Ausgabe 
21.6.1933 Erstes Blatt
 
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Lin vaterländifcherRoman vonHansBietzKe

Urheber-Rechtsschutz

durch Verlag, Oskar Meister. Werdau.

28. Sortierung Nachdruck verboten!

Wenn ihr Kerle seid dann geht ihr rauf auf's Schloß! Lumpen seid ihr. wenn ihr die da oben im Stich laßt!" Sie reißt das Fenster auf. jetzt spricht sie zu allen. Männer, Weiber^ Kinder alles hängt an ihren Lippen.Und wir wir gehen mit! Die schießen nicht auf uns die nicht! Die haben auch

Aufschlag dröhnt draußen auf der Dorfstraße. Frau und Kind zu Hause das wird sie zur Räson bringen, wenn sie sehen, daß es uns Ernst ist! Aber alle müssen gehen die Weiber zuerst!"

Amtmann Günther springt vom Pferd, das Jean, atemlos vom Lauf, eine Strecke am Zügel geführt hat. Er hat sein Versteck im Eulengrund verlassen und auf der Straße nach Breslau die Ankunft des Amtmanns erwartet.

Günther tritt schweißbedeckt vom scharfen Ritt un­ter die Menge. Fragend sind die Blicke auf ihn ge­richtet. Er sagt kurz und bedrückt:Ich habe alles versucht von Breslau können wir so schnell keine Hilfe erwarten ..."

Da schreit Hanne dazwischen:Wir brauchen sie nicht wir helfen uns selber! Vorwärts!"

Hauptmann Lefevre steht im Turmzimmer des öst­lichen Traktes. Seit einer Stunde sucht er mit dem Glas die Straße nach Gloaau ab. Die Kavalkade der Offiziere des Militärgerichtes und des Exekutions­kommandos, die er erwartet, kommen nicht in Sicht.

Unruhig läuft er in dem Zimmer umher, seine Nerven sind am Ende der Beherrschung. Wann wird diese Folter ein Ende nehmen ... Dieses Warten, diese Ungewißheit ist schlimmer noch als die Erfül­lung, die ja doch kommen muß!

Da wird die Tür aufgerissen, ein Posten meldet atemlos:Herr Hauptmann das ganze Dorf ist auf den Beinen, sie wollen das Tor stürmen!"

Lefevre starrt einen Augenblick auf den Grenadier, dann läuft er wie gehetzt die Treppen hinunter, dem Schloßhof zu. Er weiß: Jetzt muß die Entscheidung fallen, jetzt fließt Blut!

Die Kompanie steht im Schloßhof. Hauptmann Lefevre befiehlt, das Haupttor zu öffnen. Er tritt aufrecht heraus er ist ein pflichtbewußter Offizier.

Die Gefangenen heraus! ... Gebt uns die Ge­fangenen heraus!" Wie ein Salve sausen die dro­henden Worte auf ihn ein. Eine Mauer, Mensch an Mensch, Weiber und Kinder voran, stehen die Bauern auf Rufweite vor ihm.

Mit einer Handbewegung gebietet der Hauptmann Ruhe. Seine Stimme klingt hell und befehlend:Der Platz ist sofort zu räumen, oder ich lasse schießen!"

Einen Augenblick herrscht Totenstille, unheimliche Stille, als wenn er ins Nichts gesprochen hätte. Unbeweglich starr steht die Menschenmauer. Hun­derte blicken auf ihn, durchbohren ihn.

Dann aber reißt ein Schrei sich hoch, Hanne ruft es, ein hundertfaches Echo hallt es wider:Die Ge­fangenen heraus!"

Hauptmann Lefevre tritt einen Schritt zurück: Wache!" Trommeln rasseln, Schritte krachen, Ge­wehre fliegen in Anschlag . . . Und wieder drohende Stille.

Da donnert Hufschlag den Berg herauf ein französischer Kurier sprengt mit verhängten Zügeln die Auffahrt hinan, mitten in die Menschenmenge, die auseinanüerstiebt.

Hauptmann Lefevre folgt ihm im Augenblick, das schwere Tor fliegt auf seinen Wink zu, die Posten ziehen sich zurück.

Alles ist Sache von Minuten gewesen ehe die Bauern zur Besinnung gekommen sind, ist der Spuk vorüber.

Jean hat es erwischt: Er hat von dem Kurier­pferd einen Schlag abbekommen. Hanne ist bei ihm. Man faßt ihn unter, stützt ihn. Jean hat noch im­mer seine Uniform an. Eine alte Bäuerin keift los: Schadet dem Franzosenhund gar nichts!"

Da richtet sich der Bursche auf, reißt seine Mütze vom Kopfe und schreit der Alten ins Gesicht:Ich bin kein Franzose verstanden? Ich bin Sachse ich bin deutsch wie ihr!"

Hauptmann Lefevre steht in seinem Arbeits­zimmer am Schreibtisch. Der Kurier, aus einer Kopf­wunde blutend, bleich und abgehetzt, kann nur mit Mühe noch die Briefe abliefern. Er wankt.

Sie sind blessiert?" Lefevre bedeutet ihm, sich auf einen Stuhl zu setzen. Mit letzter Anstrengung läßt sich der Kurier nieder.Zu Befehl Herr Hauptmann! Eine Rotte Bauern des Nachbardorfes Purschwitz bewarf mich mit Steinen ich mußte einen Umweg machen durch den Wald ..." Plötz­lich wird er ohnmächtig.

Lefevre ruft nach den Posten, und während sie den Verwundeten herausschaffen, öffnet er hastig die Schreiben. Das erste lautet:

Marschbefehl!

Sie haben sich sofort mit Ihrer Kompanie zum Anschluß an Ihr Stammregiment in Marsch zu setzen. Richtung: GörlitzBautzen.

Das zweite Schreiben trägt die Aufschrift:

Die gesamte Lage im preußischen besetzten und unbesetzten Gebiet erfordert von allen Führern, vor allem der kleinen und kleinsten Detachements, Achtung auf strengste Disziplin der Zivilbevölke­rung gegenüber. Jede auch irgendwie geartete Ge­

walttätigkeit, bei Ouartiernahme oder Verpfle­gungsrequisition ist auf das strengste zu oermei- den. Alle Urteile sind aufzuheben, Gefangene frei­zulassen.

Die Führer haften für die Sicherheit ihrer Truppe, die vollzählig am Sammelpunkt zu mel­den ist.

Hauptmann Lefevre hält das Blatt in zitternden Händen, er tastet nach seinen Augen und wieder sieht er auf das Schreiben: Es ist Wahrheit! Be­freiende, erlösende und doch schmerzliche Wahr­heit! ,

Die anderen sind gerettet in letzter Stunde.

Und er muß marschieren, muß Abschied nehmen ...

Das schwere Tor öffnet sich kein Posten wird sichtbar. Ein Ruck geht durch die Reihen der Bauern. Da tritt Baron von Löbau heraus, bleich noch und erregt von Aufregungen und Aengsten. Er spricht zu der Dorfgemeinde, die vor seinen Toren mit Ge­walt die Freiheit fordert. Mißtrauen steht auf ihren Zügen, aber ihre Mienen werden hell bei den Wor­ten des Schloßherrn:Der französische Hauptmann hat soeben Befehl von seiner Kommandantur be­kommen, unseren Landkreis mit seinen Soldaten zu räumen. Die Gefangenen sind frei!"

Bewegung geht durch die Menge. Aber es ist kein Aufjubeln, kein Freudenschrei. Spricht ihr Herr die Wahrheit? Kann es wirklich ein Ende geben endlich, endlich!

Herr von Löbau sagt mit erhobener, mahnender Stimme:Ich habe dem französischen Hauptmann mein Wort gegeben, daß seine Kompanie unbelästigt bleibt. Ich hoffe und fordere, daß ihr mein Wort einlöst!"

Schweigend stehen die Bauern. Sie warten auf die Wahrheit ...

Hauptmann Lefevre hält Jeannette in seinen Ar­men.Nun ist es so weit chörie ... Ich lasse dich hier, cku wirst es gut haben."

Die Frau kämpft mit den Tränen. Sie versucht tapfer zu sein. Die Stunde ist da, vor der ihr ge­bangt hat, seit Wochen schon. Wieder muß sie Rene hergeben, muß ihn, den sie liebt, in die Hölle der Schlachten schicken. Es wird nie ein Ende sein mit aller Qual ...

Ich will mit dir kommen laß mich in die Hei­mat gehen!" Ihr Blick, ihre Stimme flehen mit aller Inbrunst. Sie kann die Tränen nicht mehr zurück­drängen, der Schmerz des Augenblicks über« wältigt sie.

Einmal müssen wir uns trennen, chörie ..." Doll unendlicher Zärtlichkeit küßt Lefevre die Tränen von Jeannettes Wangen.Es ist mir ein Trost, dich hier bei Menschen zu wissen, die dich lieben. Ich will nicht, daß du noch einmal die Anstrengungen der

sangen Reise erträgst hier weiß ich dich in Sicher­heit, bis ich dich holen kann."

Ihr Blick versucht zu lächeln.

Ich werde dich holen, cherie ... ich komme rote« der ich weiß es." Eine gläubige Kraft ist in den Worten des Mannes, den sie verliert, den sie aus ihren Armen lassen muß.

Lefevre umfaßt behutsam ihre Schulter und führt sie hinaus.Ich will Abschied nehmen auch von den anderen. Komm, chörie ..."

Als sie an das Bett der Baronesse treten, fühlt die Genesende trotz allen Glückes der eigenen Zu- kunft den Schmerz der Freundin. Döllnitz wird frei sein, das Vaterland wird frei sein aber Leid und Wunden werden noch lange über allem sein ...

Hauptmann Lefevre faßt Marias Hand.Das Schicksal war Ihnen allen gnädig. Ich selbst danke Gott dafür. Eine höhere Macht hat uns erlöst und behütet vor Taten, die schwerer zu ertragen gewesen wären, als alles, was kommen wird." Seine Stimme wird leise und innig:Baronesse ich lasse Ihnen das Teuerste zurück, was ich auf der Welt besitze. Seien Sie Jeannette eine gute Freundin sie ver­dient es!"

*

Kommandos hallen über den weiten Schloßhof. Letzte Befehle, letzte Handgriffe, dann steht die Kom- panie marschbereit. Fluchend bemerkt Korporal Landry das Fehlen des Burschen Jean. Er schultert sein Gewehr, rückt das Gepäck zurecht: Gott fei Dank es wird marschiert! Der Jean, der Lümmel, war immer ein Windhund hol ihn der Teufel. Sein Kaiser wird auch ohne ihn fertig werden ...

Ein Ruck geht durch die Kompanie.

Hauptmann Lefevre besteigt sein Pferd.

Die Chausseurs sitzen auf.

Trommeln rasseln, die. Hörner gellen in den Marschtakt. Die Kompanie marschiert.

Einen letzten Gruß winkt Lefevre noch zurück. Dann ist die schluchzende Frauengestalt am Fenster seinen Blicken entschwunden ...

Dumpf dröhnt der Marschtritt in dem hohen Tor­bogen. Draußen stehen sie, die Bauern, Mann an Mann. Jetzt sehen sie die Wahrheit: Die Feinde marschieren ...

Ferner und ferner tönt die Musik und das Klap­pen der eisenbeschlagenen Stiefel mit jedem Marschtritt wird das Land freier!

Der Sachse Jean, der sich vor den Augen der ge­wesenen Kameraden in der Menge der Bauern ver­steckt hat, ruft seiner Hanne zu:Jetzt laß ich noch den Spitzel los der Kommissar soll laufen lernen er muß sich höllisch beeilen, wenn er den Anschluß nicht verpassen will. Wenn der Lump draußen ist dann erst ist euer Land frei!"

Er drückte seiner Hanne noch einen Kuß auf und rennt dann wie besessen den Schloßberg hinunter.

(Schluß folgt.)

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In tiefer Trauer

Lina Goppelt, geb. Dechert, und Kinder.

Gießen, den 20. Juni 1933.

Grüningen, den 21. Juni 1933.

Beerdigung: Freitag, den 23. Juni, nachmittags %2 Uhr.

4049 D

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Todes-Anzeige.

Vers

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4041 D

Beuern, den 20. Juni 1933.

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. Juni, nachmittags 2 Uhr

vom Trauerhause aus statt

03755

Wieseck, den 21. Juni 1933.

Gießen, den 20. Juni 1933.

4038D

1'57 D

Nach Gottes Willen wurde heute mein treusorgender, herzensguter Mann, unser lieber Vater, Schwiegersohn, Schwager und Onkel

Miete montl.35Mk. Schrift!. Ang. unt. 03760 a. d. G. A.

unsere mutter,

Nach langem, schwerem, mit unendlicher Geduld ertragenem Leiden wurde heute unsere innigstgeliebte Mutter, Schwiegermutter, Groß­mutter, Schwester und Tante

im Alter von 52 Jahren von seinem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst

Die Beerdigung findet Freitag, den 23. Juni, nachmittags 2*/2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

Die trauernden Hinterbliebenen Katharine Fay, geb. Leidich Erna Engel, geb. Fay Wilhelm Fay Wilhelm Engel Wilhelm Heinrich Leidich I. nebst allen Angehörigen.

Vermietungen

Z-Z1M.MI1

(Liebigskr.) an 1i

rroßmutter, Schwester und Tante

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen

Karl Edelmuth und Frau Semmi Edelmuth.

Heute nacht verschied nach langem, schwerem, geduldig ertragenem Leiden meine liebe Frau, treusorgende Mutter, Schwieger-

Danksagung. ,

Allen denen, die uns beim Heimgang unseres Ent­schlafenen durch Wort und Tat ihre Anteilnahme bekundeten, sowie für die letzte Ehre innigsten Dank. Besonderen Dank dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte und der Altersvereinigung von 1908 für all das erwiesene Gute.

Im Namen der Hinterbliebenen: Elisabeth Heun Wwe.

Altersvereinigung 1880-1930.

Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alters­kameraden

Ludwig Goppelt

geziemend in Kenntnis zu setzen.

Die Beerdigung findet am Freitag, dem 23. Juni, nachmittags 2*/a Uhr statt.

Wir bitten um vollzählige Beteiligung.

Der Vorstand.

Verwandten. Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber Vater. Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel

Altveteran Wilbelm Leoner

gestern nachmittag 2 Uhr im Alter von 85 Jahren sanft entschlafen ist.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Frau Fanny Edelnintb, geh. Jacob

im Alter von 68 Jahren durch einen sanften Tod erlöst.

Katharine Ruppert im 70. Lebensjahr.

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Wilhelm Ruppert L, Gastwirt.

Fellingshausen, Frankenbach, Crumbach, den 20 Juni 1933.

Die Beerdigung findet am Donnerstag, 22. Juni, nachmittags 2 Uhr statt

Gestern abend entschlief sanft nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger­vater, Schwiegersohn, Schwager, Onkel und Neffe Qiristian Ernst Fay II.

Landwirt und Metzger

im Alter von 51 Jahren.

Herr Ludwig Goppelt

Amts-Ober-Sekretär

Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. Juni, nachmittags 3 Uhr. vom Sterbehaus Rabenauer Straße 21 aus statt.

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