Ausgabe 
22.8.1933 Frühausgabe
 
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Neben Hehmaterial würbe vor allem eine große Anzahl von Lehrwaffen beschlagnahmt, an Denen Anschauungsunterricht erteilt wurde.

Außerordentliches Kündigungsrecht von Aerzten, Zahnärzten oder

Zahntechnikern.

Berlin, 21. Aug. (TU.) Amtlich. Bekanntlich gibt das Gesetz über das Kündigungsrecht der durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeam­tentums betroffenen Personen denjenigen Beamten, die nach den Vorschriften dieses Gesetzes ihre Be­züge ganz oder teilweise verlieren, das Recht, ein Mietverhältnis über Räume, die sie für sich oder ihre Familie gemietet haben, unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist zu kündigen. Das soeben im Reichsgesetzblatt Nr. 93 veröffentlichte Gesetz über ein außerordent­liches Kündigungsrecht von Aerzten, Zahn­ärzten oder Zahntechnikern und über Aenderung der Reichsversiä-erungsordnung vom 14. August 1933 bestimmt, daß die Vorschriften des erwähnten Gesetzes vom 7. 4. 1933 entjprechen- deAnwendung finden, wenn die Tätigkeit eines Arztes, Zahnarztes oder Zahntechnikers auf Grund der ergangenen Verordnungen über die Zulassung dieser Berufsgruppen zur Tätigkeit be.i den Kranken­kassen beendet worden ist. Das gleiche gilt für Dienstverpflichtete von Aerzten, Zahn­ärzten oder Zahntechnikern, wenn sie durch den Aus­schluß ihres Dienstherrn st e l l u n g s l o s geworden sind. Nach dem neuen Gesetz gilt ferner die Be­endigung der Tätigkeit bei Trägern der So- zialversicherung, sowie in der Reichs- oersorgung als wichtiaer Grund zur Kün­digung der von den Aerzten, Zahnärzten oder Zahntechnikern als Dienstberechtigte abgeschlos­senen Dien st vertrügen. Sind bereits vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes Kündigungen mit Rück­sicht auf die neuen Bestimmungen über die Zulas­sung zur kassenärztlichen Praxis ausgesprochen worden, so gelten diese als zu Recht erfolgt.

Dr. Ley leitet vorläufig die NG.- Frauenschast.

Berlin, 21. Aug. (TU.) Die ASK. be­richtet: Der Stabsleiter der PO. erläßt folgende Anordnung:

«Dis zum endgültigen Ausbau der Deut­schen Frauenfront übernehme ich von heute bis auf weiteres die Leitung der mir unterstellten Abteilung AS. - Frau enschaft. Es muh in kürzester Zeit erreicht werden, daß aus der Vielheit der Verbände eine geschlo s - sene Einheit geschaffen wird, die von na- ticnalsozialistischem Geist durchdrungen und von Nationalsozialistinnen geführt wird. Weitere An­ordnungen über den Ausbau der Organisationen Werden in Kürze ergehen. Dr. L e h."

Strafrechtlicher Schuh für schwarz- weiß-rote und Hakenkreuzsiagge.

Berlin, 21. Aug. Wie das VDZ.-Dureau meldet, hat der Reichsjustizminister in einem Schreiben an die Landesjustizverwaltungen zum Ausdruck gebracht, dah durch den Erlaß des Reichspräsidenten über die vorläufige Regelung der Flaggenhissung vom 12. März d. 3., der die Grundlage für zahlreiche weitere Verordnungen und Erlasse geworden ist, seines Erachtens die schwarzweißrote und die Hakenkreuz­flagge zu vorläufigen deutschen Na­tionalflaggen, mithin zu Flaggen des Reiches erklärt worden seien. Diese Flaggen genießen daher den vollen Schutz des § 134a des Reichsstrafgesetzbuches. Dabei dürfte es nach Meinung des Reichsjustizministers keinen Unter­schied machen, ob die beiden Flaggen auf öffent­lichen Gebäuden, Staats- oder Handelsschiffen gehißt oder von privaten geführt oder ge­zeigt werden. Der Reichsinnenminister ist diesem Schreiben beigetreten.

Photogerät darf im F ugzeug nicht mehr mitgesührt werden.

Berlin, 21. Aug. Wie das VDZ.-Büro meldet, hat der Reichsluftfahrtmininster eine Ver­ordnung über die Verwendung von Lichtbildgerä-

Sterbende Heide.

Bon Ernst Wesner.

3n der Lüneburger Heide, August 1933.

Flucht in die Einsamkeit wie stellt man das am besten an? Wo gibt es in unserer Heimat noch einen Landstrich, in dem die Menschen rar sind? Die Lüneburger Heide? Natürlich: diese zauber­hafte Landschaft, noch immer ein bißchen abseits vom Verkehr, ist einsam und daher trostvoll für den, der nach Ruhe sucht. Hier finden wir auch heute eine Stätte für den versonnenen, nachdenk­lichen Menschen, dem Naturverbundenheit nicht nur ein Wortschwall ist, sondern ein Begriff, der tief erschüttert und doch zugleich innerlich erhebt. Wer der Landschaft der Lüneburger Heide mit Liebe naht, dem erschließt sie sich, und ihm allem schenkt sie ihre sonderlichen Schönheiten. Für alle anderen Wanderer bleibt sie stumm und spröde; Sie gibt sich dann als Wüstenei, die auch nicht durch Heidekraut und Wacholder, durch Bienen­gesumm und Zikadengezirp lebendig wird. Tot liegt sie da, und diese Tiefeinsamkeit lehnt der auf Sensationen erpichte sogenannte Naturfreund nur noch entschiedener ab. Sie stimmt ihn traurig, ver­ursacht ihm Langeweile und macht, daß er nur noch schneller flieht.

Es ist kein Schade um den Fliehenden. Diese deutsche Heidelandschaft hat längst ihren großen Kreis begeisterter Liebhaber, die ihr rührende Treue bewahren. Das sind die Menschen, die ihr Loblied in alle Welt tragen. Sie finden dafür den rechten Torr, um neue echte Freunde zu ent­decken und sie zu ermuntern, nun gleichfalls die Lüneburger Heide kennenzulernen, damit der Chor der Lobsänger immer stärker anschwillt. Freilich, in all diese erhebenden Gesänge klingt schon ein bißchen Trauer hinein; denn die Heite stirbt. Sie wird kleiner und immer kleiner; sie würde am Ende wohl ganz verschwinden, wenn nicht wenig­stens ihr Zentralbezirk, die sogenannte Wilseder Heide, durch Gesetz zum Naturschutzgebiet erklärt worden wäre. Wie das möglich ist, daß eine Heide stirbt? Nun, es erweist sich wieder einmal, daß der Mensch gelegentlich der ärgste Feind der Naturschönheiten sein kann, ohne dah er dabei besonders böse Absichten hegt. Seit 3ahr und Tag ist es das Mühen des Heidebauern, seiner Arbeit mehr Erfolg zu schaffen, indem er immer neue Länderstrecken der Heide entreißt, um sie urbar und später fruchtbar $u machen. So frißt sich der kultivierte Acker ständig weiter in die Heide hinein und verkleinert sie.

Kommunistisches Sprengstoff- und Waffenlager ausgehoben.

Umfangreiche Junde in Heppenheim. - Oer große Lindenfelser Sprengstoff- diebstahl aufgeklärt.-Eine Anzahl Kommunisten verhaftet.

IDSJt. Darmstadl. 21. Aug. Das hessische Staatspolizeiamt teilt mit:

Am Dienstag, dem 15. d. 2R., wurde durch Beamte des hessischen Staalspolizeiamls Darmstadt in Hep­penheim a. d. B. ein riesiges Spreng­stoff. und Waffenlager bei Funktio­nären der KPD. ausgehoben. Sämtliche beteiligten Kommunisten wurden sofort f e ft ge­nommen und in das Staatspolizeigefängnis ver­brächt. Der Sprengstoffund ist von so riesigem Ausmaß, dah er wohl als einer der größten gellen kann, die überhaupt in den letzten Jahren ge­macht wurden.

Dem Vorgang liegt folgender Tatbestand zu­grunde: Der Politischen Polizei war seit langem bekannt, dah sich in Heppenheim gröhere Men­gen von Waffen in Händen von Kommunisten befinden mühten; ist doch gerade Heppenheim in früheren Zeiten ein Tummelplatz der Kommune gewesen. Die von den Beamten der Staatspolizei im Verein mit der Gendarmerie an­gestellten Ermittlungen führten dann auch zur Auffindung des Vervielfältigungs-Ap­parat e s , mit dem die KPD. ihre Flugblät- ter hergestellt hatte. 3m Zusammenhang hiermit wurden die -KL.nmunisten Eberts und Helf­rich festgenommen, nachdem der Führer der KPD. Heppenheim sich bereits seit längerer Zeit in Schutzhaft befindet. Die er st en Waffen­funde machte die Polizei dann in dem Hüh­ner st a l l eines Kolonialwarenhändlers, wo hin­ter einer Holzverschalung drei Karabiner, ein 3nsanteriegewehr, ein Säbel und eine Gasmaske versteckt waren.

Den Kolonialwarenhändler hakle man durch Boykottandrohung gezwungen, die Waffen zu verbergen, obwohl er nichts mit der KPD. zu tun hatte.

Auf der Suche nach der zu den Waffenn gehö­renden Munition wurden zunächst Grabungen in einem Weinberg vorgenommen, die jedoch ergeb­nislos blieben. Schließlich erklärte sich der Kom­munist Eberts selbst bereit, die Polizei an das Versteck der Munition zu führen. Cs zeigte sich nunmehr, dah Eberts die Sachen in ganz raffi­nierter Weise verborgen hatte. 3n dem Ge­müsegarten seines Schwiegervater s befanden sich hinter dem Haus zwei Treppenstufen, deren untere aus Beton war. 3n dieser Treppenstufe hatte Eberts, der von Beruf Maurer ist, ungefähr 30 Zentimeter tief eine grohe Blechbüchse einbetoniert, und zwar so, dah man nach Abschlagen der einen Treppenseite den Deckel der Büchse öffnen konnte, um an die Munition zu gelangen. 3n der Büchse fanden die Beamten der Staatspolizei aber nicht nur 2 3 0 Schuh

Muniti on, sondern auch noch 31 Spreng­kapseln, 50 Meter Zünd st schnür und zwei Pakete Spreng st off (Amonit).

Die Sprengkapseln, Zündschnur und Spreng­stoff konnten nur aus einem Diebstahl stammen. Zu vermuten war weiterhin, dah bei diesem Diebstahl nicht nur zwei Päckchen Spreng­stoff, sondern weit mehr gestohlen worden war. Durch die sofort nach dieser Richtung hin an­gestellten Ermittlungen konnte noch nichts näheres festgestellt werden, da die Beteiligten hartnäckig leugneten. Die Beamten der politi­schen Polizei liehen jedoch nicht locker. Noch in der Nacht wurden die festgenommenen Kommu­nisten in Darmstadt im Staatspolizeiamt ins Kreuzverhör genommen. Hierbei verwickelten sie sich sehr bald in Widersprüche und gestanden schließlich.

eine große Menge Sprengstoff bereits vor VA Jahren bei Lindenfels gestohlen

zu haben. Sie gaben an, den Sprengstoff mit Ausnahme der bereits gefundenen zwei Packun­gen in einer Korbflasche auf einen Acker bei Heppenheim vergraben zu haben. Die Be­amten begaben sich nunmehr sofort mit dem Sonderkommando und einem der Kommunisten wieder nach Heppenheim. Nach langem Suchen konnte die fragliche Korbflasche ungefähr 1 m tief vergraben aufgcfunden werden. Durch die unermüdlich fortgesetzten Nachforschungen konnten die Beamten der politischen Polizei noch in derselben Nacht den Kommunisten Adam Göhinger in Lindenfels verhaften. Götzinger hatte bei einem Sprengstoffdiebstahl als Führer gedient, da er genaue Kenntnisse von den Spreng­stofflagern hatte. So gelang es in dieser Nacht, den großen Lindenfelser Spreng- stoffdie bstahl aufzuklären und alle daran Beteiligten sofort festzunehmen.

Die Arbeit der Staatspolizei wurde hierbei durch die Heppenheimer Gendarmeriebeamten tatkräftig unterstützt.

Der riesige Sprengstoffund bei kommunistischen Funktionären zeigt erneut die grohen Gefahren für Ruhe und Sicherheit durch diese Elemente.

Welches entsetzliche Unglück und welches Leid wäre in diesem friedlichen Bergstraßestädtchen eines Tages angerichtet worden, wenn der Sprengstoff noch län­ger in den Händen der Kommunisten geblieben wäre. Die gefundene Sprengstoffmenge hätte ausgereicht, um Tausende von Menschenleben zu vernichten und ganz Heppenheim in Schutt und Trümmer zu legen. Immer wie­der muß der Ruf an die Bevölkerung ergehen, die politische Polizei in ihrem Kampf gegen Volks- und Staatsfeinde zu unterstützen.

ten im Luftfahrtverkehr erlassen. Danach sind Po­lizei, Luftverkehrsunternehmungen und Flug­zeugführer angewiesen, darauf zu achten, dah Fluggäste ohne eine besondere Er­laubnis des Rcichsluflfahrlministers während des Flug s kein Lichtbildgerät mitfüh­ren oder verwenden. Lichtbildgcrät ist so sicherzustcllen, daß eine Verwendung während des Fluges nicht möglich ist.

Abaeschüttelt!

Wien, 21. Aug. (CNB.) Maßgebende Vertreter des österreichischen Lehrer st andes legen Wert auf die Feststellung, daß die bei der Welt- Lehrertaaung in Santander auftretende öfter- reichischeVertretung, die bekanntlich gegen die deutschen Abgesandten Stellung nahm, i n keiner Weise befugt war, für den österreichi-

Zum anderen: Es sind die großen Heidschnucken­herden gewesen, die einstmals fleißig auf der Heide weideten. Sie fraßen sorgsam alles Grüne ab, das sie nur fanden; ihnen schmeckten auch die jungen Fichten und Kiefern, die ohne Baum­schule, ohne Pflege heranwachsen wollten. Diese Schafe ließen es nicht zu, daß aus der Heideland­schaft ein Wald wurde. Aber der Heidschnucken­bestand gehl immer stärker zurück, da für das Fleisch der Tiere kein Absatz mehr besteht. Der Heidschnuckenbraten war wegen seines wildartigen Geschmackes einstmals eine Delikatesse. Seit man­chem 3ahre ist ein immer stärkerer Rückgang des Bedarfs nach Heidschnuckensle sch eingelrelen, und da der Absatz so nicht mehr lohnend ist, lehnte es der Heidebauer ab, noch weiter große Herden zu halten. Llnd aus der Lüneburger Heide wird unweigerlich ein Lüneburger Wald». . .

Die heroische Landschaft im Nordwesten unseres Reiches ist zum Sterben verurteilt, bis auf den Wilseder Naturschutzpark. 3st es da nicht jedem Naturfreund eine willkommene Freude, wenn er hört, daß eine Erinnerung an die Heide für alle Zeiten im Bilde festgehalten wird? Die Heide­dichter und ihre Werke sind dem Naturfreund zum innersten Eigentum geworden; Storm, Löns, die Droste - Hülshoff, und mit ihnen mancher andere Dichter leben in ihren Wer­ken weiter. Felicitas Rose hat mit ihrem «Heideschulmeister älwe Karsten" einen so großen Erfolg errungen, daß es für unsere größte teu- sche Filmgesellschaft, die Ufo, eine ehrende Ver­pflichtung geworden, ist,, dem Werke durch die be­tonteren Mittel des Films eine neue Verbrei­tung zu geben. Aber wehe dem Heitefilm, ter etwa in Glashäusern und Ateliers, zwischen Wän­den aus Pappmache und in einer künstlich montier­ten Landschaft gedreht würde! Nein, hier in ter Lüneburger Heide, in Müden, dem Heimatort des Helteschulmeisters, muhte ter Tonfilm entstehen, damit die photographische Linse einmal zeigen kann, dah sie auch die innigsten Schönheiten un­seres Vaterlandes einzufangen und für alle Zei­ten aufzubewahren in ter Lage ist.

Da, wo Hermann Löns, ter im Kriege ge­fallene Heidedichter lebte, wo ihm und seinem Schaffen ein Erinnerungsmal errichtet wurde, wo Felicitas Rose noch heute das Lob ihrer Heide singt, wo die Hünengräber in erhabener Ein­samkeit liegen, wo die Heide ihre innigsten Schön­heiten verschenkt, am Wilseder Berg, und da, wo ter älteste Hof des Heitebauem steht, wird dieser Film Gestalt und Leben gewinnen. 3n wahr­haft mühevoller Arbeit müssen die Filmleute ter Landschaft ihr Geheimnis ablocken; abhängig von

schen Lehrerstand zu sprechen. Es handelt sich viel­mehr um die Aeußerungen einer kleinen und unmaßgeblichen Splittergruppe, die ohne Fühlung mit den großen Lehrerorganisationen vorging, weil sie wußte, daß die österreichische Leh­rerschaft aller Richtungen niemals ihre Z u - st i m m u n g zu solchen Aeußerungen gegeben hätte.

Kunst und Wissenschaft.

Hermann Stehr diesjähriger Goethe-Preisträger.

Der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt a. M. wird in diesem Jahre an den 69jährigen Dichter Hermann Stehr verliehen. Stehr wird von deut­scher Seite auch für den diesjährigen Nobelpreis in Vorschlag gebracht. Die Verleihung des Goethe- preises findet voraussichtlich Ende dieser Woche statt.

Wind und Wetter heißt es für sie allezeit bereit fein, um die Schönheiten der Heide, die Eigen- arr des alten Heitehauses, die Betulichkeit des Heideschäfers und seiner Heidschnuckenherte, die Erhabenheit des einsamen Hünengrabes, den bi­zarren Schmuck der Wachholderstrauchgruppen einzufangen. Denn die Lüneburger Heide schenkt nur dem Menschen ihre Schönheit, ter um sie wirbt. Lind daher müssen alle die Mitwirkenten mit Liebe am Werke fein, damit der «Heideschul­meister LIwe Karsten" auf der Leinwand in Bild und Ton Gestalt wird. Dieser Tonfilm soll be­rufen sein, der Heide neue Freunde zu werben. Die Aufgabe konnte eine Wagnis bedeuten. Aber ein paar Tage, an Ort und Stelle verbracht, zeigen, daß das Werk gelingen wird, weil man die Mitarbeiter aussandte, die im Tonfilm von heute ein wundervolles 3nstrument erblicken, die Schönheit ter deutschen Landschaft zum natur- fremd gewordenen Großstädter und zu aller Welt zu tragen.

Tonfilm:Oie heilige Stamme.'6'

Wir haben das Schauspiel des Engländers Maugham, das die Vorlage zu diesem Film bildete, vor mehreren Jahren hier auf der Bühne gesehen; einige Besucher werden sich gewiß noch auf diesen Theaterabend besinnen können. Die amerika­nische Firma Warner hat einen Film daraus ge­macht, der durch Berthold Viertel seine deutsche Bearbeitung erfuhr und auch von einem deutschen Ensemble gespielt wird. Die Fabel behandelt, wie man sich erinnern wird, ein Problem, das im Leben man darf wohl sagen: glücklicherweise in dieser von Maugham sehr geschickt motivierten Zuspitzung ziemlich selten oorkommt. Worin der Konflikt be­steht, soll hier nicht erörtert werden, um jene Be­sucher, welchen das Stück unbekannt ist, nicht um die Spannung zu bringen. Viertels Regie folgt der Szenenführung des Dramas, abgesehen von der etwas ausgesponnenen Exposition, fast ganz genau, und er gewinnt eine theatralisch starke Wirkung und die bis zum Ende ausgehaltene Spannung aus der Ueberleitung des seelischen Konflikts in die Sphäre des Kriminalstückes. Die Schwierigkeit liegt in der unfilmischen Betonung der Dialogpartien der Ein­fluß der literarischen Vorlage ist doch sehr nach­haltig, aber die einheimischen Schauspieler be­wältigen die teilweise gefährlichen Aufgaben mit Mitteln, die dem Durchschnittsamerikaner nicht zu Gebote stehen: Sita Parlo, die man seit den An­fängen Des Tonsilms kaum mehr gesehen hat, ganz hingegeben an ihre Ausgabe; H.H. von Tw ar-

dowski, beherrscht und überzeugend in einer undank­baren Partie; Salka Steuermann, eindringlich, wenn auch nicht ganz ohne theatralisches Pathos; knapp und pointiert Charlotte Hagenbruch; in kleineren Aufgaben recht angemessen So ko lo ff, Gustav Fröhlich und Anton P o i n t n e r. Der Film läuft bis zum Donnerstag im Lichtspiel­haus.

Hochschulnachnchten.

Dr. Hans 3ulius Wolfs, Privatdozent für Staatsrecht, Verwaltungsrecht und Rechtsphilo­sophie an ter Llniversität Frankfurt a. M.» wurde zum ordentlichen Professor ernannt

Die überlisteten Hochstapler.

Während man oft davon hört daß Fremdeten ältesten Tricks ter Hochstapler zum Opfer fallen, ist es viel seltener, daß die Bauernfänger einmal an einen geraten, der ihnen zeigt, dah er ebenso schlau ist wie sie. Ein Amerikaner, ter gegen­wärtig in Paris weilt, hat jetzt einen solchen An­griff siegreich bestanden. Zwei Schwindler ver­suchten. bei ihm den ebenso alten wie wirksamen «Almosen-Trick" anzuwenden. Dcr Amerikaner ging ihnen zunächst auf den Leim, in dem er die Einladung zu einem ausgiebigen Frühstück an­nahm. Während des Essens wurde ihm die alte Geschichte von einer großen Erbschaft erzählt, die zum Besten der Armen gestiftet werden sollte, und er wurde eingeladen, bei ter Verteilung ter Summen zu helfen. Natürlich sollte er aber erst den angeblichen Wohltätern beweisen, dah er ein vertrauenswürdiger Mann sei und durch Einle­gung einer größeren Summe seine eigene Kapital­kraft zeigen. Er tat dies, indem er einen Kredit­brief von beträchtlicher Höhe vorzeigte. Das ge­nügte den neugewonnenen Freunden aber nicht, sondern sie forderten ihn auf, mit ihnen zu der Bank zu fahren, um auf Grund des Kreditbriefes eine größere Geldsumme abzuheben. Da aber zeigte es sich, dah sie an den Falschen gekommen waren, term das von ihnen auserkorene «Opfer" war entrüstet über den Mangel an Vertrauen und witterte den Braten. Der Amerikaner erklärte sehr bestimmt, dah sie ihre Geschichte andern Leu­ten erzählen sollten, aber nicht ihm; er bedankte sich für das vortreffliche Essen und teilte dann mit, er könne sich an ter Bezahlung ter Rech­nung nicht beteiligen, weil er sofort auf di« Polizei gehen müsse. Das tat er auch, und dis beiden Schwindler wurden noch rechtzeitig ver­haftet.

Hermann Stehr ist Schlesier und Meister des mysti­schen Romans. Unter seinen Werken sind beson­ders bekanntLeonore Griebel",Der begrabene Gott",Drei Nächte",Der H e i I i g e n f) o f"< Sein neuestes Werk istNatanael M a e ch l e r", der erste Band einer geplanten Trilogie, die die deutsche Geschichte in der Revolution von 1848, in der Seelengeschichte des Einzelnen, aufzeigt.

Aus aller Wett.

vom Weltrekord ins Krankenhaus.

Die Hemer Schwimmerin Ruth Litzig, die nach fast 79stündigem Aufenthalt im Wasser mit Schwimmen hatte das nichts mehr zu tun völlig erschöpft aus dem Essener Baldeneysee gezo­gen wurde, liegt zur Zeit in bedenklichem Zustand im Essener Huyssen-Stist. Die Schwimmerin, die in den letzten Stunden sich kaum noch bewegen konnte, vollkommen teilnahmslos im Wasser trieb und nur durch Zurufe, Musik und Lärm immer wieder zum Bewußtsein gebracht wurde, mußte, in Watte und Tücher gepackt, sofort mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus geschasst werden. Auskunft über den Zustand der Rekordschwimmerin war von ärztlicher Seite nicht zu erhalten. So viel läßt sich jedoch sagen, daß Atemnot und Herzbeklemmungen gefähr­lichster Art sowie andere bedenkliche Krank­heitserscheinungen die einstweilige Folge der unsinnigenRekordschwimmerei" ist. Wie harm­los man in der Umgebung der Schwimmerin deir Zusammenbruch zunächst beurteilte, geht aus dem stolzen Ausspruch der Mutter hervor, die noch bei der Einlieferung ihrer Tochter ins Krankenhaus er­klärte: ,rfjier bringe ich Ihnen die beste Schwim­merin der Well".

Furchtbarer Autozufammenstoh in USA.

8 Tote, 26 verletzte.

Aus Wilmington (Delaware) wird ein grauen­haftes Derkehrsunglück gemeldet, das acht Tote und 26 Verletzte forderte. Ein mit Dynamit beladener Lastkraftwagen raste in einen mit Ausslüglern vollbesetzten Autobus hin­ein. Es erfolgte eine furchtbare Explosion. Die 3nsasfen ter Fahrzeuge wurden in weitem Llmkreis in die Lust geschleudert und mehrere von ihnen vollständig zerrissen. Don den beiden Kraftwagen blieb nur noch ein wüster Trümmer­haufen übrig.

Graf Zeppelin" an ter Westküste Nordafrikas.

Das Luftschiff «Graf Zeppelin" befand sich, wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, Montag früh 7 älhr auf 24 Grad 36 Minuten Nord und 16 Grad West, das ist ungefähr an ter Westküste Nordafrikas in der Nähe des Staates Rio de Oro. Es fährt mit einer Durch- schnittsgefchwindigkeit von 137 Stundenkilometern in einer Höhe von 200 Meter.

Streikende Schifter sperren die Seine.

Streikenden Binnenschiffern ist es gelungen,^ überraschend die Seine bei Conflans-Sainte-Ho-' norine abzusperren. Binnen sieben Minuten bil­deten sie in der Zeit, als die Flußpolizeimann- schaffen zu Abend aßen, mit ihren Kähnen eine lückenlose Kette über den Fluß, und als die Pvlizeiboote dann vorfuhren und durch Sirenensignale freie Durchfahrt forderten, legte sich noch eine zweite Reihe von Käh­nen quer über den Strom. Die Fluh- Polizei hat gegen die überraschende Qrb.rhc^^j ter Streikenden bisher nichts unternommen.

Motorrad rast in eine LA.Kolonne. 5 verletzte.

3n ter Nähe der Stadt Flensburg fuhr ein unbeleuchtetes Motorrad in eine Abteilung marschierender SA. hinein. Vier SA.-Leute wur­den, zum Teil erheblich, verletzt. Auch ter Motorradfahrer trug ernste Verletzungen davon. Alle fünf wurden sofort ins Krankenhaus geschafft. Der Zustand eines SA.-Mannes, ter einen Schä­delbruch erlitten hat, ist bedenklich.

Ein Omnibus umgestützt. (Elf Personen verletzt.

Ein mit elf Personen besetzter Omnibus aus Kre­feld stürzte in einer S-Kurve auf dem Wege von Wuppertal nach Kohlfurt um. Sämtliche Insassen wurden verletzt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Neun Verletzte konnten nach An­legung von Verbänden wieder entlassen werden.