Ausgabe 
23.6.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

bis zu 700 Utter i t, während in den Süddeutschland un> ing. Am Tolchid hoch. U. o. ist auch eefflll hält noch an. n^en heilige Oe- !t 111mm Nieder-

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Tageskalender für Freitag: Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz; 15 bis 17 Uhr Ausstellung:Dorformen künstle- rischen Schassens". Neues Schloß, 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr: Werbeausstellung hessischer und rheinischer Kunsttöpsereien. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:An heiligen Wassern."

** Bestandene Staatsprüfung. Bei der letzten großen Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst haben die Prüfung als Assessor bestanden: die Gerichtsreferendare Gei st, Gujot, Hebbel und Schneider.

" Sonnwendfeier der Hitlerjugend. Hitlerjugend und Jungvolk veranstalten am rnor-

LauShalts-Erleichierung und Arbeits­beschaffung.

Dor einigen Tagen ging ein Hinweis auf die Verringerung der SoAialbeiträge für dieHausange st eilten durch die Presse. Durch das Gesetz $ur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. 3uni d. 3. ist eine noch weitergehenöe Er­leichterung der Zahlungen ab 1. Juli vorgesehen. Neuerdings fortgefallen ist die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe. Ferner gelten für die Hausgehilfinnen die im Einkommensteuergesetz vorgesehenen Äinderermoßiaungen, sofern die Hausangestellten zur Haushaltung des Arbeit­gebers zählen. Die nunmehr insgesamt eingetretene Ersparnis an Sozialbeiträgen beläuft sich bei einem Darlehen von 20 Mark monatlich auf über 6 Mark, bei einem Barlohn von 35 Mark monatlich auf an- Nähernd 10 Mark. Dazu tritt bei einem Durch- sämittselnkommen des Arbeitgebers von 6000 Mark jährlich eine monatliche Einkommensteuerersparnis von etwa 4 bis 5 Mark. Die letztere Zahl schwankt je nach der Höhe des Einkommens. Die Möglichkeit, Hausangestellte zu beschäftigen, ist durch alle diese Maßnahmen wesentlich vergrößert worden. An die Hausfrauen und Haushaltungsoorstände richtet da­her das Landesarbeitsamt Hessen den Ausruf, diese Sachlage zu benutzen, um die eigene Haushalt- führuna z u erleichtern und einer ar- b e i t s l o | c n Volksgenossin wieder zu B e r- dienst zu verhelfen.

gigen Samstag, 21.30 Uhr. am Eulenkopf auf dem Trieb eine Sonnwendfeier, zu der SA, LS., sowie die gesamte Bürgerschal t Gießens ein­geladen sind. Um 21 Uhr wird sich ein Fackelzug der Hitlerjugend und des Jungvolks durch die Straßen Gießens nach dem Trieb in Bewegung fetzen. Alle- Nähere in unserer morgigen Aus­gabe.

Sonntags Rückfahrkarten der Reichsbahn zu großen Veranstaltun- g e n. Dom Bahnhof Gießen wird uns mitgeteilt: Zu den nachstehend aufgeführten Veranstaltungen werden von den beteiligten Bahnhöfen Sonntags­rückfahrkarten ausgegeben: A. Regatta in Bad Ems am 25. Juni: Von allen Bahnhöfen im Umkreis von 2 0 0 Kilometer um Bad Ems nach Bad Ems mit folgender Geltungsdauer: Hin­fahrt: vom 23. 6, 12 Uhr bis 25. 6. 24 Uhr (Beendigung der Hinfahrt). Rückfahrt: vom 24. 6., 12 Uhr bis 26. 6. 12 Uhr (Antritt der Rück­fahrt). B. Sängerfest in Lindheim vom 1. bis 3. Juli: Don allen Bahnhöfen im Umkreis von 50 Kilometer um Lindheim nach Lindheim mit normaler Geltungsdauer (1. 7., 12 Uhr bis 3. 7., 12 Uhr). C. Hessischer Landes- feuerwehrtag in Schotten vorn 21. bis 24. Juli: Don allen in Hessen gelegenen Bahn­höfen im Umkreis von 7 5 Kilometer um Schot- ten nach Schotten mit Gültigkeit vom 21. 7., 12 Uhr, bis 24. 7., 24 Uhr (Beendigung der Rückfahrt).

Gleichschaltung im Gießener Schachklub. Der Gießener Schachklub, der in diesem Jahre sein 75jährigcs Bestehen feiern kann, ist ebenfalls gleichgeschaltet worden. 1. Vorsitzen­der wurde Kaufmann Albin Schäfer (Mitglied des Stahlhelms), Spiel- und Propagandawart Lehrer Otto Stumpf, Mitglied der NSDAP. Durch bte Neuorganisation im deutschen Schach­leben ist der Verein Mitglied des jetzt alle frühe­ren Sonderverbändc umfassendenGrohdeutschen Schachbundes" geworden, dessen Ehrenvorsitzender Dr. Goebbels ist. Das Schachspiel soll nach den Wünschen der Reichsregicrung zum National­spiel der Deutschen werden. Der Gießener Schach­klub wird im kommenden Winter eine verstärkte Propagandatätigkeit entfalten, um dem könig­lichen Spiel neue Anhänger zu gewinnen.

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unbedingt Voraussetzung. Der Arbeitsdienst müsse fühlen, daß tragen hilft.

Materielle Wünsche müßten dabei

morden, der sich aber nicht recht bewähren konnte. Es stehe fest, daß ein Volk in Not an feine Staats­bürger immer höhere Anforderungen stellen müsse als ein reiches Volk. In Bulgarien sei der Arbeits-

Generation ein. Es entstehe ein neues Ethos, zu pflegen und zu formen eine edle Aufgabe Staates fei. (Starker Beifall.)

Als dritter Redner des Abends sprach

Studienrat Dr. König

überArbeitsdienst und Auslanddeutschtum". In 20 von 35 europäischen Ländern leben die Deut­schen. Ueberall sei von ihnen Kulturboden, Dolks- boden geschaffen worden. Wertvollster Besitz eines Volkes sei der Boden. Den deutschen Dolksboden zu erhalten, sei Sinn und Zweck aller Arbeit. Die Erhaltung des auslanddeutschen Dolksbodens sei mit reiner Staatspolitik nicht zu schaffen. Diese Ar­beit müsse auch völlig unabhängig von der Staats­form geleistet werden. Der völkische Gemeinschafts- willen sei hierzu notwendig. Die Volkheit müsse sich zu diesem Zweck immer mehr verwirklichen.

Der deutsche Dolksboden im Ausland fei jetzt schwersten Angriffen ausgesetzt. Das Ausland- deutschtum stehe gegenwärtig unter härtestem Druck.

Es bedürfe der Anspannung allen Willens: mit alten Mitteln gehe es nicht mehr. Rückhaltloser Einsatz aller Dolksgenosien fei notwendig. Beim Auslanddeutschtum müsse der Arbeitsdienst völlig unftaatlid), durchaus allein und aus eigener Kraft aufgebaut werden. Aus völkischem Gemeinschafts­willen müßten die Dolksgenosien im Ausland allein den Entschluß gewinnen. Hier sei schon vieles geschehen. Beispielhaft sei der Arbeitsdienst

den kommen hoch, n Santon Turgau. jette Streife unter it ein Erdrutsch ung umgedrückt, so len ist. 3m Süiltol i ganzen Gebiet des fer getreten. Gegen r. Die Straße nadj llenweise meterhoch i allenthalben schwe- i Jungsraujoch uni chneehöhe von Im Säntis steht die ater Null, am 3oi s jetzt verzeichnete» diesem 3ohre.

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werden: das Ideelle habe im Vordergrund zu stehen. Die Arbeit müsse dem Ganzen dienen. Die Frage für oder gegen den Arbeitsdienst sei in Deutschland seit dem Aufbruch der Nation ver- ftummt. Sie fei eindeutig entschieden. Man könne nur wünschen, daß die außenpolitischen Widerstände bald kräftig überwunden würden. Die Arbeitsdienst­pflicht sei die beste Schule für den deutschen So­zialismus. Fabrikbesitzerssohn und Arbeiter müßten nebeneinanderstehen und die gleiche Arbeit tun. Die Arbeitsdienstpflicht könne die Arbeit zu neuem Adel erheben, sie sei eine Säule des Staates. In ihr solle sich der neue deutsche Mensch bilden, die Jugend könne dabei lernen sich Bedürf­nisse abzugewohnen und Entbehrungen tragen zu lernen.

Die Arbeitsdienstpflicht sei ein Prüfstein für die Bereitwilligkeit zum Opfer.

Das Problem der Wahrung der freien Wirtschaft werde sich lösen lassen. Die Heranbildung geeig­neter Führer und die Schaffung einer zentralen Stelle mit weitreichenden Vollmachten seien aller­dings Voraussetzung. Der Arbeitsdienst sei keine Versorgungseinrichtung, sondern der Gedanke für eine ethische Sicherung der Jugend. Alte Begriffe versänken, das Neue müsse kraftvoll gefördert wer- den, denn ihn ihm setze der Glaube einer neuen

3m Anschluß daran sprach der ehemalige Dor- igende des Arbeitsamtes Gießen,

2Regierung0rof Or. BueS.

Kraft unseres Volkes nach innen zu stärken.

Als erster Redner sprach der Amtswalter für Arbeitsdienst der Studentenschaft,

stud. theol. et phil. Seipp.

Seit zwei Jahren kenne man den freiwilligen beitsdienst in Deutschland. Er sei zunächst mit

Der Arbeitsdienst müsse eine oolkserziehende

Dickung ausüben. Ls dürfe keine Möglichkeit

geben, sich von diesem Dienst zu drücken.

Arbeitsdienst sei anfänglich Pionierarbeit gewesen, sei aus Freikorpsgcist aeboren,ein Selbsthilse- gedankc organisch empfindender deutscher Jugend" gewesen. Die Arbeitsdienstpflicht werde ihre Ziele nur dann erreichen, wenn in ihr der sittliche Ge-

Fast eine ganze Generation habe, so führte er J- a. aus, Dem Schicksal der Arbeitslosigkeit nicht -ntgehen können. Die Arbeitsbeschaffung müsse als 'in sehr wesentliches Ziel der Regierung angesehen werden. Besonders erfreulich sei es, daß sich der Lolkskanzler Adolf Hitler für den Arbeitsdienst

Arbeitsdienst undBotkögemeinschast

Vortragsveranstaltung der Gießener Studentenschaft.

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Sänke, der dem FAD. zugrundeliege, gewahrt Mtibe. In seinen weiteren Ausführungen schilderte der Redner den Entwicklungsgang des FAD. im Laufe der letzten Jahre und konnte hierbei aus reicher eigener Erfahrung sprechen. Der Erfolg des JtD. sei bisher in Folgendem erzielt: eine große erzieherische Wirkung sei ausgeübt worden, der Reift der Pflichterfüllung wurde wach, die Zusam- nunarbeit aller habe das Gefühl für Kameradschaft und Gemeinschaft gestärkt. An die Führer seien da- bei besondere Aufgaben herangekommen. Die Ar- isitsdienstpflicht werde, wie der FAD., stehen und allen mit ihren Trägern und mit den Zwecken "" ' Sie müsse der Arbeitslosigkeit ent- j-genwirken, die innere Kolonisation durchführen md die Siedlung fördern. Der Mensch müsse zur Scholle zurückgeführt werden.

danke der Arbeitsdienstpflicht fei schon vor dem 3 Kriege in Erscheinung getreten, allerdings als ein Tiittel im politischen Kampf um das Frauenstimm­recht. Der Krieg habe die Frauen in den Arbeits­dienst gestellt, Denn in Zeiten der Not war der Arbeitsdienst immer eine Notwendigkeit. 1916 sei auch einvaterländischer Arbeitsdienst" geschaffen

Das Amt für politische Schulung der Studentenschaft an der Universität Gießen hielt am Mittwochabend in der Neuen Aula eine yortragsoeranftaltung ab, die von den Studenten außerordentlich gut besucht war. Thema des Abends war derArbeitsdienst und Arbeitsdienstpflicht", das von drei Rednern in tiefgründiger Weise be­handelt wurde. Der Führer der Gießener Studen­tenschaft, Heinz-Jürgen Adam, hieß die teilneh­menden Professoren und die Kommilitonen herz­lich willkommen. Er wies auf die Bedeutung des Arbeitsdienstes hin, die besonders darin liege, die

Mißtrauen ausgenommen worden und habe lange ' Zeit Ablehnung erfahren. Heute sei das ganz anders geworden. Es sei viel davon gesprochen wor­den, aber man sei dabei nicht immer den Dingen wahrhaft auf den Grund gegangen. Nun aber nähere man sich der Arbeitsdienstpflicht, die aller- bings für die Studentenschaft schon greifbarere Form angenommen habe. Der Gedanke der Arbeitsdienst- I pflicht sei eigentlich das Ursprüngliche gewesen, aber große Schwierigkeiten standen ihm entgegen. Der FAD. sei lediglich Vorläufer, Etappe, Vor­aussetzung für die Arbeitsdienstpflicht geworden und hätte nicht entbehrt werden können. Der Ge-

_ 'dienst bereits stark ausgebaut, allerdings dort der Mißstand vorhanden sei, daß man sich vom Ar- ;Dt i- y-j. 1$ beitsbienft lckskausen könne. Einen solchen Arbeits- qngciangl unv bienft wünsche man sich in Deutschland jedoch nicht.

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einsetze. Der Arbeitsdienst sei ein wertvolles Mit­tel zur Behebung der Nöte. Die seelischen Nöte, die aus Der Arbeitslosigkeit entstünden, seien aber nicht allein durch Finanzmaßnahmen zu beheben. Den meisten Menschen sei die Arbeit eine innere Not­wendigkeit. Der körperlich Arbeitende leide unter der Arbeitslosigkeit schwerer als der geistige Arbei­ter, der sich eventuell in einer geistigen Betätigung Ersatz schaffen könne. Die Jugend leide besonders unter der Erwerbslosigkeit. Stark gedrückten Le­bensstandard, ja sogar Lebensüberdruß zeitige die Arbeitslosigkeit oftmals als direkte Folge. Die Ar- beitslo igteit bedeute auch eine Gefahr für die staatliche Ordnung. Deshalb dürfe keine Regierung an Die cm Problem vorübergehen. Der Erwerbslose fühle ich überflüssig, seine ursprüngliche berufliche Leistung sinke gewaltig ab, das Leben sei ohne In­halt.

Für den Arbeitsdienst fei nützliche Arbeit

in Siebenbürgern und im Banat geworden, aufge­baut in völkischem Geiste. Dort habe er im wesent­lichen die Bauernhilfe zum Ziel. Man sei Da­bei um die Verbreiterung des deutichen Lebens­raumes in diesen Ländern bemüht. In den Dörfern wurden Arbeitsgemeinschaften geschlossen, die jeg­lichem Volksgenossen. der der Hilfe bedarf, zur Ver­fügung stünden. Diele Arbeitsgemeinschaften wür­den $u jeglicher Arbeit herangezogen. In Polen und in der Tschechoslowakei sei die Arbeit aller­dings schwerer, weil der Staat bedeutende Hinder­nisse in den Weg lege. Im Baltikum, in dem viele deutsche Güter kaum mehr zu bewirtschaften feien, könne durch den Arbeitsdienst viel geholfen wer­den. Auch dort sind Bemühungen im Gange.

Ueberall aber in den östlichen Ländern sei der Dille erkennbar, die Grundlage für eine bessere

Existenz zu sichern.

3n Danzig sei der Arbeitsdienst bereit- organi­siert, und zwar nach deutschem Muster. Die Arbeitsdienstbcwcgung könne durch den Einsatz von deutschen Arbeitsdienstwilligcn bei den Deutschen in Oesterreich und im Saarland neuen Auftrieb erhalten. 3m Saarland sei die Ar« beitsdienstbeweaung auch als eine völkische Be­wegung in Erscheinung getreten, in Oesterreich sei dieser Gedanke in deutschen Kreisen längst nicht mehr fremd. Das Ausland uerfolge Die Be­wegung in ihrer Gesamtheit fhit großer Auf­merksamkeit und übernehme manches nach deut­schem Vorbild. 3n einem Teil des Auslandes versuche man die Arbeitsdienstbewegung als eine militärische Angelegenheit darzustellen: sie sei aber nie etwas anderes gewesen, als ein Mittel zum sozialen Aufbau im Dienste nationaler Zwecke. Sie sollte den anderen Völkern Vorbild fein. Die Volkwcrdung des deutschen Reichs- volkeS sei die Voraussetzung zum Aufbau des

neuen Reiches: darüber hinaus müsse aber die Vvlkwerdung über Die Grenzen führen und dazu bedürfe cs der Mitarbeit aller Menschen im Dienste des deutschen Bodens und des Fort­bestandes der Nation. «Starker Beifall )

3n seinem kurzen Schlußwort erhob Der Führer Der Gießener Studentenschaft Protest gegen Die Behandlung der deutschen Ar­beitervertreter in Genf. Mit einem dreifachen ..Sfeg-Heil!" auf den Doikskanzler Adolf Hitler wurde Die VortragSveranstallung geschlossen.

NS -Lehrerbund.

Krciö Bietzen.

Junglehrer (Studienreferendare, Schulamtsan- Wärter ufro ), die für eine Führerausbildung für den Arbeitsdienst Interesse haben, werden aufgefor» dert, sich sofort schriftlich bei mir zu melden. Das Alter spielt dabei zunächst keine Rolle.

Betr.: Arbeitsgemeinschaft für Rassenkunde und Raffenpflege (Eugenik).

Als Unterabteilung der Arbeitsgemeinschaft für Volksbildung wird tm Rahmen des NS.-Lehrer- bundcs eine Arbeitsgemeinschaft für Rassenkunde und Rassenpftege (Eugenik) gebildet. Durch Vorträge und Aussprachen sollen einerseits die Gedanken zu diesen Fragen vertieft, andererseits sollen Wege und Kräfte gefunden werden, um diese Gedanken in volkstümlicher Prägung im Volke lebendig zu machen. Mitglieder des NSLB., Die hierfür Inter­esse haben und Mitarbeiten wollen, werden aufgc» fordert, sich sofort bei dem unterzeichneten Kreis­obmann schriftlich zu melden.

Der Kreisobmann: Dr. H e n ß.

Trügerisches Bild der Ginne.

SinneSwahrnehnmngen und Sinnestäuschungen.-NeueErgebniffe derForschung

Von Dr. W. Heine.

Ein Wissen von unS selbst und von der Welt ist unmöglich ohne Die Tätigkeit der Sinne. Wenn wir uns das Farbige, Das RiechenDe, Das Schmeckende, Das Schmerzhafte unD Das TönenDe wegdenken, Dann bleibt von DerWelt" nichts mehr übrig, weil sie nicht mehr auf Die Sinne zu wirken vermag. Diese Erkenntnis ist uralt und Doch hat sie immer toieDer Die Ge­müter Der Menschen erregt, wobei sich sofort die entscheiDende Frage ergibt, wie es sich Denn nun mit Der Richtigkeit, DerWahrheit" Des uns Durch Die SinncseinDrücke vermittelten Welt- bilDes verhalte. Die Wissenschaft hat gezeigt, Daß wir Diese Wahrheit, also Die Weltan sich", unabhängig von menschlichen Wahrnehmungen und Daraus gc&ilDeten Begriffen niemals er­kennen können: kein Wissenschaftler kann sagen, ob sich hinter Der erkennbaren Sinnenwelt nicht vielleicht eine ganz anDcre, unseren Begriffen völlig unzulängliche Wirklichkeit verbirgt.

Aber ganz abgesehen von Diesem in Das Ge­biet Der Philosophie hinüberführenDen Problem bleibt auch innerhalb Der unserem Begreifen zugänglichen Sinnenwelt genügenD Llnsichercs und Trügerisches übrig. 3n Dieser Beziehung lehren uns geraDe Die modernsten wissenschaftlichen Er­kenntnisse, wie subjektiv und unzulänglich Das ist, was wir normalerweise ganz selbstverständ­lich als sichereWahrheit" anzuerkennen ge­wöhnt sind. Diese Tatsache wird in erster Linie durch Das Vorhandensein Der Sinnestäuschungen bewiesen. Die wir einmal etwas näher betrachten wollen.

Oieschwebende Jungfrau* und der verschwundene Elefant.

3cDer Taschenspieler weiß, wie außerordent­lich leicht es ist, Den Einneswahrnehmungen ein Schnippchen zu schlagen unD EinDrücke bei einer beliebigen Zuschauermenge hervorzurufen. Die in Wirklichkeit gar nicht vorhanDen oder ganz anDers sind. Er läßt beispielsweise eine Silber­münze erscheinen, Die sich vor einigen ausge­breiteten Spielkarten befindet. Die Karten hält der Zauberkünstler so in der Hand, daß ihre Rückseite dem Publikum zugewandt bleibt. Plötz­lich ist die Münze verschwunden aber in Wirk­lichkeit hat sie gar nicht existiert, sondern ihr Bild entstand lediglich auf Grund einer optischen Täuschung im Gesichtseindruck der Zuschauer. Wenn man einige auf der Rückseite in bestimmter Weise mit ornamentalen Zeichnungen versehene Karten langsam hin und her bewegt. Dann ent­steht eine sog. Berschmelzungsfigur, Die in Diesem Falle eine Silbermünze vortäuscht.

Derartige Täuschungen spielen im Programm jeDes Zauberkünstlers eine entscheiDende Rolle Dieschwebende Jungfrau" gehört ebenso hierher wie jener berühmte Trick, Der Durch sachgemäße AnwenDung Dunkler Tücher einen lebenden Elefanten von Der Bühnever­schwinden" läßt. Neuerdings hat sich auch die wissenschaftliche Psychologie sehr eingehend mit diesen Dingen beschäftigt, das hängt namentlich mit den Auseinandersetzungen über die Bedeu­tung derparapsychologischen" Phänomene zu­sammen. Wer sich heute ernstlich mit den Pro­blemen des Okkultismus beschäftigen will, muh sich Darüber klar sein, wie leicht ein geschickter Taschenspieler auch bei schärfster KontrolleFern­bewegungen",Materialisationen", .Geister­schrift" und ähnliche scheinbar übersinnliche Er­scheinungen Hervorrufen kann. Will man also die Echtheit der von einem Medium gezeigten Lei­stungen wirklich beurteilen. Dann gehört Dazu eine wissenschaftliche Erforschung der Täuschungs­möglichkeiten, denen unsere Sinne so erstaunlich leicht ausgesetzt sind.

Unzuverlässigkeit her Sinne.

Wir wissen heute, daß wir auf allen Gebieten Der Sinneswahrnehmung Täuschungen unter­liegen können. Besonders wichtig ist das beim Auge, Die sog. optischen Täuschungen sind ja bekannt genug. Bei anderen Sinnesorganen täuschen wir uns kaum weniger oft als beim Auge es fällt uns nur viel weniger auf! Fassen wir z. B. in ein Glas kaltes und danach in lauwarmes Wasser, so erscheint uns das letztere heiß hatten wir aber vorher in sehr warmes Wasser gefaßt, so empfindet man nun­mehr Die lauwarme Flüssigkeit als kalt. ODer ein Beispiel für Die Llnzuverlässigkeit Des Ge­schmacks: wenn man einige Tropfen einer be­stimmten chemischen Substanz (Gymnemasäure) auf Die Zunge bringt, unD hierauf ein Stück Zucker in Den WunD nimmt, so empfinDet man Den

Zucker etwa wie einen kleinen Stein Der wahre" AusDruck Des Süßen ist vollkommen verschwunden. Aehnliche Beispiele lassen sich für jcDe SinnesempsinDung geben, Deren Der Mensch fähig ist alle Diese Tatsachen beweisen immer toieDer Die gleiche Feststellung, Daß wir nämlich nicht Die Dinge selbst erkennen können, sonDern immer nur bestimmte Wirkungen, wobei Diese Wirkungen bei Der gleichen Ursache völlig verschieben fein können. Der gleiche Gegenstand kann je nach Dem Zustande unsere- Hautsinnes als warm ober kalt, je nach bem Zustanbe unsere- Auges als weih ober schwarz erscheinen: die- selbcn elektromagnetischen Wellen empfinben wir als Licht, wenn sie bas Auge treffen, aber als Wärme, wenn sie auf bic Haut fallen.

Täuschung durch Beeinflussung.

Heber bas engere Gebiet Der physiologisch bebingten Sinnestäuschungen hinaus haben nun psychologische Untersuchungen bet letzten Zeit einige besonbers interessante Tatsachen auf- gebeckt, bic uns bas Zustanbekommen von Täu­schungen unseres Bilbes ber Außenwelt noch von einer anbeten, ber seelischen Seite her, ver- stänblich machen. Jeder Jurist weiß, wie außer­ordentlich vorsichtig man Zeugenaussagen bewerten muh, auch wenn der Zeuge den besten Willen hatte, bic Wahrheit zu sagen. Wenn beispielsweise ein Automobilunfall von mehreren Personen beobachtet würbe, so kann man fast mit Sicherheit barauf rechnen, baß sich Die Aus­sagen Dieser Zeugen in wesentlichen Punkten wibersprechen toerDen trotz besten Willens aller Beteiligten. Ober nehmen wir einen Fall, Der sich vor einiger Zeit in Paris ereignete. Dort waren zwei ertrunkene Äinbcr aus ber Seine gezogen worben, unb ein Zeuge hatte bic Kinber mit völliger Bestimmtheit rekognosziert. Sicherheitshalber, es hanbelte sich um Waisen, befragte man noch eine ganze Reihe anberer Personen, bic sämtlich bic Kinber genau kannten unb übereinftimmenb bic Angaben bes ersten Zeugen bestätigten. Daraufhin würbe ein Toten­schein ausgeschrieben, unb bic Bcerbigung wat bereits angefetjt, ba stellte sich im letzten Augen­blick heraus, baß bic vermeintlichen Opfer lebten unb mit ben ertrunkenen Kinbern nur eine ganz entfernte Achnlichkeit besahen.

Dieser Fall zeigt besonbers deutlich, wie leicht eine Täuschung durch Beeinflussung zustande kom­men kann: der erste Zeuge hatte sich geirrt und seine Behauptung genügte bereits, um alle an­deren Zeugen ohne daß sie es wußten zu der gleichen falschen Annahme zu bewegen. Der­artige, ins Gebiet der Massenpsychologie gehörende Fälle sind außerordentlich häufig, und ihre Untersuchung ist beispielsweise für die Be­wertung von Zeugenauslagen in Strafprozessen auch von größter praktischer Bedeutung.

Oer vorzeitige Startschuß.

Zum Schluß wollen wir noch kurz die Ergebnisse einer anderen Untersuchung ermähnen, die sich mit einer ebenfalls sehr häufigen Form der Täuschung beschäftigt: der Täuschung infolge der bestimmten Erwartung eines im nächsten Augenblickfälli­gen" Ereignisses. Ein Beispiel: Bei einem Sport­fest soll ein wichtiges Rennen gelaufen werden, und die Läufer hocken bereits am Boden, fertig zum Start. Der Starter erhebt die Pistole und will schießen, da niest neben ihm ein Zuschauer, und sofort rennen Die Läufer los: sic haben das Niesen als Schußgehört", weil sic ganz unb gar auf das erwartete Startzeichen eingestellt waren.

Ein prinzipiell ähnlicher Fall ist folgender: Ein Jäger sitzt auf dem Anstand und erwartet jeden Augenblick das Heraustreten des Wildes auf die Lichtung. Da kommt plötzlich ein Holzsammler aus bem Walbe heraus unb ber Jäger gibt auf ihn ben Schuß ab, trotzbern es völlig hell ist und er eigentlich sofort sehen mußte, daß es sich um kein Wild handelte. Derartige Fälle ereignen sich immer wieder, und sie haben schon manches Opfer gefordert. Psychologisch sind sie ebenfalls auf je­nen Zustand gespanntester Aufmerksamkeit zu­rückzuführen, in dem ein ganz bestimmtes Ereig­nis erwartet wird unb bann ein unerwarteter Zwischenfall" nicht in seiner wahren Be­deutung erkannt, sondern unbewußt als das er­wartete Ereignis gewertet und entsprechend be­handelt wird. Man nennt dieses neu entdeckte Gesetz baß der Dominanz, des Beherrschtseins von einer bestimmten Situation, und hat mit Hilfe dieser Erkenntnis wichtige neue Einblicke in das große Gebiet menschlicher Irrtümer und Täu­schungen gewinnen können.