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21.3.1933 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

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Wirtschaft

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liarft, doch benutzte die Spekulation e Sturie zu Gewmnmitnahmen. Da-

Wolle, Stolberger Zink, Niederlausitzer Kohle, Kali Aschersleben und Westeregeln, Goldschmidt, Harburg

März und einige andere günstige Nachrichten aus der Wirtschaft regten an. Das Publikum.war wieder mit ziemlich u in fangreichen Kaufauf­trägen im Markt, doch benutzte die Spekulation übermäßig hohe Kurse zu Gewinnmitnahmen. Da­durch wurden die vorbörslichen Taxen zu Beginn des offiziellen Verkehrs nicht immer voll gehalten.

Die Anfangstendenz war aber trotzdem ausge­sprochen fest. Spezialwerte wie Braubank, Deutsche Kabel, Bayern-Motoren, Kunstseideaktien, Bremer

richt der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. März hat die F r ü h j a h r s e n t l a st u n g des Arbeitsmarktes in der ersten Hälfte des Mo­nats März weitere beachtliche Fort­schritte gemacht. (Bei den Arbeitsämtern waren am 15. März rund 5 9 35 0 0 0 Arbeitslose gemeldet. Bemerkenswert ist, daß der Rückgang mit rund 65 000 bereits stärker war, als in der zweiten Hälfte des Februar. Seit Beginn der Frühjahrsentlastung hat damit die Zahl der ein­getragenen Arbeitslosen um über 1 1 0 0 0 0 abgenommen. 3m Borjahr lag dagegen der Höhepunkt der erfaßten Arbeitslosigkeit erst Mitte März bei rund 6 129 000 Arbeitslosen.

Die Arbeitslosenversicherung erfuhr eine fühlbare Entlastung. Die Zahl der Haupt- unterstühungsempfänger ging um rund 84 000

Franksurt a. M., 23. März. (WER.) Lieber die Arbeitsmarktlage im Bezirk des Landes­arbeitsamts Hessen in der Zeit vom 1. bis 15. März 1933 teilt das Landesarbeitsamt Hessen mit:

Die Zahl der Arbeitsuchenden ist in der ersten Märzhälste um weitere 1059 oder 03 o. h. des Standes von Ende Februar 1933 zurück- gegangen.

Der Höhepunkt der diesjährigen winterlichen Be­lastung des Arbeitsmarktes durch die Zahl der bei den Arbeitsämtern erfaßten Arbeitsuchenden war somit bereits Witte Februar erreicht, also früher als in den vorhergehenden Jahren, in denen erst von Ende Februar ab ein Rückgang festzustellen war. Die Abnahme während der Berichtszeit entfällt ausschließlich aus die Männer (1690), während sich die Zahl der arbeitsuchenden Frauen noch um 633 erhöhte. Am 15. März 1933 betrug die Zahl der verfüg­baren Arbeitsuchenden insgesamt 337 881, davon waren 52 173 oder 18,3 v. H Frauen.

Die Zahl der Arbeitslosen ging am 2616 auf 328 736 zurück.

Innerhalb der einzelnen Arbeitsamtsbezirke war die Entwicklung noch uneinheitlich, nur in 11 Be­zirken nahm die Zahl der Arbeitsuchenden ab. Der Rückgang liegt in der Hauptsache bei den Saison­außenberufen. In der Landwirtschaft, Gärtnerei ufib Tierzucht ergab sich eine Abnahme um 246, in der Industrie der Steine und Erden um 417, im Baugewerbe um 1187 und bei den Bauhilfs­arbeitern um 294. Auch in der Lederindustrie, im Holz- und Schnittstoffgewerbe, im Deklei- dungs- sowie im Berkehrsgewerbe ergab sich ein Rückgang. Bon der Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitsuchenden waren 299 486 oder 88,6 v. H. Arbeiter und 38 395 oder 11,4 v. H. Angestellte.

Die Bestandszahl der Hauptunterstühungs- empfänger in der Arbeitslosenversicherung nahm gegenüber Ende Februar um 3930 ab, die der Hauptunterstühungsempfänger in der Krisen­

fürsorge um 2245 zu, so daß in beiden Linker- stützungseinrichtungen zusammen während der Be­richtszeit die Zahl der Hauptunterstühungsemp­fänger um 1685 zurückging. Cs wurden Mitte Februar in der Arbeitslosenversicherung 41 664, in der Krisenfürsorge 77 662, zusammen 119 326 Hauptunterstützungsempfänger gezählt.

Die Zahl der unterstützten Kurzarbeiter ging zurück. Cs wurden in der Woche vom 20. bis 25. Februar 8804 Kurzarbeiter gegenüber 10 251 in der Woche vom 23. bis 28. Januar gezählt.

Bei Maßnahmen des JreiroiUigen Arbeits­dienstes waren Ende Jebruar 16 650 Arbeits­dienstwillige beschäftigt.

Die Zahl der beim Rotwerk der deutschen Jugend beteiligten Jugendlichen betrug Ende Februar 18 779 (Ende Januar 5407), von denen 16 098 (4241) eine gemeinschaftliche Mahlzeit er­hielten. Bei 885 (265) beruflichen Bildungsmaß­

nahmen waren 22 222 (8178) Jugendliche teiligt.

Oie Arbeitsmarkttage im Reich.

Berlin, 23. März. (TU.) Rach dem

Taxen meist von 1,50 bis 2 Prozent höher lau­teten. Sie Tendenz war trotzdem freundlich, wobei die gestrige Reichskanzlerrede und deren relativ günstiges Echo im Ausland sowie die feste Haltung Wallstreets anregten. Die Llmsatztätig- keit war für Spezialwerte lebhafter, im übrigen war das Geschäft nur klein. Am Aktienmarkt waren einige Sonderbewegungen zu verzeichnen, Goldschmidt erschienen mit Plus-Plus-Zeichen und kamen 4.50 Prozent höher zur Rotiz. Ferner la­gen Contilinoleum 4 Prozent, Deutsche Linoleum 2,65 Prozent, Kunstseideaktien bis zu 3,50 Proz., und Siemens 3 Prozent fester. Am Chemiemarkt war die Kursbildung uneinheitlich. Scheideanstalt verloren 1,25 Prozent, Metallgese.lschaft 0,25 Pro­zent. Deutsche Erdöl waren unverändert. I.-G. zogen bei größerem Umsatz 1,13 Prozent an, fer­ner gewannen Rütgerswerke 1 Proz. Die durch­schnittlichen Erhöhungen des Montanmarktes stell­ten sich auf 1 Prozent. Rheinstahl lagen 2 Pro­zent und Harpener 2,25 Prozent fester. Bon Elek­trowerten sind Lahmeyer und Schuckert mit je plus 2 Prozent, Felten mit plus 2,25 Prozent, (Betula und Elektrische Lieferungen mit je plus 1,50 Prozent zu erwähnen. Schiffahrtspapiere und die übrigen Gebiete des Aktienmarktes gewannen von 0,50 bis 1 Prozent. Etwas schwächer eröff­neten Kali Salzdetfurth (minus 1,50 Prozent), Reichsbank und Lechwerke-Augsburg mit je minus 0,75 Prozent.

Am Rentenmarkt stand Altbesitz mit plus 2 v. H. im Mittelpunkt des Interesses. Reichsschuld­buchforderungen zogen 1 v. H., Neubesitz und Schutz­gebiete er.. 0,5 v. H. an. Stahloereinbonds geroannen 0,90 v. H., Reichsbahnvorzugsaktien tendierten zu 100,13 v. H. gut behauptet. Von Auslandwerten konnten sich Rumänen weiter leicht befestigen, da- gegen lagen Zolltürken knapp behauptet.

Oie Heichsverficheruugsanffalt für Angestellte im Jahre 1932.

3n dem Bericht der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte über das Geichäftsiahr 1932 wird u. a. mitgeteilt (eingetlammert sind die Zahlen des Jahres 1931 angegeben):

Am 31. Dezember 1932 liefen 183 498 (155 514) Ruhegelder m.t 21 117 ( 25 316) Kinderzuschüssen 81 C37 (72 4t3j Witwen- und Witwerrenten und 26 629 ( 40 258) Waisenrenten. Insgesamt waren im Berichtsjahre 119 999 (113 436) Leistungs- anträge zu bearbeiten.

Der Gesamtaufwand für öte Ren­te n l ei st u n g e n , Abfindungen und Beitrags­erstattungen einschließlich der von anderen Ber- fichcrungsträgern zu erstattenden Beträge machte im Jahre 1932 - 229,6 Millionen (220,3 Mil' lioncn) Mark aus. Rach dem Stande vom 31.De- zember 1932 betrug die monatliche Rentenletstung 16,5 Millionen (16,6 Millionen) Mark.

Cs gingen 118 639 (136 346) Anträge von Ber- sicherten auf Gewährung eines Heil­verfahrens ein. Hiervon entfallen auf stän­dige Heilverfahren 64 295 (77 900), auf nicht- ständige Heckverfahren 54 344 (58 446). Cs wur­den 36 871 (48 316) ständige Heilverfahren durch- geführt. Die Kuren beanspruchten durchschnitt­lich in den Lungenheilstätten 112 (110) Tage, in den übrigen Sanatorien und Bädern 31 (30) Tage. Die Zahl der Anträge aus Gewährung von Zickchüslen zu Heilverfahren für tuberkulöse, tuberkulosgefährdete und rach.tische Kiiider von Bers.cherten unb für Waisenrenten betrug 4660 (6507). Zuschüsse wurden in 3527 (4792) Fällen bewilligt. Cs wurden für die Gesundheitsfürsorge insgesamt 21.9 (28,9) Millionen Mark aufge­wendet. , , .

Die Gesamtbeitragseinnahme belief sich auf 287,7 Millionen (343,4 Mill.) Mark. Der Beitragsrückgang ist auf die starke Stellenlosig­keit der Angestellten und auf das Sinken der Gehälter und Löhne zurückzuführen. Die Beiträge machen etwa 5 vom Hundert des durchschnitt- llchen Monatsverdienstes aus gegen 7 vom Hun­dert in der Borkriegszelt.

Der Förderung des Wohnungs­baues wurde wiederum besondere Aufmerksam­keit geschenkt. Die Rachfrage nach Wohnungsbau­darlehen war jedoch infolge der auch die >Bau- ctigfeit lähmenden Wirtschaftskrise im Bergleich zu derjenigen der Borjahre nur gering. Die Gesamtneuanlage für Wohnungsbauzwecke belief sich auf 62 Millionen (128 Millionen) Mark. An versicherte Angestellte wurden 619 (782) Hypothekar.sche Darlehen für neuerstellte Eigen­heime mit 3.4 Millionen (4,8 Millionen) Mark ausgezahlt.

Der Berwaltungskostenaufwand be­trug 2,9 (2,8) vom Hundert der Gesamteinnahme. Cs verbleiben also 97,1 vom Hundert dieser Ein­nahme für Zwecke der Versicherung.

Berlin erst fest, dann abbröckelnd.

Berlin, 24. März. (MTV. Funkspruch.) Schon im heutigen Vormittagsverkehr war in den Bank- büros eine recht zuversichtliche Stimmung festzu­stellen. Der gute Eindruck der gestrigen Kanzlerrede im In- und Ausland, der feste Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse, ein neuer 100-Millionen-Auftrag der Russen, der Rückgang der Arbeitslosenzissern im

Gummi, Contilinoleum, Lahmeyer und Siemens lagen über den Durchschnitt von 1 bis 2 v. Sy bis Au 5,50 v. Sy erholt. Während das Geschäft an den Aktienmärkten nicht übermäßig lebhaft war, standen fe st verzinsliche Werte bei großen Umsätzen wieder im Vordergründe des Interesses. Die Neubesitzanleche konnte nach anfänglicher Plus- Plus-Notiz 1 v. Sy gewinnen. Die Altbesitzanleihe gelangte 1,90 v. Sy höher zur Notiz, während Schutz- ?iebiete rund 1 v. Sy gewannen. Reichsschuldbuch- orderungen wurden bis zu 0,75 v. Sy höher gehan beit. Don Ausländern zeichneten sich Rumänische Renten durch Festigkeit aus.

Auch im Verlaufe blieb das Geschäft am Ren­te n m a r k t, unter Bevorzugung der Neubesitz­anleihe, lebhaft. An den Aktienmärkten bröckelten die Kurse, obwohl die Umsatztätigkeit ziemlich lebhaft blieb, eher ab, nur Kunstseideaktien und Braunkohlenwerte lagen fester und erfuhren teilweise mehrprozentige Kurssteigerungen. Eintracht Braunkohle gelangten verspätet 4,50 o. Sy über gestern zur Notiz.

Am Geldmarkt war die Situation unverän­dert. Das Angebot an Wechselmaterial hielt an.

Frankfurt freundlich.

Frankfurt a. M., 24. März. (WTD. Draht- Meldung.) Gegenüber den höheren Vorbörsenkur - sen brachte die amtliche Börse eine gewisse Ent­täuschung. Bon der Kundschaft lagen zwar in klei­nem Umfange Kauforders vor, doch kam anderer­seits einiges Angebot an die Märkte, so daß die durchschnitllichen Kursbesserungen nur etwa 1 Prozent betrugen, nachdem vorbörslich die

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Der Gerannte Berliner Zeichner unb Karikaturist Paul Simmel mit seiner Frau. Simmel, dessen luftige Bilder über die Grenzen der Reichshauptstadt hinaus bekannt und beliebt waxen, hat sich, wie be­reits gemeldet, in einem Anfall von Depression das Leben genommen.

auf rund 858 000 zurück. Dagegen stieg die Be­lastung der Krisenfürsorge weiter auf rund 1 535 003 Hauptunterstühungsempsänger. Die milde Witterung ist nicht nur dem freien Ar­beitsmarkt, auch den Rotstandsarbeiten und dem Freiwilligen Arbeitsdienst zugute gekommen. Die Zahl der Rotstandsarbeiter in der Wert schaf­fenden Arbeitslosenfürsorge dürfte inzwischen 50 000 überschritten haben. Im Freiwilligen Ar­beitsdienst wird die Zahl der Arbeitsdienstwil­ligen von rund 193 000 Ende Februar auf etwa eine viertel Million gestiegen sein.

Lebenslängliches Zuchthaus für die Offenbacher Raubmörder.

WSN. Darmftabt, 23.März. Das Schwur­gericht verurteitte den 24jährigen Gürtler Georg Hausmann unb ben 23jährigen Musiker Her­mann Distler aus Offenbach wegen gemein­samen Raubes in Tateinheit mit Totschlag an ber pensionierten Postassistentin Anna Kreut- zer in Offenbach zu lebenslänglichem Zuchthaus unb Aberkennung ber bürgerlichen Eorenrechte auf Lebenszeit. Der Staatsanwalt hatte wegen Raubmordes die Todesstrafe b e a n-- tragt Das Gericht zweifelte indessen, ob die An­geklagten wirklich die Tat vorsätzlich ausgeführt hätten und nahm deshalb nur Totschlag an.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck wirkt sich weiterhin aus, so daß der Witterunascharakter vorerst keine wesentliche Aenderung ersiihrt.

Aussichten für Samstag: Vielfach heiter, jedoch zeitweise leicht bewölkt unb trocken, nachts noch leichter Frost, am Tage etwas milber.

Lufttemperaturen am 23. März: mittags 5,5 Grad Celsius, abends 1,7 Grad: am 24. März: morgens 0,7 Grab Maximum 6 Grab; Minimum 2,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. März: abends 6,4 Grad; am 24. März: morgens 1,7 Grad. Sonnenscheindauer 10% Stunden.

Oie Einsamsten her Wett.

Robinson-Leben in unterer Zeit.

Das Ideal des Robinson Crusoe, das in-frühe­ren Zeiten einmal die Menschheit entzückte, ist auch heute noch trotz der Massenansammlungen der Menschheit in den großen Städten nicht ausgestor­ben. Lleberall auf unserm Erdball gibt es kultur- müde Einsiedler, die sich in die Verlassenheit ab­gelegener Fernen zurückziehen, um hier Frieden und Ruhe zu finden, und noch immer zeigt sich, daß die Einsamkeitt>ie Wiege tiefer Gedanken" ist. Der Herausgeber der englischenHeberfee- Daily Mail", der Briese aus allen abgelegenen Winkeln der Welt erhält, plaudert in einem Auf­satz seines Blattes von diesenEinsamsten der Erde", mit denen er in Beziehung gekommen ist. Da schreibt ihm z. B. ein Mann aus Read Island, in der Rähe der größeren Herschel-Insel, 250 Mei­len nordwestlich von Aklawik, von einer Insel hoch oben im vereisten Rorden Rord-Arnerikas tief im Polarmeer. Dieser Trapper und Händler Craig, der nur ein paar Eskimos und viele Schnee­stürme au Gefährten hat, berichtet, daß nut ein­mal in icbcm Jahr im Sommer ein Schiff an sei­nem Strande anlegt, aber er ist dabei ganz glück­lich:Dies Leben sagt mir mehr zu als jedes andere. Cs fehlt mir an nichts, unb ich glaube ganz ernsthaft, daß ich besser lebe als mindestens 90 Prozent aller übrigen Menschen. Schwer zu ertragen ist nur die tödliche Eintönigkeit der lan­gen, langen WinterdämmerunA, besonders im Ja­nuar und Februar. Dann überfällt einen tiefe Dumpfheit, wenn Schneesturm nach Schneesturm rast, unb die furchtbare Kälte es unmöglich macht, herauszugehen. Ich habe mir aber eine eigene Art Philosophie ausgedacht, und mit dieser be­schäftige ich mich, bis der Sommer kommt." Der einsamste Zahnarzt der Welt meldet sich von Beet- Island, einem der zahlreichen Inselchen der Vir- gins-Inseln in Westindien. Bees-Island hat nur zwei Einwohner, aber glücklicherweise ist die »große Welt" in Gestalt des kleinen Eilandes Tor­tola nicht weit entfernt. Hier gibt es mehr als 6000 Einwohner, aber nur einen Arzt und einen Schuhmann. Die ganze weiße Bevölkerung dieser zahllosen Inselchen beläuft sich auf 16 Seelen. Der Zch ratzt von Bees-Island segelt einmal in der Woche nach Tortola, um sich dort (Nahrung zu kaufen und Zähne zu ziehen. Die übrige Zeit be­schäftigt et sich mit Schreiben und Lesen und ist dabei ganz glücklich. Auch im Innern des schwar­

zen Erdteils gibt es Flecke von unglaublicher (Ber- lassenheit. Da ist z. B. Fort Iameson in Rordost- Rhodesien, das von einer Eisenbahnstation 500 Kilometer und von der andern 600 Kilometer ent­fernt ist.Wir sind tatsächlich in der Wildnis Mittel-2lftikas begraben, schreibt ein Leser, der etwa 80 Kilometer von Fort Iameson entfernt, feinen Tabak baut. Fünf Monate im Jahr, wäh­rend der Regenzeit, ist ber Weg nach der nächsten Eisenbahnstation Lusaka, die 600 Kilometer ent­fernt ist, ungangbar, und dieser einsame Bor­posten europäischer Zivilisation ist von jeder Be­rührung mit Weihen abgeschlossen. Der nächste Arzt wohnt 80 Kilometer entfernt. Richt minder einsam liegt Kuweit am Persischen Golf, am Rande der arabischen Wüste. In dieser (leinen Stadt, die von einem Scheck beherrscht wird, leben zwei Engländer und einige amerikanische Missio­nare. die oft monatelang nichts von der Außen­welt erfahren. Als die einsamste Frau möchte der Berfasser eine Engländerin bezeichnen, die am Ufer des Gippsland-Sees zu Victoria in Austra­lien mitten in einem 15 Quadratkilometer großen Walde lebt. 3m Süden stößt der Wald an den Ozean, und wenn sie an der Küste steht, ist kein Land zwischen ihr und dem Südpol. Sie sieht höchstens einmal im Monat einen Menschen.Die Küste, schreibt sie,ist 150 Kilometer lang._ für mich ein unendlich weiter Streifen goldenen San­des. Oft bin ich das einzige menschliche Wesen an dieser Küstir . . .

Briefmarkensammeln

Das Sammeln von Briefmarken, das früher in der Hauptsache von der Schuljugend gepflegt wurde, ist längst zu einem Sport der Erwachsenen geworden, der eine weltweite Industrie geschaf­fen hat. Lleberall gibt es Läden, in denen man diese eigenartigen Papierstückchen zu den ver­schiedenartigsten Preisen erstehen kann. Herrscher und berühmte Männer reiten dieses Steckenpferd ebenso eifrig wie Schüler. Einen besonderen Auf­schwung hat die Philatelie durch König Georg von England erfahren, der der berühmteste le­bende Briefmarkensammler ist. Seine Sammlung von Briefmarken des Britischen Weltreiches ist in ihrer Vollständigkeit einzigartig und wird wahrscheinlich nie übertroffen werden. Der echte Sammler sucht sich die Marken, die er vor allem begehrt, in aufregender und zäher Jagd zu­sammen. Dieses Suchen ist eine ber Hauptwürzen seiner Leidenschaft, und es ist für ihn ein Glücks­tag. wenn er ein seltenes Stück zu billigem Preise

ersteht. Jedenfalls darf bei ihm, ebenso wie beim Düchersammler, die Hoffnung auf eine gute An­lage des verauslagten Geldes nicht im Vorder­grund stehen. Freilich spricht dieser materielle Gesichtspunkt häufig mit, unb es ist immerhin ein beruhigendes Gefühl, wenn man sich sagt, daß eine Sammlung, die man jetzt mit guter Kenner­schaft und Vorsicht anlegt, in einem Jahrzehnt um 25 Prozent wertvoller sein wird als heut­zutage. Die Spekulation herrscht auf dem inter­nationalen Briefmarken-Markt und hat während der Krise nicht abgenommen. So sind z. D. die frühen englischen Kolonialmarken sehr gefragt und hoch bezahlt. Beim Handel mit Briefmarken können über Rächt Vermögen verdient werden. Sv kaufte kürzlich ein Sammler in England eine Mauritius von 1847 für 60 000 Mark und hatte innerhalb von drei Stunden nach einem Tele- phongespräch mit Amerika 23 000 Mark verdient, da er die Marke für 20 000 Dollars weckerver­kaufte und diese Summe an dem niedrigen Ster­lingkurs verdiente. Luftpostmarken steigen be­ständig im Wert, besonders solche amerikanischer Ausgaben, bei denen sich ein Druckfehler ein» geschlichen hat. Wenn man eine 6 Cent* oder 24 Cent-Marte mit einem fliegenden Flugzeug ersteht, so schaue man sie sich sorgsam an. Fällt an ihr nichts Besonderes auf, so kann man für sie nur 10 Pfennig bekommen; ist aber das Flug­zeug umgekehrt dargestellt, dann wird dieses Papierstückchen meist teuer ausgewogen. Eine Marke, die immer teurer geworden ist, ist die Britisch-Guiana von 1856 in Magenta-Rot. Es sind für dieses überaus seltene Stück schon 100 000 Mark gezahlt worden. Dann gibt es eine ge­wöhnliche englische Penny-Marke von 1923, auf der dasP" irrtümlicherweise durch ein .,F" ersetzt ist. Wer eine solche Marke auf einem alten Briefe findet, kann damit viel Geld ver­dienen. Kürzlich kramte ein (Bergarbeiter in alten Familienbriefen, und sein Blick fiel auf eine Marke auf einem Schreiben, das von seinem Großvater aus Westaustralien herrührte. Der Schwan auf diesem Postwertzeichen flog mit dem Rücken nach unten und dem Bauch nach oben, dieser Tatsache verdankte er einen Gewinn von 6000 Mark. Einen hohen Wert haben verschie­dene Kriegsausgaben von Marken erhalten trotz der zahlreichen Fälschungen, die auf den Markt gebracht wurden; aber man zahlt heute dafür nicht mehr soviel wie noch vor wenigen Jahren, und gar keine Rachfrage besteht nach den vielen süd- unb mittelamerikanischen Briefmarken, mit

denen der Markt überschwemmt wurde. Viele Länder haben die Gelegenheit, durch neue Aus­gaben Geld zu verdienen, zu reichlich ausgenuht und dadurch ihre Briefmarken entwertet. Das ist z. B. bei den Marken von Liechtenstein und von Indien der Fall.

Wenn zwei dasselbe tun ...

Gustav hatte Pech. Das kann niemand bestreiten. Rach harter Arbeit war er durch die eisenbeschla­gene Tür eines Lagerraumes durchgedrungen und stand plötzlich einem unzweifelhaft mit ber glei­chen Absicht gekommenen Mann gegenüber, ber ihn im Schein seiner (Btenblateme mit einem freundlichenGuten Abend" und mit einem we­niger freundlichenZu spät empfing. Er hatte einen bedeutend leichteren Weg als Gustav ge­wählt, ber allein drei Stunben gebraucht hatte, um die Tür aufzumeißeln. Mit Recht war also Gustav zornig und beschwerte sich über die Ge­meinheit. Der andere reagierte aber nicht dar­auf, sondern riet Gustav zum Verschwinden. Der lieh sich jedoch seufzend auf die schon versand­fertig geschnürten Ballen aus Opossums, Persia­nern und Rerzen nieder, die beinah fein geworden wären. Der Konkurrent, der anscheinend auf seine Helfer wartete, die sich nach einem gebrauchs­fähigen Auto umsahen, wurde nervös und for­derte Gustav wiederholt auf, den Raum durch bas Loch zu verlassen, das nicht der Zimmermann, sondern er, Gustav selbst, hergestellt hatte. Schließlich gerieten sie in Streit, wobei sich Gustav als ber Schwächere erwies und schon nach kurzer Zeit zu Boden mußte. Dabei gelang es ihm aber» die Laterne auszulöschen, so daß sein wütender Gegner im Dunkeln nach ihm suchen mußte. Wäh­rend er sich nun an allen möglichen Ecken den Kopf und die Ellenbogen zerstieß, war Gustav wirk­lich durch das Loch entwischt, und alarmierte nun, Rachsucht im Herzen, ben Portier, ber, aus bem Schlaf geweckt, Gustav mißtrauisch betrachtete. Schließlich nahm er den bavon nicht sehr erbauten Gustav beim Genick und führte ihn au bem La­ger, wo der andere immer noch ergebnislos her­umsuchte unb fluchte. Der Portier, ein Athlet, ergriff auch ihn, womit das Schicksal ber beiben besiegelt war. Vor Gericht stellte sich heraus, baß bie beiden Einbrecher sich wirtlich nicht kannten, sondern erst an dem finsteren Schauplatz Bekannt­schaft gemacht hatten. Da sie jetzt für zwölf Mo­nate Zelle an Zelle wohnen, werden sie reichlich Gelegenheit haben, sich näher kennenzulernen.