nicht ge­weint?"

Nein", flüstert Peterle, und jetzt fängt er bedenk­lich an zu schlucken,ich dachte, du wärst nicht zu

Ellen ist eingeladen. Ellen sieht ein Leoparden­fell mit Kops und gläsernen Augen auf der Erde liegen.

Soi i* m»r r i n 9 L w Si-n Mietung 6 tteueröinfl5 ! llrbt;

Tante", sagt sie und zeigt auf das Fell," genau so einen Hund haben wir zu Hause auch."

Das glaube ich aber nicht", lächelt die Tante.

Ganz bestimmt", fährt Ellen fort,bloß bei uns ist er noch nicht so breit getreten."

Wer freut sich nicht?

In der Schule hat der Lehrer die Geschichte vom verlorenen Sohn erzählt, aber Peterle hat die Pointe nicht recht begriffen. Also erzählt die Mutter die Geschichte noch einmal, und bann fragt sie: Wer also hat sich gar nicht gefreut, als der ver­lorene Sohn nach Hause zurückkehrte?"

Peterle guckt die Mutter an. Man merkt, erst jetzt fängt er an, darüber nachzudenken, wer nach Lage der Dinge sich durch die Rückkehr des ver­loren Geglaubten geschädigt fühlen könnte. Und plötzlich weiß er es:Das ist doch ganz einfach", sagt er,das fette Kalb!"

Geburtstag.

Herbert hat morgen Geburtstag.

Kommst du auch?" fragt er die Tante.

Natürlich", lächelt die Tante,ich komme auch." Wann denn?" fragt Herbert weiter.

Zwischen vier und fünf", sagt die Tante.

Dann wart' ich vor der Haustür", fährt Herbert fort,bisde da bist."

Warum denn vor der Haustür?" fragt die Tante.Ich kann doch bei Euch klingeln."

Wie willfte denn klingeln", schüttelt Herbert den Kopf,wenn de den ganzen Arm voll P a k e t e h a st!"

Tonfilm:An heiligen Wassern."

Dies ist ein Terra-Fanal-Film nach dem be­kannten Roman des Schweizers I. C. Heer. Die epische Breite der Erzählung beherrscht noch die langsam auf« und abgeblendeten Landschaftsphoto­graphien des Natureinaanaes, der die Bergszenerie der Vorgänge an den Zuschauer heranbringt. Dann kommt Schritt für Schritt die' Staffage der han­delnden Gestalten in das Bild. Und es gelingt der filmischen Bearbeitung, den erzählerischen Fluß Der Ereignisse auf eine volksstücksmäßige Weise zusam- menzurasfen und an ihren Höhepunkten dramatisch und balladesk $u steigern. Die Hauptmotive des Ro­mans sind kräftig herausgearbeitet. Es handelt sich um die Bergwasserleitung eines kleinen Alpendor­fes, von der die Lebensmöglichkeit der ganzen Ge­meinde abhängt, und die, in jedem Jahr vom La­winensturz bedroht, eine ewige Gefahr und Sorge für die Bewohner bildet; der Kampf um die Was­serversorgung hat schon viele Opfer gefordert, wie die zahlreichen Kreuzinschriften auf dem Friedhof bezeugen. In dieses Hauptthema ist eine Liebes­geschichte mit einem echt bäuerlichen Konflikt ver­

0er Verräter Gchtageters verhaftet?

Tübingen, 22. Iuni. (ERD.) Rach einer Dlättermeldung ist in einer Tübinger Klinik der 29 Jahre alte Alfred Schneider aus Reutlingen als mutmaßlicher Ver­räter an Schlageter verhaftet wor­den. Schneider war seit sechs Wochen in der Klinik und stand kurz vor seiner Genesung. In den letzten beiden Jahren befand sich Schneider im Auslande. Er be st reitet jede Schuld an dpm Verrat. Schneider hat den Ruhrkampf im Jahre 1923 aktiv a l s Mitglied des Korps Oberland mitgemacht. Er mußte sich am 30. Juni 1923 wegen Sabotage gegen Eisenbahnen im besetzten Gebiet vor einem fran­zösischen Gericht verantworten und wurde da­mals zum Tode verurteilt, jedoch später begnadigt. Die Familienangehörigen Schnei­ders in Reutlingen gaben an, dah sich Schneider in der fraglichen Zeit nicht in der Umgebung Schlageters befunden habe.

0er Mord in Köpenick.

Drei LA - eute und ein Kommunist von dem Sohn des Gewerkschaftssekretärs Schmaus über den Haufen geschossen.

Berlin, 22. Juni. (WTB.) Die schwere Schießerei i n K ö p e n i ck, die bereits kurz ge­meldet wurde, hat sich, wie die weiteren Ermitt­lungen ergeben haben, folgendermaßen abgespielt: Es hat sich nunmehr herausgestellt, dah die sechs SA.-Männer, nachdem auf ihr Klingeln nicht ge­öffnet worden war, in das Haus des Ge- werkfchaftssekretärs Schmaus ein­drangen, wo sie von Frau Schmaus be­schimpft wurden. Rachdem von den SA.-Leuten das er st e Stockwerk durchsucht worden war, wollten sie dieTreppezumzweiten Stock hinaufsteigen. Als sie gerade in halber Höhe waren, rief Frau Schmaus plötzlich «An- ton schieß doch!" Sofort nach diesen Worten fiel auch ein Schuh, durch den der <501.» Mann Klein getroffen wurde. Runmehr stürmte der Truppführer Gleuel die Treppe empor, um den Täter zu stellen-. Dieser gab jedoch drei weitere Schüsse ab, durch die Gleuel so schwer verletzt wurde, dah er kurz darauf im Krankenhaus st a r b. Der Schütze, der 24 Jahre alte Sohn des Gewerkschaftssekretärs Anton Schmaus, stürmte hierauf die Treppe herunter und st reckte den 22 Jahre alten 621.» Mann Walter Apel, der sich ihm ent­gegenstellte, ebenfalls durch mehrere Bauchschüsse nieder, so dah er wenige Minuten später in den Armen seines Sturm­kameraden Gräf starb.

Inzwischen hatte Schmaus, der nur mit einer Badehose bekleidet war, und in der Hand die Pi­stole hielt, die Straße erreicht. Auf der Flucht schoß er noch auf den SA. - Mann Bohne, der als Wache bei dem Wagen, mit dem die <521.= Leute gekommen waren, zurückgeblieben war, und traf den bereits vorher verhafteten Kommu­nisten W a n e tz k i, der sich auf dem Wagen be­fand, in die Schlagader, so daß in wenigen Minuten der Tob eintrat. Nach einer aufregenDen Jagd wurde Schmaus von der Streife eines Motorstur­mes gestellt und verhaftet. Der 53jährige G e - werkschaftssekretär, in dessen Hause sich der blutige Vorfall abgespielt hatte, wurde heute mittag in einem Geräteschuppen erschossen aufgefunden. Anscheinend hat Schmaus aus Furcht-vor den Folgen des UeberfaUes Selbst - mord verübt.

wirken mit zu dem großen Erfolg des Stückes, der sich am Schlüsse in lebhaftem Beifall äußerte. W.

Wintermärchen" in Marburg.

Als zweites diesjähriges Marburger Festspiel ging ShakespearesWintermärchen" in Szene. Die ausgezeichnete Regiekunst Dr. Fritz Buddes, ver­bunden mit wirkungsvoller Bühnengestaltung von Fritz Mertz und guten Beleuchtungseffekten ver­halfen diesem selten gespielten Stück zu einem über­ragenden Erfolg. Der auf der Schloßparkbühne zur Verfügung stehende große Raum bot der Phantasie und Willkür des Spielleiters reichste Entfaltungs- nlöglichkeiten in der Ausdeutung des Stückes, die er besonders was die Artisten-, Schäfer- und Satyr­tänze betrifft mit erstaunlicher Kunst auszunutzen verstand. Ties ergreifend war die Gerichtsszene, in der Lothar Körner die verblendete Eifersucht des Leontes und seinen reumütigen Zusammenbruch mit vollendeter Tragik wirken ließ. Wie eine Lichtgestalt stand ihm gegenüber die edle Hermione, der Renäe Stodrawa Form und Wesen gab. Den Höhe- punpt der Aufführung bildete die heitere Szene des Schafschurfestes mit Spiel und Tanz, in welcher Robert Bürkner als Spitzbube mit feinen losen Streichen, Ludwig L i n k m a n n als alter Schäfer und Fred S ch r ö e r als einfältiger junger Schäfer den Vogel abschossen. Das Liebespaar wurde von Hansi N a s s e e und Hansgeorg Laubenthal wirkungsvoll verkörpert. In den wichtigeren Neben­rollen ragten Max Burghardt als Camillo, Ro­bert Forsch als Antigonus und Margarethe Küh- n e r t als Pauline besonders hervor. Auch die übrigen, insbesondere die große Zahl der Laien­spieler, halsen durch ihr ausgezeichnetes Zusammen-

staatsseindlichen Elemente auch noch besondere Kosten übernehmen. Zur Deckung der Schuhhaft­kosten sind daher gegen eine Reihe ver­mögender Schutzhäftlinge in der Zwi­schenzeit Zahlungsbefehle in Höhe von rund 1 00000 Mark ergangen.

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Aus Anlaß Der Ermordung der zwei Berliner SA.-Leute sprach Gruppenführer E r n st in Der Berliner Funkstunde. Er führte u. a. aus: Der ein­fache SA.-Mann habe das Treiben der Grunhemden stets mit Kopsschütteln gesehen. Es sei offenbar ge­wesen, daß von hier aus em versteckter Kampf gegen die neue beu tsch e Ord­nung und gegen Das braune Heer geführt wurde. Das habe nun Ministerpräsident Göring zur rechten Zeit erkannt, und er habe zu einem o er n i ch - tenben Schlage ausgeholt. 2m Verlaufe dieser Aktion, so sagte Gruppenführer Ernst hat ein ehemaligerMarxist ohne Veranlassung aus dem Hinterhalt die freiwilligen Soldaten des Dritten Reiches Mann um Mann nieder­geschossen. Der Gau Berlin-Brandenburg steht mit allen deutschen und österreichischen Braunhem­den erschüttert an der Bahre dieser neuen Märtyrer des Dritten Reiches. Sie treten zu den 35 Sturmsoldaten, die Berlin- Brandenburg bereits hn Kampfe um Deutschlands Freiheit geopfert hat.

Schließung des Stahlhelm-Arbeits-

Alle 20 Minuten ein Hochzeitspärchen.

Haben bisher gewisse amerikanische Scheidungs- wühlen mit Rekordziffern prahlen können, soundso- viele Ehetrennungen im Tag, so stellt nun Italien das entgegengesetzte Ideal auf: möglichst viele Hoch- zeitspärchen nach Rom!

Am 29. Juli vorigen Jahres erging der Lockruf Mussolinis, er bot dencolombe, den Tur- teltäubdjen ohne Altersoorschrift eine siebzig­prozentige Ermäßigung auf den Eisenbahnen an, er machte bald eine achtzigprozentige daraus, er dehnt» die Vergünstigung auf Das gesamte AuslanD aus. Und siehe, alle, alle kamen! Jetzt sind wir mit Der Statistik beim zehnten Monat angelangt unD schon haben 22 329 coppie in viaggio di nozze am Fahr­kartenschalter Den Trauschein vorgelegt: Das macht im Monatsdurchschnitt 2233, im Tag 74, in Der Stunde 3 Hochzeitspärchen. Alle 20 Minuten, Die Nächte nicht ausgenommen, betreten zwei Glückliche Den Boden Der ewigen StaDt, wanDeln zum Kapi­tol hinauf, stehen vor Der säugenden Wölfin und tragen das große Erlebnis in der Erinnerung mit, in die Heimat zurück, übertragen es auf Kind unb Kindeskind. Eine Staatspropaganda, von Der man wahrlich sagen kann, sie trage Zins unD Zinseszins-

Dabei ist anzunehmen, daß Der Reiz Der Neuheit sich nicht verlieren, im Gegenteil, Italien im nach' sten Jahr noch häufiger als Reiseziel Der Hochzeit^ reisenDen in Der Statistik erscheinen werde. Denn bi Die faschistische Revolutionsausstellung in Rom ohnehin schon eine siebzigprozentige Ermäßigun, gewährt, brauchten viele nicht erst Den Trauschein heroorzuholen. Sollte Dagegen roieDer einmal eine- Zeit kommen, wo man auf Den italienischen Bahnen eine normale Fahrkarte läsen muß, so fällt Dfc Hochzeitsvergünstigung erheblich ins Gewicht.

VeneDig als traDitionelles Flitterwochenparadies ist natürlich nicht schlecht eifersüchtig auf Rom gt- ; roorDen, Mussolini aber, großzügig, wie er ist, HM auch Der ßagunenftaDt Das siebzigprozentiye Privi­legium verliehen. Hauptsache: alles nach Italien» : Faschismus und Kirche ziehen da übrigens roiepjü am gleichen Strang. Der Papst läßt es sich nid£ nehmen, die Pärchen zu empfangen; manchmal kommt es zu Massenaudienzen. Manchmal soll es sogar schon zu Hochzeiten ad hoc gekommen sei»» nur um Der billigen Jtalienreise wegen.

Jetzt warten wir nur noch Darauf, Daß man W irgendeine Ausstellung 80 Prozent und für Die Hochzeitsreise 80 Prozent erhält: macht einen Ueberc schuß von 60 Prozent, auszahlbar auf dem Kapitol- Dann ist das Problem der Finanzierung einer Jj6* miüengrünbung gelöst. E.

lagers in Koitus.

Kottbus, 22. Juni. (TU.) Das in Kottbus vom Stahlhelm unterhaltene Arbeitslager wurde heute morgen von der Polizei in Verbindung mit der NSDAP, geschlossen. Wie amtlich mitgeteilt wird, hatte die Polizei in den letzten Tagen beob­achtet, daß sich bekannte Kottbuser K o m = muniften in Der Nähe Des Lagers her­umtrieben unD mit Den Insassen sympathisier­ten. Außerdem war eine frühere führende Persön­lichkeit des Reichsbanners im Arbeitslager an leitender Stelle tätig. Der Führer Des Laaers wurde in Schutzhaft genommen. Das Arbeitslager des Stahlhelms wurde durch den Fr e i w i111 = gen Arbeitsdienst der NSDAP. Gau Ostmark übernommen. In der vergangenen Nacht wurden gleichzeitig das Kottbuser Stahlhelmheim und die Geschäftsstelle durch SA. besetzt und sämtliche Führer Des Kottbuser Stahlhelms in Schutzhaft genommen.

termelDungen. Auf den Höhen bis zu 700 Meter herunter hat es heftig g e f ch n e i t, während in Den Niederungen ebenso wie auch in Süddeutschland un­unterbrochener Regen niederging. Am Gotthard liegt der Schnee 20 Zentimeter hoch. U. a. ist auch Göschenen eingeschneit. Der Schneefall hält noch an. Auf Der SüDseite Der Alpen gingen heftige Ge­witter nieDer. Locarno melDet 111 mm NieDer- schlag. Aus verschiedenen Gegenden kommen Hoch­wassermeldungen, u. a. aus Dem Kanton Turgau. Die LanDstraße ist auf eine weite Strecke unter Wasser gesetzt. Bei Jakobsthal hat ein ErDrutsch Masten Der elektrischen Bahnleitung umgeDrudt, so Daß Der Bahnverkehr unterbrochen ist. Im Sihltal im Kanton Zürich ist Die Sihl im ganzen Gebiet des zukünftigen Sihlsees über Die Ufer getreten. Gegen 20 Anwesen stehen unter Wasser. Die Straße nach Willerzell unD Euthal steht stellenweise meterhoch unter Wasser. Die Bauern haben allenthalben schwe­ren Schaden erlitten. Von dem Jungfraujoch und vom Säntis wird eine Neuschneehöhe von 50 Zentimeter gemeldet. Am Säntis steht die Temperatur auf zwei Grad unter Null, am Joch auf 4 Grad minus. Die bis jetzt verzeichneten Regenfälle sind die stärksten in diesem Jahre.

Falsche Möbelarbeiter

räumen eine ganze Wohnung aus.

Eine traurige Ueberraschung erlebte dieser Tage eine Witwe in Berlin, als sie von ihrer Reise zu- rückkehrte. Als sie ihre Wohnung betrat, stellte sie fest, daß alle Möbel und das gesamte Haus­gerät, das bereits für einen später vorzunehmenden Umzug zusammengepackt war, verschwunden waren. Die bisherigen Nachforschungen ergaben, daß am Pfingstsamstag früh ein Wagen vor dem Hause Der Witwe vorgefahren war und drei, mit blauen Blusen bekleideteüJlöbeltransportarbeiter alle Möbel aus der Wohnung geholt und fortgefah­ren hatten.

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