Ausgabe 
22.8.1933 Frühausgabe
 
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nr. 195 Srühaussabe

185. Jahrgang

Dienstag, 22. August 1935

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Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnitk und Verlag! vrühl'fche Untverfilälr-Vuch- und Steinöniderei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschästrstelle: Zchulftrahe 7.

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Chefredakteur

Dr. Fnedr. IBilt). Lange. Derantwonlich fürPolitik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THt)riot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i.D. Th. Kümmel sämtlich in Gießen.

Oie Besprechungen zwischen Mussolini und Dollfuß.

Frankreichs Oonauraum-Plan findet keine Gegenliebe. Nichts gegen Deutschland.

Aber das ist nicht in erster Linie auf die Hal­tung Englands zurückzuführen, sondern vor allem auf feine eigene konsequente und leidenschaftslose Realpolitik.

Eine Wiener Pressestimme.

Wien, 21. Aug. (ERD.) Die Rachtausgabe des ..Reuen Wiener Extrablattes" will als Ergebnis der Besprechungen in Riccione fest­stellen können, daß Italien in jeder Beziehung hinter Oe st erreich und seiner Regie- rung stehe. Mussolini sei zu allem bereit, um die Tlnabhängigkeit Oesterreichs zu gewährleisten.

Enttäuschung in Paris.

Paris, 21. Qlug. (WTD.) Die Meldungen aus Rom über die Zusammenkunft zwischen Mussolini und Dollfuß und die Kommen­tare, die die Pariser Abendpresse daran knüpft, stehen unter dem Eindruck einer sichtlichen Ent­täuschung über das selbständige Vor­gehen Italiens in der österreichischen Frage. Verschiedentlich wird festgestellt, dah

die Mussolini zugeschriebene Kombination des engeren wirtschaftlichen Zusammengehens zwi­schen Italien, Oesterreich, Ungarn und Deutsch­land in ganz anderer Richtung liege, als der lardieuplan, der in der lehten Zeit in der französischen presse wieder stärker in den

Vordergrund gestellt worden war.

DerTemps" läßt sich aus Rom berichten, daß man in Riccione die Tlnabhängigkeit Oesterreichs auch gegenüberderKlei- nen Entente besprochen habe.

DasJournal des Debats" wirst Italien Schwäche gegenüber Deutschland vor und stellt mit Bedauern fest, dah Mussolini nicht daran denke, derpangermanistischen Drohun g" mit Entschlossenheit zu begegnen. Verschiedene Blätter ziehen aus der Begegnung in Riccione den Schluß, dah

oon einer kollektiven Aktion der Mächte beim Völkerbund jetzt nicht mehr die Rede fein könne.

Line deutliche Mahnung an die Westmächte.

Gleichzeitig müsse aber sestgestellt werden, dah die Besprechungen in Riccione gegen niemand irgend­eine Spitze enthalten hätten. Es handele sich keinesfalls um die Bildung irgendeines politischen Blocks, es handele sich nicht um eine Stellungnahme etwa gegen die Kleine En­tente und auch nicht gegen Deutschland. Was Deutschland betreffe, so habe im Gegenteil der Wunsch vorgeherrscht, die Situation möglichst bald so weit zu klären, dah eine Erleichte­rung der Spannung, soweit es möglich ist, eintritt. Irgendwelche Einzelsragen wie etwa die- Frage der Handelsbeziehungen oder des Triester Häsens seien nur gestreift worden.

Die Anspielungen der amtlichen italienischen Ver­lautbarung auf den Diermächtepakt und seine Anwendung bei der Lösung der Donau­sragen wird von verschiedenen Blättern als Beweis dafür angesehen, dah Mussolini den Pakt als ein Instrument zur Revision der Friedensve.träge betrachte.

DerIntransigeant" befürchtet, dah Mussolini eine freundschaftliche Unterhaltung der Unterzeichner des Diermächtepak- t e s anregen könnte und daß dabei wieder einmal das Prolbem der Nevision der Verträge auftaudjen könnte. Das Blatt sieht den einzigen 2lus- weg darin, daß man auf Grund des Artikels 11 der Dölkerbundssatzungen den Völkerbund mit der Angelegenheit befasse (!). DieHavasagentur" schreibt Rom folgende Pläne zu:

1. Eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Oe st erreich und Ungarn;

2. eine Festigung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern und Italien.

Ls scheine, daß Ungarn bereit sei, gewisse Po­sitionen, die es In Oesterreich besitze, zugunsten Italiens aufzugeben, um die Italienisch-öster­reichischen Beziehungen zu festigen.

Als Gegenleistung werde Italien den ungarischen Gctreide'uberschuß abnehmen. Außerdem mürbe in Triest je eine ungarische und eine österreichische Freihafenzone errichtet werden.

Dolifuß zurückqekehri.

Lan ic Unterred ng nntLürstLtarhcmbcrg

W i p n , 21. Aug. (TU ) Bundeskanzler Dollfuß hat bei feinem Fluge von Venedig in Klagenfurt!) eine Zwischenlandung vorgenommen und war auf dem Flugplatz Aspern um 14.03 l)hr angelangt. Rach einem kurzen Aufenthalt flog er um 14.58 Uhr wieder nach Salzburg. Auch der Handelsminister S to ck i n g e r hat sich nach Salzburg begeben. Doll" fuß dürfte im Laufe des Dienstags wieder nach Wien zurückkehren.

Hinsichtlich der Besprechungen in Riccione wird jetzt selbst in Kreisen, die alles eher als Sympathien für den 'Nationalsozialismus haben, er­klärt, es habe dort der Wunsch vorgeherrfcht, die Lage möglichst bald soweit zu klären, daß eine E r - l e i d) t e r u ii g der Spannung zwischen Oe st erreich und dem Reiche söbald als mög­lich eintrete. Angelegenheiten der Handelspoli- tik und insbesondere des Triester Hafens seien nur ge ft reift worden, sie dürften sachmän- nifchen Besprechungen vorbehalten fein.

In Venedig war der Bundeskanzler vom Flug­felde durch den Bundesführer der Heimwehren, Für­sten Starkem berg, abgeholt worden, der sich dort mit seinem Adjutanten aufhielt. Die Herren nahmen ein gemeinsames Frühstück ein, bei dem aktuelle politische. Fragen erörtert wur­den. Wie mitgeteilt wird, dauerte die Unterredung mit Fürst Starhemberg drei Stunden. *

,Ungemein befriedigt."

Wien, 21. Aug. (ERB.) Rach einer Mittei­lung der Polit scheu Korrespondenz hat sich Bun- deskannzler Dr. Dollfuß während seines kur­zen Aufenthalts auf dem Wiener Flugfelde un­gemein befriedigt über das Ergebnis seiner Reise nach Rimini ausgesprochen.

3n diesem Zusammenhang unterstrich er, wie die Politische Korrespondenz berichtet, mit sicht­licher Genugtuung, daß er auch diesmal wieder bei dem italienischen Regierungschef -nicht nur volles Versiändn s für die Verhältnisse und Bedürfnisse Oesterreichs gefunden habe, son­dern auch sich neuerlich davon habe überzeugen können, dah Ministerpräsident Mussolini warmes und tätigesIntercsse an dem Gedeihen eines freien und unabhängi­gen Oesterreich hege.

Oie Auffassung in Berlin.

Berlin, 21. Aug. (ERB.) Die ursprünglich erst für Ende des Monats vorgesehene, aber auf den vergangenen Samstag vo rverlegte Zusammenkunft zwischen dem österrei­chischen Bundeskanzler und dem ita­lienischen Regierungschef war inner­halb weniger Monate die dritte persönliche Füh­lungnahme. die Dollfuß mit Mussolini hatte. Immer handelte es sich um die innerpoli­tische Lage Oesterreichs, um seine Le­bensfähigkeit und die Frage seiner E i n- gliederung in ein größeres euro­päisches öl) ft cm. Worüber diesmal gespro­chen wurde, ist aus der ausführlichen Mitteilung der offiziösen Rachrichtcnagentur trotz der diplo­matisch vorsichtigen Stilisierung leicht zu ent- nehmen und von der maßgebenden französischen und englischen Presse auch mit bemerkenswerter Liebereinstimmung entnommen worden.

Mussolini, so läßt sich zunächst seststellen, zeigt keine Neigung, sich im Zusammenhang mit dem öslerrrichischc».» probiem an irgendeiner gegen Deutschland gerichteten Aktion zu beteiligen. Line hochpolitische Behandlung der deutsch-öster­reichischen Spannung etwa durch einen Appell an den Völkerbund, oder durch eine Interven­tion in Berlin liegt nach wie vor nicht in der Linie der italienischen Politik.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Erwähnung des Vier Mächtepaktes in der genannten italieni­schen Mitteilung von ausschlaggebender Bedeutung. Aus ihr ergibt sich, daß I t a l i e n die österreichischen Schwierigkeiten in den größeren Zusammenhang der Do naufrage stellt, daß es aber in dieser Hin- sicht keine von politifchen Hintergedanken getragene und insbesondere keine gegen b i e deutschen Interessen gerichtete Lösung anstrebt, sondern lediglich eine Regelung, die der wirt­schaftlichen Vernunft entspricht. Man hat in Paris richtig erkannt, daß

Mussolini trotz aller französischen Bemühungen um eine Einheitsfront an der Donau nach wie vor den französischen plan einer Donaufödera­tion ablehnt.

Es ist offenbar eine überspitzte Ausfassung fei­ner Absichten, wenn in Paris von einem deutsch- österreichisch - ungarisch - italienischen Block ge­sprochen wird. Cs liegt noch nicht die Bildung eines Blocks oder der Plan dazu vor, wenn der österreichische Bundeskanzler in Slcbcreinftim- mung mit Mussolini die Zusamm e n a r be it mit Italien, Ungarn und Deutschland im Rah­men einer Politik des Friedens und der Zusam­menarbeit mit allen benachbarten Mächten als besonders wünschenswert bezeichnet. Treffender ist die Auffassung der französischen Presse, dah

Mussolini eine Schiedsrichterrolle in «Europa erlangt hat.

R.o m, 21. Aug. (TU.) Die italienische Presse be­tont" in ihren Kommentaren zur Zusammenkunft von Riccione die Notwendigkeit der

Unabhängigkeit Oesterreichs, aber auch die Not­wendigkeit einer weiteren Entspannung zwischen Oesterreich und Deutschland und einer Zusam­menarbeit zwischen Oesterreich und seinen sämt­lichen Nachbarn.

L a o o r a F a s c i st a" lehnt einen Schritt beim Völkerbund, wie er von Londoner und Pariser Blättern gewünscht werde, n a ch d r ü ck 1 i ch st ab. Oessentliche Unterhaltungen in Genf über ein so heikles Thema könnten kein positives Ergebnis haben. Die Lage könne vielmehr nur politisch gelöst werden, d. h. mit Festigkeit, aber auch mit dem nö­tigen taktvollen Verständnis gegen­über b e r deutschen Revolution . der man eine gewisse Zeit zugestehen müsse. Die Möglichkeit, einen größeren Verkehr über den Hafen oon T r i e st zu leiten, müsse studiert werden. Hier könne Oesterreich bemerkenswerte Vorteile erzielen.

Nach den Leitsätzen des italienischen Regie­rungschefs ließe sich das heikelste und verwickel- ste Problem losen, wenn die Politiker und Di­plomaten zweier großer Weltmächte es unter­lassen wollten, überstürzt und unter dem mehr oder weniger bewußten Einfluß der Abneigung gegenüber dem neuen Deutschland oorzugchen, die bei der Behandlung dieser Frage überhaupt keine Rolle spielen dürfe.

DieTribun a" findet die Rede des Vizekanz­lers Winkler gleichzeitig mit dem Zusammentreffen von Riccione bedeutungsvoll wegen ihres festen -La­nes, der doch alle Wege zur friedlichen Zusammen­arbeit freilasse.

Echo in Ungarn.

Dudapc st, 21. Aug. (TU.) Zu den Aeuße- rungen der Pariser Presse über die österrelchnche Frage bemerkt derPest er Lloyd": lieber- raschend ist in erster Reihe die älnoricn- tierthe it, die sich darin äußert. 3n einem Teil der französischen Presse nimmt man an, daß Mussolini sich in Riccione bemüht hätte, »Oesterreich unb Ungarn einander näherzubrin- gen, um eine Stärkung der Kleinen Entente zu verhindern". In Wirklichkeit liegt die Rotwend'.g- keit der Forderung einer Annäherung zwischen Oesterreich und äl n g am überhaupt nicht vor. Zwischen diesen beiden Staaten herrschen schon jetzt vertrauensvolle und freund­schaftliche Be Ziehungen, die sich sowohl wirtschaftlich, wie privat in erfreulicher Weife auswirken. Woraus sich die Annahme stützt, daß

Mussolini sich bemühe, die Einschaltung des Völkerbundes zu vermeiden, können wir nicht wissen. In der europäischen Presse war allerdings von einem solchen Plan die Rede.

Es ist durchaus nicht wahrscheinlich, daß Eng­land sich einer derartigen französischen Aktion anschließen würde, und noch fraglicher mag es erscheinen, ob Frankreich allein und ohne eng­lische Unterstützung den Völkerbundsrat, dem ja Deutschland als Ratsmitglied angchört, mit dieser Sache zu befassen wünscht.

Ein erfolgreicher Vermittlungsversuch Italiens würde jedenfalls diese ganze Frage gegenstandslos machen.

Reue Opfer der Dolliuß-Zusttz.

Salzburg. 21. Aug. (CNB.) Die Tatsache, daß sich das Ende voriger Woche in Rauris ftattgefun- dcne Begräbnis des ehemaligen nationalsoziali­stischen Landtagsvizepräsidenten oon Salzburg, K o w e i n d l, zu einer großen Kundgebung für Freiheit und Recht gestaltet hat, läßt die Be­hörden nicht ruhen. Nachdem sie nach der Beisetzung des Token zahlreiche Gendarmen gegen die Teil­nehmer am Begräbnis aufgeboten hatten, wurden nun nachträglich der frühere Bürgermeister Joses Ernst und der frühere Gemeinderat August B i 1i- ner von Zell am See sowie der Tischler Höll- badjer in Axenbach wegen Verbrechens des Aufstandes und Aufruhrs verhaf­tet und dem Landesgericht in Salzburg eingeliefert. Ein anderer Nationalsozialist wurde, weil er beim Begräbnis Hakenkreuzabzeichen trug, zu vier Wochen Arrest verurteilt.

In Vorarlberg hat der Sicherheitsdirektor Rada einen Erlaß veröffentlicht, demzufolge ver­fügt wird, daß aus ehemaligen Mitgliedern der Nationalsozialistischen Partei sog. Putschscharen gebildet werden müßten, die auf Wänden und Häusern ausgemalte Hakenkreuze zu entfernen haben. Wer sich weigere, habe hohe Arreststrafen bis zu 6 Monaten und Geldstrafen bis zu 2000 Schillingen zu erwarten. Am Sonntag wurde nun in Bregenz bereits die erste dieser Putschscharen gebildet. Ein Reichsdeutscher lehnte die Mitwirkung bei der Entfernung von Hakenkreuzen ab. Er wurde verhaftet und hat nunmehr schwere Strafe zu ge­wärtigen. Da in den letzten Tagen auf den Bergen um Innsbruck wieder Hakenkreuzfeuer ab­gebrannt wurden, nahmen die Behörden wieder einige Verhaftungen von Nationalsozialisten als Geiseln vor. Darunter befindet sich auch bei Innsbrucker Rechtsanwalt Dr. Gelb, der eine Ge­fängnisstrafe oon 8 Wochen erhielt.

Hessische Arbeiisbeschaffungs- anleche.

Darmstadl, 21. Aug. (MSN.) Durch Gesetz vom 18. Juli hat der h e s s i s ch c M i n i st c r p r ä - f ident angeorönet:Zur Durchführung oon Ar- beitsbefchaffungsmahnahmcn kann ein Betrag von fünf Millionen Reichsmark im Wege des Staatskredits flüssig gemacht werden. Zu diesem Zwecke können Schuldver­schreibungen, Schahanwcisungen und wechsel in einem Nennbeträge, der zur Beschas- sung des genannten Betrages erforderlich ist, zu Be­dingungen ausgegeben werden, die der Lage des Geldmarktes entsprechen." Das Gesetz ist von Reichs- statthalter in Hessen Sprenget ausgeferligl und unter dem 25. Juli verkündet worden.

Oie kirchliche Neuordnung.

Prälat Dicht erklärt:In vier Wochen gibt cs keiue hessische Landeskirche mehr."

Darmstadt, 21. Aug. (WSN.) Auf einer Ver­anstaltung des Evangelischen Bundes in Darmsiadt sprach am Sonntag der Prälat der hessischen evan­gelischen Landeskirche D. Dr. Dr. Diehl, der u. a. erklärte, daß er gerade heute vor 10 Jahren als Prälat der Landeskirche eingeführt worden fei. (Er sagte weiter:wir verspüren heute deutlich die Hand Gottes, die uns auf den rechten weg führt. Die 10 Jahre der Vergangenheit haben viele Opfer und Entbehrungen, viele Kämpfe und Nieder­lagen gekostet. Glaube und Volk, Kirche und Vaterland, diese Losung haben wir auf unsere Fahnen geschrieben, sie werden wir auch be­halten. Jetzt stehen wir vor einem Abschluß. 3 n vier Wochen gibt es keine hessische Landeskirche, keine hessische Kirchen­regierung und keinen hessischen evan­gelischen Prälat en mehr. Das Alle ist vor­bei, aber wir wollen den alten Kampfgeist hinüber­retten in die neue Zeit.

In den übrigen Reden und Ansprachen kam der Wunsch nach dem baldigen Erstehen der deut­schen Reichskirche mit dem deutschen Reichsbischof an der Spitze zum Ausdruck.

Oie richtige Antwort an die Emigrantenpreffe.

Eine neugegrünbete Prager Tageszeitung, her Prager Mi11a g", eine Emigrantenfchöpfung, die in der unerhörtesten Weise gegen Deutschland hetzt, hatte die Kühnheit, sich an den A l b e r t L a n- gen/Georg Müller-Verlag in München zu wenden mit der Bitte um regelmäßige Zusendung von Besprechungsstücken der Verlagsneuerscheinun- gen. Der Verlag hat dem Prager Blatt darauf folgende Absage erteilt:

Nach Einsichtnahme in den Inhalt der Probe- nummern müssen wir davon absehen, Sie mit un­seren Büchern zu behelligen. Wir können es vor unserem deutschen Gewissen nicht verantworten, un­sere Autoren in den beschmutzenden Kreis Ihrer alles Deutsche begeifernden Mitarbeiter aufnehmen zu lassen. Wo Hein­rich Mann seinen Haß gegen unser Vaterland ausjpeit, wo Alfred Herr feinen Bolschewiken- geift Parade laufen läßt, wo Willy Haas, der bekannte anrüchige Macher derLiterarischen Welt" sich breit tut, wo die Elaborate eines Henri Bar­busse Abdruck finden, wo jede Nummer von Stan- dalnotizen über Deutschland voll ist, wo über unser Vaterland gesagt wird, daß esnicht nach Europa, sondern in eine moralische Quarantäne" gehört, da ist kein Raum für das Werk unseres Verlages, der seit langen Jahren gegen all das streitet, dem Sie nun Obdach geben, und für all das kämpft, was Sie nun besudeln. Unser Verlag ver­bittet es sich ausdrücklich und endgültig, von Ihrer neugegründeten Zeitung, die die Zahl der Greuel- und Hetzorgane gegen Deutschland und deutsches Wesen schimpflich vermehrt, weiterhin belästigt zu werden.

Marxistische Grenzschmuggler festgenommrn.

Eckernförde, 21. Aug. (WTB.) Die Polizei ist einem Grenzlchmuggel marxistischer Elemente auf die Spur gekommen. Zwei Siet Einwohner pflegten mit einem Segelboot knarxistische Zeitungen, die im Aus­lände gedruckt werden, nach Deutschland zu schmuggeln. So formte ein Posten fces in Karis' ^d erscheinendenN euer Vorwärts", dessen Inhalt eine einzige Beschimpfung des deutschen Volkes und seiner Führer darstellt, beschlagnahmt werden. Einer der De'.eistgten, ein Kupferschmied aus Kiel, wurde bereits verhaftet.

Ein guter Fang der Staatspolizei.

Wuppertal, 21. Aug. (WTB.) Die poli­tische Polizei hatte davon Kenntnis erhalten, daß die Leitung des Antergaues des Roten Frontkämpferbundes für die Bezirke Wuppertal, Mettmann, Wölsrath, Ratingen, Del­bert, Cangenbcrg und den gesamten niederbergi- schen Bezirk ihren Sitz in Wuppertal hat. Bei einer überraschend vorgenommenen Durchsuchung konnten zwölf Leute in dem Augenblick s e st - genommen werden, als' sie Organisa­tion spläne ausarbeiteten. Das gesamte Retz der Zentrale für den Wuppertaler und niederbcrgischen Gau konnte aufgedeckt werden.