Ausgabe 
19.10.1933 Erstes Blatt
 
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hier Vermehrung der unfreundlichen Gefühle füh­ren könnte, da sie wünscht, daß Deutschland ,ede Gelegenheit gegeben werden sollte, d i e Bespre­chungen wieder aufzunehmen, wenn und sobald es dies wünscht. Aus diesem Grunde dürften vor dem Wiederzusammentritt der Ab­rüstungskonferenz voraussichtlich Besprechun­gen zwischen Großbritannien. Frankreich, Italien und den Bereinigten Staaten stattfinden. Dies ist selbstverständlich kein feindseliger Schachzug gegen Deutschland. Das Ziel würde (ein, ausfindig zu machen, ob es ein Mittel gibt, das Deutschland er­möglichen würde, an den weiteren Verhandlungen teilzunehmen. Soweit die britischen Minister in Frage kommen, wird nichts gesagt oder getan werden, was die Lage schwieriger machen könnte. Die englisch-deutschen Beziehungen machten zur Zeit eine kritische Phase durch, und alles, was eine Aufklärung von Unklarheiten und För­derung ehrlicher Zusammenarbeit verspreche, fonne in England nur ehrlich begrüßt werden. Niemand habe jemals die Aufrichtigkeit des Präsidenten Hin­denburg ober des Reichskanzlers Hitler angezwei- seit. Der Reichskanzler verlange nach seiner eigenen Erklärung aber absolute Gleichheit der . Rechtsstellung. Diplomatische und politische | Gleichheit seien, so meintTimes", bei seinem Ein­

tritt in den Völkerbund zugestanden worden. Derwickelter liege der Fall b c i b e r R u st ungs- gleichheit. Schon die Erörterung dieser Frage müsse unvermeidlich die Sieger und die B e - siegten des Krieges von einander trennen. Dies sei zweifellos der Grund für den dringenden Wunsch Hitlers, die Frage aus dem Wege zu räumen.

Auf Wunsch des Königs hat sich_Sir Iohn_Simon am Miliwochnachmittag nach Schloß Sand- rinaharn begeben, um dem König Bericht über die Lage der Abrüstungsoerhandlungen und die da­mit in Zusammenhang stehenden Ereignisse zu er­statten. Gerüchte, daß er dem König seinen Rück- tritt mitteilen werde, treffen schon aus technischen Gründen nicht zu, well ein Außenminister nicht dem König, sondern zunächst dem Ministerpräsidenten fein Rücktrittsgesuch zu übergeben hat. Auch sachlich entsprechen sie durchaus nicht der Lage. Angesichts der unzweifelhaft bestehenden außenpolitischen Krise und insbesondere im Hinblick auf die besonderen Umstände der gegenwärtigen Lage ist mehr denn je mit einer engen Zusammenarbeit des Kabinetts der nationalen Regierung zu rechnen. Sir John Simon genießt die volle Un­terstützung feiner Kollegen.

Oie parlamentarische Stellung des Kabinetts Oaladier.

Paris, 18. Okt. (TU.) Der Finanzausschuß der Kammer hat unmittelbar nach der Vertagung der Kammer mit der Beratung der Regierungsvorlagen begonnen. Finanzminister Bonnet wies darauf !iin, daß das Schatzamt in der Lage fei, allen An- orberungen bis zum Januar zu entsprechen. Trotz- em forderte er den beschleunigten Ausgleich des Haushalts, damit Frankreich für den Fall gewapp­net fei, daß England und Amerika ihre Währungen stabilisierten.

Die Parteien haben bisher nur zum Teil zu der Finanzvorlage der Regierung Stellung genommen. Sie Radikalsozialiften stehen selbstverständ­lich hinter Daladier. Die Rechte verhält sich zu­rückhaltend oder ablehnend. Die sozialistische Fraktion scheint sich mit einigen Vorbehalten auch hinter die Regierung stellen zu wollen. Den sozialistischen Abgeordneten wird eine Entscheidung nicht leicht gemacht, weil sofort nach Bekannlwerden der Einzelheiten der Finanzvorlage eine Abord­nung der Beamten-Gewerkschasten bei ihnen er­schien, die heftig gegen die Kürzung der Gehälter und Pensionen protestierte. In einer Entschließung hot die sozialistische Kammerfraktion sich bezeich- nenderkveise ganz eindeutig gegen jeden Ser- f u (6 einer Konzentration ober natio­nalen Union, also gegen jede Verlegung der Regierungsmehrheit nach rechts und für die Auf­rechterhaltung der gegenwärtigen Linksmehrheit ausgesprochen. Die sozialistische Kammergruppe strebt folgende Ziele an:

1. Wirtschaftliche und finanzielle Gesundung des Landes, ohne daß die Arbeiter die Rechnung be­zahlen und Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch eine Ankurbelung der Wirtschaft.

2. Eine Außenpolitik, die Beweis von der Kalt­blütigkeit der Ration ablege, und die Sicherheit Frankreichs mehr denn je auf der internationalen Solidarität der Organisierung des Friedens mit den anderen Völkern zusammen und auf dem Verbot der Aufrüstung Deutschlands begründe, wobei die fran­zösische Landesverteidigung nach den Grundsätzen or- ?amtiert werden solle, die Frankreich vor dem Döl- erbunb und in der Abrüstungskonferenz vertreten habe, und wobei ferner das Verbot der freien Herstellung von Kriegswaffen, den Waffenfabrikanten das Privileg ihrer Macht nehmen und die Gefahren Ihrer Manöver ausschalten sollen.

In parlamentarischen Kreisen wird diese Ent­schließung der Sozialisten als eine weitere Stärkung der Lage Daladiers bewertet, da aus ihr hervorgeht, daß die Sozialisten bereit sind, über den Ausgleich des Fehlbetrages mit sich reden zu lassen, weil sie ein Auseinanderfallen der Linksmehrheit vermeiden und gerade unter den heu­tigen Umständen keineRechtsmehrheitans Ruder kommen lassen wollen.

Oie Haltung« Italiens.

ttiornale d'Italia" zur neuen Lage »

Rom, 19.Okt. (WTB. Funkspruch.) Der Direk- tor bee(B i o r n a I e d ' Italia" erklärt in einem Artikel, Deutschlands Austritt aus der Abrüstungs- tonserenz habe eine Lage geschaffen, deren Grund­elemente sich klarten, für die man aber noch keine Klarheit hinsichtlich der Lösungsmöglichkeiten habe. Die gleichzeitigen Erklärungen des französischen Mi­nisterpräsidenten und des englischen Außenministers stellten sich den Erklärungen der italienischen Regie- Olenina xur Seite und seien mit ihr in dem Willen solidarisch, bis zur Grenze d e s Möglichen nicht von der Politik der Zusammen- ar beit abzugehen. Man müsse vor allem wissen, wie weit Deutschland über die allge­meinen Ausführungen seines Willens zum Frieden und zur Zusammenarbeit hinaus zu konkreten laten bereit fei. Die Zusammenarbeit schließe abfolute und dogmatische Einstellungen aus. Welche Politischen Elemente der Verständigung sei Deutsch­land für die Wiederaufnahme einer aktiven folibari- schnl Politik Europas zu bieten bereit? Man müsse wissen, wie weit die deutsche Regierung ihre Hand- hinge,reibeit und ihre verbindliche Anpassungsfähig­keit an die Einstellung der anderen Mächte gegen­über der leidenschaftlichen nationalen Bewegung wahren könne, die durch die neuen Wahlen hervor- perufen werde Die Lage bleibe also unbe- nimmt, wenn auch nicht beunruhigend Italien sei stets zur Aktion bereit, wenn die Vor- ausseyungen für ihren Erfolg geschaffen würden. Man müsse aber daran erinnern, daß Italien wie die anderen Großmächte von den deutschen Beschlüssen überrascht worden sei, die eine vollendete Tatsache ohne vorhergehende Ankündi­gung geschaffen hätten, eine Tatsache, die weder mit den schwebenden Verhandlungen noch mit der politischen Linie in Einklang stehe, die Italien bis­her eingehalten habe, um zu einer im Interesse aller Staaten einschließlich Deutschland gelegenen Ver­ständigung beizutragen. Da» Blatt greift bann ge­wisse Kombinationen auf, die auch In der englischen Presse erörtert werden, wenn es schreibt: Solange keine substanziellen Klärungen erfolgten, seien die Vermutungen ausländischer Blätter über die der- zeitige und zukünftige Haltung Italiens voreilig und wlllkürlich. Es fei ein A u g c n b l i <f b e r Erwartung und daher der Ungewißheit.

Zwecklügen.

Wie die französische Leffentlichkeit über Deutschlands tatsächliche NiistungSlage getäuscht wird.

Berlin, 18. Okt. (TU.) Zu welch gemeinen Mitteln manche ausländischen Blätter greifen, um gegen Deutschland Stimmung zu machen, beweist eine Veröffentlichung des ParsterM a t i n", der unter der HeberschristDas Deutsche Reich für Ver­tagung der Abrüstungskonferenz" die Fotografie eines dieDicke Bert a" darstellenden Ge­schützes zeigt und dazu schreibt, daß dieses Ge­schütz, das Paris beschossen habe, jetzt in Ber­lin ausgestellt sei, wo es von zahlreichen Menschen bewundert werde. Daß es sich bei diesem in der AusstellungDie Front" gezeigten Geschütz um eine Nachbildung aus Holz han­delt, die ein Tischler in seiner Freizeit verfertigte, verschweigt das Blatt ebenso geflissentlich wie die Tatsache, daß das größte Kaliber, über das Deutschland für eine beschränkte Anzahl von Ge- schützen nach dem Versailler Vertrag verfügt, 15 c m beträgt, während das Kaliber der militärisch längst veralteten dicken Berta bekanntlich 42 cm betrug. Das neue ft c französische Rle­sen g e s ch ü tz hat ein Kaliber von 52 cm. Sein Geschoß hat das sechsfache Gewicht der Granaten derdicken Berta , was der französische Leser ebcnfäUs nicht erfährt. Im übrigen hatte die Dicke Berta" nur eine Reichweite von 12 bis 14 km und hat Paris nie beschossen. Dagegen kann die neue Errungenschaft der französischen Artillerie mit Leichtigkeit von Calais nach Dover schießen.

Die Pariser Veröffentlichung ist alfö eine Föl- schung und bewußte Irreführung der französischen Oeffentlichkeit. Der Fall erinnert an die Flieger­bombenattrappen, die seinerzeit auf der Leipziger Messe gezeigt wurden, um Deutschlands Wehrlosigkeit zur Lust zu demonstrieren. Ein aus­ländisches Blatt behauptete daraufhin prompt, Fliegerbomben feien in Deutschland bereits im freien Handel zu haben. Alles das dient na­türlich nur dem Zwecke, die Augen der Welt von den gewaltigen Rüstungen Frankreichs abzulenken.

Benesch in Wien.

Tas italienische Donauraumprojekt.

Wien, 18. Okt. (TU.) Der tschechoslowakische Außenminister Dr. B e n e s ch traf am Mittwoch aus Genf in Wien ein. Zu seinem Empfang hatten sich auf dem Wcstbahnhof Bundeskanzler Dr. D o 11 f u ß und die Spitzen der österreichischen Behörden ein- gesunden. Vom Bahnhof fuhr Dr. Benesch in das Palais Lobkowitz, den Sitz der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Wien. Um 11 Uhr besuchte er den Bundeskanzler, mit dem eine längere Aussprache stattfand, die eine einheitliche Auffassung in allen behandelten Fragen ergeben haben soll, von denen die weitere ruhige Entwicklung der freundschaftlich- nachbarlichen Beziehungen zwischen allen mitteleuro« päischen Staaten abhängt. In erster Linie sind die handelspolitischen Angelegenheiten der bei­den Staaten behandelt worden. Die beiden Minister vereinbarten auf Grund der österreichischerseits be­reits übermittelten Wunschliste, die Verhandlungen über einen Zusatzvertrag zum Handelsvertrag sobald wie möglich aufzunehmen. Es wurde auch ein Meinngsaustausch über das i t a 11 e n 1 s ch e Memorandum gepflogen, wobei eine Reihe ooh Fragen geklärt wurde.

Die Handelsbilanz ist noch immer sehr ungünstig für Oesterreich, dessen Industrie unter der tschecho­slowakischen Konkurrenz sowohl auf dem eigenen als auch dritten Märkten zu leiden hat. Oesterreichs Wünsche gehen auf eine Erhöhung ber öfter- re 1 ch 1 schen Einfuhr nach der Tschechoslowakei aus: diese wäre vielleicht gegen österreichische Zoll- Nachlässe auf Wirkwaren und Schuhe,zu (Entgegen- kommen bereit. Dabei spielt in Prag natürlich der Wunsch mit, d i e derzeitige Spannung a ro ischen Berlin undWien zum eigenen Sorteil auszunutzen. Der Meinungsaus­tausch über das italienische Donau- memoranöum dürfte aber gezeigt haben, daß auch auf einer solchen, an sich fdjon unsicheren Grundlage ein wirklicher Interessenausgleich der beiden Nachfolgestaaten nicht möglich ist. Der Wider­stand, der von Prag gegen das großzügige Donau- Programm des italienilchen Ministerpräsidenten aus- ging und der auf der Furcht beruht, die Oesterreich zu gewährenden ItidustrieoorAugszölle könnten der tschechischen Ausfuhrindusttie sehr schaden, ist auch gestern zum Ausdruck gekommen.

Die Tagung des kleinen Ardeitskonvenks.

Dh- (1U ) 3m Anschluß an die Rede de» Führers tm Plenarsaal des Landtages tagte am Dienstagabend der Kleine Konvent der Deutschen Arbeitsfront unter Vor- (18 von Dr. Ley. Die Leitung der Propaganda für den 12. November wurde Pg. Seltner über­tragen. Es wurden organisatorische Fragen, be­sonder» der NS.-Hago und der GHG. besprochen.

Nach Pg. Arnold berichtete Pg. Selzner über einen großzügigen Siedlungsbauplan. Die Finan­zierung dieses Planes wird voraussichtlich (o durch- geführt werden können, daß am 1. Mai 19 34 100 000 Wohnungen für deutsche A r - beiter von der Deutschen Arbeitsfront bereit- gestellt sein werden. Pa. B i a 11 a s berichtete über Den Informationsdienst und die Fachpresse der Verbände. Dr. Ley sprach mit bewegten Dorten über die Treue und Anständigkeit der Gesinnung der Arbeiter, die ihm bei der Besichtigung der Be­triebe aller Orten entgegengetreten sei

Keine Preissteigerungen auf demIntandsmarki.

Ein Erlaß des Reichswirtschaftsministers.

Berlin, 18. Okt. (121.) 3m Hinblick auf den Erlaß des Reichsarbeitsministers vom Dienstag zur Lohnpolitik weist der Reichswirtschaftsminister dies­mal unter Wiederholung (einer bereit» früher an die wirtschaftlichen verbände gerichteten INahnung nun auch in der Ocffenllichkeit daraufhin, daß zur Zeit ebenso wie Lohnerhöhungen auch Preis­steigerungen ans dem 3nlandmarkt

unterbleiben wüsten. Preissteigerungen wür­den die Maßnahmen der Reichsregierung zur Av beit»bcschaffung und die mit ihr angcftrcbte Wirt- schaftsbclcbung gefährden. Selbst wenn die Preise für manche Erzeugnisse durch den Kampf um bei Absatz besonders stark gedrückt sein sollten, müsie erwartet werden, daß aucheinean f 1 d> berech­tigte Aufbesserung der Preise in der gegenwärtigen Zeit soweit zurückgestellt wird, als das ohneGefährdung de» betei­ligten Wirtschaftszweiges irgend möglich erscheint. Soweit ausländische Rohstoffe verarbeitet werden, deren Preise gestiegen sind, datt eine Preiserhöhung nur im richtigen ver 11niv zum Rohstosfanteil stehen. Aach ist cs nicht angängig, dann die handelsauf- schlüge gleichfalls anteilmäßig iu erhöhen. Ja einer Zeit außergewöhnlicher 2virtschast»oerhältniste muh erwartet werden, dah sich jeder mit einem Nutzen begnügt, der an der unteren Grenze ber Wirtschaftlichkeit liegt. Diese Richtlinien finö auch dort unbedingt zu beachten, wo sich die Unternehmer zu ITiarftrcgdangcn (Kartellen) zusammengeschlosten haben.

Oie Llniernehmeriniiiaiive derLungborn der Wirtschaft.

Berlin, 18. Okt. (WTB.) In der konstituieren­den Sitzung des von dem Präsidenten des Reichs­verbandes der Deutschen Industrie einberufenen Ausschusses für allgemeine Wirt- schafts- und Sozialpolitik schilderte Dr. Krupp non Bohlen und Halbach in kur- l.en Umrissen die organisatorische Entwicklung, die ich bei der Spihenorganisation der deutschen Jndu- trie in den letzten Monaten vollzogen hat. Er habe )aoon ausgehen müssen, daß die Verarmung unse­res Volkes nicht nur eine äußerste Verein- achung des Staatsapparates erfordere, andern auch die Beseitigung aller Heber- chnei düngen im Verbandswesen. In lebereinftimmung mit den Grundgesetzen des neuen Staates glaubte er fernerhin auch die Heber- nähme des F ü h r e r p r i n z i p s auf die Or- ganifation der Industrie einleiten zu sollen. Das Führerprinzip des Staates könne aber nicht schema- tisch auf die Wirtschaft übernommen werden. Er habe sich deshalb von vornherein das Führer­prinzip verbunden gedacht mit der Einrichtung beratender Ausschüsse. Seine endgültige Form könne der Reichsstand der Deutschen Indu­strie erst dann erhalten, wenn die Reichsregierung durch Aufstellung von Richtlinien die Grundlage für die letzte Formung gegeben haben werde. Der Wunsch müsse dahin gehen, das große Wirtschafts­gebiet der Industrie nicht irgendwie zum Experi- mentierfelö zu machen, sondern unter verant­wortlicher Leitung einer zentralen Stelle ber R e i ch s r e g i e r u n g zielsicher unter Vermeidung von Erschütterungen einer dauer­haften, gesunden und klaren, nicht auf Theorien, sondern auf den Gesetzen des Lebens beruhenden Organisation zu unterstellen.

Die größtmögliche Förderung de» kleineren und mittleren Unternehmertum» müsse schon deshalb Pflicht sein, weil die schöp­ferische Unternehmerinitiative nicht zur Erstar­rung kommen dürfe, sondern einen sich immer wieder erneuernden 3ungborn in einer möglichst

großen Zahl selbständig und unter eigener Ver­antwortung tätiger Unternehmer sinden müsse.

Er sei überzeugt und wisse es von allen industriel­len Unternehmern, die sich hinter ihn stellten, daß alle nicht nur sozial dächten, sondern ebenso auch sozial handelten. Das Unternehmertum der deut­schen Industrie fühle sich auf das engste verbunden mit den übrigen Berufsständen. Der Reichsstand der Deutschen Industrie bedürfe aber auch der tatkräftigen und freudigen Mitarbeit aller Kreise der Industrie.

Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt dankte Herrn v. vohttn und Halbach für die Hervor­hebung de» Gedanken», daß gerade der in der Industrie unter eigener Verantwortung selb- ständig tätige Unternehmer ein Ga­rant der Durchsetzung de» Willens des Führers sein müsse. Die wichtigste Kraftquelle für die Arbeit der Reichsregierung fei und bleibe die

Privatinitiative de» Einzelne^.

Als Voraussetzung für Erfolg und Wiederaufstieg bezeichnete der Minister gläubiges Vertrauen und dadurch berechtigten Optimismus und schließlich vorsichtiges, aber zielbewußles Fortschreiten auf dem als richtig erkannten, vom Führer gewiesenen Wege. Bei den Aufgaben auf organisatorischem Gebiet lege er auf die Mitarbeit des Reichsstande» der Industrie den größten Wert, um den Arbeits­willen und die Erfahrungen der Industrie dem hohen Ziele der Reichsregierung nutzbar zu machen. Reichsarbeitsminister Seldte unterstrich hielt Aeutzerungen im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ministerien. (Er kenne keinen Dualismus zwischen Reichswirtschaftsministeriu'r. und Reichsarbeitsminlfterium. Gemeinsam müsse versucht werden, das Problem der Arbcitsbeschcn- fung für alle Volksgenossen zu läsen, und zu diesem Zweck sei es notwendig, die Erfahrung Der alten bewährten Wirtschaftsführer mit den neuen Kräf­ten und neuen Ideen des jetzigen Staates im Sinne der Führung harmonisch zur gemeinsamen Leistung zusammenzubringen.

Die Ausgaben des Handwerks im Rahmen der deutschen Dolkswirtschast.

Die Fürsorge her Reichsregierung für Öen gewerblichen Mittelstand.

Berlin, 18. Okt. (TH.) Der Reichsstand des Deutschen Handwerks und die Berliner Handwerks­kammer hielten Qm Mittwochnachmittag im Beisein von Vertretern der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden und befreundeter Berufsoerbande eine stark besuchte staatspoljtische Handwerker - Kund­gebung ab, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Relchswirtschaftsminlsters Dr. Schmitt stand. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a. den Reichs­kommissar für den Mittelstand, Ministerialdirektor Wienbeck. Oberbürgermeister Dr. Sahm, Staats­kommissar Engel. Nach dem Einmarsch der Fah­nen und Banner der Handwerkerinnungen wurde die Kundgebung von dem Präsidenten der Berliner Handwerkskammer, Lohmann, eröffnet, der in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Hand- werkswoche hinwies.

Reichswirtschaftsminister Or. Schmitt

überbrachte die herzlichen Grüße des Reichskanzler» und der Reichsregierung und führte dann e. a. aus:

Heute, wo das deutsche Volk sein Letztes daran setzt, sich aus schwerer Krise zu erheben, ist es ein Gebot der Stunde, den Sinn für bas Hand­werk im ganzen Volke wieder wach zu rufen und lebendig zu gestalten. Trotz der Entbehrungen und Mühen in dieser Notzeit hat der Mittelstand und vor allem das Handwerk seine wirtschaft- liche Selbständigkeit und den Stolz darauf bewahrt. Ihm gilt die besondere Sorge des Führers und der Reichsregierung. Noch zählt man saft IVt Millionen Handwerksbetriebe, in denen nahezu 2>> Millionen Gesellen, Lehrlinge und sonstige Hilfskräfte beschäftigt werden. Mit den Familienangehörigen, die aerobe im Handwerk vielfach in den Betrieben Mitarbeiten, kommt man auf etwa 8 Millionen deutscher Men­schen, die auf Gedeih und Verderb mit der Handwerkswlrtschaft verbunden sind. Das sind beinahe 12 v. H. unserer gesamten Be- oölkerung, d. b. fast ebensoviel Menschen, wie die Bauernwirtschaft ernährt. Auch heute noch ist je- der zweite Handwerker Hausbesitzer, nennt also ein Stück deutschen Grundes und Bo­dens fein einen. Das Gesicht der Mittel- und Klein­stadt uno ich selbst stamme aus einer kleinen Stadt wird auch beute noch wesentlich durch den Handwerker bestimmt.

Die politische Einheit ist errungen. Die Klassen- und Interessengegensätze sind beseitigt, die mora- lischen und kulturellen Grundlagen des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens sind erneuert. Altt diese Fundament, gestützt, muß nunmehr der Kampf

gegen bie Arbeitslosigkeit durchgeführt werden. Der großzügige Arbeitsbeschaffungsplan der Reichsregie. rung kann jedoch nur Hilfswerk für eine Heber- gangszeit fein. Die wirtschaftliche (Entfaltung auf die Dauer kann nur aus eigener Kraft er­reicht werden. In dieser Erkenntnis haben Sie ja

die Werbewoche veranstaltet, nachdem Sie auf der Leipziger Messe im Rahmen derBraunen Tlefle* zum erstenmal geschloßen auf dem Markte en schienen sind.

Die Reichsregicrung wirb alle» tun, um den (Er­folg be» Kampfe» ja sichern. Deerocgcn hat sie zunächst bievielsachenhemmnissebe- s e i t i g t, bie auf den Grenzgebieten der Hand- werkswirtschaft lagen. Sie hat Sperren für bie Reuerrichtung von Einzelhanbelsgeschäften aller Art, so auch von Linheitsprelsfilialgefchäflen unb Warenhäusern erlassen, bie Auswüchse auf dem Gebiete des Zugabewescn» beseitigt. Diese» Gesetz wird eine Ergänzung durch eine gesetz­liche Regelung be» Rabattwefens finden. Die Aufgaben der w arenhäaser nutz