alle Führer und Amtswalter der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Oesterreichs ihrer Aemter und entbinde alle Parteimitglieder ihrer bisherigen Verpflichtungen im Sinne der Vereinssatzungen. Die Bewegung aber lebt, und zwar nie so stirk wie in dieser Stunde. Der Kampf, der nun beginnt, wird sich auf jener Ebene bewegen, auf welche die Regierung Dollfuß selber ihn verwiesen hat und wird sich jener Formen und Mittel bedienen, die zur Erreichung des Zieles notwendig sind und geeignet erscheinen. Das Ziel ist der Sturz der Regierung Dollfuß und die Befreiung Oesterreichs aus Den Händen des ehrvergessenen und oolksverräte» rischen Klüngels, der gegenwärtig im Dienste der Feinde des deutschen Volkes seine Gewaltherrschaft ausübt. Eine Regierung, die sich zum bezahl- ten Büttel erniedrigt, begibt sich jeden Anspruches auf eine moralische und rechtliche Würdigung ihrer Taten. Eine Regierung, die selber unausgefetzt die Verfassung bricht, und nur daourch sich überhaupt am Leben erhält, hat das Recht verwirkt, ihre Gegner zur Achtung der Verfassung anzuhalten. Eine Regierung, die ihre eigenen Gesetze mit Füßen tritt, darf sich nicht beklagen, wenn das Volk jede Achtung vor dem Gesetz verliert und danach handelt. Die Organisation des Kampfes in seiner neuen Form ist in vollem Gange. In den nächsten Tagen bereits werden die Vorbereitungen beendet sein und die nötigen Bekanntmachungen erfolgen.
Schwere Ausschreitungen in Krems.
Anhänger der NSDAP, vogelfrei.
Wien, 22. Juni. (TU.) In Krems a. d. Donau ist es in der Nacht zu Donnerstag zu schweren Ruhestörungen gekommen, die von Wehrmännern des Bundesheeres verübt wurden, denen sich auch frühere Angehörige des sozialdemokratisch ' republikanischen Schutzbundes angeschlossen hatten. Unter der Menge befand sich auch in Uniofrm der Major des Bundesheeres Zotti, der Führer der Kremser Ortsgruppe des unter christlich-sozialem Einfluß stehenden Wehr- bundes, der Standesorganisation der Wehrmänner. Die Menge versuchte, ein nationalsoziali- stisches Verkehrslokal zu {türmen, ein Gasthaus, dessen Schild „Zum Dritten Reich" schon seit einigen Tagen auf Anordnung der Bezirkshauptmannschaft verhängt sein muß. Ebenso wurde ein Sturm auf das Geschäft eines verhafteten SA.-Führers versucht. Die gegen die Demonstranten eingesetzte Gendarmerie erroies sich als zu schwach. Die Demonstranten sammelten sich wieder an anderen Stellen und überfielen Nationalsozialisten, die vielfach nieder- geschlagen und mit Füßen getreten wurden. Erst, als die Alarmkompanie der Garnison eingesetzt wurde, gelang es, die randalierenden Wehr- männer in die Kaserne zurückzudrängen.
In der Druckerei Faber in Krems, die eine Reihe verbreiteter und angesehener Lokalblätter her- ausgibt, ist eine Abteilung von 12 Mann Infanterie einquartiert worden. Die Kanzlei der Verlagsdruckerei in S t. P ö l t e n ist versiegelt worden. Dadurch ist das Erscheinen der Blätter unmöglich gemocht, obwohl gegen sie ein Verbot nicht verhängt worden ist. Der journalistische Leiter und Mitbesitzers des Unternehmens, Dr. Herbert Faber, befindet sich seit der Polizeiaktion gegen die Nationalsozialisten im Wiener Landgericht in Haft.
„Lleberschreitmia der Notwehr."
Wien, 22. Juni. (WTB.) Nach zweitägiger Verhandlung wurde in Graz heute der Prozeß gegen den Techniker Karl Fischer, einen Sozialdemokraten, zu Ende geführt. Fischer hatte im Streit mit einer Klebekolonne einen 21 a» tionalsozialisten erschossen. Da die Geschworenen die Hauptfrage auf Totschlag verneinten, wurde Fischer nur wegen Heberschreitung der Notwehr zu der erstaunlich milden Strafe von fünf Monaten strengen Arrest mit drei Jahren Bewährungsfrist verurteilt.
Haussuchungen in der Pfalz.
Neustadt a. d. H., 22. Juni. (WSN.) Bei verschiedenen Mitgliedern der Bayerischen V o l ks° Partei wurden Haussuchungen gehalten, so u. a. bei der Kreisgeschäftsstelle der Partei und bei dem Reichstagsabgeordneten Geheimrat Dr. Bayers- d ö r f e r. Bei letzterem soll verschiedenes Material der Bayerischen Volkspartei-Korrespondenz b e - schlagnahmt worden sein, während — wie man hört — die Durchsuchungen bei der Kreisgeschäfts- stelle, die über zwei Stunden in Anspruch nahm, ergebnislos verlief. Auch in Landau wurden bei führenden Persönlichkeiten der Bayerischen Volks- Partei und des Zentrums sowie in den Geschäftsräumen des „Rheinpfälzers" Haussuchungen wegen vermuteter Beziehungen zu den Christlich-Sozialen Oesterreichs oorgenommen Der Vorsitzende der BVP. Landau, Studienrat Haas, wurde für die Dauer der Haussuchung festgenommen. Das beschlagnahmte Material wird zur Zeit gesichtet.
Oie Aktion gegen die SpO. in den Parlamenten.
Berlin, 23. Juni. (VDZ. Funkspruch.) In Ausführung des Betätigungsverbotes gegen die SPD. ist die entsprechende Aktion im Reichstage, Preußi- schen Landtag und Preußischen Staatsrat eingeleitet worden. An sämtliche Sozialdemokraten sind in den genannten Häusern Aufforderungen ergangen, unverzüglich ihre Freifahrtkarten zurückzu- senden. Die sofortige Diätensperre für die sozialdemokratischen Abgeordneten bedeutet einen nicht unbeträchtlichen materiellen Gewinn für die Staatskasse, der allein bei der sozialdemokratischen Reichs- tags- und preußischen Landtagsfraktion mit 1411200 Reichsmark im Jahre zu errechnen ist. Eine Anweisung der Präsidenten ist zu erwarten, wonach sozialdemokratische Abgeordnete die Pariamentsgebäude nicht mehr betreten dürfen.
Eine Ludwig-Müller-Spende der Deutschen Christen.
Berlin, 22. Juni. (TU.) Wie der „Zeitungsdienst" mitteilt, hat der Reichsleiter der Glaubens- bewegung der Deutschen Christen D. Hassen- felber folgenden Aufruf erlassen: Der Wehrkreis- Pfarrer Müller feiert am 23. Juni seinen 50. Geburtstag. Ich weiß, daß ihm keine größere Freude bereitet werden kann, als daß man d i e Kampffront stärkt. Ich rufe daher alle Ge- finnungsfreunde auf, sich an einer Ludwig- Müller-Spende zu beteiligen und bitte Zah- lungen, die die Kampffront der Deutschen Christen stärken können, auf mein Postscheckkonto Berlin 154185 zu überweisen.
Der Ausnahmezustand über Krems
Doppelposten vor dem Gebäude der „Landzeitung"in Krems, die verboten wurde
Berliner Blätter zum Betätigungsverbot für die GpO.
B e r l i n, 23. Ium. (CNB.l Eine ganze 2<eit»e von Zeitungen beschäftigt sich mit dem BetcUl- gungsverbot für die SPD. Der „Völkische Beobachter" schreibt von einem wohlverdienten Ende. Es habe sich klar gezeigt, daß das Auftreten der SPD. in Deutschland während der letzten Monate nichts anderes gewesen sei, als ein plumpes Täuschungsmanöver, das nur den wahren Charakter der SPD. verdunkeln sollte. Die Auflösung der SPD. werde vom ganzen Volk auch begrüßt werden als das Ende einer Partei, die vor der deutschen Geschichte sich eine ungeheuere Schuld aufgeladen habe. Die SPD. habe dem deutschen Volk gegenüber tausendfach bereits in der Vergangenheit chren landesverräterischen Charakter bewiesen, der als durch das Verhalten der SPD. in den letzten Wochen und Monaten erneut erwiesene Tatsache der Anlaß der heutigen Maßnahme geworden fei. Mit harter Energie bereite die Regierung allen Organisationen ein Ende, die nicht für, sondern gegen das Volk zu arbeiten versuchen.
Die „D- A. Z." sagt, dieses klägliche Ende einer politischen Bewegung von einst zahlenmäßig gewaltigen Umfanges hat sich mit unheimlicher Schnelligkeit vollzogen- Angesichts des katastrophalen Versagens der SPD- in den Zeiten ihrer höchsten Macht und ihrer schuldhaften Verstrickung mit den schwärzesten Tagen deutscher Geschichte wird das deutsche Volk, und zwar gerade auch die Arbeiterschaft, diese Entwicklung als den Prozeß historischer Vergeltung erkennen, den diefer<Ler- fall tatsächlich darstellt.
Die Börsenzeitung meint, es wäre unverständlich gewesen, wenn man einer so schwer kompromittierten Clique wie den Restbeständen der SPD. auch nur einen Tag länger die Möglichkeit gelassen hätte, ihr lichtscheues Treiben auf Kosten der Steuerzahler zu finan
zieren. Von heute ab bedeute der Begriff „deutsche Sozialdemokratie" nur noch eine historische Erinnerung, wohl die häßlichste und unerfreulichste, die die deutsche Geschichte kenne.
Der Lokalanzeiger betont, daß mit dieser völligen Lahmlegung der Sozialdemokratie in Deutschland Staat und Volk von einer doch immerhin ernsten Gefahr endgültig befreit seien. — Der Tag sagt, nie wieder soll der Marxismus auferstehen, er hat sich tief eingefressen im Denken unseres Volkes. Sorge jeder einzelne dafür, daß er auch die letzten Reste für immer austilge.
Der Börsenkurier führt aus: Unter eine 70jährige Geschichte ist das staatsrechtliche Siegel gesetzt. Die Sozialdemokratie, Erzeugnis der Maschinenkrisen wuchs in Bismarcks Reich wie ein Schicksal Schon vor dem Krieg kam sie auf 30 o. H. aller deutschen Wähler. Diese Mechanik setzte sich nach dem Kriege fort. Ohne Abschwächung, aber auch ohne Auftrieb. Die SPD. schrumpfte von innen. Selbst die äußeren Voraussetzungen ihres mechanischen Machttums entfielen allmählich. Sie blieb noch bis zuletzt eine an Zahl große Partei, aber sie war ausgehöhlt. Und als ihre Schicksalsstunde kam, zeigte sie sich keines W i d e r st a n d e s fähig.
Zeitungsverbote.
Das Geheime Staatspolizeiamt hat die Berliner Tageszeitung „Der Reichsbo t e" (Tageszeitung für das evangelische Deutschland) b i s zum 5. Iuli verboten, weil das Blatt bei der Behandlung der Judenfrage die Reichsregierung verächtlich gemacht hat. Ebenso hat das Geheime Staatspolizeiamt die „D'e u t s ch e Zeitung" wegen des Artikels „Eine Richtigstellung im Falle Bismarck" in der heutigen Morgenausgabe biszum 3 0. Juni einschließlich verboten.
Der Industrie- und HandelM imAahnien des ständischenAuldaus derMrischast
Berlin, 22. Ium. (WTB.) Auf der Vollversammlung detz Deutschen Industrie- und Hcmdels- tages führte der neue Präsident Dr. von Renteien in einer Aussprache u. a. aus: Die Industrie- und Handelskammern verfügen über einen wertvollen Grundstock in der Beratung und Vertretung ihrer Mitglieder nach volkswirtschaftlichem Gesichtspunkt. Ihre Wirkungsmöglichkeiten müssen vermehrt und ihre Befugnisse müssen erweitert werden, um ihre vermittelnde und lenkende Tätigkeit innerhalb der Wirtschaft zu erhöhen. Die Kammern werden z u Brennpunkten der ständischen Selb st Verwaltung werden. Die Kammern sollen selbst beim ständischen Neubau m i t w i r k e n. Aus diesem Grunde ist von mir im Industrie- und Handelstag bereits ein Beirat für d e n ständischen Aufbau einberufen worden. Dieser Beirat wird in lebendiger Fühlungnahme mit allen Kammern des Reiches die einzelnen Fragen des ständischen Aufbaues beschleunigt durchzuberaten und einen entsprechenden Durchführungs- entwurs auszuarbeiten haben. Wir stehen vor einer ausgesprochenen Ueberorganifation in der deutschen Wirtschaft. Die Vereinfachung dieser Organisationsformen ist eine absolute Notwendigkeit.
Das kostbarste Gut, über das die Volkswirtschaft verfügt, und das größte Aktivum eines jeden Betriebes ist die Arbeitskraft und die Arbeitslust der dort Tätigen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß der nationalsozialistische Wirtschaftsneubau auf dem Fundament dieses Respektes vor der Arbeit und dieser kameradschaftlichen Verbundenheit sich vollziehen wird. Jeder in der Wirtschaft Stehende vom größten Unternehmer bis zum jüngsten Stift, vom jugendlichsten Arbeiter bis zum ältesten und erfahrensten Werkmeister, ist ein notwendiges Rad im Getriebe der Wirtschaft. Cs ist eine selbstverständliche Konsequenz dieser Arbeitsverbundenheit, daß die Arbeiter und Angestellten, ebenso wie die Betriebsunternehmer, ihre Vertretung im ständischen Aufbau und damit in den Kammern finden. Richt unerwähnt möchte ich die Bedeutung der Frau im Wirtschaftsleben lassen. Nahezu drei Viertel des deutschen Volkseinkommens geht durch die Hände der deutschen Frau. Ich möchte daher anregen, daß die Kammern schon
heute eine engere Verbindung mit den Frauen-, insbesondere den Hausfraüenverbänden aufnehmen.
Staatssekretär Dr. Claußen überbrachte die Grüße der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung. Alsdann sprach der Reichskommissar für die deutsche Wirtschaft, Dr. Wage- n e r . Man wolle auch Handwerk, Land- wirtschaftunddiefreienBerufeindie Wirtschaftskammern einbeziehen, um so eine Erweiterung der Zusammenarbeit auf alle Kreise des deutschen Wirtschaftslebens zu schaffen. Die Industrie- und Handelskammern hätten die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß draußen im Lande der Gedanke dieser Zusammenfassung Verständnis finde. Auch die Angestellten und Arbeiter müßten in die Kammern eingeführt werden. Die Wirtschaft habe die hohe Aufgabe, alles das zu produzieren, was das deutsche Volk braucht, das Leben des Volkes zu ermöglichen. Man stehe jetzt vor der schweren Arbeit, dem deutschen Volk Arbeit zu schaffen. Hierzu feien zur Zeit noch nicht alle Mittel in Bewegung gesetzt. Die Präsidenten der Handelskammern mühten in ihrem Kreise an diesem Ziele mitwirken. Hauptgeschäftsführer Dr. Hilland erklärte zum Schluß: Hm seinen Aufgaben als Spihenorganisation der Deutschen Industrie- und Handelskammern gerecht zu werden, wird sich in Zukunft die Notwendigkeit ergeben, den Industrie- und Handelstag selbst noch fester zu fügen als bisher. Nur wenn der Industrie- und Handelstag eine Zwangsorganisation ist, die alle Handelskammern fest zusammenschließt, ist ein außer der Reihetanzen nicht möglich und kann ein Gegeneinanderarbeiten vermieden werden.
Kleine politische Nachrichten.
Wie amtlich mitgeteilt wird, entbehren die Gerüchte über eine in nächster Zeit angeblich bevorstehende Auflösung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung jeder Grundlage. Heber die künftige Gestaltung der Arbeitslosenhilfe in sachlicher und organisatorischer Beziehung hat die Reichsregierung noch keine rlei Entschließungen gefaßt.
Aus Der Provinzialhauptstavt.
Generalangriff
auf das Ooppelverdienertum!
Unter dieser Heberschrift veröffentlicht Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger folgenden Aufruf:
Die nationale Revolution schreitet unentwegt weiter und fordert Gerechtigkeit.
Alle Partei- und Volksgenossen, SA-- und SS.-Kameraden find hiermit aufgefordert und verpflichtet, die Doppelverdiener zu ermitteln. Der Kampf beginnt sofort. Meldungen müssen von den Ortsgruppen geprüft, gesammelt und umgehend über die Kreise dem Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung, Frankfurt a. M., Elbestr. 61, eingereicht werden. Die Angaben müssen enthalten:
Name, Beruf, Wohnort, Beschäftigungsstelle, ungefähres Einkommen des Doppelverdieners. Genaue Angaben sind erforderlich. Doppelverdiener find:
a) Beamte der Kommunal-, Landes-, Staatsbehörden bzw. Verwaltungen, wenn diese neben der beruflichen Tätigkeit noch Nebenarbeiten verrichten, sich weitere Einkommen sichern und dadurch andere Volksgenossen schädigen, da Beamten seitens der Behörden grundsätzlich Nebenbeschäftigung verboten ist.
b) Angestellte und Arbeiter der freien Berufe, welche durch weitere Arbeiten nebenberuflich Erwerbslosen das Brot nehmen oder auf diese Weise deren Einstellung in den Wirtschafts- prozeß erschweren.
c) Eheleute, die beide arbeiten, soweit dies nicht aus Not geschieht und das Gesamteinkommen unter Berücksichtigung individueller Verhältnisse der Arbeitenden das Einkommen eines mittleren Angestellten nicht Übersteigt.
Behörden und Unternehmungen, welche dem Dop- peloerdienertum Vorschub leisten, verstoßen gegen Grundsätze der nationalsozialistischen Revolution und schädigen den Wiederaufbau.
Die freien Wirtschaftsunternehmer werden hiermit aufgefordert, sofort den Bestand ihres Personals im obigen Sinne nachzuprüfen und entsprechende Aenoerungen vorzunehmen.
Bei dem Bau-, Maler-, Weißbinder- und Schreinergewerbe wird die Feststellung gemacht, daß Arbeiten mit geradezu auffallend geringem Personalstand durchgesührt werden, um Arbeitskräfte zu sparen. Von diesen Gewerbezweigen muß erwartet werden, daß sie selbstverständlich mit dazu verpflichtet sind, durch Einstellung von Arbeitern, sei es auch nur vorübergehend, der Volkswirtschaft zu dienen.
Handel und Gewerbe haben die selbstverständliche Verpflichtung, Gehilfen und Gesellen in dem Maße einzustellen, in dem Geschäftsbelebung eintritt. •
Es sind alle Parteigenossen aufgefordert, ein Augenmerk auf alle Unternehmen zu richten und darauf zu achten, daß Schwarzarbeiten unterbleiben, damit alle Arbeiten den Handwerk- und Gewerbetreibenden zugeleitet werden, damit auch diese wiederum in die Lage versetzt werden, Arbeiter einzustellen.
Firmen, welche schwarz arbeiten lassen, schädigen den gesunden Umlauf der Wirtschaft und den geordneten Aufbau. Verstöße dieser Art sind dem Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung, Frankfurt a. M., Elbestraße 611, zu melden, damit im Wiederholungsfälle die Schließung dieser Geschäfte durch SA. und SS. durchgeführt wird.
Llnser neuer Ponton.
Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" den Abdruck des großen vaterländischen Romans „Der Kurier der Freiheit" von Hans V i e tz k e beendet haben, beginnen wir in der vorliegenden Nummer mit der Veröffentlichung eines neuen Romanwerkes, das bei allen unseren Lesern und Leserinnen in Stadt und Land ungeteilten Beifall finden dürfte. Wir bringen diesmal wieder einen jener außerordentlich beliebten Gesellschaftsromane:
„Oer Weg in den neuen Tag" von Helma von Hellermann
heißt das Werk, mit dem wir unseren Lesern eine der geschätztesten deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen vorstellen, die sich mit ihren früher in Buchform erschienenen Romanen bereits eine stattliche Gemeinde begeisterter Anhänger geschaffen hat. Mit ihrem jüngsten Werk unter dem Titel „Der Weg in den neuen Tag" schlägt Helma von Hellermann die Brücke von einer großen - und schönen Vergangenheit über die ernste, von vielfältigen Sorgen, Problemen und Lebenskämpfen erfüllte Gegenwart in eine befreiende und glücflidje Zukunft.
Ein breit angelegter, aufwühlender Gesellschaftsroman aus unserer Zeit, dessen mitreißende Szenen durch alle Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins führen: die Schicksale der kleinen Gräfin Wettern, der die russische Revolution alles geraubt und nichts als das Leden gelassen hat, werden von Helma von Hellermann mit so packender Eindringlichkeit geschildert, daß jedermann in wirklicher Ergriffenheit der bunt und konfliktreich ausgesponne- nen Handlung von Fortsetzung zu Fortsetzung mit atemloser Spannung folgen wird. So sind wir gewiß, mit diesem neuen Roman jedem unserer Leser eine besonders willkommene Lektüre und eine wirklich genußreiche Unterhaltung zu bieten.
So kann man sich auch erholen!
Mußt du zusehen, wie deine Nachbarn ihre Wohnung zuschließen, den Kanarienvogel bei dir in Pen- sion geben und für ein paar Wochen an die See fahren? Bekommst du fröhliche Karten aus den Bergen, wo deine Freunde in Höhensonne und wundervollen Kletterpartien schwelgen, indessen du in der Stabt den Staub der sommerlich durchglühten Straßen schluckst?
Aergere dich nicht, mein Lieber, zieh während des Sommerurlaubs aus deiner Wohnung aus und übersiedle — auf den Balkon. Du hast tm Frühling mit weiser Voraussicht Feuerbohnen gepflanzt, die deinen Balkon mit einer grünroten Mauer umgeben. Wenn dann kein nachbarliches Auge mehr in dein Reich svähen kann, darfst du getroft im Badeanzug herausspazieren und „verreist spielen. Die Beine leckst du in einen Bottich mit Eiswasser, stellst dir Den Ventilator auf den Tisch und ein paar Flachen eisgekühlter Getränke daneben. Oder du chleppst den Liegestuhl heraus und läßt dich von der Sonne „schwarz^ brennen. Sie scheint genau so heiß und bräunend auf deinen Balkon wie auf den Oft- feejtranb, ober auf bie Abhänge bes Gebirges. Freue dich über deinen Balkon! Du kannst, wenn du auf die Feuerbohnen verzichten willst, einen kleinen bunten ©arten anlegen und nach Herzenslust pflanzen und gießen und jäten. Du kannst Schnüre kreuz und


