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Nr. '42 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhefieni Mittwoch 2f.Zuni fy33
Kür den Büchertisch.
Neue Gedichte.
— Paul Keller: Gedichte und Gedanken. 146 Seiten. Leinen 3,75 TUt Derg- stadtverlap, BreSlau 1. — (184.) — Dieses Buch enthält eine Sammlung der Gedichte und Gedanken Paul Kellers, die alle Freunde seiner Dichtkunst freudig begrüben werden. Zum ersten Male sind hier die überall verstreuten Gedichte aus der ganzen Schafsenszeit des Erzählers Der- einigt worden. Der Leser empfängt das Bekenntnis zum wahrhaftigen Leben, das alle Kellersche Dichtkunst auszeichnet und über den Alltag hin- aushebt. 3m zweiten Teil des Buches sind die Gedanken des Dichters gesammelt, die — ebenso wie ein grober Teil seiner Gedichte — Wege zu einer lebensbejahenden -Weltanschauung weisen.
— Hans Fritz von Zwehl: Liebe, Krieg, Ferne, Einsamkeit. Gedichte. 74 Seiten. Ganzleinen 2,85 Mk. 3m Verlag der Gesellschaft für deutsches Schristtum e. V., Berlin, 1933. — (131.) — Das ist die erste Sammlung von Gedichten Hans Fritz von Z w e h l s, der bisher nur als Dramatiker hervorgetreten ist. Die im Titel gekennzeichnete Motivreihe flieht natürlich lose und leise ineinander, aber die einzelnen Bilder — Zwehl gibt fast nur Bilder, tn Musik gesetzt — ergänzen einander oft überraschend. Der Dichter, der in diesen Tagen sein Weltkriegsdrama „Führer" vollendet hat — ein Stabsoffizier erträgt es nicht, einen Angriffsplan nur ersonnen zu haben, sondern stellt sich an die Spitze der dazu bestimmten Truppen und fällt. Führer in doppeltem Sinne —, weih noch immer nicht ganz, dah trotz allem seine zartesten Klänge die reichsten sind.
— Dr. Owlglaß: Stunde um Stunde. Gedichte. Band 13 der .Kleinen Bücherei". Geb. 80 Pf. Verlag Albert Langen Georg Mueller, München. — (5.) — Die Lieder, die Dr. Owlglah in dieser Sammlung vereinigt, zeigen ein anderes Gesicht, als man es von dem Verfasser der scharfen Verse im .Simplizissimus" erwarten sollte. Diese Verse hier sind gar nicht aggressiv, sondern eher skeptisch, nachdenklich, auch von leisem Humor umspielt: um die Wiedergabe eines Bildes oder einer Stimmung in der Vatur mit möglichst sparsamen Mitteln schlicht bemüht.
deutsche Erzähler.
— Deutsche Erzähler. Ausgewählt und eingeleitet von Hugo von Hofmannsthal. 1004 Seiten. Ganzleinen 4,50 Mk. 3m 3nsel- Verlag zu Leipzig, 1933. — (84.) — 3n diesem schönen, über tausend Seiten (auf Dünndruck- Papier) umfassenden und deswegen trotzdem recht handlichen Bande ist so etwas wie ein ewiger Vorrat grober und unvergänglicher deutscher Crzählerkunst von Goethe bis Keller, von der klassischen Zeit über die Romantik bis zum Realismus des vorigen 3ahrhunderts vereinigt. Die Auswahl zeugt (bei aller Subjektivität des Herausgebers) von erlesenem Geschmack: die Einführung ist eine vorbildliche, in ausgezeichnetem Stil geschriebene Wesensbestimmung dieses wichtigen und grundlegenden Abschnittes im Buche der deutschen Dichtung. „Unser Volk hat ein schlaffes Gedächtnis und eine träumende Seele, trotz allem, was es besitzt, verliert es immer wieder, aber es ruft sich nachts zurück, was es am Tage verloren hat. Den Reichtum, der ihm eignet, zählt es nicht und ist fähig, seiner Krongüter zu vergessen, aber zuzeiten sehnt es sich nach sich selber, und niemals ist es reiner und stärker als in solchen Zeiten." Die Sammlung selbst umfafot folgende Stücke: „Der tolle (Zn- valide aus dem Fort Ratonncau" von Arnim: „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" von Brentano: „Lenz" von Büchner: „Die 3udenbuche" von der Droste: „Aus dem Leben eines Taugenichts" von Eichendorfs: „Rovelle" von Goethe: „Barthli der Korber" von Gotthelf: „Der arme Spielmann" von Grillparzer: „Das kalte Herz" von Hauff: „Aus meiner 3ugend" von Hebbel: „Der Elementargeist" von Hoffmann: „Leben des vergnügten Echulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal" von 3 e an Paul: „Spiegel, das Kätzchen" von Keller: „Das Erdbeben in Chili" von Kleist: „Undine" von Sou- quö: „Mozart aus der Reise nach Prag' von Mörike: ..Der Geisterseher" von Schiller, „Die Erzählung des Obersten Morse" von S e a l s f i e l d: „Der Hagestolz" von Stifter: und „Der blonde Eckbert" von T i e ck. — Der 3nsel-Verlag hat dieser wunderschönen Sammlung klassischer deutscher Epik eine so vornehme wie gediegene Ausstattung zuteil werden lassen, dah es — zumal mit Berücksichtigung des erstaunlich geringen Preises — eine rechte Freude ist, das Buch selber zu besitzen und es zum Geschenk zu machen. —
— Ludwig Finkh, Schm u g g [ e r, Schelme, Schabernack. Anekdoten. Geb. 2,50 Mark. (Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.) — 192 — Die köstlichsten Schmugglergeschichten stehen in diesem heiteren Sommerbuch voll Schelmerei und Lachen. Eingestreut sind Schelmengcfchichten, die sonstwo im Schwabenlande umgehen, und treffsichere Glossen, in denen Ludwig Finckh, der ja auch dem Vorstand des Deutschen Sprachvereins angehört, seinem Herzen Luft macht. Denn auch auf dem ©remrain der Sprachen wird unbedenklich Schmuggel getrieben, aber hier steht Finckh als Wächter. — So müssen solche Geschichten erzählt werden: mit allem Behagen an der Men- schennatur und ihrer Gift, mit dem Blick für ihre Schwächen und dem Sinn für das Rechte, überdies kurz und bündig, denn die Kürze ist des Witzes Seele.
- Rudolf Presber: Cagliostro in Altenbühl. Roman. Mit Federzeichnungen D->n F. Christophe. Seinen 5,50 Mart. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart und Berlin. — (166) - Ein mit dem Reiz Presberscher Erzählungskunst gestaltetes Stück aus dem Leben des genialen Glücksritters, des geheimnisumwobenen Magiers. Cagliostro, der scharmante Kavalier, der hilfreiche Arzt, bcr alle verblüf- sende Zauberer, der raffinierte Betrüger und Glücksritter — hin die in tausend Farben schillernde Persönlich: d"s genialen Abenteurers, dessen Berühmtheit n. ,chon ^..cderthalb 3ahr-
hunderte überdauert, ist von Presber mit allen Mitteln seiner Kunst und einem großen hillur- aeschichtlichen W.sfen «nd Einfühlungsvermögen in den Mittelpunkt einer fpannenben Begebenheit gestellt. Wie es dem falschen Grafen gelingt, die Bürgerschaft eines westdeutschen Städtchens durcheinanderzuwirbeln, hoch und niedrig zu düpieren und allen Schlingen der einsetzendcyr Verfolgung durch List und Gewandtheit doch zu entgehen, bildet den 3nhalt der Handlungsreichen, oft humorvollen, immer spannenden Erzählung.
— Walter Erich Schäfer: Das Aegirn e n t s f e ft. Erzählung. 64 Seiten. Geb. 1,— Mk. 1933. 3. Engelhorns Nachf., Stuttgart. — (152) — Der Verlag Engelhorn, der das Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, den Dichter des von fast allen deutschen Bühnen gespielten vaterländischen Schauspieles „Der 18. Oktober" lange vor dem großen Theatererfolg entdeckt und mit zwei Dramen und zwei dichterisch höchst wertvollen Nooellen- bänden eingeführt zu hoben, bringt jetzt eine Aus
gabe der erschütternden Erzählung „Das Regiments- fest" heraus. Hier ist zum erstenmal die Tragödie des Unterführers gestaltet, der. mit Leib und ceele und aus innerster Berufung Soldat, den verlorenen Krieg und das durch ihn verwandelte Deutschland nicht erträgt. Schäfer entfallet hier die ftunft des echten Dichters, ein Einzelschicksal zu gestalten und in ihm das Los eines ganzen Volkes zu spiegeln. Diese Erzählung ist mit sprachlicher Disziplin geformt und weit entfernt von aller blutleeren Artistik.
— Hans Friedrich Blunck: Fünf Erzäh- lungen. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis gebunden 1 RM. — (198) — In diesen fest- sam packenden Erzählungen des niederdeutschen Dichters weht das Schicksal — ernst und groß, und doch versöhnend. Menschen begenen sich, aber etwas Höheres geschieht mit ihnen, das vorüberrauscht und beim Auseinandergehen etwas Neues, Unvergängliches hinterläßt.
Aus fremden Literaturen.
— Knut Hamsun, „Kämpfende Kräfte". Eine Erzählung in zwei Romanen. („Kinder ihrer Zeit", „Stadt Scgelfoß".) 598 Seiten. 3n Leinen gebunden 4,80 Mk. Verlag Albert Langen/Gg.. Müller, München. (187) Fast 20 3ahre find es her, feit die beiden großen Romane „Kinder ihrer Zeit" und „Stadt Segelfoß" erschienen. Sie liegen heute in einer Reuausgabe vor, vereinigt in einem Band und unter einen gemeinsamen Titel gestellt, der ihre innere Zusammengehörigkeit bekundet. Kampf ist hier alles, Spannung, Zusammenprall fremder Gewalten, die zerstören und zerstört werden, um schließlich Reues aus sich hervorgehen zu lassen. Hier das Bodenständige, Kulturhafte, Gediegene, dort das Heimat- und Wurzellose, das Unechte, Unsolide, die Zivilisation stehen zum Kampf gegeneinander, der auf der einen Seite Angriff, auf der anderen Abwehr ist, ei wird umrahmt von einem Reichtum an Figuren und Handlungen, aber er bleibt doch immer das durchaus Dominierende, das man nicht eine Minute lang aus dem Auge verliert. Hamsuns Geschichte ist eine Zeitsatire, das ist offen- sichtlich, aber sie ist ganz ohne Haß und Bitterkeit. Es liegt eine abgeklärte Weisheit über dem Ganzen und sehr viel Liebe zu den Menschen, für Deren Eigenheiten er immer ein mildes, verstehendes Lächeln hat. Seine Haltung ist niemals die eines Skeptikers, auch in diesen beiden Erzählungen liegt wieder ein tiefer Glaube an die Lebenskraft alles Echten und Gefunden.
— Cherry Kcarton: Palla h. Ein Tierleben in afrikanischer Wildnis. Einzig berechtigte ücbertragung aus dem Englischen von Emst Müncherath. 192 Seiten 8°. 23 Bilder nach Photos des Verfassers. Kart. 3,50 Mk., Leinen 5,50 Mk. 3. Engekhoms Rachf., Stuttgart. — (114.) — Wir haben im vorigen 3ahre Keartons herrlichen Bericht von der einsamen 3nsel der fünf Millionen Pinguine an dieser Stelle eindringlich empfohlen: wir freuen uns, heute auch auf das neueste Buch des englischen Tierfreundes — und zwar nicht minder angelegentlich — Hinweisen zu können, denn wir glauben, daß es von vielen mit der gleichen Freude und einer Spannung gelesen werden wird, mit der man gemeinhin nur aufregende Kriminalromane zu ver
folgen gewöhnt ist. „Pallah" ist die Geschichte einer kleinen Schwarzserlenantilope, aber die Ereignisse und Szenen bleiben nicht auf die eigentliche „Heldin" beschränkt: die Schilderung rundet sich vielmehr zum bezaubernden und erregenden Bilde paradiesisch reichen Tierlebens in einer unberührten afrikanischen Landschaft. Kearton hat mehr als drei 3ahrzehnte im schwarzen Erdteil Angebracht, und feine Schilderungen sind von der gleichen, überzeugenden Sachkenntnis, Erlebnisnähe und Anschaulichkeit erfüllt, die schon das Pinguin-Buch zu einer auf lange Zeit unvergeßlichen Lektüre machte. Kearton hat das Leben der unerschöpflichen Tierwelt in Afrika in feiner ursprünglichen Freiheit und Wildheit aus nächster Rähe belauscht und beobachtet: er hat seine Beobachtungen und Begegnungen mit Löwen und Krokodilen, mit Pavianen und Gazellen, mit Ras- Hom und Leopard, mit Zebras und Elefanten geschildert, und es finden sich Szenen von elementarer Dramatik in diesem Buche: zum Beispiel die Treibjagd der Wildhunde auf die versprengte Gazelle, die sich in höchster Rot hinter die mächtige graue Mauer einer Elefantenherde rettet; oder der Kampf zwischen einer Hyäne und einer Pythonschlange: oder das grausige Duell zwischen dem Rashorn und dem Riesenkrokodil am abschüssigen Fluhuser. Die Schilderungen werden von einer CReibe seltener und anschaulicher Augenblicksaufnahmen begleitet, welche die lebendige Ausstrahlung dieses schönen Tierbuchs noch verdichten. — y —
Ossip Dymow: Das Kuckucksspiel. Rovelle. Deutsche Fassung von O. Gabrielli. Mit einem Rachwort. Reclams Universal-Dibliothek Rr. 7195. Geh. 35 Pf., geb. 75 Pf. — (456.) — Die Rovelle spielt in der Vorkriegszeit in Kreisen der nach Sibirien Verbannten und schildert das Schicksal eines jungen Offiziers, der in der grauenhaften Oede der Verbannung dem Spielwahnsinn verfällt. Von seinen Schulden kann er sich nur durch Beteiligung am „Kuckucksspiel" befreien, einem sinnlosen, grausamen Spiel, das dem zum Opfer Erkorenen sicheren Tod brinat. Man kann sich der unheimlichen Stimmung dieser Rovelle schwer entziehen.
Politik und
— H. v. Koenigswald. Revolution 1918. Verlag W. G. Korn, Breslau. Ganzleinen 5,80 Mk., kart. 4,50 Mk. (120) Zwischen Sturz des Alten und Bau des Reuen liegt das Revolutionschaos, aus dem sich die Kräfte zum Reubau kristallifieren müssen, soll die Revolution nicht nach Abebben des Chaos wieder in den alten Zuständen versinken. Alle Kräfte und Gegenkräfte finden erstmalig in diesem Buche ihren dokumentarischen Riederschlag: Flugblätter, Plakate, Zeitdokumente und Ausrufe sprechen eine schonungslose und unverfälschte Sprache. 3n ihnen sind alle wesentlichen Vorgänge jener Epoche eingefangen. Das Bild, das sich ergibt, zeigt die Leidenschaftlichkeit, Hemmungslosigkeit, Gutgläubigkeit, Zerfahrenheit jener Tage, in der auch die guten Ansätze rettungslos steckenbleiben mußten. Diese Arbeit, die an das erste Kapitel der deutschen Revolution, an die enttäuschten Hoffnungen von damals erinnert, will zur Erkennt- nis^ unserer gegenwärtigen Lage beitragen, will den Ausspruch Moeller van den Drucks aufgreifen: „Wir müssen die Revolution gewinnen!"
— Dora von Beseler: Der Kaiser im englischen Urteil. Kartoniert 3.— Mark. Verlag I. G. Cotta. Stuttgart. — (434) — Das Charakterbild Wilhelms II. haben der Parteien Haß und Gunst erhöht und erniedrigt, und nur wenigen, die den Kaiser aus nächster Nähe kannten, war es beschieden, ein klares Bild seiner Persönlichkeit zu entwerfen. Dora von Beseler hat den Ver- such gemacht, auf Grund der englischen Einzelurteile darzustellen, wio die Geschichtsforscher und Politiker Englands Wilhelm II. als Persönlichkeit und in seinem Wirken sehen. Der Versuch ist sine ira et Studio unternommen worden, und sein Ergebnis umreißt die Gestalt eines Mannes und Herrschers in Linien, die fern jeder Heroisierung, aber auch ebenso fern jeder Entstellung den Mann des reinen Wollens aufzeigen, der der Uebergewalt der feindlichen Schicksalswirkungen unterliegt.
— HansWendt: Die Mörzrevolution von 1 933. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i O. Preis geb. 1,50 Mark. — (201) — Ein kühner Versuch, Ereignisse, Persönlichkeiten, Maßregeln, Entwicklungen mit dem Blick auf das Meidende festhalten zu wollen, solange noch alles im Fluß ist. Der Verfasser, als Berliner politischer Journalist unmittelbarer Zeuge der meisten Vorgänge, hat die entscheidende Wende nicht nur mit dem Blick für das Wesentliche und Bleibende beobachtet, sondern gleichzeitig die darstellerische Distanz zu gewinnen verstanden, die für einen solchen ■ Versuch notwendig ist.
— Warum Hitler? Eine Antwort nach seinem Kampsbuch. Eine Schristensammlung unter
Geschichte.
dem Titel „Der Aufschwung" von Dr. Karl Grün- sky, Stuttgart. Kartoniert —.50 Mark. — (204) — Erhard Walther, Verlag für Nationalsozialistisches Schrifttum, Stuttgart. Die Schrift soll die nationalsozialistische Gedankenwelt ins Volk weiter hineintragen und zugleich solche Kreise ersaßen, die sich der Bewegung gegenüber gleichgültig, mißtrauisch ober ablehnend verhielten. Der lebendige Ton, die klare verständliche Sprache, die schlagkrästige Zu- sammensassung richten sich besonders an die Jugend, die bereit ist, den Wissensstoff empfänglich in sich aufzunehmen.
— Major a. D. Dr. Kurt Hesse: „Die Schicksals st unde der alten Mächte". Japan und die Welt. Geb. 4,50 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. — (151) — Jedes Kapitel dieses Werkes ist eine kurze, aber erschöpfende Darstellung der politischen und weltwirlschaftlichen Situation der von dem Ringen im Osten berührten Mächte: China, Japan, die Mandschurei, Rußland, die Vereinigten Staaten, das Britische Empire. In einem Schlußkapitel „Zwischen Mississippi, Jangtse und Rhe^n" deutel Hesse den Kamps um den Fernen Osten als die Schicksalsstunde der alten Mächte Europas. Was dort' entschieden wird, ist Ansehen, Macht, Geltung und Zukunft der weißen Völker in der Welt. Es ist sehr zu begrüßen, daß wir fetzt in diesem Buch von Major Hesse ein Werk besitzen, das die Zusammenhänge der fernöstlichen Probleme aushellt. Auch in den Schulen wird das Buch dank seiner klaren Darstellungsweise eine willkommene Grundlage bei Erörterungen über die Lage Deutschlands in der Welt fein, über die man die Heranwachsende Jugend nicht frühzeitig und eingehend genug unterrichten kann.
— Edmund Kleinschmitt: Der Dollarsturz im Spiel der hohen Politik. Kartoniert 1,20 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (175) — Die Schrift ist ein ausge- zcichneter Führer burch das Labyrinth der wirtschaftlichen und politischen Interessengegensätze, die aus der Weltwirtschafts-Konferenz zusammenprallsn werden. 2er Dollarsturz wird in seinen Ursachen als ein Aufstand der amerikanischen Schuldner gegen die Goldwährung gedeutet und in seinen Folgen als Wirtschaftswaffe gekennzeichnet, die in der Hand des größten Gläubigerstaates der Wett weitere dramatisthe Ereigniße auf den Gebieten der Geld- und Handelspolitik herbeiführen muß. In einer ausführlichen Untersuchung der Rückwirkung dieser Ereianisse auf die deutsche Wirtschaft kommt der Verfasser zu dem Schluß: Der Dollarsturz Dermal nicht ein Programm deutscher wirtschaftlicher Selbsthilfe zu zerstören.
Bücher vom Weltkrieg.
— Rudolf Don Wehrt: Di c 9cuf • fchen kommen. 1914 Dor Paris. (Ullstein-Verlag. Berlin. Preis 3 Mk.) — 193 — Dieses außerordentlich fesselnde Buch schildert auf Grund zeitgenössischer Berichte die aufregenden Herbsttage 1914, in denen die Armeen Kluck, Bülow und Hausen Dor den Toren Don Paris standen. Er hat die bedrohte Stadt zum Ausgangspunkt, dann aber führt er hinüber zur deutschen Front, schildert die Ruhmestaten der deutschen Armeen und ehrt die unbekannten Soldaten, die im beglückenden Traum, ihr Opfer sichere den deutschen Sieg, an der Rlame ihr Leben ließen.
— Manfred Freiherr Don Richthofen . Der rote Kampfflieger. Eingeleitet und ergänzt von Dolko Freiherrn von R i ch t h o f e n. Mit einem Vorwort von RcichS- minister Hermann Göring. 261 Seiten mit 22 Aufnahmen. Leinen 2,85 Mk. 3m Verlag Ullstein, Berlin. — (146) — Die Reuausgabe des berühmten Buches erschien Aum 15. Todestage des großen deutschen Kampffliegers. Der größere Teil des Werkes umfaßt die eigenhändigen Aufzeichnungen Richthofens, die eine ungemein lebendige und persönlich gefärbte, von sympathischer Bescheidenheit getragene Schilderung seines beispiellosen Werdeganges geben — vom AuS- bruch des Krieges bis zum tödlichen Absturz im Westen. Schlicht, soldatisch, nicht ohne Humor, stets tun der unmittelbaren Rähe des großen Erlebnisses und der Dramatik der Kampfhandlung erfüllt, ist die Darstellung Richthofens das schönste Denkmal der deutschen Fliegerwaffe im Weltkriege, feiner eigenen unerreichten und selbst' vom Gegner mit allen Ehren anerkannten Leistung. 3n Hauptmann Dölcke und dem Grafen H o l ck finden wir die bewunderten Vorbilder und Lehrmeister des roten Kampffliegers, dessen eigene Schilderung durch das Vorwort von Göring, der seinerzeit Richthofens Rachfolger im Kommando des Jagdgeschwaders wurde, und in den Berichten von Manfreds Bruder Bollo eine vortreffliche Abrundung und Ergänzung erfährt. Außerordentliches interessantes und seltenes Abbildungsmaterial ist dem Werke beigegeben: es finden sich englische Originalaufnahmen von Luftkämpfen an der Front darunter, wie man fie in solcher Schärfe und Raturtreue selten zu sehen bekommt. Dem Buch, das eine glänzende Werbung für die deutsche Fliegerei bedeutet, ist weiteste Verbreitung zu wünschen: auch als Lektüre für die Heranwachsende 3ugend darf es angelegentlich empfohlen werden.
Rechtsliteratur.
— Das Rechtshandbuch. Don Dr. S. T u r n h e i m und Dr. C. Wurm, Ullstein-Verlag, Derlin. Brosch. 4 Mark, Ganzleinen 5, 80 Mk. — (67) — Die Verfasser dieses Buches haben hier etwas Reues geschaffen: ein Buch, das in allen Fragen des Rechts ein Ratgeber fein soll und erste Hilfe im Kamps ums Recht leistet. Ein höchst praktisches Buch, Denn wer käme nicht einmal mit Vorschriften des Zivil-, Handels- oder ArbeitS- rechts in Berührung, ober mit den Vorschriften der Sozialversicherung? Wer aber weiß, wenn er „Laie" ist, immer sogleich, wie er sich zunächst verhalten, was tun. was er vermeiden muß, ob es angezeigt ist, einen Anwalt aufzusuchen, ob es lohnt, Kosten in Kauf zu nehmen usw.7 Durchs Feld der Paragraphen, das für viele ein Irrgarten ist, bahnt dieses Rechtshandbuch einen Weg. Sein Vorzug ist, daß die Gesetze, auf die es ankommt, nicht jedes für sich getrennt behandelt werden, sondern systemotifch ineinander verarbeitet find. Was thematisch zusammengehört, wurde auch formal miteinander verbunden. Wer z. D. etwas über Kündigung sucht, braucht sich nicht die einschlägigen Bestimmungen aus den verschiedenen Gesehen erst mühsam zusammenzusuchen. Die Brauchbarleit des Buches wird besonders durch die übersichtliche Art der Druckanordnung und die Verwendung verschiedenfarbigen Papiers erhöht, das die fystematifche Einteilung des Stoffes auch äußerlich erkennbar macht und somit einem Griff das finden läßt, was man gerade sucht. Das Buch wird vor allem jedem Kaufmann und Gewerbetreibenden die besten Dienste leisten, aber auch dem praktisch tätigen 3uriften wird es als übersichtliches „Generalregister" willkommen fein.
— Professor Dr. Arnold Röttgen, Deutsches Univerfitätsrecht. Verlag I. C. B. Mohr, Tübingen. In Ganzleinen gebunden 10,— Mark. — (173) — Das Buch macht den Versuch, die strukturmäßigen Zusammenhänge im verfassungsrechtlichen Aufbau der deutschen Unioer- fität zur Darstellung zu bringen. Hierbei mußten die beiden tragenben Pfeiler des deutschen Unioer- sitätsrechts: Lehrfreiheit und Selbstverwaltung besonders scharf herausgearbeitet werden. Es war nicht beabsichtigt, eine kommentarähnliche Darstellung des heute ja stark im Fluß begriffenen geltenden Rechts zu geben. Notwendiger erschien es gerade in einer Zeit, die allerorts nach neuen Formen drängt, gewisse Grundprobleme durch die schier unübersehbare Fülle des vorhandenen gesetzlichen Materials hindurch zu verfolgen. Nur in diesem Sinne konnte und sollte auch von einem „deutschen" Universitätsrecht gesprochen werden. Es unterliegt heute keinem Zweifel, daß eine nahe Zukunft hier im einzelnen manche Aenderung bringen wird. Entscheidend ist, ob diese Aenderungen zu einer völlig neuen Unioersitätsoerfassung führen sollen. Es ist eine wesentliche Ausgabe dieses Buches der kom- menden Diskußion einen gewißen juristischen Boden unter die Füße zu geben.
— Gesetz-Sammlung für denV olks- ft a a t Hessen. Der 30. Band der Gesetzsammlung für den Dolksstaat Hessen, herausgegeben von 3uftizrat Or. b. c. R e h in Darmstadt und Amtsgerichtsrat Gros in Gießen ist in 3. Di em er s Verlag in Mainz erschienen. Der 182 Doppelseiten umfassende Band enthält sämtliche hessische Gesetze und Verordnungen in der zeitlichen Reihenfolge und dem geltenden Wortlaut für bas 3ahr 1931, sowie in Deckblättern bie sämtlichen Abänberungen ber Gesetzes texte usw. aller früheren 3ahrgänge der Gesetzsammlung.


