Ausgabe 
19.10.1933 Erstes Blatt
 
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Nr.2^Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, (9. Oktober (933

Henry Iord geht seinen eigenen Weg.

Die Durchbrechung des amerikanischen Auto-Eode.

Von unserem H.W v. D.-Äenchterstatter

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Neuyork, Anfang Oktober 1933.

Henry Ford hat mal wieder die Lacher auf seiner Seite! Monateland haben sich die amerika­nischen Autofabrikanten in Washington die Zähne an dem Entwurf desCodes" für die Auto- I n d u ft r i e abgekaut, der gemäß Roosevelts Order gleiche Fabrikations - und Arbeitsbe­dingungen für die gesamte Automobil-Industrie schaffen und durch niedrigere Arbeitszeit und we­nigstens glcichbleibende Löhne größeren Umsatz für die Arbeitgeber und erhöhte Arbeits- und Ver- dienstmüglichkeiten für die Arbeitnehmer schaffen soll. Wochenlang gab es viele Konferenzen und viel Gefeilsche zwischen den Gewerkschaften, den Fabri­kanten, demIndustrie-General" Johnson und an­deren Beamten der NRA. (National Recovery Administration), bis glücklich der Entwurf des Codes fertiggeftellt war und durch Roosevelts Un­terschrift Gesetzeskraft erlangte. Und wochenlang hat es gedauert, bis man sich endgültig darüber klar wurde, daß sich der größte Auto-In - d u ft r i e l l e , Henry Ford, absichtlich nicht an den Verhandlungen beteiligte. Henry Ford war nämlich währenddessen aufSommer­urlaub" in seinem Sommer-Camp" in der Nähe Detroits, kümmerte sich nicht um die NRA. und vertrieb sich die Zeit in seiner Tischlerwerkstatt mit dem Bau eines kleinen Windmotors Während die NRA., die liebe Konkurrenz und die Zeitungs­reporter Himmel und Hölle und Bewegung setzten, um den Autokönig zu einer Stellungnahme und zur Unterschrift des Auto-Codes zu bewegen, bastelte dieser ruhig an seinem kleinen Windmotor weiter und erklärte, daß er keine zwingende Veranlassung sähe, sich zu äußern. Den Auto-Code unterschrieb er nicht.

gleichschaltete und für die somit geschaffenen neuen Arbeitsstellen 5000 Kriegsteilnehmer einstellte.

Diese Geste zog gewaltig. Aber Johnson ließ nicht locker. Er wollte Ford wirtschaftlich zur Unter- schrift zwingen und veranlaßte verschiedene einzel- staatliche Behörden zum Erlaß einer Verordnung, daß staatliche Betriebe ihren Bedarf nur bei solchen Produzenten decken dürften, die durch Unterschrift des Codes ihres betreffenden Industriezweiges die Berechtigung zur Führung desBlauen -Adlerzeichens" erwirkt hatten. Das war gegen Ford gerichtet. Aber als diese Amtsstellen die nächsten Ausschreibungen für Kraftwagen erließen und Fords Angebot unter Hinweis auf die neue Verfügung ablchnten, wies dieser ihnen juristisch unanfechtbar nach, daß sie sich auf Grund des Strafgesetzes, dem der Begriff desBlauen Adlers" unbekannt ist, bei q u a l i - ativ gleichem Angebot für die billig- st e Offerte zu entscheiden hätten. Zu ihrem Leid­wesen mußten sie F o r d w a g e n kaufen. Um aber einen möglichen Boykott der Amtsstellen durch um so größere Gunst beim Publikum aufzuwiegen, ließ Ford gleichzeitig durchblicken, daß er mit dem Gedanken spiele, seinen Wagen während eines be­stimmten Zeitraumes (genannt wurde zunächst ein Jahr) zum Selbstkostenpreis zu verkaufen, eine Andeutung, deren bloße Erwähnung seine Kon­kurrenten erschaudern ließ.

AberIndustrie-General" Johnson gab sich noch immer nicht geschlagen. Als nämlich die Fordwerke in Chester (Pennsylvania) und Edgewater (New- Jersey) eine nur viertägige Arbeitswoche mit einem höheren Wochenlohn als dem von der NRA. für die fünftägige vorgeschriebenen einführte, gelang es ihm auf dem Umwege über einige Gewerkschafts­

führer, diese 8000 Fordarbeiter zu einem Streik gegen die viertägige Arbeitswoche zu veranlassen, um hierdurch die Herstellung von Fordteilen zu un­terbinden. Aber auch in dieser Rechnung Johnsons schien etwas nicht zu stimmen, denn Henry Ford erklärte, daß er reichlich Einzelteile auf Lager hätte,und ließ kurzerhand beide Werke bis auf weiteres schließen, weil der Auto-Code hier­gegen keine Bestimmungen enthält. Nachdem hier­durch Henry Ford der NRA. die Fürsorge für diese 8000 Mann zugeschoben hatte, mußte sich derIn­dustrie-General" nolens volens persönlich bemühen, die streikenden Arbeiter wieder zur Aufnahme ihrer A r be i t für seinen Widersacher zu be­wegen.

So steht der Kampf der NRA. gegen Henry Ford heute. Niemand kann Voraussagen, ob und wie er enden wird. Henry Ford hat aber mal wieder alle Trümpfe in seiner Hand: Der Name seines Pro­duktes ist in aller Mund, die Sympathien der Massen sind auf seiner Seite und schließlich hat er ja noch immer den Ausweg, einen drohenden Zwi­schenfall durch Unterschrift des Auto-Codes im rech­ten Augenblick zu vermeiden. Die größte Ironie aber ist, daß Henry Ford von dem NRA.-Comite in Dearborn bei dessen Bildung zum Ehren­vorsitzenden ernannt wurde und auch heu­tigen Tages noch ist, da sich die Komitee-Mitglieder bei einer kürzlichen Abstimmung nicht darüber eini­gen konnten, ob man dem Industrie-Gewaltigen seinen Rücktritt nahelegen sollte oder nicht. Ob Henry Ford gegen den Auto-Code Stellung nimmt, weil er durch ihn gezwungen wäre, seine Geschäftsbücher der amerikanischen Handelskammer für die Auto- Industrie zugänglich zu machen, ist problematisch, da er sie bereits früher bei verschiedenen Gelegen­heiten dem amerikanischen Schatzamt vorlegen mußte. Volkswirtschaftlich genommen hat aber der Wettstreit eine viel bedeutungsvollere Bewandtnis: Es ist der Verzweiflungskampf des letzten großen Vorkämpfers für industriellen Individualismus gegen die gleichschaltende Nationalisierung einer neuen Zeit.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Industrie-General" Johnson war zunächst perplex, dann verärgert und schließlich böse darüber, daß Henry Ford es wagte, wider Roosevelts NRA.= Stachel zu löcken und die Qualität des alleinselig­machendenBlauen Adlers" anzuzweifeln.In­dustrie-General" Johnson von der NRA war, wie gesagt, sehr böse und hätte ohne Präsident Roose­velts mildernden Einfluß sicherlich stärkere Maß­nahmen gegen Henry Fords passiven Widerstand ergriffen. Aber solche Maßnahmen ließen sich nur ergreifen, w-mn dieser die für die Automobil-In­dustrie im Auto-Code festgelegten Bestimmungen verletzte, und da war guter Rat teuer, denn die nach Deaborn (bei Detroit) entsandten NRA.= Schergen konnten nur berichten, daß Henry Ford für seine dortigen 45 000 Arbeiter b e r e i ts seit Jahr und Tag Arbeitszeit und Löhne eingeführt hatte, welche diejenigen von der NRA. vorgeschriebenen um ein Beträchtliches übertrafen. Wie zum Hohn auf die NRA. führten die Fordwerke in jenen Tagen eine neue, teilweise um zwanzig Prozent verbes­serte Lohnskala ein, und das Publikum applaudierte.

Da der Auto-Code keine Zwangsmaßnahmen gegen solche Unternehmer vorsieht, die zwar seine Bedingungen einhalten, dagegen die Formalität der Unterschrift ablehnen, nahm der Wettstreit NRA. contra Henry Ford schließlich den Charakter einer reinen Prestige-Frage an, den das Publi­kum mit größtem Interesse und sportlichem Ver­gnügen verfolgt Da rechtlich nichts zu machen war, versuchte Johnson mit Hilfe des amtlichen Appara­tes denDruck der öffentlichen Meinung" spielen zu lassen. Aber damit kam er nicht weit Denn er­stens hatte Henry Ford den Beweis erbracht, daß er seine Leute erheblich besser entlohnte, als es die NRA. vorschrieb, und zweitens ging er zur Gegen­offensive über, indem er diefenigen seiner Betriebe, die noch mehr als die vom Auto-Code vorasschnebe- nen 35 Stunden arbeiteten, auf diese Arbeitszeit

Hanöwerk Lobenswert

Wer einmal darüber nachdenkt, was das Hand­werk für den Menschen bedeutet, der es ausübt, was es von ihm fordert und welchen Lohn es ihm schenkt, der wird finden, daß dies alles schon in dem Wort Handwerk liegt. Gleich einer Schale umschließen die Worte Hand und Werk das Dasein eines Menschen, der sich einem Handwerk gewidmet hat.

Damit das Werk werde, müssen die Hände sich regen, fleißig, unermüdlich! Richt gleich find sie ge­schickt genug, den Stofs zu formen. Lange Jahre der Hebung gehören dazu. Man sieht den Händen die Arbeit an. Oft find sie schwielig und zerfurcht, der Stoff hat ihnen feine Merkmale aufgedrückt. Hände find es, aus denen die Arbeit eines ganzen Lebens spricht mit feinen Mühen und Sorgen, feinem Kampf um das Werk. Hände sind es, die am Lebensabend nur noch das Werk streicheln können, das ihre Kraft verbraucht und verzehrt hat.

Die Hände formen den Stoff. Gleich ist es, ob sie sich an Metall, Holz oder irgend einem anderen Material versuchen, denn ein Werk kann nur ent­stehen, wenn der Mensch dem Stoff seine Seele ein- haucht. Der Mensch ringt mit dem Stoff, ihm will er seinen Willen aufzwingen. Die Hände werden zu Mittlern der Seele, des Charakters. Der Mensch gibt dem Werk erst einen Sinn, er legt seine Liebe und Freude, einen Teil seines Selbst hinein. Wie die Hände, so meistert auch der Mensch nicht gleich den Stoff. Manch einer kann arbeiten, aber noch nicht gestalten. Erst der Mensch, der einen gefestigten Cha­rakter hat, einen geschlossenen Willen besitzt, kann schöpferisch tätig sein und den Sieg über den Stoff erringen. Darum spricht auch jeder von einem Werk mit Achtung-, weiß er doch, daß es etwas Wert­volles ist.

In der Werkvollendung liegt zugleich die Freude. Sie ist Lohn für das Geschaffene und Antrieb zu weiterer Vervollkommnung, zu neuem schöpferischen Tun. So wird sie zum Segen, denn sie läßt den Menschen nicht stillstehen, ihn vor dem Stoff zurück- schrecken oder ihn gar unterliegen.

Scheint es nicht, als ob uns beim Wort Hand­werk der Ablauf des ganzen Lebens entgegentritt? In der Kindheit ist der Staff noch stärker, als der Mensch. Je älter und reifer der Mensch wird, desto mehr wachsen die Kräfte. Schon meistern die Hände den Stoff, noch ringt aber mit ihm der gestalten- wollende Mensch. Dann winkt der erste Sieg: der Mensch macht sich den Stoff untertan, zwingt ihm seinen Willen auf. Und weiter geht es van Auf­gabe zu Aufgabe, zu neuem Ringen und Gestalten, bis am Lebensende die Kräfte versagen. Wahl fühlt der Mensch eine leise Wehmut, wenn die Zeit des Kampfes vorbei ist, aber er fühlt auch die Freude und den Segen aus feinen Werken strömen. Er sieht sich selbst in ihnen, denen er sein Bestes gab. Und im Werke lebt er weiter, auch wenn er nicht mehr ist.

So wird der Handwerksmeister zu einem Träger der Kultur feines Volkes, einer Kultur, die in ihren edlen Werken Zeugnis ablegt für das Streben und Können vergangener Zeiten, aber gleichzeitig die Gegenwart anspornt, in rastlosem Schaffen und Ringen aufwärts zu streben zu den Höhen der Menschheit. H. O.

ASDAp.

Die Kreisleitung weist alle Ortsgruppen des Kreises Gießen darauf hin, daß soweit noch nicht geschehen die Meldungen von der Straßensamm- lung am 10. Oktober und von den Listensammlun­gen für das Eintopfgericht bis spätestens Freitag, 20. Oktober, erfolgen müssen. Die nicht verkauften

Gießener Gtadtthectter

Schwenzen-Malina:

Am Himmel Europas."

Dieses Schauspiel ist im richtigen Augenblick ge­schrieben worden: was hier dargestellt wird, ist von bezwingender Gegenwärtigkeit und brennender Ak­tualität in einer Zeit, da wieder einmal die Augen der ganzen Welt auf Deutschland gerichtet sind. Es rührt an-Probleme, von deren Lösung unsere Zukunft und die Zukunft Europas abhängen kann. Und wenn das von einem Schauplatz aus geschieht, der für solche Diskussionen zunächst etwas unge­wöhnlich erscheint, so erweist sich im Lause des Abends, daß es nicht fo sehr auf einen vielleicht ein wenig abgelegenen Punkt unserer Landkarte an­kommt, sondern darauf, wo der Herzschlag der Ra­tion am lebendigsten zu spüren ist: wo nämlich die Jugend, die kommende Generation gläubig und tätig für die Zukunft des Volkes sich einfetzt.

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Wir befinden uns in einem Segelfliegerlager an der Ostsee. Wir werden von jemandem, der dabei war, mitten hineingeführt in den Betrieb und lernen das Leben und Treiben, das Tun und Denken dieser jungen Leute und auch der älteren, die dabei sind aus nächster Nähe kennen: ihre unbeschwerte Fröhlichkeit, ihre unbedingte Kameradschaftlichkeit, ihre Werkgemeinschaft, ihre Freude an der Erobe­rung und Beherrschung der Lust: und aus der Ge­meinschaft heben sich auch bald die Einzelschicksale heraus, die heiteren und die ernsthaften. Da ent- spinnt sich eine kleine, zarte Liebesgeschichte. Und da enthüllt sich ein Stück bitteren Alltags, wie er heute in Deutschland von Tausenden und aber Tausenden durchlebt und erlitten ib überwunden wird.

Zwar ist dies alles nur eine Milieuschilderung, eine sehr treffende und lebendige ohne Zweifel: auch ist das Stück in allen vier Akten nicht eigentlich im tiefsten Wesensgrunde dramatisch, sondern eher ein Schauspiel der Stimmungen und der Diskussionen: aber diese Diskussionen das ist entscheidend für den Betrachter und Zuhörer kreisen um Dinge, die uns gerade heute bewegen und innerlich an- gehen müssen, uns, die wir soeben aus dem Völker- bunde ausgetreten sind und die große Friedens­rede des Kanzlers an die Welt mitangehörk haben. Es findet nämlich in dieser Fliegerschule am Rande des Reiches eine Begegnung zwischen den Sager«

bewohnern und fremden Besuchern statt, zwischen Deutschen und Franzosen. Es ist da eine Studien­kommission französischer Journalisten auf der Rund­reise durch Deutschland begriffen und kommt auch zu einem kleinen Abstecher zu den Segelfliegern in den Ostseedünen. Ach, der Besuch ist kurz und flüchtig, die Herren haben keine Zeit und sie sind überhaupt keine Zierde ihres Berufes, sie verstehen nicht ein­mal deutsch, und was sie in ihrem Blatt berichten werden, wird ein falsHes und schiefes und oberfläch­liches Bild des Landes.ergeben, das sie bereifen.

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Es ist aber noch einer zu Besuch gekommen, ein junger Außenseiter mit offenem Blick und herz­hafter Aufnahmebereitschaft, der auf eigene Faust auszog von Paris, das rätselhafte Land jenseits der französischen Ostgrenze zu entdecken. Der sieht mehr und erlebt etwas ganz anderes als die be­jahrten und eiligen und offiziellen Kollegen: er ent­deckt das Deutschland von heute, wie es wirklich ist; er entdeckt und erlebt es so impulsiv und so gegenwärtig wie eine erste Liebe, und er stellt sich in ehrlicher Begeisterung zu kameradschaftlicher Mitarbeit unter die jungen Deutschen

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Am schönsten wird das, worauf es Schwenzen- Malina in seinem Schauspiel antam, im zweiten Akt formuliert, in einer Unterhaltung zwischen diesem jungen Franzosen und einer deutschen Segelflieger-Studentin. Beide gehören der gleichen Generation an, beide haben ihre Väter an den Fronten des großen Krieges verloren, beide find tüchtige, gültige und überzeugte Repräsentanten ihres Lanoes und Volkes. Und beide erkennen in einem einfachen, manchmal ganz heiteren Gespräch den tieferen Sinn ihrer vielleicht zufälligen Be­gegnung ... Ziel und Aufgabe einer nahen ober ferneren Zukunft, das zu schaffen, was den Aelte- ren nicht gelang und den Kommissionen und Kon­ferenzen nicht gelingen konnte: Verständigung von Jugend zu Jugend auf nationaler Grundlage,und jede Jugend unter dem Signum ihrer nationalen Ehre".

So ist dieses Schauspiel nicht nur ein gegen­wärtiges Stück, ein Zeit-Stück im eigentlichen Sinn, sondern auch ein jugendliches, ein zuversichtliches und nach vorwärts weisendes Stück. Das sind die Elemente, die in der gepflegten und frischen Auf­führung unter der Spielleitung von Anton Neu­haus mit Nachdruck betont wurden. Die Regie hat sich in die Atmosphäre und die geistige Haltung

des Werkes inftinktsicher eingefühlt: sie fand ihren Höhepunkt in der verdichteten Stimmung und inneren Spannung jener grundlegenden Gespräche des zweiten Aktes. Die Bühnenbilder der Herren Löffler und Keim gaben in ihrer hellen Farbigkeit, Weiträumigkeit und gestuften Beleuch­tung eine glücklich empfundene Illusion vom Schau­platz.

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Die Ensemble-Besetzung verriet ein gutes Ge­fühl für die hier notwendige Verteilung der Kräfte. Den Leiter der Schule, denKäpten", gab Herr Hub sympathisch und überzeugend als einen rich­tigen Segelfliegervater, ruhig, energisch, zielbewußt, mit offenem Blick und offenem Herzen für seine Sache und die ihm anvertraute Jugend.

Eine ausgezeichnete Leistung sah man von Herrn Marcks, der den jungen Vidal spielte: mit der anmutigen Leichtigkeit, der Heiterkeit und dem be­weglichen Temperament, aber auch mit der Klar­heit und zukunftsgläubigen Jugendlichkeit, die feine Rolle verlangt.

Herr Löser stellte mit sicherem Gefühl den voll­kommenen Gegentypus auf der deutschen Seite dar: ernst, ein wenig schwerfällig und manchmal gehemmt im Gefühl und aus früher Erfahrung, aber zuverlässig, begabt und zu außergewöhnlicher Leistung befähigt.

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Sehr fein zeichnete Herr Kühne den alten Studienrat mit dem jugendlichen Herzen, in seiner illusionssemen, oft sarkastischen Humorigkeit, aber auch mit überlegener und manchmal nachdenklicher Lebenserfahrung. Fräulein Wielander als junge Flugschülerin fand sich aus anfänglicher Ver­haltenheit schnell in die wache Bereitschaft des ge­meinsam klärenden Gesprächs und später in die heitere Gelöstheit eines starken und in sich ruhenden Gefühls. Mit liebenswürdiger Unbekümmertheit sprach Frau Koch die treffsicheren und anzüglichen Randbemerkungen der studienhalber im Flieger­lager weilenden Gewerbelehrerin Minna Heckler. Einen fröhlich lärmenden Chorus junger Flugschüler stellten Förderer, Michel, Tank, Nieren und Schorn, während die Herren L ü p k e, Volck, Geiger und F e u ß e r ein amüsant ab- geftuftes Quartett französischer Journalisten zum Besten gaben.

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Der Beifall war herzlich und ausdauernd: mit den Darstellern erschien zuletzt auch der Spielleiter an der Rampe. hth.

Festabzeichen sind bis zu diesem Termin zurück­zugeben. Der Beitrag zur Hilfskasse für den Monat November muß bis spätestens 18. bei Pg. Pape bezahlt fein.

In der Ortsgruppe Gießen-Nvrd finden am kom­menden Sonntag im Gewerkschafthhaus folgende Amtswaltersitzungen statt: 14 Uhr alle Amts- und Stabsroalter der Ortsgruppe, um 15.30 Uhr alle Amtswalter der NS.-Volkswohlfahrt.

Die Führerin des BDM. Gießen-Stadt, Frau Elfriede Fischer, bittet alle Führerinnen, auch die der Jungmädels, zu einer Besprechung am mor­gigen Freitag, 18.20 Uhr, zu sich. Evtl, kann eine Vertreterin geschickt werden.

Für die Ausführung des FilmsHitlerjunge Quex" im Lichtspielhaus Gießen find Karten im Vorverkauf bei den Amtswaltern der NSDAP, zu haben.

Der neue Pfarrer der petrusgemeinde.

Durch einstimmigen Beschluß des Kirchenvvrstan- des unserer Petrusgemeinde wurde Pfarrer Otto Trapp von Ulrichstein dem Landeskirchenamt als Pfarrer der Petrusgemeinde in Gie­ßen und Nachfolger des verstorbenen Seelsorgers Lic. Waas kürzlich in Vorschlag gebracht. Die amtliche Ernennung des neuen Pfarrers durch die Kirchenbehörde steht unmittelbar bevor. Pfarrer Trapp wird morgen feinen Wohnsitz nach Gießen verlegen und am kommenden Samstag gelegentlich des Evangelischen Abends in der Stadtkirche bereits in das Amt des Führers des Zweigvereins Gießen des Evangelischen Bundes eingeführt werden. Pfar­rer Trapp, der einer bekannten Gießener Familie entstammt, hat in den letzten sechs Jahren in gro­ßem Segen in Ulrichstein gewirkt.

Ein neues Stück alter Gießener Baukunst.

Ein günstiger Zufall fügt es, daß gerade in der Reichshandwerker-Woche ein Zeugnis alter Zimmer- mannsfunft wieder sichtbar geworden ist, das wahr­scheinlich seit mehr als einem Jahrhundert unter Putz verdeckt lag. Durch Zusammenarbeiten der Bürgermeisterei mit dem Hausbesitzer (R. Lange) ist es gelungen, das Gebäude Sonnen st ratze N r, 5, das im Putz neu hergestellt werden sollte, ganz von diesem zu befreien und das schöne alte Fachwerk wieder zutage treten zu lassen. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter dem Landgrafen Ludwig V. der botanische Garten, der bis an den Neuenweg reichte, zur teilweisen Bebauung frei- gegeben wurde, erfolgte die Verlängerung der jetzi­gen Schulstraße alsNeue Säue". Im Jahre 1612 war diese Durchlegung beendet, und die an der neuen Straße errichteten Häuser entstammen alle der Zeit um 1620. Sie haben auch sämtlich die gleiche Formengebung. Deshalb kann auch das neue, jetzt wieder im alten Kleid dastehende Haus in der Sonnenftrafje auf ein 300jähriges Bestehen zurückblicken. Es wird mit feinem kräftigen Fach­werk und den reichen Tauwerksprofilen zwischen den Balkenköpfen ein schönes Zeugnis alter Bau­kunst sein und gleichzeitig ein wertvolles Ergän­zungsstück für das alte Straßenbild ,Hn der Sonne" bilden.

KartenausgabeDeutsche Bühne".

Man schreibt uns: Am Donnerstag, 26. Oktober, findet für die Donnerstag-Abonnenten derDeut­schen Bühne" (blaue Mitgliedskarten, ungrade Nummern) die für den Monat Oktober zweite Abonnements-Vorstellung statt mit einer Auffüh­rung des Lustspiels:Die Freundin eines großen Mannes", ein heiteres Spiel um eine Bühne, von Möller und Lorenz. Das reizende Lustspiel, das an den meisten Bühnen des deutschen Theaters leb­haftesten Anklang gefunden hat, wurde auch bei den bisherigen Aufführungen im Abonnement des Gießener Theaters mit herzlichstem Beifall ausge­nommen.

K a r t e n a u s g a b e für die Mitglieder des Donnerstag-Abonnements nur Samstag, 21. Ok­tober, von 16 bis 19 Uhr an der Theaterkasse, Johannesstraße. Als Ausweis sind die Mitglieds­karten mitzubringen. Nicht abgeholte Karten wer-

Zeitschriften.

DieI 11 u st r i r t e Zeitung" (Verlag I. I Weber, Leipzig) widmet in ihrem neuesten Heft dem Dichter Gustav Frenssen zum 70. Geburtstage einen reich illustrierten Beitrag, der sein Schaffen behandelt und zugleich einen Einblick gibt in das Land Dithmarschen, in dem Frenssen wurzelt. Außerdem enthält diese Nummer einen schönen Bild­artikel über den Baumeister und Plastiker Andreas Schlüter, den großen Schöpfer des norddeutschen Barocks. Ein Aufruf zum Winterhilfswerk von Hans Friedrich Blunck appelliert an die Hilfsbereit­schaft des deutschen Volkes. Zahlreiche Kunftber­lagen, unterhaltende Beiträge, Modeberichte u. a. m. runden den Inhalt des Heftes ab.

Ood)fd>ulnod)rid)tetL

Der Rektor der Universität Heidelberg, Pro­fessor Dr. Wilhelm Groh, wurde zum ordentlichen Professor für Arbeitsrecht, Prozeßrecht und deut­sches bürgerliches Recht ernannt. Professor Groh ist am 13. August 1890 in Darmstadt geboren, habili­tierte sich als Privatdozent 1922 an der Hessischen Landesunioersitcit Gießen und wurde hier zwei Jahre später zum Extraordinarius ernannt. Im Frühjahr 1927 folgte er einem Rufe nach Heidel­berg. Von feinen Arbeiten seien genannt:Erbfall und Verzug",Koalitionsrecht" undDeutsches 2lr« deitsrecht".

In Berlin ist im Alter von 72 Jahren der bc« kannte Frauenarzt und Professor an der Universi- tät Dr. Alfred D ü h r s s e n an den Folgen eines schweren Nervenleidens gestorben. Dührssen, der seit 1888 an der Berliner Universität lehrte, hat in der chirurgischen Gynäkologie eine Anzahl grund­legend neuer Operationsmethoden angegeben und im Laufe der Jahre zahlreichen Müttern und Kin­dern durch seine segensreiche Tätigkeit das Leben gerettet.

Landgerichtsrat Dr. Karl S i e g e r t, Privat- dozent für Strafrecht und Strafprozeßrecht an der Universität Münster, hat einen Ruf an die Uni­versität Göttingen als Nachfolger von Pro­fessor Richard Honig angenommen.

Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ist Professor Hugo Stei­ner- Prag vom Reichsstatthalter in Sachsen als Lehrer an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig entlassen worden.