Ausgabe 
23.6.1933 Erstes Blatt
 
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alle Führer und Amtswalter der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Oesterreichs ihrer Aemter und entbinde alle Parteimitglieder ihrer bisherigen Verpflichtungen im Sinne der Vereinssatzungen. Die Bewegung aber lebt, und zwar nie so stirk wie in dieser Stunde. Der Kampf, der nun beginnt, wird sich auf jener Ebene bewegen, auf welche die Regierung Dollfuß selber ihn verwiesen hat und wird sich jener For­men und Mittel bedienen, die zur Erreichung des Zieles notwendig sind und geeignet erscheinen. Das Ziel ist der Sturz der Regierung Doll­fuß und die Befreiung Oesterreichs aus Den Händen des ehrvergessenen und oolksverräte» rischen Klüngels, der gegenwärtig im Dienste der Feinde des deutschen Volkes seine Gewaltherrschaft ausübt. Eine Regierung, die sich zum bezahl- ten Büttel erniedrigt, begibt sich jeden Anspruches auf eine moralische und rechtliche Wür­digung ihrer Taten. Eine Regierung, die selber unausgefetzt die Verfassung bricht, und nur daourch sich überhaupt am Leben erhält, hat das Recht verwirkt, ihre Gegner zur Achtung der Verfassung anzuhalten. Eine Regierung, die ihre eigenen Gesetze mit Füßen tritt, darf sich nicht beklagen, wenn das Volk jede Ach­tung vor dem Gesetz verliert und danach handelt. Die Organisation des Kampfes in seiner neuen Form ist in vollem Gange. In den nächsten Tagen bereits werden die Vorbereitungen beendet sein und die nötigen Bekanntmachungen erfolgen.

Schwere Ausschreitungen in Krems.

Anhänger der NSDAP, vogelfrei.

Wien, 22. Juni. (TU.) In Krems a. d. Donau ist es in der Nacht zu Donnerstag zu schweren Ruhe­störungen gekommen, die von Wehrmännern des Bundesheeres verübt wurden, denen sich auch frühere Angehörige des sozialdemokra­tisch ' republikanischen Schutzbundes angeschlossen hatten. Unter der Menge befand sich auch in Uniofrm der Major des Bundesheeres Zotti, der Führer der Kremser Ortsgruppe des unter christlich-sozialem Einfluß stehenden Wehr- bundes, der Standesorganisation der Wehrmänner. Die Menge versuchte, ein nationalsoziali- stisches Verkehrslokal zu {türmen, ein Gasthaus, dessen SchildZum Dritten Reich" schon seit einigen Tagen auf Anordnung der Bezirkshaupt­mannschaft verhängt sein muß. Ebenso wurde ein Sturm auf das Geschäft eines verhaf­teten SA.-Führers versucht. Die gegen die Demonstranten eingesetzte Gendarmerie erroies sich als zu schwach. Die Demonstranten sammelten sich wieder an anderen Stellen und überfielen Nationalsozialisten, die vielfach nieder- geschlagen und mit Füßen getreten wurden. Erst, als die Alarmkompanie der Garnison eingesetzt wurde, gelang es, die randalierenden Wehr- männer in die Kaserne zurückzudrängen.

In der Druckerei Faber in Krems, die eine Reihe verbreiteter und angesehener Lokalblätter her- ausgibt, ist eine Abteilung von 12 Mann Infanterie einquartiert worden. Die Kanzlei der Verlags­druckerei in S t. P ö l t e n ist versiegelt worden. Da­durch ist das Erscheinen der Blätter un­möglich gemocht, obwohl gegen sie ein Verbot nicht verhängt worden ist. Der journalistische Leiter und Mitbesitzers des Unternehmens, Dr. Herbert Faber, befindet sich seit der Polizeiaktion gegen die Nationalsozialisten im Wiener Landge­richt in Haft.

Lleberschreitmia der Notwehr."

Wien, 22. Juni. (WTB.) Nach zweitägiger Verhandlung wurde in Graz heute der Prozeß gegen den Techniker Karl Fischer, einen So­zialdemokraten, zu Ende geführt. Fischer hatte im Streit mit einer Klebekolonne einen 21 a» tionalsozialisten erschossen. Da die Geschworenen die Hauptfrage auf Tot­schlag verneinten, wurde Fischer nur wegen Heberschreitung der Notwehr zu der erstaunlich milden Strafe von fünf Monaten strengen Arrest mit drei Jahren Bewährungsfrist verurteilt.

Haussuchungen in der Pfalz.

Neustadt a. d. H., 22. Juni. (WSN.) Bei ver­schiedenen Mitgliedern der Bayerischen V o l ks° Partei wurden Haussuchungen gehalten, so u. a. bei der Kreisgeschäftsstelle der Partei und bei dem Reichstagsabgeordneten Geheimrat Dr. Bayers- d ö r f e r. Bei letzterem soll verschiedenes Material der Bayerischen Volkspartei-Korrespondenz b e - schlagnahmt worden sein, während wie man hört die Durchsuchungen bei der Kreisgeschäfts- stelle, die über zwei Stunden in Anspruch nahm, ergebnislos verlief. Auch in Landau wurden bei führenden Persönlichkeiten der Bayerischen Volks- Partei und des Zentrums sowie in den Ge­schäftsräumen desRheinpfälzers" Haussuchungen wegen vermuteter Beziehungen zu den Christlich-Sozialen Oester­reichs oorgenommen Der Vorsitzende der BVP. Landau, Studienrat Haas, wurde für die Dauer der Haussuchung festgenommen. Das beschlagnahmte Material wird zur Zeit gesichtet.

Oie Aktion gegen die SpO. in den Parlamenten.

Berlin, 23. Juni. (VDZ. Funkspruch.) In Aus­führung des Betätigungsverbotes gegen die SPD. ist die entsprechende Aktion im Reichstage, Preußi- schen Landtag und Preußischen Staatsrat eingeleitet worden. An sämtliche Sozialdemokraten sind in den genannten Häusern Aufforderungen ergangen, un­verzüglich ihre Freifahrtkarten zurückzu- senden. Die sofortige Diätensperre für die so­zialdemokratischen Abgeordneten bedeutet einen nicht unbeträchtlichen materiellen Gewinn für die Staats­kasse, der allein bei der sozialdemokratischen Reichs- tags- und preußischen Landtagsfraktion mit 1411200 Reichsmark im Jahre zu errechnen ist. Eine Anwei­sung der Präsidenten ist zu erwarten, wonach sozial­demokratische Abgeordnete die Pariamentsgebäude nicht mehr betreten dürfen.

Eine Ludwig-Müller-Spende der Deutschen Christen.

Berlin, 22. Juni. (TU.) Wie derZeitungs­dienst" mitteilt, hat der Reichsleiter der Glaubens- bewegung der Deutschen Christen D. Hassen- felber folgenden Aufruf erlassen: Der Wehrkreis- Pfarrer Müller feiert am 23. Juni seinen 50. Geburtstag. Ich weiß, daß ihm keine größere Freude bereitet werden kann, als daß man d i e Kampffront stärkt. Ich rufe daher alle Ge- finnungsfreunde auf, sich an einer Ludwig- Müller-Spende zu beteiligen und bitte Zah- lungen, die die Kampffront der Deutschen Christen stärken können, auf mein Postscheckkonto Berlin 154185 zu überweisen.

Der Ausnahmezustand über Krems

Doppelposten vor dem Gebäude derLandzeitung"in Krems, die verboten wurde

Berliner Blätter zum Betätigungsverbot für die GpO.

B e r l i n, 23. Ium. (CNB.l Eine ganze 2<eit»e von Zeitungen beschäftigt sich mit dem BetcUl- gungsverbot für die SPD. DerVölkische Beobachter" schreibt von einem wohlver­dienten Ende. Es habe sich klar gezeigt, daß das Auftreten der SPD. in Deutschland während der letzten Monate nichts anderes gewesen sei, als ein plumpes Täuschungsmanöver, das nur den wahren Charakter der SPD. verdun­keln sollte. Die Auflösung der SPD. werde vom ganzen Volk auch begrüßt werden als das Ende einer Partei, die vor der deutschen Geschichte sich eine ungeheuere Schuld aufgeladen habe. Die SPD. habe dem deutschen Volk gegenüber tausendfach bereits in der Vergangenheit chren landesverräterischen Charakter bewiesen, der als durch das Verhalten der SPD. in den letzten Wochen und Monaten erneut erwiesene Tatsache der Anlaß der heutigen Maßnahme geworden fei. Mit harter Energie bereite die Regierung allen Organisationen ein Ende, die nicht für, sondern gegen das Volk zu arbeiten versuchen.

DieD- A. Z." sagt, dieses klägliche Ende einer politischen Bewegung von einst zahlenmäßig ge­waltigen Umfanges hat sich mit unheim­licher Schnelligkeit vollzogen- Angesichts des katastrophalen Versagens der SPD- in den Zeiten ihrer höchsten Macht und ihrer schuld­haften Verstrickung mit den schwärzesten Tagen deutscher Geschichte wird das deutsche Volk, und zwar gerade auch die Arbeiterschaft, diese Entwicklung als den Prozeß histori­scher Vergeltung erkennen, den diefer<Ler- fall tatsächlich darstellt.

Die Börsenzeitung meint, es wäre un­verständlich gewesen, wenn man einer so schwer kompromittierten Clique wie den Restbeständen der SPD. auch nur einen Tag länger die Möglichkeit gelassen hätte, ihr lichtscheues Treiben auf Kosten der Steuerzahler zu finan­

zieren. Von heute ab bedeute der Begriffdeut­sche Sozialdemokratie" nur noch eine historische Erinnerung, wohl die häßlichste und unerfreu­lichste, die die deutsche Geschichte kenne.

Der Lokalanzeiger betont, daß mit die­ser völligen Lahmlegung der Sozialdemokratie in Deutschland Staat und Volk von einer doch im­merhin ernsten Gefahr endgültig befreit seien. Der Tag sagt, nie wieder soll der Marxismus auferstehen, er hat sich tief eingefressen im Den­ken unseres Volkes. Sorge jeder einzelne dafür, daß er auch die letzten Reste für immer austilge.

Der Börsenkurier führt aus: Unter eine 70jährige Geschichte ist das staatsrechtliche Siegel gesetzt. Die Sozialdemokratie, Erzeugnis der Ma­schinenkrisen wuchs in Bismarcks Reich wie ein Schicksal Schon vor dem Krieg kam sie auf 30 o. H. aller deutschen Wähler. Diese Mechanik setzte sich nach dem Kriege fort. Ohne Abschwächung, aber auch ohne Auftrieb. Die SPD. schrumpfte von innen. Selbst die äußeren Voraussetzungen ihres mechanischen Machttums entfielen allmählich. Sie blieb noch bis zuletzt eine an Zahl große Partei, aber sie war ausge­höhlt. Und als ihre Schicksalsstunde kam, zeigte sie sich keines W i d e r st a n d e s fähig.

Zeitungsverbote.

Das Geheime Staatspolizeiamt hat die Ber­liner TageszeitungDer Reichsbo t e" (Ta­geszeitung für das evangelische Deutschland) b i s zum 5. Iuli verboten, weil das Blatt bei der Behandlung der Judenfrage die Reichsregie­rung verächtlich gemacht hat. Ebenso hat das Geheime Staatspolizeiamt dieD'e u t s ch e Zei­tung" wegen des ArtikelsEine Richtigstellung im Falle Bismarck" in der heutigen Morgen­ausgabe biszum 3 0. Juni einschließlich verboten.

Der Industrie- und HandelM imAahnien des ständischenAuldaus derMrischast

Berlin, 22. Ium. (WTB.) Auf der Vollver­sammlung detz Deutschen Industrie- und Hcmdels- tages führte der neue Präsident Dr. von Renteien in einer Aussprache u. a. aus: Die In­dustrie- und Handelskammern verfügen über einen wertvollen Grundstock in der Beratung und Ver­tretung ihrer Mitglieder nach volkswirtschaftlichem Gesichtspunkt. Ihre Wirkungsmöglichkeiten müssen vermehrt und ihre Befugnisse müssen erwei­tert werden, um ihre vermittelnde und lenkende Tätigkeit innerhalb der Wirtschaft zu erhöhen. Die Kammern werden z u Brennpunkten der ständischen Selb st Verwaltung werden. Die Kammern sollen selbst beim ständischen Neubau m i t w i r k e n. Aus diesem Grunde ist von mir im Industrie- und Handelstag bereits ein Beirat für d e n ständischen Aufbau einberufen worden. Dieser Beirat wird in lebendiger Fühlung­nahme mit allen Kammern des Reiches die einzelnen Fragen des ständischen Aufbaues beschleunigt durch­zuberaten und einen entsprechenden Durchführungs- entwurs auszuarbeiten haben. Wir stehen vor einer ausgesprochenen Ueberorganifation in der deutschen Wirtschaft. Die Vereinfachung dieser Or­ganisationsformen ist eine absolute Notwendigkeit.

Das kostbarste Gut, über das die Volkswirt­schaft verfügt, und das größte Aktivum eines jeden Betriebes ist die Arbeitskraft und die Arbeitslust der dort Tätigen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß der natio­nalsozialistische Wirtschaftsneubau auf dem Fundament dieses Respektes vor der Arbeit und dieser kameradschaftlichen Verbundenheit sich vollziehen wird. Jeder in der Wirtschaft Stehende vom größten Unter­nehmer bis zum jüngsten Stift, vom jugendlichsten Arbeiter bis zum ältesten und erfahrensten Werkmeister, ist ein notwendiges Rad im Getriebe der Wirtschaft. Cs ist eine selbstverständliche Konsequenz dieser Arbeitsver­bundenheit, daß die Arbeiter und Ange­stellten, ebenso wie die Betriebsunter­nehmer, ihre Vertretung im ständischen Auf­bau und damit in den Kammern finden. Richt unerwähnt möchte ich die Bedeutung der Frau im Wirtschaftsleben lassen. Nahe­zu drei Viertel des deutschen Volkseinkommens geht durch die Hände der deutschen Frau. Ich möchte daher anregen, daß die Kammern schon

heute eine engere Verbindung mit den Frauen-, insbesondere den Hausfraüenverbänden aufnehmen.

Staatssekretär Dr. Claußen überbrachte die Grüße der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung. Alsdann sprach der Reichskom­missar für die deutsche Wirtschaft, Dr. Wage- n e r . Man wolle auch Handwerk, Land- wirtschaftunddiefreienBerufeindie Wirtschaftskammern einbeziehen, um so eine Er­weiterung der Zusammenarbeit auf alle Kreise des deutschen Wirtschaftslebens zu schaffen. Die Industrie- und Handelskammern hätten die Auf­gabe, dafür zu sorgen, daß draußen im Lande der Gedanke dieser Zusammenfassung Verständnis finde. Auch die Angestellten und Arbei­ter müßten in die Kammern eingeführt werden. Die Wirtschaft habe die hohe Aufgabe, alles das zu produzieren, was das deutsche Volk braucht, das Leben des Volkes zu ermöglichen. Man stehe jetzt vor der schweren Arbeit, dem deutschen Volk Arbeit zu schaffen. Hierzu feien zur Zeit noch nicht alle Mittel in Bewegung gesetzt. Die Präsidenten der Handelskammern mühten in ihrem Kreise an diesem Ziele mitwirken. Haupt­geschäftsführer Dr. Hilland erklärte zum Schluß: Hm seinen Aufgaben als Spihenorganisation der Deutschen Industrie- und Handelskammern gerecht zu werden, wird sich in Zukunft die Notwendigkeit ergeben, den Industrie- und Handelstag selbst noch fester zu fügen als bisher. Nur wenn der Industrie- und Handelstag eine Zwangsorganisation ist, die alle Han­delskammern fest zusammenschließt, ist ein außer der Reihetanzen nicht möglich und kann ein Ge­geneinanderarbeiten vermieden werden.

Kleine politische Nachrichten.

Wie amtlich mitgeteilt wird, entbehren die Gerüchte über eine in nächster Zeit angeblich bevorstehende Auflösung der Reichs­anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung jeder Grund­lage. Heber die künftige Gestaltung der Ar­beitslosenhilfe in sachlicher und organisatorischer Beziehung hat die Reichsregierung noch kei­ne rlei Entschließungen gefaßt.

Aus Der Provinzialhauptstavt.

Generalangriff

auf das Ooppelverdienertum!

Unter dieser Heberschrift veröffentlicht Reichs­statthalter und Gauleiter Sprenger folgenden Aufruf:

Die nationale Revolution schreitet unentwegt weiter und fordert Gerechtigkeit.

Alle Partei- und Volksgenossen, SA-- und SS.-Kameraden find hiermit aufgefordert und verpflichtet, die Doppelverdiener zu ermitteln. Der Kampf beginnt sofort. Meldungen müssen von den Ortsgruppen geprüft, gesammelt und umgehend über die Kreise dem Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung, Frankfurt a. M., Elbestr. 61, eingereicht werden. Die Angaben müssen ent­halten:

Name, Beruf, Wohnort, Beschäftigungsstelle, ungefähres Einkommen des Doppelverdieners. Genaue Angaben sind erforderlich. Doppelver­diener find:

a) Beamte der Kommunal-, Landes-, Staats­behörden bzw. Verwaltungen, wenn diese neben der beruflichen Tätigkeit noch Neben­arbeiten verrichten, sich weitere Einkommen sichern und dadurch andere Volksgenossen schädigen, da Beamten seitens der Behörden grundsätzlich Nebenbeschäftigung verboten ist.

b) Angestellte und Arbeiter der freien Berufe, welche durch weitere Arbeiten nebenberuflich Erwerbslosen das Brot nehmen oder auf diese Weise deren Einstellung in den Wirtschafts- prozeß erschweren.

c) Eheleute, die beide arbeiten, soweit dies nicht aus Not geschieht und das Gesamteinkommen unter Berücksichtigung individueller Verhält­nisse der Arbeitenden das Einkommen eines mittleren Angestellten nicht Übersteigt.

Behörden und Unternehmungen, welche dem Dop- peloerdienertum Vorschub leisten, verstoßen gegen Grundsätze der nationalsozialistischen Revolution und schädigen den Wiederaufbau.

Die freien Wirtschaftsunternehmer werden hiermit aufgefordert, sofort den Bestand ihres Personals im obigen Sinne nachzuprüfen und entsprechende Aenoerungen vorzunehmen.

Bei dem Bau-, Maler-, Weißbinder- und Schreinergewerbe wird die Feststellung gemacht, daß Arbeiten mit geradezu auffallend geringem Personalstand durchgesührt werden, um Arbeits­kräfte zu sparen. Von diesen Gewerbezweigen muß erwartet werden, daß sie selbstverständlich mit dazu verpflichtet sind, durch Einstellung von Arbeitern, sei es auch nur vorübergehend, der Volkswirtschaft zu dienen.

Handel und Gewerbe haben die selbstverständ­liche Verpflichtung, Gehilfen und Gesellen in dem Maße einzustellen, in dem Geschäftsbelebung eintritt.

Es sind alle Parteigenossen aufgefordert, ein Augenmerk auf alle Unternehmen zu richten und darauf zu achten, daß Schwarzarbeiten unterbleiben, damit alle Arbeiten den Handwerk- und Gewerbe­treibenden zugeleitet werden, damit auch diese wie­derum in die Lage versetzt werden, Arbeiter einzu­stellen.

Firmen, welche schwarz arbeiten lassen, schädigen den gesunden Umlauf der Wirtschaft und den geord­neten Aufbau. Verstöße dieser Art sind dem Kon­trollamt für Arbeitsbeschaffung, Frankfurt a. M., Elbestraße 611, zu melden, damit im Wieder­holungsfälle die Schließung dieser Geschäfte durch SA. und SS. durchgeführt wird.

Llnser neuer Ponton.

Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers" den Abdruck des großen vaterländischen RomansDer Kurier der Freiheit" von Hans V i e tz k e beendet haben, beginnen wir in der vorliegenden Nummer mit der Veröffent­lichung eines neuen Romanwerkes, das bei allen unseren Lesern und Leserinnen in Stadt und Land ungeteilten Beifall finden dürfte. Wir bringen dies­mal wieder einen jener außerordentlich beliebten Gesellschaftsromane:

Oer Weg in den neuen Tag" von Helma von Hellermann

heißt das Werk, mit dem wir unseren Lesern eine der geschätztesten deutschen Unterhaltungsschriftstelle­rinnen vorstellen, die sich mit ihren früher in Buch­form erschienenen Romanen bereits eine stattliche Gemeinde begeisterter Anhänger geschaffen hat. Mit ihrem jüngsten Werk unter dem TitelDer Weg in den neuen Tag" schlägt Helma von Hellermann die Brücke von einer großen - und schönen Ver­gangenheit über die ernste, von vielfältigen Sor­gen, Problemen und Lebenskämpfen erfüllte Gegen­wart in eine befreiende und glücflidje Zukunft.

Ein breit angelegter, aufwühlender Gesellschafts­roman aus unserer Zeit, dessen mitreißende Szenen durch alle Höhen und Tiefen des menschlichen Da­seins führen: die Schicksale der kleinen Gräfin Wet­tern, der die russische Revolution alles geraubt und nichts als das Leden gelassen hat, werden von Helma von Hellermann mit so packender Eindring­lichkeit geschildert, daß jedermann in wirklicher Er­griffenheit der bunt und konfliktreich ausgesponne- nen Handlung von Fortsetzung zu Fortsetzung mit atemloser Spannung folgen wird. So sind wir ge­wiß, mit diesem neuen Roman jedem unserer Leser eine besonders willkommene Lektüre und eine wirk­lich genußreiche Unterhaltung zu bieten.

So kann man sich auch erholen!

Mußt du zusehen, wie deine Nachbarn ihre Woh­nung zuschließen, den Kanarienvogel bei dir in Pen- sion geben und für ein paar Wochen an die See fahren? Bekommst du fröhliche Karten aus den Bergen, wo deine Freunde in Höhensonne und wun­dervollen Kletterpartien schwelgen, indessen du in der Stabt den Staub der sommerlich durchglühten Straßen schluckst?

Aergere dich nicht, mein Lieber, zieh während des Sommerurlaubs aus deiner Wohnung aus und übersiedle auf den Balkon. Du hast tm Frühling mit weiser Voraussicht Feuerbohnen gepflanzt, die deinen Balkon mit einer grünroten Mauer umgeben. Wenn dann kein nachbarliches Auge mehr in dein Reich svähen kann, darfst du getroft im Badeanzug herausspazieren undverreist spielen. Die Beine leckst du in einen Bottich mit Eiswasser, stellst dir Den Ventilator auf den Tisch und ein paar Fla­chen eisgekühlter Getränke daneben. Oder du chleppst den Liegestuhl heraus und läßt dich von der Sonneschwarz^ brennen. Sie scheint genau so heiß und bräunend auf deinen Balkon wie auf den Oft- feejtranb, ober auf bie Abhänge bes Gebirges. Freue dich über deinen Balkon! Du kannst, wenn du auf die Feuerbohnen verzichten willst, einen kleinen bun­ten ©arten anlegen und nach Herzenslust pflanzen und gießen und jäten. Du kannst Schnüre kreuz und