Nachdruck verboten!
24. Fortsetzung.
MMMMMA
Vornan von Helma von Hellermann.
Wie kam es, dachte sie, zornig auf sich selbst, daß die Nähe dieses Mannes sie jedesmal m Unruhe ver- setzte, daß ihr Herz, halb erregt halb geängstigt, zu schlagen begann — und bei Georgs beglückender Gegenwart ruhig blieb? War es das Bewußtsein, daß Georg uird sie ihm ihre ganze Existenz verdankten, die er ihnen beliebig wieder rauben konnte? War es die Erinnerung an jene kleine Begebenheit aus der Kinderzeit? Jedesmal, wenn ihre Hande sich beim Gruß oder Abschied berührten, fiel ihr die ein... Die Rollen waren vertauM wollen, der Schmiedesohn von einst war ihres Gatten Herr.
Ihre Lippen preßten sich leicht au^^er,'O^ne aufzusehen, ging sie hinaus, um gleich darauf das Tablett mit den fertigen Speisen herelnzutragen. Dandro sprang auf, nahm es ihr ab und guckte neugierig auf Platten und Schüssel.
Wahrhaftig, sie hat ein richtiges Mahl gezaubert: Hackbraten, Bohnen, Kartoffeln Spargelsalat — wer schalt, als ich die Dose neulich mitbrachte. Sogar Birnenkompott gibt es! Herr Steinherr, darf ich zu Tisch bitten?"
Seine übermütige Heiterkeit wirkte ansteckend: es wurde ein fröhliches Mahl und schmeckte vorzüglich, trotzdem der Braten ein wenig zu weich und die Soße zu dünn geraten war, was Steinherr insgeheim feststellte, ohne sich jedoch dadurch den Appetit verderben zu lassen. Es mochte schwer für die junge Frau sein, nun auf einmal alle häuslichen Künste zu beherrschen, dachte er.
„Sitzenbleiben!" gebot der Hausherr, als Wera sich erheben wollte, um abzudecken. „Das kann ich viel besser! Da drüben auf dem kleinen Tisch müssen noch Zigaretten sein."
Steinherr stand auf und holte sie, ehe Wera es tun konnte. „Wissen Sie, daß Ihr Onkel, Graf Wettern auf Wetternwalde, gestorben ist, Frau von Bandro?" fragte er, ihr sein Feuerzeug hinhaltend. ,Jch las es gestern in einem Berliner Blatt. Er 'hinterließ ein beträchtliches Vermögen, sagt man."
„Ja!" Wera von Bandro blies den blauen Rauch gelassen vor sich hin, „die Wetterns dieser Linie sind wohlhabend, ich weiß es."
„Also leicht imstande und eigentlich verpflichtet, Ihnen ..."
Sie hob den Kopf, ihre schwarzen Augen flammten. „Keinen Pfennig nähme ich von ihnen an! Was kümmern uns die anderen, Georg und ich gehen unseren Weg auch ohne Hilfe!"
Wie schön sie war in ihrem Zorn!
„Sie sind stolz und unklug", erwiderte er ruhig.
Das Leben ist hart; wer besitzlos ist, ist meist rechtlos. Unterstützung, die einem gebührt, ist kein Al- mOfc „je!" Mit zitternden Fingern zerdrückte sie das glimmende Ende ihrer Zigarette in der kleinen Aschen chale. „Lieber tot."
(Er sah sie gedankenvoll an. Sie war s imstande. 2H[o gab es doch noch Frauen, die nicht an äußerem ^Aus^der^ Küche klang das Geräusch heftigen Hustens. (Eine Tür ging. Nun hörte man es kaum mehr. Beide Menschen hatten betroffen aufgehorcht. Die (Erregung auf dem schönen Gesicht der Frau schwand. Angstvoll lauschte sie.
„Seit mann hustet Ihr Mann denn so stark?" fragte Steinherr halblaut.
Erstaunt sah sie ihn an. „Schon seit Wochen!" Hatte Steinherr es nie bemerkt?
Der hatte das Empfinden einer Schuld bei ihrem verwunderten Blick. Nichts hatte er bemerkt in seiner bösen, menschenverachtenden Stimmung.
Auf dem Bettrand im Schlafzimmer saß Georg von Bandro mit hängenden Schultern und starrte auf das Taschentuch in seiner Hand. Es war mit hellem Blut gefärbt.
27. Kapitel.
Sorgenvoll sah Wera dem Gatten nach, als er in der grauen Dämmerung des naßkalten Novembermorgens das Haus verließ. Dank ihrer Sorglichkeit, die altbewährte Hausmittel angewandt, hatte Bandro eine gute Nacht verbracht und eilte nun zu feinem Dienst, froh, daß Frau und Freund nichts ahnten von der Blutung. Sie war wahrscheinlich bedeutungslos, wohl durch das Platzen irgendeines Aeder- chens bei dem heftigen Husten verursacht worden. Seine Brust fühlte sich freier als seit Tagen.
Aber auf dem halben Wege zum Werk packte ihn ein neuer Anfall von derartiger Heftigkeit, daß ihm das Steuer des großen Wagens beinahe entglitt. Mit knapper Not brachte er ihn zum Stehen. Steinherr sprang heraus, setzte sich neben den nach Atem Ringenden und zwang ihn dann mit sanfter Gewalt auf den Nebensitz.
„Ruhig, keinen Widerspruch — ich werde doch noch meinen eigenen Wagen steuern dürfen, wenn ich will!"
Der andere lächelte, zu matt, um nochmals zu protestieren. Der Maybach wurde gewendet und jagte nun in schnellster Fahrt der Stadt zu.
„Ja, wohin fahren wir denn. Das ist ..
„... der kürzeste Weg zum Arzt", lautete die energische Antwort. ,
Die zufammenaesunkene Gestalt straffte sich. „Nein, Herr Steinherr, das will ich nicht!" Kurz und be- fehlend klang es. „Wegen des bißchen Hustens — er wird schon wieder vergehen."
„Und wenn nicht, Dandro?" Der Blick des anderen ruhte in ernster Herzlichkeit auf dem (Erregten. „Wollen Sie dem Freund nicht gestatten, feine Sorge zu beruhigen?"__________
In dem blassen Gesicht zuckte es. „Es muß vergehen", sagte er leise, vor sich hinsehend, „was würde denn sonst ..."
„(Es wird vergehen", sagte Steinherr laut und riß mit harten Händen das Steuer herum. Nun flogen sie die lange Hauptstraße hinunter. „Und jetzt kein Wort weiter! Noch bin ich Ihr Chef, verstanden?!" —
„Lungenkatarrh in fortgeschrittenem Stadium — Bettruhe — äußerste Schonung, hatte schon langst liegen müssen", meinte der Professor lakonisch, als die Untersuchung beendet und Steinherr allein mit ihm war, während Dandro sich nebenan wieder ankleidete. „Er mag sich heute nachmittag tm Krankenhaus melden." rr , ...
Nicht nötig. Professor." Der große Mann hatte sich erhoben. „Ich bitte Sie, die Behandlung in meinem Hause zu übernehmen und für einen zuverlas- fgen Pfleger zu sorgen. Herr von Dandro und seine Frau werden bei mir wohnen."
,Nanu!" In unverhohlenem Staunen sah der berühmte Arzt zu dem Mann empor. Seit wann qefiel sich Magnus Steinherr in der Rolle des barmherzigen Samariters? Und warum wohl? Ob die Frau ...?
„Nicht wahr, Sie kommen, Professor?"
,'Gewiß, da Sie es wünschen." Wenn die lange Fahrt jedesmal ’ne ordentliche Stange Geld kostete, so war das schließlich Steinherrs Sache.
Als Georg von Dandro, dazutretend, von dem Dorhaben erfuhr, sträubte er sich heftig. Das ginge auf keinen Fall!
„Und Ihre Frau", fragte Steinherr, „soll sie allein da draußen bleiben und jedesmal den weiten Weg zum Krankenhaus machen? Sie sehen, es ist am besten so!" Und er nahm den Verstörten kurzerhand beim Arm und führte ihn hinaus. „Gönnen Sie mir die Freude, einem Freund zu helfen", bat er, ungewohnte Wärme im Ton. „Was gern getan wird, kann doch nicht kränken — nicht wahr?"
Vandro schwieg. Ihm war plötzlich sterbenselend zumute. Die seit Wochen aufgepeitschte Energie und Kraft drohten ihn zu verlassen. Blaß, stumm lehnte er in der Ecke des Wagens, der pfeilgeschwind dahinschoß. Und an diesem jähen Verfall erkannte Magnus Steinherr, wie es um den kleinen Doktor bestellt war, der das letzte hergegeben in seinem Dienst. —
Daheim war bereits alles telephonisch bestellt worden. Nun rief Steinherr selbst im Gartenhaus an. Wera zuckte zusammen, als sie seine Stimme hörte. Georg krank — oh, ihre Ahnung!
„Sie werden zu mir übersiedeln, hier kann besser für Ihren Mann gesorgt werden. Es ist schon alles vorbereitet."
„Nein", unterbrach sie heftig, dunkelrot vor Erregung, „das gestatte ich auf keinen Fall, Herr Steinherr! Ich werde meinen Mann hier pflegen, oder mit ihm ins Krankenhaus ..."
„... wo er mit vierzig anderen Pattenten im Massensaal liegt", schloß die klingende Stimme, brutal
vor Ungeduld, „eine passende Erholungsstätte für einen Mann wie Georg von Vandro! Es geht nicht anders", milder, da er ein unterdrücktes Schluchzen gehört. „Seien Sie vernünftig und packen Sie schnell das Nötigste zusammen, Werner holt Ihre Sachen."
Die Frau starrte mit hängenden Armen vor sich hin, Angst und Zorn im Herzen, dessen wildes Schlagen sie bis in den Hals hinauf spürte. Georg, der Geliebte, krank — und sie stand mit leeren Händen, unfähig zu helfen, mußte danken, daß der Fremde es tat. Alles in ihr bäumte sich auf bei dem Gedanken. Und sank wieder in sich zusammen in dumpfer Ergebung. Was konnte sie denn gegen seinen Willen tun in ihrer Armut!
(Es war ein schwerer Gang für die Frauen ins Herrenhaus.--
In hohen, hellen Räumen lag der Kranke, an dessen Kraft nun wochenlang das Fieber fraß. Aber noch einmal rang sich das Leben durch zum Sieg. Als es besser ging, übernahm Wera die Pflege allein, was ihr über die Peinlichkeit des Aufenthaltes in diesem Hause hinweghalf. In ihrer Empfindung war und blieb sie der geduldete Gast, den nur Gutmütigkeit und Mitleid beherbergten. Aber um des Geliebten willen harrte sie aus.
Täglich kam Steinherr, um nach dem Pacienten zu schauen, dem er seine so schwer zu erringende Freundschaft geschenkt, und der ihn schon immer ungeduldig erwartete. Und täglich spürte die Frau einen stechenden Schmerz, wenn sie die aufrechte, kraftvolle Erscheinung des anderen mit der abgezehrten Gestalt des Kranken, das gebräunte, schöne Gesicht mit den bleichen Zügen im Bett verglich. Wie böser Hohn wirkte diese gestählte Gesundheit auf sie. Und die Unruhe, die dieses Mannes Nähe stets in ihr auslöste und die in den schlimmsten Krankheitstagen geschlafen, erwachte und regte sich von neuem.
Oft wanderte des Kranken Blick in lächelnder Versonnenheit von einem zum anderen, wenn die beiden Menschen, die er am meisten liebte, an seinem Bett saßen oder, nebeneinander, stehend, gedämpft miteinander sprachen. Sie gaben ein schönes Paar ab, der große, tiefbrünette Mann und die hochgewachsene, schlanke Frau in ihrer lichtblonden Schönheit — beide trugen sie das Haupt hoch, schauten frei und stolz in die Welt. Sehr ähnlich waren sie einander im innersten Wesen, daher des Weraleins geheimer Trotz: sie spürte den stärkeren Willen, den der Gatte ihr gegenüber nicht besaß. Er, der von all ihrer Not, ihrem Leid wußte, war so gern nachgiebig. Heilen, trösten, beruhigen wollte seine Liebe. Jeder nach seiner Art! — Und das leise Lächeln in seiner Betrachtung verklärte sich zu tiefer Zärtlichkeit.
Als der Patient wieder aufstehen und sich ein wenig im Zimmer bewegen konnte, trat Magnus Steinherr eines Tages bei Wera ein.
(Fortsetzung fol<*
den Genuss
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 4689D
Am 28. Juni 1933 bei der Firma Gustav I. Kahn in Gießen: Marta Stamm ist mit Wirkung vom 1. Januar 1933 aus der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden. Die übrigen Gesellschafter setzen die offene Handelsgesellschaft unverändert fort
Am 29. 3uni 1933 bei der Firma Wilhelm Aßmann in Gießen: Die Inhaberin Witwe Aßmann ist jetzt die Ehefrau des Eugen Meyer in Gießen. Dem Ehemann Eugen Meyer in Gießen ist Prokura erteilt.
Am 3. Juli 1933 bei der Firma 3mport- und Handelsgesellschaft Benner, Krumm & Sauet in Gießen: Die Prokura des Georg Kreuder ist erloschen.
Am 5.3uli 1933 bei der Firma Siegmund Rosenbaum in Gießen: Die Firma lautet jetzt: Siegmund Rosenbaum & Co. in Gießen. Fanny Rosenbaum, geb. Geis, Ehefrau des Siegmund Rosenbaum in Gießen, ist als weitere persönlich haftende Gesellschafterin eingetreten. Offene Handelsgesellschaft. Dieselbe hat am 8. Mai 1933 begonnen. Für Verbindlichkeiten der früheren Firma haftet die offene Handelsgesellschaft nicht. Die Prokura der Fanny Rosenbaum ist erloschen.
Am 6. 3uli 1933 bei der Firma Fr. harries & Co. in Wieseck: Die Gesellschafterin Marie Harries ist jetzt die Ehefrau des Dr. Martin Köpping in Gießen. Dem Heinrich Rinn in Wieseck ist derart Prokura erteilt, daß er berechtigt ist, gemeinschaftlich mit dem Adolf Harries die Firma zu zeichnen.
Am 11. 3uli 1933: al bei der Firma 71. Reiß, Frankfurter Schuhlager, zu Gießen: Die Firma ist geändert in: Schuh- haus Zurwonne, Inhaber Anton Zur- monne, Gießen, b) Bei der Firma Scyunk & (Ebe in Heuchelheim: Die dem Kaufmann Karl Schnappauf in Heuchelheim erteilte Prokura ist erloschen.
Gießen, den 20. Juli 1933.
Hessisches Amtsgericht.
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