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21.3.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 68 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Dienstag, 71. Mär; 1Y3Z

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Oer Festtag der deutschen Nation.

Potsdam, die (Stadt der preußischen Könige, im Zeichen der Eröffnung des Reichstags. Riesige Menschenmengen sind Zeugen der nationalen Feier. Jubelnde Huldigungen für Hindenburg und Hitler

Potsdam ein Anfang.

Der Staatsakt, der sich heute in der Stadt 0es preußischen Stils, in Potsdam, vollzieht, besitzt eine liefere Bedeutung als alle Reichstagseröff­nungen der letzten Jahrzehnte. Es ist der Gründungsakt eines neuen Reiches und einer neuen nationalen Hoff­nung. Er soll dem neuen nationalen Sein die letzte Weihe geben. Er ist Inhalt und Symbol zugleich, er ist aber gleichzeitig ein Anfang, ein Auftakt zu einer anderen Zeit. Worin sie liegt, das ist aber nicht so schnell gesagt. Es bleibt schlieftlich von solchen feierlichen Hand­lungen nur ein Eindruck haften, das Bild fliegen­der Fahnen, der Rhythmus des Geschehens und das eine oder andere Wort, das sich dem Zu­hörer einprägt. Aber hier flößen wir schon auf das Reue, dessen Zeugen wir sind.

An dem feierlichen Staatsakt von Potsdam soll das ganze deutsche Volk teilnehmen. Es soll sich danach orientieren, es soll davon Notiz nehmen, es soll sich darin und daran wiederfinden. Die Millio­nen, die hinter der nationalen Revolution stehen, bleiben heute und in Zukunft die Teilhaber und In­haber einer völlig neuen politischen Vorstelluna, eines anderen nationalen Begriffs, als er jemals bei uns seit Jahrzehnten erlebt wurde. Die Feier van Potsdam ist ein Appell an alle, und es ist nicht zu bestreiten, daß dieser Appell in seinem symboli­schen Ausdruck zwingend ist. Potsdam, die Residenz des größten Königs, den Preußen hervorgebracht hat, die Garnisonkirche, wo er bestattet liegt, die Wiege des Deutschen Reiches, das gegenwärtig vor uns steht. Der preußische Wahlspruch e o e m das Seine" war von jeher der grandioseste Aus­druck. höchster politischer Toleranz. Er enthielt die staatsmännische Prägung einer großen deutschen Tradition. Wenn die nationale Revolution hier anknüpft und im Schatten dieser Vergangenheit ihren Sieg feiert, dann bedeutet das den bewußten Versuch, an die alte Ueberlieserung anzuknüpfen. In diesem Sinne vollzieht sich heute in Potsdam tatsächlich eine neue Schöpfung. Es kann ein neues nationales Bewußtsein entstehen, wie wir es seit Jahrhunderten nicht mehr kannten. Ob es aber ent­stehen wird, ob es entstehen kann, das ist hinfort nicht mehr allein die Aufgabe der Führung, es ist ebenso sehr die Aufgabe der Nation.

Andere Nationen, zumal jene des Westens, haben seit Anbeginn die Unverbrüchlichkeit des nationalen Gesetzes in sich getragen. Es gab keine Möglichkeit, das Verhältnis des Einzelnen zum Staat und zur Nation als einen Vertrag aufzufasten, den man nach Belieben halten oder brechen konnte. Wir haben uns diesen Luxus stets erlaubt, wir sind immer die Griechen Mitteleuropas gewesen, die bald dort, bald da die eigene Sache verraten oder fördern konnten. Das ist zu Ende. Wer als Deutscher geboren ist, wird hinfort ein solcher bleiben müssen, auch wenn er mit allem nicht einverstanden ist, was geschieht. Um ihm aber diese Aufgabe, die Erfüllung seines nationalen Pflichtgefühls zu erleichtern, bedarf es des sinnfälligen Ausdrucks. Das neue Potsdam ist der Anfang eines neuen nationalen Seins.

Es wird auf alle ankommen, um diesen Grund­gedanken der nationalen Revolution nicht nur zu erkennen, sondern mit dem Herzen zu begrei­fen. Ist er einmal verwirklicht, bann kann daraus eine neue deutsche Freiheit entstehen, nicht nur eine Freiheit nach Innen, sondern auch nach Außen. Die Freibeit nämlich, die in dem selbst- verständlchen Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen liegt.

Es wäre sinnlos, zu bestreiten, daß viele noch abseits stehen. Ihre Zustimmung wird sich nicht erpressen lassen, sic werden sie aber geben, wenn wir den Inhalt des neuen Potsdam nicht nur verstehen, sondern wenn wir ihn ergreifen als etwas, das neu zu gestalten ist. Pots­dam ist ein Anfang. Und es ist gut, daß es ein preußischer Anfang ist. Richt das Preußen von vorgestern wird wieder lebendig, sondern das Preußen, das einst den Freiheitskampf von 1813 bestand. Dieses Preußen war gewiß Sym­bol. es war aber auch ein geistiger Inhalt, aus dem das Reich neu erstand-

Em Fahnenmeer von Berlin bis Potsdam.

Potsdam. 21. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Sturm dieser Rächt hat den Regen ver­trieben, nun liegt die Reichshauptstadt Potsdam in strahlendem Sonnenschein. Alle Be­fürchtungen, die die Pessimisten unter den schwe­ren Wolken des gestrigen Rachmittags hegten, sind mitverflogen und haben einer frohen Feststimmung Platz gemacht, die alle erfüllt. Potsdam ist ein einziges Meer von Fahnen. Schwarz-weiß-rot und Haken­kreuz grüßen aus allen Häusern. Es gibt kaum em Haus, das nicht geschmückt ist. Don den Omnibussen und Straßenbahnen flattern sie im Morgenwind, von Masten und Türmen. In den Oststratzen sind alle 20 Meter Drähte über die Straß cm gespannt, an denen schwarz-weih-rote und Hakenkreuzbanner hängen. Ueber der ® lienider Brücke, die das Tor von Pots­

dam zur Hauptzufahrtsstraße von Berlin ist, ist ein riesiges, tannenumkränztes und fahnen- flankiertes Willkommensschild angebracht:Wir grüßen das neue Deutschland." Und dann ist es ein überwältigender Eindruck, wenn man plötz­lich am Anfang der breiten, repräsentativen Königs st raße, in der die Kaserne der Gardedukorps und der Garde-Husaren liegen, vor einer schwelgenden Farbensymphonie der Fahnen steht.

Ie mehr man sich dem Stadtzentrum nähert, um so lebhafter wird der Berkehr. Der Wagenverkehr, der auf der Potsdamer Chaussee von Berlin her schon von 6 Uhr an recht lebhaft war, verlangsamt sich. Aus der Straße marschieren KolonnenvonPolizei, Hilfspolizei der SS., der SA. und des Stahlhelms, die ihre Posten beziehen. Die schweren Fernomnibusse der Reichspost kom­men nur ganz langsam um die Ecken der alten winkligen Straßen. Dann Musik. Die wohl­bekannten Klänge des Hohenfriedbergers, der hämmernde RhythmusStolz weht die Flagge schwarzweißrot" zum Bassinplah wie zu anderen Stellen der Stadt vom Lustgarten her durch Lautsprecher übertragen. Immer wieder Fah­nenschmuck, Girlanden und Trans­parente mit Aufschriften wieDas ganze Deutschland soll es sein".Rimmer wird das

Reich zerstöret, wenn ihr einig seid und treu". In den Bäumen der Breiten Straße hängen Lautsprecher. Musik: das Horst - Wessel - Lied. Unter seinen Klängen zieht die Menge durch die Straßen. Rur mühsam kommt man vorwärts. Ganz Borsichtige haben schon im Morgengrauen a u f dem Bürgersteig Posto gefaßt. Hier ist der Standort, von dem man dem großen Ereignis des Tages, dem Ablauf dieses besten und lebendigen historischen Films von Pots­dam am nächsten ist. Frauen, Männer und Kinder mit erwartungsfrohen Gesichtern. Wimpel und Fähnchen in den Händen

Um 8 Uhr wird es ernst. Die Polizei beginnt mit der Durchführung der vorgeschriebenen A b - sperrungsrnatznahmen. Aber alles voll­zieht sich mit größter Freundlichkeit. Das Pu­blikum hat Verständnis für die Aufgaben der Polizei. Es fügt sich gern und bald ist die Straße frei. Das grobe Pflaster der Breiten Straße, durch die der Dorbeimarsch nachher gehen wird, wird mit Sand beschüttet, um Menschen und Pferde zu schonen. Während aller dieser Dorbe­reitungen strömen immer neue, unüber­sehbare Menschenmengen nach Potsdam hinein. Man hat von 100 000 gesprochen, die sich hier zusammenfinden werden, und die Schätzungen werden nicht zu hoch gewesen sein.

Draußen schmücken sie die Gerüste mit Tüchern und (Blumen, in den Straften Potsdams drängt sich feit dem Vortage schon eine Menschenmenge, die nicht mehr zu zählen ist, kaum noch zurück- gehalten werden kann in ihrer Begeisterung. Die großen, für eine kleine Armee bestimmten Exerzierplätze vor dem Stadtschcoft sind überflutet, der Marktplatz, ja selbst die Gär­ten von Sanssouci, ein wogendes Menschenmeer. In den vergangenen vierzehn Iahren haben Massenversammlungen bei allen Bürgern, die Ruhe und Ordnung liebten, oft ein Gefühl der Beklemmung ausgelöst. Das Erstaunliche, Wun­derbare, Begeisternde bei dieser Masse ist jedoch ihre innere Ordnung undSelb st zücht. Begeisterung und Sieg das ist ihr Gesicht, der Iubel über den gewonnenen Kamps findet in brausenden Liedern und wehenden Fahnen seinen Ausdruck. Die ganze ungeheure Kraft dieser De­monstration zeigt sich in der Ruhe und Geschlos­senheit der Kolonnen, die heute in demselben Geiste wie im August 1914 aufmarsch.eren ...

Die Trommeln dröhnen noch im Ohr, während man in die Garnisonkirche eintritt. Hnb noch ein Erlebnis wirkt nach: auf den Straßen im Menschengewühl hat jeder von uns ein Anzahl Bekannte getroffen, die irgendwo im Süden oder im Rorden, im Westen oder Osten des Reiches zuhause sind, und die sich mit den Hunderttau­senden hier zusammengesunden haben, um den Tag der deutschen Erhebung zu feiern. Dor Iahren gehörten sie verschiedenen Parteien an, glaubten die meisten von denen, die jetzt draußen marschieren, vor ein ffaac Iahren nicht noch, daß eine deutsche Einigkeit nur eine schöne | Illusion sei? Und jetzt sind Standesunterschiede, Religionsstreitigkeiten verwischt, die Herzen sind aufgetan und es gibt nur noch Deutsche! Deshalb blitzen und glänzen wieder die alten Re- aimentsfahnen, deshalb ist die Garnisonkirche so hell und licht, als fei sie ein weihevoller Fest- saal.

Hier ist die große K ö n i g s l o g e. Auf einem schlichten roten Samtsessel saß die Königin Luise und lauschte dem Gottesdienst, auf einem kleinen Bauernstuhl davor verrichtete Friedrich Wil­helm I. sein Gebet. Während seiner Handwerks­zeit in Holland hat er den Stuhl selbst geschnitzt und

bemalt. Er ist ja der Erbauer dieser Kirche, und seinen Soldatengeist hat er den Mauern eingefügt, jenen Geist, der unter Friedrich dem Großen Welt­geschehen wurde. Ein einheitliches, großes Bekenntnis ist die Kirche, sie wurde nach der Bestimmung ihres Baumeisters als Zeichen deut­scher Wehrhaftigkeit und Größe durch die Jahr­hunderte erbaut.

In einem Seitenschiff ist ein Eisernes Kreuz von Menschengröhe aufgerichtet. Es gilt dem Andenken der im Weltkriege Gefallenen. Dieses Symbol wird noch stärker verkörpert in dem Ä r i e- ge r b e n f m a l neben der Garnisonkirche, wo in Marmor gehauen ein friderizianischer Grenadier und ein Frontsoldat mit Stahlhelm einander die Hände reichen. Man hat zu dem großen Feiertage des deutschen Volkes unzählige Fahnen m die Garnisonkirche geschaffr, auch sie verkünden den Geist der alten und der neuen Zell, den deutschen Schicksalsweg, der von Friedrich dem Großen zu den Ereignissen des Jahres 1933 führt.

Eine kleine Gittertur öffnet sicy vor uns. Wer glaubt, daß d i e Gruft, die die Königssärge enthält, ein pompöses Denkmal fei? Es ist ein kleiner Raum, in den Hintergrund des Altars eingebaut, in dem gerade die beiden Särge und die Regimentsfahnen des großen Friedrich unb feines Daters Platz haben. Die Menschen, die jetzt vor dieser Gruft stehen, haben Tränen in den Augen, sie erleben, in welcher Würde und Weihe Deutschland seine großen Symbole über die Zeit der Erniedrigung hinweg erhalten hat. Ein Historiker steht in unserer Gruppe und be­schwört noch einmal jene mitternächtliche Stunde heraus, in der Friedrich Wilhelm III. und der Kaiser Alexander von Rußland von der Königin Luise in diese Gruft geführt und beim Fackel­schein zum Bündnis gegen Rapoleon vereinigt wurden.

Dom Turm der Garnisonkirche herab ertönt das Glockenspiel:Run danket alle Gott", es klingt damals wie heute hell und rein, tönt durch die Jahrhunderte Die Menschen in der Kirche verstummen, neigen sich unb beten zum Gott der großen Schlachten, zum Gott bes beut- scheu Schicksals. Wir erleben hier ben Tag von Potsdam ... als ein Volksfest? Er ist viel mehr: eine Volksweihe ...

Ein Blick in die Garnifonkirche

Gedenkstunde an der Gruft des großen Königs.

Von unserem P. V.-6onbetberid>terftatter.

Oie Festgottesdienste

Die Abfahrt des Reichs- präsidenten nach Potsdam.

Berlin. 21. März. (WTB. Funkspruch.) In der W i 1 h e l m st r a ß e , die mit Flaggen in den Farben Schwarzweißrot und Schwarzweiß sowie mit Haken­kreuzbannern übersät war. hatten sich Hunderte von Schaulustigen eingefunden, um der A b ° fahrt des Reichspräsidenten nach Pots­dam beizuwohnen. Auf der Wilhelmstraße hatte eine Formation der berittenen Polizei Aufstellung ge­nommen. Um 9.50 Uhr bestieg der Re'chs- Präsident in Gcneralsuniform, begleitet von Oberst von Hindenburg, den Wagen von brau­senden Hochrufen der Zuschauer b e - grüßt. Im zweiten Wagen folgten ihm Staatssekre­tär Dr. Meißner und der zweite Adjutant des

Reichspräsidenten RiUmeister von der Schulen­burg.

Vor der Aicolaikirche inpolSdam.

Die Ansahn des Reichspräsidenten.

Potsdam, 21. März. (WTB. Funkspruch., Vor Beginn des Gottesdienstes waren die Plätze vor der Ricolaikirche und dem Stadtschloh von Menschenmengen dicht besetzt. Die Polizei sowie die Hllfspolizei hatten außerordenllich schwer zu tun, um die immer wieder vordrückenden Massen halten zu können. Racheinander kamen die Kirch­gänger. Man sah den Reichswehrminister von Blomberg, in Begleitung des Chefs der Heeresleitung Frhr. von Hammer st ein, den Kommandeur der 3. Division, General von Fritsch- Berlin, ferner den Oberpräfidenten

der Provinz Brandenburg und von Berlin Dr. Maier. Prinz August Wilhelm, den Reichsarbeitsminister Franz Seldte.

Später erschien, von der Menge stürmisch be­jubelt, Re.chsminister Goring. In Autobussen der Reichspost trafen dann d i e Reichstags­abgeordneten ein. Die Abgeordneten der Rationalsozialiften alle in Uniform. Wenige Mi­nuten vor 11 Uhr horte man aus den umliegen­den Straßen Heil- und Iubelrufe. Der Reichs­präsident in Eeneralseldmarschallsuniform in Begleitung seines Sohnes erschien vor dem Pots­damer Dom. Die Geistlichen unter Führung des Generalsuperintendenten Dr. D. Dibelius be­grüßten den Feldmarschall vor dem Eingang. Der Polizei ist es nur mit Ausbietung aller Kräfte gelungen, die Sperrketten zu halten. Um etwas Entlastung zu schaffen, wurde der Hof des Stadt- schlosfes geöffnet, wo die Menge durch Laut­sprecherübertragung den Gottesdienst in der Ricolaikirche miterlebte.

Die predig! in der Äicolaikirche.

Generalsuperintendent Dr. D i b c l i u 5 stellte die Predigt unter das Motto des Bibelwortes:I st Gott für uns, wermag wider unsfei n?" Der Redner erinnerte an die Augusttage 1914, wo der Ruf durch die Massen ging: Ein Reich, ein Volk, ein Gott! Dieser Ruf fei heute noch nich^ Er­füllung, sondern -Sehnsucht. Noch sei der Glaube in den deutschen Landen nicht wieder die große be­wegende Kraft, die er einst war, aber eine B e reitschaft zu neuem Glauben sei bei Hunderttausenden vorhanden. Aus solcher Sehn­sucht steige die Losung empor: Wir wollen wieder sein, wozu uns Gott geschaffen hat, wir wollen wie­der Deutsche fein! Das aber fei nur möglich, wenn der Glaube an Gott wieder der Puls­schlag des Lebens werde und das deutsche Volk durch das Evangelium sein wahres Selbst wiederfinde.Das ist es, was wir in dieser Stunde ersehnen, durch Gottes Gnade ein deut­sches V o l f."

Der Redner zeichnete dann die Aufgabe der evan­gelischen Kirche gegenüber dem Staat.Ein neuer Anfang staatlicher Geschichte stehe immer irgend- wie imZeichender Gewalt. Wenn der Staat seines Amtes walte gegen alle, die d i e Grund­lage der staatlichen Ordnung unter­graben, den Glauben verächtlich machten, den Tod für das Vaterland begeiferten, dann solle er in Gottesnamen seines Amtes walten. Aber wir wären nicht wert eine evangelische Kirche zu heißen, wenn wir nicht mit demselben Freimut, mit dem Luther es getan hat hinzufügen wollten: Staatliches Amt darf sich nicht mit persönlicher Willkür vermengen."

Noch seufzen," so schloß der Redner, ,H-undert- tausende von Brüdern und Schwestern unter fremder Herrschaft. Es war des deutschen Volkes Schicksal immer gewesen, sich immer aufs neue d i e Frei­heit zu erkämpfen. Es hat die Freihell jedesmal wiedergewonnen, wenn ein neuer Pu 1 ssch 1 ag des Glaubens durch seine Glieder ging. Ein Volk, von solchem Glauben beseelt, wird durch Gottes Gnade ein freies Volk."

in der katholischen Kirche.

Potsdam, 21. März. (WTB.-Funkspruch.) Für die katholischen Mitglieder des neuen Reichs­tages wurde in der Potsdamer St. Peter-Pauls- Kirche ein feierliches Levitenamt abgehalten, das von Domkapitular Monsignore Dr. B a n n a s zelebriert wurde. Wegen der österlichen Fasten­zeit waren die Heiligenbilder in der Kirche vio­lett verkleidet: nur Tannengrün ohne Blumen wurde zum Schmuck verwandt. Bereits um 10 Tlhr erschien der Reichsverkehrsminister Frhr. Ely von Rübenach und kurze Zeit darauf Vize­kanzler von Papen, die beide in beson­deren Sesseln vor dem Altar Platz nahmen. Der Runtius O r f e n i g o , der Doyen des diplo­matischen Korps, wurde seierlichst eingeholt. Außerdem waren anwesend: der italienische Bot­schafter Cerruti, der österreichische, der irische Gesandte, sowie mehrere Gesandte südamerikani- scher Staaten.

Die Zentrumsfraktion betrat geschlossen unter Führung von Dr. Brüning unb Esser das Kirchenschiff. Unter den Abgeordneten be­merkte man viele frühere Minister. Von den R a t i o n a l s o z i a l i st e n. die ebenfalls zahl­reich in Uniform erschienen waren, waren u. a. anwesend: der Staatskommissar für Bayern Gene­ral v. E p p. der Polizeipräsident von München und Reichsführer der SS. Himmler. Die Feier, die mit dem feierlichen Tedeum endete, wurde von geistlichen Liedern, die der Gemeinde­chor vortrug, umrahmt.

Oer Kanzler bleibt dem katholischen Gottesdienst fern.

Berlin. 21. März. (WTB. Funkspruch> (Amtlich.) Die katholischen Bischöfe von Deutschland haben in der jüngsten Vergangen­heit in einer Reihe von Erklärungen, nach denen auch in der Praxis seitens der latftoli»