0er Wille zum Neuen in der Kirche.
Eine Erklärung D. von Bodelschwinghs.
Berlin, 17. Juni. (TU.) Von der Kanzlei des Reichsbischofs ergeht folgende Mitteilung:
In einer Form, die in breitesten Kreisen schon auf scbarfe Ablehnung gestoßen ist, wird gegen D. d. Bodelschwingh der unbegründete Vorwurf der Reaktion erhoben. Da diese Darstellung offenbar planmäßig verbreitet und wiederholt wird, gibt der Reichsbischof folgendes bekannt: „Die immer wieder erhobenen Vorwürfe, daß d i e Reaktion sich hinter mir v e r st e ck e , erkläre ich in allem Ernst vor der deutschen Oeffent- lichkeit für unwahr. Wer mich kennt, weiß, daß ich mit Reaktion nichts zu tun habe. Die bisher von mir vertretene Arbeit hatte darin ihr Merkmal, daß sie für alles Neue offen war und entschlossen es in den Dienst unseres Volkes zu stellen. In diesem Sinne werde ich vorwärtsschauend auch mein jetziges Amt führen."
Protestkundgebung der Glaubens- bewegung Deutsche Christen.
Berlin, 17. 3uni. (£11.) Die Glaubensbewegung Deutsche Christen, Kreis Berlin, Land I, veranstaltete einen Protestaufmarsch des Berliner Ostens, um, wie es in der Ankündgiung hieß, den Kampf gegen die Benennung des Pfarrers v. Bodelschwingh zum Reichsbischof einzuleiten. Mehrere tausend Personen, darunter größere SR-Züge, Hitler-Jugend und Detriebszcllenorganisationen des Berliner Ostens nahmen an der Kundgebung teil.
Nach einleitenden Worten des Reichsleiters, Pfarrers H o s s e n f e l d c r, hielt der Ber- trauensmann des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller, eine Ansprache. 3n längeren Ausführungen betonte er, daß eine neue Zeit neue Menschen brauche. Die Glaubensbewegung Deutsche Christen wolle nicht die Politik in die Kirche hineintragen. Es müsse aber daran erinnert werden, daß die Nationalsozialisten es gewesen seien, die 14 Jahre lang gegen diejenigen kämpften, die Volk und Kirche zersetzen wollten. Sie hätten darum das Recht und die Pflicht, in der Kirche des neuen deutschen Volkes einen entscheidenden Einfluß zu gewinnen, damit das neue Gemeinschaftsgefühl und die neue Volkskameradschaft auch seelisch untermauert würden.
Der Reichspropagandaleiter Pfarrer Kassel erklärte, die Glaubensbewegung Deutsche Christen sei nicht irgendeine kirchenpolitische Partei oder Gruppe, sondern sie sei die Kirche von heute und von morgen. Sie werfe die Bischossfrage nicht als Prestigefrage auf. Der zukünftige Reichsbischof habe so große Aufgaben zu lösen, daß er des allertiefsten Vertrauens der obersten Führerstellen bedürfe. Bodelschwingh sei aber ohne Rücksichtnahme auf die obersten Reichsstellen und auf das Kirchenvolk kurzerhand von drei Männern benannt worden. Man handele bereits, als ob er kraft geltenden Rechtes Reichsbischof sei. Es sei undenkbar, daß an der Spitze der evangelischen Kirche ein Reichsbischof stehe, der nicht in Uebereinstim- mung und in vollem Vertrauen mit dem Staat arbeiten könne. Wir sind von der persönlichen Lauterkeit Bodelschwinghs überzeugt, wir möchten nur bitten, da ihm augenscheinlich die Möglichkeit fehlt, sich in den Geist des heutigen Deutschlands hineinzufinden, die Führung als Reichsbischof einem Mann zu überlassen, der seit langen Ächren der persönliche Vertrauensmann des Kanzlers ist, der mit uns in Reih und Glied gestanden hat, als es noch gefährlich war, eine Hakenkreuznadel zu tragen. Wir sind zu jedem Frieden bereit, wird sind aber auch bereit, mit nationalsozialistischer Zähigkeit, wenn es sein muß, den Kampf bis zum Ende zu führen!
Am Schluß der Kundgebung wurde eine Entschließung angenommen, in der die Entscheidung der Kirchenführer in der Reichsbischofsfrage entschieden a b g e l e h n t wird, weil diese Führer k Archen- und oolksfremd seien und im Volke keine geistige Verwandtschaft besäßen. Reichspräsident und Reichskanzler, an die die Entschließung telegraphisch übermittelt wurde, werden
Deutscher Garten — deutscher Mensch.
Von Ulrich Sander.
Zu Hause hatten wir einen kleinen Garten zwischen den Hinterhöfen mit Torwegen und Pserde- ställen. Bei uns war es still in den Ställen, denn mein Großvater, dem das Haus gehörte, hatte seinen Wein> hinter den verstaubten und blinden Spinnwebfenstern. Das Ziegeldach der Ställe war so flach, daß man auf ihm hoch bis zum First klettern konnte, und dann ringsum in die Höfe und Hausgärten sah.
Unser Garten war nur klein. Eine Laube, zwei alte Birnbäume, eine junge, von meinem Vater gepflanzte Süßkirche, ein paar Schneebeerenbüsche und Buchsbaumrabatten. Auf den Beeten Schwert- und Feuerlilien, Vergißmeinnicht und Porzellanblumen. In einer Ecke die Pfingstrosen, rote und weiße.
Damals lebte meine Mutter noch, und es ist mir erinnerlich, daß sie im Garte» gearbeitet hat und eine Schürze trug, dunkel und grob, die sie sonst nie umgebunden hatte. Sie pflanzte gerade Porzellanblumen um. Und seitdem verbinde ich Porzellanblumen mit dem Andenken an meine Mutter. Der Garten soll ihr im Frühjahr schädlich gewesen sein. Ich entsinne mich an große Reisen und Kurhäuser in Baden-Baden und Davos. Ich weiß auch noch, wie der Garten dann eines Tages von einem Arbeitsmann umgegraben wurde, und der mir nicht glauben wollte, daß das alte Wurzelzeug, was er mit dem Spaten zerstach und untergrub, die so ^kostbaren Porzellanblumen waren, um die sich nun niemand mehr kümmern konnte. Ich vermochte nichts gegen den Mann, denn ich war erst sechs oder sieben Jahre alt.
Eine Kostbarkeit hatte der Garten noch, die mein Vater betreute: die alte Bauernrose aus seinem elterlichen Garten. Sie blühte Jahr für Jahr in prangender Verschwendung von Farbe und Duft. Als dann alles anders wurde und wir ausziehen mußten, kamen wir in eine Wohnung ohne Garten. Mein Vater kaufte schließlich am Wall einen* kleinen Garten, und dorthin kam auch die Rose. Ich war noch einmal im alten Hause und suchte nach den Porezellanblumen, aber es war dort alles so anders geworden, daß man rasch wieder ging.
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Darin unterscheidet sich Garten und Ackerland am tiefsten. Der Acker wird bestellt, der Garten
Oie deutsche Delegation verläßt die Genfer Arbeitskonferenz Protestschritt gegen schwere Beleidigung der deutschen Abordnung.
Genf, 19. 3uni. (WTB.) Dem Präsidenten der 17. Tagung der Internationalen Ar- beitskonferen; haben der deutsche Re- gierungsvertreter, dec deutsche Ar- beitgebervertreter und der deutsche Arbeitnehmervertreter heute folgende Erklärung übergeben:
Zu Beginn der Konferenz sind in einer Grup- pensihung der Arbeitnehmer überaus schwere Beleidigungen gegen Deutschland und seine Delegierten gefallen. Diese sind, wie nun in aller Deutlichkeit gesagt werden muß, von dem Vorsitzenden der Gruppe trotz der Bitte um Zurückweisung und um Schuh der deutschen Interessen bis jetzt nicht zurückgewiesen worden. «
Anschließend daran brachten Genfer Zeitungen Aeußerungen, die der deutsche Arbeitnehmeroertreter Herr Dr. Ley auf einer Presse- besprechung getan haben soll. Herr Dr. Ley hak alle ihm unterstellten Aeußerungen entschieden in Abrede gestellt und öffentlich dementiert. Darüber hinaus ist von den maßgebenden deutschen Stellen erklärt worden, daß Deutschland größten Wert lege aus freundschaftliche Beziehungen zur Bevölkerung aller Lander, insbesondere auch zu den südameri- konischen Staaten.
Dessen ungeachtet wurde auf sogenannten offiziösen Tagungen der Arbeitnehmer
gruppe der Konferenz, zu denen man den deutschen Delegierten den Zutritt brüsk verweigerte, der abgetane Borfall wiederholt besprochen und alsdann von dem Bor- sitzenden dieser Gruppe öffentlich behandelt. Diese sogenannten offiziösen Tagungen sind durch Berlautbarungen in den amtlichen Drucksachen der Konferenz zustandegekommen, obwohl wir gegen den nicht korrekten Borgang zu verschiedenen Malen, leider vergeblich, an zuständiger Stelle Einspruch erhoben haben.
Wir erblicken in den bezeichneten Borfällen eine schwere Beleidigung der deutschen Abordnung in ihrer Gesamtheit.
Angesichts dieser Sachlage sieht sich die deutsche Delegation gezwungen, die Konferenz zu verlassen. Sie bedauert lebhaft, an der sachlichen Arbeit, zu der sie sich wiederholt und eindeutig bereit erklärt hat, so lange verhindert zu sein, als den deutschen Forderungen nicht Genüge getan und den berechtigten deutschen Beschwerden nicht abgeholfen worden ist.
Genf, den 19. Iuni 1933.
(gej.) Hans Engel.
Mansfeld.
Bogel.
Dr. Robert Ley.
um Maßnahmen gebeten, damit dos ganze evangelische Volk in dieser obersten Führerfrage in Uebereinstimmung mit dem Dolkskanzler Adolf Hitler selbst entscheide. — Am 27. Juni sollen in Groß-Berlin 19 Massenkundgebungen veranstaltet werden, die sich gegen die Ernennung Bodelschwinghs zum Reichsbischof richten.
Bundesrat Motta gegen deutschfeindliche Hetzer.
Basel, 19. 3uni. (£11.) 3m Sch weize- rischen Rationalrat schnitt am Montag- nachmittag der Züricher sozialdemokratische Abgeordnete Oprecht die Frage der von Deutschland erlassenen schweizerischen Zeitungsverbote an und fragte den Bundesrat, ob keine Möglichkeit zu Gegenmaßnahmen bestehe. Der Sozialdemokrat Reinhardt wollte wissen, welche Gegenmaßnahmen die Regierung in der Transferfrage ergreifen wolle, nachdemDr. Schacht die schweizerischen Wünsche schroff zu- rückgewiesen habe. Bundesrat Motta stellte als Leiter des Departements des Auswärtigen zu der Anfrage O p r e ch t s fest, daß die Grundlage für die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten darin bestehe, daß man sich nicht in d ie inneren Verhältnisse des anderen Staates einmische. Das gelte auch für die deutschen Verhältnisse. Er möchte der ganzen Oeffentlichkeit sagen, daß man sich bei der Erörterung solcher Fragen vor allem vor Verdächtigungen und leichtfertigen Verurteilungen hüten müsse. Zu der Anfrage Reinhardts erklärte Bundesrat Motta, daß bis jetzt die Schweiz von Deutschland nicht anders behandelt worden sei als andere Staaten. Es sei nicht richtig, daß Reichsbankpräfident Schacht die schweizerischen Forderungen schroff zurückgewiesen habe. Minister S t u ck i habe mit Dr. Schacht und Minister Hugenberg konferiert und die Besprechungen würden fortgesetzt.
aber bewohnt. Der Garten' ist eine grüne Wohnung, eine Stube im Freien, oft nur durch eine Glastür von den anderen Stuben getrennt. Mit dem Acker wird der Mensch ohne Vieh und Maschi- schinen nicht fertig. Den Garten aber pflegt er mit kleinem Handwerkszeug und macht die feinste Arbeit nur mit der Hand, seiner eigenen Hand. Bis auf das Kartoffelracken steht oder geht der Mensch auf dem Acker, nein, er steht nicht einmal, er geht nur aufrecht oder halb gebeugt über ihn hinweg. Im Garten muß man vieles fnieenb erledigen, man liegt beim Veredeln fast lang auf der Erde. Man steht vor seinen Beeten, und die Fußtritte des Herrn düngen den Garten, sagt man. Der Mensch lebt in seinem Garten, er verwächst mit ihm durch ihn, heiratet sich ein in eine Verwandtschaft von Blumen und Früchten, die ihn nicht wieder loslassen. Nur der ist ein voller Mensch, der einen ©arten hat. Einen Garten muß man haben, wie man eine Frau und ein Kind haben muß.
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Da war zu Hause noch ein anderer Garten, eine Gärtnerei. Sie lag unten an einem Graben, und wir standen abends oder nachts oft in der Nähe auf einem Hügel und fangen unsere Lieder über den Grund. Ringsum war freies Feld. Nur der Garten lag hinter seinen Hecken. In dem kleinen Haus war noch Licht. Sehr fleißige Leute wohnten unter dem Dach, hatten viele Kinder und darunter auch unsere Freundin Dürfen. Tagsüber rackte sie in Kopftuch und Schürze auf den Beeten herum, mietete oder pflanzte aus, verstopfte die Sämlinge, schnitt und band die Blumen, nahm im Gewächshaus die Gurken und Tomaten ab. Wir haben ihr oft dabei geholfen und ihr dann abends und nachts ein Ständchen gesungen. Das wollte bei uns etwas heißen, weil es nicht landesüblich ist, Leute anzusingen. Wir glaubten hier glückliche, wahrhaft glückliche Menschen gefunden zu haben. Fleißig und fruchtbar, gesund und sauber. Menschen, die auf viel weniger Land mehr anbauten, als die Bauern. Wir sahen in dieser Gärtnerei und ihren Menschen eine wahrhaft paradiesische Lösung. Wir waren uns darüber einig, daß mir, sobald es einmal ginge, zu einem Garten kommen müßten.
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Man hat dann noch viele Gärten kennen gelernt, plunbrige und verbogene, so, mie ihre Menschen waren, feine, stille, kluge und gute Gärten, wie ihre Menschen waren. Auch ängstliche Gärten, pedantische, geizige und schwächliche. Wie ihre Menschen waren. Auch darin unterscheidet sich der Gar
polizeimaßnahmen gegen die „Schwarze Front".
Berlin, 19. Juni. (WTB.) Ende der vergangenen Woche sind in allen Teilen des Reiches polizeiliche Maßnahmen gegen die sog. Kampfgemeinschaft Revolutionärer N a t i o n a l s o z i a l i st e n , die „Schwarze Fron t", durchgeführt worden. Wie erinnerlich, wird die Schwarze Front von Dr. Otto Straßer geführt, der mit einem Kreis seiner Vertrauten Deutschland bereits wenige Tage nach dem Siege der nationalen Erhebung verlassen hat. Er hat es, wie die Führer der marxistischen Parteien, vorgezogen, vom sicheren Port des Auslandes aus seine verlogenen und staatsgefährlichen Angriffe gegen die Regierung der nationalen Revolution zu betreiben. Bei der Aktion sind mehrere der noch in Deutschland befindlichen Führer der „Schwarzen Front" in S ch u tz h a f t genommen worden. Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Material gefunden, das die staatsfeindliche und gefährliche Einstellung der Schwarzen Front eindeutig beweist. Die Schwarze Front hat ihre Anhänger aufgefordert, sich Eintritt in die nationalen Kampfverbände zu verschaffen, um dann dort zersetzend und störend wirken zu können. Das beschlagnahmte Material beweist, daß auch sehr weitgehende politische Zusammenhänge mit der KPD. bestehen. Die „Schwarze Front" hat, da ihre Berliner Geschäftsräume feit längerer Zeit geschlossen sind, von Wien aus mit Hetzmaterial gearbeitet.
Ehrung der siegreichen Romreiter in Hannover.
Hannover, 18.3uni. (WTB.) Die Stadt Hannover stand im Zeichen der offiziellen Ehrung der siegreichen Romreiter durch die Reichsregierung, die mit einem großen Aufmarsch der SA. aus den vier niedersächsischen Untergruppen verbunden war. Riesige Menschen- massen bewegten sich zum großen Stadion und Rahmen des Festprogramms die offizielle Ehrung
ten vom Acker; er nimmt das Wesen seines Gärtners an. Der Acker wohl auch bis zu einem gewissen Grad. Der Garten aber wird wie ein Mensch, wie sein Mensch. Wird gestaltet und ein« geteilt, unaufhörlich gepflegt und bearbeitet, ja, das Profil der Erdoberfläche verändert sich mit dem Augenblick, in dem der ©arten beginnt Der Acker richtet sich nach den Entwicklungsstufen der Erde, aber der Garten bildet eine eigene. Der Mensch richtet sich nach seinem Acker, aber der ©arten richtet sich nach seinem Menschen und nimmt ihn dann doch gefangen und wächst ihm über den Kopf durch die Persönlichkeitskräfte, die der Mensch in den ©arten gesteckt hat.
So gewaltig ist die Spannung, daß der ©arten mit dem Augenblick durchschießt, an dem der Mensch seine Hand von ihm läßt. Die verwilderten Gärten an der Westfront gaben ein erschütterndes Bild von diesen entfesselten Kräften. Der wilde Acker wurde zur Weide. Der wilde Garten aber zu einem unheimlichen Urwald. Rosen und Wein berankten die zerschossenen Gewächshäuser. Die nicht mehr beschnittenen Spaliere schossen steil und wucherisch in die Luft. Erdbeeren waren viele Meter weiter gekrochen. Der Spargel ein Dickicht. Die Büsche eine einzige Wildnis. Kohl und Salat hatten sich schon in vielen Geschlechtern ausgesät und waren in die knappen, harten und kleinen Urformen wieder zurückgekehrt, in denen sie ganz auf sich selber angewiesen waren.
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Eines Tages kam man dann zu feinem eigenen ©arten. Die Landwirtschaft ging nicht. Man baute bei Zeiten um zum Garten. Kleiner, aber dafür ertragreicher. Höchste Ernte auf schmälstem Schlag. Erst ein schüchterner Vorstoß. Ein paar hundert Quadratmeter, weil das Geld zur Pflanzung und Draht nicht weiter reichte. Dann Jahr für Jahr em Stück weiter vorgetrieben, bis man eines Tages an der Grenze angekommen war. Ein feierlicher Augenblick. Feierlich, als die aus den Stecklingen der allerersten Beerensträucher gezogenen Büsche zum ersten Mal Frucht trugen. Feierlich, als sich zum ersten Mal ein Vogel in einen selbst- gezogenen Busch setzte. Jahre um Jahre hat es gedauert. Meter für Meter mußte mühselig erobert werden, ging wieder an den Acker verloren, mußte zurückerobert werden, bis die Stellung befestigt war. Fünfundeinhalbes Jahr hat man wegen seiner Heimat draußen herumgelegen. Aber bald sind es zehn Jahre, daß man um feinen Garten kämpft. Nur zweimal ist man im Felde getroffen worden.
zu dem benachbarten Turnierplatz, auf Lern du der Romreiter durch die Reichsregierung vvp» gesehen war. Auf der Tribüne fab man u. a. Vizekanzler v. Papen, Reichswehrminister v.Blomberg, Kultusminister Rust und 3w» stizminister K rrl. Richswehrminister v.Blomberg übermittelte den siegreichen Romreitern den Dank der Reichsregierung und der Wehrmacht. Der Sieg sei ein Triumph gründlichster Arbeit und unerschütterlichen Siegeswillen gewesen und das Ergebnis zielbewuhter jahrelanger Zusammenarbeit aller Offiziere und schließlich auch ein Triumph der deutschen Pferdezucht und des deutschen Pferde überhaupt. Ministerpräsident Göring habe den „Wotanpreis", der in Hannover ausgetragen werden solle, gestiftet. Der Reichswehrminister schloß seine Ausführungen mit einem dreifachen Hurra! auf die siegreichen Romreiter, auf die Kavallerieschule in Hannover, auf die deutsche Reiterwache und auf das geliebte deutsche Vaterland, das von der vieltausendköpfigen Menge jubelnd ausgenommen wurde.
3m Anschluß an die Ehrung der Romreiter wurde ein großer Appell der gesamten SA. von Südhannover-Braun- schweig im Stadion abgehalten, bei dem Gauleiter Kulutusminister Dust die Ansprache hielt.
Kunst und Wiffenschast.
Die Dirigenten der Berliner Sfaatsoper.
An der Berliner Staatsoper konnte jetzt die viel- umstrittene Dirigentenfrage endgültig geklärt werden. Zum ersten Staatskapellmeister ist, wie schon bekannt, Wilhelm Furtwängler ernannt worden. Eine Stellvertretung Furtwänglers rangmäßig ist nicht geplant. Man hat also den Titel eines zweiten Staatskapellmeisters fallen gelassen. Erich Kleiber, der frühere Generalmusikdirektor, von dem es hieß, daß ihn die Stadt Frank- furt engagieren wolle, bleibt in Berlin. Er führt den Titel Staatskapellmeister". Denselben Titel erhalten Leo Blech und der neu verpflichtet« Dirigent Professor Dr. Robert Heger, der zuletzt an der Wiener Oper tätig war. Damit ist die gesamte Dirigentenfrage gelöst und auch der Titel „Generalmusikdirektor" an der Staatsoper hinfällig geworden.
Ferienkurse für Deutsche in Spanien 1933.
Das Jbero-amerikanische Institut in Hamburg teilt mit, daß auch in diesem Jahre wieder Sommerkurse für Ausländer an der Universität Granada (August), Barcelona (Juni-Aumist), Madrid (Juli-Oktober-November), I a c a (Juli- August), San Sebastian (August) und in der von der spanischen Regierung neu gegründeten Internationalen Sommerunioersität in Santa n° der (August) stattfinden. Der Besuch der spanischen Kurse durch deutsche Lehrer, Studenten und Kaufleute liegt ebenso wie die Teilnahme von Spaniern an unseren deutschen Ausländerkursen im Interesse der Aufrechterhaltung der besonders seit dem Weltkrieg so freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Auf Grund des niedrigen Standes der spanischen Pesete ist die Nachfrage deutscher Interessenten in diesem Jahre sehr rege.
Aus aller West.
Zwei Mörder zum Tode verurteilt.
Das Stuttgarter Schwurgericht verurteilte den 21jährigen Tapezierer Robert Gröhinger aus Reckarweihingen, Oberamt Ludwigsburg, wegen Mordes zur Todesstrafe und dauernden Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts. Der Mörder hatte im März d. 3. seine Braut, die gleichalterige Haustochter Elise Sieber aus Hoheneck, Oberamt Ludwigsburg, von einem Felsvorsprung 21 Meter tief in die Weinberge hinuntergestürzt, um sich ihrer zu entledigen. Als die Schwerverletzte noch nicht tot war, schleuderte er aus nächster Rähe große Steine auf das Mädchen, bis sie endlich blutüberströmt tot zusammen- brach. Der Angeklagte zeigte während der Verhandlung keinerlei Spuren von Reue.
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Der 33 3ahre alte Arbeiter Emil Schiller aus Petermühle (Kreis Schwerin a. d. W.) ist wegen Mordes an einem Landwirt zum Tode verurteilt worden.
Aber tausendmal um feines ©artens willen. Um dies kleine Stück Land sind ganze Aktenstöße geschrieben, viele hundert Kilometer Fußmarsch zu Gläubigern, Rechtsanwälten und Gerichten gelaufen. Diele Male hat der Garten in der Zeitung gestanden und sollte versteigert werden. Aber er ist drum gut angewachsen.
Vielleicht gerade deswegen.
„’XBaä Frauen träumen.^
Der Titel ist ein wenig altmodisch und ein wenig farblos —: das ist das Einzige, was wir gegen diesen Film einzuwenden haben. Sonst ist er ausgezeichnet; ein Kriminalstück ohne Schablone, mit Phantasie, mit ausgesprochenem Sinn für zündende Wirkungen und Kontraste, mit liebenswürdigem Witz und federnder Spannung. Die Fabel ist ungewöhn- lick sowohl in ihren Voraussetzungen wie in ihren Folgerungen; das Ganze ist nicht als Reportage, sondern eher novellistisch gefaßt. Manuskript und Drehbuch enthalten eine Reihe so hübscher und filmisch brauchbarer Motive, daß wir bedauern, die Verfasser nicht im Programm genannt zu finden. Die Regie führt G6za v. B o l o a r y : eine der sichersten und geschmackvollsten Leistungen, die wir seit längerer Zeit erlebt haben; er inszeniert fließend, gibt Tempo und Stimmungen, blendet im richtigen Augenblick ab, läßt den Zuschauer nie aus der Hand und hat eine Menge überraschender Einfälle. (Das Schmuckmotio und das Spiel mit dem Schatten beispielsweise sind mit spürfinnigem Instinkt für eine filmische Inszenierung eingeführt.) Dazu ein sehr gepflegtes kleines Ensemble in den tragenden Rollen. Nora Gregor, hier kaum bekannt, eine sehr hübsche und elegante Dame; wenn sie singt, kann man von fern an die Alpar denken, aber sie kann mehr als schön fingen und gut aussehen: sie verfügt über die schauspielerischen Qualitäten, welche diese psychologisch nicht unkomplizierte Figur verlangt. Ihr-Partner ist Gustav Fröhlich, der sich in seinen Ausdrucksmitteln sympathisch gefestigt hat; er spielt seine Rolle, die wie für ihn geschaffen ist, so knapp, beherrscht und mit Humor, daß es eine Freude ist. Außerdem Kurt Horwitz, Peter Lorre und Wallburg: alle drei trefflich an ihrem Platz. Robert Stolz schrieb eine liebenswürdige musikalische Begleitung. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus; man sollte ihn sich ansehen und wird sich zwei Stunden aufs ange« neymste unterhalten. —r—


