Genossenschaststaglmg in Vad-Aauheim.
Verschmelzung dreier Revisionsverbände. — Für Berufung Dr. Wageners zum ^eichswirifchastsminister.
WSV. Bad-Rauheim, 21. Mai. Der ® e nossens chaftszwectver band Hessen- Mittelrhein, in dem die drei RcvlswnS- verbände Wiesbaden. Kassel und Darmstadt zu einer Revisionsgemcinschaft zusammengeschlossen sind, die rund 200 Kredit-, Waren» und Bau- genvssenschasten umfaßt, hielt Freitag und Samstag hier seinen dritten DerbandStag ab. In den ordentlichen Generalversammlungen der drei Verbände am Freitagvormittag wurde die endgültige Verschmelzung zu einem einheitlichen Verbände .Genossenschaftsverband Hessen-Mittelrhein (Schulze Delitzsch) e. V." mit dem Sitz in Wiesbaden beschlossen. Zum geschäftssührenden Vorstandsmitglied des Gesamtverbandes wurde Derbandsdircktor Frankenbach. Wiesbaden, gewählt. Stellvertreter wurden die Direktoren Let schert, Kassel, Raiß, Groß-Gerau, und Laux. Limburg.
Vach einem Vegrüßungsabend am Freitag begannen Gamstagmorgen im großen Bühnensaal des Kurhauses die Hauptverhandlungen. Der- bandsdirektor Frankenbach gab zunächst Kenntnis von einer Entschließung der Anwaltschaft und des Ausschusses des Deutschen Genossenschaf tS-Verbandes, wonach
die gewerblichen Genossenschaften sich geschlossen hinter die Regierung stellen und sich eins wissen mit den wirtschaftspolitischen Aufgaben de» Staates, wie sie Hitler in seiner Erklärung vom
1. TNai umrissen hat.
Der Derbandstag stimmte der Entschließung zu. Vach Begrühungsworten der behördlichen Vertreter überbrachte der Präsident des Rcichsver- bandes des deutschen Handwerks, preußischer Landtagsabgeordneter Schmidt (Wiesbaden), die Grüße des Reichsverbandes, wobei er betonte, bei dem berufsständischen Aufbau des Staates werde auch den Genossenschaften der ihnen ge- bührende Platz eingeräumt werden. Professor Dr. Schmidt vom Institut für Genossenschaftswesen an der Llniversität Frankfurt a. M. wies u. a. auf die gleichen Ziele hin. die die genossenschaftlich« Bewegung und die nationale Regierung verfolgen.
3m Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat von Dr. Lang. Berlin, dem Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes, über das Thema: „Wirtschaftliche Lage und Stellung der Genossenschaften im nationalen Staat". Der Redner gab dabei der Ansicht Ausdruck, daß eine der Hauptursachen der jetzigen wirtschaftlichen Krisenzeiten der ungeheure Zinsendienst sei, und daß die von Hugenberg geplante Entschuldung für die Landwirtschaft auf das schärfste abgelehnt werden müsse, weil es sich um die einseitige Bevorzugung eines Berufsstandes cchne Rücksicht auf die andern Berufe handele.
Line Entschuldung könne nur gleichmäßig für die gefamte Wirtschaft vorgenommen werden. Durch das Zinsproblem allein könne jedoch die wirtschaftliche Krise nicht beendet werden, es sei auch notweudig, von der ungeheuren Schuldenlast dem Ausland gegenüber herunterzukommen.
Die Genossenschaften selbst bezeichnete der Redner als nationalwirtschaftliche Einrichtungen von allergrößter Bedeutung, was er auf Grund eines Lieberblicks über die Entwicklung des Schulze- Delitzsch'schen Genossenschaftswesens näher erläuterte.
Anschließend sprach Direktor K o r t h a u s, Berlin. Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes. über Schulze-Delitzsch und sein Werk, wobei er ein interessantes Lebensbild des Schöpfers des Genossenschaftswesens, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum 50 Wale jährte, entwarf.
Es wurde beschlossen, an den Reichspräsidenten, uen Reichskanzler und den preußischen Ministerpräsidenten folgende Telegramme zu senden:
„Der Genossenschaftsverband Hessen - Mittelrhein, Sitz Wiesbaden, begrüßt auf einer zu Bad-Rauheim stattgefundenen Tagung, die von etwa 400 Genossenschaftlern besucht ist. die wirtschaftspolitischen Verordnungen des Reichskommissars für die Wirtschaft. Dr. W a g e n e r, und bittet um seine Berufung zur Führung der Wirtschaft im Reiche, sowie ferner des Herrn von Rcnteln zur Führung der Wirtschaft in Preußen "
Aus der Vrovinzialhauptstadt.
Am 26. Mai
Flaggen aus Vollmast in Hessen.
WSN. Ministerpräsident Dr. Werner erläßt folgende Bekanntmachung:
Zur Ehrung von Leo Sch läge ter setzen am Freitag, dem 26. Mai, aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Tages, an dem dieser deutsche Held fein Leben für die Befreiung der Nheinlande geopfert hat, sämtliche staatlichen und gemeindlichen Behörden die schwarzweißrote Flagge und die Hakenkreuzfahne auf V o l l m a st.
Verbot marxistischer Organisationen in Hessen.
WSV. Der Staatslommisfar für das Polizeiwesen Dr. Best erläßt folgendes Verbot:
Aüf Grund des Paragraphen 1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 werden folgende marxistische Organisationen mit sofortiger Wirkung verboten und aufgelöst: Kommunistische Frauenbewegung, Kommunistische Baucrnorganisation. Volkshilfe mit Bestattungsfürsorge 3nteressengemeinschaft für Arbeiterkultur. Antifaschistische Garde, Gemeinschaft proletarischer Freidenker Deutschlands, sowie Serbest alter der Gemeinschaft proletarischer iDenier Deutschlands, Sozialistischer Iugend- band. Sozialistische Arbeiter-Jugend. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde (Rote Falken). Deutscher Arbeiter-Schachbund, Deutscher Arbeiter-Keglerbund, Arbeiter-Schüyenbund.
Wer sich an einer der aufgelösten Organisationen als Mitglied beteiligt, oder sie auf andere Weise unterstützt, oder den organisatorischen Zusammenhalt weiter aufrechterhält, wird nach § 4 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutz von Volt und Staat vom 28. Febr. 1933 bestraft.
Das Vermögen der aufgelösten Orgayfationen wird zugunsten des Landes beschlagnahmt und ein» gezogen.
Oie Entwicklung der Butterpreise.
Zu der stellenweise entstandenen Vervosität über die Entwicklung der Butterpreise wird vom Bureau des Preisüberwachungskommissars darauf hingewiesen. daß bei einer Votierung von 1.20 Mk. für das Pfund Butter im Großhandel die Gestehungskosten des Einzelhandels vor der Berechnung des Gewinnzuschloges, d. h. Verpackung. Trairsport. Versicherung usw., zehn Pfennige betragen. Der Preisüberwachungskom» missar rechnet dazu mit einer Verdienstspanne von 12 bis 14 Prozent. Das würde einen Gesamt» preis im Einzelhandel von 1,45 bis 1,5 0 Mk. bedeuten. Schon vor 14 Tagen hat der Reichskommissar für Preisüberwachung in einem Rundschreiben an die Länderregierungcn daraus hingewiesen. daß ungerechtfertigten Preissteigerungen entgegengetreten werden muh und vor allem keine Erhöhung der Derdienstspanne zugelassen werden darf.
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•* Heimatvereinigung Schiffen- berg. Unter dem Vorsitz von Kaufmann W e i- d i g. Gießen, fand am Samstagnachmittag im Heimatfoal des Schisfenbcrgs eine Sitzung des Festausschusses statt, die sich mit der Ausgestaltung des „Festes der Jugend", das am 18. Iuni auf dem Schiffenberg gefeiert werden soll, befaßte. Vach gemeinsamem Marsch aller Kinder zum Hof des Echiffenberg wird zunächst ein Massenchor der Schüler der um den Schiffenberg liegenden Ortschaften vorgetragen. Die anschließende Festansprache hat der Vorsitzende der Heimatvereinigung. Oberforstmeister V i c o l a u s . übernommen. Vach einem weiteren Massenchor und dem von den Mädchenchören Hausen und Klein-Linden dorgetragenen „Echiffenberglied" werden sich die einzelnen Schulen und Jugendbünde an Einzeldarbietungen mit Reigen, Tän
zen. Freiübungen. Bodenturnen und Ehorgesang beteiligen Sämtliche am Fest teilnehmenden Kinder werden gegen Unfall versichert. Zum Ordnungsdienst sollen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Watzenborn-Steinberg und zum Sanitätsdienst die dortige Sanitätskolonne gebeten werden. Man rechnet bei günstigem Wetter mit einem Besuch von 2500 bis 3000 Personen.
•• Bezirks-Lehrerverein Gießen- Land. Der Bezirk Gieheir-Land des Rational- sozialistischen Lehrerbundes hielt am Eamstag- nachmittag im Hotel Köhler seine erste Versamm- lung ab. Lehrer Siegfried, Großen-Linden, der Führer des Ve 's. begrüßte zunächst die stark besuchte Dersan. :ng und führte dann u. a. aus, daß der demokratische Staat mit seinen Fehlern und Schwächen nun durch einen starken nationalen Staat abgelöst worden sei. Wir hätten auch die Erstarkung des Reiches im 3nnem durch eine Reichsresorm erleben dürfen, ohne daß große Verhandlungen nötig gewesen seien. Der größte Fehler der Verfassung von Weimar sei gewesen, daß man glaubte, Gott im Staatsregiment ausschalten zu können. Der Geist von Potsdam verlange Pfiichtbewußtsein, Ordnung und Sauberkeit: wir müßten diesem Geist, dem Geist eines Friedrichs des Großen und eines Fichte, folgen durch Vot und Tod zum Sieg. Anschließend an seine Ausführungen nahm der Vorsitzende noch Anmeldungen zum VSLB. entgegen und gab bekannt, daß trie Lehrer in einzelnen Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Bezirke zur Mitarbeit aufgefordert werden. Der Besuch der an jedem dritten Samstag im Monat stattfindenden Bezirksversammlung sei Pflicht aller Mitglieder. Den Lehrern ständen in der Betreuung der Dienstpflichtigen in den Arbeitslagern neue Aufgaben bevor. 3n der Geschichte mühten diesen jungen Menschen unsere großen. Männer als Vorbilder gezeigt werden, ferner müßten sie in politischer Gegenwartskunde die Ereignisse unserer Zeit, Rüstungsfragen der Gegenwart und ähnliche Gebiete kennen lernen; im Gesang seien die Dienstpflichtigen mit unfern alten Volks- und Soldatenliedern vertraut zu machen. Die beamtenpolitische Vertretung im Beamtenbund erfolge durch ein Drei-Männerkollegium. Für die Lesestunde in unseren Schulen seien bei Mangel an geeignetem Material Lesebogen, vom VSLD. bearbeitet, zu verwenden. Die 2Jitglicbfd)aft beim Hessischen Tierschutzverein sei allen Lehrern warm empfohlen. Mit dem Gesang des Horst-Wessel» Liedes wurde die erste Versammlung des Bezirksvereins geschlossen.
Eine Diebesbande onsgehoben.
WSN. Mainz, 22. Mai. Die Kriminalpolizei machte heute nähere Mitteilungen über die erfolgreiche Aushebung einer vielköpfigen Diebes- und Näuberbanüe in Mainz. Danach sind bis jetzt acht Personen festgenommen worden, und zwar der Schreiner Eugen Greul, der Kaufmann Martin Gnad, der Händler Heinrich Schneiders, der Arbeiter Rudolf Anfpach, sämtlich aus Main^, ferner der Metzger Johann Eifler aus Mainz- Koftheim, der Schleifer Johannes Karl Roßtäuscher aus Frankfurt a. Tt., der Kutscher Wilhelm Behrens, genannt „Roter Fritz", aus Frankfurt a. M. und der Arbeiter Martin Bien aus Frankfurt-Sostenheim. Das Diebesgut ist in einem Raum des Polizeiamts auf gebaut, mit dessen zahlreichen Beständen man beinahe ein Warenhaus eröffnen könnte. Hunderte Paare Schuhe und Reitstiefel, Schreibmaschinen, Fahrräder, Radioapparate, Lebensmittel von der Dauerwurst bis zum Schweineschmalz, Liköre und Schnäpse aller Art — jetzt allerdings meist leergetrunkene Flaschen —, Kleidungsstücke und Stoffe. Waffen und Werkzeuge und viele andere Gegenstände im Wert von tausenden von Mark waren von der Bande in der Zeit von Mitte Dezember bisMitte Mai erbeutet worden. Das Hau^t der Bande, Gnad, hatte sich eben mit feiner Familie fertig- gemacht, um Mainz zu verlassen, als die Polizei
zugriff. Der Händler Schneiders stellte fein Auto, das er gekauft, aber nicht bezahlt hatte, zum Trans- pari der Diebesbeute zur Verfügung. Er ließ es nachts auf der Straße stehen, um nicht in der Ga rage aufzufallen, wenn er den Wagen zu außerge- »ähnlichen Zeiten herausholen würde. Die Einbrüche wurden in der Regel in der Zeit von 3 bis 5 Uhr morgens verübt. Die Einbrecher gingen in der Weife vor, daß sie die Türen durch das Herausbohren des Schlosses öffneten und zunächst die
elektrischen Leitungen durchschnitten, um sich vor Ueberraschungen zu sichern. Sie waren bei ihrer „Arbeit" ftets mit Revolvern und P i st o » len bewaffnet. Alle Personen, die von den genannten acht Feftgenommenen etwas gekauft haben, wollen sich bei der Kriminalpolizei Mainz oder bei der nächsten Polizeistelle melden, da sie sonst sich der Gefahr aussegen, sich der Hehlerei schuldig zu machen. Zuwiderhandlungen werden nachdrücklichst verfolgt werden.
Spuk im Pergamon-Museum.
Unpolitischer Brief aus der Heichshauptstadt.
Don Max Lenz.
2n diesen Tagen beginnt im Pergamon- Museum in Berlin die Aufführung der Gluckschen „Iphigenie in Aulis". Seit Wochen finden vor dem großen Pergamon- Altar die Proben statt.
Es ist später Abend. Die MuseumSinsel liegt im tiefsten Dunkel. Rieselnder Regen läßt die wenigen dort ausgestellten Straßenlampen noch düsterer erscheinen. Größte Ruhe herrscht. Ader plötzllch wird es lebendig: zahlreiche Menschen verschwinden durch eine Vebenpsortc, gehen hinter dem Gebäude der Alten 'ilationalga- lerie vorbei und stehen auf einmal vor einer hell erleuchteten Treppe, dem Ausgang zum Pergamon-Altar.
Die Museumsbesucher haben, wie an jedem Tag, schon am frühen Vachmittag das Feld räumen müssen. In der Zwischenzeit wurde der Altarsaal Bertoanbelt: in das Sinnbild klassischen Griechentums drang die Gegenwart ein und krempelte alles um. Der Boden wurde mit einem roten Teppich belegt. An den Wänden spannte man Dutzende von Metern weihen Stoffes auf — zur Besserung der Tonwiedergabe. Etwa siebenhundert Stühle wurden in Reih und Glied gebracht: sie sind für die Besucher der Vorstellung von „Iphigenie in Aulis" bestimmt. Am Fuße des Altars ist eine kleine Erhöhung gebaut Dort nehmen die Musiker Platz. Am Pult des Kapellmeisters erkennt man bald ©lernend Schmalstich (später kommt Max von Schillings hinzu).
In der Mitte der sonst frei liegenden Stufen ist ein kleiner Vorbau errichtet. Gr stört gar nicht und fällt vielleicht nicht einmal als fremd auf — wenn man nicht eben durch einen Zufall darin verborgen den Zusprecher merkte. In den Veben- räumen wimmelt es von Sprechenden; es dauert nicht lange, dann treten daraus die Mitwirkenden hervor.
Seltsame Stimmung kommt auf. Man erblickt Griechenknaben und Griechenmädchen, doch wie sehen sie aus! Oreft — fein Varne wird bald ins Ohr gesungen — zum Beispiel trägt unter seinem Panzer ein Oberhemd aus unseren Tagen aufgestülpt. Aus der Schule wissen wir noch, daß die Alten ihre Beine nicht bedeckten oder höchstens durch ein blech artiges Beinkleid schützten; dieser hier hat aber gebügelte Hosen an und Schuhe wie jeder andere Mensch aus unseren Tagen, sogar mit Gamaschen darüber. Andere gehen panzerNirrend umher; auf ihrem Kopf tragen sie einen Helm mit einem blauweißen Schweif ( ob es Bayern sind?), einige haben sich auch mit Schweifen in anderen deutschen Landesfarben geschmückt. Woraus man ersieht, daß es die
Griechen auch nicht besser gemacht haben als wir. Wenn man die Jünglinge auf den Stufen und den Umgängen des Altars nicht braucht, treten sie zur Seite und öffnen ihre Butterbrotpakete.
Welche Verwandlung ist dagegen erst mit den Frauen vor sich gegangen! Von hinten erblickt man sie in Pelzen und Mänteln, deren Herkunft durchaus nicht griechisch ist. Aber ihr Antlitz zieren Locken, ein heutzutage ungewohnter Anblick. Sie legen die Lieberkleider ab und stehen nun in wallenden Gewändern da. In den Händen haben sie Zithern und Schalmeien, sie tanzen und bewegen sich und singen auch manchmal, je nach dem, wie es ihnen die Oper Glucks (in der Bearbeitung Richard Wagners) vorschreibk, beziehungsweise die Spielleiterin Frau Erna Sonera anordnet. Sie sind „Volk".
Die Musik spiekr — und oft gibt es kleine, bei Proben unausbleibliche Meinungsverfchiedenhei- tcn. Aus den Stufen des Altars entwickelt sich die Tragödie der Iphigenie — aber sie hat ja ein „happy end“ Die Göttin verzeiht und verzichtet auf ihr Opfer; in Frieden können Bruder und Schwester davonziehen.
„Happy end“: stimmt, wir sind ja in der Gegenwart. Rings im Raum sind die aus den Filmhallen so wohl bekannten Jupiterlampen — Jupiter bei Iphigenie?, wie sinnreich -- ausgerüstet, bereit, ihr starkes Licht aus den Altar au ergießen. Immer wieder, wenn man den Blick dorthin wendet, beobachtet man seltsame Vorgänge. Unter den nach griechischer Art gekleideten Männern und Frauen taucht auch einmal eine Dame in Rot auf; Kleid und Hut bestimmt Erzeugnisse heutiger Modistinnen. Sie singt, daß wir aufhorchen und uns an die Zeiten erinnern, wo wir im einstigen Kaiserlichen Opernhaus Unter den Linden ihr zujubelten, es ist Erna D e n e r a, die auf der Probe für Margarete Arndt-Ober einspringen muß.
Reben uns steht ein Mann mit einem listig- spitzbübischen Gesicht. Er könnte einem Shakespeare-Lustspiel entstammen. Was will er hier? Seine Kleidung sticht ebenfalls von unserer ab kein Wunder: er ist der Vachtwächter des Pergamon-Saales, sicher zu dieser Stunde nicht derartigen Lebens am heiligen Altar gewöhnt.
Wenn sie unbeschäftigt sind, gehen die alten Griechen umher und sehen sich die Postkarten vom Museum an; es stört niemanden, daß die „Dekoration" nicht fertig ist; und sie wird es nie werden. Der Pergamon-Altar hat gelitten, man muß ihn so nehmen, wie er uns überliefert ist — in seiner Schönheit diesmal noch unterstrichen durch die Vorgänge auf seinen Stufen...
Schach-Ecke.
Problem Nr. 343.
Don E. R. von Frankenstein, London.
Weiß 8 Steine: Kf8; Del; La2; Sd6; Bc3, d5, i3, g5.
Schwarz 5 Steine: Ke5; Lg6; Beb, d7, f4. Weiß zieht und fetzt in drei Zügen matt.
Problem Nr. 344.
Don ft. Leih, Steinbrück.
Weiß 7 Steine: Kh2; Db5; Se7; Bc2, d3, g4, h3. Schwarz 8 Steine: K14; Tab; La8; Bd7, e3, e5, ö, g5.
Weiß zieht und fetzt in zwei Zügen matt
Partie Nr. 246.
Diener Partie.
Im Bayerischen Meisterturnier zu München, Juli 1932 gespielt.
weiß: Dr. St.
Schwarz: Dr. T.
1. e2 — e4, e7 — e5. 2. S bl — c3, Sg8 — 16. 3. f2 — k4. (Einen nachhaltigen Angriff gewährt hier die alte Fortsetzung 3. g3, nebst 4. Lg2, 5. Se2 usw.) 3.___, d7 — d5. 4. t4 X e5, St6 X e4.
5. Ddl — l3, Sb8 — c6. 6. Lfl — b5. (Falls sofort 6 S X e4 so erst 6. ..., Sd4!) 6. ..Se4 X c3. 7. b2 X c3, Dd8 - h4 +. 8. g2 — g3, Dh4 — e4 +. 9. Df3 X e4, d5 X e4. 10. Lb5 X c6 +, b7 X cti. 11. Sgl — e2, Lf8 — e7. (Schwarz plant ein wohldurchdächtes Bauernopfer, nämlich: 12. Tfl, 0 — 0. 13. Tf4, 16! usw.) 12. Se2 — d4, Lc8 — d7. 13. Tal — bl, 0 — 0. 14. ThI — fl. (Die weiße Stellung krankt an der exponierten Königsstellung, den Besitz der b-Linie muß Weiß bald an den Nachziehenden abtreten.) 14. ..., Ta8 — b8. 15. Tbl X b8. Tf8 X b8. 16. Sd4 — b3, Tb8 — b5. 17. Tc3 — c4, Tb5 X e5. 18. Lei — b2. Te5 — h5. 19. Tfl — f2, Ld7 — e6. 20. Sb3 — d4, Le6 X c4. 21. Sd4 X cb, Le7 — d6. 22. Tf2 - g2. (Um der hübschen Drohung 22. ..., L X g3! 23. h X g3, Thl + nebst matt, zu begegnen.) 22. .... Th5 — b5. 23. Lb2 — d4, e4 — e3! (Der Entscheidungszug, der die Partie auf hübsche Art beschließt) 24. d2 X e3. (Es drohte Matt auf bl.) 24. .. ., Fb5 — bl +. 25. Kel — d2. Lc4 — d5. 26. Tg2 — f2, Ld5 X cb. (Aufgegeben.)
Lösung des Problems 7lr. 341.
L.N. de Pong.
1. Dhl — dl!, Kb5 — c6. 2. Ddl X d5 +!, beliebig. 3. Lg4 — 13 oder — d7 matt.
1.....Kb5 — a6. 2. Ddl X b3, beliebig. 3. Lg4
— e2 oder Db3 X c4 matt
1.....Kb5 X a4. 2. Ddl X d5, beliebig. 3. Lg4
— d7 matt.
1. ..., g5 — d4. 2. Ddl X d4 ufro.
Lösung des Problems 342.
C. Dun Ham.
1. Lc5 — a7! usw. , . ,
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.
Falsch geraten.
Der berühmte Mediziner Robert Koch war eines Tages eifrig in feinem neuen Laboratorium im neuen Hygienischen Institut beschäftigt. Um ihn herum standen olle möglichen Retorten und Gläser mit cherniscken und bakteriologischen Präparaten. Da erhielt Koch den Besuch eines befreundeten Kollegen aus dem Auslände, der seine Arbeit mit regem Interesse verfolgte. Kochs Aufmerksamkeit war besonders auf ein Gefäß gerichtet, das ganz in Dampf und Rauch gehüllt war.
„Raten Sie, was ich in diesem Tops koche", sagte Koch.
Der Gast fing an, die ganze Skala der Mikroorganismen aufzuzählen: .Kugelbakterien?"
„Nein."
„Kettenkokken?"
„Nein."
„Spirochäten?"
„Nein."
„Dann kann ich es nicht erraten."
„Würft che n , lautete die Antwort.
Der Hund.
„Sagen Sie mal, was ist das eigentlich für ein Hund? Ist das ein Rattenfänger oder ein Affenpinscher?"
„Weiß auch nicht genau. Ratten fängt er, ob er auch Affen pinscht, kann ich nicht sogen."
kaum.
In dos Lazarett wird ein Mann eingeliefert, der bei einem Zusammenstoß zwischen einer Bierfuhre und einem Mietauto schwer verletzt worden ist. Der schuldige Ehausfeur wird in Haft genommen, die Staatsanwaltschaft nimmt sich der Sache an. Arn folgenden Tag ruft der die Angelegenheit bearbeitende Staatsanwalt bei dem Lazarett an und teilt mit, daß die Sektion der Leiche auf nachmittags fünf Uhr anberaumt fei. Der Chefarzt wogt zu widersprechen:
„Herr Staatsanwalt, ich glaube kaum, daß sich das machen läßt — der Mann ist nämlich noch gar nicht töt!"
IJlufifer.
Hans von Bülow, wahrscheinlich der bissigste aller Musiker, die bisher gelebt haben, sagte einmal zu einer jungen Dame, die ihm soeben am Flügel oorgefpielt hatte: „Sie sollten an bet Nahmaschine arbeiten, gnädiges Fräulein, niemand tritt so regelmäßig die Pedale wie Sie!"
Max Reger spielte einst das „Forellenquintett" von Schubert. Eine musikliebende Dame fand an dem vollendeten Spiel Regers solchen Gefallen, daß sie dem Komponisten Tags darauf einige Forellen ins Hous schickte. Reger nahm dieses „ideenoerbin- dende" Geschenk dankbar an und ließ die Dome in einem Anerkennungsschreiben über die Dualität der Fische wissen, daß er in seinem nächsten Konzert das ^Ochsenmenuett" von H a y d n zu Gehör bringen werde.


