Aus der Provinzialhauptstadl
Mainz. Zu allen fünf Lehrerftellen sind Wohnungen vorhanden.
Hochschulpolitischer Abend der Gießener Gtudentenschast.
Bunies Allerlei.
Oie erste deutsche Apotheke.
In Deutschland waren bis zum Beginn brt 14. Jahrhunderts noch keinerlei Anstalten vorhanden, die sich als Apotheken in unserem Sinne bezeichnen liehen. Erst gegen Ende des eigentlichen Mittelalters taucht das Wort und der Begriff .Apotheke" auf als eine »öffentliche Veranstaltung im Intercffe der Gesundheitsverhältnisse des Publikums." Was man dis dahin mit dem Wort.Apotheke" bezeichnete, war nichts anderes als ein Kramladen, ein Magazin der verschiedenartigsten Handelsartikel. Im Jahre 1343 endlich, .als ein großes Sterben unter den Menschen herrschte", richtete der Aat der freien Reichsstadt Frankfurt a. M. ein unter seiner Aufsicht und seiner Polizeiordnung stehendes Magazin zur Bereitung und zum Verkauf von Arzneimitteln her und nannte diese Aiederlage .des tzochedlen Aathes Apotheke". Das war das erste derartige Unternehmen in Deutsch, land. Dem Beispiel Frankfurts folgten dann bald Augsburg, Prag, Prenzlau, Dürnberg, Stuttgart, Ulm und Leipzig (1409). Im Jahre 1488 erst wurde vom Kurfürsten Johann Cicero, dem ersten der Hohcn- zollern, der seinen bleibenden Wohnsitz nach der Mark Brandenburg verlegte, unsere heutige Reichshauptstadt Berlin mit einer Apotheke bedacht.
Alti-ömisches Bad als Museum.
Ein eigenartiges Museum ist jetzt in Budapest eröffnet worden: es ist unterirdisch und zeigt die Ruinen einer altrömischen Badeanstalt in dem Vorort O-Buda, in dem viele wertvolle römische Uber- reste gefunden worden sind. Das Bad ist während der Herrschaft des Kaiser Trajan eingerichtet worden und wurde wahrscheinlich von seinen Legionären für die Besatzung dieser Ansiedlung im alten Pannonien gebaut: es wurde unter der Regierung des Kaiser Dalentinian (364 — 375 n. Ehr ) erweitert, des letzten römischen Herrschers, der über Pannonien, das heutige Ungarn, gebot. Die Heizeinrichtung, das sog. Hhpocaustum, das sich unter dem Tepidarium, dem gemeinsamen Aufenthaltsort der Badenden, befand, ist der am besten erhaltene Teil der Ruine. 3n dem Tepidarium sieht man noch die hohlen Ziegel, durch die die heihe Luft in den Raum hineingeleitet wurde. Der Boden ist mit prächtigen Mo- saiken geschmückt, die in einer späteren Zeit ausge- beffert wurden. Andere Teile der Anlage, das Cal- darium oder Warmbad und Laconicum oder Dampfbad, sind noch nicht ausgegraben, aber die Arbeiten
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(Provinz Jenevent) Zwei Personen, ftsenbahn- und Post- Reisende verletzt,
Homburgs Aufstieg und <5tur$
Aus der Geschichte der deuffchen Spielbanken.
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Vorteil des Gesetzes.
Aornotizcn.
— Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Liebelei".
— Aus dem Stadttheaterbüro wird ins geschrieben: Am Samstag, 22. Juli, 20.15 Uhr, oastieren die „Vier Nachrichter" mit ihrem Ensemble und bringen das witzigste Kind ihrer leichtgeschürzten'Muse: „Der Esel ist los", ein Stück mit Musik in neun Bildern nach dem Altgriechischen Les Plagiates zur Aufführung. Gut beobachtet und treffend formuliert, hagelt es in diesem klassischen - Gewimmel von Anspielungen und Seitenhieben, die so ziemlich alle menschlichen Schwächen beleuchten.
. Diese Fabel, die 300 v. Ehr. im Schilda des Altertums spielt, geht auf Wielands „Geschichte der Ab- deriten" zurück und ist von einer nicht zu überbietenden Aktualität. Eine lustige Satire von tieferer Bedeutung und zeitgemäßem Humor und einer fülle von Anachronismen von geradezu köstlichster omik, hingeworfen mit dem unbesorgten Elan einer Jugend, die in ihrem Kraftüberschuß den Ernst der Zeit mit Hilfe einer lustigen und reizvollen Parodie zu überwinden bestrebt ist. Die Bier Nachrichter sind jener Teil von Schwabing, der nicht tot zu kriegen ist. „Der Esel ist los" ist eine jener charmanten Ausgelassenheiten, die Lachsalven entzündet. Man wird, man muß homerisch lachen. Und dafür muß man in diesen Zeiten von Herzen dankbar sein. Ende 22 Uhr.
♦♦ Erledigte Lehrer st eilen. Erledigt sind je eine Lehrerstelle an den Volksschulen zu Bieben, zu Grebenau, zu Groß-Felda, zu Windhausen (sämtlich Kreis Alsfeld) und zu Stadecken im Kreise
der unterdrückten Völker sei bereit, an einer Neuordnung Europas mitzuarbeiten.
Als zweiter Redner des Abends sprach stuck, phil. Oisian Hungerland, Münster, über das
Problem des erwachenden Afrika.
Er berichtete zunächst über seine Reise nach Afrika und seine dortige Tätigkeit als Werkstudent. Er führte unter anderem aus, daß die Farbigen in Afrika erwacht seien und daß die Fehler der Wei- ßen den Einwohnern nur zu deutlich gezeigt hätten, daß ein Kampf gegen die weißen Unterdrücker für sie von Erfolg sein könnte. Als der Redner von den kulturellen Einrichtungen in Afrika sprach, sagte er, daß es heute kein Eingeborener mehr nötig hätte, nach Europa oder Amerika zu gehen, um dort seine Ausbildung zu genießen, denn in Afrika gebe es heute bereits höhere Schulen, Fach- und Berufsschulen. m
Als letzter Redner sprach Dr. Reu sch über die Gefahrenlage des neuen deutschen Staates.
Der Redner schilderte die Arbeit der Deutschen Studentenschaft während der letzten Jahre. Beson- sonders betonte er die Notwendigkeit wehrsportlicher Hebung. Sodann kam er auf die Probleme der Ost- bzw. Westorientierung zu sprechen. Die Abkehr vom Westischen, in Anlehnung an Möller van den Bruck und die Hinwendung nach dem Osten.^be- dinge eine neue geistige Haltung des deutschen Studenten. Er wies auf die Persönlichkeit unseres Dolkskanzlers Adolf Hitler hin, der ja gerade als Grenzdeutscher besonders berufen sei, in Volksdeutschen Fragen an erster Stelle mitzuarbeiten Der Geist des neuen Deutschland werde seine Auswir- kungen zweifellos auch auf andere Völker ausstroh- len und Europa dereinst neugestalten. Große Ausgaben lägen vor uns, zu deren Bewältigung insbe- sondere gerade auch die studentische Jugend berufen sei. . _ .
Die grundlegenden Ausführungen der Redner des Abends fanden den Beifall der Versammlung. In diesem Sinne dankte auch der Führer der Studentenschaft den Referenten und wies in seinem Schlußwort darauf hin, daß am Freitag in der Neuen Aula der Universität eine Kundgebung für die deutsche Saar stattfinden werde, die in feier- sichern Rahmen abgehalten werden solle.
Mit einem dreifachen „Sieg Heil! auf den Illyrer Adolf Hitler wurde der politische Schulungsabend geschlossen.
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Wo sind die verschobenen DermögenS- * werte der E>pO ?
Die Pressestelle des h e s s i s ch e n Staats- p o l i z e i a m t s teilt mit:
Ls ist allgemein bekannt, daß große Teile des früheren SPD.-Vermögens teils ins Ausland, im Inland verschoben worden sind, um dieses vermögen Lem staatlichen Zugrisf zu entziehen. Die Bevölke- tung wird hiermit öffentlich ausgesordert, die De- Hörden bei der Ermittlung und Ueberführung dieses vermögens der SPD. in die öffentliche Hand zu unterstützen, und zwar sowohl des eigentlichen Par- leioermögens (hierzu gehört auch das Vermögen der früheren SPD.-Presse) als auch des vermögens «ller Nebenorganisationen der SPD. Sachdienliche Angaben über bekanntgewordene Vermögensoerschietungen, vor allem Verschiebungen auf andere Gesell- fchasl-n oder Einzelpersonen im Inland, werden von jeder PolizeidienststeUe entgegengenommen. "
Erleichterung
für Aufwertungs-Hypothekenschuldner.
Das Gesetz über die Zahlungsfrist in Aufwertungssachen vom 12. Juni 1933 gibt den Auf- toerbungshypothekenschuldnern eine Erleichterung. Der Schuldner kann bei der Aufwertungsstelle unter bestimmten Voraussetzungen die Zahlungsfrist nach dem Gesetz vom 18. Juli 1933 beantragen, wenn er sein Antragsrecht nach diesem Ge^tz bisher nicht ausgenuht oder bereits verbraucht Hot. Auf diesem Wege kann erreicht werben, daß Fälle, in denen die Aufwertungsstelle bie Zahlungsfrist versagt hat, noch einmal geprüft werden. Es kann auch eine bereits abgelaufene oder demnächst ablaufende Zahlungsfrist perlängert und ein früher abgelehnter oder zu- -vüdgcnommener Zahlungsfristantrag nachgeholt Derden. Anträge auf Grund des neuen Gesetzes -müssen jedoch, worauf hiermit nochmals hingewiesen wird, spätestens bis zum 31. Juli 1933 bei der zuständigen Auswertungsstelle gestellt werden. Wer diese Frist versäumt, verliert den
Das neue Gesetz der Reichsregierung, nach dem unter gewissen Umständen an Badeorten die Erlaubnis zur Eröffnung von Spielbanken erteilt werden darf, lenkt die Erinnerung an einige alle Kapitel aus der Geschichte der deutschen Spielsäle zurück. In Frankreich hat es früher in beinahe allen größeren Städten privilegierte Spielhäuser gegeben, bis sie am 1. Januar 1839 sämtlich geflossen wurden. In Deutschland war Preußen chon vor der Märzreoolution von 1848 mit der Aushebung der Kasinos vorangegangen: in den nach dem Kriege von 1866 neu gewonnenen Ländern wurde den dort auf Grund von Verträgen mit den rüheren Regierungen errichteten Spielbanken noch )ie Fortdauer bis zum Jahre 1872 gestattet. Sie hatten dabei die Bedingung zu erfüllen, daß ein bedeutender Teil des Reingewinns der Banken zur Gründung eines Kur- und Verschönerungsfonds für die beteiligten Städte angesammelt wurde. So hörte Ende 1872 das Spiel in den Bädern Baden-Baden, Homburg, Wiesbaden, Ems, Nauheim und Pyrmont auf.
Besonders interessant und vielleicht bezeichnend ür die Chronik mancher anderer deutscher Spiel- äle ist die Chronik des Kasinos in H o m - i u r g. Seine Gründer sind die Brüder Blanc, zwei sehr abenteuerlustige und unternehmende Franzosen, die vor einigen Jahren in Bordeaux durch einen seltsamen Prozeß Aufsehen erregt hatten: sie hatten den amtlichen optischen Nachrichten- dienst zwischen Paris und Bordeaux zu Spekulativ- nen ihres Bankhauses mißbraucht, aber die Strafe blieb aus, und sie wurden nur dazu verurteilt, die oerhäsinismäßig geringen Kosten dieses Bestechungsprozesses zu tragen. Nachdem ihnen so der Boden in Bordeaux etwas bedenklich geworden war, hatten sie in Paris Spielbanken unterhalten und hatten sich dann als ihr Ziel Deutschland und besonders den Miniaturstaat Hessen-Homburg mit seinem Hauptstädtchen Hornburg ausersehen, dessen Finanzen schon feit Jahren erholungsbedürftig waren.
Die Zwillingsbrüder Blanc zogen den Homburger Spielbetrieb sehr großartig und mit geschickter Reklame auf. Das neue große Kurhaus, sehr luxuriös ausgeftattet, wurde Mitte August 1843 eröffnet, und es gab gleich einen Riesenumsatz in den neuen Spielsälen, aus denen freilich die Landeskinder bet schweren Geld- und Zuchthausstrafen ausgeschlossen waren, wie denn überhaupt der Fürst wenig vom Spiel wissen wollte und bei alledem mehr an das Wohl seines Bades und Landes dachte. V a r n» (jagen von Ense, der damals in Homburg weilte, fand das Treiben an den Spieltischen höchst anstößig, obwohl das neue Kurhaus sehr schön und prachtvoll eingerichtet sei, er wunderte sich über die Pächter Blanc, die Musik, Lesesaal und Bälle um- sonst gaben, aber er scheint um die Roulettetische nur Spitzbuben und Galgengesichter beobachtet zu haben. Trotzdem ist er jedes Jahr in diesen verachteten Ort zurückgegkommen.
Es war den Brüdern gelungen, durch sehr umfangreiche und geschickte Reklame für die Vorzüge der Homburger Quelle und für die Spielsäle des Kurhauses viele Ausländer nach dem Kleinstaat zu ziehen, darunter besonders die russische Aristokratie, die damals noch ungeheuer reich war. Aber auch eine Persönlichkeit wie 2)oftojem£ti stürzte sich mit maßloser Leidenschaft in den Strudel des Glücksspiels: auf feiner ersten Deutschlandreise, 1862, fiel ihm in Wiesbaden ein höherer Gewinn zu, der für ihn verhängnisvoll werden sollte. In Hom- bürg spielte er im Jahre darauf mit Unglück, so daß er sich Geld leihen mußte. In dieser neroenzer- rüttenden Zeit starb seine _ erste Frau, und er wurde von Gläubigern bedrängt: aus dieser Not heraus schrieb er, um Verpflichtungen gegen etnen Verleger nachzukommen, seinen Roman „ Der Spieler", ein Stück eigene Lebensbeichte, in drei Wochen. Er benutzte dazu seine eigenen Erfahrungen und die Menschen, die er in den Hom- bürget Sälen kennen gelernt hatte: die prächtige Gestalt der Tante verdankt er der Gräfin Kiffe? lew, die eine der leidenschaftlichsten Spielerinnen der russischen Aristokratie in Homburg war.
Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. D. (AvD.), Gie- jen. Folgende Straßensperrungen sind aufgehoben: ' : )eldenbergen—Windecken, Bleichenbach—Büches und < die Ortsdurchfahrt Hammerstraße in Büdingen.
•• Derkehrsunfälle. Am Mittwochabend ereignete sich an der Ecke Bismarckstraße und Horst- Wesjel-Wall ein Unfall, der leicht schwerste Folgen haben konnte. Die Haustochter Erika Göhrig von hier geriet, als sie aus der Bismarckstraße in den Horst-Wessel-Wall einbiegen wollte, gegen ein Auto und wurde dabei heftig zur Seite geschleudert. Das bedauernswerte Mädchen erlitt neben verschiedenen Quetschungen und Hautabschürfungen einen Neroen- chock und wurde sofort in das Evangelische Schare- ternhaus gebracht. Ein ähnlicher Unfall ereignete ich gestern vormittag in der Walltorstraße. Ein Radfahrer bog hinter einem Kraftwagen, der auf der rechten Seite stand, plötzlich in Richtung nach der Marburger Straße auf die Straßenmitte ein und geriet dabei gegen ein aus in entgegengesetzter Richtung fahrendes Auto. Der Radfahrer wurde zu Boden geschleudert, erlitt aber glücklicherweise nur leichtere Verletzungen.
•* Monatsversammlung des Hesft- fchen Jagdklubs Gießen. Die Monatsver- ,'ammlung des Hessischen Jagdklubs, Ortsgruppe Gießen, war, wie man uns berichtet, gut besucht und bot den Mitgliedern viel Anregung. Mitglied H. K e i ß n e r hielt einen Vortrag über „Deutsches Weidwerk, Weidgerechtigkeit und deutsche Weidmannssprache". Der Vortragende sprach kurz über die Geschichte der deutschen Jagd, über weidmännische Sitten und Gebräuche, Weidgerechtigkeit und bann eingehend über die deutsche Weidmannssprache. Der Vortrag fand ungeteilten Beifall und führte eine angeregte Aussprache herbei. Eine An- zahl sehr wichtiger Fragen standen sodann zur Aussprache. Klagen der Pächter der Stadtwaldreoiere wegen Wilderns, Sachbeschädigungen (Abreißen von Hochsitzen) und jagende Hunde und Katzen. Hier gibt es nur eins: Abschuß. Es wäre mit Freuden zu begrüßen, wenn auch die in Preußen geltenden Bestimmungen über Töten wildernder Hunde und Katzen recht bald für Hessen Geltung bekommen würden. Erneut machte der Vorsitzende darauf auf- merksam, daß in Hessen — trotz wiederholter Vorstellungen — der Schrotschuß auf Schalenwild nicht verboten wurde. Den Mitgliedern des Hessischen Jagdklubs sei jedoch auf alles Schalenwild, trotz der gesetzlichen Erlaubnis des Schrotschusses, ab 1.Oktober nur der Kugelschuß erlaubt. Ein Werbetag für den Hessischen Jagdklub fand am 16. Juli in Lich statt. Der Einladung war eine große Zahl Jäger aus Lich und Umgebung gefolgt und so nahm der Werbetag bei guter Beteiligung einen sehr erfreulichen Verlauf. Nachdem der erste Vorsitzende, Herr Bal- zer, die Teilnehmer begrüßt hatte, wies er nachdrücklich auf den Wert des Zusammenschlusses aller Jäger und deren Zugehörigkeit zu einem anerkannten Jagdverein hin. Er hob noch besonders hervor, daß bereits eine Anzahl Gemeinden bei Neuverpach- tung die Zugehörigkeit eines Neupächters zu einem Jagdverein forderten. Außerdem genieße jedes Mitglied die Vorteile, die ihm der Verein biete, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch das Wissen werde gefördert und die Ortsgruppe lege großen Wert daraus, daß in jeder Monatsversammlung ein belehrender Vortrag gehalten werde. Anschsie-
1 ßcnd sprach Dentist Friedrich (Gießen) über die Kölner Jagdausstellung, unter besonderer Berücksichtigung der Bewertung der Gehörne aus unserer Gegend. Eine sehr lebhafte Aussprache schloß sich dem hochinteressanten Vortrag an. Mitglied K e i ß- n e r hielt auch in Lich den Vortrag über „Deutsches Weidwerk, Weidgerechtigkeit und Weidmannssprache". Herr Förster Textor (Lich) dankte der Ortsgruppe Gießen für den Besuch. Eine größere Anzahl Neuanmeldungen durfte der Verein für seine Bemühungen mit nach Hause nehmen.
So groß die finanziellen Erfolge waren, denen chließlich jeder einzelne Homburger eine Hebung eines Wohlstandes verdankte, so zahlreich wurden bie Angriffe von außen, die gehässigen Bro- chüren und Pamphlete. Dazu kam die Frankfurter nationaloerfammlung in der Paulskirche, der 1848 der schroffe Antrag vorlag, sämtliche deutschen Spielbanken aufzuheben, gegen den die hessische Regierung in einer Denkschrift Einspruch erhob, denn „auch die schwärmerischsten Gegner der Spielbanken werden nicht zu behaupten vermögen, daß von dem Fortbestand derselben das Wohl Deutschlands irgend abhängig sei und daß mit der Aufhebung derselben ein so wesentlicher Vorteil errungen werde, um die schweren Verluste zahlreicher Privater, die Erschütterung des Wohlstandes ganzer Städte und Gegenden, die finanziellen Verlegenheiten der betroffenen Regierungen, die durch dies alles neu erregte, vielfältige Unzufriedenheit zu überwiegen." — Der Antrag wurde, in dieser sonst immer uneinigen Der- fammlung, ein wahres Wunder, einstimmig angenommen. Als die Homburger nicht schlossen, zog sogar eine Exekutionstruppe in Homburg ein, ein Reichskommissar erschien persönlich, aber die Brüder Blanc fanden den einfachsten Ausweg: sie verwandelten die Bank in eine Privatgesellschaft der sich in Homburg aufhaltenden Fremden, der sie den Prinzensaal des Kurhauses zur Verfügung stellten. Schließlich verlief das ganze Frankfurter Gegenspiel im Sande, und wieder strömten die Fremden aus aller Welt zum Kasino.
Bedrohlich wurde die Lage der Spielbank, als im kurzen Kriege von 1866 Preußen siegreich blieb: die Schließung der Bank stand bevor und war durch kein Mitel mehr abzuwenden. Die Banken von Ems und Wiesbaden fügten sich gleich der ersten Aufforderung; mit Homburg wurden noch einige lieber- gangsoerträge geschlossen, denn Blanc wollte bis zum letzten Augenblick durchhalten..Dann nahte auch Homburgs Ende, die letzte Spielbank Deutschlands schloß. Blanc aber brauchte nicht zu trauern — er hatte schon die neue Spielbank von Monaco eröffnet.
Blanc hatte für die Kurhauskonzerte Künstler von europäischem Ruf gewonnen, die Patti, die Lucca, Rubin st ein; auch diese und _ viele andere Künstler gaben die Tausende, die sie für ihr Auftreten erhielten, der Bank am Roulettetisch zurück. Aber im Ganzen hat in Homburg das Spiel nicht zu viele Opfer geholt, und die Selbstmord- statistik hat dort niemals höhere Ziffern als in anderen Orten mit gleicher Einwohnerzahl aufge- wiesen. Zweimal wurde die Homburger Bank gesprengt, einmal war es ein Bonaparte, Charles Lucien, und ein andermal ein gefürchteter internationaler Spieler, der berüchtigte Thomas Garcia. In feinem Buch „Der Zauberer von Monaco, Homburg und Monte Carlo" erzählt Egon Caesar (Tonte (Torti von dem Schicksal eines gewissen polnischen Barons, das für viele Spieler- naturen typisch ist. „Jeder kannte den Mann, der einst in einem prächtigen, mit vier Schimmeln bespannten Wagen durch Hombura gefahren war und nun ebendort in abgetragenen Kleidern seine letzten Jahre oerbettelte und auf einem Strohlager starb. Kaum hatte er ein Stück Geld in den Händen, so trug er es zur Spielbank oder aber in die Konditorei, um seiner zweiten Leidenschaft, dem Essen von Süßigkeiten, zu frönen. Ein liebenswürdiger, gutmütiger, von allen wohlgesittener, aber schwacher Charakter, Typ derjenigen Leute, die dem Spiel fernbleiben sollten, die aber auch dann nicht zu halten wären, wenn es keine öffentliche epielbant gäbe, weil sie dann ihr Hab und Gut in einem Klub oertun würden. In einem Gedichtchen, das er 1871 gemacht hat und das mit den Worten beginnt: „Hab alles versetzt, verkauft, und vertan, vertrunken, oerküßt und verjubelt", schildert er einen Traum, der ihm oorfpiegeltez er habe Gluck gehabt, alles zurückgewonnen und könne wieder als reicher Mann durch die Straßen Homburgs fahren. Ader es war nur ein Traum, und das Erwachen daraus um so bitterer."
Am Mittwoch fand in der neuen Aula der Universität der übliche Vortragsabend der Gießener Studentenschaft statt, stuck, jur. Heinz-Jürgen Adam, der Führer der Gießener Studentenschaft, eröffnete den Schulungsabend. Er wies darauf hin, daß es für jeden Kommilitonen von Interesse sei, etwas von der Reoisions - tagung in Sofia zu erfahren, ferner glaube er, daß es auch einmal interessant fei, dem Vortrag eines Kameraden zu folgen, der als Werkstudent in Afrika tätig war. Als weiteren Redner des Abends begrüßte er Dr. Reufch, der zu der Studentenschaft über die „Gefahrenlage des neuen deutschen Staates" sprach.
Als ersten Redner erteilte er Diplomoolkswirt Fr. tz das Wort. Herr Fritz sprach über die studentische Revisionstagung in Sofia.
Er führte unter anderem aus: Es fei nichts Neues, daß die studentische Jugend sich mit Politik beschäftige und betonte, daß es durchaus möglich sei, daß sich die Studentenschaften mit Außenpolitik befaßten. Er berichtete zunächst von den Vorgängen 1931 in Brüssel, wo man Deutschland in unerhörter Weise provoziert habe. Dann sprach er von dem Kampf der Studenten gegen die Friedensdiktate und erklärte, daß die heutige studentische Jugend mit aller Energie gegen die Schanddiktate protestiere. Als Beispiel führte er Ungarn an, wo eine musterhafte Propaganda gegen die Diktate schon seit langer Zeit betrieben wird. Der Kampf der Deutschen Studentenschaft, die ja immer national gewesen sei, sei durch die bürgerliche Lauheit der letzten Regierung stark gehemmt worden. Nun sei Deutschland nach innen frei und der Studentenschaft sei der Weg offen. Sodann kam der Redner auf die eigentliche Tagung in Sofia zu sprechen, an der Studenten aus Großdeutschland, Ungarn, Ukraine, Kroatien, Albanien, Mazedonien, ferner aus Amerika und aus Holland teilnah- men. Alle Teilnehmer wollten der ganzen Welt die Unmöglichkeit der Lösung von Versailles, Trianon, Saint-Germain und Neuilly klarmachen. Im Anschluß daran sprach Herr Fritz über das Minderheitenproblem und betonte, daß auch hier eine Wandlung geschaffen werden müsse. Die scheinbare äußere Ruhe könne uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß unterirdisch eine gefährliche Glut schwele, die eine dauernde Bedrohung des Friedens darstelle. Nur bei gemeinsamer Arbeit aller unterdrückten Völker könne eine Bekämpfung der Frie- densdiktate Erfolg haben. Die studenttsche Jugend
werden jetzt in Angriff genommen, und so durfte das Museum bald eine Erweiterung erfahren. Dir Ruinen des Rauäduttes, durch den das Wasser dem Rade zugesührt wurde, sind noch in der Wie» nct Straße von O-Buda in der Rähe der altrömi» schen Stadt Aguincum zu sehen. Richt weit von dieser Dadeanlage wurden die Liberreste einer früh» christlichen Kirche ausgegraben, die aus dem 4. Jahrhundert stammt und in Form eines Dreiblattes angelegt ist. Die Kapelle war die Degräbnisstätte einer vornehmen römischen Familie und ist das zweite Bauwerk dieser Art, das bisher in Ungarn ausge» graben wurde.
Bürgermeisterwahl in Offenbach a. M.
WSR. Offenbach, 20. Juli. Am Mittwoch sand durch den Offenbacher Stadtrat auf Anordnung der hessischen Regierung die Wahl des Oberbürgermeisters und der Beigeordneten statt. Es wurden gewählt zum Oberbürgermeister Rcaic» rungsrat Dr. S ch ö n h a l s , zum besoldeten Beigeordneten der Kreisleiter Kurt Stein und zum unbesoldeten Beigeordneten Gustav Lang. Die drei Genannten waren seit dem 28. März bereits kommissarisch tätig. Dr. Schönhals trat 1927, nachdem er als Gerichtsassessor tätig war, bet der Reichsfinanzverwaltung ein. Seit 1928 Regte- rungsassessor, war er dann am Landesfinanzamt Darmstadt und am Finanzamt Worms tätig. Seit 1929 wirkte er beim Finanzamt Offenbach, wo 1931 die planmäßige Anstellung als Regierungsrat erfolgte.
Auto von einem Personenzug ersaßt und mitgeschleist.
Dillenburg, 20. Juli. (WSN.) Heute nach- mittag 14.58 Uhr wurde auf der Strecke Nieder- malgern—Herborn in der Nähe des jjaltepunftes Oberndorf an dem unbeschrankten mit Warnkreuzen versehenen Wegeübergang das Auto des Försters Leonhard aus Tringenstein von einem Personenzug erfaßt, mitgeschleift und stark beschädigt. Die Frau des Försters wurde schwer, der Forster selbst l e i ch t v e r l e tz t. Die Frau wurde nach dem Krankenhaus Dillenburg gebracht.____________
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