Ausgabe 
21.6.1933 Erstes Blatt
 
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Aufbaues erfolgen. 3m Sinne der von dem Herrn Reichskanzler wiederholt dargelegten Anschauungen über den Neuaufbau der deutschen Wirtschaft, die diesem Schritt der deutschen Industrie zugrunde lie­gen, wird die Arbeit des neuen Reichsstandes der Deutschen Industrie auf der Grundlage und An­erkennung des Gedankens positiver und vertrauens­voller Gemeinschaftsarbeit der in der Produktion tätigen Menschen beruhen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath wird voraussichtlich am Donnerstag in Berlin e:n* treffen. Der Minister hatte eine längere Bespre­chung mit dem britischen Staatssekretär des Aeußern Sir John Simon und dem britischen Staatssekre- tär für Krieg Lord Hails harn über die Ab- rüstungsfrage.

Der Gebietsführer Westfalen-Niederrhein der Hitler-Jugend, Hartmann-Lauterbacher, ist

zum Obergebietsführer West ernannt worden. Diese erste von der Reichsleitung ein­gerichtete Obergebietsführung umfaßt u. a. auch die Gaue der NSDAP. Koblenz, Hessen-Nassau und Kurhessen. Der Sitz ist vorläufig Essen.

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König Feisal vom Irak traf zu einem Staatsbesuch in London ein und wurde vom englischen König empfangen. König Feisal kommt zum ersten Male nach London als Staatsober­haupt eines unabhängigen Irakstaates, der vom Völkerbund und als vollwertiges Mitglied unbe­schadet der bestehenden Sonderverträge mit Eng­land aufgenommen ist.

Die finnische Regierung hat dasTxa- gen ausländischer Uniformen bis auf weiteres verboten. Das Verbot scheint im Hin­blick auf die am 1. und 3. Suli stattfindenden Reichstagswahlen erlassen zu sein.

firifenffimmuna ans der Londoner Konferenz

mit einem Wasserflugzeug auf nach Reuhork zurück, wo er derManhattan" gehen wird.

begab sich Moleh kürzestem Wege morgen an Bord

London, 21. Juni. (CNB. Funkspruch.) Die Weltwirtschaftskonferenz ist bereits in das Stadium getreten, das den Teilnehmern die Frage vorlegt, wie überhaupt weiter gearbeitet werden soll. Zwar hat sich die Konferenz in einen unübersicht­lichen Komplex von Unter - und Nebenaus­schüssen aufgespalten, deren Tätigkeit eine zeit­lang das Bild intensiver Arbeit roirö bieten können, da die Erörterung, Vergleichung, Zusammenfassung und Umarbeitung der von den einzelnen Delega­tionen eingereichten Vorschläge nicht von heute auf morgen erledigt werden kann. Eines Tages wird aber der Augenblick gekommen fein, an dem festgestellt werden muß, welcher Grad von Uebereinftimmung wenigstens über d i e wichtig st en Fragen unter den Konferenzteil­nehmern herrscht.

Man fragt sich jetzt schon, wie diese Uebereinftim» mung erzielt werden soll, wenn so wichtige Dele­gationen, wie die amerikanische, unter sich und mit ihrer Regierung nicht einig zu sein scheinen. Roosevelt hat bekanntlich gegen die von Den Londoner Vertretern der Zentralbanken verein­barte vorläufige Stabilisierung Einspruch erhoben und auch der Vorschlag einer lOprozentigen Zoll- fcntung ist zurückgezogen worden Der einzige Beitrag Amerikas zu den Konferenzarbeiten ist im Augenblick der Antrag des Senators Pittman, die Metalldeckung der Währungen auf 25 Prozent, wovon ein Fünftel in Silber bestehen könnte, zu beschränken. In dem Unterausschuß, der sich gestern mit diesem Antrag zu beschäftigen hatte, wurde ihm allerdings eine Tendenz gegeben, die sich gegen die amerikanischen Urheber richtet; es wurde näm­lich mit beträchtlicher Uebereinftimmung der Auf­fassungen aus der Begründung des Antrages zu­nächst nur der Wunsch nach einer baldigen Stabilisierung der Währungen und nach Wiedereinführung des Goldes als Wertmesser zum Beschluß erhoben, wäh­rend die Metalldeckungsfrage, die Ame­rika gerade nicht in diesem Sinne gelöst sehen möcht, einem Nebenausschuß übermie« s e n wurde.

Derartige Prozedurerfolge sind natürlich für den Erfolg der Konferenz ziemlich beoeutungslos, denn gegen- den Willen Amerikas kann gerade in der Währungsfrage nichts beschlossen werden, und auch die heute aufgetauchten Gerüchte über einen euro­päischen Stabilisierungsplan scheinen weniger auf realen Möglichkeiten als auf Der be> sonders in England und Frankreich herrschenden Verstimmung über die neue amerikanische 3s o- lierungspolitik zu beruhen. Da die andere noch unge­löste Hauptfrage, das Schuldenproblem, nicht auf oder während der jetzigen Konferenz erörtert werden soll, hat sich jetzt schon die paradoxe Lage ergeben, daß man gerade in England zehn Tage nach dem Beginn der Konferenz mit einer gewissen Un­geduld auf ihr Ende wartet.

Amerika in London.

Letzte Instruktionen für den amerikanischen Delegierten.

Reuhork, 20. Juni. (WTB.) Der V e r - trauensrnannPräsidentRoosevelts, Professor Moleh, der Washington bereits ver­lassen hat und im Begriff ist, sich nach Lon­don zur Teilnahme an der Weltwirtschafts­konferenz einzufchiffen, hatte noch im letzten Augenblick eine Unterredung mit Präsident Roosevelt. Die Besprechung sand auf der Höhe von Cap Cod an Bord der BuchtAmber- j a ck" statt, auf der Präsident Roosevelt im Kreise feiner Söhne und ganz weniger persön­licher Freunde einen vierzehntägigen Urlaub ver­lebt. Professor Moleh erreichte die Bucht m i t Hilfe eines Torpedobootszerstörers und eines Wasserflugzeuges- Roose­velt erteilte ihm während der zweistündigen Kon­ferenz die letzten Instruktionen für London, Dann

Die Aufgabe der Treuhänder der Arbeit.

Eine Zusammenkunft im Reichsarbeiisministerium.

Berlin, 20. Juni. (TU.) Reichsarbeitsmini­ster Franz Seldte hatte die neuernannten Treuhänder der Arbeit zum 20. 3uni zu einer Aussprache in das Reichsarbeitsministe­rium eingeladen. Der Reichsarbeitsminister be­grüßte die erschienenen Treuhänder und dankte ihnen zugleich auch im Ramen des Herrn Reichs­kanzlers für ihre Bereitwilligkeit, das überaus wichtige und verantwortungsreiche Amt eines Treuhänders der Arbeit zu übernehmen. Mit der Ernennung der Treuhänder hätten, so führte der Reichsarbeitsminister u. a. aus, die Schlichter ihre Tätigkeit beendet. Er sehe es für seine Pflicht an, den bisherigen Schlichtern für ihre Mühewaltung seinen Dank auszusprechen.

Der neue autoritäre Staat stelle sich vollkommen anders zur wirtschaft als der bisherige liberal-demokratische Staat. In Zukunft erhebt der Staat auch gegenüber der wirt­schaft den unbedingten Führungs­anspruch. Die wirtschaft hat dem Volk zu dienen, und Aufgabe des Volkes ist es, darüber zu wachen, daß dies auch geschieht.

Wir haben heute einen in feinen Fundamenten neugegrün beten S-taat, aber noch eine in ihren Grundzügen im wesentlichen unver­änderte Wirtschaft. Das zeigt sich vor allem noch in unseren wirtschaftlichen und sozialen Der- bände w e (en. Das noch einer gründlichen Er­neuerung im Geiste der nationalen Revolution mit Dem Ziel einer berufsständischen Orb- n u n g harrt. Bis bies Ziel erreicht ist, muß ber Staat bie Treuhanbschaft für bie Arbeit selbst über- nehmen unb bas alte System in eine neue Orbnung überleiten, in ber auch bie Regelung der Arbeits - und Lohnbedingungen Auf­gabe der berufs ständischen Selbstver­waltung ist. So sind die Treuhänder der Arbeit geschaffen und vom Reichskanzler ernannt worden.

um an Stelle ber Vereinigungen von Arbeitneh­mern, einzelner Arbeitgeber ober ber Vereinigung von Arbeitgebern rechtsoerbinblich bie B e- bingungen für den Abschluß von Ar­beitsverträgen zu regeln, um für die Auf­rechterhaltung des Axbeitsfriedens zu sorgen und um bei der Vorbereitung der neuen Sozialverfas­sung mitzuarbeiten. Die Treuhänder verkörpern die höchste Staatsautorität und sind daher lediglich andieRichtlinien und Weisung en der Reichsregierung gebunden.

In ber Aussprache mit den Treuhändern wurde festgestellt, daß der Wille der Reichsregierung, wo­nach für die notwendige Uebergangszeit die be­stehenden Lohn- und Arbeitsbedin­gungen grundsätzlich in Geltung blei­ben müßten, und daß es die Pflicht aller Betei­ligten fei, die in den Tarifverträgen getroffene Re­gelung, soweit sich ihre Aenderung nicht als unum­gänglich notwendig erwiese, grundsätzlich aufrecht­zuerhalten auch als Richtlinie für die Arbeit der Treuhänder zu gelten hat.

Sollte sich dennoch die Aenderung einzelner Tarifverträge als unbedingt erforderlich erweisen, so sind die Treuhänder im Rahmen der Weisungen der Reichsregierung vollkommen frei in ihren Entscheidungen und fällen diese autoritär. Schlich- tungsverhandlunge'n, wie sie bisher nach dem liberalistischen unb marxistischen Klassenkampf. Prinzip stattgefunden haben, gibt cs in Z u - kunft nicht mehr. Das schließt aber nicht aus, daß die Treuhänder sich mit den Führern ber be­teiligten Berufe unb ihrer Verbänbe zwecks Unter- richtung in Verbinbung setzen unb so ihre Entschei- bung vorbereiten. Im übrigen werden die Treu- händer im engsten Einvernehmen mit den zustän- tigert Verwaltungsstellen ber Länder arbeiten, wo­bei ihnen jebe Unterstützung ber ßänberregierungen zugesagt worben ist.

Aus aller Well.

Bekannter italenischer Bergführer gestorben.

In Aosta im nordwestitalienischen Alpen­gebiet st a rb der Bergführer Francesco P es­st on, der ein halbes Jahrhundert lang als einer der bekanntesten Führer im Monte 6er- vino- und Monte Dosa-Gebiet tätig war. Pes- sion war der erste Führer, der den kürzlich ge­storbenen bekannten Alpinisten Herzog der Abruzzen auf der Tleberquerung des Monte Cervino begleitete. In feinem Dienstbuch steht auch Hindenburgs Rame verzeichnet, der mit Pession im Jahre 1895 eine Bergbesteigung unternommen hat.

Sühne für einen Mord.

Dom Schwurgericht Braunschweig wurde nach kurzer Verhandlung der Maurer Walter Scha- f r a n z k i aus Groß-Rhüden wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Straßenraub und Unter­schlagung zum Tode und zur Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt.

Schafranzki hatte am Abenb bes 7. Mai ben Kraft- Wagenführer Bosse aus Groß-Rhüben zu einer Fahrt gemietet, ihn unterwegs mit einer Pistole erschossen unb feine Barschaft in Höhe von 19,50 Mark geraubt. Bosse war mit bem Schafranzki eng befreunbet.

Raubüberfall

eines Bettlers auf einen 77jährigen Rentner.

In Wandsbek wurde der etwa 70 Jahre alte Rentner Krull in seiner Wohnung von einem unbekannten Bettler überfallen. Der Bettler hatte vor der Wohnung des Rentners so lange gewartet, bis die Aufwartefrau die Wohnung ver­lassen hatte. Dann drang er ein und schlug den Greis mit einem Schlagring nieder. Als der Aeberfallene Widerstand zu leisten versuchte stach ihn der Bettler in die Brust. Darauf fesselte er den Schwerverwundeten an einen Stuhl und durchwühlte alle Schränke. Der Eindringling er­beutete etwa 50 Mk. in bar und eine Taschenuhr. Rachdem er sich in aller Ruhe von den Blutspu­ren gereinigt hatte, flüchtete er.

Rußlands Verzicht aus die ostchinesische Vahn.

Eine neue Etappe im Kampf um den Kernen Osten.

Don E. v. llngern-Sternberg.

Am 25. Juni sollen in Tokio bie Verhcmblungen über ben Verkauf ber Ostchinesischen Bahn beginnen. Der Verkauf bebeutet ben Abschluß eines politischen unb historischen Dramas. Rußland will gegen klin­gende Münze, deren es dringend bedarf, willig auf lebenswichtige Rechte im Fernen Osten verzichten, die freilich insofern problematisch erscheinen, weil Japan sie bereits mit Waffengewalt genommen und Rußland in Wirklichkeit kaum mehr etwas in der Verwaltung der Ostchinesischen Bahn zu sagen hat. Die Mandschukuobehörden und die japanischen Besatzungstruppen beherrschen den ganzen Bahnkörper. Es handelt sich bei dem geplan­ten Verkauf mehr um ein moralisches An­recht, auf das Rußland gegen einen guten Kauf­preis verzichten will, als um einen faktischen Besitz, und wenn es bei ben Verhcmblungen in Tokio allein um bas vorgeschobene Objekt, b. h. um die Eisenbahn gehen würde, so würde die Summe, die Japan zu zahlen bereit ist, sehr gering ausfallen, aber augen­scheinlich will Japan bei dieser Gelegenheit von Moskau die diplomatische Anerkennung sei­nes Sorgenkindes Mandschukuo errei­chen und würde dafür auch zu größeren Opfern be­reit sein. Der Verzicht auf die Ostchinesische Bahn schließt aber auch indirekt bie Aufgabe von Wladiwostok in sich, denn bie Amurbahn, bie mit großem Umwege auf sibirischem Territorium Moskau mit bem Stillen Ozean oerbinbet, ist schlecht montiert unb nicht in ber Lage, einen stär­keren Verkehr zu bewältigen. Transbaikalien ist strategisch isoliert unb Japan ausgeliefert.

Nach dem Bau der großen sibirischen Magistrale unb nachbem Rußlanb seine Machtstellung in ber Manbschurei gefestigt hatte, wurde vom Fürsten Trubetzkoi am Nikolaibahnhofe in Petersburg ein massives Reiterstandbild Alexander bes III. errichtet, ber befehlend, mit ausgestrecktem Zeigefinger i n ber Richtung nach Wlabiwostock weist. Es ist eine symbolische Geste, benn Wlabiwostock bebeutet in ber Uedersetzungbeherrsche den Oste n". Der russische Herrschaftstraum über den Fernen Osten ist nun endgültig ausgeträumt und ber Verkauf ber Ostchinesischen Bahn ist ein sichtbarer Abschluß.

In ber japanischen Außenpolitik unb in ber Zu­kunftsgestaltung bes Reiches stehen sich zwei Prin­zipien gegenüber, bie sich nicht wibersprechen, aber in ben Methoden divergieren. Die Militär- Partei wünscht ohne Atempause eine Offensive fortzusetzen und will auch eine konzentrische Zusam­menfassung bes japanischen Kriegsapparates gegen Sowjetrußland durchsetzen. Dem Strategen erscheint es unwahrscheinlich, daß die Russen sich einem japanischen Vorstoß bis zum Baikalsee wider­setzen würden, für die Troupiers winkt dort Lorbeer, und der bolschewistischen Seuche würde ein Riegel vorgeschoben. Dabei greift die Militärpartei auf frühere politische Konstruktionen zurück. Als vor etwa zwölf Jahren die japanischen Militärs in Si­biriens gleichzeitig gegen den Bolschewismus und gegen die amerikanische Konkurrenz kämpften, Wladiwostock besetzt hielten unb zum ersten Male ben Grunbsatz einer asiatischen Monroe-Doktrin Asien ben Asiaten" aufstellten, ba tauchte auch die Theorie für die Schaffung eines japanischen Weltreiches aufdemKontinentmit Ein­schluß der Mandschurei, der Mongolei und Trans­baikaliens auf. Die gemäßigtere M i n f e i t o - Partei will hingegen, ehe sich die japanische Ex­pansion weiter ausbreitet, eine Einigung mit China erzielen, um bann im Bunbe mit bem durch Japan mobernifierten China die gelbe Frage im großen aufzurollen und ihr Geltung bis zum Sundaarchipei, bis Indien, ja bis zu ben Gestoben bes Mittelmeeres zu verschaffen.

Die sowjetrussische Politik hat bis vor wenigen Jahren, bie freilich im Strubel bes Zeitgeschehens eine ganze Epoche bebeuten, ber japanischen Expan­sion nicht ohne Erfolg entgegengearbeitet. Der Ataman Semenow, ein mongolischer Bur­

jate, ber heute bie japanische Staatsbürgerschaft be­sitzt, sollte ber japanische Statthalter dieses wieder auferstandenen Reichs Dschingischans lein, das neben Transbaikalien die Innere unb Aeußere Mongolei umfaßte, sein Verbünbeter, B a - r o n Ungern-Sternberg erhielt einen über» miegenben Einfluß auf ben Icbenben Bubbha in Urga, ben Chutuktu, aber bie Entwicklung ber Dinge nahm anbere Wege. Abmiral Ko 11 schak wurde durch den Verrat der Tschechen besiegt. Die Ja­paner zogen sich zurück und Ungern-Sternberg wurde von den Bolschewiken erschossen. Moskau chuf die Pufferrepublik des Fernen Ostens, erner die autonome Burjatenrepublik unb etzte sich in Urga, nachdem es den Chutuktu vertrie­ben und nach Svwjetmufter den Großen unb ben Kleinen Churulban ins Leben gerufen hatte, bauernd in Urga fest.

Die bolschewistische Zentrale im Kreml faßte nun selbst den Plan, mit eigenen Methoden ein vom ka­pitalistischen Europa befreites Asiatisches Weltreich unter dem Schutze des Sowjetsternes auferstehen zu lassen. In Baku wurde ein Kongreß ber asiatischen Völker einberufen, zu dem selbst Ceylon und Indonesien Delegierte entsandt hatten. Nach dem Beschluß einer Sonderkommission in Mos­kau wurde eine Hochschule für ostasiatische Revolutio­näre gegründet, auf der die Jünger, Koreaner, Mon­golen, Inder usw als Heilsträger der kommunisti­schen Idee ausgebildet und dann in ihre Heimat zu- rückgesandt wurden. Borodin verteilte Milliar­den in China und schürte, wo immer er konnte, den revolutionären Brand, aber dann verebbte die Stoß­kraft der Bolschewiken. China vertrieb die bolsche­wistischen Aufwiegler, Japan verdrängte bie roten Russen aus ber Manbschurei, in ber sie ihre Propa­gandazentralen unterhielten, und auch die bolsche­wistische Vormachtstellung in der Mongolei ist ernst­lich bedroht. Mit japanischer Unterstützung wurde 1931 das mongolische Unabhängig­keitskomitee gegründet, dessen Ziel die Be­freiung des Landes von den Fesseln Moskaus ist, denn die Mongolen haben die ihnen wesensfremde, verhaßte russische Herrschaft in Urga nur unter Zwang ertragen. Bei Saigon stehen bereits mongo­lische Reiter unter bem Befehl japanischer Offiziere unb bie mongolischen Fürsten aus Barga haben Delegierte zum Exkaiser Puji nach Tschantschun in ber Manbschurei entsandt, um über eine V e r e i n i = gung ber Mongolei mit ber Mandschu » rei zu verhandeln, zwischen denen keine Grenzen sind und wo Landschaft und Bevölkerung geogra­phisch ineinander verschmelzen.

Eine andere Frage wäre, ob die mongolischen und transbaikalischen Gebiete mit ihrer dünnen Be­völkerung und mit ihrem zum Teil kalten Klima für Japan einen realen Wert besitzen, ob es lohnen würde, ihretwegen einen weiteren Vor­stoß auf bas asiatische Festland zu unternehmen und dabei einen Krieg mit dem Sowjetstaat in den Kauf zu nehmen, sollte Moskau nicht, wie es es bisher getan, weiter vor Japan zurückweichen wollen. Moskau kann unb will keinen Krieg führen, es nimmt sogar ben ungeheuren Prestigeverlust mit in den Kauf, den das ständige Zurückweichen vor den japanischen Bajonetten mit sich bringt, aber es könnte doch der Augenblick kommen, wo es zu ben Waffen greifen muß. Vielleicht wollen bie japani- chen Militärs bie Entscheidung der Waffen, bei der ie die besten Trümpfe in ber Hanb haben, herbei- ühren, um ber bolschewistischen Flut enbgültig einen Damm entgegenzusetzen man rechnet in Moskau mit biefer Möglichkeit vielleicht begnügen sie sich aber auch mjt ben Erfolgen, bie sie bisher errungen haben. Durch ben Verkauf ber Ostchinesischen Bahn l i q u.i b i e r t R u ß l a n b den Rest einer a k - tiven Politik in Ostasien, und wenn es Tokio dabei gelingt, vom Kreml die diplomatische Anerkennung des Mandschukuo-Staates zu erlan­gen, so könnte Damit für eine Zeitspanne ber Friebe in Ostasien erkauft sein.

Aus ber provinzialhaupistadt.

Sonnenwende.

Das Herz eines jeden, der eine erhebende Sonnwendfeier miterleben konnte, schlägt höher, wenn er daran zurückdenkt und sich noch einmal das zauberhafte Bild vergegenwärtigt: der brennende Holzstoß, die zum Himmel schlagenden Flammen, Rauch und knisternde Funken, grell beleuchtet die Gcs.ch.er der Teilnehmer, schweigend in sommerlicher Ruhe der dunkle Wald, und über dem Ganzen in wunderbarer Schönheit der strah­lende Sternenhimmel. In solchen Augenblicken wird unser Denken und Handeln emporgehoben, gleich der Flamme schlägt die Begeisterung in uns hoch, heilige Erinnerung an vergangene Tage durchzieht unser Herz: so standen auch einst unsere Vorfahren um den lodernden Feuerbrand. Sie, die noch enger mit der Ratur verbunden und ihr auf Gedeih und Verderben ausgeliefert waren, beobachteten in viel größerem Maße die Welt ringsum, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Ihnen war die Sonne alles, ihnen war sie das Leben schlechthin. Auf der Höhe des Jahres brachten sie den Göttern ihre Opfer dar, zum Zeichen des Dankes und zugleich als Sym­bol des Abschiedes.

Auch der alte Volksbrauch, die Sonnenwend- feier mit einem brennenden, den Berg abwärts rollenden Rad zu begehen, zeigt dieses Ab- sinken des Sonnenballes.

®icfe Sage waren unseren Vorfahren heilige Zeit. Die Führer versammelten sich auf Berges­hohe oder unter den heiligen Eichen, um Gericht oder ernste Beratung zu pflegen.

Am Abend dieses Tages, wenn Frauen und Rinder zugegen waren, wurde die Sonnwend- begangen. Auf allen Bergen und |ia)tbaren Hügeln brannten die Höhenfeuer.

Durch die Einführung des Christentums tour- Den zwar die heidnischen Gebräuche verboten, die eigentliche Sonnwendfeier beibehalten.

Em bißchen Aberglauben ist noch bei manchem Volksgenossen zurückgeblieben. Die in der 3o- hanmsnacht gepflückten Kräuter sollen besonders heilkräftig fern, und ein nächtliches Bad soll Wunder wirken.

Ans treiben heute kein Götterdienst und auch kein Aberglaube zum Abbrennen des Holzstoßes, wir wollen die Sonnenwende feiern zum Zeichen der engen Verbundenheit mit der Geschichte und |

dem Schicksal unseres Volkes. Es sollen auch für uns heilige Stunden sein.

Cs ist deshalb zu begrüßen, daß sich besonders die Jugend dieser Sitte angenommen hat und nun in Gottes freier Ratur ihr Sonnwendfeuer anzündet.

And gerade daß unsere Jungen und Mädchen diesen Brauch üben, gibt ihm einen besonderen Aeiz. Ans Aelteren erscheinen im Geiste die Vorfahren, die lauschend und ehrfürchtig die Flammen umstanden, die Jugend aber schaut hinein wie in eine helle Zukunft. So soll es eine Schicksalsgemeinschaft fein, liniere unver­brüchliche Liebe zu Volk und Vaterland, zur Vergangenheit und Zukunft, sie soll hier Aus­druck finden.

Der Sinn des Lebens liegt in dieser Sehn­sucht nach einer besseren Zukunft. Glücklich sind die Menschen, die noch diese Sehnsucht in ihrem Herzen tragen.

O Jugend laß nimmer dir rauben die Art, die aufwärts stieg, im Herzen den deutschen Glauben, im Auge den deutschen Siegl J.

Die Vertilgung -er Schnaken.

Don Heinrich Heß, Gießen.

n.

3m Artikel I der gestrigen Ausgabe desGießener Anzeigers" wies ich allgemein auf die jetzigen ersten, bringend notwenbigen Arbeiten, bie Beseitigung von Schnakenbrutstätten, hin. Zweck dieser Arbeiten ist, den Schnaken ihre Brutstätten zu nehmen, also ihre Fortpflanzung zu erschweren, möglichst aber unmög- lch Zu machen. Als vorzügliche Brutstätten gelten auch die Wald- und Wiesenabzugsgräben, Dorf­weiher, Kläranlagen, Stolleneingänge und der­gleichen. Letztere sind besonders bei den Winter- ur'j eiten nicht zu übersehen. Soll der Schnakenkampf Erfolg haben, so ist die Mitwirkung der Forst-, Wiesen- und Feldbehörden unerläßlich. Aber auch die Besitzer von Ausflugsstätten tun gut, wenn sie sich in ihrem eigenen Interesse ernstlich in dieser Angelegenheit bemühen.

Um die Arbeitsausführungen leichter verständlich zu machen, berichte ich am besten über meine dies­bezüglichen Arbeiten in einem meiner früheren Ar- beitsgebiete. 3n Gießen begann ich 1904 mit diesen Arbeiten und steckte mir als erstes Ziel die Schna-