OKTOBER
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E'n Sieb vom Glück.
Vornan von Anny von panhuys.
28 ifortjeRung Nachdruck verboten.'
„Wo ich länger bleiben muh als vier Wochen, ‘ fühle .ch mich nicht wohl", ertinrte er. ,^ch liebe Abwechslung und Veränderung sehr."
Olga nahm am Gespräch nicht teil — sie dachte nur traurig: 2a, es war so, Abwechslung und 23er» änderung liebte Ramon Dega über alles und übersah dabei, daß es ein Herz gab, das für ihn jedes Opfer fähig gewesen wäre.
Er wandte sich an sie. „Run werden Sie uns bald verlassen, baronessa, Ihre Freundin wird Sie na» natürlich sehr vermissen!" Er blieb stehen. „Gestatten Sie, meine Damen, daß ich mich jetzt verabschiede!"
Er reichte beiden die Hand und ging dann aus ein elegantes, ein wenig versteckt liegendes Weinlokal zu. Kaum war er in der lür verschwunden, wovon sich Olga durch eine Kopfwendung überzeugt hotte, say sie eine Dame auf das Lokal zusteuern.
„Entschuldige einen Augenblick", raunte sie Marlene zu, „ich muß die Dame da von nahe sehen."
Sie machte schon kehrt, und Marlene beobachtete mit Verwunderung, daß Olga aus das Restaurant zuging und einer sehr eleganten jungen Dome den Weg abschnitt.
Diese selbst war auch ein wenig erstaunt, als eine schmale Rotblonde sie am Weitergehen verhinderte, sie mit großen Augen zornig anfunkelte unb den Mund öffnete, als wolle sic erregt losschimpfen. Aber sie schwieg, wurde sehr blaß, murmelte etwas, was vielleicht Verzeihung! heißen konnte und lief einfach davon. Die elegante junge Dorne zuckte die Achseln und verschwand gleich darauf hinter der Drehtür des Restaurants.
Olga aber hatte nun Marlene erreicht, die auf sie gewartet hatte und vorwurfsvoll sagte: „Was wolltest du denn nur eben von der Dome? Kennst du sie benrt? Es sah von weitem fast so aus, als hättest du die Absicht, ihr Vorwürfe zu machen."
Olga nahm den Arm der Freundin, preßte ihn fest.
„Ich wollte das auch, und ich konnte nichts dafür, es kam so über mich." Sic zog sie in eine stillere Seitenstraße, stotterte: „Ich dachte, die Dame ginge vielleicht zu Ramon Vega: er hat doch sicher in dem Weinrestaurant ein Zusammentreffen. Ich — ich — ‘ Sie schluckte, schloß mühsam: „Ich habe aber nichts 3u der Dame gesagt. Ich riß mich zsammen." Sie stöhnte: „Ich bin ja verrückt."
Marlene war bestürzt. Daß Olga in den Argen, linier verliebt war, darüber war sie sich klar. Aber sic hatte nicht geglaubt, die Liebe säße besonders tief. (£s mar also die höchste Zeit für Olga, aus seiner Nähe zu kommen, denn ihre Liebe war aussichtslos. Es wäre schade um Olga, wenn sie sich noch tiefer
. verstrickte In das Netz der Liebe. S»e selbst wußte I ja, wie weh die Tränen taten, die man einer Unglück» I lichen Liebe nachweint. Sie wußte, w:e heiß Tränen brennen, die man in stiller Nacht in die Kissen weint.
Sie kauften später ein unb spazierten bann gemächlich den Steinbamm hinunter, wo sich auch das große Bariet6 befand, in dem „los quatro Argentinos“ auftraten.
Plötzlich stieß Olga die Feunbin an.
„Sieh boch, Marlene! Da drüben geht er ja mit ihr."
„Wer geht mit wem?" fragte Marlene, die mit den Augen auf der anderen Straßenseite herumsuchte.
O-'go erwiderte fast ungeduldig: „Ramon Sega mit der auf getafelten Person von vorhin!"
Jetzt begriff Marlene, und eben entdeckte auch sie das Paar. Ramon Vega schritt neben der Dame von vorhin her. Sie trug ein weißes Kleid mit Jäckchen aus schwarz und weiß getupfter Seide. Sehr schick sah bie Dame aus, wie aus einem eleganten Mobe- jcurnal herausgeschnitten. Das Wort „aufgetatelt" mußte man Olgas Zorn zugute halten.
Unglücklicherweise kam das Paar über den Fahrweg, und eine Minute später grüßte Ramon Sega Marlene unb Olga. Die Dame grüßte mit unb stutzte beim Anblick Olgas. Sie erkannte sie anscheinenb sofort wieder und sagte lebhaft etwas zu Ramon Sega.
Marlene stellte fest: bie Dame war sehr hübsch.
Olga war wie gelähmt. Ganz deutlich hatte sie bemerkt, baß bie Begleiterin Ramon Vegas ihn auf sie aufmerksam gemacht hatte.
Sie zog Marlene an ein Schaufenster.
„Wir wollen ein paar Minuten hier stehenbleiben, bis bas Paar einen orbentlichen Vorsprung hat." Sie weinte fast. „Nun hat ihm bie widerliche Person das von vorhin erzählt. Ach, ich bin froh, bald wegzukommen. Am liebsten reise ich schon morgen, damit ich ihn nicht mehr sähe."
Marlene erwiderte ernst: „Das solltest du wirklich tun. Ich glaube, es wäre für dich am besten."
Olga nickte: „Ich werde es tun, Marlene, es ist wirklich für mich das beste. In ein paar Tagen müßte ich ja boch weg."
Sie tupfte heimlich mit ber Spitze bes rechten Zeigefingers an den Augenwinkeln herum. Sie verspürte eine tolle Eifersucht auf bie Frembe in bem weißen ftleibe unb beneidete sie glühend.
Die Vergnügungsstätten der großen Hafenstadt wurden lebendig. Vor bem Varietö auf bem Stein- dämm fuhren bie Autos an, denen Herren unb Damen in elegantem Adenbanzug entfliegen. Es war Sommer, unb viele Durchrcifenbe waren unter ben Besuchern bes großen Varietes. Auf ben Anschlägen unb auf ben Programmen war die Nummer: „Los quatro Argentinos“ besonders fett gedruckt.
Die Baronesse befand sich in ber Garderobe Marlenes unb half ihr beim Ankleiden. Sie hatte das ,
von Anfang an sehr gern getan. Später ging sie dann manchmal in dcn Saal, wenn chr Marlene eine Eintr.ttskarte besorgt hatte: aber oft hörte sie auch van einer Kulisse aus ben Sorträgen „her vier Argentinier" zu.
Marlene ftanb vor bem großen, einfachen Spiegel ihrer Garderobe unb legte noch ein wenig von bem dunklen Puder auf, ben sie abenbs benützte, um etwas süblänbischer zu wirken. Sie trug schon das hellgraue Kostüm unb bie Reitstiefel aus glänzend» schwarzem Lackleder. Um den Hals trug sie ein weißes Tuch, in einen einfachen Knoten geschlungen.
Sie nahm die bereitliegenbe Gitarre, übte ein paar Griffe.
„Mit bem Spiel wirb es jeden Tag besser", meinte sie zufrieden. ,Zch zupfe schon kräftig die Begleitung mit."
Sie trug im braunen Wellenhaar über den Ohren zwei rote Nelken, dazu fingerlange, goldene Ohr» gelänge. Beides gab chr ein fremdländisches Aus» sehen
Sie blickte sich ernst und prüfend im Spiegel an, stellte fest: „So würde mich vielleicht nicht einmal mein Vater erkennen, wenn er nicht genau wüßte, wer in dem Kostüm steckt. Das heißt, er hat mich bisher ja auch noch nicht so gesehen."
Sie lächelte matt und dachte, Achim von Mallen konnte unten im Saal sitzen, unb es fiele ihm sicher nicht im entferntesten ein, sich mit ber Argentinierin in Zusammenhang zu bringen, bie neben Ramon Vega saß.
Wie aus weiter Ferne hörte man Marschmusik. „Die Eröffnungsnummer!" sagte Olga. „Wir haben also noch sehr lange Zeit bu bist heute viel zu früh fertig." Sie spielte mechanisch mit einer kleinen Schere. .Höre, Marlene, es bleibt also babei, ich reife morgen."
Es klopfte an unb eine wohlbekannte Stimme klang: „Darf ich eintreten?"
Olga zuckte zusammen, wollte Marlene verhindern, bie Frage zu bejahen: aber ehe sie bazu kam, hatte Marlene bereits geantwortet, unb gleich barauf trat Ramon Vega ein.
Er grüßte, blickte zu Olga hinüber.
„Baronesse verzeihen Sie — aber ich dachte mir, daß ich Sie hier finden würde! Ich soll Sie nämlich im Namen einer Dame fragen, bie Sie absichtlich anrempelten, was Sie eigentlich von ihr wollten?"
Olgas Gesicht hatte sich vor Derlegenhett bunfel- rot gefärbt; aber ber Ton war fast trotzig, in bem sie zurückgab: „Ich glaubte, in ber Dame eine unangenehme Person zu erkennen, ber ich etwas zu sagen hatte. Ich sah bann aber, ich hatte mich geirrt Bestellen Sie das, bitte, der Dame, und dazu meine Entschuldigung!" Sie erhob sich unb ging aur Tür. „Marlene, ich werbe jetzt in ben Saal gehen. Auf Wiebersehen nach deinem Auftreten."
Sie nickte bem Argentinier flüchtig zu unb verließ bie Garderobe.
Ohne sich um Marlene zu kümmern, folgte Ra
mon Bega sofort der Baronesse. Er Holle sie auch ein, faßte sie beinah schroff am Arm unb zog sie mit sich in einen Gang, ben nur spärliches Licht wenig erhellte. Mit beiben Hänben hielt er sie fest, neigt* sich und küßte sie. Wie Feuerbränbe, die er in ihr Blut warf, waren seine Küste, unb sie sah seine schwarzen Augen so nahe vor ihren Augen, baß sie verwirrt die Lider schließen mußte.
Sie taumelte, als er sie endlich losließ, aber als sie beseligt zu ihm aufschaucn wollte, raunte er ihr zu: „Eifersüchtige kleine Person, jetzt bist bu wohl zufrieben?"
Er lachte mll seinem Raubtiergebiß auf sie nieder unb oerschwanb, benn es kam jemand den Ganz entlang.
_ Olga aber, die ebenfalls die näherkommenden Schritte hörte, fief wie gejagt hinaus sie ftanb bann auf ber Straße mitten im abenblichen Leben ber Großstadt, das sie wie ein Strom mit sich riß. Ohne zu wissen, was sie tat, ging sie mit so vielen in einer Richtung, ließ sich treiben. Sie war vollständig ver- stört. Sie schämte sich zum Erbarmen. Ihr war, als müste ihr jeder Mensch ansehen, was chr geschehen war.
^Die Alster war plötzlich da, schimmerte, lockte: spring hinunter! Dann ist alles wieder gut! Es lauste unb brauste in Olgas Ohren, sie hörte unb fah nichts mehr, torkelte barauflos, gelockt von dem Wasser. Am Ufer wollte sie entlang gehen, bis sie irgendwo eine stille Stelle sand. Dort sollte es geschehen, was geschehen mußte
Und sie fand diese stille Stelle nach einer halben Stunde. Hier war der rechte Platz.
Eine Hand legte sich auf ihren Arm, und als sie verwirrt hochsah, blickte sie in bas Gesicht einer alten Frau — ein Gesicht, bem Güte unb Menschenliebe einen wundersam harmonischen Ausdruck gegeben hatten.
Olga fragte verwirrt: „Was wollen Sie von mir?9.
Wie eine Bettlerin sah die Frau nicht aus, das erkannte sie auf den ersten Blick.
Die Alte lächelte ernst: ,Hch wollte Sie von etwas zurückhalten, was kein Mensch tun sollte, am aller- wenigsten aber ein so schönes, junges Menschen» kind wie Sie! Warum wollen Sie sich das Leden nehmen?
Olga hatte große Tränen in den Augen unb erwiderte offen: „Der Mann, den ich liebe, hat mich abscheulich behandelt."
Die Alte nickte: „Es kommt oft vor, daß Tlänner liebende Frauen schlecht behandeln; aber umgekehrt gibt es das auch. Kommen Sie, Kind! Ich wohne nahe von hier. Und bei mir zu Hause erzählen Sie mir Ihr Leid."
Olga wußte nicht, warum sie so schnell nachgegeben: aber es lag etwas Beruhigendes in der Stimme der asten Frau. Wie Frieden unb Trost ging es von ihr aus.
(Fortsetzung folgt.)
* a Jl* a ___ Ä _ hattet den Samstagabend (2l.Ottober) frei für die Stabtkirche. Der Evangelische Lund labet hiermitzu einem
IvIlflllllPlllmi) BilflHiW ®ßoflnaeiuitjenKöenö
yjlllllll H 111 lieg /Ha Ml 91 BH Sf I BEßBlB 'MW 68 83 ■ 18 Außerdem wirken mit der Evangelische Kirchengesangverein (Dirigent Lehrer Linbenstruth), ^rl. IdaSlommler (Alt), W V H10 $1 vlll v Vm V W 8B 30 & m U>V LF «( W& LL U Ä/ 31 der Organist der Stabtkirche Herr Lehrer Simon. Der neue Führer des Zweigvereins Gießen vom Evangelischen
——--___________ w 2und Herr Pfarrer Trapp wird durch ben Äundesführer Herrn Pfarrer 3erd In sein Amt eingeführt Jeder (Joan-
gelische muß es als seine pflicht betrachten, teilzunehmen, vieles für ihn Wissenswertes werben bie JUbner vor- I bringen. - Eintritt ist frei, Programm 10 Pfennig. KirchenSffnung 19 sthr, Anfang 19.30 Uhr. Dauer 2 Stunden.
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Die Molkereigenossenschaft e. G. m. b. H. Hungen in Hungen beabsichtigt, auf ihrem Grundstück Niddaer Straße 2 in Hungen zum Betrieb ihrer Molkerei einen feststehenden Dampfkessel einzubauen.
Pläne und Beschreibung der Kesselanlage liegen 14 Tage lang, vom Erschei» nen dieser Bekanntmachung im Amtsver- fünbigungsblatt an gerechnet, auf der Bürgermeisterei Hungen zur Einsichtnahme für Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind bei Mcidung des Aus- fchlusfes binnen dieser Frist schriftlich ober zu Protokoll bei ber Bürgermeisterei Hun» gen vorzubringen. 6451C
ÄreiS Büdingen.
Die bem Kreisveterinäramt Büdingen obliegenben Amtsgefchäfte werben bis auf weiteres von ben Äreisoeterinärämtern Schotten unb Friedberg mitversehen. Der Dienst wird zwischen diesen Aemtern in ber Weise verteilt, daß die an der Bahn» linie Ober-Widbersheim — Nibba — Stockheim unb an der Bahnlinie Stockheim — Attenstabt — Höchst a. 0. N. unb alle östlich davon gelegenen Gemeinden in den Dienst- bereich des Kreisoeterinäramtes Schollen fallen, während alle wesllich dieser Linie lieyenden Orte von dem Kreisveterinäramt Friedberg in oeterinärpolizellicher Hinsicht
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