Ausgabe 
21.4.1933 Erstes Blatt
 
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Reichsminisser Hugenberg gegen wUlkürüche Eingriffe.

Berlin. 20. April. (ERB.) Amtlich. In Be­antwortung zahlreicher Anfragen veröffentlicht ^relchsmlnister Dr. Hugenberg eine Erklärung, in der es u. a. heißt:

Von interessierter Seite werden planmäßig Ge­rüchte verbreitet, daß der B e st a n d d e r R e i ch s - regierung in ihrer jetzigen Zusam­men s e tz u n g gefährdet sei. Demgegenüber wird auf die Tat>ache der Regierungsbildung durch den Reichskanzler Hitler und der feierlichen Be­stätigung dieser Regierung durch den Reichspräsi­denten sowie aus die Erklärungen des Reichskanzlers über Zusammensetzung und Bestand der jetzigen Reichsrcgierung in ihrer augenblicklichen Gestalt hingewiescn, endlich auf den Umstand, daß das Ermächtigungsgesetz das Weiterbe st ehen der gegenwärti­gen Reichsregierung zur Voraus­setzung hat.

Es ist darauf hinzuweisen, daß eigenmäch­tige Umbildungen und Neubildun­gen der in Aussicht genommenen organischen Umgestaltung der Wirtschaftsvertretungen i n keiner Weise vorgreifen und daß die Umgestaltung selbstverständlich im Einver­nehmen zwischen der Reichsregie­rung und den bisher bestehenden wirtschaftlichen Organisationen durchzuführen ist. Dis dahin verbleiben die bestehenden Wirtschaftsverbände in ihren Funk­tionen und werden von der Reichsregierung als alleinige Verhandlungspartner angesehen. Gegenüber Eingriffen in die bestehende Selbstverwaltung der Wirtschaftskreise ist es Sache der verant­wortlichen Persönlichkeiten, in erster Linie nach Legitimation derjenigen zu fragen, die den Eingriff versuchen. Wo dies geschehen ist, wurde stets sestgestellt, daß eine Legitimation von keiner amtlichen Seite erteilt war. Sn allen diesen Fällen konnten die willkürlichen Gingriffsversuche abgewehrt werden.

Die gemeinsame Tätigkeit der natio­nalen Führer in der Regierung und der seit dem Rovember 1918 geführte Kampf der deutsch- nationalen Beamten und Lehrer gegen das jetzt gestürzte System verbürgen den Beamten und Lehrern das Recht, sich für ihre deutschnationale Weltanschauung einzusehen und sich in deutschnationalen Zellen zu- sammenzuschließe n." JRefforenneutt>al)len an -en preußischen

Hochschulen.

Berlin, 20. April. (WTB.) Reichskommissar Rust hat angeordnet, daß zur Gleichschal­tung der Hochschulen dort, wo seit dem 1. Februar d.I. keine Rektorenwahlen stattgefunden haben, Rektor, Dekane und Senat späte st ens sofort nach Semesterbeginn neu zu wählen sind. Jhre*Amtszeit läuft dann bis zum übernächsten ordnungsgemäßen Wahl­termin

Kunst und Wissenschaft.

Uraufführung des DramasSchlageler" von Hanns Iahst in Berlin.

Die Berliner Feiern zum Geburtstag des Reichskanzlers fanden ihren künstlerischen Abschluß im Staatstheater mit einer Aufführung von Hanns S o h st s DramaSchlageter" , das der Ver­fasser dem Reichskanzler Adolf Hitler gewidmet hat . Das Haus bot mit dem Schwarz der Gesell­schaftskleider und den braunen'und schwarzen Uni­formen einen Anblick, der der Bedeutung des Abends entsprach. Dor der festlich geschmückten Gemeinde rollten die vier Aufzüge des vaterlän­dischen Dramas ab, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung Schlageters zum Märtyrer und Vor­kämpfer der nationalen Bewegung steht. Lo­thar M ü t h e l als Schlageter, Albert Basser- m a n n als General, Leibelt als sozialdemo­kratischer Regierungspräsident, Veit Harlan als Schlageters Kamerad Thiemann und Emmy Sonnemann waren die wichtigsten Träger der vom Sntendanten Franz U l b r i ch inszenierten, von Benno v. A r e n t szenisch aus­gestalteten Aufführung. Sm 2. Akt unterbrach nach der großen Szene Basfermanns eine lange Beifallskundgebung das Spiel auf offener Szene. Sn den Logen sah man u. a. Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsminister Dr. Frick, den preußischen Kultusminister R u st und den preu­ßischen Sustizminister Kerrl, ferner Mitglieder des diplomatischen Korps. Rach dem Schluß- bild stimmte das Publikum spontan das Deutsch­landlied und das Horst-Wessel-Lied an. Die Träger der Rollen und der Dichter ernteten einen begeisterten stürmischen Beifall und muh­ten sich wohl mehr als 30mal zeigen. Das Schau­spiel wird in den nächsten Tagen auf 22 weiteren deutschen Bühnen in Szene gehen.

Gabriele d'Annuncio f.

Rom, 21. April. (ERB. Funkspruch.) Der be­kannte italienische Dichter Gabriele d'An- n u n c i o ist heute vormittag in Gardone g c - ft o r b e n.

Steigende Bedeutung des Gases in der Volkswirtschaft.

Sn der SahresVersammlung derZentrale für Gasverwertung" ergab sich, daß von allen Sn- dustr.ezweigen, die die Volkswirtschaft mit Wärme ixnb Kraft versorgen, d:e Gasversorgungsindustrie in der Krisenzeit sich am wider ständig­ste n gezeigt hat. Die Gesamtgasabgabe Deutsch­lands, d.e 1930 mit 4,3 Milliarden Kubikmeter ihren Höhepunkt erreichte, ging in den beiden Krisenjahren 1931 und 1932 nur um etwa je 3 Prozent zurück. Trotz der ungünstigen Wirt­schaftslage verzeichnen die meisten Gaswerke einen fortgesetzten Zugang von Reuanschlüssen sowohl auf dem Gebiete des Haushaltungsgases als auch des Gewerbegases trotz einer geradezu kata­strophalen Lage des Baumarktes. Der Gasabsah wurde durch die Entwicklung neuer technisch hoch­wertiger und dabei preiswurdiger Gasgeräte­typen. wie Schnellwassererhitzer, Volks-Gasherde, Waschmaschinen u. a. durch die gerätebauende Sndustrie stark gefördert. Wit Recht erwartet daher das Gasfach in dem Augenblick der er­sehnten Wirtschaftsbelebung eine kräftige Stei­gerung des Gasverbrauchs, da in diesem Zeit­punkt der Gasverbrauch der neugewonnenen Ab­nehmer mit dem Mehrverbrauch der alten Ab­nehmer zusammentrifft.

Oberbranddirektor G e m p führte aus, daß die umfassende Verwendung des Gases für den Haus­halt sowie für den gewerblichen Wärmebedarf

eine verständnisvolle Zusammenar­beit des Gasfaches mit der Feuer- wehr notwendig mache. Sm Rahmen dec Luft­schutzbewegung biete sich ferner in dem Zusam­menwirken von Gasfach und Feuerwehr eine aus­gezeichnete Möglichkeit, der Bevölkerung die gro­ßen Unterschiede von Ruhgas und Kampfgas näherzubringen. Stadtrat Specht machte wei­terhin auf die Notwendigkeit aufmerksam, daß die außerordentliche Verbreitung des Gases mit ihren 9 Millionen gasversorgten Haushaltungen in Deutschland unbedingt ihre Berücksichtigung auch in der Ausgestaltung des Unter­richts in den Schulen finden müsse. Ab­schließend erklärte Aniv-Prof. Dr. Dovifat: Es gilt in unausgesetzter Einzelarbeit, immer summierend und aufklärend, das technisch- wirtschaftliche Gesamtverständnis der Nation so zu steigern, daß ein neues technisches Zeitalter seine seelenlosen und materiellen Smpulse ver­liert und durch tiefes allgemeines Verständnis der Oeffentlichkeit neue Kräfte aus den Tiefen des deutschen Volkstums und feine geistigen Ziele erhält.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler waren Frei­tagmittag Gäste des Königs von Schwe­den in der schwedischen Gesandtschaft. König Gustaf von Schweden, der in Cannes gewesen ist, befindet sich auf der Heimreise nach Schweden. Bei seinem letzten Besuch war der König Gast des Reichspräsidenten.

Der Herr Reichspräsident empfing den Reichswirtschafts- und Reichsernährungsminister Dr. Hugenberg zum Vortrag über Angele­genheiten auf dessen Arbeitsgebiet; ferner den Vizekanzler v. P a p e n zum Bericht über seine in Rom geführten Besprechungen und denAeichs- minifter für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels zum Vortrag.

Bei der Verteilung der aus Opferspenden stammenden Spende des ganzen Volkes zum Geburtstage des Reichskanz­lers wurden alle Bedürftigen ohne Unter» schied der Religion, Rasse oder Par­teizugehörigkeit berücksichtigt.

Der Preußische Sustizminister hak auf telegra* ph schein Wege d i e Oberlandesgerichts­präsidenten Möhrs vom Obcrlandesgericht Königsberg und Kuhn vom Oberlandesgericht Kiel beurlaubt.

Die für Samstag in Braunschweig vorgesehene Konferenz der Anterrichtsrninister der deutschen Länder ist vertagt worden, da der preußische Kultusminister Rust wegen der am Samstag in München stattfindenden Führer- besprechung verhindert ist.

Der Dortmunder Polizeipräsident hat die Aus­gabe vom 20. April 1933 des Dortmunder Generalanzeigers beschlagnahmt. Der ver­antwortliche Redakteur Westhoff wurde in Schutz- Haft genommen. SA. hält das Druckereigebäude beseht. Veranlassung zu dieser Aktion war eine auf dem Titelblatt der Zeitung befindliche Zeichnung des Reichskanzlers durch den Zeichner Stumpf, die dem Gesichtsausdruck Adolf Hitlers in böswilliger Absicht einen ent­stellenden und ins Gemeine ziehenden Ausdruck verleiht. Am zu verhindern, daß die beim Ge­neralanzeiger beschäftigten Angestellten brotlos werden, hat der Polizeipräsident den Chefredak­teur der nationalsozialistischenRoten Erde" (Bochum) beauftragt, vorerst die Leitung und Weiterführung des Betriebes zu übernehmen.

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Der Verbandsdirektor der Pommerschen land­wirtschaftlichen Genossenschaften, von Knebel- Döbritz, ist auf Grund eines Haftbefehles vom Amtsgericht Stettin fest genommen und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt worden. Shm wird vorgeworfen, daß er sich von der Pommer­schen Bank (Stettin) für eigene Zwecke und auch für Unternehmungen, an denen er beteiligt war, widerrechtlich Kredite verschafft hat.

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Der kommissarische Bürgermeister des Berliner Bezirks Friedrichshain, Regierungsrat Con­rad, hat der Dezirksversammlung eine Vorlage unterbreitet, nach der das Krankenhaus am Friedrichshain, in dem Horst Wessel gestor­ben ist, inH or st-Wessel-Kranken­haus" umbenannt werden soll. Die Annahme dieses Antrages ist bereits jetzt gesichert.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Pfarrer Mahr 60 Jahre alt.

Am morgigen Samstag, 22. Aprll, wird der Seelsorger der Matthäus-Gemeinde zu Gießen, Pfarrer Gustav Mahr, in Gesundheit und Frische 60 Jahre alt.

Pfarrer Mahr stammt aus Eberstadt bei Darm­stadt. Nach abgeschlossenem Besuch des Gymnasiums zu Darmstadt bezog er im Jahre 1892 die Universi­tät Halle, studierte dann in Berlin und gulefct in Gießen. Anschließend folgte der Besuch des Predi­gerseminars zu Friedberg. Im Jahre 1897 legte er in Darmstadt die zweite Prüfung ab. Am 5. De­zember 1897 wurde er in Dortelweil (Kreis Fried­berg) ordiniert; die dortige Pfarrstelle verwaltete er bis zum April 1898. Hierauf war er Vikar in Alsfeld, dann Verwalter in Dieburg, im Jahre 1899 Assistent in Bingen und Verwalter in Groß- Umstadt, vom April 1900 ab Verwalter in Horch­heim, seit 5. Juni 1901 Pfarrer in Langsdorf. Ende Januar 1915 erfolgte seine Ernennung zum Pfar­rer der Matthäus-Gemeinde in Gießen. Hier wurde ihm die besondere Aufgabe gestellt, die Matthäus- Gemeinde im modern-kirchlichen Stil neu zu orga­nisieren. Dieser Aufgabe entsprechend folgte die Gründung der Männer- und Frauenoereinigung als der organisierten Matthäus-Gemeinde, der Helfer­schaft der Matthäus-Gemeinde, die Schaffung eines ständigen Sprachrohrs zu allen Gliedern der Ge­meinde, anfangs durch Mitteilungen, bann durch das Gemeindeblatt. Sowohl durch sein seelsorgeri­sches Wirken in der vielseitigen Tätigkeit eines modernen Gemeindepfarrers, wie auch durch die packende Kraft und den tiefen Gehalt feiner Kanzel­reden, ferner durch sein starkes Interesse für alle Gebiete der charitativen Bestrebungen, seine Ver­antwortungsfreude und sein zielsicheres kirchliches Führertum hat sich Pfarrer Mahr um die ihm anvertraute Gemeinde in hohem Maße verdient gemacht. Seine Person und sein Wirken werden denn auch in der Gemeinde und darüber hinaus allenthalben mit Recht sehr geschätzt und mit gebüh­render Dankbarkeit bedacht.

lieber den Kreis seiner Gemeinde und der Stadt Gießen hinaus hat Pfarrer Mahr der Allgemein­heit aber auch als vielgelesener Schriftsteller wert­volle Dienste geleistet. Seine Arbeiten auf diesem Gebiete hängen eng mit seiner Tätigkeit als prakti­scher Theologe zusammen und sind insbesondere der religiösen Volkskunde, der Religionspädagogik, der Religionspsychologie und verwandten Bestrebungen gewidmet. Nicht nur in der Fachpresse und in Buchform, sondern auch in der Tagespresse hat der Jubilar bisher die Kraft seines wertvollen Ge­dankengutes der weitesten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht und sich dadurch viele dankbare Leser ge­wonnen. Das Schwergewicht seiner schriftstellerischen Tätigkeit verlegte er auf die lobenswerten Bestre­bungen der Dorfkirchen-Bewegung, wo er durch Wort und Schrift eine führende Stellung und weit­hinreichenden Einfluß errang. Neben seinem Pre- digeramt ist ihm die Arbeit in der Dorfkirchen- Bewegung ein besonderes Herzensbedürfnis ge­worden, weil er richtig erkannt hat, daß dem deut­schen Volkstum aus der heimatverbundenen Kraft der Volkstumsidee auf diesem Wege die beste För­derung zuteil werden kann. Die Vorträge des Ju­bilars auf Dorfkirchen-Tagungen (die Dorfkirchen- Vereinigung Giehen-Wetzlar arbeitet unter seiner Leitung), seine Aufsätze und seine Bücher wurden für viele zu wertvollen Waffen der Dorfkirchen- arbeit im Dienste für Heimat, Volk und Va­terland. Weithin über Gießen hinaus wird Pfarrer Mahr wegen dieser segensreichen Tätigkeit mit Recht hohe Anerkennung gezolll.

Seine Matthäus-Gemeinde und darüber hinaus viele Mitbürger in Stadt und Land wünschen dem Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren kraft­vollen und reichgesegneten Schaffens im Dienste der Gemeinde, der engeren Heimat und des gesamt­deutschen Vaterlandes, aber auch zur inneren Be­friedigung seiner selbst.

Daten für Freitag, 21. April.

1488. Ulrich v. Hutten aus Burg Steckelberg bei Fulda geboren. 1872: der Pädagoge Friedrich Fröbel in Oberweihbach in Thüringen geboren. 1918: der Flieger Manfred v. Richthofen fällt bei Saillh-le-Sec. 1924: die Schauspielerin Eleonore Düse in Pittsburg gestorben.

Stahlhelm

und kommunale ZrakiionSbildung.

Von deutschnationaler Seite schreibt man uns:

Von den drei in den Gießener Stadtrat vor­aussichtlich einziehenden Mitgliedern der Deutsch- nationalen Volkspartei gehören zwei dem Stahl­helm seit.Sahren als Mitglieder an. Die DRVP. hat sich mit anderen Gruppen auf einen Vor­schlag geeinigt, um, was nur hierdurch zu er­reichen war, die Möglichkeit zu erhalten, in den einzelnen Ausschüssen mitzuarbeiten. An ihrer grundsätzlichen Einstellung zu den Fragen des Staates und der Wirtschaft hat sich durch diese taktische Maßnahme nichts geändert. Wie im Reich, ist auch die hiesige Grippe der Deutsch­nationalen durchaus gewillt, mit der NSDAP, zusammenzuarbeiten. Die hiesigen Deutschnatio« nalen haben seit 1919 mit anderen Parteigruppen in einer Fraktion kommunalpolitisch zusammen­gearbeitet, statt unfruchtbare Ssolierung zu be­treiben.

Männer- und Frauenvereinigung her MaiihäuSgeniein-e.

Sm Saale des Gemeindehauses in der Kirch- straße hielt die Männer» und Frauenvereinigung der Matthäus-Gemeinde gestern abend unter Lei­tung ihres Vorsitzenden, Berufsschullehrer W e h r h e i m, ihre Hauptversammlung bei sehr gutem Besuche ab.

Der Vorsitzende erstattete zunächst den Sahres- bericht, der über das Wirken der Männer- und Frauenvereinigung im Dienste der Gemeinde auf­schlußreich berichtete. Die Tätigkeit der Vereini­gung erstreckte sich, wie früher, auch in diesem Berichtsjahre auf die Förderung aller kirchlichen und sozial-wirtschaftlichen Belange der Mat­thäus-Gemeinde. Der Bericht machte weiter Mit­teilungen über das Wirken der Sterbekafsen- Hilfe. Die Versammlung genehmigte den Bericht ohne Aussprache.

Anschließend beschäftigte man sich in langer und gründlicher Beratung mit der Abgrenzung der Hauptaufgaben der Männer- und Frauen­vereinigung gegenüber der in ihrem Rahmen vor einigen Sahren geschaffenenHilfe im Sterbefall" und mit der Festsetzung der Sterbe- Unterstützung. Es handelte sich bei der Aussprache, an der sich eine Anzahl Redner beteiligten, darum, den Aufgaben der Matthäus-Vereini- gung auf dem Gebiete der kirchlichen Förderung ebenso gerecht zu werden, wie den Erfordernissen der Sterbehilfskasse. Es wird, wie aus der Aus­sprache klar hervorging, von keiner Seite daran gedacht, die Sterbehilfskasse auf Kosten der kirch­lichen Förderungsarbeit zu bevorzugen, eben­sowenig ist umgekehrt beabsichtigt, die kirchliche Förderung zum Nachteil der Sterbehilfskasse zu betreiben, liebereinstimmend kam der Wille zum Ausdruck, nach beiden Richtungen hin unbedingt mit dem Maßstab des Rechts und der Gerechtig­keit zu messen, um auf diesem Wege in umfassen­der Weife den vielfältigen Gesamtinteressen des Gemeindelebens in der Matthäus-Gemeinde zu dienen. Als Ergebnis der Aussprache wurde zu­nächst eine Regelung für das Rechnungsjahr 1933 einstimmig gutgeheißen. ferner die genaue Ab­grenzung der beiden Wirkungsgebiete im Laufe des neuen Geschäftsjahres vorgesehen. Für diese Neuordnung ergab die Aussprache wertvolle An­haltspunkte, von deren Geltendmachung über­einstimmend eine nach jeder Richtung hin be­friedigende Lösung erwartet wird. Die Beschluß­fassung m dieser Angelegenheit erfolgte mit er- freul-.d)er Einstimmigkeit, mit der auch die bis­herige Höbe der Sterbeunterstühungen ohne Bei­tragserhöhung für das laufende Scchr bestätigt wurde. Dazu befähigte vor allem die beachtens- werte Hohe des Reservefonds derHilfe vom Sterbfall".

Nach der Rechnungsablage, die einen guten Stand der Dereinsfinanzen auswies, dankte der Vorsitzende dem langjährigen Rechner, Derwallungssekretär L a m b, mit herzlichen Worten für feine Mühe­waltung. Mit Bedauern wurde von der Versamm­lung zur Kenntnis genommen, daß Herr L a m b wegen hohen Alters fein Rechneramt nunmehr nie»

Hitlers Geburtstagsfeier in Mainz.

WSN. Mainz, 20. April. Der 44. Ge­burtstag des Reichskanzlers Adolf Hitler ist auch hier feierlich begangen worden. Den Auf­takt zur Feier bildete gestern abend im Stadt­theater eine Vorfeier, die vom Kampfbund für deutsche Kultur im Verein mit der Sntendanz des Stadttheaters durch die ErstaufführungEs brennt an der Grenze" eingeleitet wurde. Unter­dessen versammelten sich am Goetheplatz die na­tionalen Verbände zu einem F a ckel au f- marsch, der kurz von 21 Uhr unter Beteiligung von Musikkapellen und Trommlerkorps seinen Abmarsch in halbstündiger Dauer durch die Hauptstraßen der Stadt nahm. Diele taufende von Personen der SS.- und SA.-Leute, des Stahlhelm, der Reitervereine, Turn-, Sport- und Gesangvereine, Feuerwehren, des Deutschnatio­nalen Handlungsgehilfen-Verbandes, der Poli­zei, Post, Bahn, staatlichen und städtischen Beam­ten und Angestellten, des Theaterpersonals, so das geschlossen antretende Orchester und teils Personal mit dem früher bei Zapfenstreich üb­lichen Lampen, der Hitlerjugend .des Bundes deutscher Mädels, die verschiedenen Fachschaften des Kampfbundes, der deutschen Sugendtraft, der Sanitäter vom Roten Kreuz usw. beteiligten sich an dem Fackelzug. Die heutige Hauptfeier vollzog sich in größerer militärischer Aufmachung. Nach der Sammlung auf dem Schloßplah mar­schierten um 10 Uhr die nationalsozialistischen Formationen mit der Schutzpolizei und einer Ehrenkompanie des Stahlhelm auf den Adolf- Hitler-Platz zum Großen Appell. Nach einer Parade wurden Ansprachen gehalten und dann zum Gouvernementsgebäude marschiert, wo Punkt 11 Uhr die feierliche Aebcrgabe und Einweihung des Braunen Hauses vorgenommen wurde. Am Abe-nd fand in der Stadthalle derDeutsche Fest­abend" statt, der in der vom Führer gewünschten schlichten Form den Geburtstag Adolf Hitlers feierte.

Ein e Tagung des NS. - Aerzte- bundes Oberhessen-Nord findet am kommenden Sonntag in Gießen, 16 11^- i>mb, im Hotel Viktoria statt. Für die Tagung sind folgende Vorträge vorgesehen: Dr. Kranz über Rassenmischu.:g, Mischehe und Sudenfrcg?", Pro­fessor Schultze überDie Bekämpfung der Ge­schlechtskrankheiten".

** Einheitskurzschrift. Man schreibt uns: Snfolge Verlängerung der Schulferien kön­nen die ainterrichtskurse des Kurzschriftvereins von 1861 erst am 2. bzw. 4. Mai ihren Anfang nehmen. Der Anfängerlehrgang beginnt am Donnerstag, 4. Mai, 19 Ahr, in der Goethe- schule, Westanlage 43. Siehe heutige Anzeige.

Vier Kommunisten verhaftet.

* Homberg, 21. April. Sm Laufe des ge­strigen Abends wurden von der hiesigen Gendar­merie vier Kommunisten verhaftet, die in der KPD. an hervorragender Stelle tätig wa­ren. Von den Verhafteten sind drei aus Glieder» Ofleiden, einer ist von Homberg. Heute früh wur­den die Verhafteten nach dem Lager in Osthofen überführt.

Oer neue Grünberger Gemeinderai.

«r Grünberg, 20 April. Die im gestrigen Der ich t angegebene Zusammensetzung des neuen Gemeinderates aus 10 Vertretern der NSDAP, und 2 Vertretern der SPD. ist int­ern noch keine endgültige, da in der Sitzung der Wahlkommission Zweifel an der Rechtmäßig­keit des von der SPD. eingereichten Wahlvor­schlags geäußert wurden. Mit Rücksicht darauf

berfegte. Seine verdienstvolle Tätigkeit Im Inter­esse der Vereinigung wurde in gebührender Weise anerkennend gewürdigt, ebenso wurde ihm für seine Geschäftsführung im letzten Rechnungsjahre ein­stimmig Entlastung erteilt, nachdem die Rechnung von den Rechnungsprüfern einwandfrei befunden worden war.

Der Voranschlag für 1933, der sich im großen und ganzen im Rahmen der vorjährigen Rechnung bewegt, wurde einstimmig genehmigt.

Bei der Vorstandswahl schieden turnusgemäß der Vorsitzende, Berufsschullehrer Wehrheim, fer­ner Frau Dahme r, Herr Zinn und Herr Friedrich aus dem Vorstände aus. Berufsschul­lehrer Wehrheim wurde mit dem Ausdruck der wärmsten Anerkennung für seine bisherige Führung der Vereinigung und mit der Versicherung des voll­sten Vertrauens in seine weitere Führung einstim­mig als Vorsitzender wiedergewähll, ebenso wurden einige turnusmäßig ausgeschiedene Vorstandsmit­glieder erneut in ihren Aemtern bestätigt. Den aus­scheidenden Mitgliedern wurde verdientermaßen Dank gezollt. Neugewählt wurden in den Vorstand Garteninspektor R e h n e l t und Redakteur Blum- s ch e i n. Die Neubesetzung des Rechnerpostens wurde dem Vorstand vertrauensvoll überlassen.

Mit der Ermahnung, stets und besonders in der jetzigen schwierigen Zeit treu und unentwegt zu den Zielen der Männer- und Frauenvereinigung der Matthäus-Gemeinde zu stehen und an ihren Aus­gaben allezeit opferfreudig mitzuarbeiten, wurde die Versammlung geschlossen.

Oer heutige Polizeibericht.

Von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen wird berichtet:

Der Kommunist Otto Kreiling, der sich zur §eit wegen Verbreitung illegaler kommunistischer ruckschristen im Landgerichtsgefängnis in Gießen befindet, hatte eine 08-Pistole mit langem Lauf und dazu gehöriger Munition im Besitz, die er weder angemeldet noch abgeliefert hat. Die Pistole wurde bei der vorgenommenen Durchsuchung in der Scheune der Schwiegereltern von Kreiling in gelade­nem Zustande vorgefunden. Kreiling hatte die Pi­stole ohne Wissen der Schwiegereltern in der Scheune versteckt.

SA. und Gendarmerie nahmen in Mittel- Seemen bei verdächtigen Personen Durchsuchun­gen nach Waffen vor. Es wurden am 12. und 15. April drei Karabiner, ein Gewehr, etwa 300 Schuß Munition sowie 57 Sprengkapseln vorge­funden.

Ein Mitglied der SPD. aus Wieset und ein jüdischer Händler aus Hungen wurden in Schutz­haft genommen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Ahr,Hasenklein kann nichts dafür". Saal der Christl. Versamm- - lung, Wetzsteingasse 9, 20.15 Ahr, Vortrag von Evangelist A. Winterhvff. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Anmögliche Liebe". Astoria- Lichtfpiele, Seltersweg:Mein Freund der Kö­nig" undEhe mit beschränkter Haftung".