Ausgabe 
23.5.1933 Frühausgabe
 
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Der Reichskanzler bei der Reichsmarine.

Hitler über sein Ziel: ein Deutschland der Ehre und Freiheit!

Kiel. 22. Mai. (WTB.) Auf dem weiten Hofe der Wiker Kaserne hatten in Erwartung des Be­suches des Reichskanzlers Hitler sämtliche Kie­ler Landmarineteile, sowie Abord­nungen der Schiffe und Bootsverbände mit Gewehr Paradeaufstellung genommen. Als gegen 11.15 Uhr der Kanzler vom Flugplatz kommend eintraf, erstattete ihm unter präsentiertem Gewehr der Stationschef Bizeadmiral Albrecht Meldung, worauf der Kanzler unter den Klängen des Präsen­tiermarsches die Front der aufmarschierten Trup­pen abschritt. In seiner Begleitung befanden sich neben den Flaggoffizieren des Standortes Kiel der Reichswehrmini ft er und der Chef der M a r i n e l e i t u n g. Rach dem Abschreiten der Front hielt der Kanzler vom China-Denkmal aus eine Ansprache an die Truppe. Der Reichskanzler ging dabei von der Revolution des Novem­ber 1918 aus, die dem Kampf der Stände und Klassen untereinander ausgerufen und uns in einem anschließenden 14jährigen Kampf zugrunde gerichtet habe. Der Kanzler sprach dann von der neuen Erhebung, die jetzt den Frieden Deutsch­lands proklamiert habe. Es sei eine neue Gemein­schaft entstanden, die alle umfassen werde, die guten Willens seien.In dieser Gemeinschaft so erklärte der Reichskanzler liegt keine Drohung gegen die übrige Welt.

Dir wollen den Frieden vielleicht mehr als alle anderen, denn wir brauchen ihn. um Brot für unsere Millionen arbeitslosen Volksgenossen zu schaffen. Aber der Friede wird immer nur dem gegeben, der des Friedens würdig ist. wür­dig ist aber nur das Volk, das die Empfindung sich erhält für die Notwendigkeit der Ehre und der Freiheit. 3n diesem Sinne proklamiert diese deutsche Erhebung das Ringen für die deutsche Freiheit und Gleichberechtigung in der Welt.

Soldaten der Reichsmarine! Sie selbst haben große Traditionen zu wahren. Rur wenige Jahrzehnte haben dem alten Deutschland zur Ausbildung seiner Wehr zur Verfügung ge-- standen. Diese Jahrzehnte sind von ihm benutzt worden, um das ganze deutsche Volk mit Stolz auf seine Blauen Jacken sehen zu lassen. Dann kam die Zeit der Demütigung. Und .nun Ijat Deutschland sich wieder gefunden, um der deutschen Arbeit den Weg zur Freiheit zu bahnen. In diesem Sinne be­grüße ich unsere deutsche Flotte. Wenn diese Flotte auch Hein ist. so sieht doch ganz Deutsch­land mit Freude auf sie. Denn sie ist der sicht­barste Repräsentant des deutschen Ehrbegriffes und der deutschen Gel- tungdraußen in derWelt. Vergessen Sie draußen nie. daß sie ein Stück von Deutschland ist. wie auch Deutschland sie nicht vergißt.

Die deutsche Reichsregierung ist nach kiel ge­kommen, um diese unsere deutsche Flotte zu be­grüßen. Aber dieser Besuch ist gleich ein Bekennt­nis: So groß unsere Sehnsucht noch dem Frieden ist, so groß ist aber auch unsere Entschlossenheit, dem deutschen Volk das gleiche Recht und seine Freiheit wieder zurückzugewinnen.

In dielem Entschluß begrüßen wir unser deut­sches Volk mit dem Gelöbnis, diesen Kampf als Vermächtnis unserer Genera­tion durchzuführen, so lange, bis wieder ersteht ein Deutschland der Ehre und F r e i h e i t.

Rach dem Gesang des Deutschlandliedes begab sich der Kanzler nach dem Offiziersheim, wo ihm vom Stationschef die Kommandeure der Kieler Truppenteile vorgestellt wurden. Während _ des Essens im Osfiziersheim, an dem der Reichs­kanzler und die Herren seiner Begleitung teil- nahmen, gedachte der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder nach herzlichen Worten der Begrüßung an den Kanzler und die übrigen Mitglieder der Reichsregierung, die am heutigen Tage als Gäste der Reichsmarine in Kiel weilten, des Oberbefehlshabers der

Wehrmacht Generalfeldmarschalls v. Hinden­burg und schloß mit einem dreifachen Hurra auf den Kanzler des deutschen Volkes.

Anschließend begab sich der Kanzler durch em Spalier der Fähnriche der Marine- und Ar­tillerieschule nach dem Hafen, um sich mit dem Chefboot auf dem F l o 11 e n f l a g g s ch i f f Schleswig-Holstein" einzuschiffen. Der gesamte Flottenverband stand klar zum Auslaufen aus dem Kieler Hafen mit dem Spitzenboot Schleswig-Holstein" querab von Wiker Mole. Als der Kanzler sich an Bord derSchleswig- Holstein" begab, wurde auf KreuzerLeipzig", auf dem der Reichskanzler während seines Kieler Aufenthaltes Wohnung nehmen wird, die Reichs­dienstflagge gesetzt und mit 19 Schuß salutiert.

Unmittelbar darauf lief die Flotte aus dem Kie­ler Hafen zu Hebungen in See, während sich am hindenburgdamm laufende von Kielern einge­funden hatten, die dem imposanten militärischen Schauspiel zusahen.

Reichskanzler Adolf Hitler wohnte auf dem Flottenflaggschiff in der Kieler Bucht einem gefechtsmäßigen Schießen des Li- n i e n s ch i f f e sS ch l e s w i g - H o l st e i n". mit schwerer und mittlerer Artillerie bei. Das ferngelenkte Zielschiff .,Zähringen" diente als Ziel. Der Kanzler und die Herren seiner Begleitung begaben sich sodann an Bord der dritten Torpedobootsflotille. der sogenannten Raubtierklasse, die aus den TorpedobootenTi­ger",Iltis",Wolf" undJaguar" besteht. Es wurde ein Torpedo-Tag-Weitschiehen gegen Linienschiffe und Kreuzer vorgeführt.

Rach Abschluß der Hebungen gingen die Gäste an Bord der Wohnschiffe. Der Kanzler Adolf Hitler, der Vizekanzler v. P a p e n, Reichs­wehrminister v. D l o m b e r g, Luftfahrtminister G o e r i n g und der Chef der Warineleitung Admiral Dr. Raeder nahmen auf dem Kreuzer Leipzig" Wohnung. Reichsminister Dr. Goeb­bels bezog mit seinem Adjutanten, dem Prinzen Friedrich ChristianvonSchaumburg- Lippe, Kajüten auf derSchleswig-Holstein", während die übrigen Herren sich an Bord der LinienschiffeSchlesien" undHessen" und des KreuzersKönigsberg" begaben. Am Abend werden die Schiffe eine Reche von Rachtmanövern aussühren.

Oie Neugestattung des Kyffhäuserbundes.

Die Borstände mindestens zur Hälfte Nalionalsozialiste

Berlin, 22. Mai. (CNB.) Der Deutsche ReichskriegerbundKy ff Häuser", der 30 000 Kriegervereine mit drei Millionen Mitglie­dern umfaßt, hat nunmehr auch in der Besetzung seiner Dor stände den Erfordernissen der natio- nalsozialistischen Revolution Rechnung getragen. Auf dem Kyffhäuser kamen am Sonntag die Vertreter aller deutschen Kriegerverbände zu. einer außer­ordentlichen Tagung zusammen, an der als Vertreter des Wehrpolitischen Amts der NSDAP. Oberstleut­nant a. D. Sichting teilnahm. Der Führer des Kyffhäuser - Bundes General der Artillerie a. D. v. Horn, gab eine Führeranordnung be­kannt, wonach die Bundesleitung von jetzt an aus­schließlich in der Hande des Bundespräsidenten liegt, dem zwei Stellvertreter beigeordnet sind. Bei der Zusammensetzung aller Vorstände soll der national­sozialistische Einfluß dadurch zur Geltung kommen, daß mindestens die Hälfte der Vor- standsmitglieder der NSDAP, ange­hören, insbesondere die Führer und ihre Stell­vertreter. Alle Vorstandsmitglieder müssen Welt­kriegsteilnehmer gewesen sein. M a r x i st e n dürfen nicht M i tg l i e d e r des Kyffhäuser-Bun- des sein.

Ferner soll für sämtliche Kriegervereinsmitglieder eine Einheitskleidung eingeführt werden.

Wie Kapitän Klaus schneeweiße Haare bekam.

Von Hans ORiebau.

Meine Herren", sagte Kapitän Klaus und lieh sich das siebte Glas vor die Rase sehen,wir sind hier allens Fahrensleut un wissen, was Windstärke 10 heißt, un was ein Taifun is un Kap Hom un so, abers das sage ich euch: Das Schlimmste, was da so passiert, das passiert nich auf See, sondern an Land!"

Ra, na", schüttelte Steuermann Harms den Kopf,das glaubst du doch wohl selbst nicht!"

Oh bitte", fuhr Kapitän Klaus fort,un ob ich das glaub'! Allens, was so auf See passiert, hat Hand und Fuß. Man geht über Bord, oder man geht nich über Bord. Das Schiff sackt weg oder -sackt nich weg. Man kriegt eine Spiere aufn Kopf, oder man kriegt keine Spiere aufn Kopf. An Land aber" Kapitän Klaus kratzte sich den Kops.

Denn man to", rief der Stammtisch. Denn wenn Kapitän Klaus sich den Kopf kratzte das wußten alle, hatte er eine Geschichte im Lancierrohr.

Tjä", fing Kapitän Klaus an,das war also in Island. Unser Schiff, dieJosephina", lag vor Reykjavik vor Anker. Die Ordergüter waren noch nicht da, un wir hatten drei Tage Zeit, uns das Land zu besehen. Ich war damals zweiter Steuermann, un am liebsten wäre ich überhaupt nich von Bord gegangen. Grotjan aber, der Käpt'n, war 'n Bergsteiger, wie er im Buche steht. Er sah sich vonner Reeling aus den Thornlaksberg an, holte den Rucksack außer Ka­jüte un sagte: .Kommen Sie, Klaus, wir wollen mal sehen, wie die Luft da oben im Gebirge is.' Was sollte ich tun? Ich zog meine genagelten Stiefel an, band mir den Brotbeutel um, steckte zwei Flaschen Rum von meiner Sorte ein, un zwei Stunden später gingen wir, Käpt'n Grotjan un ich, den Felsweg rauf, der von Reykjavik direktemang aufn Thornlaksberg führt."

Klaus machte eine Pause, trank den Grog aus und winkte nach dem nächsten Glas.Tja", fuhr er fort,also bat war natürlich mitt'n im Sommer. Die Sonne schien heiß, un der Weg war steil wie die Fockwanten. ,Re', sagte ich. als wir so vier Meilen unterwegs waren, «Käpt'n Grotjan, allens was recht is, ich kann nich mehr.

Ich seh' mich hier an die Ecke un wart', bis Sie wieder zurück sind.'

Grotjan guckte mich an, Wien Schulmeister seinen schlechtesten Schüler anguckte un überlegte. «Meinetwegen', brummte er, und bann ging er allein weiter, ben Thornlaksberg rauf Aber ich setzte mich auf einen Felsblock, packte die Rumbudbel aus un wartete. Cs war elf Uhr. Um eins, kalkulierte ich, is er oben, um brei ober vier muß er toieber hier sein. Aber es, würbe brei, un es würbe vier, un Käpt'n Grotjan war immer noch nich zurück. Um sechs kommt ein Mann mit ein paar Schafen vorbei. ,He', rufe ich, «haben Sie nich meinen Käpt'N gesehen? Re blaue Jacke hat er an un vier golbene Streifen um bie Aermel. Er is hier auf'n Berg rauf/

Der Mann reiht bie Augen auf. «Auf ben Thornlaksberg?', fragt er, ,ba werben Sie Wohl lange auf ihn warten müssen.'

Ich wußte nich, was ich dazu sagen sollte. Als aber Käpt'n Grotjan um sieben Uhr noch nich da war, ging ichn Stück zurück bis zum letzten Blockhaus von Reykjavik- «Hören Sie', sagte ich zu der Frau, die da im Garten grub, «da is jemand aufn Thornlaksberg rauf un noch immer nich zurück.'

,Oh', rief die Frau un machte ein Gesicht, als wenn der Blitz eingeschlagen hätt', «auf den Thornlaksberg?' Un der Briefträger, der gerade Post brachte, drehte sich um, guckte mich on, wackelte mit dem Kops un flüsterte: «Da brauchen Sie gar nich länger mehr zu warten, mein Herr'."

Kapitän Klaus rührte in seinem Glas.Das andere is kurz erzählt", fuhr er fort.Aus der Frau und aus dem vertrottelten Briefträger konnte ich kein Wort mehr herauskriegen. Ich ging wieder bergauf un setzte mich auf den Felsblock, auf dem ich vorher gesessen hatte. Cs war langst dunkel, un als es wieder hell wurde, saß ich noch immer un wartete. So eine Rächt aber, meine Sperren, hab' ich mein Lebtag noch nich durchgemacht. Da is das auf'n Schiff doch was anners. Da sieht man, was passiert, un da weiß man, was passieren kann. Hier aber wußte ich nichts. War Grotjan inne Felsspalte gefallen? War er den Abhang runtergerutscht? Lag er irgendwo und rief um Hilfe? War er verwun­det? Ober tot? Schneeweiße Haare, meine Her­ren, hab' ich in dieser Rächt gekriegt!"

Ra, na? murmelte der Stammtisch.

Mittags um elf Klaus wischte sich den

alle Fahnen sollen vorbehaltlich der Genehmi­gung durch den Reichskanzler ein Fahnenband mildem Hakenkreuz führen.

Die Vertreter nahmen mit großer Begeisterung den Führererlaß entgegen und versprachen, ihrem soldatischen Geist entsprechend, pflichttreue Gefolg­schaft- ____________

Lord Lloyd über die neue deutsche Politik.

Hitler hat Gröhes für Deutschland und für Europa getan."

London, 22. Mai. (WTD.) In einem Aus­satz imSundah Expreß" meint der vormalige Oberkommissar für Aegypten und den Sudan Lord Lloyd, wenn Deutschland Europa hin­sichtlich seiner künftigen Pläne beruhigen wolle, müsse es von jetzt ab auf außenpolitische Abenteuer verzichten. Man dürfe aber nicht vergessen, daß Hitler und seine Leute be­reits Großes für Deutschland getan hätten. Hitler habe bie beutsche Ration in einem Maße geeinigt, wie es keinem früheren Kanzler gelungen sei. Er habe sich die Treue und Achtung seiner Landsleute derartig gesichert, daß bei rich­tiger Ausnutzung bie künftigen Verhandlungen zwischen ben europäischen Staatsmännern sehr erleichtert werden würden. Ein eiserner K a n z l e r an der Spitze eines einigen Volkes sei besser als ein vom Parteihader zerrissenes Parlament. Aber Hitler habe nicht nur Gro­ßes für Deutschland getan, sondern für ganz Europa, indem er der Ausbreitung des Kommunismus nach Westen Einhalt geboten habe. Ohne Hitler würbe der Kommunismus ganz Deutschland bis zu den Ufern des Rheins über­rannt und beherrscht haben.

Oie Neuorganisation im Zachzeitschriftenwesen.

Berlin, 22. Mai. (WTB.) Amtlich wird mit­geteilt: Infolge der Neuordnung und Gleichschaltung sind in einzelnen Fachoerbänden Bestrebungen in Erscheinung getreten, an die Stelle bestehender Fach­zeitschriften ein einziges Fachorgan auch auf dem Wege über ein Zwangsabonnement einzurichten. Mit Beziehung auf die hohen materiel­len und ideellen Werte, die hier auf dem Spiele stehen, und mit Rücksicht darauf, daß derartige Ent­scheidungen unter keinen Umständen im Handumdrehen getroffen werden können, er­sucht das Reichsmini ft erium für Volks- auftlärung und Propaganda alle in Frage kommenden Stellen, derartige Bestrebungen vorläufig e i nz u ste 11 e n. Das Reichsministerium für Dalksaufklärung und Propaganda hat bereits von sich aus Schritte unternommen, um im Ein­vernehmen mit den dafür zuständigen amtlichen und fachlichen Stellen in der Neuorganisation des deut­schen Zeitschriftenwesens den Erfordernis- | e n der neuen Zeit Rechnung zu tragen.

Aus aller Wett.

Ausgleich von Zeitverlust im Ausbildungsgang für Mitglieder nationaler verbände.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung nach reiflicher Prüfung der Frage davon abgesehen, Prüfungserleichte­rungen für die Mitglieder der anerkannten natio­nalen Verbände einzuführen. Er wird jedoch dar­auf hinwirken, daß der von ihnen wie von den Teilnehmern am Freiwilligen Werkdienst in ihrem Ausbildungsgang erlittene Zeitverlust bei Ge­legenheit der beruflichen Anstellung ausge­glichen werden wird.

Falsche Kriminalbeamte beschlagnahmen Juwelen.

Bei einer Witwe in Wilmersdorf erschienen vier Männer, die sich als Kriminalbeamte aus- gaben und erklärten, daß sie den Auftrag hätten, alle Vermögenswerte zu beschlagnah­men, da der erst kürzlich verstorbene Ehemann der alten Dame bei Lebzeiten umfangreiche Devisen- schiebungen begangen hätte. Sie durchsuchten die Wohnung, ordneten die Gegenstände im Eßzim-

Schweih von der Stirnging ich endlich zurück in die Stadt un an Bord. Ich wollte ein paar Leute holen, un dann mußten wir ja woll Käpt'n Grotjan suchen. Kaum aber bin ich am Fall­reep hoch, wer steht da un lacht? Käpt'n Grot­jan! Ich denk', ich seh' ein Gespenst. «Käptn!', ruf' ich, «wo kommen Sie hierher?'

«Wo schall ick hier woll Herkommen', lacht Grotjan weiter, «vonnem Thornlaksberg natür­lich.'

«Aber Käpt'n', flüstere ich, «bat is ja woll Hexerei. Ich hab' doch gewartet, vierundzwanzig Stunden lang, un ich weih genau. Sie sind vor meinen Augen aufn Thornlaksberg geklettert un--'

.Ganz recht', grinst Grotjan un schlägt mich auf bie Schulter, ,un auf ber anberen Seite bin ich toieber heruntergeklettert.'"

Der Stammtisch lächelte.Ra, ja", zuckte Steuermann Harms bie Achsel,warum erzählst, bu uns bas? Das alles war boch nicht so schlimm wie damals, als euch bei Kap Horn der Großmast über Bord ging ober bei Aden, wo bir ber Hai auf das Dordeck sprang! Unb' babei kann man boch eigentlich wirklich keine weihen Haare kriegen!"

Rich so schlimm?", schlug Klaus auf ben Tisch, un keine Weißen Haare soll man babei kriegen? Die Hauptsache, meine Herren, kommt ja noch: Die beiben Duddel Rum im Brotbeutel hatt' mir doch Käptn Grotjan, der Filou, hinterrücks aus­gegossen un mit labbrigem chinesischen Tee ge­füllt!"

Zwei Lustspielfilme.

Das Lichtspielhaus zeigt seit gestern ein Doppelprogramm.Der F e l d h e r r n h ü g e l " heißt die Verfilmung eines bekannten unb über viele Bühnen gegangenen Lustspiels, welches das populäre ThemaLiebe und Trompetenblasen" in ein öster­reichisches Vorkriegsmilieu einkleidet und mit aller­lei handfesten unb wirkungsvollen Kommißspäßen aufwartet. Die Regie von Eugen Thiele ent­wickelt bas im Mittelpunkt ber komplizierten Ereig­nisse stehende k. unb k. Korpsmanöver mit erstaun­lich großzügigen Mitteln. Aus dem umfangreichen Ensemble heben sich einige vertraute Namen heraus: Ivan P e t r o v i ch, Betty B i r d, Elga Brink, Fritz S p i r a , Hansi Arnstädt und Fritz Stei­ner spielen die erste Geige unb verhelfen dem Stück zu einem heiteren Publikumserfolg. Szenen-

mer unb trugen sie säuberlich In ein Notizbuch ein. Diese Eintragungen ließen sie sich bann von ber alten Dame noch unterzeichnen. Nachbem sie ihr aufgetra­gen hatten, sich in ber Wohnung zur Verfügung ber Polizei zu halten, entfernten fie s i ch. Sie hat­ten Juwelen für etwa 30 000 RM. und für 12 000 RM. Bargelb erbeutet. Als währenb ber nächsten Stunden nach dem Besuch berKriminalbeamten" keine weitere polizeiliche Benachrichtigung erfolgte, schöpfte bie alte Dame Verdacht, setzte sich mit dem Polizeipräsidium in Verbindung, wodurch bann das ganze Schwindelmanöver zutage kam.

Das Mannheimer Frank-Denkmal entfernt

Das vom ehemaligen Reichsbanner zur Erinne­rung an den gefallenen sozialdemokratischen Reichs­tagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank in Mann­heim errichtete Denkmal, welches vor einiger Zeit von unbekannten Tätern demoliert morden war, ist jetzt im Auftrage ber Stabtverwallung unter polizei­licher Aufsicht abmontiert unb bas Fundament eingeebnet morden.

Henry Barmat aus Holland ausgeroiefen.

Wie bereits aus Amsterdam gemeldet, sollten die Gebrüder Julius und Henry B a r m a t als unerwünschte Ausländer Holland spätestens am 22. Mai verlassen. Während Henry Barmat nun­mehr dem. Ausweisungsbefehl nachgekommen ist, ist Julius Barmat lein Fristaufschub ge­währt worden.

Schwere Zuchthausstrafe

wegen verbrechens gegen bas Spionagegesetz.

Das Oberlandesgericht Breslau verurteilte ben Sdjneibermeifter Foitzik, ben Kaufmannssohn Jo­hann Smolka unb den Handlungsgehilfen Georg Smolka wegen vollendeten Verbrechens gegen ben Paragraph 1 Absatz 2 des Spionagegesetzes Zu12JahrenZuchthaus und 10 Jahren Ehr- vertust bzw. 7 Jahren Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust bzw. 2 Jahren Zuchthaus unb 5 Jahren Ehrverlust. Der Schneiderlehrling Berlik erhielt wegen versuchten Verbrechens gegen ben Para­graphen 1 Absatz 2 des Spionagegesetzes 3 Jahre Gefängnis unb Marie Foitzik, bie Tochter des Erstgenannten, wegen Beihilfe zum versuchten Verbrechen gegen ben Paragraphen 3 bes Spionage- gefetzes 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. 1172 Tfchecha- fronen, die bie brei Angeklagten insgesamt erhalten hatten, wurden eingezogen.

Familiendrama in Bayern.

Der 25jährige Schreiner O e r t e l in Bayreuth wurde dieser Tage von Rachbarn mit bren­nenden Kleidern im Hofe seines Anwesens angetroffen. Obwohl ihm schnellstens ärztliche Hilfe zuteil wurde, erlag Oertel bald ben er­littenen schweren Brandwunden. In der Wohnung fand man die 23jährige Frau des Verstorbenen mit Würgemalen am Halse t o t auf. Auf dem Tisch stand eine offene Spiritusflasche. Alles scheint darauf hinzudeuten, daß Oertel seine Frau ermordet und dann auf diese grauenhafte Weise der Selbstverbrennung den Tod gesucht hat. Die Sezierung der Leichen ist angeorbnet

Kunst und Wissenschaft.

Schuhverbanb Deutscher Schriftsteller e. V.

Die im Gau Rhein-Main des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller e. D. versammelten deut­schen Schriftsteller haben in einer außerordentli­chen Tagung Stellung zu den jüngsten politischen Ereignissen genommen und an die Spitze ihrer Standesorganisation den zum Ehren­vorsitzenden des Gau Rhein-Main ernannten bekannten Pädagogen Prof. Dr. Ernst K r i e ck gestellt. Zum 1. Vorsitzenden des Gaus Rhein- Main wurde Schriftsteller Franz F. Geis, zum 1. Schriftführer Wilhelm Fronemann, zum Schatzmeister Wilhelm Arntz (sämtlich Frank­furt a. M), gewählt. Als Beisitzer sind tätig: Th. Mülhause - Vogeler und Emerich Reeck (Frankfurt), sowie Rikolaus Schwarz­kopf (Darmstadt). Zweck des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller ist: Schutz, Vertre­tung und Förderung der wirtschaftlichen, rechtli­chen und geizigen Berufsinteressen seiner Mit­glieder. Als Vorbedingung des Eintritts fordert der Schuhverband von seinen Mitgliedern in Form einer schriftlichen Erklärung das klare Bekennt­nis zur deutschen Kulturgemeinschaft in Wort und Tat.

wechsel aus der beschaulichen Vorkriegszeit in bie Gegenwart, vom habsburgischen Manöoerfelb ins moderne Bankgeschäft und ein monbänes Seebad: Hermann Thimig gibt hier eine neuerliche Vor­stellung auf einem Schauplatz unb in einer Situa­tion, in denen er schon des öfteren seine komischen Talente entfaltete. Hier ist er ein kleiner Angestell­ter unb tolpatschiger Habenichts, ber nach einer Pech­strähne unseliger Mißverständnisse unb alberner Zu­fälle die große Chance seines Lebens findet unb mit einem Schlage als Hans im Glück unb großmächtiger Direktor in den nämlichen Bankpalast einzieht, in dem seine fatale Laufbahn kümmerlich und hoff­nungslos genug begann. Liselotte S ch a a ck, Maria Meißner, Olga Limburg, Tiebtke unb Biensfeldt werben neben Thimig von ber Regie (Behrenbt) geschickt unb treffsicher eingesetzt. Das Ganze heißtMein Freunb, ber Mil­lionär" und findet ebenfalls freundlichen Anklang.

Schwedische Anekdote.

Der schwedische Dichter Karl Bellmann stand bei seinem König Gustav HL in beson­derer Gunst. Der geniale Dichter, der gleichzeitig ein äußerst tüchtiger Geschäftsmann war, wurde stets in unmittelbarer Rähe des Königs beschäf­tigt. Durch seine Absonderlichkeiten hatte Dell- mann jedoch einst seine Gunst verscherzt und durfte die königlichen Gemächer nicht mehr betreten. Dennoch arbeitete er weiter für den König, und zwar in seiner eigenen Wohnung. Bellmann, der seine Sünden bereits bereute unb gern seine Stel­lung beim König wiedererlangt hätte, beschloß nun eine List, die alles wieder gut machen sollte. Durch Bediente hatte er in Erfahrung gebracht, wann der König das nächste Mal bei seiner Woh­nung, bie im Erdgeschoß lag, vorbeireiten würbe. Als der König auch wirklich zur bestimmten Stunde an bem Hause vorüberkam, erstaunte er nicht wenig über das seltsame Bild, das sich ihm darbot. Dor dem Fenster der Bellmannschen Woh­nung war eine Leiter aufgestellt, auf der ein Bar­bier stand und den Dichter, der seinen Kopf zum Fenster heraussteckte, rasierte.Was bedeutet das, Dellmann?" rief der König feinem Hofbich- ter zu.Mein Barbier ist in Ungnade gefallen, Ew. Majestät!" erwiderte Bellmann.Er darf meine Schwelle nicht mehr betreten; ich kann aber ohne ben Kerl nicht fertig werben!" Der Kö­nig, ber diese Anspielung verstand, mußte lachen, und der Dichter gelangte durch seine List wieder in seine Gunst.