der Dank der Tschechoslowakei für den Edelmut der Sieger im Weltkrieg. Diese bewaffneten Kräfte werden jetzt zum großen Teil benutzt, um die deutschen und ungarischen Minderheiten zu tyrannisieren und unter Zwang zu halten. In manchen Teilen der Tschechoslowakei herrscht heute ein richtiges Schreckensregi- ment. Genf sitzt da mit gekreuzten Armen und erlaubt, daß dieses ungeheuerlich st e Unrecht fortgesetzt wird. Dr. Bene sch ist einer der notorischen Feuerfreffer Europas. Ist es nicht höchste Zeit, daß eine Konferenz von drei oder vier Großmächten einberufen wird, um sich mit den Rüstungen der Tschechoslowakei zu befassen und die unerträglichen Ungerechtigkeiten, unter denen die Minderheiten in diesem Londe leiden, wieder gutzumachen?
Was geht im Saargebiei vor? Durchsichtige Politik der Sozialdemokraten. Lreugelöbnis aller bürgerlichen Parteien.
Saarbrücken, 19. Mai. (WTB.) Im Landesrat wurde die Verordnung der Regierungskommission zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Saargebiet verabschiedet. Der Entwurf enthält folgendes: Alle öffentlichen politischen Versammlungen und Aufzüge sind zu verbieten und aufzulösen. Parteien, deren Mitglieder gegen diese Verordnung verstoßen, sind aufzulösen, Plakate und Flugblätter zu verbieten und die Zeitungen bis zu sechs Monaten zu unterdrücken. Ein weiterer Verordnungsentwurf sieht eine Abänderung des Reichsvereinsge- etzes vor. Danach werden Vereinigungen, die bisher als Zweigorganisationen nichtaarländischer Zentralverbände be- tanden haben, künftig als besondere Vereine angesehen. Vorstandsmitglieder und Leiter politischer Vereine dürfen nur Saareinwohner sein. Vereine können aufgelöst werden, wenn sie Einwohner des Saargebietes wegen ihres religiösen oder politischen Bekenntnisses in ihren Ansprüchen auf Gleichberechtigung beinträchtigen, wenn sie Ziele verfolgen, die mit der durch den Friedensvertrag im Saargebiet geschaffenen Ordnung nicht zu vereinbaren sind. Sämtliche von einer nichtsaarländischen Behörde der Verbandsleitung oder im Auftrage solcher getroffenen Maßnahmen, welche die öffentlich-rechtlichen oder die prioatrechtlichen Rechtsverhältnisse von politischen sowie gewerkschaftlichen oder beruflichen Vereinigungen betreffen, bedürfen rückwirkend ab 1. April 1933 der Genehmigung der Regierungskommission.
Sämtliche bürgerlichen Parteien lehnten die Verordnungen einstimmig a b, weil die Voraussetzungen für derartige einschneidende Maßnahmen nicht gegeben seien. Der Vorsitzende derSozialdemokratischenPar- t e i des Saargebietes Braun erklärte, daß die Verordnungen notwendig seien, um den freien Willen der Saarbevölkerung gegen den von Deutschland und den Anhängern der nationalen Bewegung ausgehenden Terror zu schützen. Abgeordneter L e o a ch e r (Zentrum) gab im Namen seiner Fraktion und der anderen bürgerlichen Fraktionen folgende Erklärung ab: Seit unserer letzten Erklärung bei Eröffnung des Landesrats haben sich die politischen Verhältnisse in Deutschland grundlegend geändert, in unserer Einstellung zu unserem Vaterland ändert sich nicht das geringste. Unser großes Ziel, dem wir mit allen Kräften zustrebten, war stets dierestloseRückführungunserer Heimat zu unserem Vaterland. Diesen Kampf wollen wir nach wie vor Schulter an Schulter mit allen deutschen Brüdern und Schwestern führen und wollen nicht eher ruhen noch rasten, bis das Ziel erreicht ist. Wir wissen uns dabei eins mit der neuen Reichsführung, die sich zur Aufgabe gestellt hat, alle Deutschen zur nationalen Volksgemeinschaft zusammenzuführen.
Wei lei Wil
Ein vaterländischerRoman vonHansVietzke
Urheber-Rechtsschutz
durch Verlag Oskar Meister, Werdau.
3. Fortsetzung. Rachdruck verboten!
Der scharfe Anpfiff reißt ihn aus seinen Träumen. Er springt mit einem Satz vor den Sergeanten hin und schlägt krachend die Hacken zusammen.
„Ist das vielleicht Stimmung — du Rindskopf?!" Landry versucht gemütlich zu sein. „Das nennt ihr Weihnachten feiern — ihr Jammerlappen?!"
Und der Korporal bestehlt: „Hol deine Quetschkommode, du langweiliger Pinsel! Spiel meinen Marsch — aber mit Pauken und Trompeten! Verstanden?! ... Ich will Stimmung haben — zu Weihnachten!" Dann wendet er sich wieder dem Stairntrtisch zu.
Der kleine Gefreite streicht sich müde den blonden Haarschopf aus dem Gesicht und langt die Ziehharmonika von der Wand. Und intoniert den alten Marsch.
Landry hat wieder eine neue Lage kommen lassen. Unablässig rollt der Würfel. Die schweren Reiterstiefel unter dem Tisch treten den Takt, daß die Gläser zu tanzen beginnen.
„Alles mitsingen!" brüllt L-andry. „Wirt — eine Lage für die Soldaten Seiner Majestät!"
Hitze, Tabaksqualm und Branntweindunst füllen den ■Xuum. Gröhlende Stimmen machen den vergeblichen Versuch, zu singen. Jämmerlich dünn quäkt darüber die Stimme der Ziehharmonika.
Der blonde Gefreite spielt mit marionettenhaften Bewegungen. Sein Mund formt die Worte des Marschliedes — ohne Sinn. Er singt — er muß singen!
In ihrer düsteren Ecke sitzen schweigend zwei alte Grenadiere. Die haben Moskau brennen sehen, die haben das Blutbad an der Beresina überstanden — aber werden sie Frankreich, werden sie die Heimat je wiedersehen? ...
Ihre gichtkranken Gestalten hocken verfallen auf der Eichenbank. Ihr Blick ist tot. Sie hören nichr den Lärm um sich. Jedes Fühlen ist aus ihrem Körper geflohen. Ihre Gedanken sind fern, ganz fern, irgendwo in der sonnigen Provence, bei Haus und Hof, bei Weib und Kind. Landsknechte, auf fremder Erde — in heiliger Nacht.
Mit seinem riesigen Paket, das er aus Dresden mitgebracht hat, voll Geschenken, betritt der Reitknecht Jean die Wirtsstube „Zum Hirschen".
Ein Höllenspektakel schlägt ihm entgegen.
Als die besoffene Bande vom Stammtisch das Pflaster aus seinem Kopf sieht, bricht eine Welle von Hohngelächter los.
Aber der helle Sachse Jean kümmert sich nicht um
Guter Eindruck der Nadolny- Erklärung in England.
London, 20. Mai. (WTB. — Funkspruch.) Die Blätter äußern ihre Befriedigung über die Genfer Erklärung des Botschafters Aadolny. „Daily Telegraph" sagt, der Llmschwung in. der deutschen Stellung hat das Fortschreiten der Arbeiten ermöglicht. Der tote Punkti st überwunden und der Weg ist wieder frei. Herr Aadolny hat zwar die deutschen Abänderungsanträge nicht direkt zurückgezogen, aber er hat das nächstbeste getan, nämlich den britischen Entwurf als Grundlage der abzuschließenden Konvention zu akzeptieren. — Times sagt, Deutschland, das bisher ein herausfordernder Kritiker war, hat sich in einen Mitarbeiter bei den gemeinsamen Aufgaben verwandelt. Es wird für die Konferenz ein ungeheuerer Borteil sein, wenn diese Aenderung der Stimmen von Dauer ist. Jetzt besteht einige Hoffnung darauf, daß die freundschaftliche Verbindung anderer Länder mit Deutschland erhalten bleiben wird, und daß der Geist des Biermächtepaktes sich auch als Schlüssel für andere Schwierigkeiten erweisen wird.
Reichsbankpräsident
Dr. Schacht in London.
London, 19. Mai. (WTB.) Reuter. Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist auf der Rückreise von den Vereinigten Staaten in London eingetroffen, um mit dem Präsidenten der Bank von England, Montague Norman, zusammenzutreffen.
Die Berliner S t i l l h a l t e k o n f e r e n z mit den Vertretern der ausländischen Gläubigerschaft Deutschlands ist mit Rücksicht aus die Reisedispositionen der amerikanischen Teilnehmer vom 26. auf den 29. M a i verlegt worden.
Oer preußische Ministerpräsident Göring in Korn.
Rom, 19. Mai. (TU.) Reichsminister Göring ist am Freitag geaen 17,00 Uhr mit dem Flugzeug in Rom eingetroffen und noch am Freitag abend von Mussolini empfangen worden. Wie wir erfahren, weilt Ministerpräsident Göring zum Besuch seines persönlichen Freundes, des Prinzen Philipp von Hessen, des Schwiegersohns des Königs von Italien, in Rom.
Prinz Philipp von Hessen wird Oberpräsident von Hessen-Nassau.
Berlin, 20.Mai. (CNB. Funkspruch.) Die Ernennung des Prinzen Philipp von Hessen zum Oberpräsidenten von Hessen-Nassau soll, wie wir erfahren, durch einen Beschluß in der nächsten Ku- binettssitzung bestätigt werden. Der bisherige Oberpräsident von Hülsen, der Kurator der Universität Marburg war, hat sich d e m S t a a t e w e i t e r zur Verfügung gestellt. Er soll mit besonderen Ausgaben betraut werden, um seine wertvolle Kraft dem Staate zu erhalten.
Prinz Philipp von Hessen aus der landgräflichen Linie des hessischen Fürstenhauses ist der älteste 1896 geborene Sohn des Landgrafen Friedrich Karl und der Prinzessin Margarete von Preußen, der Schwester Kaiser Wilhelms. Der Prinz ist seit 1925 mit der 1902 geborenen Prinzessin Mafalda, zweiten Tochter des Königs von Italien vermählt. Das junge Paar hat einen Sohn, den 1926 geborenen Prinzen Moritz.
Der japanische Vormarsch auf Peking.
Peking, 19. Mai. (TU.) Lieber den Vormarsch der japanischen Truppen gegen Peking wird vom chinesischen Hauptquartier gemeldet,
das Gesindel. Er steht unter dem persönlichen Kommando seines Hauptmanns — er kann sich solche Nichtachtung leisten.
Mit keiner Silbe antwortet er auf die verfänglichen Fragen, die ihm entgegenschwirren. Er setzt in aller Seelenruhe sein Paket neben der Theke nieder, steckt seine klammen Hände in die Hosentaschen und dreht der gröhlenden Horde seinen Allerwertesten zu.
„Ich bitte um einen Doppelten, Herr Wirt!" Dann trinkt er Zug um Zug seinen Schnaps, der ihn mit sichtlichem Behagen auftaut.
So nebenbei fragt er leise den alten Mertens: „Ist Eure Hanne da?"
Der Wirt deutet mit dem Daumen über die Schulter nach dem kleinen Hinterzimmer.
Jean nickt. Er vergewissert sich, daß die Luft rein ist: Die Soldateska nimmt von ihm keine Notiz mehr. Landry hat abgewinkt — lohnt sich ja nicht, mit dem blöden Kerl.
Und nun schlüpft Jean, den Blicken der anderen entzogen, mit seinem Paket in das Hinterstübchen.
Hanne, die im Zimmer beschäftigt ist, hat sein Eintreten nicht bemerkt. Jean zieht seine Uniform zurecht, nimmt artig seine Pelzkappe in die Hand und hüstelt verlegen.
Hanne blickt sich um. Ein Schrecken fährt ihr in die Glieder, als sie die Soldatengestalt im dunklen Türrahmen stehen sieht. Dann aber heitert sich ihr Gesicht zusehends auf.
„Ach Sie sind's, Jean...?!" Und wie sie ihn lächelnd mustert, entdeckt sie feine Blessur. „Was ist denn das da?" Ihre Frage klingt ehrlich besorgt.
Jean winkt ab. „Ach, Fräulein Hanne, da hat's unterwegs mal geknallt — na und bann..." Er sieht sie treuherzig an; er will jetzt von etwas anderem reden. „Aber lassen wir das! Und jetzt — einen schönen guten Abend!" Er reicht ihr die Hand zum Gruß, die er erst vorsorglich an seinem Rock abgeputzt hat. „Und das da — hab ich Ihnen mitge- bracht, aus meiner Heimat!" Mit verliebtem Blick reicht er Hanne das schwere Paket hin.
Das Mädel guckt ihn erst groß an, dann lacht es hell auf. Braver Bursche, dieser Jean. Verliebt ist er auch. Bei allen Heiligen — sie muß dem Jungen gut sein — auch wenn er die verhaßte Uniform trägt. Sie weiß ja, daß sie ihn gepreßt haben, wie tausend andere auch. Sie weiß, daß er des französischen Kaisers Rock anziehen mußte — sie hätten ihn sonst füsiliert.
„Aber Jean — Sie sollen doch nicht immer solche Geschichten machen! Da ist doch wieder die ganze Löhnung draufgegangen!"
Hanne versucht energisch zu sein, aber Jean lacht bloß. „Sehen Sie, Fräulein Hanne, so ist das nun mal im Leben. Die andern oersaufen's, und ich --ach was", er hat das Reden satt, „nun machen Sie aber endlich die Futterkiste auf!" Und stolz fetzt er noch hinzu: „Meine Mutter läßt Ihnen bestellen: Sie sollen sich's gut schmecken lassen!"
daß die Japaner sich in zwei Kolonnen von Borden und Osten her gegen die Stadt bewegen. Die beiden Kolonnen haben das 65 Kilometer von Peking entfernte Tung schau erreicht. Die nördliche Kolonne ist in nächster Bähe des wichtigen strategischen Punktes Mijun eingetroffen. Die chinesischen Truppen gehen geordnet zurück. — Die Panik unter der chinesischen Be- vöUerung in Peking wächst stündlich. Die chinesischen Verluste in den Kämpfen bei Kupeikan sollen 10 000 Mann betragen. Zwei kantonesische Brigaden haben sich nach Bordchina in Marsch gesetzt, um entgegen dem Befehl Tschiangkai- scheks den Japanern entgegenzutreten, obwohl er sie zur Unterdrückung der Kommunisten in der Provinz Kiangsi eingesetzt hatte. Am Freitag kreiste wieder ein japanisches Bombenflugzeug über Peking, das sieben Bomben abwarf. Chinesische Luftabwehrgeschühe traten in Tätigkeit, jedoch erfolglos. Die Wacht- truppen des Gesandtschaftsviertels in Peking sind um 150 Mann verstärkt worden.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident v. Hindenburg empfing den Reichskanzler Adolf Hitler, sowie den Reichsinnenminister Dr. Frick zum Vortrag.
Reichskanzler Adolf Hitler traf am Samstag um 8.07 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug aus Berlin kommend in München ein. In feiner Begleitung befand sich der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß.
Der Oberpräsident von Oberschlesien Dr. L u k a s ch e ck, der der Zentrumspartei nahesteht, ist auf Grund seines Gesuches von seinem P o - stenenthoben worden. Als sein Nachfolger wird der Oberpräsident von Niederschlesien, Brückner, genannt.
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Nach Anordnung der Reichsleitung der NSDAP.-Beamt en abteilung ist die Aufnahme in die B e a m t e n a b t e i l u n g mit sofortiger Wirkung gesperrt.
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Der Gemeinderat Ludwigsburg bat auf Antrag der Nationalsozialisten einstimmig beschlossen, dem von hier stammenden früheren Reichswehrminister General Groener das Ehrenbürgerrecht, das ihm während des Krieges verliehen worden war, zu entziehen. — Die Groener-Straße erhält nach dem württembergischen Statthalter Murr künftig den Namen: Murr-Straße.
Das Ehrengericht des Landesverbandes Berlin im Reichsverband der Deutschen Presse hat den früheren Chefredakteur der Vossischen Zeitung, Gg. Bernhard wegen gegen das neue Deutschland gerichteter grober Beschimpfungen und Verleumdungen im „Journal de Geneve" aus dem Beichsverband ausgeschlossen. Wegen der Schwere der Verleumdungen, ihres landesverrate- rischen Charakters und der Niedrigkeit der Gesin- nung ist Bernhard cum infamia aus dem Verband ausgestotzen.
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3n Ecuador ist ein neuer ÜHilitär auf » stand ausgebrochen. Ein in Bio Bamba liegendes Artillerie-Regiment meuterte und marschierte nach Guamote, wo sich die Führer der politischen Opposition anschlossen. Die Regierung hat Truppen entsandt, um den Aufstand zu unterdrücken. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen.
Aus aller Wett.
Organisierung der Referendare im Nationalsozialistischen Deutschen Juriffenbunb.
Anläßlich der gegenwärtig in Berlin stattfindenden ersten Reichstagung Deutscher Referendare haben die Vertreter der Lan-
Hanne glaubt nicht richtig zu sehen, als das riesige Paket offen vor ihr liegt. Ein Duft von feinstem Backwerk strömt ihr entgegen, daß ihr das Wasser im Munde zusammenläuft.
„Echte Dresdner Christstollen!" sagt Jean schmunzelnd. „Und hier, das ist besonders für Sie! Eigenes Fabrikat von meinem Vater, dem Hofzuckerbäcker: Marzipanpralinen. Da werden Sie Augen machen, kosten Sie mal!"
Und ohne Umstände schiebt er ihr die duftenden Kugeln in den ohnehin offenstehenden Mund.
Als Hanne endlich die reichliche PorUon herunter hat und wieder sprechen kann, drückt sie Jeans Hand. „Jean — Sie sind wirklich ein Engel!"
„Das ja nun gerade nicht, Fräulein Hanne." Er macht eine komisch abweisende Geste. „Mit dem Engel hat's hoffentlich noch eine Weile Zeit." Er rückt mutig einen Schritt näher. „Aber — wie wär's, wenn ich jetzt zur Belohnung fo'n kleines Küßchen bekäme ...? Mit dem „Engel" warte ich gerne noch ..."
Hanne schaut ihm lieb in die Augen. „Komm her, mein Junge..." und schon drückt sie Jean einen auf, daß er wirklich alle Engel im Himmel fingen hört... „Und noch einen sollst du haben — unter einer Bedingung", schränkt Hanne ein, „du mußt Weihnachtsmann spielen heute abend! Wir gehen jetzt zu meiner Schwester hinüber und werden bescheren, da werden wir richtig und von Herzen Weihnacht feiern — und die herrlichen Sachen hier nehmen wir mit!"
„Für einen Kuß können Sie von mir alles haben--." Er faßt sich ein Herz und hascht nach
ihrer Hand. „Hanne — du ...!"
Jean strahlt über das ganze Gesicht. „Das nenne ich Weihnachten!"
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Das Haus des Schmiedes Jochen Wemper, der Anna Mertens — Hannes Schwester — zur Frau hat, liegt fast am Eingang des Dorfes.
Svärlicher Lichtschein bringt aus dem Fenster der Stube. Ganz still liegt das windschiefe Haus.
Heute ruht die Schmiede. Das Feuer ist gelöscht, Hammer und Ambos liegen in Feiertagsruh.
Jochen Wemper sitzt bei den Seinen. Das Söhnchen Christian reitet stolz auf dem einfachen Schaukelpferd, das ihm der Vater gezimmert hat. Frau Anna hält reglos die arbeitsmüden Hände im Schoß gefaltet. Schmucklos steht der frische Tannenbaum vor ihr, den Jochen am Berghang geschlagen hat, damit sie nicht ganz vergessen, daß Weihnacht ist.
Die Stille in der kleinen Stube liegt drückend auf den Menschen. Breit und trotzig sitzt die Gestalt des Schmiedes am Tisch. Im Kerzenschein vor ihm liegt bas Flugblatt, das vor Tagen ein Parteigänger heimlich gebracht hat. Wieder und wieder lieft er die flammenden Worte, die zu Freiheit und Kampf aufrufen. Schwer liegen die Fäuste des Mannes auf dem Tisch. Seelische Anspannung steht in seinem Gesicht.
desverbände des Reichsbundes deutscher Referendare beschlossen, den Bund mit sofortiger Wirkung aufzulösen und den bisherigen Mitgliedern den Beitritt zum Bationalfo- zialistifchen Deutschen Iuristenbund zu empfehlen, bei dem eine Llntergruppe für Referendare besteht. Die erste Reichstagung Deutscher Referendare wird daher als Veranstaltung des Bationalsozialistischen deutschen Iuristenbun- des durchgeführt. Die Veranstaltungen finden ihren Höhepunkt in einer großen öffentlichen Kundgebung in den Tennishallen, bei der Reichs- justizkommisfar und Bayerischer Iustizminister Dr. Frank über das Thema spricht: „Gegen jüdische Rechtsverdrehung. — Für ein neues deutsches Volksrecht." Eine Rundfunkübertragung dieser Rede findet entgegen der ursprünglichen Absicht nicht statt.
Der THörbec eines SA.-Führers verhaftet.
Dieser Tage ist es der Iserlohner Kriminalpolizei gelungen, den M ö r d e r des SA.-F hr rs Hans B e r n f a u , der bei den kommunistijchen Änruhen Ende des vergangenen Jahres auf dem Bahnhofsvorplatz in Iserlohn erschossen worden war, in der Person des 35jährigen Kraftwagenführers Franz S ch i d z i k aus Iserlohn zu ermitteln und f e st z u n e h m e n. Der Verdacht der Polizei, die Schidzik in der letzten Zeit dauernd beobachtet hatte, hatte sich in den letzten Tagen so verstärkt, daß sie sofort zu seiner Festnahme schritt. Im Verlaufe seines Verhörs legte Schidzik ein umfassendes G e st ä n d n i s ab. Er wurde in das Hagener Gerichtsgefängnis übergeführt.
Vergeblicher Angriff
auf den Gipfel des 2Hounf Everest.
Die englische Mount-Everest-Expedition hat, Pressemeldungen zufolge, in den letzten Tagen einen Versuch gemacht, den Gipfel des Everest zu besteigen. Sie hatte ein Lager in etwa 8000 MeterHöhe errichtet und versuchte von dort aus den Gipfelaufstieg. Obwohl genaue Nachrichten noch nicht oorliegen, nimmt man an, daß der Versuch mißlungen ist und die Kletterer wieder zu einem tieferen Lager herabgestiegen sind, wahrscheinlich in den Schutz der großen Eismauer auf dem Nordsattel, der in etwa 7000 Meter Höhe liegt. Ein neuer Versuch könnte wahrscheinlich erst in einigen Tagen gemacht werden. Am Donnerstag sei das Wetter beim Mount Everest sehr schlecht gewesen. Bombenanschlag auf den Bahnhof von Tientsin. —
Zahlreiche Tote und verletzte.
Auf den Bahnhof von Tientsin ist ein Bombenanschlag verübt worden. Da der Bahnhof mit Soldaten und Flüchtlingen aus den Kampfgebieten überfüllt war, sind schwere Opfer an Menschenleben zu beklagen. Nach den bisher eingegangenen Meldungen spricht man von Hunderten von Toten und Verletzten. Das Bahnhofsgebäude hatte nach dem Anschlag Feuer gefangen; es wurde zum größten Teil vernichtet. Der Täter ist unerkannt entkommen.
60jähriges Bestehen des Rudolflädler SL.
Der Rudolstädter Senioren-Convent wird Pfingsten in Rudolstadt sein 60jähriges Bestehen in würdiger und feierlicher Form begehen. Die Tagung wird im Zeichen der Farben Schwarzweißrot und der Hakenkreuzfahne stehen. Wie immer bleibt auch diesmal der Hauptteil der Kongreß, dem ein feierlicher Feldgottesdienst am Heldenmai vorausgeht und eine Festsitzung im Landestheater folgen wird. Die innere Geschlossenheit des Verbandes wird zu Tage treten in der Art der Beschickung der Tagung durch die Corps; die Disziplin wird sich zeigen in den Wehrsportvorfuhrun- gen, die der Tagung eine besondere Note geben. Gesellschaftsabend und Wettspiele werden das gute Einvernehmen bekunden, das den Verband von jeher mit seiner Patenstadt verbunden hat. Der Kommers aber wird der Sammelpunkt sein, der die Alten Herren aus dem ganzen Reiche auf die Beine bringt und manches Wiedersehen nach langen Jahren ermöglichen wird.
Da geht draußen die Haustür. Schritte werden laut. Frau Anna springt auf — sie erkennt die Stimme der Schwester, in die sich, dunkel die eines Mannes mischt.
Eine Sekunde horchen die Schmiedsleute nach draußen, verschreckt sucht der Blick der Frau die Stubentür, die polternd sich auftut.
Jean, als Nikolaus, Rute und Sack in der Hand, tritt ein. Hinter ihm Hanne, die der Schwester verstohlen ein Zeichen gibt. Wie der Blitz ist der kleine Christian herunter vom Schaukelpferd und am schützenden Rock der Mutter.
Aber Frau Anna geht auf den Scherz ein, obwohl sie noch gar nicht weiß, wer die Rolle des Nikolaus so gut spielt.
Jean läßt das Kind hübsch artig sein Gebet sprechen, und dann darf es in den großen Sack fassen. Da kommen Nüsse, Naschwerk und buntscheckige Aepfel zum Vorschein, daß den Schmiedsleuten die Augen überaehen. Für jeden hat der Nikolaus etwas. Auch Vater Jochen bekommt seinen Teil: Ost- indischen Kanaster und eine Buddel echten Danziger Lachs.
Und so schnell wie der Nikolaus gekommen, so schnell ist er auch wieder verschwunden. Aber er hat frohe Herzen und strahlende Gesichter zurückgelassen.
Als nun der Schmied fragt, wer denn dieser wahrhaftigste Nikolaus, den er je sein Lebtag gesehen, gewesen sei — gibt ihm Hanne lachend zur Antwort: „Nicht so neugierig fein, lieber Schwager!"
Kurzerhand entkorkt Jochen die Buddel und nimmt einen Danziger, innerlich, zur Kenntnis. Der ruft alle müden Lebensgeister wach. Und zur Vorsicht, daß sie nicht wieder sogleich entschlafen am Heiligen Abend, schickt der Schmied noch zwei Danziger die Kehle hinunter, und hält die neugeborene gute Laune mit einer schön gefüllten Pfeife ost- indischen Kanasters unter Dampf.
Inzwischen aber haben die Frauen zu dem Mitgebrachten einen duftenden Kaffee bereitet und bald prangt auf dem alten, nüchternen Studentisch, überstrahlt vom leuchtenden Grün der Tanne, eine echte deutsche Weihnachtstafel.
„Wie im Frieden ...!" muß Jochen sagen. Aber als er weitersprechen will, verschlägt ihm ein polternder Gang draußen auf dem Flur die Rede.
Ehe er noch von feinem Sitze hoch ist, steht bef Förster Brinkmann in der Stube. Sein beschneiter Pelz trägt eine Flut Kälte herein.
Mit eigentümlichem Blick sieht der Förster auf die Tafel, als wolle er sagen: „Fein lebt ihr yier!" Aber er schweigt.
Die Leute im Dorfe sagen, man könne die Sätze zählen, die der Alte gesprochen hat, seitdem man ihm die Nachricht brachte, daß fein Sohn bei den Schill- schen gefallen ist. War damals in Stralsund, als Wilhelm von Löbau und Joachim Döllnitz Schulter an Schulter mit Brinkmanns Sohn für Preußens Freiheit fochten.
(Fortsetzung folgt.)


