Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen.
Wanderfahrten.
Gießen — Badenburg — Hangelstein — hoher Berg — Großen-Buseck.
Von der Unterführung in der Ederstraße folgen wir blauen Strichen, die uns mit schönen Fernblicken unterwegs zunächst dem Bahnkörper entlang, später über eine aussichtsreiche höhe nach der bewirtschafteten Ruine Badenburg leiten. Durch die Fenster der alten Burg bieten sich uns hübsche Blicke auf die Lahn. Wir gehen dem Zeichen nach weiter durch das Badenburger Wäldchen, überschreiten die Marburger und Daubringer Straße und gelangen nach einem kräftigen Anstieg auf die höhe über dem Steinbruch im Hangelstein mit wiederum reizvoller Aussicht auf das Lahntal, unsere Nachbarburgen und den Dünsberg. Auf der höhe gehen wir weiter, nunmehr blauen Dreiecken nach, bis zur Felsenkanzel, wo wir hinabsteigen, um nach Passieren der Teufelskanzel und Unionslinde alsbald zum Saubringer Paß zu kommen. Auch hier erfreuen uns wieder prächtige Blicke nach verschiedenen Richtungen. Immer dem Zeichen durch Wald folgend treffen wir später rote Punkte, denen wir nach rechts folgen und über den hohen Bergen nach unferem Endziel Großen- Buseck gelangen. Dauer der Wanderung etwa vier Stunden.
Ehringshausen — Feldatal — Mücke — Grünberg.
- Diese Wanderung ist, da sie wenig Schatten bietet, mehr für kühlere Tage geeignet. Von unserem Ausgangspunkt Ehringshausen gehen wir ohne Zeichen über Oberndorf das Feldatal, im Volksmund hohler Grund genannt, aufwärts. Nach Inständiger genußreicher Wanderung durch das Tal, das landschaftlich von hoher Schönheit ist, erreichen wir die Oberförsterei Schellnhausen, um von hier die Straße über Ermenrod nach Ruppertenrod einzuschlagen, wo wir gelbe liegende Kreuze treffen, denen wir jetzt folgen. Wir überschreiten die Ohm und bei Mücke den Seenbach und gelangen nach etwa fünfstündiger Wanderung zu unserem Endziel Grünberg.
Bayreuth.
Von Hans pflüg.
Zärtlichkeit ist das Erlebnis von Bayreuth. Das seltene Erlebnis also der Rokokostadt der großen Wilhelmine, der Richard-Wagner-Stadt, der Iean°Paul-2dylle und der Heimat des Gymnasiallehrers Kaspar Schmidt, der „sein Sach' auf nichts gestellt hat". Zärtlichkeit aber ist alles, ist das höchste, was nicht nur eine Stadt zu verschenken hat, ist vollendete Musik, Schwung der Seele, rhythmisches Fest.
Freundlich stimmt schon der erste Gang durch die Straßen, die alle den einen Äamen zu tragen scheinen, der dieser Stadt eine Solorolle im Welttanz der Städte zugeteilt hat. Man kennt als Franke die vielen Bauten im Stile der Brüder Mansard von Ansbach her, der Schwesterstadt Bayreuths, und aus dem lieben Erlangen. Diese Häuserzeilen sind so anheimelnd, daß man daran denken muß, daß einmal gesagt wurde, man könne bei diesen Hugenottenhauschen den Hausschlüssel famos in die Dachrinne legen und brauche ihn nicht ins Wirtshaus mitnehmen.
Bayreuth ist aber nicht immer und nur so. Ich habe auch Reu-Bayreuth gesehen. Wie haben sie doch den lieben kleinen roten Main so arg sachlich in Zement gefaßt und seinen Grund gepflastert. Ich sah keine Haarnixe ihr Grün diesem Strombaby zur Zierde geben und von der Fischperspektive aus betrachtet, ist dieses Zementaquarium doch recht grausam.
Wenn ich Bayreuth sage, denke ich: Eremitage. Llnd das ist absolut unsachlich und vielleicht ein wenig ungerecht. Aber es ist so. Ich liebe die Ouvertüre zum „Tannhäuser", aber ich habe
ein Mozartmenuett doch auch riesig gern. Menuettliebende Spielerei aber ist dieses himmlische Lustschloß der großen Markgräfin und doch mehr als eine Spielerei. Es ist der geniale Ausdruck der Sehnsucht eines einsamen Herzens, eine Anklage an die Männer, die auch heute noch manchmal so sind wie einst der nichtverstehende, liebenswürdige und kleine Gatte der Wilhelmine.
Im Park der Eremitage gibt es zwar nicht so viele versteckte Amoretten und seltsame Hüter der Liebe wie im Beitshöchheimer Park, aber hier gibt es Lichtungen, auf denen man sich (vergebens) nach Reifrockreigen umsieht und Büsche, in denen Rokokokichern und verliebtes Flüstern zu hören ist. älnd viele Wege führen vor Tore, aber diese Tore öffnen sich alle, wie von einer liebenswerten Hand bewegt. Die Wasserkünste vor dem Sonnentempelchen und der Orangerie sah ich nicht, man läßt sie zu anderer Zeit spielen.
Aus dem Weg zur Eremitage steht die „Rollwenzelei". Ein lustiges Wirtshaus, an dessen Tür eine Tafel besagt, daß hier Iean Paul Friedrich Richter dichtete. Hier gab es zu Mittag oberfränkische Klöße mit Schweinebra- ten. Man verzeihe diese Erwähnung in diesem Zusammenhang (der Kenner wird ihre Rotwen- digkeit gern bestätigen!). Iean Paul dichtete und bescherte hier, und wir Heutigen können ihm nur eines davon nachmachen. Wir denken gerne an des Feldpredigers Schmelz les Reise nach Flätz und an Quintus Fixlein, an unsere und andere Flegeljahre und trinken noch eins.
Unb dann pilgert man wieder nach Bayreuth zurück. Xlnt> plötzlich fällt mir eine kleine Plastik ein, die ich hier in einer Ausstellung sah, eine Mädchenstudie eines oberfränkischen Künstlers, der C. Werner heißt. Alnb von dieser kleinen Kostbarkeit nehme ich noch Abschied. Zärtlichkeit im Herzen...
— Meyers Reisebücher: Arlberg. Allgäuer und Lechtaler Alpen, Bregenzer Wald, Ferwallgruppe, Silvretta. Mit acht Karten, zwei Plänen und zwei Rundsichten. Kartoniert 3,70 Mark. 1933. Verlag Bibliographisches Institut AG-, Leipzig. (554.) — Der Führer umfaßt die abwechslungsreiche Landschaft von den Oberstdorfer Bergen bis zur Silvretta und vom Bodensee bis zum Fernpah und führt mit gleicher Zuverlässigkeit den Bergsteiger wie den Talschleicher sicher durch dieses prächtige Dergland. Trotz
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knapper Fassung sind die Wegbeschreibungen ausführlich und mannigfaltig. Der Wintersport ist durch eine Zusammenstellung lohnender Skitouren berücksichtigt. Die Angaben über älnterkunft und alles andere, was der Fremdling braucht, sind ausgiebig; auf den hochwertigen Karten wurden die Autostraßen deutlich markiert.
-!Dle9er5!Reifebüd)er:!RomunbUm<' gebun g. Mit 21 Karten, Plänen, Grundrissen und einer Zeittafel der Päpste. Leinen 5.50 Mark. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig. — (58.) — Durch seine politische und kulturelle Entwicklung in den letzten Jahren lenkt Rom wieder das Interesse der gesamten Kulturwelt auf sich. Die Durchführung des großzügigen Stadtplanes Mussolinis, die neuen Ausgrabungen, wie die Errichtung von Monumentalbauten und die Neuanlagen der Vatikanstadt — ihr» alles bietet einen neuen starken Anreiz zum Besuche der Ewigen Stadt. Der vorliegende Band berück- fitigt alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, verzichtet aber auf eine eingehendere Schilderung der Ktmst- werke, für deren Studium Spezialkataloge unerläßlich sind. Eine geographische Uebersicht von Dr. Friedrich Leyden führt in die eigenartige Anlage der Siebenhügelstadt ein. In der Umgebung Roms sind die beliebtesten Ausflugsziele beschrieben; auf den Umgebungskarten wie auf den Stadtplänen sind die Autostraßen deutlich markiert. Die geschichtlichen Angaben sind durch eine Zeittafel der Päpste ergänzt.
Traubenkuren, Winzerfeste, Weinproben.
Gpäisommersrische an Rhein und Mosel.
Das Drängen zu den Bahnsteigen, zu den Landebrücken der Rheindampfer hat eingesetzt. Es herrscht Ferien end stimmung im Rheinland, älnd nun kommt die Zeit derjenigen, die mehr „solo" Land und Leute in der deutschen Westmark genießen möchten: Die Rachasaison!
In den rheinischen Bädern lockt jetzt jene wohltuende spätsommerliche Stille, deren nervenstärkende Wohltat namentlich von den älteren Generationen so sehr geschäht wird. In den rheinischen Weinbaugebieten aber lockt nun langsam die Erntestimmung.
Doch noch hat die Verfärbung der Trauben in den Weingärten kaum begonnen. In den Rotweingebieten bei Aßmannshausen und an der Ahr zeigt sich erst eine ganz leichte „Glut", die noch lange nicht den tiefblauen und violetten Ton der Reife aufweist. Die frühen Rieslingtrauben aber beginnen langsam goldgelb zu werdep und bald sind an den meisten Orten des Rheinlandes die Pfade in die Weinberge gesperrt, damit Einberufene sich nicht allzu gütlich tun an dem, was durch des Winzers Fleiß wuchs. Wenn aber die Weingemarkung gesperrt ist, ist die Zeit da, in der die Traubenkuren beginnen.
In den Winzerdörfern selbst aber klingt heute der typische rhythmische Reifenschlag der Küfer und Faßbänder, die mit der Anfertigung der neuen „Stücke" für den 33er beschäftigt sind. Ra- mentlich kleine Fässer braucht man, denn hier und dort kehrt man wieder zu der guten alten Sitte zurück, sich ein Fäßchen Wein von Mosel oder Rhein schicken zu lassen, zumal er so billig ist. — Un& auf den Höfen der Winzer ist jetzt großes „Faßausschwefeln", -spülen und -bürsten und -schwenken. ,
Allenthalben aber wird das rheinische Winzerdorf jetzt von frischem Obst- und Traubenduft durchweht. Ob Sie nun in Leutesdorf-Hammerstein, Boppard, Lorch, Eltville und wie die rheinischen Weinorte alle heißen mögen, oder in Sponheim, Weinsheim, Waldböckelheim an der Rahe oder in Hatzenport, Kobern, Cochem, Traben-Trarbach, Dernkastel, Graach, Zellingen an der Mosel oder in Ahrweiler, in Walporzheim weilen: äleberall finden Sie die Vorbereitungen zur Weinernte. Sie scheint nicht schlecht zu werden in diesem Iahre, denn Behang und Beeren sind gut und voll. Die letzten Sonnenwochen lassen zudem, was die Qualität anbelangt, einen ausgezeichneten Iahrgang erwarten. Doch darüber läßt sich erst reden, wenn der Most gegoren hat.
Zuvor werden nun die Winzerfeste gefeiert. Winzerzüge mit Winzertänzen werden in heimatlicher Art veranstaltet. Das alte traditionelle Winzerfest in Bacharach, „immer noch Gott Da- chus selber geweiht", steht allen voran. Die Weinkirmessen im Rheingau und die an der Mosel schließen sich würdig an. An Saar, Lieser, Sauer und Ruwer ganz westlich im Trierer Land an des Reiches Grenze ist die Zeit der Weinernte eigentlich die, die dem Spätsommergast das Schönste bietet. In Trier, Koblenz, Cochem, Dernkastel Mainz usw. stehen die Weinversteigerungen bevor!
Wer also die Spätsommersonne liebt, dem bieten sich jetzt nach dem Vorübergang der Hundstagshitze mit ihren Gewittern, angenehm kühle Ferienwochen in den Winzerstädtchen und Weindörfchen an Ahr, Rhein, Mosel und Rahe. Billiger und schöner als jetzt ist im ganzen Iahr dort nicht unterzukommen. Angenehmer als jetzt in den Spätsommerwochen sind die Spaziergänge auf Berge und Burgen, in Talgründe und Wälder selbst im Frühling nicht.
Wer eine solche „Spätsommerfrische" mit einer Rhein- oder Moseldampfer abschließt, der wird von der Fülle der landschaftlichen Eindrücke lange zehren können.
Reiseliteraiur.
— Raven st eins Wegebezeichnungskarte Vogelsberg und Wetterau, Maßstab 1:120 000, die offizielle Karte des Vogelsberger Höhen-Clubs e. V., ist in siebter Auflage bei der Geographischen Verlagsanstalt Ludwig Ravenstein AG., Frankfurt a.M., erschienen.— Die Markierungszeichen sind auf der Karte in denselben Farben und mit denselben Zeichen wie sie in der Ratur angebracht sind, gedruckt. Die vielen neuen und abgeänderten Wegezeichen wurden sorgfältig eingetragen, so daß die neue Karte ein stets zuverlässiger Wandergenosse ist. Das Hauptwandergebiet des Hoherodskopfs behandelt eine Deikarte 1:60 000. Die für unsere wanderlustige Iugend wichtigen Jugendherbergen sind durch rote Dreiecke dargestellt. Die farbig bezeichneten 21 Hauptlinien des VHC. sind mit Zeitangaben auf der Kartenrückseite erläutert, ebenso findet man hier beachtenswerte Wandervorschläge. Es ist zu wünschen, daß die Reuausgabe den alten Freunden des Vogelsbergs fteue hinzuwerben roiib. Der Preis beträgt 1,50 Mark für die Karte auf Papier und 3,60 Mk. auf Leinwand.
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