Ausgabe 
21.3.1933 Frühausgabe
 
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2? o t. Es ist selbstverständlich, daß sie n i e daran gedacht haben, die ehrwürdigen Reichssarben ganz zu einer Parteifahne zu machen, oder diese Farben allein für sich in Anspruch zu nehmen.

Beide Minister haben wiederholt erklärt und erklären es heute noch einmal, daß sie es a b l e h - nen, sich als Parteimänner zu fühlen. Die sehen ihre Aufgabe vielmehr darin, an ihrer Stelle für die Regierung der nationa­len Erhebung zu wirken, ohne irgend­welche Parteigebundenheit, sondern als Man­datare der gesamten, volkerhalten­den und reichserneuernden Kräfte, die bereit sind, sich zu der geistigen deutschen Revolution und der Schaffung dec wahren Volks­gemeinschaft zu bekennen. 3n dieser Erkenntnis haben sie sich entschlossen, der Fraktion der DAVP. nur als Hospitanten beizutreten.

Die Volksdeutsche Idee im neuen Staat.

Wünsche des BDA.

Berlin, 19.März (CNB.) Unter Vorsitz des Reichsministers a. D. Dr. Geßler faßte die Früh­jahrshauptausschußsitzung des Vereins für das Deutschtum im Auslande eine Entschließung, in der es heißt: Der Verein für das Deutschtum im Aus­land begrüßt es freudig, daß in der Regierung der deutschen Erhebung der W i l l e z u r G e st a l t u n g der deutschen Gesamtnation zum Aus­druck gekommen ist. Der Nachkriegsdurchbruch der volksdeutschen Idee in das staatliche Leben hat in der neuen deutschen Geschichte zum erstenmal dadurch sichtbare Gestalt aewonnen, daß e i n D e u t - fcher von jenseitsoer heutigen Reichs- grenzen deutscher Reichskanzler wurde. Der VDA. erwartet zuversichtlich, daß nunmehr mit der Verwirklichung des volksdeutschen Gedankens im staatlichen Leben ernst gemacht wird, und daß i n der Volksdeutschen Erziehungsarbeit der Schulen allen Hemmungen ein Ende ge­macht wird, die der völkischen Betätigung des VDA. bisher im Wege standen.

Eine Entschließung des Deutschen Richterbundes.

Leipzig, 19. März. (ERB.) (Eigene Mel­dung.) Das Präsidium des Deutschen Richterbun­des hat folgende Entschließung gefaßt: Der Deut­sche Richterbund begrüßt den Willen der neuen Regierung, der ungeheuren Rot und Verelendung unseres Volkes ein Ende zu machen. Wir sind überzeugt, daß es dem Zusammenarbeiten aller aufbauwilligen Kräfte gelingen wird, die Gesun­dung unseres gesamten öffentlichen Lebens und damit den Wiederaufstieg Deutschlands herbeizu­führen. Deutsches Recht gelte in deut­schen LandenI Der deutsche Richter war von jeher national und verantwortungs­bewußt: stets warmer vom sozialen Emp­finden erfüllt. Er hat nur nach Gesetz und Gewissen Recht gesprochen. Das muß so b l ei b e n I Möge das große Werk des Staatsaufbaues dem deutschen Volke alsbald das Gefühl unbedingter Zusammengehörigkeit geben. Der Deutsche Richterbund bringt der neuen Regie­rung volles Vertrauen entgegen.

(Sine Entschließung des Reichsbundes der höheren Beamten.

Berlin, 20. März. (ERB.) Der Geschäfts­führende Vorstand des Reichsbundes der höheren Beamten hat folgende Entschließung angenom­men:Der Aeichsbund der höheren Beamten ist aus dem Kampf gegen das llebergreifen ge­werkschaftlicher und parteipolitischer Tendenzen auf die Beamtenschaft entstanden. Er sowie seine Berufs- und Landesverbände haben oft in schwerem Ringen gegen öffentliche Meinung und frühere- Regierungen beharrlich die be­währten lleberlieferungen des deutschen Berufs­beamtentums hochgehalten. Der RHB. kann für sich und seine Mitglieder in Anspruch nehmen, die alten Tugenden des deutschen Beamtentums, Lauterkeit, Pflichttreue und Hingabe an das Vaterland, durch schwere Fahre hindurch ge­rettet zu haben. Hierdurch hat er an seinem

SIMe», an denen die deuische VolMMelmig tagte.

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Oben links: Die Paulskirche in Frankfurt a. M., tn der die Sitzungen der deutschen Nationaloersamm- lung von 18481849 stattfanden. Oben rechts: Das Gebäude des alten Deutschen Reichstags in der Leipziger Straße in Berlin, das dem Parlament bis 1894 als Tagungsstätte diente. Mitte: Das Reichstagsgebäude in Berlin, das nach den Plänen Wallots 18841894 erbaut wurde. Unten links: Das Nationaltheater in Weimar, in dem die deutsche Volksvertretung 1919 zusammentrat. Unten rechts: Die Garnisonkirche in Potsdam, in der der neugewählte Reichstag am 21. März mit einem feier­lichen Staatsakt eröffnet wird.

Teil grundlegende Vorarbeit für den nationalen Wiederaufbau des Va­terlandes geleistet. 3n dieser Weise wird die höhere Beamtenschaft auch weiterhin mit allen Kräften Volk und Staat dienen. Der Reichsbund kann hiernach erwarten, daß die nationale Regierung den höheren Beamten Ver­trauen entgegenbringt, wie es dos Wohl von Volk und Vaterland angesichts der schweren Aufgaben der Gegenwart erheischt."

Der angebliche Inhalt des Muffolmi-planes.

Eine fran;ö iiche Mitteilung.

London, 21.März. (WTB. Funkfpruch.) Der Pariser Mitarbeiter desDaily Telegraph" will in der Lage fein, eine korrekte Inhalts­angabe des Konventionsentwurfs von IN n f f o - l i n i zu veröffentlichen. Der Entwurf bestehe aus folgenden fünf Artikeln:

1 Die Konvention wird für 10 Jahre ab­geschlossen und soll, falls sie nicht ein Jahr vor Ablauf gekündigt wird, auto­matisch weitere 10 Jahre in Kraft bleiben.

2. Im Geiste des Kellog-Paktes verpflichten sich die vier Großmächte England, Frankreich, Italien und Deutschland, in Europa f ü r d i e E r - Haltung des Friedens zusammenzu­arbeiten.

3. Auch den anderen Mächten ist die Mög­lichkeit gegeben, an dem vertrag teilzunehmen.

4. Die besonderen Verpflichtungen der vier Mächte sind zweifacher Art: a) sie erklären, daß eventuell die Revision der Friedeus- vertrage erstrebt werden müsse, wie dies in der Völkerbundssahung vorgesehen ist, b) Frankreich, Großbritannien und Italien erklären, daß im De­zember vorigen Jahres Deutschland volle Gleichberechtigung zuerkannt worden ist und daß die Zeit gekommen ist, diesen Grund­satz in die Praxis umzusehen. Oesterreich, Bulgarien und Ungarn werden in gleicher Weise behandelt werden.

5. Die vier Mächte werden sich bemühen, außer­halb Europa und in kolonialen Fragen gemeinsame Richtlinien zu befolgen.

Mit arrat in Paris.

Paris, 20. März. (WTB.) 3m Kriegsmini- fterium ist heute unter dem Vorsitz des Minister­präsidenten und Kriegsministers D a! a d i e r, wie Havas berichtet, ein Militärrat zusam­mengetreten, an dem Marineminister 2 e h g u e s Luftfahrtminister C o t, Marschall Petain und General W e y g a n d teilnahmen. ' Es unterliegt keinem Zweifel, daß Ministerpräsident Daladier die militärischen Sachverständigen zusammengeru­fen hat, um ihre Ansichten über den M a c d o - naldschen Abrüstungsplan zu Horen, da auch heute nachmittag ein Ministerrat Stellung zu diesem Abrüstungsplan nehmen sollte.

Aus alter Welt.

Deutsche Opernaufführung in Malmedy und St. Vith verboten.

Die von der Deutschen Musikbühne in Malmedy und St- Dith geplanten Aufführungen deutscher Opern mußten a u s f a l l e n, weil die belgische Sicherheitsbehörde die Genehmigung versagte. Begründet wurde das Verbot mitbesonderen Umständen". 3n deutschen Kreisen besteht Grund zu der Annahme, daß 'damit die Umwälzung in Deutschland gemeint sein soll, was als recht befremdlich und unverständlich empfunden wird, da man diese rein kulturelle Veran­staltung doch nicht mit politischen Vorgängen in Deutschland in Verbindung bringen kann. Dazu kommt, daß in der Stadt Eupen eine Vor­stellung derselben Bühne ungehindert stattfinden konnte.

Fernzündung durch elektrische welle.

Der Ingenieur van der Stegen, ein Bru­der des Bürgermeisters von Gent, führte, wie aus Brüssel gemeldet wird, vor einigen Persön­lichkeiten des öffentlichen und mllitärischen Le­bens sein Experiment über die Fernzündung durch die sogenannte Hertzwelle vor. Mit einem einfachen Radioempfänger kann man einen Brand Hervorrufen. Die Welle eines Sen­ders mit einer Wellenlänge von 35 Metern wird durch einfache Vorrichtung des Empfängers zu Schwingungen benutzt, die einen Kurzschluß durch Fernwirkung Hervorrufen. Diese überträgt sich durch einen Verbindungsdraht auf ein Stück Zünder, und es kommt zur Explosion. Die bel­gischen Zeitungen folgern daraus, daß der Brand der Dampfer »Georges Philippar" und .Atlan- tique kmrch Fernzündung hervorgerufen worden sein kann.

Bei der wache aus Versehen erschossen.

Beim Sprengstofflager im Steinbruch inDof­fen h e i m bei Heidelberg hielten zwei S2L* Leute und zwei Stahlhelmer die Rächt- wache. Als der SA.-Mann Ruh von dem Stahl­helmmann Wöll a b g e l ö st werden sollte, han­tierte er mit einem Revolver, wobei sich ein Schuß löste, der den Wöll in die Brust traf, so daß der Tod sofort eintrat.

Zangara hingerichtet.

Wie aus Raiford (Florida) gemeldet wird, ist dort der wegen seines Anschlages auf den Präsidenten Roosevelt und wegen der Er­schießung des Bürgermeisters C e r m a k von Chicago zum Tode verurteilte Anarchist Zan­gara am Montag mittels des elektrischen Stuhles hingerichtet worden.

Eine Braunkohlenhalde abgebrannt

In Münsterbusch (unweit von Aachen) geriet die große Braunkohlenhalde des Zinkwerks Heinrichs- Hütte der Stolberger Zink-Aktiengesellschaft i n Brand. Die Halde bildete in kurzer Zeit ein ein­ziges Feuermeer. Da die Fabrikwehr nicht aus­reichte, wurde die Kreisfeuerwehr alarmiert, der es gelang, den Brand einzudämmen. Ungefähr 300 Waggons Braunkohle, die für den Betrieb der Ge° nbrawren benötigt werden, sind vernichtet worden. Man vermutet, daß der Brand durch Funkenslug hervorgerufen worden ist.

Ueberschwemmungen im Ohio-Gebiel.

Wie aus Cincinnati (Ohio) gemeldet wird, ist der Ohio-Strom über seine Ufer getreten und Hai das Land weithin unter Wasser gesetzt. Sieben Personen sind in den Fluten umgekommen. Tausende sind obdachlos, der Sachschaden wird auf eine Million Dollar geschätzt.

Schwere Bluttat eines Geistesgestörten.

3n einer der letzten Rächte war di« Wohnung des pensionierten Straßenwarts Roth in Der- mersbach bei Fo'rbach (Murgtal) der Schauplatz einer schweren Bluttat. Der 73jährige Strahenwart Roth überfiel in geistiger Um­nachtung seine im Bett liegende Frau und brachte ihr mit einem Beil sehr schwere Kopfver­letzungen bei. Der Geistesgestörte durchschnitt sich bann selbst mit der Axt die Pulsadern drei­mal. Das Ehepaar muhte sofort ins Krankenhaus gebracht werden.

TonfilmDer Rebell".

Lichtspielhaus

Die heroische Geschichte des Tiroler Freiheitskamp­fes im Jahre 1809 ist in vielfältiger Gestalt als Volkslied, Roman und Drama in die deutsche Literatur eingegangen. Es lag nahe, zumal in heu­tiger Zeit, daß auch der Film sich dieser nationalen Fabel bemächtigte: die Deutsche Universal-Film A.-G. in Berlin gestaltete das Thema in einer Form, die zwar in den Grundzügen der historischen Ueberlieferung folgt, aber eine frei erfundene Spiel- Handlung in die geschichtliche Szenerie einbaut und überdieswas uns für die Komposition und die Aus­strahlung des Werkes entscheidend zu sein scheint den eigentlichen Anführer im Kampfe der Tiroler wider die napoleonische Fremdherrschaft zum Trä­ger einer fehr klar zum Ausdruck gebrachten Idee macht. Der Name Andreas Hofer, mit dem sich für uns gemeinhin die Erinnerung an die Vorgänge des Jahres 1809 am ehesten und selbstverständlich­sten verbindet, bleibt hier ungenannt: die schon fast legendäre Gestalt des Sandwirts vom Pasfeiertal verjüngt sich für die Hersteller des Films in der männlichen Erscheinung eines Jenenser Studenten namens Severin Anderlan, der, aus Deutschland heimkehrend, im Franzosenjabr 1809 auf dem alten Hof seiner Väter sich rebellisch auflehnt gegen die fremden Eroberer und bald seinen eigenen Kampf gegen die Uebermacht zur allgemeinen Sache des Landes macht. Dieser Anderlan spricht es aus in einer der geheimen Versammlungen, in denen die erbitterten Bauern ihren Ausstand vorbereiten: nicht Bruderkampf von Deutschen gegen Deutsche, von Tirolern gegen Bayern kann Sinn und Ziel der Erhebung fein; er weist der Bewegung die ent­scheidende Richtung und den wahren Feind des Landes. Die Regie von Kurt Bernhardt und Luis Trenker hat sich-mit erstaunlichem Geschick, Elan und technischer Reife der Gestaltung des Dreh­buchs (R. A. S t e m m l e und Walter Schmidt- k u n z) angenommen. Die Inszenierung beginnt ganz romantisch, mit großzügigen, schönen Land­schaftsaufnahmen und zarten, lyrischen Siebes» szenen, um dann fast ohne Uebergang in den bal- ladesken Schwung und das stürmische Tempo der eigentlichen Handlung einzumünden mit Flucht und Verfolgung ins Gebirge hinauf. Allmählich verbrei­tert sich die Einzelhandlung. der Rebellenstreich fin­det Widerhall und wächst sich aus zur Volkserhe­bung (das Motiv ist auch filmisch überaus plastisch gesehen und geformt) und gipfelt schließlich in dem erbitterten Gebtrgskampf der Tiroler Bauern

gegen die übermächtig anrückenden französischen Bataillone. Hier erreicht die Aufnahmetechnik des in vielen Bergfilmen bewährten Sepp A 11 g e i c r einen verblüffenden Grad non Vollendung, die riesige Szenerie, Landschaft und bewegte Menschen­masse, erbittertes Gefecht am Berg, auf der Brücke, im Wasser, stürzende Lawinen aus Felsbrocken und Baumstämmen, die von den Bauern gegen die Angreifer entfesselt werden: das drängt sich zu einer Bilderfolge von ungemein dramatischer Rea­listik zusammen. Für einzelne Motive scheinen be­rühmte Bilder von Defregger Modell gestanden zu haben. Trenker spielt auch selber die Haupt­rolle, den Severin Anderlan; das ist ein Kerl nach seinem Herzen: männlich, draufgängerisch, voller Freude am Abenteuer, leidenschaftlich hingegeben an seine Sache.

Auch in den stilleren Liebesszenen steht er seinen Mann. Die junge Luise Ullrich, eine der hoff­nungsvollsten Begabungen des deutschen Theater Nachwuchses, gibt die Enka Niederer, und man kann sich dabei vorstellen, daß sie später einmal die Erb­schaft von Mady Christians antreten wird, lieben Haupt sieht man tüchtige Leistungen in der Be­setzung; wir nennen noch Ludwig Stössel. Vic­tor V a r c o n i, Fritz Kämpers, Olga Engi, Erika Dannhoff und Albert Schultes. Der H~ilm läuft seit gestern im neuen Programm des ichtjpielhauses; der starke Besuch des ersten Tages ließ darauf schließen, daß der Film auch bei uns einen ausgesprochenen Erfolg haben wird.r

Nie Göttin der Jahreszeiten

Don paul Eipper.

3n einem alten Park steht ein Bildwerk aus Stein. Kricgsgetümmel, der Sturm der Zeiten und die Unbill der Witterung haben seinen glat­ten Glanz zerstört: fleckig grau ist der Granit, verstümmelt der Faltenwurf, abgeschlagen der rechte Arm des griechisch-klassizistischen Mädchens. Als ängstige sich die Südlandsgöttin, fürchte den nordischen Himmel, steht die Figur dicht neben zwei jonischen Säulen, die schlanke Zwil­linge wie Kerzen hochwachsen oder wie fromme Gebete-

Sei es die stolze Haltung des Kopfes, die Lieblichkeit ihres Gesichts, der sinnliche Reiz des krastvoll modellierten, vorgestellten Beins, die olympische Frau lockt mich seit Jahren zu immer neuer Wiederkehr Ich sah sie eingehüllt in Schnee, zauberisch mit weißem, weichem Pelzwerk verbrämt; grüßte sie bei Sonne und Frühlings­

wind; nickte ihr zu während das herbstlich bunte Laub um ihre Locken tanzte.

Es ist nicht wahr, daß ein verliebter Mann über die Mängel seinerGöttin" großzügig hin- wegschaut. 3m Gegenteil; daß meine Griechen­dame einarmig sei, blieb mir ein steter Schmerz. Oft sah ich im Traum die einst gewesene Voll­kommenheit, in immer wechselnder Form: lieblich bot Hebe die Schale mit Rektar; Willkomm kün­dete Minervas ausgestreckte Hand; eine Juno reichte lächelnd den Siegeskranz. Am häufigsten aber träumte ich, wie Flora aus gerundetem Füllhorn holdselig die Rosen der Liebe goß. Manchmal war die Vision so stark, daß ich, er­wachend, keine Ruhe fand, mich überzeugen mußte, ob denn die Griechin nicht doch zweiarmig sei.

Zwar blieb bas Bildnis aus Stein verstümmelt, doch ich erkannte, daß Leben in ihm pulste, eine Seele vielleicht, jedenfalls die Kraft, sich zu ver­ändern, dem Wandel der Umwell anzupassen. Plötz­lich wußte ich, w e r dort oben auf dem Sockel neben den Säulen stand seit vielen Geschlechtern den Ein­gang zierte zum Park: die Göttin der Jahreszeiten.

Als ob die gnadenvolle Natur ein Unrecht wieder gutmachen wollte, jene Verstümmelung durch Krieg und Wetterfraß, lockte sie aus dem Bachbett die Fruchtbarkeit der Erde, trieb grüne Ranken, klam­mernde Efeuhändchen zwischen Postament und Säu- lenbasis hach, über den steinernen Faltenwurf der Tunika, so daß eine Blätterbordüre am nackten Knie vorbei zur Hüfte schwang, in der Mulde zwischen Arm, Leid und Brust eine grüne Oase üppig wucherte auf dem Granit.

Das starre Gebilde von Stein wurde zu atmender Natürlichkeit; das Kunstwerk verwob sich dem Kreis­lauf der Gezeiten. Smaragden glänzte im Mai das helle Grün, wenn Sonnenkringel über Stein und Säule huschten, Heckenröschen blühtew>rot zur pran- genben Erntezeit; mit weißen, blaßblauen, lieblichen Glocken schmückte im Herbst bie letzte Kletterwinde Hals und Kinn der schönen Frau. Wenn bie No­vemberstürme brausten, fiel Blatt und Farbe ab; nur bie Efeuschnüre wehrten sich gegen bas Tosen ber Luft, würben gleich züngelnben Schlangen um ben Steinleib gepeitscht.

Göttin ber Jahreszeiten: heiteres Frühlingskind, üppige Fülle des Sommers, im rauhen Herbst drohende Erinnye, vermummter Schalk bei winter­lichem Flockentanz Werden und Vergehen, ewige» Wiedergeburt!

Jung ist die Göttin, jung wird sie bleiben: Hüterin des Parks, Schutzherrin ber Bäume, bes Regens unb der Sterne, die ein goldenes Diadem um ihre Schläfen winden.

folgendermaßen geschildert:

Luftschiff-Stewardeß ein neuer Frauenberuf.

Ein ebenso interessanter wie eigenartiger neuer Frauenberuf ist jetzt in den Vereinigten Staaten entstanden. Bisher haben allerdings nur 25 weib­liche Wesen die Vergünstigung erhalten, in diesem neuen Wirkungsbereich tätig fein zu dürfen, aber wie groß der Ansturm war, zeigt die Tatsache, daß sich 5000 Bewerberinnen gemeldet hatten. Die 25 Damen arbeiten alsStewardesses" auf den Luftschiffen der Fluglinie von Chikago nach Oak­land. Wie Francis Drake im Atlantic Monthly" mitteilt, war die Prüfung so streng, daß nur eine unter je 250 für wirklich geeignet befunden wurde. Jede Bewerberin mußte nachweisen, daß sie als Krankenwärterin an einem großen Krankenhaus tätig gewesen und auch schon Reisen in einer sol­chen Stellung unternommen hat. Man bevorzugt Krankenschwestern, weil diese an harte Arbeit ge­wöhnt sind und das nötige Verantwortungsgefühl besitzen; auch ist eine so vorgebildete Person im­stande, im Rotfall bei Erkrankungen in der Luft erste Hilfe leisten zu können. Das Alter der Luft- ftewardesses, die eingestellt wurden, liegt zwi­schen 20 und 27 Jahren, die Durchschnittsgröhe beträgt 1,63 Meter, das Durchschnittsgewicht 125 Pfund. 3n dem Gepäck, das sie mitnehmen, müssen sie sich auf eine Mindestmenge beschränken. Die Pflichten dieser Bediensteten des Luftschiffs werden folgendermaßen geschildert:Die S ewardeß hat sich zunächst einmal um bie Schi fspapiere zu kümmern unb die Luftpost zu beau sichtigen -Sre nimmt ben Reisenben bie Billetts ab unb 'forgt für die Unterbringung bes Gepäcks. Bei ben Flügen ist regelmäßig eine Menge Schreiberei zu erledigen, so baß sie bamit viel zu tun hat. Außerbem hat sie die Aufsicht über die Kiffen, Bettücher, das Silber unb anbere Ausrüstungsgegenstände des Schiffes. Sie hat für bie Lüftung unb Heizung ber Räume Zu sorgen, gibt an bie Passagiere auf ihr Verlangen Seife, Hanbtücher, Karten, Aspirin, Mittel gegen Luftkrankheit, Baumwolle für bie Ohren, zur Dämpfung des Lärms ufro. aus. Sie steht über­haupt ben Reifenden zur Verfügung und ist ihnen m jeder Beziehung hilfreich. Sie befördert Briefe und Telegramme, und außerdem bient sie auch als Fremdenführer, indem sie ben zum Fenster heraus- fchauenden Passagieren die unter ihnen liegenix Landschaft erklärt und sie auf alle Sehenswurbig- feiten aufmerksam macht. Da die Luftreisenden nachher gern von ihren Erlebnissen auf ber Fahrt erzählen wollen, so find sie recht wißbegierig.-