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21.1.1933 Frühausgabe
 
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tagcS zu vermeiden. Sollte eine solche Lösung nicht gelingen, so ist man sich in politischen Kreisen allerdings darüber klar, daß baldige Neuwah­len nichts anderes bedeuten würden, als die fata­listische Erfüllung einer 'Ve c, a>sungsbestimmung, deren Ergebnis genau die gleiche Situation sein würde wie die, vor der man heute steht. Neu­wahlen würden wieder keine positive Mehr­heit, sondern nur negative Mehrheiten zeitigen und den weiteren zweifelhaften Erfolg ha­ben, daß die Wahlagitation die Parteien und politischen Kräfte noch weiter auseinander geredet haben wird, als dies schon jetzt der Fall ist.

2Han hält es darum heute schon nicht mehr für ausgeschlossen, daß Reichspräsident und Reichs­regierung gewillt sein würden, eine besondere politische Notlage als gegeben zu erachten.

Unter diesem Gesichtspunkt sieht man auch der inzwischen genehmigten großen Berliner Kundgebung der NSDAP, mit Span­

nung entgegen, die am Sonntag auf dem Dülow- platz in der Nähe der kommunistischen Hochburg, des Liebknechthauses, stattfinden soll. Man hört verschiedentlich die Auffassung, daß die Reichs­regierung sich daraus ergebende blutige Zwi­schenfälle zum Anlaß nehmen könnte, um die in der ersten Rundfunkrede des Reichskanzlers von Schleicher erwähnteSchubladenver­ordnung" mit bisher noch nicht dagewesenen verschärften Bestimmungen .zum Schutze des Dol- kes" in Kraft treten zu lassen. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß die Regierung die Kundgebung wegen drohender Zusammenstöße im letzten Augenblick doch noch verbietet. Die all­gemeine politische Lage bleibt nach wie vor un­geklärt und selbst, wenn das Experiment von Neuwahlen nun doch noch einmal gemacht werden müßte, ohne daß eine neue Lage geschaffen würde, so hört man heute vielfach die Auffassung, daß diese Wahlen dann vorläufig die letzten sein würden.

Erklärung einesGtaatsnoistandes?

Berliner preffekommentare zur achttägigen $riff des Reichstages.

Berlin, 20. Ian. (TU.) Einige Blätter nehmen zu dem Vcrtagungsbeschluß des Aeltesten- rats bereits ausführlich Stellung.

Nach derDeutschen Zeitung" bedeutet die Bcrschiebung der Reichstagseinberufung zu­nächst die Berlängerung des Anschauungsunter­richtes, den Herr v. Schleicher durch seinen völligen Mangel an Führung dem deutschen Volke erteile. Die Reichsregierung habe in den letzten Tagen eine Unschlüssigkeit gezeigt, aus der eigent­lich bis zum 31. Ianuar die notwendigen Fol­gerungen gezogen werden sollten. Diese Fol­gerungen könnten nur in einer radikalen Umbil­dung der Regierung bestehen.

kein Mensch zweifle mehr daran, daß wir nicht ohne Konflikt mit diefem oder einem anderen

Parlament aus der Krise herauskommen.

Auch in der Umgebung des Herrn v. Schleicher interessiere man sich plötzlich für den Begriff des Staatsnotgeldes. Da aber auch hier tue Politik Schleichers im Grunde planlos sei, spiele man zunächst noch mit Auflösung und Neuwahlen.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" schätzt die Erfolgsaussichten der Verhandlungen über eine politische Mehrheitsbildung sehr gering ein. Fraglich sei, ob beim Zentrum überhaupt die ernste Vorstellung vorhanden sei, daß diese Verhandlungen zu einem Ergebnis führen könn­ten, oder ob man sich nur ein Alibi zu verschaffen versuche, für die Entwicklung, die nach einem restlosen Scheitern der parlamentarischen Mög­lichkeiten eintreten mühte.

Jür den Fall, dah es am 31. Januar zur (Ein­berufung des Reichstags und dann zum Kon­flikt zwischen Regierung und Parlament komme oder auch für den anderen Fall, daß dieser Kon­flikt durch andere Ereignisse ausgelöst werde, sei zunehmend mit der Verhängung des mehr­fach erörterten Staatsnot st andes zu rechnen. Die Regierung würde in einem solchen Fall das Parlament auslösen, den Zeit­punkt für die Neuwahl aber voraussichtlich bis zum Frühherb st aussehen.

DerTag" schreibt:Mit der Vertagung des Aeltestenrats können vor allem jene Parteien Zeit gewinnen, die im Augenblick Neuwahlen vermei­den möchten. Das Plenum kann erst anfangs Februar die kritischen Fragen behandeln, so daß bei einer Auflösung erst im März neugewählt werden könnte. Zeit ist weiter gewonnen für die Pläne einer Umbildung der Regierung, denn auch die Reichsführung muh sich für drq Durchsetzung einer wirklich autoritären Linie und die Zurückweisung des Parlaments rüsten."

Nach Ansicht derTäglichenRundsch au" Sibt es nur folgende Möglichkeiten, die heutige Irise der Untätigkeit und des Geschehenlassens zu beenden: ____

Entweder die R e i ch s r e g i e r u n g mache Ernst mit ihrem Willen zum fjanöeln, dann könne sie es nur ohne das Parlament unddieparteientun, dann müsse sie den Kreis, in dem sie heute noch gefangen sei, durch­brechen und gegebenenfalls auch über die Ver­fassung zeitlveise hinweggehen.

Und wenn sie nichts anderes tue, als den Ar- tilel 54 der Reichsverfassung, der den Kanzler an das Vertrauen des Reichstags bindet, zeitweilig außer Kraft zu sehen, dazu brauche man keinen großenStaatsnotstand". Die zweite Möglich­keit wäre die, daß die Parteien sich zu einem entscheidenden Schritt aufrafften, sich sammelten und eine arbeitsfähige Koa­lition herstellten, die den autoritären Staat überhaupt beseitigen würde.

DieGermania" sagt:Wenn die kurze Vertagung einen positiven Sinn haben soll, dann sollte es der fein, daß man die neugewonnene Ze t nicht unnötig ablaufen läßt, sondern noch­mals alle etwa sich bietenden Mög­lichkeiten prüft, eine Klärung herbeizuführen. Es wäre kein Gewinn, wenn wir nun nochmals eine Woche unzähliger Gerüchte und bedenklicher Geheimnisse erlebten, um nach ihrem Ablauf an der gleichen Stelle zu stehen, wo am Freitag der Aeltestenrat seine Beratungen begonnen hat.

Aus aller Welt

Anklage gegen den Berliner Stadtbankdirektor Schröder erhoben.

Die Staatsanwaltschaft I Berlin hat gegen den seit etwa einem Iahr suspendierten Abteilung^- direktor der Berliner Stadtbank, Karl S ch r ö - der, Anllage wegen schwerer passiver Be­stechung im Amte erhoben. Schröder wird zur Last gelegt, in den Jahren 1926 bis 1929 als Leiter der Kreditkonlrollabieilung der Stadtbank seine Amtspflichten zur Kontrolle der Sicher­heiten, die die Berliner Stadtbank sich von der Kleidervertriebsgesellschaft Gebrüder S k l a r e k für die von ihr gewährten Kredite geben ließ, verletzt und im Zusammenhang damit von den Eklareks Zuwendungen in Gestalt von Rennwett- getoinnen angenommen zu haben.

Starke Schneefälle in Südbayern.

Der in der Nacht zum Donnerstag einsetzende S ch n e s a l l in Südbayern hielt nahezu ununter­brochen bis Freitag früh an und hat gewaltige Schne massen gebracht, die im Großstadtverkehr vielerlei Hemmungen bereiten. 3m Eisenbahn­verkehr sind nennenswerte Verspätungen bisher nicht zu verzeichnen. 3m Allgäu schneite es gleichfalls ununterbrochen. Die Neuschneemenge eträgt beispielsweise in Füßen 35 Zentimeter, in den Bergen dürfte nahezu die doppelte Menge gefallen fein. Das Dodenseegebiet hat

Konferenz zwischen Hoover und Roosevelt

Eine Wendung in der englisch-amerikanischen (Schuldenfrage.

Washington, 20. 3an. (WTB. Reuter.) Präsident Hoover und Gouverneur Roose­velt traten heute vormittag zu einer Bespre­chung zusammen. Staatssekretär S t i m s o n , Schahsekretär Mills und Professor Raimond Moley als Vertrauensmann Roosevelts, nah­men an der Besprechung teil.

Rach Beendigung der Konferenz im Weißen Haus wurde von Hoover und Roosevelt folgendes gemeinsame Kommunique ausgegeben:

Die Unterredung war hauptsächlich der außenpolitischen Lage gewidmet, wo­bei folgende Erklärung vereinbart wurde: Die britische Regierung hat um Ver­handlungen wegen der Schulden­frage gebeten. Die neue amerikanische Re­gierung will die britischen Vertreter zu diesem Zweck gern bald nach ihrem Amtsantritt i m Mär; empfangen. Es ist natürlich er­forderlich, gleichzeitig die wirtschaftlichen Weltprobleme, an denen Amerika und Großbritannien gemeinsam inter­essiert sind, zu erörtern. Deswegen sollte Eng- land auch Vertreter entsenden, die in der Lage sind, Mittel und Wege zur Verbesserung der Weltwirtschaftslage zu erörtern. Staatssekretär Stimson wurde beauftragt, mit der briti­schen Regierung die entsprechenden Vorberei- tungen zu treffen.

Die Konferenz Hoover-Roosevelt befaßte sich, wie von prominenter demokratischer Sc i t e ver­lautet, sowohl mit der Schulden-, wie mit der Öerno ft frage. Es wurde jedoch beschlossen, nut

Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der Genfer Verhandlungen von einem Kommunique über die hiesige Einstellung zum japanischen Vor­gehen abzusehen. Ferner wurde beschlossen, nur noch mit denjenigen Schuldner staaten über eine Revision ihrer Kriegsschulden zu ver­handeln, die im Dezember 1932 die fällig gewesene Rate bezahlt haben.

Die Verhandlungen mit Frankreich werden also, solange Frankreich die Zahlung nicht nachholt, nicht begonnen werden.

Bezüglich der Verhandlungen mit England steht Roosevelt auf dem Standpunkt, daß ein ein­seitiges amerikanisches Opfer weder möglich fei, noch der Weltwirtschaft nützen würde, insbesondere be­trachte er Englands schwankende Währung minde­stens ebenso als Hindernis für die Welterholung, wie die Schuldenfrage. Man erwarte daher von England eine Zusicherung, daß es nach Einigung der Herabsetzung über die Schuldensumme b a l « big ft zur Goldwährung zurückkehren werde.

Nach der Untcrre&ung kehrte Roosevelt in sein Hotel zurück, wo Beratungen über die Mög- li-chZeiteir, den Bundesetat auszugleichen, stattfanden. Nach einer Besichtigung der großen Nitrat- unb Wasserwerlsanlagen MusclestwalS begab Roosevelt sich zur Kur nach Warm­springs in Georgia.

Senator Long hatte heute mit Roosevelt eine Unterredung über das Kriegsschulden- Problem. Nach der Zusammenkunft erklärte Se­nator Long. Roosevelt habe u. a. bei den Bespre­chungen auf die Heilige Schrift Bezug genommen, die den Zins als Wucher bezeichnet.

nun gleichfalls Winter bekommen, und auch dort hält der Schneefall noch an. Auf der Zug­spitze hatte die Schneehöhe am Donnerstag 265 Zentimeter bei 14 Grad Kälte erreicht.

Starke Kälte in Rußland.

3n Leningrad ist die Temperatur auf minus 2 2 Grad gesunken. Eine Anzahl Dampfer, die auf dem Wege nach Leningrad waren, fror ein. Der Eisbrecher3emark" brachte Dampfer, darunter auch ausländische, in den Leningrader Hafen.

Russisches Expeditionsschiff vom Sturm beschädigt.

Das sow etrus.iche ExpeditionsschiffPerseus" ist während hydrologischer Arbeiten auf dem Wege nach Spitzbergen in Sturm geraten und hat ernste Beschädigungen erlitten, so daß es die R ü ck f a h r t nach Murmansk antreten mußte, versuche zur Hebung des EisbrechersMalygin".

Der Kapitän des russischen EisbrechersLenin" meldet, er hoffe, in den nächsten zwei Tagen die gescheiterteM a l y g i n" zu heben und zum Ab­transport nach Murmansk ins Schlepptau zu nehmen.

Englischer Frachldampsec in Seenot. vier Mann der Besatzung getötet.

Der englische FrachtdampferExeter City" ist auf dem Ozean einen schweren Sturm gera­ten unb hat 8 08-Rufe ausgesandt. Vier Mann der 32köpfigen Besatzung, darunter der Ka- pitän. sind getötet worden. Ein Dampfer der American Merchant Company ist zur Hilfeleistung unterwegs. Der Frachtdampfer war von Eng­land nach Portland (Maine) unterwegs. Die Rettungsöbote sind zerstört. Die Kommandobrücke wurde von einer überkommenden See weggerissen. Flieger Hope gelandet. von hinkler keine Spur.

Der englische Fliegerhauptmann Hope, der zusammen mit dem Fliegerleutnant Hinley zu Nachforschungen nach dem verschollenen englischen Flieger Bert Hinkler in Lausanne aufgestiegen war, und seitdem ebenfalls vermißt wurde, ist nun in Vetroz im Kanton Wallis gelandet. Der Flieger und der zweite Pilot sind dann zu

weiteren Nachforschungen am Fuß des Diablercts aufgebrochen, wo sie Spuren des Vermißten entdeckt zu haben glauben; ihre Bemühungen blie­ben jedoch ohne Erfolg. Fliegerhauptmann Hope kehrte nach Lausanne zurück. Er erklärte, er wolle die Nachforschungen nach Hinkler im Hinblick auf die sehr ungünstige Witterung nicht fortschen und nach London zurückreifen.

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Das türkische Ministerium des 3nnern hat durch Rundschreiben und Rundfunk an alle Be­hörden sowie an die Bevölkerung die Auffor­derung ergehen lassen, dem Ministerium^ all« Wahrnehmungen mitzuteilen, die zur Klärung des Schicksals des englischen Fliegers Hinkler beitragen könnten.

wieder Brand auf einem französischen Dampfer.

An Bord des DampfersGeneralgouverneur Paul Doumer" der französisch-indochinesischen Schiffahrts­gesellschaft brach in den Lagerräumen Feuer aus, als sich das Schiff auf der Reise von Singapore nach Saigon befand. Der größte Teil der Ladung ver­brannte. Die Ursache des Brandes ist unbekannt. Das Schiff hat eine Wasserverdrängung von 1500 Tonnen und war im Jahre 1918 gebaut.

Veruntreuungen bei der ^eichsbabndirekt on Mainz. Mainz, 20. Jan. (WSR.) Bei der Bellet- dungsstelle der hiesigen Reichsbahndirektion ist ein Fehlbetrag von über 13000 M k. f e ft g e ft e l l t worden. Der Kassierer, ein Reichs- bahn-Jnspektor, der vor seiner Ernennung zum Oberinspektor stand, wurde vorläufig seines Postens enthoben. Er behauptete bei seiner Vernehmung, daß die Fehlsumme auf Konto feines ver­storbenen Vorgängers zu fetzen lei und b e ft r e i t e t jede Schuld. Die Reichsbahn- direktion ist noch mit der Aufklärung der Sache beschäftigt._______________~ ___________________________

Verantwortlich für Politik:

I D.i Ernst B l u m s ch e i n.

Gießener Konzrrtverein.

II. Lymphonie-Konzert.

Einem starken 3nteresse bei den Hörern be­gegnete Andrea Wendling (Violine), die, aus Der Schule ihres Vaters hervorgegangen, über ein äußerst solides geigerisches Können verfügt. 3hr Ton ist warm, wenn auch noch nicht voll erblüht; Fingerfertigkeit und Dogentechnik ge­winnen allergrößte Hochachtung ab. Dazu kommt ein überaus sympathisches Auftreten; in sich ge­kehrt, ganz erfüllt von innerer Anteilnahme am Werk, steht sie auf dem Podium. Mozarts A-Dur-Konzert hatte sie bis ins Kleinste mit äußerster Sorgfalt durchgearbeitet; so konnte sie ihren Part mit feinem Sinn für Phrasierung und Vortragsmanier wiedergeben, mit Wärme und Beseeltheit des Empfindens das Adagio erfüllen und im Schlußsatz mit der Vielseitigkeit musika­lischer Ausdrucksmöglichkeiten fesseln. Die Kaden­zen gestaltete sie mit großer technischer Kunst, wobei sie dennoch bewußt werden liefe, dafe das musikalische Moment bei ihr der stärkere Faktor war. Man konnte von ihrem Auftreten den Eindruck haben, dafe hier eine Persönlichkeit wirkt, von der in Zukunft noch mehr zu er­warten sein wird, wenn sie in noch stärkerem Grade zur Entfaltung und Einsetzung ihres Selbst gelangt ist. Es wird sich verlohnen, die Entwick­lung der jungen Künstlerin weiter zu verfolgen; man wird dann hoffentlich noch mehr 3ndivi- duelles über sie sagen können .

Im Gegensatz zu der diskreten Orchesterbegleitung des Violinkonzertes, wenn auch nicht immer im völligen Einklang mit der Solistin, stand die Art, wie Professor Dr. Stefan Temesvarn Schu­berts aroße C-Dur-Symphonie ins.Klangliche umsetzte. Getrieben von der Stärke des inneren Im­pulses, temperamentserfüllt, entfesselte er eine Klangwelt, die sich stellenweise zum Klangrausch er­hob. Da mußte jeder im Orchester zwingend mitge­rissen werden, sein Letztes herzugeben, um dem Werke zu dienen. Mit fast unbändiger Lebenskraft erwuchs so die Symphonie in erdgebundener Ver­wurzelung unb naturhafter Ursprünglichkeit. Und doch, im Aufwallen trat das Elementar-Klangliche oft zu stark in den Vordergrund; manche Steigerung büßte an intensiver Auswirkung dadurch ein, daß man ihre Basis zu breit ansetzte und oft schon vor dem organischen Gipfel den klanglichen Höhepunkt überschritten hatte. Die Piano- und Pianissimostellen des zweiten Satzes verloren durch große Tonstärke zeitweilig an verinnerlichten Reizen, daß aber die

Möglichkeit der technischen Ausführung dafür durch­aus besteht, das ließen einige Episoden im Andante deutlich erkennen. Es wird für die weitere Arbeit des Gießener Orchestervereins ratsam fein, einer zielbewußten Kultur der feineren dyna­mischen Grade zuzustreben!

BeethovensFidelio"-Ouvertüre war von starkem inneren Schwung getragen. Hier wie auch in der Symphonie waren Hörner und Holzbläser mit Tonschönheit und technischer Zuverlässigkeit am Platze und in edlem Wettstreit mit dem klanggesättigten Streichkörper. Dr. H.

Heitere Medizin.

Anekdoten von Wilhelm von Hebra.

Während der österreichischen Kaisermanöver des Jahres 1906, die ich als Reserveoffizier auf Waf­fenübung mitmachte, war ich viel mit einem hoch­bejahrten Regimentsarzt zusammen. Er sprach mit Vorliebe von derWissenschaft der Mebizin . Er war Tscheche, aber noch ganz und gar aus der guten alten Zeit des guten, alten Oesterreich, ein völlig loyaler, kaisertreuer, streng militärisch ge­sinnter Mann.

Eine Tages sagte er:

Kämmte so ein Rekruht zur Marohdenvisiht, bann kriegte zerst einmahl grüße Purtion Rhizinus- öhl, sehr grüße Purtion. Kommte nächste Tahg wie­der, dann ist nicht Schwindehl, dann iftc wirklich krank dann kriegte Rum."

*

Der berühmte Wiener Professor Hyrtl war ein richtiger österreichischer Hofrat im guten Sinn; menschlich, freundlich, hilfsbereit. Als Professor aber war er streng darauf bedacht, gegen jede Un­ordnung und gegen jeden Mißbrauch anzukämpfen.

Eines Tages ging ein armer Student zu fjnrtl in die Unioersitä'skunik und sagte:Herr Professor, ich bitte Sie, mir die Kollegsgebühren nachzulassen. Ich habe gar kein Geld."

Hyrtl erwiderte:Das behaupten viele, bei denen es gar nicht stimmt. Ich lehne Ihre Bitte ab."

Der Student war verzweifelt.

Als er einem Kollegen, der Hyrtl schon seit langem kannte, fein Unglück erzählte, erhielt er einen Rat, den er wortwörtlich befolgte.

Er ging zu Hyrtl in dessen Privatwohnung und sagte:

Herr Hofrat, ich muß die Kotteggebühren beim Herrn Professor Hyrtl bezahlen. Ich habe kein Geld. Der Herr Professor aber ist unerbittlich. Ich bitte Sie, mir diese Summe zu borgen."

Hyrtl lächelte und gab dem Studenten das Geld.

Ein Chirurg ist bei einem Kollegen zu Besuch und erzählt von der Praxis in seiner Heimatstadt, einem vornehmen Kurort.

Unser feinstes und teuerstes Hotel ist der .Euro­päische Hof. Dahin wurde ich eines Nachts gerufen, und in das schönste Zimmer geführt. Das .Kaiser­zimmer' hieß es früher, und es war berühmt, aus zweifachem Grund: wegen der zahlreichen Mon­archen, die es bewohnt hatten, und wegen seiner schönen Wandmalereien. Ein junger Mann lag im königlich breiten und königlich prächtigen Bett. Er hatte heftige Bauchschmerzen. Ich untersuchte ihn, konstatierte Blinddarmentzündung, transportierte ihn sofort in meine Klinik und operierte ohne Ver­zug, obwohl es inzwischen zwei Uhr geworden war. Mitten in der Nacht! Und nachher sah ich: ich hatte mich geirrt, von Grund auf geirrt."

Was? Eine Fehldiagnose? Er hatte gar keine Blinddarmentzündung?"

Die hatte er wohl. Die Fehldiagnose war noch viel ärger."

Noch ärger?"

Dieser Gast, der im .Europäischen Hof wohnte, und im .Kaiserzimmer' noch dazu, war ein Maler, der dort die Wandmalereien restaurieren sollte, und den der Hotelier der Einfachheit halber dort schla­fen ließ, der aber seine Arbeit noch nicht begonnen hatte, so daß das Zimmer in tadelloser Ordnung war. Und dieser Maler dieser Patient war ein ganz mittelloser Mann."

Tonfilm:

Dieser.Film nennt sich im UntertitelDer Lebens­weg einer kleinen Choristin".Lebensweg" ist ein bißchen übertrieben und erweckt falsche Vorstel­lungen. Sagen wir: eine Episode in Luftspielform, mit Musik und Tanz und schwaukhastem Einschlag dann kommen wir der Sache näher. Erinnern mir uns ferner desFledermaus"-Films und feiner weiblichen Hauptrolle, dann haben wir ungefähr Milieu, Tonart und Rollencharakter angebeutet, die dem FilmKiki" fein Gepräge aeben. Die kleine Choristin ist Anny O n b r a; fie beherrscht mit ihrem pikanten Gesichtchen, ihrer Puppenfigur, ihrem frechen Munbwerk, ihrem quecksilbrigen Tempera­ment unb einer Menge broüiger Einfälle ble heitere Szenerie vollkommen. Ihr Partner ist Hermann T h i m i g , nett unb liebensroürbig wie immer, sehr geeignet für biefe Art Rollen, ble er schon bes öfte­ren mit anberen Partnerinnen zu spielen hatte. Vom Ensemble finb ferner Berthe Ostyn unb Paul

O11ozu nennen. Manuskript unb Dialogregie: Hans H. Ze rieft; Musik: Marbot unb Reisfeld. Probuktion: Onbra-Lamac-Film, Berlin. Das Lust­spiel läuft seit gestern im Lichtspielhaus unb ist eine hübsche Abenbunterhaltung.

Die Heilkraft des Honigs.

Die Dolksmedizin führt feit undenklichen Zei­ten den Honig unter den Heilmitteln auf, die gegen vielerlei Beschwerden gut sein sollen. Schon bei den alten Aegyptern wurde der Honig yi Arz­neien, bei Verbänden und zum Einbalsamieren von Leichen benutzt. Mit einer wissenschaftlichen Un­tersuchung der Heileigenschaffen und des Nähr­wertes des reinen Bienenhonigs beschäftigt sich in neuester Zeit Dr. Sack, der über seine vorläu­figen Ergebnisse in der Münchener Medizinischen Wochenschrift berichtet hat. Analysen, die an ver­schiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten durchgeführt wurden, ergaben, daß der Bienen­honig einen hohen Gehalt an Traubenzucker auf- weist. Nun ist der Traubenzucker in der letzten Zeit von der Heillunde immer häufiger verwendet worden; er ist für Entkräftete ein Emährungsmit- tel ersten Ranges und eignet sich vortrefflich für Einspritzungen bei den verschiedensten Krankheiten. Besonders ist er ein vortreffliches Mittel zur Ent­giftung des Organismus, der dadurch von schäd­lichen Resten des Stoffwechsels befreit wird. Auch Magen-, Leber- und Nierenkrankh'.iten werden oft durch die Verabreichung von reinem Traubenzucker günstig bceinslufet. Reben diesem Stoff weist dann der Bienenhonig noch eine gange Reihe anderer Bestandteile auf, so u. a. Fruchtzucker. Wachs, Eiweifestoffe, organische Säuren, Phosphor, Kal­zium, 3od, aromatische Oele und verschiedene Vi­tamine. Auch diese Stoffe sind der Medizin al« wirksame Heilmittel zum großen Teil bekannt, und so bestätigt sich die Volks-Anschauung von der Heilkraft des Bienenhonigs. Welche Rolle ihm für die moderne Krankenbehandlung im einzelnen zu- fommt. darüber müssen noch weitere Untersuchun­gen abgewartet werden.

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Der Präsident der Columbia-Universität ht Reuy ork, Nicholas Murray Butler, hat bekanntgegeben, daß der frühere Präsident der ka­lifornischen Universität, Dr. David Prescott Darrows, zum Austauschprofessor ernannt worden ist, der den seinerzeit von Roosevelt er­richteten Lehrstuhl in Berlin einnimmt.