Reichsminisser Hugenberg gegen wUlkürüche Eingriffe.
Berlin. 20. April. (ERB.) Amtlich. In Beantwortung zahlreicher Anfragen veröffentlicht ^relchsmlnister Dr. Hugenberg eine Erklärung, in der es u. a. heißt:
„Von interessierter Seite werden planmäßig Gerüchte verbreitet, daß der B e st a n d d e r R e i ch s - regierung in ihrer jetzigen Zusammen s e tz u n g gefährdet sei. Demgegenüber wird auf die Tat>ache der Regierungsbildung durch den Reichskanzler Hitler und der feierlichen Bestätigung dieser Regierung durch den Reichspräsidenten sowie aus die Erklärungen des Reichskanzlers über Zusammensetzung und Bestand der jetzigen Reichsrcgierung in ihrer augenblicklichen Gestalt hingewiescn, endlich auf den Umstand, daß das Ermächtigungsgesetz das Weiterbe st ehen der gegenwärtigen Reichsregierung zur Voraussetzung hat.
Es ist darauf hinzuweisen, daß eigenmächtige Umbildungen und Neubildungen der in Aussicht genommenen organischen Umgestaltung der Wirtschaftsvertretungen i n keiner Weise vorgreifen und daß die Umgestaltung selbstverständlich im Einvernehmen zwischen der Reichsregierung und den bisher bestehenden wirtschaftlichen Organisationen durchzuführen ist. Dis dahin verbleiben die bestehenden Wirtschaftsverbände in ihren Funktionen und werden von der Reichsregierung als alleinige Verhandlungspartner angesehen. Gegenüber Eingriffen in die bestehende Selbstverwaltung der Wirtschaftskreise ist es Sache der verantwortlichen Persönlichkeiten, in erster Linie nach Legitimation derjenigen zu fragen, die den Eingriff versuchen. Wo dies geschehen ist, wurde stets sestgestellt, daß eine Legitimation von keiner amtlichen Seite erteilt war. Sn allen diesen Fällen konnten die willkürlichen Gingriffsversuche abgewehrt werden.
Die gemeinsame Tätigkeit der nationalen Führer in der Regierung und der seit dem Rovember 1918 geführte Kampf der deutsch- nationalen Beamten und Lehrer gegen das jetzt gestürzte System verbürgen den Beamten und Lehrern das Recht, sich für ihre deutschnationale Weltanschauung einzusehen und sich in deutschnationalen Zellen zu- sammenzuschließe n." JRefforenneutt>al)len an -en preußischen
Hochschulen.
Berlin, 20. April. (WTB.) Reichskommissar Rust hat angeordnet, daß zur Gleichschaltung der Hochschulen dort, wo seit dem 1. Februar d.I. keine Rektorenwahlen stattgefunden haben, Rektor, Dekane und Senat späte st ens sofort nach Semesterbeginn neu zu wählen sind. Jhre*Amtszeit läuft dann bis zum übernächsten ordnungsgemäßen Wahltermin
Kunst und Wissenschaft.
Uraufführung des Dramas „Schlageler" von Hanns Iahst in Berlin.
Die Berliner Feiern zum Geburtstag des Reichskanzlers fanden ihren künstlerischen Abschluß im Staatstheater mit einer Aufführung von Hanns S o h st s Drama „Schlageter" , das der Verfasser dem Reichskanzler Adolf Hitler gewidmet hat . Das Haus bot mit dem Schwarz der Gesellschaftskleider und den braunen'und schwarzen Uniformen einen Anblick, der der Bedeutung des Abends entsprach. Dor der festlich geschmückten Gemeinde rollten die vier Aufzüge des vaterländischen Dramas ab, in dessen Mittelpunkt die Entwicklung Schlageters zum Märtyrer und Vorkämpfer der nationalen Bewegung steht. Lothar M ü t h e l als Schlageter, Albert Basser- m a n n als General, Leibelt als sozialdemokratischer Regierungspräsident, Veit Harlan als Schlageters Kamerad Thiemann und Emmy Sonnemann waren die wichtigsten Träger der vom Sntendanten Franz U l b r i ch inszenierten, von Benno v. A r e n t szenisch ausgestalteten Aufführung. Sm 2. Akt unterbrach nach der großen Szene Basfermanns eine lange Beifallskundgebung das Spiel auf offener Szene. Sn den Logen sah man u. a. Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsminister Dr. Frick, den preußischen Kultusminister R u st und den preußischen Sustizminister Kerrl, ferner Mitglieder des diplomatischen Korps. Rach dem Schluß- bild stimmte das Publikum spontan das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied an. Die Träger der Rollen und der Dichter ernteten einen begeisterten stürmischen Beifall und muhten sich wohl mehr als 30mal zeigen. Das Schauspiel wird in den nächsten Tagen auf 22 weiteren deutschen Bühnen in Szene gehen.
Gabriele d'Annuncio f.
Rom, 21. April. (ERB. Funkspruch.) Der bekannte italienische Dichter Gabriele d'An- n u n c i o ist heute vormittag in Gardone g c - ft o r b e n.
Steigende Bedeutung des Gases in der Volkswirtschaft.
Sn der SahresVersammlung der „Zentrale für Gasverwertung" ergab sich, daß von allen Sn- dustr.ezweigen, die die Volkswirtschaft mit Wärme ixnb Kraft versorgen, d:e Gasversorgungsindustrie in der Krisenzeit sich am wider ständigste n gezeigt hat. Die Gesamtgasabgabe Deutschlands, d.e 1930 mit 4,3 Milliarden Kubikmeter ihren Höhepunkt erreichte, ging in den beiden Krisenjahren 1931 und 1932 nur um etwa je 3 Prozent zurück. Trotz der ungünstigen Wirtschaftslage verzeichnen die meisten Gaswerke einen fortgesetzten Zugang von Reuanschlüssen sowohl auf dem Gebiete des Haushaltungsgases als auch des Gewerbegases trotz einer geradezu katastrophalen Lage des Baumarktes. Der Gasabsah wurde durch die Entwicklung neuer technisch hochwertiger und dabei preiswurdiger Gasgerätetypen. wie Schnellwassererhitzer, Volks-Gasherde, Waschmaschinen u. a. durch die gerätebauende Sndustrie stark gefördert. Wit Recht erwartet daher das Gasfach in dem Augenblick der ersehnten Wirtschaftsbelebung eine kräftige Steigerung des Gasverbrauchs, da in diesem Zeitpunkt der Gasverbrauch der neugewonnenen Abnehmer mit dem Mehrverbrauch der alten Abnehmer zusammentrifft.
Oberbranddirektor G e m p führte aus, daß die umfassende Verwendung des Gases für den Haushalt sowie für den gewerblichen Wärmebedarf
eine verständnisvolle Zusammenarbeit des Gasfaches mit der Feuer- wehr notwendig mache. Sm Rahmen dec Luftschutzbewegung biete sich ferner in dem Zusammenwirken von Gasfach und Feuerwehr eine ausgezeichnete Möglichkeit, der Bevölkerung die großen Unterschiede von Ruhgas und Kampfgas näherzubringen. — Stadtrat Specht machte weiterhin auf die Notwendigkeit aufmerksam, daß die außerordentliche Verbreitung des Gases mit ihren 9 Millionen gasversorgten Haushaltungen in Deutschland unbedingt ihre Berücksichtigung auch in der Ausgestaltung des Unterrichts in den Schulen finden müsse. — Abschließend erklärte Aniv-Prof. Dr. Dovifat: Es gilt in unausgesetzter Einzelarbeit, immer summierend und aufklärend, das technisch- wirtschaftliche Gesamtverständnis der Nation so zu steigern, daß ein neues technisches Zeitalter seine seelenlosen und materiellen Smpulse verliert und durch tiefes allgemeines Verständnis der Oeffentlichkeit neue Kräfte aus den Tiefen des deutschen Volkstums und feine geistigen Ziele erhält.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler waren Freitagmittag Gäste des Königs von Schweden in der schwedischen Gesandtschaft. König Gustaf von Schweden, der in Cannes gewesen ist, befindet sich auf der Heimreise nach Schweden. Bei seinem letzten Besuch war der König Gast des Reichspräsidenten.
Der Herr Reichspräsident empfing den Reichswirtschafts- und Reichsernährungsminister Dr. Hugenberg zum Vortrag über Angelegenheiten auf dessen Arbeitsgebiet; ferner den Vizekanzler v. P a p e n zum Bericht über seine in Rom geführten Besprechungen und denAeichs- minifter für Dolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels zum Vortrag.
Bei der Verteilung der aus Opferspenden stammenden Spende des ganzen Volkes zum Geburtstage des Reichskanzlers wurden alle Bedürftigen ohne Unter» schied der Religion, Rasse oder Parteizugehörigkeit berücksichtigt.
Der Preußische Sustizminister hak auf telegra* ph schein Wege d i e Oberlandesgerichtspräsidenten Möhrs vom Obcrlandesgericht Königsberg und Kuhn vom Oberlandesgericht Kiel beurlaubt.
Die für Samstag in Braunschweig vorgesehene Konferenz der Anterrichtsrninister der deutschen Länder ist vertagt worden, da der preußische Kultusminister Rust wegen der am Samstag in München stattfindenden Führer- besprechung verhindert ist.
Der Dortmunder Polizeipräsident hat die Ausgabe vom 20. April 1933 des Dortmunder Generalanzeigers beschlagnahmt. Der verantwortliche Redakteur Westhoff wurde in Schutz- Haft genommen. SA. hält das Druckereigebäude beseht. Veranlassung zu dieser Aktion war eine auf dem Titelblatt der Zeitung befindliche Zeichnung des Reichskanzlers durch den Zeichner Stumpf, die dem Gesichtsausdruck Adolf Hitlers in böswilliger Absicht einen entstellenden und ins Gemeine ziehenden Ausdruck verleiht. Am zu verhindern, daß die beim Generalanzeiger beschäftigten Angestellten brotlos werden, hat der Polizeipräsident den Chefredakteur der nationalsozialistischen „Roten Erde" (Bochum) beauftragt, vorerst die Leitung und Weiterführung des Betriebes zu übernehmen.
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Der Verbandsdirektor der Pommerschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, von Knebel- Döbritz, ist auf Grund eines Haftbefehles vom Amtsgericht Stettin fest genommen und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt worden. Shm wird vorgeworfen, daß er sich von der Pommerschen Bank (Stettin) für eigene Zwecke und auch für Unternehmungen, an denen er beteiligt war, widerrechtlich Kredite verschafft hat.
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Der kommissarische Bürgermeister des Berliner Bezirks Friedrichshain, Regierungsrat Conrad, hat der Dezirksversammlung eine Vorlage unterbreitet, nach der das Krankenhaus am Friedrichshain, in dem Horst Wessel gestorben ist, in „H or st-Wessel-Krankenhaus" umbenannt werden soll. Die Annahme dieses Antrages ist bereits jetzt gesichert.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Pfarrer Mahr 60 Jahre alt.
Am morgigen Samstag, 22. Aprll, wird der Seelsorger der Matthäus-Gemeinde zu Gießen, Pfarrer Gustav Mahr, in Gesundheit und Frische 60 Jahre alt.
Pfarrer Mahr stammt aus Eberstadt bei Darmstadt. Nach abgeschlossenem Besuch des Gymnasiums zu Darmstadt bezog er im Jahre 1892 die Universität Halle, studierte dann in Berlin und gulefct in Gießen. Anschließend folgte der Besuch des Predigerseminars zu Friedberg. Im Jahre 1897 legte er in Darmstadt die zweite Prüfung ab. Am 5. Dezember 1897 wurde er in Dortelweil (Kreis Friedberg) ordiniert; die dortige Pfarrstelle verwaltete er bis zum April 1898. Hierauf war er Vikar in Alsfeld, dann Verwalter in Dieburg, im Jahre 1899 Assistent in Bingen und Verwalter in Groß- Umstadt, vom April 1900 ab Verwalter in Horchheim, seit 5. Juni 1901 Pfarrer in Langsdorf. Ende Januar 1915 erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer der Matthäus-Gemeinde in Gießen. Hier wurde ihm die besondere Aufgabe gestellt, die Matthäus- Gemeinde im modern-kirchlichen Stil neu zu organisieren. Dieser Aufgabe entsprechend folgte die Gründung der Männer- und Frauenoereinigung als der organisierten Matthäus-Gemeinde, der Helferschaft der Matthäus-Gemeinde, die Schaffung eines ständigen Sprachrohrs zu allen Gliedern der Gemeinde, anfangs durch Mitteilungen, bann durch das Gemeindeblatt. Sowohl durch sein seelsorgerisches Wirken in der vielseitigen Tätigkeit eines modernen Gemeindepfarrers, wie auch durch die packende Kraft und den tiefen Gehalt feiner Kanzelreden, ferner durch sein starkes Interesse für alle Gebiete der charitativen Bestrebungen, seine Verantwortungsfreude und sein zielsicheres kirchliches Führertum hat sich Pfarrer Mahr um die ihm anvertraute Gemeinde in hohem Maße verdient gemacht. Seine Person und sein Wirken werden denn auch in der Gemeinde und darüber hinaus allenthalben mit Recht sehr geschätzt und mit gebührender Dankbarkeit bedacht.
lieber den Kreis seiner Gemeinde und der Stadt Gießen hinaus hat Pfarrer Mahr der Allgemeinheit aber auch als vielgelesener Schriftsteller wertvolle Dienste geleistet. Seine Arbeiten auf diesem Gebiete hängen eng mit seiner Tätigkeit als praktischer Theologe zusammen und sind insbesondere der religiösen Volkskunde, der Religionspädagogik, der Religionspsychologie und verwandten Bestrebungen gewidmet. Nicht nur in der Fachpresse und in Buchform, sondern auch in der Tagespresse hat der Jubilar bisher die Kraft seines wertvollen Gedankengutes der weitesten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht und sich dadurch viele dankbare Leser gewonnen. Das Schwergewicht seiner schriftstellerischen Tätigkeit verlegte er auf die lobenswerten Bestrebungen der Dorfkirchen-Bewegung, wo er durch Wort und Schrift eine führende Stellung und weithinreichenden Einfluß errang. Neben seinem Pre- digeramt ist ihm die Arbeit in der Dorfkirchen- Bewegung ein besonderes Herzensbedürfnis geworden, weil er richtig erkannt hat, daß dem deutschen Volkstum aus der heimatverbundenen Kraft der Volkstumsidee auf diesem Wege die beste Förderung zuteil werden kann. Die Vorträge des Jubilars auf Dorfkirchen-Tagungen (die Dorfkirchen- Vereinigung Giehen-Wetzlar arbeitet unter seiner Leitung), seine Aufsätze und seine Bücher wurden für viele zu wertvollen Waffen der Dorfkirchen- arbeit im Dienste für Heimat, Volk und Vaterland. Weithin über Gießen hinaus wird Pfarrer Mahr wegen dieser segensreichen Tätigkeit mit Recht hohe Anerkennung gezolll.
Seine Matthäus-Gemeinde und darüber hinaus viele Mitbürger in Stadt und Land wünschen dem Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren kraftvollen und reichgesegneten Schaffens im Dienste der Gemeinde, der engeren Heimat und des gesamtdeutschen Vaterlandes, aber auch zur inneren Befriedigung seiner selbst.
Daten für Freitag, 21. April.
1488. Ulrich v. Hutten aus Burg Steckelberg bei Fulda geboren. 1872: der Pädagoge Friedrich Fröbel in Oberweihbach in Thüringen geboren. 1918: der Flieger Manfred v. Richthofen fällt bei Saillh-le-Sec. 1924: die Schauspielerin Eleonore Düse in Pittsburg gestorben.
Stahlhelm
und kommunale ZrakiionSbildung.
Von deutschnationaler Seite schreibt man uns:
Von den drei in den Gießener Stadtrat voraussichtlich einziehenden Mitgliedern der Deutsch- nationalen Volkspartei gehören zwei dem Stahlhelm seit.Sahren als Mitglieder an. Die DRVP. hat sich mit anderen Gruppen auf einen Vorschlag geeinigt, um, was nur hierdurch zu erreichen war, die Möglichkeit zu erhalten, in den einzelnen Ausschüssen mitzuarbeiten. An ihrer grundsätzlichen Einstellung zu den Fragen des Staates und der Wirtschaft hat sich durch diese taktische Maßnahme nichts geändert. Wie im Reich, ist auch die hiesige Grippe der Deutschnationalen durchaus gewillt, mit der NSDAP, zusammenzuarbeiten. Die hiesigen Deutschnatio« nalen haben seit 1919 mit anderen Parteigruppen in einer Fraktion kommunalpolitisch zusammengearbeitet, statt unfruchtbare Ssolierung zu betreiben.
Männer- und Frauenvereinigung her MaiihäuSgeniein-e.
Sm Saale des Gemeindehauses in der Kirch- straße hielt die Männer» und Frauenvereinigung der Matthäus-Gemeinde gestern abend unter Leitung ihres Vorsitzenden, Berufsschullehrer W e h r h e i m, ihre Hauptversammlung bei sehr gutem Besuche ab.
Der Vorsitzende erstattete zunächst den Sahres- bericht, der über das Wirken der Männer- und Frauenvereinigung im Dienste der Gemeinde aufschlußreich berichtete. Die Tätigkeit der Vereinigung erstreckte sich, wie früher, auch in diesem Berichtsjahre auf die Förderung aller kirchlichen und sozial-wirtschaftlichen Belange der Matthäus-Gemeinde. Der Bericht machte weiter Mitteilungen über das Wirken der Sterbekafsen- Hilfe. Die Versammlung genehmigte den Bericht ohne Aussprache.
Anschließend beschäftigte man sich in langer und gründlicher Beratung mit der Abgrenzung der Hauptaufgaben der Männer- und Frauenvereinigung gegenüber der in ihrem Rahmen vor einigen Sahren geschaffenen „Hilfe im Sterbefall" und mit der Festsetzung der Sterbe- Unterstützung. Es handelte sich bei der Aussprache, an der sich eine Anzahl Redner beteiligten, darum, den Aufgaben der Matthäus-Vereini- gung auf dem Gebiete der kirchlichen Förderung ebenso gerecht zu werden, wie den Erfordernissen der Sterbehilfskasse. Es wird, wie aus der Aussprache klar hervorging, von keiner Seite daran gedacht, die Sterbehilfskasse auf Kosten der kirchlichen Förderungsarbeit zu bevorzugen, ebensowenig ist umgekehrt beabsichtigt, die kirchliche Förderung zum Nachteil der Sterbehilfskasse zu betreiben, liebereinstimmend kam der Wille zum Ausdruck, nach beiden Richtungen hin unbedingt mit dem Maßstab des Rechts und der Gerechtigkeit zu messen, um auf diesem Wege in umfassender Weife den vielfältigen Gesamtinteressen des Gemeindelebens in der Matthäus-Gemeinde zu dienen. Als Ergebnis der Aussprache wurde zunächst eine Regelung für das Rechnungsjahr 1933 einstimmig gutgeheißen. ferner die genaue Abgrenzung der beiden Wirkungsgebiete im Laufe des neuen Geschäftsjahres vorgesehen. Für diese Neuordnung ergab die Aussprache wertvolle Anhaltspunkte, von deren Geltendmachung übereinstimmend eine nach jeder Richtung hin befriedigende Lösung erwartet wird. Die Beschlußfassung m dieser Angelegenheit erfolgte mit er- freul-.d)er Einstimmigkeit, mit der auch die bisherige Höbe der Sterbeunterstühungen ohne Beitragserhöhung für das laufende Scchr bestätigt wurde. Dazu befähigte vor allem die beachtens- werte Hohe des Reservefonds der „Hilfe vom Sterbfall".
Nach der Rechnungsablage, die einen guten Stand der Dereinsfinanzen auswies, dankte der Vorsitzende dem langjährigen Rechner, Derwallungssekretär L a m b, mit herzlichen Worten für feine Mühewaltung. Mit Bedauern wurde von der Versammlung zur Kenntnis genommen, daß Herr L a m b wegen hohen Alters fein Rechneramt nunmehr nie»
Hitlers Geburtstagsfeier in Mainz.
WSN. Mainz, 20. April. Der 44. Geburtstag des Reichskanzlers Adolf Hitler ist auch hier feierlich begangen worden. Den Auftakt zur Feier bildete gestern abend im Stadttheater eine Vorfeier, die vom Kampfbund für deutsche Kultur im Verein mit der Sntendanz des Stadttheaters durch die Erstaufführung „Es brennt an der Grenze" eingeleitet wurde. Unterdessen versammelten sich am Goetheplatz die nationalen Verbände zu einem F a ckel au f- marsch, der kurz von 21 Uhr unter Beteiligung von Musikkapellen und Trommlerkorps seinen Abmarsch in halbstündiger Dauer durch die Hauptstraßen der Stadt nahm. Diele taufende von Personen der SS.- und SA.-Leute, des Stahlhelm, der Reitervereine, Turn-, Sport- und Gesangvereine, Feuerwehren, des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, der Polizei, Post, Bahn, staatlichen und städtischen Beamten und Angestellten, des Theaterpersonals, so das geschlossen antretende Orchester und teils Personal mit dem früher bei Zapfenstreich üblichen Lampen, der Hitlerjugend .des Bundes deutscher Mädels, die verschiedenen Fachschaften des Kampfbundes, der deutschen Sugendtraft, der Sanitäter vom Roten Kreuz usw. beteiligten sich an dem Fackelzug. Die heutige Hauptfeier vollzog sich in größerer militärischer Aufmachung. Nach der Sammlung auf dem Schloßplah marschierten um 10 Uhr die nationalsozialistischen Formationen mit der Schutzpolizei und einer Ehrenkompanie des Stahlhelm auf den Adolf- Hitler-Platz zum Großen Appell. Nach einer Parade wurden Ansprachen gehalten und dann zum Gouvernementsgebäude marschiert, wo Punkt 11 Uhr die feierliche Aebcrgabe und Einweihung des Braunen Hauses vorgenommen wurde. Am Abe-nd fand in der Stadthalle der „Deutsche Festabend" statt, der in der vom Führer gewünschten schlichten Form den Geburtstag Adolf Hitlers feierte.
•• Ein e Tagung des NS. - Aerzte- bundes Oberhessen-Nord findet am kommenden Sonntag in Gießen, 16 11^- i> ■mb, im Hotel Viktoria statt. Für die Tagung sind folgende Vorträge vorgesehen: Dr. Kranz über „Rassenmischu.:g, Mischehe und Sudenfrcg?", Professor Schultze über „Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten".
** Einheitskurzschrift. Man schreibt uns: Snfolge Verlängerung der Schulferien können die ainterrichtskurse des Kurzschriftvereins von 1861 erst am 2. bzw. 4. Mai ihren Anfang nehmen. Der Anfängerlehrgang beginnt am Donnerstag, 4. Mai, 19 Ahr, in der Goethe- schule, Westanlage 43. Siehe heutige Anzeige.
Vier Kommunisten verhaftet.
* Homberg, 21. April. Sm Laufe des gestrigen Abends wurden von der hiesigen Gendarmerie vier Kommunisten verhaftet, die in der KPD. an hervorragender Stelle tätig waren. Von den Verhafteten sind drei aus Glieder» Ofleiden, einer ist von Homberg. Heute früh wurden die Verhafteten nach dem Lager in Osthofen überführt.
Oer neue Grünberger Gemeinderai.
«r Grünberg, 20 April. Die im gestrigen Der ich t angegebene Zusammensetzung des neuen Gemeinderates aus 10 Vertretern der NSDAP, und 2 Vertretern der SPD. ist intern noch keine endgültige, da in der Sitzung der Wahlkommission Zweifel an der Rechtmäßigkeit des von der SPD. eingereichten Wahlvorschlags geäußert wurden. Mit Rücksicht darauf
berfegte. Seine verdienstvolle Tätigkeit Im Interesse der Vereinigung wurde in gebührender Weise anerkennend gewürdigt, ebenso wurde ihm für seine Geschäftsführung im letzten Rechnungsjahre einstimmig Entlastung erteilt, nachdem die Rechnung von den Rechnungsprüfern einwandfrei befunden worden war.
Der Voranschlag für 1933, der sich im großen und ganzen im Rahmen der vorjährigen Rechnung bewegt, wurde einstimmig genehmigt.
Bei der Vorstandswahl schieden turnusgemäß der Vorsitzende, Berufsschullehrer Wehrheim, ferner Frau Dahme r, Herr Zinn und Herr Friedrich aus dem Vorstände aus. Berufsschullehrer Wehrheim wurde mit dem Ausdruck der wärmsten Anerkennung für seine bisherige Führung der Vereinigung und mit der Versicherung des vollsten Vertrauens in seine weitere Führung einstimmig als Vorsitzender wiedergewähll, ebenso wurden einige turnusmäßig ausgeschiedene Vorstandsmitglieder erneut in ihren Aemtern bestätigt. Den ausscheidenden Mitgliedern wurde verdientermaßen Dank gezollt. Neugewählt wurden in den Vorstand Garteninspektor R e h n e l t und Redakteur Blum- s ch e i n. Die Neubesetzung des Rechnerpostens wurde dem Vorstand vertrauensvoll überlassen.
Mit der Ermahnung, stets und besonders in der jetzigen schwierigen Zeit treu und unentwegt zu den Zielen der Männer- und Frauenvereinigung der Matthäus-Gemeinde zu stehen und an ihren Ausgaben allezeit opferfreudig mitzuarbeiten, wurde die Versammlung geschlossen.
Oer heutige Polizeibericht.
Von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen wird berichtet:
Der Kommunist Otto Kreiling, der sich zur §eit wegen Verbreitung illegaler kommunistischer ruckschristen im Landgerichtsgefängnis in Gießen befindet, hatte eine 08-Pistole mit langem Lauf und dazu gehöriger Munition im Besitz, die er weder angemeldet noch abgeliefert hat. Die Pistole wurde bei der vorgenommenen Durchsuchung in der Scheune der Schwiegereltern von Kreiling in geladenem Zustande vorgefunden. Kreiling hatte die Pistole ohne Wissen der Schwiegereltern in der Scheune versteckt.
SA. und Gendarmerie nahmen in Mittel- Seemen bei verdächtigen Personen Durchsuchungen nach Waffen vor. Es wurden am 12. und 15. April drei Karabiner, ein Gewehr, etwa 300 Schuß Munition sowie 57 Sprengkapseln vorgefunden.
Ein Mitglied der SPD. aus Wieset und ein jüdischer Händler aus Hungen wurden in Schutzhaft genommen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Stadttheater, 20 bis 22.15 Ahr, „Hasenklein kann nichts dafür". — Saal der Christl. Versamm- - lung, Wetzsteingasse 9, 20.15 Ahr, Vortrag von Evangelist A. Winterhvff. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anmögliche Liebe". — Astoria- Lichtfpiele, Seltersweg: „Mein Freund der König" und „Ehe mit beschränkter Haftung".


