Ausgabe 
23.6.1933 Erstes Blatt
 
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Kreuzwort rätsel Rätsel.

Nachdem ich sechs Jahre tätig bin als Silben- und Kreuzworträtselrater, weih ich: In Italien liegt Turin, und eine männliche Katze heißt Kater. Großmutters Bezeichnung ist Dmama; ein Silo ist ein Getreidespeicher: irgendein persischer Gott heißt Ra, härter ist Gegenteil von weicher.

Die jonische Mundart heißt immer las, was selbst ein Goethe wohl kaum gewußt hat. Ein lustiger Scherz bedeutet Spaß und Mut, was ein Held in seiner Brust Die Aupa ein Fluß in der Tscheche!; die leichte Fußbekleidung Sandale; Naturprodukt ist immer das Ei

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Der SA.-Flieger-Ersatztrupp Gießen und Ober- Hessen unter dem Protektorat des Reichsministers und Ministerpräsidenten Göring veranstaltet am kommenden Sonntag in der Bolkshalle einen Deut­schen Abend, mit dem eine Jlugzeugtaufe verbunden sein wird. An diesem Abend wird der Reichsstatt. Halter in Hessen, Sprenger, sprechen. Die ge­samte Gießener Militärkapelle Unter Leitung von Obermusikmeister Krautze wird an dem Abend mitwirken. Auf die bedeutsame Veranstaltung sei be­sonders hingewiesen. Man beachte die heutige zeige.

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quer darüber ziehen und lustige Lampions dran- hängen und mit ein paar Freunden eine richtige .italienische Nacht" feiern. Du kannst dich während

deines Urlaubs eingehend mit den Kaninchen be- schäftigen, die du in einer Balkonecke untergebracht hast, und du kannst, wenn dich die Neugier plagen .-sollte, vom Balkon aus leichter in die Fenster deines Nachbarn ober deines Gegenüber schauen, das ist ja immer jo schrecklich interessant!

Bist du aber nicht Besitzer eines Balkons, dann brauchst du nicht gleich den Kops hängen zu lassen. Rucke deinen Tisch so weit wie möglich ans offene Fenster, stelle drei Blumentöpfe auf das Fenster­brett, wenn du dann noch das Glück hast, daß die Sonne zu dir hereinscheint, dann brauchst du deine Phantasie gar nicht so sehr anzustrengen, um zu fühlen: hier läßt es sich auch ganz gut erholen!

ReichSstatthalter Sprenger in Gießen.

und Echusterwerkzeug ist stets die Ahle.

Uri ist ewig der Schweizer Kanton; Lie ist immer der nordische Dichter.

Als Blutsverwandter gilt meistens der Sohn, Werkzeug zum Füllen bedeutet Trichter.

Kleine Fabrikstadt in Baden heißt Oos; russische Halbinsel immer Kola;

Schicksal, Bestimmung, erklärt man mit Los, französischer Schriftsteller mit Zola.

Kampfbahn Arena und Baumteil hast Ast, Leergewicht Tara, Gebetsschluß Amen.

Eines nur hab' ich nicht ganz erfaßt, worauf die Rätseloerfertiger kamen: Ich rate und rate, zerbrech' mir den Kopf, Zierde der Frauen" seh' ich geschrieben und finde als Lösung tatsächlich: ,Lopfl" Da ist der Verstand mir stehen geblieben.

M. A.

Lustschuh tut not!

Im Rahmen des ersten Informationskursus über den zivilen Luftschutz fand am Mittwochabend der letzte Vortrag statt. Der Redner, Regierungs-Medi- zinalral Dr. Korturn, sprach über das Thema: Erste Hilfe und sanitäre Maßnahmen beim zivilen Luftschutz". Der Vortragende machte interessante Ausführungen, zu denen gleichzeitig die Gasschutz- fleräte praktisch vorgeführt wurden. Im Anschluß an den Vortrag fand eine Sitzung in Gemeinschaft mit den Rektoren der hiesigen Volksschulen statt, in der man sich über die Möglichkeiten der Aus- Wertung der im Informationskursus vermittelten Kenntnisse in den Schulen beschäftigte. Mit dieser Sitzung fand der Informationskursus feinen Ab­schluß. Weitere Jnformationskurse für andere Be« rufsgruppen sollen demnächst stattsinden.

Polizeibericht.

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An dieOberhessische DolkSzeitung" in Dietzen werden noch fortgesetzt von Behörden und Privat- Personen Ersuchen um Veröffentlichungen in der Zeitung gerichtet, die jedoch keinerlei Berück­sichtigung finden können, da das Vermögen der ..Oberhessischen Volkszeitung" beschlagnahmt und die Geschäftsstelle polizeilich geschlossen und ver­siegelt ist. Es wird daher gebeten, von weiteren Ersuchen Abstand zu nehmen.

Bei den in 6er Stadt und im Kreis Dietzen durchgeführten Maßnahmen gegen die Kampf» gemeinschaft revolutionärer Rationalsozialisten Schwarze Front" (Oho Etraßer-Bcwegung) wurden durch die Kriminalpolizei und Gendar­merie wichtige Schriftstücke, Rundschreiben aus neuester Zeit und verbotene Broschüren vor­gefunden und beschlagnahmt. Aus dem beschlag­nahmten Material ist die staatsfeindliche und gefährliche Einstellung derSchwarzen Front" ersichtlich. Ein junger Mann aus Giehen, der «ls Vertrauensmann und Werber für die Schwarze Front" tätig war, wurde in Schutzhaft genommen.

Infolge der Auflösung desGrobdeutschen VundeS" wurde schriftliches und sonstiges Ma­terial sichergestellt und das Bankkonto gesperrt.

Der Fuhrmann Albert G a t h , geboren am 22.8.1907 zu Wetzlar, wohnhaft in Gießen, wurde wegen Beleidigung des Herrn Reichskanzlers feft genommen und der Staatsanwaltschaft zuge- sührt. Gath wurde unter Haftbefehl gestellt.

Ein Kaufmann aus Dieben, der erhebliche Vor­strafen erlitten hat, hatte es verstanden, als Mitglied dem Stahlhelm in Frankfurt a. M. bei­zutreten. Bei seiner Anwesenheit in Giehen wurde er in Schutzhaft genommen und seine Aniformstücke beschlagnahmt.

3n das Konzentrationslager Osthofen wurden wegen antinationaler Betätigung aus der Stadt And dem Kreis Giehen acht Kommunisten Äberführt.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Ober- hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20.15 Ufjr im Zoologischen Institut, Bahnhofstraße 841, Vortrag mit Lichtbildern.Neueres über den Fein- t»au der tierischen Gewebe". Lichtspielhaus, Bahn- hofstraße:An heiligen Wassern".

Sie Frauengruppe des VDA. hält am Dienstag, 27. Juni, im Gasthaus Hindenburg eine Mitglieder- und Werbeoersammlung ab, in der 5rau M. Eger unb Herr Dr. Reusch über die lagung des VDA. in Passau (mit Lichtbildern) sprechen werden. Auf die heutige Anzeige sei be­sonders aufmerksam gemacht.

* Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Evangelische ^irchenregierung wurde der Pfarrer Gustav Weißgerder zu Bingen­heim auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt.

** Eine Achtzigjährige Heute feiert Frau Johanna Kahle, wohnhaft Wetzlarer Weg 11, ihren 80. Geburtstag.

** Beschleunigter Personenzug hält in Dutenhofen. Der beschleunigt verkehrende Personenzug 402 GießenKoblenz hält ab Sonntag, 25. Juni, täglich auch in Dutenhofen. Der Zug geht in Gießen um 8.06 Uhr ab, trifft um 8.11 Uhr in Dutenhofen ein und fährt um 8.12 Uhr weiter.

** (Ein langgesuchter Schwindler verhaftet. Der heutige Polizeibericht meldet: Seit 1931 wurde der 28 Jahre alle Vertreter Karl Staut F i ft e r aus Oldisleben (Kreis Sondershausen) wegen Unterschlagungen, Urkundenfälschung und Betrugs von der Slaatsanwaltschasl in Leipzig ge­sucht. Der Schwindler hatte feine Festnahme bisher dadurch hinausgezögert, daß er immer nur in kleinen Ortschaften und bei Privatleuten Wohnung nahm, ohne sich polizeilich anzumelden. In Gießen hatte er das gleiche Verfahren angewandt, jedoch wurde die Kriminalpolizei auf ihn aufmerksam gemacht, die dann bei Prüfung seiner Personalien entdeckte, daß sie den langgesuchten Schwindler vor sich hatte.

Kreis Friedberg.

WSR. Bab-Rauheim. 22. Juni. Der Stadtrat hatte kürzlich einen Deschlub gefaßt, wonach städtischen Beamten, Angestellten und Ar­beitern da- Vermieten an Kurgäste nicht mehr gestattet war. Die staatliche Kurverwaltung und das Polizeiamt haben jetzt für ihre Beamten und Angestellten ebenfalls ein entsprechendes Ver­bot erlassen, nachdem die NSDAP, mit einer sol­chen Anregung an sie herangetreten war. Man hofft durch diese Maßnahmen daS einheimische Dermietgewerbe in seinem schweren Exi­stenzkampf zu stützen.

Reichsstatthalter (Spftnger besichtigt Mainzer Betriebe.

WSR. Mainz. 21. Juni. ReichSstatthalter Sprenger traf am Dienstagvormittag 11 rihr hier ein, um zuerst der Erdal-Fabrik einen Besuch abzustatten. Der Begrüßung deS ReichS- statthalters im Empfangsraum der Werke durch die Direktion folgte ein Rundgang durch die Räume deS Betriebes. Rach der Besichtigung hielt Reichsstatthalter Sprenger an die Belegschaft eine kurze Ansprache, in der er ausführte, daß er selten einen Betrieb besichtigt habe, der in so weitgehendem Mähe ein in sich abgeschlossenes wirtschaftliches Ganzes darstelle. Er wandte sich gegen eine systemlose und inS Userlose gesteigerte Mechanisierung der Betriebe und deS allgemeinen Lebens überhaupt. Die sinnlose Mechani­sierung sei zu einem nicht geringen Teile an der heutigen schlechten Lage schuld. Deutsche Arbeitskraft und deutscher Arbeitswille seien das einzige, was uns aus den letzten Jah­ren geblieben sei, und diese würden uns auch wie­der emporführen. Sein dreifaches ,Sieg-Heil" galt dem Dolkskanzler Adolf Hitler. Direktor Har­nischmacher dankte dem Reichsstalthalter für seine Ausführungen und brachte auf das deutsche Vaterland und den Reichsstatthalter ein drei­fachesSieg-Heil" aus.

Um 16.30 Uhr erschien der Reichs st att- Halter mit Begleitung zur Besichtigung in der Sektkellerei Kupferberg. An den Be­such des Dismarckzimmers und die Eintragung in das Gästebuch schloß sich eine Besichtigung des Betriebes. Auf der Kupferbergterrasse, vor dem am Hause angebrachten Bildnis Bismarcks, das mit Girlanden und Hakenkreuzfahnen ge­schmückt war, begrüßte Ehr. Ad. Kupferberg den Reichsstatthalter in Anwesenheit der Beleg­schaft und zahlreicher Zuschauer. Der Redner machte den hohen Gast auf die Röte der Sekt­industrie aufmerksam und bat ihn, sowohl im Ramen seiner Firma, als auch als Vorsitzender des Gesamtverbandes deutscher Sektkellereien, die Bemühungen dieser Industrie um eine steuer­liche Entlastung zu unterstützen. Er gedachte des Kanzlers Bismarck, der zu Beginn des deutsch- französischen Krieges im Hause der Firma Kupferberg weilte, und bezeichnete Reichskanzler Hitler als einen zweiten Bismarck, der Deutschland ebenfalls vor dem Verfall und vor dem Bolschewismus bewahrte. Seine Rede klang in einem dreifachen Sieg-Heil auf das Vater­land, seinen großen Kanzler und Reichsstatt­halter Sprenger aus. Reichsstatthalter Spren­ger betonte in seiner Ansprache, daß man in dem Betrieb der Firma Kupferberg ein Stück Rationalsozialismus sehe. Rur wenn der Deutsche Arbeit habe, sei auch Deutschland geholfen. Der Aufbau der Arbeit habe mit der politischen Machtergreifung Hitlers begonnen, und dieser wolle die Existenzmöglichkeit des gesamten deut­schen Volkes sichern. Doch sei hierzu die Einig­keit des gesamten Volkes notwendig, die große Volksgemeinschaft ohne Ansehen der Person- Der Reichsstatthalter schloß mit einem dreifachen Sieg- Heil auf den Führer Adolf Hitler. Sodann sprachen noch ein Mitglied des Betriebsrats, der REBO und ein Arbeiter der Firma, worauf Etaatskommissar und stellvertretender Oberbürger­meister Dr. Barth dem Reichsstatthalter den herzlichen Dank der Stadt Mainz und der Be­völkerung für seinen Besuch zum Ausdruck brachte. Musikstücke einer SA.-Kapelle und der gemein­same Gesang des Horst-Wessel-Liedes und deS Deutschlandliedes umrahmten die eindrucksvolle Feier.

Gründung des Gaues Heften des Gastwirie-EinheitsverbandeS.

WSR. Darmstadt, 22.3uni. Zur Grün­dungsversammlung des Gaues Hessen im Reichseinheitsverband des Deut­schen G a st st ä 11 e n g e w e r b e s e. D. hatten sich heute etwa 800 hessische Gastwirte im Städti­schen Saalbau eingefunden. Gauleiter Döring- Darmstadt begrüßte die stattliche Versammlung und namentlich als Ehrengäste Ministerialrat Hechler als Vertreter der hessischen Staats- tegierung, Regierungsrat Blümers vom StreiS- amt, Regierungsrat Schäfer von der Hessischen Handelskammer, und als Vertreter der Reichs­leitung des Gaststätten - Gewerbes Direktor Gei st Hard, Berlin, und Müller, Mainz. Den Zweck der Gaugründung legten dann die beiden Vertreter der Reichsleitung dar. 3n sei­nem Hauptreferat behandelte Direktor Geist- h a r d die bisherige erfolgreiche Aufbauarbeit des Einheitsverbandes zum Wohle des Gast­stättengewerbes. Rach Begrüßungsansprachen von Ministerialrat Hechler im Ramen der Ehrengäste und Gauleiter Wolf, Kassel, nahm Gauleiter Döring die Verpflichtung der Mit­glieder der neuen Gauleitung vor. Sein Sieg- Heil galt dem Reichspräsidenten und dem Führer Reichskanzler Wolf Hitler. Die Versammlung sang zum Schluß das Horst-Wessel-Lied.

Wettervoraussage.

Die Reihe der Störungen ist noch nicht be­endet. Wahrend sich zur Zeit ein Wirbel über Rorddeutschland bewegt und kühle Ozeanluft nach Deutschland vorschiebt, naht vom Atlantik bereits ein neues Fallgebiet heran. Die Wetter­lage geht somit noch keiner Beständigkeit ent­gegen, wenn auch der zwischen beiden Störungen sich ausbildende höhere Druck eine kurze Bes­serung bewirkt.

Vorhersage für Samstag: weiterhin wolkiges und ziemlich kühles Wetter mit einzelnen Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 22. Juni, mittags 18,4 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 23. Juni: morgens 13,4 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 10,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Juni: abends 18,6 Grad; am 23. Juni: morgens 15,1 Grad. Niederschläge 0,9 mm. Sonnen- scheindauer 1% Stunden.

Der Arbeitsdienst in der Forstwirtschaft.

Tagung der Zorstbezirksgruppe Alsfeld.

Alsfeld, 22.3unL Am Dienstag fand im Deutschen HauS" zu Alsfeld die erste dies­jährige Tagung der ForstbezirkSgruppe Alsfeld statt, an der 35 Forstverwaltungsbeamte und -Anwärter teilnahmen. Außerdem waren Ver­treter der Ministerialforstabteilung sowie der Vorsitzende der ForstbezirkSgruppe Gießen an­wesend. Forstmeister Rausch, Romrod, der Vorsitzende der ForstbezirkSgruppe, wies in sei­nen Begrüßungsworten auf die

Dichtigkeit des Arbeitsdienstes gerade für die Forstwirtschaft

hin, da Wohl im Walde die größte Mögsichkeit Aur Beschaffung nutzbringender Arbeit vorhan­den fei. Sodann sprach Forstmeister Dr. Barth, Grebenau, über:Arbeitsbeschaffung in der Forst­wirtschaft". Den Ausführungen sei folgendes ent­nommen: Die Arbeitsmöglichkeiten im Walde sind durch die dauernde Kreditbeschränkung, die ihrerseits eine Folge der finanziellen Rotlage deS Senates ist, ständig vermindert worden. So kam eS, daß gerade im Vogelsberg die Rot der sonst einen wesentlichen Teil des Jahres im Walde beschäftigten Arbeiter und Kleinbauern dauernd im Steigen begriffen war. Andererseits konnten notwendige Arbeiten aus Geldmangel nicht ausgeführt werden. Durch den freiwilligen Arbeitsdienst und die Rotstandsarbeit konnte ein großer Teil der Arbeitslosen wieder einer ge­regelten Beschäftigung zugeführt werden.

Die Forstämter der ForstbezirkSgruppe Als­feld umfassen eine Fläche von rund 36 000 Hektar Staatswald und 9000 Hektar Gemeindewald. 3n diesen Zahlen sind die Privatwaldungen nicht einbegriffen.

3 m Wege der Rotstandsarbeit wur­den auf dieser Fläche im 3ahre 1932/33 für Staats- und Gemeindewald zusammen durchge­führt:

Chaussierungen 7 Kilometer, Planierungen 2 Kilometer.

Durch den Freiwilligen Arbeits­dienst wurden ausgebaut:

Chaussierungen = g Kilometer, Planierungen 17 Kilometer.

Durch die von dem Herrn Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung für das Land Hessen angeregte Landesplanung sind an Arbeiten für die nächsten 10 3ahre im Bereich der Forstbezirks- gruppe vorgesehen:

3m Staatswald: 194 Kilometer Chaussie­rungen mit einem Kostenaufwand von 1 500 000 Mark und 218 Kilometer Planierungen mit einem Kostenaufwand von 360 000 Mark.

3m Gemeindewald: 65 Kilometer Chaus­sierungen mit einem Kostenaufwand von rd. 1 000 000 Mk., und 20 Kilometer Planierungen mit einem Kostenaufwand von 38 000 Mk. Von diesen Beträgen werden rd. ein Drittel der Staatskasse

zur Last fallen, während der Rest von der ReichS- versicherungsanstalt für Arbeitslosenfürsorge auf­gebracht wird. Auf die

Frage der Arbeitsform und ihre Anwendungsgebiete

eingehend, führte der Vortragende weiterhin aus: Oberster Grundsatz muh sein, sämtliche Arbei­ten, die mit ordentlichen Mitteln auszuführen sind, haben den Waldarbeitern und Waldarbeiterin­nen zu verbleiben, nur zusätzliche Arbeiten dürfen im Arbeitsdienst oder im Wege der Rotstands­arbeit ausgeführt werden. Außerdem können nicht alle Arbeiten im Walde durch ungelernte Arbei­ter gemacht werden, sondern müssen den Fachar­beitern erhalten bleiben, wie z. B. der Fällungs- und Kulturbetrieb. \

Wie schon aus der im Rahmen der Landespla­nung aufgestellten Berechnung hervorgeht, dürften also die im Wege des Arbeitsdienstes auszufüh- renden Arbeiten sich hauptsächlich auf den Wege­bau und außerdem auf Drainagearbeiten und Ge­winnung der Waldnebennutzungen (Zapfenemte und Grassamengewinnung) bestehen.

Ursprünglich konnte jeder Stempelberechtigte ohne Altersgrenze am Arbeitsdienst teilnehmen. Seit 1932 jedoch können nur noch Jugendliche unter 25 Jahren beschäftigt werden. 'Ab 1. Oktober 1933 ist mit der Einführung der allgemeinen Arbeils« dienstpflicht und der Einberufung des ersten Jahr­gangs zu rechnen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der im Arbeits­dienst durchgeführten Arbeiten wird nicht immer mathematisch klar vor Augen liegen. Eine sichere Amortisation der aufgewandten Kapitalien ist ohne weiteres klar bei Melioration von Wiesen und Oed­land usw. Häufig wird sich jedoch der wirtschaftliche Effekt indirekt auswirken, z. B. beim Ausbau des Waldwegenetzes durch Steigerung der Holzpreise, sowie geringere Abnutzung und Verschleiß bei Be­nutzung der Wege.

Größer aber noch als die rein volkswirtschaft­lichen Folgen der geleisteten Arbeit wird der Einfluß in moralischer Beziehung durch Be­schäftigung der seither arbeitslosen Jugend für Deutschlands Zukunft sein.

Forstmeister Rausch dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen und eröffnete die Diskussion. Allgemein wurde der Wunsch ge­äußert, bei dem Herrn Reichskommissar für Arbeils- beschaffung dahin zu wirken, daß die Amtsvorstände her Forstämter als Bezirkskommissare für eine ein­heitliche Durchführung der Landesplanung in ihrem Amtsbezirk sorgen sollten. Außerdem kam zum Ausdruck, daß sämtliche Anwesenden von der Not­wendigkeit überzeugt und fest entschlossen sind, jeder an seinem Teile zur Behebung der Arbeitslosigkeit im Sinne der nationalen Regierung beizutragen.

Obecheffen.

Veränderungen im Niddaer Gemeinderai.

Ridda, 22. 3uni. 3m hiesigen Ge­meinderat ist die Vertretung der RSDAP. durch Uebertritt eines EPD.-Der- treters zur RSDAP. von acht auf neun Sitze angewachfen. Die RSDAP. hat nunmehr von insgesamt 12 Gemeinderatssihen neun inne. Zwei Sitze werden zur Zeit noch von Vertretern der SPD. versehen (nach der neuesten Anordnung der Reichsregierung werden auch diese Mandate jetzt annulliert D. Red.), ein auf die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot seinerzeit entfallendes Man­dat ist unbesetzt.

Schwimmbad-Einweihung in Nidda.

CD Nidda, 22. Juni. Das hiesige neuerbaute Schwimmbad, das mit allen Neuerungen aus« gestattet ist, wirb am kommenden Sonntag ein- geweiht Die Veranstaltung wird eine beson­dere Note durch schwimmsportliche Wett« kämpfe erhalten, zu denen Gießener, Frankfur­ter, Marburger und Friedberger Schwimmer ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die feierliche Eröff­nung des Schwimmbades wird sich also gleichzeitig zu einem interessanten sportlichen Ereignis gehal­ten. Mit der Herstellung des Bades ist einem lang- gehegten Wunsche der Bevölkerung Rechnung ge­tragen worden. Das Bad dürfte eines der schönsten in Oberhessen sein. Die Kosten werden ungefähr 22 000 Mark betragen. Im Gegensatz zu anderen Bädern, die in Oberhessen erbaut wurden, darf die Niddaer Anlage immer noch als billig betrachtet werden, denn dank einiger hochherziger Zuwen­dungen konnte manche Ausgabe erfpart werden. So waren u. a. für das Gelände keine Aufwendungen zu machen, ein erheblicher Teil des Baumaterials wurde durch das Bafaltwerk I. Nia el-Ober- Widdersheim gestiftet. Die Arbeiten wurden zum großen Teil durch den freiwilligen Arbeits­dienst ausgeführt, so daß sich auch die Kosten für die Arbeitsleistung in mäßigen Grenzen hielten. Die Eröffnungsfeier wird auch auf den Rundfunk übertragen. Das Bad wird nach der Beendigung der offiziellen Feier dem Badebetrieb übergeben.

Weibliches Arbeitsdienstlager in Laubach.

Laubach. 22. 3unt 3m hiesigen Land - heim Steimer ist ein weiblichas Ar­beitsdienstlager von dem Verein zur För­derung des Freiwilligen Arbeitsdienstes einge­richtet worden, das jetzt eingeweiht wurde. Die Lagerführerin Fräulein Reuerburg begrüßte nach einem von der Laubachrr Musikkapelle ge­spielten Marsch die erschienenen Gäste. Die An­

sprache zur Flaggenhissung hielt Ortsgruppen­führer Kaufmann Pott. Frau Direktor Stei­mer hielt einen lehrreichen Vortrag über Frauenarbeit, von der Zeit des Weltkrieges ausgehend bis zu den gegenwärtigen Verhält­nissen. Hiernach fand eine Besichttaung des schön eingerichteten Lagers statt. Reichsmlnister Dr. Goebbels hatte anläßlich der Einweihung des Lagers an das Haus Steimer, in dem er im 3uni vorigen 3ahres für mehrere Tage Aufent­halt genommen hatte, ein besonderes Glückwunsch­telegramm geschickt.

Landkreis Gicsten.

X W i e f e cf, 22. Juni. Mit Heinrich Lepper. Eisenbahnarbeiter i. R., wurde heute der legte Veteran des Krieges 1870/71 unter zahl­reicher Beteiligung der Gemeinde zu Grabe ge­tragen. Unter Trauermusik der Kapelle M a n k wurde bei präsentiertem Gewehr der Sarg von vier SA -Männern in den Leichenwagen gehoben. Eine Abteilung SA. und der neugebildete Krieger- verein mit der alten Fahne gingen dem Wagen cor- aus. In seiner Leichenrede über Psalm 143,5, 6: »Ich gedenke an die vorige Zeit", schilderte der Ortsgeistliche im Blick auf die Schicksale des Vater­landes in der Lebensspanne des Entschlafenen 1848 bis 1933 die Kruste, die diesen letzten Zeugen aus aller Zeit wertvoll machten. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP., Beigeordneter K. Euler, widmete im Namen der braunen Kameraden dem Entschlafe­nen einen warmen Abschiedsgruß. Tiefbewegt hörte man von Professor Dr. K r a e m e r = Gießen, der im Namen der Kriegerkameradschaft Hassia sprach, daß für den Heimgegangenen am Morgen des Be« gräbnistages das Ehrenkreuz des Hassiaverbandes eingetroffen fei, das er am Schluß seines Nachrufs den Angehörigen mit der Ehrenurkunde überreichte.- Nach der Ehrensalve schloß die Trauerfeier mit dem Lied3d) hall einen Kameraden".

<>o Langsdorf, 22. Juni. Die Dolkszäh- lung führte hier zu folgenden Ergebnissen: In 221 Haushaltungen wohnen 946 Einwohner, 451 männliche, 495 weibliche. Das Ueberroiegen des weib­lichen Elementes hat zwei Gründe: erstlich dient hier eine größere Anzahl auswärtiger Mägde, so- bann ist die Zahl der Witwen größer als die der Witwer. Landwirtschaftliche Betriebe sind 140 vor- Händen von den kleinsten mit 2 Morgen bis zu 89 Morgen. Es überwiegen bei weitem die kleinen Betriebe. 23 gewerbliche Unternehmungen sind vor­handen. Dem Glaubensbekenntnis nach verteilt sich die Einwohnerschaft folgendermaßen: 890 Evange­lische, 15 Römisch-Katholische, 18 Neu-Apostolische, 23 Israeliten. Die Beoölkerungszahl ist sich gegen­über der Zählungen von 1925 fast ganz gleichge­blieben.